Die Frau als Opfer häuslicher Gewalt in heterosexsuellen Partnerschaften


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Voraussetzungen und häusliche Gewalt begünstigende Faktoren
2.1 Die Rolle des (patriarchalen) Staates und der Gesellschaft
2.1.1 Die divergierende Rolle der Medien
2.2 Die traditionellen Geschlechterverhältnisse – Der Abhängigkeitsgedanke
2.2.1 Die traditionelle Rolle des (unabhängigen) Mannes
2.2.2 Die traditionelle Rolle der (abhängigen) Frau
2.3 Häusliche Begünstigungen familialer Gewalt

3. Entstehungsprozesse häuslicher Gewalt

4. Formen häuslicher Gewalt – Die „Ehe als Stätte tolerierter Gewalt“?[1]
4.1 Sexuelle Gewalt
4.2 Psychische Gewalt

5. Charakterisierung der männlichen Tätergruppe
5.1 Täter und Macht
5.2 (Scheinbare) Täterentlastungen

6. Charakterisierung der weiblichen Opfergruppe
6.1 Ist-Stand häuslicher gewaltpotentialer Beziehungen
6.2 Die Zeit während der Misshandlung
6.3 Die Zeit nach der Misshandlung
6.3.1 Stigmatisierung der Opfer
6.3.2 Gehen oder Bleiben?

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Meine Seminararbeit zu der aktuellen Thematik häuslicher Gewalt gegen Frauen soll die dunkle Seite der sonst von Liebe und Geborgenheit charakterisierten Kleinfamilie, welche sehr häufig ein zentraler Ort der Gewalterfahrung ist, durchleuchten.[2] Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass häusliche Gewalt heute nicht mehr am Rande der Gesellschaft stattfindet, sondern in ihrer Mitte, sie aber zugleich keine Normverletzung darstellt, sondern durch eine „Normverlängerung“ charakterisiert ist, so Hagemann-White.[3]

Zu diesem Zweck werde ich zunächst häusliche Gewalt begünstigende Faktoren herausarbeiten, wobei neben der gesellschaftlichen Rolle des Staates sowie der traditionellen weiblichen und männlichen Geschlechterrolle auch die herrschenden häuslichen Faktoren zu untersuchen sein werden. Darauf aufbauend werde ich mich dem Aspekt der Ent-stehungsprozesse häuslicher Gewalt zuwenden. Hier wird zu zeigen sein, welche Phasen gewaltbelastete Paarbeziehungen durchlaufen. Anschließend werde ich mich den unterschiedlichen Formen häuslicher Gewalt zuwenden, indem ich zum einen die sexuelle Gewalt und zum anderen die psychische Gewalt an Frauen skizzieren und näher beleuchten werde. Diese Schritte dienen den folgenden Kapiteln als Grundlage, in welchen die Charakterisierung von Täter- bzw. Opfergruppe im Mittelpunkt steht. Ich möchte mich hierbei auf verschiedene Teilaspekte beziehen, welche die jeweilige Position der Problematik verdeutlichen und unterstreichen. Ich stütze mich dabei hauptsächlich auf die Forschungs-literatur von Godenzi, Brückner und Heiliger.

2. Voraussetzungen und häusliche Gewalt begünstigende Faktoren

In diesem einleitenden Kapitel möchte ich wichtige häusliche Gewalt begünstigende Faktoren herausarbeiten. Die Funktion des patriarchalen Staates und der Gesellschaft wird dabei ebenso zu durchleuchten sein, wie die Rolle der traditionellen Geschlechterverhältnisse. Da diese tief im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert sind, ist eine bewusste bzw. auch unbewusste aktive Umsetzung der hierarchisch geordneten Geschlechterverhältnisse alltägliche Praxis. In diesem Zusammenhang werde ich sowohl die traditionelle Rolle des Mannes als auch jene der Frau näher erläutern. Nach den von außen an die Familie herangetragenen Voraussetzungen für Gewalt im sozialen Nahraum werden zuletzt auch die Begünstigungen innerhalb der Wohngemeinschaft und der Partnerschaft in die Analyse mit einfließen.

