Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert. Rompler von Löwenhalt und die 'Aufrichtige Gesellschaft von der Tannen'


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff „Sprachgesellschaft“

3. Die Stadt Straßburg und ihr gesellschaftliches Umfeld

4. Das Leben Romplers

5. Die Gesellschaft und die Vorrede von Romplers Gedichtband

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die sogenannten „Sprachgesellschaften“ spielten eine nicht unwesentliche Rolle im geisteswissenschaftlichen Leben des deutschen Sprach- und Kulturraums im 17. Jahrhundert – auch oder gerade weil man zu diesem Zeitpunkt noch nicht von „einer“ zusammenhängenden, voll ausgebildeten deutschen Sprache sprechen konnte. Die vorliegende Arbeit soll sich nun exemplarisch mit einer der chronologisch gesehen zweiten Sprachgesellschaft der damaligen Zeit befassen, der „Aufrichtigen Gesellschaft von der Tannen“ und ihrem Stifter, Jessaias Rompler von Löwenhalt. Hierbei soll eine möglichst umfassende Betrachtung erfolgen. Dazu gehört zunächst die Betrachtung des Begriffes „Sprachgesellschaften“ und ihrer Bedeutung und Rezeption. Danach soll das Umfeld der Tannengesellschaft, das heißt die historische Situation zu Beginn des 17. Jahrhunderts allgemein und vor allem für die Stadt Straßburg im speziellen, näher beleuchtet werden. Aber auch auf die zwei zur damaligen Zeit in der Stadt vorherrschenden Geisteshaltungen, der Humanismus mit Matthias Bernegger als seiner zentralen Figur sowie die Reformorthodoxie, angeregt von Johannes Schmidt, soll eingegangen werden. Alles in allem sollen diese Betrachtungen der Frage dienen, inwiefern sich die Umstände der damaligen Zeit in der Sprachgesellschaft und dem Wirken und den Ansichten Romplers niedergeschlagen haben.

Neben der Betrachtung der Person des Dichters soll ein weiteres Kernelement dieser Arbeit aus der Betrachtung der Vorrede seines Gedichtbandes „Erstes Gebüsch seiner Reim-getichte“ bestehen. Da für die Tannengesellschaft so gut wie alle organisatorischen Unterlagen nicht mehr vorhanden sind, liefert diese Vorrede einige wichtige Anhaltspunkte zu den Absichten und Vorstellungen dieser Sprachgesellschaft. Sie ist bedeutend, „[g]erade weil von der Aufrichtigen Tannengesellschaft weder Satzungen noch Sitzungsprotokolle auffindbar sind […]“.[1] Allgemein ist die Forschungslage zu dieser Sprachgesellschaft als sehr dürftig bzw. schlecht einzuschätzen.[2]

Besonders deutlich lässt sich dies allein schon an dem Leben ihres Stifters Rompler von Löwenhalt belegen.[3]

Die Gründe hierfür kann man darin sehen, dass die deutsche Literaturgeschichte vor allem im Vergleich mit der französischen oder italienischen erst später zu einer mit diesen Ländern vergleichbaren Ausprägung kam und alle „frühere“ Literatur vor der Klassik in deren Schatten geriet.[4] Zudem ist der Zugang zur Barockliteratur ein anderer und mit dem zu der Literatur anderer Epochen kaum zu vergleichen. Es ist schwieriger, die individuelle Substanz der Barockliteratur zu erfassen und sie interpretatorisch zu behandeln, da ihre poetischen Formen und Ausdrucksmittel durch lange geltenden Traditionen festgelegt und vorgeschrieben sind und daher nur ein in hohem Maße entindividualisiertes Schreiben und Sprechen erlauben.[5] Dies ist vor allem für die Betrachtung von Romplers Vorrede zu beachten. Nichtsdestotrotz stellen die Sprachgesellschaften als Organisationsformen „eine historische Besonderheit“ dieser Epoche dar und können als „außerordentlich charakteristisch“ für selbige gelten.[6] Aus diesem Grund soll nun eine Betrachtung sowohl der damaligen Zeit als auch einer ihrer Sprachgesellschaften, der Aufrichtigen Gesellschaft von der Tannen, erfolgen.

