Körpergröße als Steuernachteil. Tagging als effiziente Verteilung der Steuerlast?


Bachelorarbeit, 2016
32 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Effizienzgewinne einer Einkommensbesteuerung mit Hilfe von Tagging
2.1 Umverteilung in einem Steuersystem ohne Tagging
2.2 Optimale Steuern in einem System mit Tagging
2.3 Effizienzgewinne durch die Einbeziehung von Tagging

3. Die Besteuerung der Körpergröße als Anwendung von Tagging
3.1 Studien zur Evidenz der Körpergrößenrente
3.2 Datenanalyse zur Bestimmung der Körpergrößenrente
3.3 Suche nach einer effizienten Möglichkeit zur Besteuerung der Körpergröße
3.4 Steuerschema mit Tagging der Körpergröße
3.5 Zusammenfassung von Mankiw und Weinzierl (2008)
3.6 Daten aus Deutschland

4. Herkunft und Maßnahmen zur Verringerung der Körpergrößenrente
4.1 Herkunft der Körpergrößenrente
4.1.1 Geschwindigkeit des Wachstums von Kindern
4.1.2 Zusammenhang von Körpergröße und kognitiven Fähigkeiten
4.1.3 Theoretisches Modell zur Korrelation Körpergröße und Karriereerfolg
4.2 Konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Körpergrößenrente
4.2.1 Förderung durch Nährstoffversorgung und Gesundheit
4.2.2 Förderung der kognitiven Fähigkeiten
4.2.3 Fazit zu den Maßnahmen zur Förderung

5. Schlussfolgerung und Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Körpergrößenunterschiede zwischen verschiedenen Berufen (nach Case & Paxson, 2008)

Abbildung 2: Größenunterschiede verschiedener Ausbildungsstände (aus Case & Paxson, 2008)

Abbildung 3: Korrelation der Körpergröße von weißen Frauen und Männern mit dem Log Einkommen (aus Case & Paxson, 2008)

Abbildung 4: Verteilung der Gehälter von weißen erwachsenen Männern nach Körpergröße (aus Mankiw/Weinzierl, 2008)

Abbildung 5: Durchschnittliche Steuerrate der verschiedenen Größenklassen im Vergleich (aus Mankiw/Weinzierl, 2008)

Abbildung 6: Theoretisches Modell der Größen-Karriereerfolg-Beziehung (nach Judge/Cable, 2004)

Tabelle 1: Beispielhafte Steuertabelle (aus Mankiw/Weinzierl, 2008)

1. Einleitung

Unter dem Titel „Körpergröße als Steuernachteil - Tagging als effiziente Verteilung der Steuerlast?“ möchte ich einen Einblick in die Besteuerung mit Hilfe von Tagging mit dem konkreten Beispiel der Besteuerung von Körpergröße geben.

Die Arbeit soll das Thema der Besteuerung unter Zuhilfenahme von Tagging in Grundlagen, aber auch in direkter Anwendung sowohl erklären als auch aufbereiten und einen Einblick in Schwachstellen der generellen Theorie geben.

Dazu werde ich zunächst Akerlofs Theorie des Tagging erläutern und eine Besteuerung mit Tagging mit einer Besteuerung ohne Tagging vergleichen und Effizienzgewinne aufzeigen. Danach werde ich den Taggingmerkmal „Körpergröße“ als Beispiel des Taggings und als Methode ein Steuerschema zu erstellen nutzen und zum Schluss hin einen Schritt über die eigentliche Fragestellung hinausgehen und über Gründe einer Körpergrößenrente und mögliche politische Einflusspunkte schreiben.

Tagging spielt in der heutigen Steuerpolitik eine entscheidende Rolle bei der Vergabe von Steuerfreibeträgen und Zahlung von Renten für körperlich beeinträchtigte Menschen. Das theoretische Grundgerüst dahinter stammt aus dem Jahre 1967 von George Akerlof und wirkt universell anwendbar. Das System des Taggings und die Ökonomie dahinter werde ich in Kapitel 2 erläutern.

Diverse Studien zeigen eine Korrelation der Körpergröße mit Einkommen, Macht, sozialem Status und weiteren sozioökonomischen Merkmalen. Hier scheint es einen systematischen Zusammenhang und zudem eine Chancenungleichheit in der Gesellschaft zu geben. Wir sehen systematische Körpergrößenunterschiede zwischen verschiedenen Berufen, zwischen Karrierestufen innerhalb des gleichen Berufes, politischen Ämtern und Gehältern im Allgemeinen.

George Mankiw und Matthew Weinzierl haben 2007 ein Paper über die Anwendung von Tagging auf die Körpergröße herausgebracht und damit ein Beispiel gefunden, bei dem sich die einfachen Regeln des Taggings nicht universell anwenden lassen.

