Das Filplakat zum Film "A little Chaos". Eine Analyse

Der Vergleich amerikanischer, französischer und deutscher Filmplakate


Essay, 2015
11 Seiten, Note: 1,3
Hanno Dampf (Autor)

Leseprobe

Sowie es Abweichungen in der öffentlichen Bewerbung oder Promotion eines Filmes gibt, so sind auch die jeweiligen Gestaltungsweisen der diversen, individuellen Paratexte eines solchen Filmes besonders im Hinblick auf den amerikanischen, europäischen und asiatischen Filmmarkt oftmals stark variierend. Im Verlaufe dieses Essays soll der Versuch unternommen werden das amerikanische, französische und deutsche Filmplakate der Produktion A LITTLE CHAOS vergleichend gegenüberzustellen und mittels der gewonnenen Erkenntnisse des individuellen Designs, gleichzeitig etwaige Gemeinsamkeiten und Unterschiede der überkontinentalen, amerikanischen und europäischen Filmbranche herauszuarbeiten. Hierfür wird im Anschluss zunächst eine ausführliche Beschreibung der jeweiligen Filmplakate vorangestellt:

Der amerikanischen und somit ursprünglichen Version des Filmplakates (Abb. 1) widerfährt eine klare Vierteilung. Das unmittelbare Zentrum der Aufmachung, dem man neben dem Filmtitel auch eine Auflistung der Hauptrollen und des Regisseurs entnehmen kann, ist leicht nach unten verschoben und nimmt somit nicht den absoluten Mittelpunkt des Plakates ein. Dies ist der Darstellung der beiden Haupthandlungsträger der Geschichte, André le Nôtre (Matthias Schoenaerts) und Sabine de Barra (Kate Winslet) geschuldet, die zirka die Hälfte des Gesamtplakates ausmacht. Beide Figuren sind dabei leicht versetzt platziert. Während Kate Winslet eine exponierte Position in Bedeutungsperspektive, am vorderen rechten Rand des Bildausschnittes einnimmt und in die Ferne schaut, scheint Matthias Schoenaerts, der sich hinter Winslet, am äußeren linken Rand des Bildausschnittes befindet, den Rezipienten regelecht zu fixieren, um ihm den Einstieg in die Handlung des Geschehens zu vereinfachen. Beide Figuren tragen aufwendig gestaltete Kostüme und sind vor einem Waldstück staffiert. Eingerahmt werden sie von blauen Blumen im Vordergrund. Somit wird dem Rezipienten ebenfalls ein möglicher Ausblick auf die Filmhandlung gegeben. Es handelt sich um einen aus amerikanischer Sicht Historienfilm dessen Haupthandlungsort ein Garten oder zumindest die freie Natur darstellen soll. Der gewählte Fokus, der auf den beiden Hauptfiguren gelegt wird, intendiert bereits eine romantische Liaison, die durch die Umrahmung der verschwommenen blauen Blumen das Motiv der BLAUEN BLUME1 bildet ein Grundmotiv der romantischen Literaturepoche auf subtile Art und Weise unterstrichen wird. Nochmals bekräftig wird diese Vermutung durch einen äußerst unauffälligen und kleinen, jedoch zentralen Schriftzug im Zwischenraum der Köpfe von Schoenaerts und Winslet, was neben der durchaus ähnlichen Farbgestaltung der jeweiligen Kostüme eine weitere optische Verbindung der beiden Figuren naheliegen lässt: From incredible passion grows incredible. Dieses doppeldeutige Wortspiel könnte erneut auf die im Film vorhandene Liebesgeschichte anspielen, oder aber auf die immense Hingabe Sabine de Barras (Kate Winslet), auf ihre Aufgabe der Gestaltung des königlichen Gartens von Versailles. Anhand der Staffage und Aufmachung ist eine klare Intention des Plakatdesigners zu erkennen. Die Produktion soll über die Darsteller, allen voran Kate Winslet, beworben werden. Einer der Mechanismen der hollywoodschen Filmindustrie bildet das sogenannte STARSYSTEM, bei dem der Wert einer Filmproduktion oftmals von der Besetzung abhängig gemacht wird. Je größer das Starpotential einer filmischen Besetzung ist, desto geringer wird das Risiko eines kommerziellen Misserfolges an der der Kinokasse. Durch die Besetzung des Belgiers Matthias Schoenaerts, der hauptsächlich in Europa aktiv und renommiert ist, erhofften sich die Produzenten mutmaßlich einen ebenfalls gesicherten Absatz auf dem europäischen Filmmarkt. Die zweite Ebene des Filmplakates nimmt wie zuvor bereits angerissen einen rein informativen Charakter ein. Im Zentrum dieses Abschnittes steht der amerikanische Originalfilmtitel A LITTLE CHAOS, der auf einem unauffälligem Beigeton gehalten wird. Die Letter des Titels weisen gold-gelbe Töne mit leichten Schattierungen und Farbabstufungen auf. Bei der verwendeten Typographie handelt es sich um die in Kapitälchen gehaltene Schrift TRAJAN2, die auch bei dem Film TITANIC auch in diesem Film wurde Kate Winslet in einer Hauptrolle besetzt, was ebenfalls eine erwünschte, unterschwellige Implikation zu Tage treten lassen könnte Gebrauch fand. Der Filmtitel alleine, lässt nicht unbedingt auf den Hintergrund des Filmes schließen. Allerdings liefert die Beschreibung des KLEINEN CHAOS für einen amerikanischen Kinobesucher erste, rudimentäre Anhaltspunkte zur Gartenarchitektur des französischen Barocks, was dem Umstand geschuldet ist, dass der französische Barockgarten nicht nur geographisch, sondern auch Kultur- und Ideengeschichtlich weit von den Vereinten Staaten entfernt liegt. Weiterhin bietet auch die Doppeldeutigkeit dieses Wortspiels die Möglichkeit eine zweite Metaebene des Filmes, die neben dem Garten liegt zu thematisieren; nämlich die Gefühlswelt der beiden Hauptfiguren und die damit verbundenen möglichen Konsequenzen, die im Filmtrailer aufgegriffen werden. Hierbei werden unter anderem die Sprachfragmente A LITTLE RISK3, A LITTLE LOSS4, sowie A LITTLE LOVE5 und A LITTLE ORDER6 schriftlich fixiert, was wiederum weitere Hinweise und Ausblicke über einen möglichen Handlungsverlaufs liefert. Sowohl der Trailer des Films, als auch das dazugehörige Plakat sind also eng aufeinander abgestimmt. Augenscheinlich wird für alle öffentlich-visuellen Paratexte, durchgehend konsequent, die gleiche Typographie verwendet. Ebenfalls in der Schriftart TRAJAN, aber in einem rot-braunen Farbton werden, neben Winslet sie wird an erster Stelle genannt, was die Rolle der Mechanismen und Funktionen des amerikanischen STARSYSTEMS erneut evident macht und Schoenaerts, noch zwei weitere Darsteller genannt. Es handelt sich dabei um Alan Rickman und Stanley Tucci. Die Nennungen befinden sich dabei knapp über dem zentralen Filmtitel. Leicht darunter hingegen wird der Regisseur genannt, bei dem es sich wiederum um den bereits oben genannten Alan Rickman handelt. Auffällig dabei ist, dass die Nachnamen der Akteure allesamt größer dargestellt werden, als de Vornamen und so besonders hervorstechen. Die dritte Bildebene des Plakates nimmt lediglich knapp ein Drittel der Gesamtaufmachung ein. Hierauf ist Ludwig XIV. (Alan Rickman) im Zentrum des Geschehens zu erkennten. Flankiert wird er vom Herzog Philippe von Orléans (Stanley Tucci) zu seiner Linken und Madame Le Nôtre (Helen McCroy) zu seiner Rechten. Sie sind innerhalb der vorderen Parterrezone des Gartens platziert, sodass der Blick auf die Fassade des Schlosses gegeben ist. Über diese Bildebene können somit also die restlichen inhaltlichen Informationen des Filmes erschlossen werden. Die letzte und untereste Bildebene ist erneut in dem bereits zuvor beschrieben Beigeton gehalten und besitzt, wie auch der mittlere Plakatabschnitt, ebenfalls einen rein informativen Charakter. Hier finden sich die noch fehlenden Informationen über den kompletten übrig gebliebenen Cast des Filmes wieder. Die Schrift ist dabei äußerst klein gehalten und hebt sich kaum von dem beigen Untergrund ab. Nach den Konventionen der hollywoodschen Filmindustrie wird der Regisseur auch hier zuletzt genannt. Unter der Auflistung werden die Filmstudios und Koproduzenten mit ihren jeweiligen Studio- Production-Logos genannt und bilden somit den Abschluss des Filmplakates. Die jeweils gewählten Ausmaße und Formatierungen könnten dabei mögliche Hinweise auf die inhaltliche Gewichtung des Films offenbaren, auf die auch die Produzenten in ihrer Bewerbung des Films abzielen. Auffällig ist hierbei der Versuch einer nahezu gleichwertigen Schwerpunktsetzung, mit einer leichter Fokussierung auf die Liebesgeschichte, was sich in der bedeutungsperspektivischen, leicht vergrößerten ersten Bildebene mit den beiden Protagonisten widerspiegeln könnte.

