Zu den zentralen Themen in der Industriegeographie gehört die Betrachtung der Standortwahl von Unternehmen, die von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Die Standortentscheidungen können die Entwicklung einer Region sehr stark bestimmen. Der Bereich der Standorttheorien und der Standorterklärungen mit Hilfe von Modellen, der Empirie oder auch anderer Methoden spielt in der für ein Unternehmen nicht alltäglichen Gründung eines Zweigwerks oder der Verlegung des Hauptsitzes in eine andere Region eine große Rolle.
Trotz der De-Industrialisierung werden i n den Industrieländern noch immer viele Unternehmen neu gegründet, von denen nach zwei Jahren immer noch 80% bestehen. Dabei gibt bei diesen Neugründungen oft der Wohnort des Firmengründers den Ausschlag für die Standortentscheidung. Spätere Standortentscheidungen werden jedoch oft auf Grund von Untersuchungen auf stark selektiver, rationaler Basis begründet. In diesem Prozess der Standortfindung kommen sowohl die alteingesessenen „klassischen“ Industrie-standorttheorien zum Zug, als auch andere Methoden und Überlegungen. Diese Hausarbeit soll einen Überblick über das Thema „Zur Erklärung industrieller Standorte“ liefern, wobei die im Text vorgestellten Theorien und Methoden der Standortfindung längst nicht alle verschiedenen Erklärungsansätze aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Begriffe
2.1 Industrie
2.2 Standort
2.3 Industrieller Standort
3. Standorterklärungen und Theorien
3.1 Industriegeographische Standorterklärungen
3.1.1 Die Industriestandorttheorie von ALFRED WEBER
3.1.2 Das Modell von LÖSCH
3.2 Zyklisch-dynamische Erklärungsansätze
3.2.1 Die Theorie der Langen Wellen
3.2.2 Die Produktlebenszyklustheorie
3.3 Dynamisch-evolutionäre Ansätze
4. Standortfaktoren
4.1 Standortfaktoren im Wandel
5. Agglomerationseffekte
6. Statistische Verfahren zur Bestimmung von optimalen Standorten
6.1 Die Shift Analyse
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der theoretischen und methodischen Grundlage der industriellen Standortwahl. Ziel ist es, einen Überblick über klassische sowie dynamische Erklärungsansätze zu geben und die komplexen Einflussfaktoren zu beleuchten, die über den Erfolg eines Industriestandorts entscheiden.
- Klassische Industriestandorttheorien (Weber, Lösch)
- Zyklisch-dynamische Erklärungsmodelle (Lange Wellen, Produktlebenszyklus)
- Differenzierung von harten und weichen Standortfaktoren
- Agglomerationseffekte und Netzwerkstrukturen
- Statistische Verfahren zur Standortanalyse (Shift-Analyse)
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Industriestandorttheorie von ALFRED WEBER
ALFRED WEBER kann mit seiner 1909 veröffentlichten Industriestandorttheorie „Über den Standort von Industrien“ als Gründervater der klassischen Standorttheorien bezeichnet werden. Diese Abhandlung über den Standort von Industrien war von ähnlicher innovatorischer Bedeutung wie diejenige von THÜNENS für die Agrarwissenschaften. (vgl. HEINEMANN in Einführung in die Anthropogeographie/Humangeographie S.158) Die Standorttheorie von ALFRED WEBER steht für die normativ-deduktiven Theorien, deren Ziel es ist, den optimalen Standort eines Industriebetriebs zu ermitteln. W.GAEBE zählt die Theorie von WEBER zu den normativ-deduktiven Erklärungsansätzen, weil sie auf bestimmten Annahmen zu den Unternehmerzielen beruhen (deduktiv), und weil sie unterstellen, dass eine optimale Lösung für Unternehmer bei genau spezifizierten Bedingungen, die die Realität sehr stark vereinfachen, gefunden werden kann (normativ).
