Methoden und Beispiele der Arbeit mit dem Medium Film im schulischen Italienischunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

21 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Kompetenzen, die mit dem Film gefördert werden können
II.1 Interkulturelle Kompetenzen
II.2 Methodische Kompetenzen
II.3 Verfügbarkeit von sprachlichen Mitteln
II.4 Kommunikative Kompetenzen

III Theoretische Dreigliederung bei der Bearbeitung eines Film im Unterricht
III.1 Pre-Viewing Activities
III.2 While-Viewing Activities
III.3 Post-Viewing Activities

IV Kurzer Überblick über zwei empfehlenswerte Filme
IV.1 Italy - Love it or leave it
IV.2 Terraferma

V Ergebnisse & Fazit

VI Literaturverzeichnis

I Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit wurde im Rahmen des fachdidaktischen Seminars zur Nachbereitung des Fachpraktikums Italienisch erstellt.

Die digitalen Medien sind im Jahr 2016 nicht mehr allzu neu, die Notwendigkeit sie einzusetzen besteht mehr denn je: nicht nur motiviert es Schülerinnen und Schüler1, mit Materialien zu arbeiten, die sie in ihrem Alltag ständig nutzen, auch macht es Sinn, der Tatsache gerecht zu werden, dass hier wertvolle Ressourcen liegen. Die Vertrautheit mit Internet, Filmen oder Musik, weniger dem Radio, ermöglicht es ganzen Klassenverbänden, ohne größere Einführungen direkt mit dem Lernen zu beginnen.

Der Film eignet sich hier insofern besonders, da er visuelle Reize mit auditiven verknüpft, also der Sprache direkt und in ständiger Folge Bilder zuordnet, was in dieser Fülle sehr ergiebig sein kann.2 In besonderem Maße gilt dies für den Fremdsprachenunterricht, denn beim Erlernen einer Sprache gilt es, jede Lernform zu nutzen und - immer mit Blick auf die Lernstruktur der SuS - immer wieder zu versuchen, die optimale Lernumgebung zu schaffen. Dass die angesprochene Verknüpfung von Gesprochenem und Bewegtbildern den SuS neue Möglichkeiten eröffnet, liegt nicht nur daran, dass es für sie stets attraktiv ist, einen Film zu schauen. Denn wie die Hausarbeit zeigen möchte, gibt es eine große Fülle an Möglichkeiten, den Film in unterschiedlichsten Übungen mit Lese- und Schreibsituationen zu verbinden, ihm sich aus vielen Perspektiven zu nähern und ihn zu untersuchen, um so das Optimum aus ihm herauszuholen.

Zuletzt ist der Film - bei aller Künstlichkeit - in der Lage, bei entsprechender Qualität der Produktion den SuS eine Wirklichkeit abzubilden, die der Realität oft sehr nahe kommt, besonders was die Sprechakte angeht. Zumindest bemühen sich viele Filmemacher darum, ein hohes Maß an Authentizität einzubringen, was im Fremdsprachenunterricht - Stichwort interkulturelle Kompetenz - oft nicht gewährleistet ist. Denn insbesondere die klassischen Lehrmaterialien haben nicht die Ressourcen und auch gar nicht das Ziel, authentisch zu sein. Sie müssen sich zumeist auf ihre didaktische Funktion konzentrieren und wirken dadurch oft ziemlich künstlich. Didaktik und (italienische) Realität zu verbinden, den SuS beides gleichzeitig zu vermitteln, wäre gerade was die Motivation betrifft, die Optimalvorstellung von Fremdsprachenunterricht.3 Zudem ist im Kernlehrplan die Nutzung der „italienischen Sprache als Ausdruck kultureller Zeugnisse der italienischen Lebenswelt“4 gefordert, was das Medium Film eins zu eins umsetzt.

II Kompetenzen, die mit dem Film gefördert werden können

Nach dem Unterrichtsvorhaben in den Kernlehrplänen (s. 18)5 teilen sich die Kompetenzen in vier verschiedene Felder auf:

1. Interkulturelle Kompetenzen
2. Methodische Kompetenzen
3. Verfügbarkeit von sprachlichen Mitteln und sprachlicher Korrektheit
4. Kommunikative Kompetenzen

Es soll ein erster Ausblick darauf folgen, inwieweit welche von der Regierung geforderten Kompetenzen mit dem Medium Film abgedeckt werden können.

