Im Folgenden soll untersucht werden, inwieweit die Verfilmung „Guerilla“ von Soderbergh von 2008 eine detailgetreue, der historischen Wirklichkeit verschriebene Umsetzung des bolivianischen Tagebuches von 1966/67 darstellt.
Dazu werde ich einen Einblick in die Adaption von Literatur im Medium Film geben. Da es sich mit der Verfilmung eines Tagebuches um einen Sonderfall der Literaturverfilmung handelt, werden zudem sowohl das Tagebuch als auch die Filmbiografie kurz näher beschrieben. Abschließend werden die Medien sowohl auf inhaltlicher als auch narrativer Ebene miteinander verglichen. Auf dessen Grundlage wird die Frage, ob die Verfilmung das Tagebuch im Wesentlichen wiedergibt, beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Abriss zur Literaturverfilmung
3 Kurze Beschreibung der zu vergleichenden Medien
3.1 Tagebuch
3.2 Film
4 Vergleich von Buch und Film
4.1 Inhalt und Aufbau
4.2 Narrative Struktur
4.3 Atmosphäre und Erzählperspektive
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Verfilmung „Guerilla“ von Steven Soderbergh (2008) eine detailgetreue und historisch fundierte Adaption des bolivianischen Tagebuches von Ernesto Che Guevara (1966/67) darstellt, indem sie inhaltliche, narrative und fokale Aspekte vergleicht.
- Analyse der Spezifika der literarischen Gattung Tagebuch im Vergleich zur Filmbiografie.
- Untersuchung der filmischen Umsetzung historischer Fakten und der narrativen Struktur.
- Vergleich der Erzählperspektive und Atmosphäre in beiden Medien.
- Evaluation des Films als zeitgeschichtliches, informatives Gegenstück zum Selbstzeugnis.
- Einordnung des Werkes im Kontext von Mythosbildung und historischer Realität.
Auszug aus dem Buch
NARRATIVE STRUKTUR
Für den Vergleich der narrativen Struktur wird eine Zeile aus dem Tagebuch und dessen filmische Umsetzung näher betrachtet, wobei die Beschreibung der filmischen Erzählweise durch eine kleinere Formatierung von den darauffolgenden Interpretationen abgegrenzt wird.
„Als wir Higuera erreichten, war alles verändert. Alle Männer waren verschwunden, und nur die eine oder andere Frau war zu sehen […]“ (Guevara 2008: 271).
Die Szene wird nach der Texteinblendung „Tag 328 La Higuera“ zur zeitlichen und örtlichen Orientierung, statisch aus der Untersicht mit Naheinstellung auf die Berge/dem Dorfzugang gerichtet., während Che, mit dem Gewehr in der Hand, sich aus räumlicher Distanz allmählich in das Bild und auf die Kamera zu bewegt. Die Atmosphäre wirkt durch eine spannungserzeugende Musik im On-Ton bedrohlich.
„Geräusche können eine eigene narrative Funktion haben“ (Mikos 2008: 236). Bereits durch das Geräusch überträgt sich die Spannung beim Betreten des Dorfes auf den Rezipienten und wird mit einer Bedrohung gerechnet. Dies wird durch das Kamerabild aus der Untersicht verstärkt, welche hinter Felsbrocken positioniert ist (Vgl. Abbildung 6). Durch die Kameraperspektive aus der Untersicht und hinter einem Felsbrocken hervor, erscheint der Raum weiter, die Person Ches winzig und im Folgenden die gesamte Situation „bedrohlich“.
In der nächsten Einstellung nimmt die Kamera die Perspektive von Che an, mit geschwenktem Bild noch immer im Nahbild-Modus geht diese (in gehaltener Handkamera) mit seiner Perspektive mit, streift in einer 180° Drehung entlang der leeren Häuser, bis sich das Bild wieder in einer Halbtotale fängt, in welcher sich Che mit seinen Männern aus ausgehender Richtung weiter Dorf einwärts fortbewegt. In der nächsten Einstellung folgen nacheinander Großaufnahmen von zwei Guerilleros, um das Bild auf deren Mimik und Gestik zu lenken, wobei das Kamerabild erst einem der beiden Guerilleros, und in der nächsten Einstellung dem zweiten Guerillero folgt, bevor sich beide im Bild wieder treffen und ein Dialog beginnt, aus welchem hervorgeht, dass das Dorf leer ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Leben Che Guevaras ein und definiert die Fragestellung, ob der Film „Guerilla“ das bolivianische Tagebuch historisch getreu adaptiert.
2 Abriss zur Literaturverfilmung: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des Films vom Stummfilm zum Medium, das komplexe literarische Stoffe narrativ adaptieren kann.
3 Kurze Beschreibung der zu vergleichenden Medien: Hier werden das Tagebuch als authentisches, persönliches Dokument und die Filmbiografie als fiktionalisierte Erzählform für den Vergleich charakterisiert.
4 Vergleich von Buch und Film: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert inhaltliche Übereinstimmungen, narrative Techniken wie Montage und die filmische Gestaltung von Perspektive und Atmosphäre.
5 Fazit: Das Fazit bestätigt, dass der Film trotz medial bedingter Änderungen der Erzählstruktur eine nah an der historischen Vorlage orientierte Adaption darstellt.
Schlüsselwörter
Ernesto Che Guevara, Bolivianisches Tagebuch, Literaturverfilmung, Filmbiografie, Guerilla, Steven Soderbergh, Erzählperspektive, Narrative Struktur, Zeitgeschichte, Adaptation, Historische Wirklichkeit, Mythos, Guerillero, Dokumentation, Medium Film.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der filmischen Adaption von Literatur, speziell mit dem Vergleich zwischen Ernesto Che Guevaras „Bolivianischem Tagebuch“ und der Filmbiografie „Guerilla“ von Steven Soderbergh.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Medienspezifik von Tagebuch versus Film, die Umsetzung historischer Ereignisse in ein visuelles Medium und die Frage nach der Authentizität bei biografischen Filmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu ermitteln, ob die Verfilmung eine detailgetreue und der historischen Wirklichkeit verpflichtete Umsetzung der Tagebuchaufzeichnungen darstellt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse, bei der sowohl inhaltliche Übereinstimmungen als auch narrative, filmtechnische Aspekte wie Kameraeinstellungen und Montage untersucht werden.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in den Aufbau von Buch und Film, die narrative Struktur sowie eine Untersuchung der erzeugten Atmosphäre und der angewandten Erzählperspektive.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Literaturverfilmung, Zeitgeschichte, Biografie, Medienvergleich und historische Authentizität beschreiben.
Wie geht der Regisseur Steven Soderbergh mit dem Tagebuch als literarischer Vorlage um?
Der Film orientiert sich inhaltlich stark an den Tagebucheinträgen, setzt diese jedoch durch visuelle Mittel und eine eigene narrative Struktur in eine für den Zuschauer schlüssige Filmform um.
Welche Rolle spielt die Kameraperspektive für die Wirkung des Films?
Die Kamera übernimmt die Funktion des Erzählers und bindet den Rezipienten durch Perspektivwechsel und die Einnahme der Sichtweise von Che Guevara emotional in das Geschehen ein.
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- Mariana Lindenmeyer (Author), 2016, Literaturverfilmung. Eine Nähere Betrachtung des bolivianischen Tagebuchs Ernesto Che Guevaras und dessen Verfilmung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343134