Analyse des Briefes 3,16 von Plinius dem Jüngeren im Hinblick auf fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aspekte


Seminararbeit, 2014
31 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II.Fachwissenschaftlicher Teil
1. Die Briefliteratur des Plinius
2. Analyse und Interpretation von Plin. epist. 3,16
3. Fazit

III. Fachdidaktischer Teil
1. Anknüpfungspunkte in den Lehrplänen
2. Kompetenzorientierung in konkreter Umsetzung für Plin. epist. 3,16
a) Textkompetenz
b) Kulturkompetenz
c) Sprachkompetenz
3. Argumente für die Sinnhaftigkeit der Lektüre von Plin. epist. 3,16 in der Schule

IV. Schluss

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Aspekten und Überlegungen in Bezug auf den Brief 3,16 von Plinius dem Jüngeren. Zu Beginn soll daher auf die besondere Form der plinianischen Briefliteratur hingewiesen werden, bevor sich eine Analyse und Interpretation des ersten Teils der Epistel anschließt.

Diese Untersuchung bietet dann die Grundlage für eine fachdidaktische Auseinandersetzung mit dem Brief. Darin soll überprüft werden, ob sich der vorliegende Brief 3,16 bzw. die Epistulae im Allgemeinen für eine in Bezug auf fachdidaktische Themen eingehende Beschäftigung in der Schule eignen. Um diese Fragestellung angemessen und objektiv beantworten zu können, ist es sinnvoll, Anknüpfungspunkte in den Kernlehrplänen und den Vorgaben für das Zentralabitur zu suchen und aufzuzeigen.

Des Weiteren verfolgt diese Arbeit die Absicht, das analysierte Textstück in Hinblick auf mögliche Kompetenzerweiterungen zu untersuchen. Außerdem wird zu prüfen sein, in welchen Bereichen die Schülerinnen und Schüler nach der Schulbuchphase auf deklaratives, prozedurales oder analytisches Wissen zurückgreifen können und wo sie ihre Kenntnisse weiter entfalten können. Dafür werden die Kompetenzerwartungen im Bereich Text, Sprache und Kultur in den Lehrplänen geprüft und eine konkrete Anwendung auf diesen Passus thematisiert werden.

Zum Ende der Arbeit sollen mögliche Aspekte und Gründe, die für oder gegen eine Beschäftigung mit dem plinianischen Werk in der Schule sprechen, dargelegt und erläutert werden.

II. Fachwissenschaftlicher Teil

1. Die Briefliteratur des Plinius

Briefkorrespondenzen und -literatur haben bei lateinischen Autoren auch schon vor Plinius Anwendung gefunden. Zu nennen sind in diesem Bereich vorrangig die vier Sammlungen postum edierter Briefe privaten Charakters von Cicero sowie die philosophischen Lehrbriefe des jüngeren Senecas an Lucilius.

Die Briefe des Plinius sind eine Sammlung privater und dienstlicher Briefe in 10 Büchern, die „der unmittelbaren Bereicherung der Literatur“ dienen sollen und nicht als Korrespondenz zwischen Freunden zu verstehen seien, sondern eher als Kunstbriefe danach strebten, den „Leser zu delektieren“1. Daher ist der Name des Empfängers nach ZELZER eher eine Formalität, durch die dem Betreffenden eine Form von Aufmerksamkeit und Ehre zuteil wird, wohingegen er für den Brief selbst nicht von Belang ist und eher als „Deckadresse für das große Publikum“ fungiert2. KUHLMANN spricht in diesem Zusammenhang von einem „doppelten Adressaten“3.

Im Vergleich zu denen des Cicero weisen die Briefe des Plinius aber eine größere „Künstlichkeit“ auf, da sie „eine heile, in sich geordnete und idealisierte Welt konstruieren, die wie eine Käseglocke alles allzu Alltäglich-Banale, Vulgäre sowie Rückschläge und Misserfolge außen vor lassen“4. KROLL spricht sogar von Episteln, die „keine wirklichen Briefe mehr sind, sondern Stilübungen in einer gehobenen Prosa“5 und bei denen „selbst der Freundesbrief […] den Anspruch [erhebt], als selbständiges Kunstwerk und als ‚halbierter Dialog‘ gewürdigt zu sein“6.