II.1 Inte rk ulturelle Kompetenzen

Wie eingangs erwähnt, ergibt sich durch die Motivation der Produzierenden oftmals die Situation, dass sich in Filmen vergleichsweise realistische Szenarien abspielen, soweit dies der Anspruch ist. Auch wenn die Beurteilung dessen subjektiv ist, so sollte der Fachlehrer doch in der Lage sein, zu beurteilen, ob das Realismus-Kriterium auf einen Film zutrifft oder nicht. Leitzke-Ungerer geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn sie sagt: „[…]die Filmrezeption bietet den Lernern somit die Möglichkeit der Begegnung mit authentischer mündlicher Kommunikation.“6

Somit ist es möglich, in einem starken Maß interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, insbesondere Orientierungswissen und Handeln in Begegnungssituationen. Gerade letzteres erfolgt im Fremdsprachenunterricht oftmals sehr künstlich, da Dialoge zwischen den SuS erstellt werden, nachdem zuvor das Vokabular dazu eingeübt wurde. Die meisten Audio-Texte sind gestellt, was hauptsächlich daran liegt, dass sie zum besseren Verständnis der SuS in einer künstlichen Normsprache gesprochen werden. Auch die SuS merken dies - einerseits ist es auf einem niedrigen Lernniveau für sie einfacher, diese Texte zu verfolgen, aber gerade mit fortgeschrittenem Alter werden sie immer reizloser, sodass es unbedingt Sinn macht, sie mit authentischen Texten zu konfrontieren und stärker zu fordern.

Beim Vorführen des Films kann man das Verständnis in vielerlei Weisen vereinfachen: So ist einerseits das Zusammenspiel von (Bewegt-)Bild und Ton eine enorme Hilfe, da es für viele Zusatzinformationen sorgt, was in der Fachsprache mehrkanalige Informationsaufnahme genannt wird. Zudem ist es möglich, beispielsweise mit Untertiteln oder auch mit beigefügter Transkription zusätzlich schriftliche Materialien zuzugeben, so dass unter Umständen auch undeutliche Sprecher oder dialektal geprägte Szenen den SuS verständlich gemacht werden können.

Der Kernlehrplan fordert für SuS mit Italienisch als fortgeführte Fremdsprache, dass sie am Ende der Oberstufe im Umgang mit Texten und Medien geschult sind.7 In diesem Sinne wäre es interessant, wirklich eine Literaturverfilmung zu bearbeiten, die hier die gesamte Forderung abdeckt und natürlich sehr interessante Vergleiche zulässt. Es ist allerdings darüber nachzudenken, inwieweit dann das eine Medium das andere überlagert, ob die Spannungspotentiale unter Umständen verloren gehen, oder ob - falls man Film und Literaturvorlage in gleichem Maße behandelt - das Filmerlebnis als solches nicht zu stark in den Hintergrund rückt.

Da das Medium Film im Alltag der SuS eine sehr große Rolle spielt, ist es für sie mit Sicherheit einfacher, sich mit den Akteuren zu identifizieren. Daher sind gerade Themen wie die italienische Alltagswelt im Spiegel von zeitgen ö ssischer Literatur und Film oder Lebens - und Erfahrungswelt junger Erwachsener 8 besonders ergiebig und eben durch den oder im Film vielfach zu finden.

II.2 Methodische Kompetenzen

Die methodischen Kompetenzen schreiben den „Umgang mit Texten und Medien“9 direkt vor. Zudem wird das Hör-Sehverstehen eingefordert. Im Grunde ist also das Medium Film nach den Vorgaben des Ministeriums unumgänglich. Wie das umgesetzt wird, wird im Folgenden veranschaulicht werden, es spielt selbstverständlich in den Übungsaufgaben und Beispielen eine große Rolle.

Ein mögliches Hindernis auf dem Weg zum Lernen durch Film bildet die Tatsache, dass das Medium sich besonderer Mittel bedient, um in den Verstehens- und Rezeptionsprozess des Zuschauers einzugreifen: dabei handelt es sich um Kameraeinstellungen, Belichtung, Musik, Plotverläufe und vieles mehr. Es muss gewährleistet werden, - auch in der kurzen Zeit, die der Lehrperson meist im Fremdsprachenunterricht zur Verfügung steht - dass die SuS auf diese Besonderheit so vorbereitet werden, dass sie im Nachhinein in der Lage sind, den Film kritisch von einer Meta-Ebene aus zu sehen. Es empfiehlt sich entweder, einen Einstieg in die Reihe zu finden, der zeitsparend und doch sehr effektiv ist - es wäre wünschenswert, dazu ein fremdsprachenübergreifendes Konzept zu entwickeln. Alternativ ist absolut denkbar und im Zweifelsfall noch glücklicher, diesen Einstieg zusammen mit anderen Fachleitern zu organisieren und so die Rezeption von Filmen in allen Unterrichtsfächern (andere Fremdsprachen, Deutsch, eventuell Kunst und Musik) voranzubringen. Dies erfordert natürlich eine gelungene Koordination und Kommunikation im Kollegium.