Sie bilden die Tagging-Theorie in Ihrer Gesamtheit ab und erstellen ein Steuerschema, welches sich an Daten aus der realen Welt orientiert und einen gewissen Vorteil von großen Menschen abbildet. Im Ergebnis werden große Menschen deutlich höher besteuert als kleine Menschen. Dies ist zwar effizient, politisch und gesellschaftlich jedoch schwierig durchzusetzen. Besonders spannend ist in diesem Fall, Steuern als politisch festgelegt und demnach als Ausdruck von Demokratie zu betrachten und zu sehen, dass eine effiziente Art der Besteuerung mangels ethischer und gesellschaftlicher Akzeptanz nicht immer eingeführt wird.

Kapitel 3 beschäftigt sich mit diesem Themenbereich, zeigt verschiedene Bespiele für die Evidenz der Korrelation von Körpergröße und Erfolg auf, beschreibt und erklärt die Theorie und das Modell von Mankiw und Weinzierl.

In Kapitel 4 zeige ich verschiedene Theorien und Studien auf, die den Vorteil großer Menschen beschreiben. Teilweise entstehen die Vorteile durch die Wahrnehmung anderer, teilweise entstehen Vorteile durch Korrelation zu anderen Faktoren wie kognitiven Fähigkeiten ohne einen kausalen Zusammenhang zu bieten.

Nach einer Erklärung der Gründe für die Vorteile großer Menschen deute ich thematisch eine Förderung seitens Politik und Gesellschaft an, um die Chancengerechtigkeit zu fördern.

Kapitel 5 dient als Zusammenfassung und gibt ein Fazit sowie einen Ausblick auf Forschungsfragen und politische Handlungsmöglichkeiten.

2. Effizienzgewinne einer Einkommensbesteuerung mit Hilfe von Tagging

Um einen Einstieg in das Thema der Besteuerung mit Hilfe von Tagging zu erhalten, müssen wir zunächst die Ziele von Besteuerung verstehen.

Im Allgemeinen dient die Besteuerung der Umverteilung von Vermögen von Menschen, denen es leichtfällt, Einkommen zu erzielen, hin zu Menschen, denen dies schwerfällt.

Eine solche Wirkung haben jene Steuertarife, welche einkommensschwache Individuen gegenüber einkommensstarken Individuen durch Steuererleichterungen bevorzugen. In Deutschland passiert dies insbesondere durch einen progressiven Steuersatz und Steuerfreibeträge für niedrige Markteinkommen.

Diese einfache Art der Besteuerung ermöglicht es jedoch nicht das eigentliche Ziel der Umverteilung zu erreichen. Statt einer Umverteilung zwischen Produktivitätslevels passiert hier eine Umverteilung rein auf Basis der Einkommen. Hochproduktive Individuen werden incentiviert, weniger zu arbeiten und weniger Einkommen zu erzielen, obwohl es ihnen leicht fallen würde mehr Einkommen zu erzielen.

George A. Akerlof hat im Jahre 1978 das Konzept des „Taggings“ in die Steuerpolitik eingeführt und eine Möglichkeit geschaffen, dem Ziel der Besteuerung der Produktivität näher zu kommen. Er nutzt hier neben dem Einkommen noch weitere Charakteristika, die eben dies unterstützen.

Im Folgenden werde ich sein Konzept(vgl. Akerlof, 1978)erklären, und dabei, wie er auch, eine Umverteilung mithilfe einer negativen Einkommenssteuer als Beispiel nehmen. Zwar sind wie eingangs erwähnt auch weitere Tarife möglich, diese verkomplizieren jedoch die Berechnungen des Modells.

2.1 Umverteilung in einem Steuersystem ohne Tagging

Beginnen wir mit einer negativen Einkommenssteuer sowie einem linearen Steuersatz in der Form: mit als Anteil am Pro-Kopf-Einkommen aller Individuen und t als Steuersatz auf das Arbeitseinkommen Y. Hier entspricht also der strategischen Variable, mit der der Staat eine Transferleistung an einkommensschwache Individuen zahlt.

Dies bedeutet für die Individuen eine bedingungslose Transferleistung von und eine Besteuerung ihres Markteinkommens ab dem ersten Euro.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet bedeutet dies eine Aufsummierung über alle Individuen n:

Durch eine Division durch die Gesamteinkommen () erhalten wir Anteile am Gesamteinkommen: ist bekanntlich gleich (und wir definieren als der Anteil der Gesamtsteuern am Gesamteinkommen, bzw. die Steuerquote. Wir erhalten:

Wir sehen in (1b), dass eine Erhöhung der Transferzahlungen () an einkommensschwache Individuen einer Gesellschaft mit einer Erhöhung des Steuersatzes (t) einhergehen muss. Der Parameter kann nicht vom Staat gewählt werden, da er sich durch den Steuersatz t berechnet.

Eine Erhöhung des Steuersatzes t hat dann das Resultat, dass eine höhere Umverteilung möglich ist, jedoch erhöht dies aus die Steuerquote g, die negativ in (1b) eingeht. Eine Erhöhung der Transferzahlungen hat somit deutliche Effizienzverluste, weil die Steuererhöhung höher ausfallen muss als die Erhöhung der Umverteilung dann ausfällt.