Der Stil ist dabei jedoch recht variabel und vom Anlass und Adressaten abhängig. Oft erscheint er dem Leser skizzenhaft-umgangssprachlich, was Plinius „als ein Mann raffinierter Darstellung und Leserlenkung“7 aber bewusst so inszeniert8. Aufgrund der Kürze und Geschliffenheit mancher Briefe verweist ALBRECHT auf den von GUILLEMIN diesbezüglich geprägten Ausdruck der „Epigramme in Prosa“9.

Allgemein gesprochen könnte die Briefform auch bei Plinius als „Bild der eigenen Seele“10 aufgefasst und dementsprechend interpretiert werden, handelt es sich dabei doch um die „literarische Selbstdarstellung eines Konsulars und Senators“, welche die Sammlung als „eine der Autobiographie verwandte Literaturform“11 erscheinen lässt.

2. Analyse und Interpretation von Plin. epist. 3,16

Das im Folgenden zu analysierende Textstück ist Teil des 16. Briefes des dritten Buches aus Plinius‘ Briefsammlung und stellt ziemlich genau die erste Hälfte der Schilderung über das Schicksal von Arria der Älteren dar. Er ist - ebenso wie die Briefe 2,3; 4,26 und 6,19 - an einen gewissen Nepos, dessen Identität jedoch unklar ist, gerichtet.

Der letzte Passus, der sich unmittelbar an den zu untersuchenden Part anschließt, verdeutlicht zunächst die Hintergrundgeschichte und Umstände, aufgrund derer Caecina Paetus zum Tode verurteilt wurde, und präsentiert Arria als einen ihrem Mann ergebenen und dennoch selbstständig handelnden Charakter. Ihre Prinzipientreue und Entschlossenheit gehen so weit, dass sie sich nicht einmal von Familienmitgliedern von der Selbsttötung abhalten lässt und sogar die Frau des ebenfalls zum Tode verurteilten Verschwörers Scribonianus dazu anhält, sich auch das Leben zu nehmen.

Plinius eröffnet den Brief mit einer sentenz-ähnlichen Anmerkung darüber, dass die einen Taten und Aussagen von Männern und Frauen bekannter, andere wiederum bedeutender seien. Indem er diese These mit zwei auffälligen Hyperbata (facta dictaque […] alia […] alia […]) und dem exponierten maiora am Ende des Satzes verstärkt, erweckt er direkt zu Beginn des Briefes beim Leser eine gewisse Neugier. Diese zielt darauf ab zu erfahren, um welche Art von Taten es sich dabei handeln könne, die in ihrer Bedeutung größer seien als es die Bekanntheit der Tat oder des Ausspruchs vermuten ließe. Interessant ist hier bereits die Parallelität bzw. Gleichstellung der virorum und feminarum12 , die auf syntaktischer Ebene bewusst inszeniert wird.

Den allgemeingültig wirkenden Eingangssatz konkretisiert Plinius unverzüglich mit dem Hinweis auf das hesterno Fanniae sermone, in dem die geäußerte Ansicht scheinbar eindrucksvoll bestätigt wurde. Um der Authentizität der folgenden Episoden Vorschub zu leisten, verweist der Autor daher umgehend auf die engen familiären Bande seiner Gesprächspartnerin Fannia mit der Protagonistin der genannten facta (…) maiora.

