Spitzensportlern, die in Deutschland ein Studium aufnehmen und erfolgreich absolvieren wollen, stellen sich viele Hürden. Noch immer ist das deutsche Hochschulbildungssystem nicht ausreichend entwickelt, um Leistungssportler zu unterstützen und die Doppelbelastung von Studium und Sport zu reduzieren. Das gewünschte Ziel ist eine Inklusion von Leistungssportlern in das deutsche Bildungssystem. Bisher wird dies zwar erstrebt, konnte aber nur teilweise in die Realität umgesetzt werden.
Viele Förder- und Partnerprogramme wie beispielsweise das Konzept der Partnerschule des Sports symbolisieren dieses Bestreben, doch leider ist es immer noch nahezu unmöglich, ein Studium in Kombination mit einer sportlichen Karriere in der Regelstudienzeit erfolgreich abzuschließen.
In Amerika existiert ein deutlich weiter fortgeschrittenes System, das Leistungssport mit dem Studium sehr gut zu verbinden scheint. Dies liegt vor allem daran, dass die Athleten direkt in der Universität trainieren und für diese bei Wettkämpfen antreten. Es erleichtert eine Kooperation zwischen Akademischem und Sportlichem extrem.
In ihrem Artikel „Spitzensport versus Studium? Organisationswandel und Netzwerkbildung als strukturelle Lösungen des Inklusionsproblems studierender Spitzensportler“ dokumentieren Riedl, Borggrefe und Cachay (2007) den Missstand der Unvereinbarkeit von Studium und Sportkarriere im deutschen Bildungssystem. Sie bezeichnen diesen Zustand gesellschaftstheoretisch als Inklusionsproblem. Auf der Basis dieses Artikels soll im folgenden Text die aktuelle Situation in Deutschland dargestellt werden. Des Weiteren soll herausgearbeitet werden, ob das amerikanische College-Sportsystem einen möglichen Lösungsansatz für das Inklusionsproblem in deutschen Hochschulen liefert. Folgender Fragestellung soll daher in dieser Arbeit nachgegangen werden: Kann das amerikanische System als Lösungskonzept für das Inklusionsproblem in Deutschland studierender Spitzensportler dienen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Inklusionsproblem studierender Spitzensportler in Deutschland
3 Das amerikanische Bildungssport-System
3.1 NCAA
3.2 Stipendium
3.3 Sonderstatus Athleten
4 Kritik am amerikanischen System
5 Anwendbarkeit der amerikanischen Systems in Deutschland
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Hürden und prüft, inwiefern das amerikanische College-Sportsystem als Modell für eine verbesserte Inklusion dienen kann.
- Analyse der Doppelbelastung durch Sport und akademische Ausbildung
- Strukturelle Untersuchung des amerikanischen Bildungssport-Systems (NCAA)
- Kritische Beleuchtung der Schattenseiten des US-Sportstipendien-Modells
- Evaluierung der Übertragbarkeit auf das deutsche Hochschulsystem
- Diskussion notwendiger Systemänderungen zur Entlastung von Athleten
Auszug aus dem Buch
3 Das amerikanische Bildungssport-System
Der amerikanische College-Sport ist die Weiterführung eines sehr erfolgs- und konkurrenzorientierten High-School-Sport-Systems. Bildung und Sport sind bereits im Schulsystem eng miteinander verknüpft. Im amerikanischen Schulwesen werden Schülern und Schülerinnen eine Vielzahl unterschiedlicher Wettkämpfe in verschiedenen Sportarten und Leistungsstufen angeboten. Der Schulsport ist extrem wettkampforientiert, zieht großes öffentliches Interesse auf sich und wurde daher schnell zu einer lukrativen Unterhaltungsindustrie (Digel & Burk 2004). Der High-School-Sport bietet außerdem eine optimale Plattform für Talentsichtungen. Nach ihrem Abschluss können gesichtete Talente aus High-School-Teams direkt in College-Mannschaften aufgenommen werden und sich sowohl auf ihre Karriere wie auch auf ihr Studium konzentrieren (Digel & Burk 2004).
