Telefonieren beim Autofahren. Auswirkungen auf die kognitiven Prozesse und die Fahrleistung


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Studien im Simulator

Diskussion

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Das Autofahren an sich ist eher eine routinierte Angelegenheit und solange beim Autofahren keine unerwarteten Situationen auftreten, kann es schnell passieren, dass beim Fahrer Langeweile aufkommt und er sich neue Herausforderungen sucht. Die Ablenkung beim Autofahren ist dabei relativ vielfältig und beeinflusst die Fahrleistung unterschiedlich stark. Demnach beeinflusst beispielsweise Essen oder Radiohören die Fahrleistung eher gering. Greift man jedoch während des Fahrens zum Telefon, kann dies zu erheblichen Defiziten in der Fahrleistung führen und das Unfallrisiko um das vierfache erhöhen. Dabei ist es völlig irrelevant, ob man das Telefon in der Hand hält oder eine Freisprechanlage verwendet. Verschlechterungen zeigen sich dabei für die Reaktionszeiten, aber auch bei der Wahrscheinlichkeit verpasster Signale. Besonders starke Beeinträchtigungen für die Reaktionszeiten entstehen bei kognitiv sehr anspruchsvollen Aufgaben. Es zeigt sich somit eine Beeinträchtigung in der Fahrleistung, welche auf das Telefonieren zurückgeführt werden kann. Es scheint demnach so, dass der Mensch nicht fähig ist mehrere Aufgaben simultan zu bearbeiten.

Einleitung

Möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten ist im menschlichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Dies zeigt sich beispielsweise im modernen Büroalltag. Das parallele Ausführen von Tätigkeiten ist durch hohen Zeit- und Termindruck, aber auch durch viele Arbeitsunterbrechungen für die Beschäftigten meistens unabdingbar geworden (Freude, & Ullsperger, 2010). Das sogenannte „Multitasking“ stammt ursprünglich aus der Informatik und beschreibt die Eigenschaft eines Rechnerbetriebssystems zum Mehrprozessbetrieb. Auf den Menschen übertragen wird unter Multitasking das gleichzeitige Bearbeiten mehrerer paralleler Aufgaben verstanden (Lee, & Taatgen, 2002; Pew, & Mavor, 1998). Detaillierter ausgedrückt ist damit die Fähigkeit gemeint, „mehrere Aufgaben oder Unteraufgaben- Komponenten einer größeren, komplexeren Aufgabe zu vereinen, zu integrieren und auszuführen“ (Salvucci, 2005).

Nicht nur im Beruf, sondern auch in der Freizeit ist es oft von Vorteil, möglichst viele Aufgaben gleichzeitig auszuüben. Viele Menschen meinen sich sogar damit zu profilieren multitaskingfähig zu sein, denn ihrer Meinung nach steigt die Produktivität, Schnelligkeit und Effizienz, wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigt werden. Welche Auswirkungen Multitasking jedoch wirklich hat, ist den meisten Personen unbekannt. In alltäglichen Situation zeigen sich so gut wie keine Einschränkungen. So ist es beispielsweise möglich spazieren zu gehen und dabei Musik zu hören oder sich mit anderen Menschen zu unterhalten ohne umzufallen. Es zeigt sich jedoch, dass bei steigender Komplexität der gleichzeitig auszuführenden Aufgaben, die Fehlerquote und die Reaktionszeiten in einem oder mehreren Teilbereichen besonders stark zunehmen (Paridon, & Kaufmann, 2010). Eine komplexe Doppelaufgabe, in der sich solche Interferenzen deutlich zeigen, ist die Benutzung des Mobiltelefons während des Autofahrens. Dabei ist es egal, ob das Telefon in der Hand gehalten wird oder eine Freisprechanlage benutzt wird. Gespräche während der Fahrt beeinflussen somit die Fahrleistung unabhängig von der Art des genutzten Telefons (Mobiltelefon oder Freisprechanlage). Es lässt sich ebenfalls ein Zusammenhang zwischen dem Telefonieren und der Unfallhäufigkeit finden, hierbei zeigte sich, dass und es zu einem vierfach erhöhten Unfallrisiko während eines Gesprächs kommt (Redelmeier, & Tibshirani, 1997).

Trotz dieser Befundlage ist es in Deutschland gemäß der Straßenverkehrsordnung weiterhin erlaubt, während des Fahrens eines Kraftfahrzeuges zu Telefonieren, solange das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons nicht in der Hand gehalten wird (§ 23 Abs. 1a, StVo). Gemäß dieser Auffassung erhöht fälschlicherweise somit die motorische und nicht die kognitive Interferenz das Unfallrisiko.

Studien im Simulator

Im folgenden wird auf mehrere Studien eingegangen, welche den Versuch unternommen haben, einen kausalen Zusammenhang zwischen der Telefonnutzung und der Leistungsverschlechterung beim Fahren herzustellen.