Indem Plinius direkt auf Fannia, die nämlich die Enkelin13 jener Arria ist (Neptis haec Arriae illius) und ihm von den facta und dicta ihrer Großmutter berichtet, Bezug nehmen kann, gewährleistet er eine zuverlässige Informationsquelle für seine weiteren Ausführungen14. Diese Tatsache scheint von großer Wichtigkeit zu sein und rechtfertigt die den eigentlichen Ausführungen voranstehende Einleitung. Arria als Protagonistin dieses Briefes wird an dieser Stelle mithilfe eines Relativsatzes eingeführt, der der Bedeutung des Folgenden und der inhärenten Aussage auf syntaktischer Ebene kaum gerecht wird.

Plinius bezeichnet sie als et solacium mortis et exemplum für ihren Ehemann Paetus15. Während solacium stellvertretend für die traditionelle Rolle der römischen Ehefrau, die ihrem Gatten bis zum Ende beisteht, aufgeführt ist, kehrt exemplum diese Ordnung radikal um. Die frühzeitige Klassifizierung der Arria als exemplum 16 ist äußerst interessant und von zentraler Bedeutung für diesen Brief, zumal der Autor ansonsten weitestgehend „donne ben lontane dall’ exemplum di Arria“17 beschreibe. In diesem konkreten Fall ist es nämlich Arria, die ihrem Mann den Weg aufzeigt und als Beispiel vorangeht18. Der Terminus exemplum ist dabei bereits wertender Natur und muss vom Leser auch als solcher aufgefasst werden, um die Einstellung und Absicht des Plinius herausfiltern zu können19, obschon, so merkt MALASPINA an, die Großartigkeit des Berichteten für sich selbst stehe und sich somit selbst kommentiere20. Zwischen den beiden durch eine et […] et […]-Korrelation verbundenen Bezugswörtern steht der genitivus obiectivus mortis in Apokoinu-Stellung und illustriert das Thema Tod schon zu Beginn sogar durch abbildende Wortstellung als zentralen Topos in diesem Brief.

Im Folgenden lässt Plinius den Leser wissen, dass Fannia ihm noch andere Begebenheiten über ihre Großmutter erzählt habe, die zwar ebenso bedeutend, aber weniger bekannt seien als das bisher Gesagte21. Damit zeigt er, dass er weniger darauf bedacht ist, bereits Bekanntes zu wiederholen als viel mehr Wert darauf legt, Unbekanntes an die Öffentlichkeit zu bringen und somit auch „einen kleinen Beitrag zur Geschichtsschreibung“ zu leisten22. RADICKE schreibt Plinius ein gesteigertes Interesse an der Historiographie zu und wertet diesen Brief als von jenem so intendierte „kleine Kostprobe seines Könnens“23.

Der Autor schließt seine ‚Einleitung‘ mit der Einschätzung ab, dass dem Briefadressaten (und damit ist nicht nur Nepos, sondern auch die breite Öffentlichkeit gemeint) die sich nun anschließenden Taten der Arria mirabilia erscheinen werden. Die von Plinius vorhergesagte Parallelität in der (3,16,2) bzw. comes (…) ipsa mortis, dux immo et exemplum et necessitas fuit (6,24,4). Auch die Umstände und Motive der Suizide (unheilbare Krankheit, Ehre und politische Aspekte) ähneln sich stark und markieren gleichzeitig die „wohl bedeutsamsten Selbstmordmotive“ der römischen Kaiserzeit.

Wahrnehmung wird auf sprachlicher Ebene passend mit der Korrelation tam (…) quam sowie den parallel konstruierten PPAs legenti und audienti und ihrer dazugehörigen dativi commodi tibi und mihi verdeutlicht.

Noch bevor die eigentliche Schilderung der von Fannia scheinbar erzählten Episoden beginnt, hat der Autor durch die bisher getätigten Aussagen und ihrer sprachlichen Untermalung ein Bild der Arria erzeugt, das schon viel über seine Meinung und Intention vermuten lässt.

Das Proömium (1-2) determiniert also bereits deutlich den Inhalt und die Absicht dieses Briefes24 und offenbart drei für Plinius übliche Charakteristika25: 1. den aktuellen Anlass (hersterno Fanniae sermone), 2. den Brief ist Teil der Mirabilien-Literatur und 3. die Anspielung an die Todesbereitschaft der Protagonistin, was das Motiv ‚ De exitu clararum feminarum ‘ nahelegt26.