Das amerikanische Bildungssport-System ist demnach optimal in gesellschaftliche Strukturen und Erwartungen eingebettet. Der Sport genießt einen enorm hohen Stellenwert und ist aus dem Bildungssystem kaum wegzudenken. Dies hat nicht zuletzt den Hintergrund, dass das sportliche Ranking der Hochschule fast genauso wichtig ist wie das akademische. Es herrscht eine hohe Konkurrenz zwischen den Hochschulen, da sich die Bildungsstätte mit dem Erfolg der Mannschaften und Sportprogramme identifiziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Schwierigkeiten deutscher Spitzensportler bei der Vereinbarkeit von Studium und Leistungssport und stellt die Forschungsfrage, ob das US-System als Vorbild dienen kann.
2 Das Inklusionsproblem studierender Spitzensportler in Deutschland: Es wird dargelegt, dass fehlende institutionelle Arrangements zu einer hohen Doppelbelastung führen, die oft in verlängerten Studienzeiten oder Studienabbrüchen resultiert.
3 Das amerikanische Bildungssport-System: Dieses Kapitel erläutert die enge Verzahnung von Bildung und Sport in den USA, die Rolle der NCAA sowie die Bedeutung von Stipendien und dem Sonderstatus für Athleten.
4 Kritik am amerikanischen System: Hier werden die negativen Aspekte beleuchtet, wie den hohen Erfolgsdruck, Korruption und die zeitlich begrenzte Förderung der Athleten.
5 Anwendbarkeit der amerikanischen Systems in Deutschland: Es wird erörtert, warum eine direkte Übertragung schwierig ist, jedoch gesellschaftliche Veränderungen und eine stärkere Kooperation zwischen Sport und Hochschule notwendig sind.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das US-Modell nicht eins zu eins übertragbar ist, aber als Anregung für die Entwicklung einer spezialisierten deutschen Koordinationsstelle für Leistungssportler dienen kann.
Schlüsselwörter
Spitzensport, Studium, Inklusion, Doppelbelastung, NCAA, Stipendium, Hochschulsystem, Bildungssport, Vereinssport, student-athlete, Bildungsstätte, Talentförderung, Erfolgsdruck, Athletenmanagement, Deutschland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Inklusionsproblem von Spitzensportlern im deutschen Hochschulsystem und sucht nach Wegen, die Doppelbelastung durch Sport und Studium zu verringern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die soziologische Betrachtung von Funktionssystemen, der Vergleich zwischen US-amerikanischen und deutschen Bildungsstrukturen sowie die Analyse der Bedingungen für Leistungssportler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob das US-amerikanische College-Sportsystem als Lösungsansatz für deutsche Hochschulen dienen kann, um die akademische Karriere von Spitzensportlern zu erleichtern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die auf existierenden Studien zur Soziologie des Sports und zum Bildungssystem basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der deutschen Problemlage, die detaillierte Analyse der Strukturen des US-Collegesports und die kritische Diskussion der Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Spitzensport, Inklusion, Doppelbelastung, NCAA, Sportstipendium und das deutsche Hochschulsystem.
Warum können US-Sportstipendien nicht einfach in Deutschland eingeführt werden?
Aufgrund grundlegender Unterschiede in den Gesellschaftssystemen sowie der unterschiedlichen Rolle des Vereinssports, der in Deutschland als Basis für Leistungssportler dient.
Welche Rolle spielt die NCAA in diesem Kontext?
Die NCAA fungiert als zentrale Organisation, die in den USA die Schnittstelle zwischen sportlicher Ausbildung und akademischem Studium reguliert und damit die Lücke zwischen den Systemen schließt.
- Citar trabajo
- Andrea Letzel (Autor), 2015, Sind Studium und Spitzensport vereinbar? Das Sportfördersystem in Deutschland und den USA im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344456