Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse erzählender Texte und behandelt konkret das 'Wie' des Erzählens. In der Theorie von Martinez und Scheffel wird die Narratologie in drei Aspekte gegliedert: Zeit, Modus und Stimme. Diese Arbeit soll die Zeitverhältnisse am Beispiel von Arno Geigers Erzählung "Es rührt sich nichts" analysieren und erklären, wieso gerade der Aspekt der Zeit im Hinblick auf die Erzählung einen wichtigen Bestandteil der Narratologie darstellt.
Dafür sind drei Grundformen der Zeitbehandlung von Bedeutung: Ordnung, Dauer und Frequenz. Folgende Fragen werden behandelt: In welcher Reihenfolge wird erzählt? Warum sind die Ereignisse nicht chronologisch? Schildert der Erzähler die Ereignisse zusammenfassend oder eher ausdehnend? Kann die Geschichte anhand der Zeitangaben nach ihrem Umfang bemessen werden? Werden Ereignisse wiederholt dargestellt und wenn ja, warum?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zeitverhältnisse
2.1 Handlungsstränge
2.2 Erzählte Zeit und Erzählzeit
2.3 Dauer
2.4 Ordnung
2.5 Frequenz
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die narratologischen Zeitverhältnisse in der Erzählung "Es rührt sich nichts" von Arno Geiger, um die Komplexität der erzählerischen Struktur und die Darstellung des Wartens zu analysieren.
- Analyse der zeitlichen Dimensionen: Ordnung, Dauer und Frequenz
- Untersuchung von Handlungssträngen und Rückwendungen
- Verhältnis von erzählter Zeit und Erzählzeit
- Darstellung subjektiver Zeitwahrnehmung und Besessenheit
- Einsatz narratologischer Fachbegriffe zur Textdeutung
Auszug aus dem Buch
2.3 Dauer
Natürlich wird dem Leser nicht jedes Ereignis aus diesen neun Monaten detailliert erzählt. Jochen Vogt spricht von „perspektivischen Verkürzungen“ und bezieht sich dabei auf die Frage, wie lange ein Geschehen gedauert hat und wie lange der Erzähler es in seiner Schilderung wiedergibt. Hierbei werden drei Grundformen unterschieden: zeitdeckendes, zeitdehnendes und zeitraffendes Erzählen. Zeitdeckendes Erzählen, auch Isochronie genannt, liegt vor, wenn erzählte Zeit und Erzählzeit identisch sind, beispielsweise bei Dialogen.
Gedanken, Träume oder Bewusstseinsprozesse sind jedoch in der Regel zeitdehnend, so dass die erzählte Zeit deutlich kürzer ist, als die Erzählzeit. Dadurch wird der Fortgang der Geschichte verlangsamt und der Leser erhält den Eindruck, dass die Zeit sozusagen stillsteht. Arno Geiger setzt dieses Mittel bewusst ein, um dem Leser somit zu vermitteln, wie qualvoll die Stunden und Minuten für den Erzähler vergehen. Solange der Erzähler auf Antwort von Jenny wartet, haben wir es mit zeitdehnendem Erzählen zu tun. Wie der Titel schon sagt: „Nichts rührt sich“. Auf Seite 125 beispielsweise, reicht die Erzählung über anderthalb Seiten, erzählt wird aber nur, was sich zwischen 9.30 Uhr morgens und 16.45 Uhr zugetragen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der narratologischen Fragestellung und Begründung der Textauswahl basierend auf der komplexen Zeitgestaltung von Arnos Geigers Erzählung.
2 Zeitverhältnisse: Detaillierte narratologische Analyse der Erzählung anhand der Kategorien Handlungsstränge, Erzählzeit, Dauer, Ordnung und Frequenz.
2.1 Handlungsstränge: Untersuchung der übergeordneten Gegenwartshandlung im Kontrast zu den untergeordneten Rückblenden aus der Vergangenheit.
2.2 Erzählte Zeit und Erzählzeit: Bestimmung des Erzähltempos durch das Verhältnis von narrativer Dauer zur fiktiven Dauer des Geschehens.
2.3 Dauer: Analyse der zeitdehnenden und zeitraffenden Darstellung zur Vermittlung des psychologischen Zustands des Protagonisten.
2.4 Ordnung: Untersuchung von Anachronien, insbesondere der Funktionen von Analepsen zur Aufklärung und Charakterisierung.
2.5 Frequenz: Analyse der Wiederholungshäufigkeit, insbesondere der anaphorischen Darstellung der Anrufe des Erzählers.
3 Fazit: Resümee der Analyseergebnisse, wobei die Eignung der Erzählung für narratologische Untersuchungen bestätigt und die Wirkung der Zeitdarstellung bewertet wird.
Schlüsselwörter
Narratologie, Zeitverhältnisse, Erzählzeit, erzählte Zeit, Dauer, Ordnung, Frequenz, Analepse, Ellipse, Arno Geiger, Es rührt sich nichts, Handlungsstränge, Zeitdehnung, Zeitraffung, Erzählanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer narratologischen Analyse von Zeitverhältnissen in literarischen Texten am Beispiel von Arno Geigers Erzählung "Es rührt sich nichts".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Ordnung, Dauer und Frequenz als Grundformen der narrativen Zeitgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, wie Zeitangaben und Zeitstrukturen zur Charakterisierung der Hauptfigur und zur Gestaltung der Erzählung beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt narratologische Analysemethoden, unter anderem basierend auf den Theorien von Martinez, Scheffel und Lämmert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien der Zeitverhältnisse, wie der Umgang mit Handlungssträngen, das Erzähltempo und die Verwendung von Anachronien, systematisch auf den Beispieltext angewendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Narratologie, Zeitverhältnisse, Erzählzeit, Analepse, Ellipse und Frequenz.
Wie trägt die Zeitanalyse zum Verständnis des Protagonisten bei?
Durch die Analyse der Zeitdehnung beim Warten und die wiederholte Erwähnung von Anrufen wird die psychologische Besessenheit des Erzählers für den Leser nachvollziehbar.
Welche Funktion haben die Rückblenden im Text?
Die Rückblenden dienen dazu, Lücken in der aktuellen Erzählung zu füllen, die Beziehungsgeschichte zur Figur Jenny zu beleuchten und Motive für das Handeln des Erzählers zu liefern.
- Arbeit zitieren
- Laura Puglisi (Autor:in), 2013, Die Darstellung von Zeit in der Erzählung "Es rührt sich nichts" von Arno Geiger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345309