Die in 3,16,3 beginnende Schilderung von Arrias damaliger Lebensrealität wird eingeleitet durch ein auffälliges Aegrotabat, das kurz danach wiederholt wird. Diese repetitio verdeutlicht das Ausmaß ihres Dilemmas, da neben ihrem Mann Aulus Caecina Paetus auch der gemeinsame Sohn lebensgefährlich (mortifere) erkrankt ist. Interessant ist an dieser Stelle auch der Nachsatz ut videbatur, der vermittelt, dass Plinius (anders als bei anderen Briefen in seinem corpus) diesbezüglich eben nicht aus eigener Erfahrung oder Gewissheit referieren kann, sondern sich Informationen aus Arrias familiärem Umfeld bedienen muss.

Die Schnelligkeit der Erzählung (schon im nächsten Satz berichtet der Autor vom Ableben des Sohnes: Filius decessit27 ) intensiviert dabei die Wirkung des Schicksalsschlags, den die Eltern zu verarbeiten haben. Aus selbigem Grund lässt Plinius dem Sohn durch die Konstruktion der ablativi qualitatis eximia pulchritudine pari verecundia eine knappe, aber durchaus positiv wertende innerliche wie äußerliche Deskription zuteil werden und fügt an, dass jener gerade wegen dieser Eigenschaften von seinen Eltern geliebt worden sei und nicht ‚nur‘ aufgrund der Familienbande. Die Litotes non minus akzentuiert besonders die verecundia, die somit indirekt auch seiner Mutter in familiärer Tradition zugeschrieben werden könnte.

Im Folgenden legt Plinius den wahrhaft tapferen und starken Umgang der Arria mit dieser schwer zu ertragenden Lebenssituation dar, indem er bis einschließlich 3,16,6 einzelne Verhaltensmuster und Taten der Protagonistin dieses Briefes schildert. Indem sie ihren kranken Mann vor der Wahrheit ‚schützt‘, um dessen Genesungsprozess nicht zu obstruieren und zu gefährden, und indem sie eigenständig und ohne das Wissen des Caecina Patus das Begräbnis ihres Sohnes vorbereitet, offenbart sie das Ausmaß ihrer virtus. CURTIUS definiert virtus - etymologisch begründet - als „Inbegriff der Männlichkeit“28, was den Fokus erneut auf die Verteilung der Geschlechterrollen legt. Diese außen vor lassend, wird virtus als „standhaftes Ausharren, trotziges Sicheinstemmen, hartes Nichtwanken“29 definiert und die Assoziation mit Arria somit offenbar.

Die Größe dieser Autonomie zum Schutze des Ehemannes wird verdeutlicht durch das wiederholte ita (3,16,4) und gar erweitert und gesteigert durch die starke Adverbien-Junktur quin immo 30. Diese leitet die Beschreibung eines iterativen Vorgangs (quotiens) ein, bei dem Arria jedes Mal wenn sie das Zimmer des verstorbenen Sohnes betritt, ihrem Mann vortäuscht, dass es dem Sohn besser gehe31 und ihm, der sehr oft32 danach fragt, antwortet, dass jener gut ruhe und speise33. Besonders hervorzuheben sind hier die auffälligen Zeitadverbien quotiens und persaepe sowie das Tempusrelief. Die Formen des Imperfekts bei intraret, simulabat und respondebat fungieren an dieser Stelle als Darstellung von gewohnheitsmäßigen Handlungen unter iterativem Aspekt. All das unterstreicht die stete Stärke und Tugendhaftigkeit der Figur der Arria, die in der Beschreibung ihrer Enkelin Fannia bzw. der Wiedergabe von Plinius zutage tritt34.