2.1 Die Rolle des (patriarchalen) Staates und der Gesellschaft

Das Geflecht der vielfältigen Aufgaben- und Zuständigkeitsbereiche des gesamtgesellschaftlichen Systems fungiert im Auftrag der Wahrung, bzw. bei Verletzung, der Widerherstellung des Menschenrechts und der Menschenwürde. Diese garantiert der Staat, ebenso wie die Gleichheit der Geschlechter durch das Grundgesetz, vertreten durch Justiz und Polizei. Doch in der praktischen Umsetzung ist häusliche Gewalt häufig der öffentlichen Kontrolle entzogen und der private Raum entspricht eher der Ideologie einer Schutzvorstellung.[4] Neben dem gesetzlichen Schutzapparat übernimmt das durchflochtene Netz der Medien die Funktion der Tabubrechung innerhalb der Gesellschaft, denn um das Ausmaß der Problematik häuslicher Gewalt zu ächten, muss sie öffentlich gemacht werden. Weiterhin leisten Institutionen und Verbände Aufklärungsarbeit und sind Anlaufstelle für Betroffene .[5]

Vor dem Hintergrund dieser Zuständigkeitsbereiche des Staates wirkt sich vor allem der kulturelle Rahmen, in welchem häusliche Gewalt stattfindet, geduldet oder gar begünstigt wird, auf die Familienstruktur aus: Die gesetzlich und gesellschaftlich gesicherte Würde des Menschen sollte selbstverständlich der in unseren Breitengraden herrschenden Auffassung, die (sexuelle) Macht des Mannes sei ein kultureller Wert und somit „Grundsubstanz der Kultur“[6] vernichtend entgegenwirken. „Entsprechend den Wertvorstellungen des herrschenden Geschlechterverhältnisses“[7] wird über diese Selbstverständlichkeit der Wahrung des Menschenrechts jedoch häufig hinweggesehen oder sie wird wissentlich ignoriert. Gewalt ist somit als gesellschaftlich und kulturell gegebene Möglichkeit im Geschlechterverhältnis verankert.[8]

Schmidt-Häuer sieht in der vorherrschenden Familienstruktur den Spiegel einer Gesellschaft.[9] Die traditionelle europäische Familienstruktur ist charakterisiert durch ein System männlicher Überlegenheit, welche trotz dahinter stehender Unsicherheit und Verletzbarkeit des Mannes aufrecht erhalten bleiben soll. Die brüchige männliche Identität ist von der Frau durch Unterstützung seines Selbstwertgefühls und Stolzes möglichst latent zu halten. Gewalttätige Übergriffe gegen die Unterstützung bietende und Rückhalt gebende Frau sind durch dieses gesellschaftliche und soziale Bild der Rollenzuweisung geprägt, so dass gewalttätige Männer heute dem normativen Standard unserer Gesellschaft entsprechen.[10]

2.1.1 Die divergierende Rolle der Medien

Die steigende öffentliche Wirksamkeit der vielfältigen und weitläufigen Medienlandschaft wirft die Frage nach deren Rolle in der Diskussion um häusliche Gewalt gegen Frauen auf. Auf der einen Seite wird die Forderung laut, durch die Problematik öffentlich zu machen, um das Ausmaß häuslicher Gewalt gesamtgesellschaftlich bekannt werden zu lassen und damit einer fortlaufenden Tabuisierung entgegenzuwirken.[11]

Auf der anderen Seite sehen die Kritiker, wie beispielsweise Godenzi oder Heiliger, die Gefahr in der medialen Überlieferung und Festigung der traditionellen Rollenmodelle. Die „Darstellung sexueller Gewalt und der Verfügung über den weiblichen Körper in [den] Medien [...] [vermittelt der Gesellschaft selbiges] als Norm, als legitime Handlung, als rechtmäßiges Verfügungsrecht des männlichen Geschlechts über das weibliche“, so Heiliger.[12] Godenzi ergänzt die Kritik durch einen weiteren Punkt: Er sieht die Problematik in der Tatsache, dass sich die Medientauglichkeit häuslicher Gewalt auf spektakuläre Fälle beschränkt und die Öffentlichmachung der Alltäglichkeit von Gewalt in der Ehe aufgrund fehlender Brisanz vernachlässigt wird.[13]

2.2 Die traditionellen Geschlechterverhältnisse – Der Abhängigkeitsgedanke

Die Struktur patriarchaler Gesellschaften ist durch eine Ungleichheit der Geschlechter und einer damit einhergehenden hierarchischen Ordnung gekennzeichnet. Brückner betont die gesellschaftlich und kulturell gegebene Möglichkeit der häuslichen Gewalt gegen Frauen durch die hierarchisch geprägten Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit: „Kulturelle Festlegungen von männlichen Rechten und weiblichen Pflichten“[14] korrespondieren mit dem traditionellen „Unterwerfungsritual“[15] und einem einseitigen Besitzanspruch. Diese Geschlechterungleichheit soll in den folgenden beiden Unterkapiteln näher beleuchtet werden, indem ich zunächst auf die traditionelle Rolle des Mannes und anschließend auf die durch Abhängigkeit geprägte traditionelle Rolle der Frau näher eingehe und Charakteristika herausarbeite.

