Welche Auswirkungen das Multitasking und insbesondere das Telefonieren während des Autofahrens auf die kognitive Prozesse und die Fahrleistung hat, wird in der vorliegenden Arbeit anhand verschiedener Studien diskutiert.
Möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten ist im menschlichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Dies zeigt sich beispielsweise im modernen Büroalltag. Das parallele Ausführen von Tätigkeiten ist durch hohen Zeit- und Termindruck, aber auch durch viele Arbeitsunterbrechungen für die Beschäftigten meistens unabdingbar geworden. Das sogenannte „Multitasking“ stammt ursprünglich aus der Informatik und beschreibt die Eigenschaft eines Rechnerbetriebssystems zum Mehrprozessbetrieb. Auf den Menschen übertragen wird unter Multitasking das gleichzeitige Bearbeiten mehrerer paralleler Aufgaben verstanden. Detaillierter ausgedrückt ist damit die Fähigkeit gemeint, „mehrere Aufgaben oder Unteraufgaben-Komponenten einer größeren, komplexeren Aufgabe zu vereinen, zu integrieren und auszuführen“ (Salvucci, 2005).
Das Autofahren an sich ist eher eine routinierte Angelegenheit und solange beim Autofahren keine unerwarteten Situationen auftreten, kann es schnell passieren, dass beim Fahrer Langeweile aufkommt und er sich neue Herausforderungen sucht. Die Ablenkung beim Autofahren ist dabei relativ vielfältig und beeinflusst die Fahrleistung unterschiedlich stark. Demnach beeinflusst beispielsweise Essen oder Radiohören die Fahrleistung eher gering. Greift man jedoch während des Fahrens zum Telefon, kann dies zu erheblichen Defiziten in der Fahrleistung führen und das Unfallrisiko um das vierfache erhöhen. Dabei ist es völlig irrelevant, ob man das Telefon in der Hand hält oder eine Freisprechanlage verwendet. Verschlechterungen zeigen sich dabei für die Reaktionszeiten, aber auch bei der Wahrscheinlichkeit verpasster Signale. Besonders starke Beeinträchtigungen für die Reaktionszeiten entstehen bei kognitiv sehr anspruchsvollen Aufgaben. Es zeigt sich somit eine Beeinträchtigung in der Fahrleistung, welche auf das Telefonieren zurückgeführt werden kann. Es scheint demnach so, dass der Mensch nicht fähig ist mehrere Aufgaben simultan zu bearbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Studien im Simulator
3. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen von Multitasking, insbesondere der Telefonnutzung während des Autofahrens, auf die menschliche Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit. Es wird der Frage nachgegangen, ob der Mensch fähig ist, mehrere Aufgaben simultan zu bearbeiten, und welche kognitiven Prozesse bei Doppelaufgabeninterferenzen eine Rolle spielen.
- Kognitive Grundlagen von Multitasking und Doppelaufgaben
- Einfluss von Telefonaten auf die Fahrleistung und Reaktionszeiten
- Vergleich von motorischer versus kognitiver Interferenz beim Fahren
- Erklärungsmodelle: Multiple-Ressourcentheorie versus Bottleneck-Theorie
- Implikationen für die Verkehrssicherheit und gesetzliche Regelungen
Auszug aus dem Buch
Studien im Simulator
Im folgenden wird auf mehrere Studien eingegangen, welche den Versuch unternommen haben, einen kausalen Zusammenhang zwischen der Telefonnutzung und der Leistungsverschlechterung beim Fahren herzustellen.
Viele Studien konnten bereits zeigen, dass es beim Telefonieren während des Autofahrens zu Doppelaufgabeninterferenzen kommt. Strayer, Watson und Drews (2011) führten beispielsweise in einem Fahrsimulator ein „Car-Following Paradigma“ durch, welches einen Stop-and-Go Verkehr simulierte. In diesem Experiment hatten die Probanden die Aufgabe, einem Fahrzeug zu folgen. Sobald die Bremslichter des vorausfahrenden Fahrzeugs aufleuchteten, mussten auch sie so schnell wie möglich bremsen. Insgesamt durchliefen die Probanden drei Bedingungen. In der sogenannten single-task (Einzelaufgabe) mussten die Probanden nur dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen und bremsen, wenn die Bremslichter dieses Fahrzeugs aufleuchteten. Sie mussten demnach nur eine Aufgabe bearbeiten. Im Gegensatz dazu, kam in der sogenannten dual-task (Doppelaufgabe) eine zweite Aufgabe hinzu: hier mussten sie zusätzlich mit dem Mobiltelefon telefonieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Definition des Begriffs Multitasking und Hinführung zur Problematik der komplexen Doppelaufgabe des Telefonierens während der Autofahrt.
Studien im Simulator: Darstellung verschiedener experimenteller Untersuchungen, die belegen, dass Telefonieren die Fahrleistung unabhängig von der technischen Ausführung (Hand- vs. Freisprecheinrichtung) negativ beeinflusst.
Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit kognitionspsychologischen Modellen zur Erklärung der beobachteten Leistungseinbußen und Ableitung sicherheitsrelevanter Empfehlungen.
Schlüsselwörter
Multitasking, Autofahren, Doppelaufgabe, Fahrleistung, Reaktionszeit, kognitive Interferenz, Bottleneck-Theorie, multiple Ressourcentheorie, Verkehrssicherheit, Mobiltelefon, Freisprechanlage, Aufmerksamkeitskapazität, Leistungseinbuße.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den kognitiven Grenzen des menschlichen Multitaskings am Beispiel der Telefonnutzung beim Autofahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind kognitive Interferenz, Doppelaufgaben-Management, Aufmerksamkeit sowie deren direkte Auswirkung auf die Fahrsicherheit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es zu klären, ob der Mensch kognitiv in der Lage ist, Telefonieren und Autofahren sicher zu kombinieren, oder ob dies zu gefährlichen Leistungseinbußen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Literaturanalyse durchgeführt, die verschiedene experimentelle Studien aus Fahrsimulatoren auf Basis kognitionspsychologischer Theorien auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden experimentelle Daten zu Reaktionszeiten, Gedächtnisleistungen von Fahrern und verschiedenen kognitiven Erklärungsmodellen für die Leistungsverschlechterung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Multitasking, kognitive Interferenz, Fahrleistung, Doppelaufgabe, Reaktionszeit und Verkehrssicherheit.
Warum spielt die Art des Telefons (Handgerät vs. Freisprechanlage) laut der Autorin keine Rolle?
Die Studien zeigen, dass nicht die motorische Tätigkeit des Haltens, sondern die kognitive Beanspruchung des Gesprächs die Leistungsfähigkeit beim Fahren reduziert.
Was besagt die Bottleneck-Theorie in diesem Kontext?
Sie postuliert, dass das Gehirn Informationen seriell verarbeitet und ein Engpass entsteht, wenn konkurrierende Aufgaben gleichzeitig bearbeitet werden sollen, was zu Verzögerungen führt.
- Quote paper
- Katrin Simon (Author), 2014, Telefonieren beim Autofahren. Auswirkungen auf die kognitiven Prozesse und die Fahrleistung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344480