Der Autor lässt ihr aber zusätzlich noch eine leicht gegensätzlich anmutende Eigenschaft zuteil werden: die der Menschlichkeit; nämlich dann, wenn die lange zurückgehaltenen35 Tränen sie überwältigen bzw. sie ‚übermannen‘36. Sich ihrer zutiefst menschlichen Gefühle nicht weiter zu erwehren imstande, geht sie aus dem Zimmer, um ihren Ehemann auch weiterhin bezüglich der Trauer über den Verlust des Sohnes zu verschonen.

Nachdem sie sich ‚ausgeweint‘ hat, (im Lateinischen prägnant [und zugleich ob der eigentlichen Konnotation etwas skurril erscheinend] durch das dominante Partizip satiata ausgedrückt) kehrt sie äußerlich gefasst (siccis oculis composito vultu) und ohne sich etwas anmerken zu lassen zurück37. Der Versuch eine ‚heile Welt‘ vorzuschützen, findet auch auf lexikalischer Ebene Untermalung durch Wendungen wie tamquam (…) reliquisset oder simulabat (3,16,4). Dass Arria sich der Realität aber nicht entziehen kann, wird durch den bereits genannten Irrealis der Vergangenheit reliquisset deutlich.

Vielleicht auch deshalb schreitet sie in 3,16,6 entschlossen zur Tat und setzt das, was in 3,16,2 (marito et solacium mortis et exemplum) bereits proleptisch angedeutet wurde, wahrhaftig um. Diese, von Plinius als praeclarum bezeichnete Handlung, ist zusammengefasst in einem einzigen Satz. Der Akt des Suizids der Arria wird somit kurz und bündig dargestellt: Praeclarum quidem illud eiusdem, ferrum stringere, perfodere pectus, extrahere pugionem, porrigere marito, addere vocem (…).

Die Kürze des Ausdrucks (die asyndetisch verbundenen bloßen Infinitive mit dem jeweiligen Objekt) verdeutlicht Arrias Entschlossenheit und Charakterstärke, die sie mithin auch zum Ende ihres Lebens auszeichnen38.

[...]


1 Beide Zitate bei ZELZER, Klaus: Zur Frage des Charakters der Briefsammlung des jüngeren Plinius, in: Wiener Studien - Zeitschrift für klassische Philologie, herausgegeben von Rudolf Hanslik, Walther Kraus, Albin Lesky, Wien 1964, S. 144.

2 ZELZER (1964) 144.

3 KUHLMANN, Peter: Römische Briefliteratur: Plinius und Cicero, Göttingen 2014, S. 6.

4 KUHLMANN (2014) 5.

5 KROLL, Wilhelm: Studien zum Verständnis der römischen Literatur, Stuttgart 1924, S.238.

6 PETER, Hermann: Der Brief in der römischen Literatur, Leipzig 1901, S. 113.

7 GLÜCKLICH, Hans-Joachim: Die Briefe des jüngeren Plinius im Unterricht, Göttingen 2003, S. 5.

8 Vgl. KUHLMANN (2014) 5. André Lambert erklärt diese ‚Inszenierung‘ wie folgt: „Bei Plinius können wir beobachten, wie sich der Brief an Verwandte und Freunde zum kleinen Kunstwerk formt, das oft exemplarischen Charakter, im Sinne der Belehrung über den Tag hinaus, annimmt, sich zum epigrammatischen Schluß spitzt oder zum wissenschaftlichen Essay weitet.“ (PLINIUS SECUNDUS: Sämtliche Briefe. Herausgegeben von Walter Rüegg. Eingeleitet und übersetzt von André Lambert. Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg [Originalausgabe: Artemis Verlag, Zürich und München 1969], S. 16.

9 Vgl. ALBRECHT, Michael von: Geschichte der römischen Literatur. Von Andronicus bis Boethius, 2 Bde., Bern - München ²1994, S. 913 mit Verweis auf GUILLEMIN, A[nne]-M[arie]: Pline et la vie littéraire de son temps, Paris 1929, S. 150.