2. Zum Begriff „Sprachgesellschaft“

Die Idee der Sprachgesellschaften stammt von der Vorstellung der Sprachakademien und entstand nicht zuerst im deutschsprachigen Raum, sondern vorwiegend in Italien und den Niederlanden. Zu den ersten Gründungen von solchen Gesellschaften kam es in Italien bereits im 15. Jahrhundert. Das allgemein angesehenste und bekannteste Vorbild stellt hierbei die „Accademia della Crusca“ dar, welche 1582 in Florenz gegründet wurde und ursprünglich als Verein der literarischen Unterhaltung dienen sollte (konkret dem Vorlesen und Besprechen eigener und fremder Werke). Erst später gab sie sich eine Satzung und stellte die toskanische Sprache in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.[7] In den Niederlanden bildeten sich etwa zur gleichen Zeit sogenannte „Rederijkerkamers“. Beiden Organisationsformen war gemeinsam, dass sie die Pflege der Sprache und Rhetorik zu ihrer Aufgabe machten und, im florentinischen Falle, das Toskanische sogar zu einer italienischen Volkssprache erheben wollten.[8]

Die Konzentration auf und das Bemühen um eine deutsche Sprache beziehungsweise deren Entwicklung, Pflege und „Reinigung“ war auch das Anliegen vieler deutscher Sprachgesellschaften und somit auch der Aufrichtigen Tannengesellschaft:

„Die Sprachgesellschaften galten als pedantische Hüterinnen sprachlicher Reinheit und als Versammlung von nörgelnden Verbesserern und Wortfindern. Ihr vornehmstes Ziel ist die Reinerhaltung der deutschen Sprache von fremden Einflüssen und damit auch die dichterische Formgebung.“[9]

Im deutschen Gebiet gab es mehrere Sprachgesellschaften. Als bekannteste ist hier zweifelsohne die „Fruchtbringende Gesellschaft“ zu nennen, welche 1617 gegründet wurde, in ihren Hochphasen nahezu 890 Mitglieder hatte und ganz konkret nach dem Vorbild der „Accademia della Crusca“ gestaltet sein sollte.

Wie sich am oben angeführten Zitat bereits sehen lässt, war die Rezeption der Sprachgesellschaften auch schon zu ihren Wirkzeiten nicht immer positiv. In der Forschungsliteratur werden sie negativ beurteilt, stellenweise verbunden mit dem Vorwurf, „[…] sie hätten gar nichts geleistet […]“[10]. Dieses Urteil wird den Gesellschaften und ihren Mitgliedern jedoch nicht gerecht. Die Leistungen der Vereinigungen sind, vor allem, wenn man sie im historischen Kontext betrachtet, durchaus beachtlich:

„[…] die Pflege der Muttersprache, die Ausbildung einer einheitlichen deutschen Gemeinsprache, die Schaffung einer deutschen Grammatik […] [sowie] die Zusammenstellung eines deutschen Wörterbuches.“[11]

Ein weiterer wichtiger Punkt, der im Rahmen ihrer Leistungen betrachtet werden muss, ist der ihrer Übersetzertätigkeit. Viele der Übersetzungen der damaligen Zeit sind den Sprachgesellschaften zuzuweisen, in der „Deutschgesinneten Genossenschaft“ galt es sogar als Pflicht, dass die Mitglieder, sofern sie keine eigenständigen Schriftsteller waren, als Übersetzer tätig waren.[12] Die Übersetzungen bereicherten ihrerseits die deutsche Sprache, die durch sie an Präzision und Ausdrucksfähigkeit gewann und neue Begriffe in sich aufnehmen konnte.

Ebenso nicht außer Acht lassen darf man die patriotische Wirkung der Sprachgesellschaften. In einer für das Volk sehr schweren, weil kriegsgeplagten Zeit, vermochten es die Sprachgesellschaften wenn auch nicht in übermäßigem Maße, einen nationalen Gedanken zu entwickeln und zu pflegen. So wird über die Fruchtbringende Gesellschaft gesagt, in ihr hätte „ein patriotisches Gemeingefühl unter seinen vielen und einflußreichen [sic!] Gliedern geweckt.“[13]

All die Spracharbeit, die von den diesen Gesellschaften angehörigen Schriftstellern getätigt wurde, muss auch in dem Kontext der ethischen Perspektive der Sprachgesellschaften betrachtet werden. Die Gesellschaften bemühten sich um die Verbesserung von Kultur und Sitten und sahen als Hauptmittel dafür die Hebung der Sprache auf ein höheres, besseres Niveau. Die reine Spracharbeit losgelöst von diesem Punkt zu betrachten hieße, das wahre Ansinnen der Sprachgesellschaften zu verkennen und ihren Zielen die historische Relevanz zu nehmen.[14]

Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, die Situation und das Umfeld, in welcher die Mitglieder der Aufrichtigen Tannengesellschaft lebten und wirkten, näher zu betrachten. Dies soll nun im nächsten Teil der Arbeit erfolgen.