2.2.1 Die traditionelle Rolle des (unabhängigen) Mannes

Das traditionelle (ungleiche) Geschlechterverhältnis kann als Fundament männlicher Handlungsmuster angesehen werden, denn seine strukturelle Verankerung liegt im Selbstverständnis der Gesellschaft und führt zu „kollektiver Bewusstseinstrübung über das Faktum männlicher Dominanz“.[16] Das klassische Bild von Männlichkeit ist durch Attribute wie Stärke, Leistung, Macht, Durchsetzungsfähigkeit, Dominanz und Selbstbewusstsein geprägt. Die Tatsache, dass Frauen diese Männlichkeitszuschreibungen als positiv und beschützend empfinden, führt dazu, dass das so geformte Bild des Mannes in der Gesellschaft beibehalten und standardisiert wird. Die männliche Vorherrschaft über die Frau und die Zugriffsmöglichkeiten auf den weiblichen Körper sind die Konsequenz der herrschenden kulturellen Geschlechtervorstellung und der geltenden gesellschaftlichen Normen.[17] Eine absolute Machtübernahme des Mannes steht einer völligen Abhängigkeit der Frau kontrovers gegenüber.[18]

In Folge dessen ist die anzustrebende gleichberechtigte und in Bezug auf Machtanspruch ausgeglichene Partnerschaft in der Realität durch ein enormes Abhängigkeitsgefälle gekennzeichnet. Der „Wunsch nach geteilter Größe“ innerhalb der Ehegemeinschaft kann nicht bestätigt werden, da überzogene männliche Größenvorstellung in das Beziehungsgeflecht einfließen. Der Mann baut sein Selbstbewusstsein, seine Größe, Machtansprüche und seine Unabhängigkeit auf ihrer Abhängigkeit auf. Auch wenn dieses, zu ihrer realen Größe unangemessene, Verhältnis beider Geschlechter häusliche Gewaltsituationen nicht zwingend herbeiführen muss, so begünstigt es jene zumindest.[19]

[...]


[1] Heiliger, Anita/Engelfried, Constance: Sexuelle Gewalt. Männliche Sozialisation und potentielle Täterschaft.

Frankfurt am Main. 1995. S. 62

[2] Brückner, Margrit: Wege aus der Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Eine Einführung. Frankfurt am Main.

1998. S. 19

[3] Ministerin für die Gleichstellung von Frau und Mann des Landes NRW (Hrsg.): Gewalt gegen Frauen.

Aktionswochen Ministerin für die Gleichstellung von Frau und Mann gemeinsam mit kommunalen

Gleichstellungsbeauftragten des Landes NRW. Düsseldorf. 1991. S. 26

[4] Heiliger, Anita. S. 52

[5] Brückner, Margrit. S. 37-40

[6] Heiliger, Anita. S. 51

[7] Brückner, Margrit. S. 56

[8] Heiliger, Anita. S. 53

[9] Schmidt-Häuer, Julia: Menschenrechte – Männerrechte – Frauenrechte. Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsproblem. In: Mexer-Lenz, Johanna und dem Hamburger Arbeitskreis zur Geschlechterforschung: Geschlecht – Kultur – Gesellschaft. Band 6. Hamburg. 2000. S. 185

[10] Heiliger, Anita. S. 65 und 76-77

[11] Brückner, Margrit. S. 39

[12] Heiliger, Anita. S. 51

[13] Godenzi, Alberto: Gewalt im sozialen Nahraum. Basel/Frankfurt am Main. 1993. S. 143

[14] Brückner, Margrit. S. 12-13

[15] Heiliger, Anita. S. 56

[16] Ebd. S. 54

[17] Brückner, Margrit. S. 10

[18] Ebd. S. 49

[19] Brückner, Margrit. S. 55

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Frau als Opfer häuslicher Gewalt in heterosexsuellen Partnerschaften
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V34422
ISBN (eBook)
9783638346450
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frau, Opfer, Gewalt, Partnerschaften
Arbeit zitieren
Vivien Ziesmer (Autor), 2004, Die Frau als Opfer häuslicher Gewalt in heterosexsuellen Partnerschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34422

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