10 ALBRECHT (²1994) 412.

11 Beide Zitate bei RADICKE, Jan: Die Selbstdarstellung des Plinius in Seinen Briefen, in: Hermes, 125 Bd., Stuttgart 1997, S. 448.

12 Vgl. LEFÈVRE, Eckard: Vom Römertum zum Ästhetizismus: Studien zu den Briefen des jüngeren Plinius, Berlin 2009, S. 196. Die gender-Thematik wird auch im Folgenden noch von Belang sein.

13 Für eine genealogische Betrachtung des Verhältnisses von Arria und Fannia siehe LEFÈVRE (2009) 196, wo er auf die Gemeinsamkeit der beiden hinweist, jeweils einer Art von „Widerstandsfamilien“ anzugehören.

14 Außerdem weist CARLON, Jacqueline M.: Pliny’s Women - Constructing Virtue and Creating Identity in the Roman World, Cambridge 2009, S. 48 darauf hin, dass Plinius auf diese Weise versucht, auf seine Verbindung mit den Stoikern sowohl vor als auch nach Domitians Tod aufmerksam zu machen.

15 CARLON (2009) 46 definiert die Rolle von Arria als größer als ‘lediglich’ consolatio et exemplum für Paetus. Auf die Symbolhaftigkeit ihres Charakters und die damit einhergehende Funktion der Figur der Arria wird im Folgenden noch weiter eingegangen werden.

16 BÜTLER, Hans-Peter: Die geistige Welt des jüngeren Plinius - Studien zur Thematik seiner Briefe, Heidelberg 1970, S. 75 verweist auf Plin. epist. 6, 24, in dem Plinius vom Schicksal einer unbekannten Frau berichtet, die ihrem Mann rät in den Tod zu gehen, weil er unter einer unangenehmen Krankheit leidet. Da dieser dazu nicht bereit ist, nimmt jene Frau das Schicksal der beiden in die Hand und stürzt sich, an ihn gefesselt, aus dem Fenster einer villa in den See. BÜTLER arbeitet die offensichtliche Parallele zum Schicksal der Arria heraus, indem er darlegt, dass in beiden Fällen die „Frau als treibende Kraft“ und als exemplum für den Gatten fungiert; eine Vergleichbarkeit ist sogar auf lexikalischer Ebene gewährleistet: solacium mortis et exemplum fuit

17 Vgl. MALASPINA, Ermanno: Arria Maggiore - una ‚donna virile‘ nelle epistole di Plinio?, in: De tuo tibi: omaggio degli allievi a Italo Lana, Bologna 1996, S. 318.

18 BÜTLER (1970) 75 spricht in Bezug auf Paetus von einer „kläglich-passiven Rolle außerhalb des eigentlichen Geschehens“. Eine ähnliche Rollenverteilung ist in 7,19,7 zu finden, wo Fannia als Ideal stilisiert wird, das den Männern exempla fortitudinis liefere.

19 Vgl. MALASPINA (1996) 324.

20 Vgl. MALASPINA (1996) 318.

21 CARLON (2009) 43: „her lesser-known actions make Arria an ideal exemplum through which Pliny may support his statement regarding the relative fame and greatness of human words and deeds”.

22 Vgl. LEFÈVRE (2009) 196. Auf Seite 198 gibt LEFÈVRE eine etwas genauere Erläuterung dieser These, indem er auf den parallelen Aufbau der Struktur in 3,16 und der Historiographie (wie etwa bei Livius) verweist. Die Argumentation wird von CARLON (2009) 47 gestützt durch den Hinweis auf die diesbezügliche Diskussion in der Forschung.

23 Radicke (1997) 457.

24 Vgl. LEFÈVRE (2009) 196.

25 Für eine ausführliche Darstellung der Charakteristika vgl. LEFÈVRE (2009) 306-310.

26 Vgl. LEFÈVRE (2009) 196.

27 SHERWIN-WHITE, A[drian] N.: A historical and social commentary, Oxford 1966, S. 249 erwähnt einen zweiten Sohn, C. Caecina Paetus, der überlebt und im Jahre 70 Konsul wird.