[...]


1 Vgl. BAUMANN, Babara / OBERLE, Birgitta: Deutsche Literatur in Epochen. Ismaningen 1996, S.130. 1

2 Die Bestimmung der Typographie erfolgte über die Website MYFRONTS.COM. Vgl. hierzu: URL: [http://www.myfonts.com/WhatTheFont/]. (Stand: 03.08.2015)

3 Vgl. RICKMAN, Alan: A little Chaos (Filmtrailer). US / Can [https://www.youtube.com/watch?v=ENSjt4naxlE]. (Stand: 03.08.2015)

4 Vgl. ebd., [0:02:03]. (Stand: 03.08.2015)

5 Vgl. ebd., [0:02:08]. (Stand: 03.08.2015)

6 Vgl. ebd., [0:02:14]. (Stand: 03.08.2015)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Filplakat zum Film "A little Chaos". Eine Analyse
Untertitel
Der Vergleich amerikanischer, französischer und deutscher Filmplakate
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Europäische Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Paratexte des Hollywoodfilms
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V343168
ISBN (eBook)
9783668333116
ISBN (Buch)
9783668333123
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paratexte, Hollywoodfilms, Hollywood, Film, Filmplakat, Filmplakate, A little Chaos, Filmproduktion
Arbeit zitieren
Hanno Dampf (Autor), 2015, Das Filplakat zum Film "A little Chaos". Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343168

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