II.3 Verf ü gbarkeit von sprachlichen Mitteln

Grammatik und Orthographie spielen im Umgang mit dem Film eine absolut untergeordnete Rolle, wohingegen Wortschatzübungen und besonders die Intonation erheblich wichtiger sind. Anhand der nativen Sprecher, die die Schauspieler in italienischen Produktionen fast alle sind, sind zumindest im passiven Lernen die Erfolgsaussichten sehr hoch. Wie hier nun das Lernen der SuS aktiv gestaltet werden kann, soll sich im folgenden Kapitel zeigen.

II.4 K ommunikative Kompetenzen

Auch hier spielt das Hör-Sehverstehen eine große Rolle, was, wie oben bereits erläutert, eine große Stärke der Arbeit m it Filmen im Unterricht darstellt. Eine weitere wichtige Unterdisziplin der kommunikativen Kompetenzen stellt selbstverständlich das Sprechen dar. Hier gilt es, wie auch bei vielen weiteren Kompetenzen, die nicht direkt im While- Viewing-Process verankert sind, das inhaltliche Potential des Films zu nutzen: die Lehrperson muss einen Film wählen, der einerseits thematisch in die Anforderungen der Kernlehrpläne hineinpasst, zudem aber auch für die SuS attraktiv und interessant ist, sodass sie schon im Pre-Viewing-Process angeregt werden, sich aktiv zum Thema des Films zu äußern. So ist auch Leitzke-Ungerers Beitrag kritisch zu sehen: „Da Film ein audio-visuelles Medium ist, geht es bei der Rezeption nahezu ausschließlich um Hörverstehen und (Hör-)Seh-Verstehen.“10 Denn besonders wenn man einem Film eine gesamte Unterrichtsreihe widmet, kann man sich seinen Inhalten so stark widmen, dass letztlich auch alle anderen vom Ministerium geforderten Kompetenzen abdeckt werden. Es ist dem zwar insofern zuzustimmen, als der Film im Zentrum der Bearbeitung steht und hier rezeptive Fähigkeiten vordergründig eine Rolle spielen. Jedoch soll - gerade um die Kritik der Passivität zu widerlegen - der Unterricht eben dahingehend erweitert werden, den Film auf inhaltlicher, sprachlicher und visueller Ebene aus möglichst vielen Perspektiven zu beleuchten.11

III Theoretische Dreigliederung bei der Bearbeitung eines Film im Unterricht

III.1 Pre -Viewing - Activities

Die Rezeption des Films sollte gründlich vorbereitet werden, damit die SuS in der Lage sind, den Film gewinnbringend und zielgerichtet, das heißt im Hinblick auf die in den Kernlehrplänen geforderten Zielsetzungen, zu schauen. Es ist hier wichtig, ein Gesamtkonzept zu konstruieren: einige Inhalte können (und müssen) natürlich während des Schauens oder danach erarbeitet werden. Je nachdem, wie die Konzeption es vorsieht, kann aber beispielsweise beim Thema Mafia, als Vorbereitung auf einen Film wie Ghomorra, vieles an Texten erarbeitet werden.

[...]


1 Im Folgenden nur noch SuS genannt

2 Siehe auch Leitzke-Ungerer, S. 12: „Für die Filmarbeit im Fremdsprachenunterricht erweist sich dieses Zusammenwirken von Bild, Sprache und Ton als großer Vorteil, da hierdurch das Verstehen erleichtert werden kann: Was man sprachlich nicht verstanden hat, erschließt sich häufig über das Bild[…]“

3 Zu den Vor- und Nachteilen siehe auch Leitzke-Ungerer, S. 11 ff.

4 KLP SEK II, S. 12

5 KLP SEK I, S. 18

6 Leitzke-Ungerer: S. 13

7 KLP SEK II, S. 22

8 KLP SEK II, S. 30

9 KLP SEK II, S. 18

10 Leitzke-Ungerer, S. 12

11 Nach Nünning / Surkamp 2006: S. 82 ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Methoden und Beispiele der Arbeit mit dem Medium Film im schulischen Italienischunterricht
Hochschule
Universität zu Köln  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Fachdidaktik Italienisch
Note
2+
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V342609
ISBN (eBook)
9783668323032
ISBN (Buch)
9783668323049
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Film, Italienischunterricht, Kompetenzen, Pre-Viewing-Activity, While-Viewing-Activity, Post-Viewing-Activity, Terraferma, Italy - Love it or leave it
Arbeit zitieren
Philipp Kracht (Autor), 2016, Methoden und Beispiele der Arbeit mit dem Medium Film im schulischen Italienischunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342609

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