28 CURTIUS, Ludwig: Virtus und constantia, in: Römische Wertbegriffe, hrsg. von Hans Oppermann, Darmstadt 1983, S. 370.

29 BÜCHNER, Karl: Altrömische und Horazische virtus, in: Römische Wertbegriffe, hrsg. von Hans Oppermann, Darmstadt 1983, S. 378.

30 „ja sogar, ja vielmehr“, vgl. MENGE, Hermann: Repetitorium der lateinischen Syntax und Stilistik, zehnte durchweg verbesserte Auflage, Wolfenbüttel 1914, § 483,11.

31 commodiorem in Bezug auf seine Gesundheit (sanus), vgl. ThLL III, 1924, 25-26, s.v. commodus.

32 persaepe hier mit vi intensiva, vgl. ThLL X 1, 1668, 46-47, s.v. PERSAEPE.

33 In diesen Passus fügt Plinius das erste von insgesamt acht Zitaten ein. Jo-Ann SHELTON sieht die Sinnhaftigkeit der Zitate in der Tatsache, dass jene den Bericht dramatischer und überzeugender machen und die Glaubwürdigkeit stärken, da das Geschilderte anscheinend aus erster Hand, nämlich der der Enkelin der Arria, stammt (auch in Anbetracht der Tatsache, dass das Gespräch einen Tag vor der Niederschreibung des Briefes stattgefunden haben soll: hesterno Fanniae sermone). Und letztlich, so SHELTON weiter, habe Plinius den Leser dahingehend überzeugen wollen, dass er ebenfalls der oppositionellen Seite sehr nahe gestanden habe, vgl. SHELTON, Jo-Ann: The Women of Pliny’s Letters, New York 2013, S. 33.

34 Vgl. BÜTLER (1970) 73: Arria „setzt sich, um Paetus zu schonen, eine ‚Maske‘ auf“. Hierbei verweist BÜTLER auf die Systematik Ciceros (off. 1, 115), derer zufolge es sich an dieser Stelle um die dritte, vom Zufall oder - wie hier - von den Umständen auferlegte persona handelt.

35 cohibere hier aufzufassen wie retinere oder prohibere, vgl. ThLL III, 1546, 15-16, s.v. cohibeo.

36 Diese Formulierung ist bezugnehmend auf die Beschreibung der Arria als „donna virile“, die unabhängig und anstelle ihres Ehemannes Entscheidungen trifft, in: MALASPINA (1996) 325: „Ora e sino alla fine del racconto pliniano Arria agisce veramente ‚come un uomo‘“.

37 Wegen ihrer Fähigkeit den Verlust des Sohnes „appropriately“ zu ertragen, definiert Carlon sie als eine stoische sapiens in der Tradition des älteren Cato (Vgl. CARLON2009 44).

38 BÜTLER spricht in diesem Zusammenhang von einer „bezüglich der näheren Umstände reichlich unklaren Szene“ (BÜTLER1970 74). Meiner Meinung nach sind für die von Plinius intendierte Aussage die näheren Begleitumstände jedoch auch eher unerheblich. Vgl diesbezüglich auch LEFÈVRE (2009) 198-199, der auf die von Plinius selbst gegebene Klassifizierung der facta

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Details

Titel
Analyse des Briefes 3,16 von Plinius dem Jüngeren im Hinblick auf fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aspekte
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
31
Katalognummer
V345490
ISBN (eBook)
9783668352360
ISBN (Buch)
9783668352377
Dateigröße
998 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Plinius, Brief 3-16, Epistulae morales, Seneca, Stoa
Arbeit zitieren
André Markmann (Autor), 2014, Analyse des Briefes 3,16 von Plinius dem Jüngeren im Hinblick auf fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345490

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