Viele Studien konnten bereits zeigen, dass es beim Telefonieren während des Autofahrens zu Doppelaufgabeninterferenzen kommt. Strayer, Watson und Drews (2011) führten beispielsweise in einem Fahrsimulator ein „Car-Following Paradigma“ durch, welches einen Stop-and-Go Verkehr simulierte. In diesem Experiment hatten die Probanden die Aufgabe, einem Fahrzeug zu folgen. Sobald die Bremslichter des vorausfahrenden Fahrzeugs aufleuchteten, mussten auch sie so schnell wie möglich bremsen. Insgesamt durchliefen die Probanden drei Bedingungen. In der sogenanntensingle-task(Einzelaufgabe) mussten die Probanden nur dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen und bremsen, wenn die Bremslichter dieses Fahrzeugs aufleuchteten. Sie mussten demnach nur eine Aufgabe bearbeiten. Im Gegensatz dazu, kam in der sogenanntendual-task(Doppelaufgabe) eine zweite Aufgabe hinzu: hier mussten sie zusätzlich mit dem Mobiltelefon telefonieren. Die dual-task unterteilte sich wiederum in zwei Bedingungen. In einer Bedingung hielten die Probanden das Mobiltelefon in der Hand, bei der anderen Bedingung benutzten sie eine Freisprechanlage. Ziel dieses Experiments war es herauszufinden, ob sich die einzelnen Bedingungen hinsichtlich der Reaktionszeiten unterschieden. Tatsächlich zeigte sich zwischen den beiden dual-task Bedingungen, also telefonieren mit dem Mobiltelefon in der Hand und mit der Freisprechanlage, kein signifikanter Unterschied, jedoch waren die Reaktionszeiten in diesen beiden Bedingungen signifikant höher als in der single-task Bedingung. Hinsichtlich dieser Ergebnisse beeinträchtigt das Telefonieren beim Autofahren die Fahrleistung, unabhängig davon, ob das Mobiltelefon gehalten wird oder eine Freisprechanlage benutzt wird. Das Risiko eines Autounfalls ist dabei um das vierfache erhöht. In einer weiteren Studie (Strayer, & Drews, 2007) sollte die Gedächtnisleistung der Fahrer beim Autofahren geprüft werden. Auch hier gab es wieder eine single-task Bedingung, in welcher die Probanden nur eine Strecke mit dem Auto fahren mussten und eine dual-task Bedingung, wo die Probanden während des Autofahrens über die Freisprechanlage telefonierten. Im Laufe der Zeit, wurden unterschiedliche Objekte (z.B. Fußgänger, Verkehrszeichen) in der Fahrumgebung präsentiert. Zusätzlich wurden Kopf- und Augenbewegungen der Probanden mit Hilfe eines Eye-Trackers aufgezeichnet. Nach der Fahraufgabe durchliefen die Probanden einen Gedächtnistest in Form eines Wiedererkennungstests. Hierbei wurden ihnen Distraktoren, aber auch tatsächlich erschienene Objekte gezeigt. Es zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen der single- task und der dual-task Bedingung beim Wiedererkennen von Objekten aus der Fahrumgebung. Probanden, welche während des Autofahrens telefoniert hatten konnten sich an signifikant weniger Objekte erinnern, obwohl mittels des Eye - Trackers gezeigt werden konnte, dass sie die präsentierten Objekte in der Fahrumgebung direkt ansahen. Gegenstand einer weiteren Studie (Strayer, & Johnston, 2001) war es herauszufinden, ob auch das Radiohören Verschlechterungen in der Fahrleistung erzeugen kann. Um dies zu untersuchen, wurden Probanden zwei unterschiedlichen Bedingungen zugeordnet. In der Telefonbedingung durchliefen die Probanden zuerst eine single-task, welche eine sogenannten Tracking Aufgabe war. Ihre Aufgabe war es ein Zielobjekt auf einem Bildschirm mit dem Cursor zu verfolgen. In unterschiedlichen Zeitintervallen leuchtete das Zielobjekt entweder grün oder rot auf. Leuchtete das Zielobjekt rot, so mussten die Probanden einen bestimmten Knopf auf dem Joystick drücken. Bei grünem Licht war keine Reaktion erforderlich. Daraufhin, in der dual-task, mussten sie neben der Tracking Aufgabe zusätzlich noch telefonieren. In der Radiobedingung durchliefen die Probanden ebenfalls erst einmal dieselbe single-task. In der darauffolgenden dual-task hörten sie während der Tracking Aufgabe Radio. Zwischen der single und dual-task zeigten sich in der Radiobedingung keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit verpasster Signale. Dies war in der Telefonbedingung jedoch anders. Hier zeigten sich zwischen der single- und der dual-task signifikante Unterschiede. Die Wahrscheinlichkeit ein rotes Signal zu verpassen verdoppelte sich, als die Probanden ein Telefongespräch führten. Im Hinblick auf die Reaktionszeiten, d.h. wie genau dem Zielobjekt gefolgt wurde, zeigten sich ebenfalls nur signifikante Unterschiede in der Telefonbedingung. Die Probanden wiesen signifikant verlangsamte Reaktionszeiten auf, wenn sie telefonierten. Interessanterweise waren diese Effekte in der Telefonbedingung noch größer, wenn die Probanden selbst sprachen und nicht wenn sie ihrem Gesprächspartner nur zuhörten. Da sich in der Radiobedingung keinerlei signifikante Unterschiede zwischen der single- und der dual-task zeigten, wurde diese Bedingung noch einmal modifiziert. Anstatt Radio zu hören, wurde den Probanden diesmal ein Hörbuch vorgespielt. Vor Beginn wurde ihnen mitgeteilt, dass sie nach Beendigung des Experiments zehn Fragen zu dem Hörbuch gestellt bekommen würden. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die Probanden wirklich zuhörten, was beim Radiohören nicht gewährleistet werden konnte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Telefonieren beim Autofahren. Auswirkungen auf die kognitiven Prozesse und die Fahrleistung
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,6
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V344480
ISBN (eBook)
9783668344051
ISBN (Buch)
9783668344068
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Multitasking, Autofahren, Telefonieren, Kognition
Arbeit zitieren
Katrin Simon (Autor:in), 2014, Telefonieren beim Autofahren. Auswirkungen auf die kognitiven Prozesse und die Fahrleistung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344480

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