3. Die Stadt Straßburg und ihr gesellschaftliches Umfeld

Die Situation in Straßburg zur damaligen Zeit zu betrachten ist insofern von Relevanz, als dass sich Literatur im 17. Jahrhundert in sehr starkem Maße an Orten und Regionen konzentrierte. Zentren wie Wolfenbüttel, Heidelberg, Nürnberg, Schlesien oder eben Straßburg stehen für das, was heute als Literatur des Humanismus, der Gegenreformation und des Barock gilt.[15]

Straßburg befand sich, aufgrund seiner Lage an einem strategisch wichtigen Rheinübergang, im Interessengebiet mehrerer Parteien und Interessengruppen (der Habsburger, Schweden und Franzosen). Von all diesen Parteien gab es mehrmals Angebote, Vertragsverhandlungen und politische und militärische Forderungen, welche in der Stadt von einem komplizierten Verwaltungsapparat behandelt werden mussten.[16]

[...]


[1] Ludwig, Heinz: Die Aufrichtige Gesellschaft von der Tannen zu Strassburg. Eine Monographie, Innsbruck 1971, S. 83.

[2] Bircher, Martin: Zur Quellen- und Forschungslage bei den Sprachgesellschaften, in: Ders. / van Ingen, Ferdinand (Hrsg.): Sprachgesellschaften, Sozietäten, Dichtergruppen (Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, Bd. 7), Hamburg 1978, S. 27.

[3] Schäfer, Walter Ernst: Jessaias Rompler von Löwenhalt als Satiriker und die Straßburger Tannengesellschaft, in: Daphnis. Zeitschrift für mittlere deutsche Literatur und Kultur der frühen Neuzeit 5, 1976, S. 128.

[4] Steinhagen, Harald: Einleitung, in: Steinhagen, Harald (Hrsg.): Zwischen Gegenreformation und Frühaufklärung: Späthumanismus, Barock (Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte, Bd. 3), Hamburg 1985, S. 10.

[5] Ebd., S. 12.

[6] Ketelsen, Uwe-Karsten: Literarische Zentren – Sprachgesellschaften, in: Steinhagen, Harald (Hrsg.): Gegenreformation und Frühaufklärung, S. 128.

[7] Otto, Karl F.: Die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts, Stuttgart 1972, S. 7.

[8] [8] Flamm, Traugott: Eine deutsche Sprachakademie. Gründungsversuche und Ursachen des Scheiterns (von den Sprachgesellschaften des 17.Jahrhunderts bis 1945) (Europäische Hochschulschriften, Bd. 1449), Frankfurt/Main 1994, S. 5f.

[9] van Ingen, Ferdinand: Die Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts. Versuch einer Korrektur, in: Daphnis 1, 1972, S. 14.

[10] Otto, Karl F.: Sprachgesellschaften, S. 64.

[11] van Ingen, Ferdinand: Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts, in: Daphnis 1, S. 15.

[12] Otto, Karl F.: Sprachgesellschaften, S. 64.

[13] Flamm, Traugott: Eine deutsche Sprachakademie, S. 15.

[14] van Ingen, Ferdinand: Sprachgesellschaften des 17. Jahrhunderts, in: Daphnis 1, S. 22.

[15] Ketelsen, Uwe-Karsten: Literarische Zentren, in: Steinhagen, Harald: Gegenreformation und Frühaufklärung, S. 117f.

[16] Kühlmann, Wilhelm / Schäfer, Walter Ernst: Literatur im Elsaß von Fischart bis Moscherosch. Gesammelte Studien, Tübingen 2001, S. 100.

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Details

Titel
Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert. Rompler von Löwenhalt und die 'Aufrichtige Gesellschaft von der Tannen'
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V343156
ISBN (eBook)
9783668330054
ISBN (Buch)
9783668330061
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachgesellschaft, Tannengesellschaft, Jessaias Rompler von Löwenhalt, Straßburg, 17. Jahrhundert
Arbeit zitieren
Philipp Zeidler (Autor), 2013, Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert. Rompler von Löwenhalt und die 'Aufrichtige Gesellschaft von der Tannen', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343156

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