ALFRED WEBER beruht in seiner Standorttheorie auf der Prämisse, dass der kostenminimale Standort eines Industriebetriebs der optimale sei. Dafür setzt er in seiner Theorie folgende, die Realität vereinfachende Annahmen voraus und bestimmt dann auf deduktivem Weg den optimalen Standort für Industrieunternehmen:
- „Die Fundorte der Rohmaterialien sind bekannt“
- „Die Konsumorte sind bekannt wobei festgelegt wird, dass das hergestellte Gut nur an einem, dem Unternehmen bekannten Absatzort nachgefragt wird und die Menge des Gutes bekannt ist.“
- „Die auftretenden Transportkosten werden auf Grund des Gewichts der Rohmaterialien bzw. des hergestellten Erzeugnisses und der Entfernung vom Fund bzw. Produktionsort berechnet.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der industriellen Standortwahl als zentrales Thema der Industriegeographie ein und erläutert das Ziel der Hausarbeit.
2. Grundlegende Begriffe: Hier werden zentrale Termini wie Industrie, Standort und industrieller Standort präzise definiert, um eine gemeinsame Basis für die Arbeit zu schaffen.
3. Standorterklärungen und Theorien: Dieses Hauptkapitel bietet eine detaillierte Übersicht über klassische, zyklisch-dynamische und evolutionäre Erklärungsansätze für Standortentscheidungen.
4. Standortfaktoren: Es wird die Differenzierung zwischen harten und weichen Standortfaktoren sowie deren Wandel im Zeitverlauf erörtert.
5. Agglomerationseffekte: Dieser Abschnitt beschreibt, wie räumliche Konzentration und Vernetzung von Unternehmen zu Standortvorteilen führen.
6. Statistische Verfahren zur Bestimmung von optimalen Standorten: Hier werden quantitative Methoden, insbesondere die Shift-Analyse, zur Bewertung von Standorten vorgestellt.
7. Schluss: Das Fazit fasst die Komplexität der Standortwahl zusammen und betont die Notwendigkeit fachlicher Beratung bei Standortentscheidungen.
Schlüsselwörter
Industriegeographie, Standortwahl, Industriestandort, Standorttheorien, Alfred Weber, Lösch, Produktlebenszyklus, Lange Wellen, Standortfaktoren, harte Standortfaktoren, weiche Standortfaktoren, Agglomerationseffekte, Cluster, Shift-Analyse, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über Theorien und Methoden der industriellen Standortwahl und analysiert, welche Faktoren die Entscheidung von Unternehmen für einen bestimmten Standort beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf klassischen Standorttheorien, dynamischen Erklärungsansätzen, der Klassifizierung von Standortfaktoren sowie dem Phänomen der Agglomeration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die grundlegenden Zusammenhänge und Modelle aufzuzeigen, die bei der Suche nach einem optimalen industriellen Produktionsstandort in der Geographie Anwendung finden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender geographischer und wirtschaftswissenschaftlicher Theorien sowie die Erläuterung statistischer Beschreibungsmodelle wie der Shift-Analyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Standorttheorien (Weber, Lösch), dynamischen Ansätzen (Produktlebenszyklus, Lange Wellen), die Analyse von Standortfaktoren und Agglomerationseffekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Industriestandort, Standortfaktoren, Agglomerationseffekte, Standorttheorie und Wirtschaftsgeographie charakterisieren.
Was ist der Unterschied zwischen harten und weichen Standortfaktoren?
Harte Standortfaktoren sind quantifizierbare Größen wie Infrastruktur oder Lohnniveau, während weiche Faktoren qualitative, oft subjektiv wahrgenommene Aspekte wie das kulturelle Angebot oder die Wohnqualität umfassen.
Wie bewertet der Autor die Aussagekraft der Shift-Analyse?
Der Autor weist auf methodische Einschränkungen hin und schlussfolgert, dass die Shift-Analyse ein eher grobes Beschreibungsverfahren ist, das anfällig für Zufallseinflüsse bei kleinen Untersuchungsräumen ist.
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- Markus Wagner (Author), 2004, Zur Erklärung industrieller Standorte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34530