Auch intuitiv gesehen funktioniert diese Art der Besteuerung auf gleichem Wege. Um eine hohe Umverteilung zu erreichen, muss der Anteil am Pro-Kopf-Einkommen, welcher als Transferzahlung ausgezahlt wird, vergleichsweise hoch sein. Dies resultiert darin, dass das gesamte Steuervolumen auch sehr hoch sein muss.

Das gesamte Steuervolumen muss aus der (hier linearen) Einkommenssteuer finanziert werden, da dies die einzige Steuer in diesem Modell ist. Um also diese hohe Umverteilung finanzieren zu können, muss auch die Einkommenssteuer entsprechend hoch sein.

2.2 Optimale Steuern in einem System mit Tagging

Um in einem Staat mit hoher Umverteilung die Steuerlast gering zu halten, schlägt George Akerlof in seinem Paper (1978)eine Besteuerung anhand von bestimmten Charakteristika vor. Er nennt dies „Tagging“(vgl. Akerlof, 1978, S. 9)und führt damit einen bis heute gebräuchlichen Begriff in die Steuerpolitik ein.

Grundgedanke hierbei ist, dass es ein Charakteristikum, den sogenannten „Tag“ gibt, welches von bedürftigen bzw. weniger produktiveren Menschen besessen wird, bei hochproduktiven Menschen jedoch seltener vorkommt.

Der Anteil der Bevölkerung, der diesen Tag besitzt, sei mit.

Bei einer Aufreihung aller Individuen seien diese zwischen 0 und die getagten Personen und die zwischen und 1 die ungetagten Personen.

Die Steuervergünstigungen (hier die negative Einkommenssteuer) wird dann nur noch an die Individuen vergeben, die diesen Tag besitzen.

Die individuelle Steuerrate beträgt dann:

Die über die gesamte Gesellschaft aufsummierte Gesamtbesteuerung ist dann:

Da ist, gilt:

Wir teilen wieder durch das Gesamteinkommen, um die Steuerquote g sowie die Steuerrate t abzulesen:

An Formel (2b) sieht man, dass hier eine Erhöhung der Transferzahlungen an die Bedürftigen () auch hier wieder mit einer Erhöhung der Steuerrate t einhergehen muss, jedoch muss diese Erhöhung nicht so stark ausfallen wie zuvor, da gilt.

Die intuitive Sicht auf dieses Modell macht das Thema wieder greifbarer. Dieses Mal wird die negative Einkommenssteuer nur an diejenigen ausgezahlt, die ein entsprechendes Charakteristikum besitzen. Die gesamte Transferzahlung wird demnach nur an einen Teil der Bevölkerung gezahlt. Dies senkt das insgesamt benötigte Steuervolumen für den Transfer. Dieses Steuervolumen wird wieder vollständig von der Einkommenssteuer refinanziert. Da das Volumen jedoch nun kleiner ist als zuvor, das Gesamteinkommen der Wirtschaft jedoch gleich ist, reicht eine kleinere Steuerrate für die Deckung aus.

2.3 Effizienzgewinne durch die Einbeziehung von Tagging

Im Vergleich der Formeln (1a) und (1b) mit (2a) und (2b) sieht man, dass die oben genannten Wohlfahrtsverluste durch Steueranhebung bei erhöhter Umverteilung in diesem Modell nur noch auf den Anteil der Gesellschaft zutreffen.

Man kann die Ergebnisse aus der Besteuerung ohne Tagging als einen Sonderfall der mit Tagging sehen, in der ist.

Man erhält somit eine generelle Beziehung zwischen der Umverteilung und der Steuerrate t und der -quote g von:

Je kleiner ist, also je genauer ein Tag nur auf die niedrigeren Produktivitätslevel zutrifft, desto effizienter ist eine Umverteilung lösbar. Dies liegt daran, dass ein vergleichsweise hohes, also eine Transferleistung, die nah an dem Durchschnittseinkommen der Gesellschaft ist, durch eine vergleichsweise geringe Steuerrate und Steuerquote erreichbar ist.

Dadurch, dass die Transferzahlungen also nur noch an die Menschen mit einem gewissen Charakteristikum abgegeben werden, sinkt die gesamte Steuerquote g und damit steigt die Wohlfahrt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Körpergröße als Steuernachteil. Tagging als effiziente Verteilung der Steuerlast?
Hochschule
Universität zu Köln  (Center of Macroeconomic Research (CMR))
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
32
Katalognummer
V343249
ISBN (eBook)
9783668332621
ISBN (Buch)
9783668332638
Dateigröße
769 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
körpergröße, steuernachteil, tagging, verteilung, steuerlast
Arbeit zitieren
Fabian Seibt (Autor), 2016, Körpergröße als Steuernachteil. Tagging als effiziente Verteilung der Steuerlast?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343249

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Körpergröße als Steuernachteil. Tagging als effiziente Verteilung der Steuerlast?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden