Die vorliegende Hauptseminararbeit befasst sich mit den unterschiedlichen Standpunkten zum Islam zu Zeiten der Aufklärung. Dabei liegt das Hauptaugenmerk aufgrund der Kurswahl vor allem auf Gotthold E. Lessing Hierzu werden sein noch heute berühmtes dramatische Gedicht „Nathan der Weise“ und andere seiner damaligen Schriften als Quellen zur Ergründung seiner Einstellung zur muslimischen Religion herangezogen.
Zur geschichtlichen Einbettung dient ein kurzer Abriss über die Entstehung des muslimischen Glaubens, in dem auch die Rolle des Propheten Mohammed, sein Leben und Wirken, beleuchtet wird. Dieser Abschnitt befasst sich nur in groben Zügen mit der Entstehung und Ausbreitung des Islams und kann keinen detaillierten Einblick in die Religion, ihre Bräuche und Sitten gewähren, da dies nicht den Untersuchungsschwerpunkt der Seminararbeit bildet.
Im Hauptteil erfolgt die Klärung des Terminus ‚religio naturalis‘. Dabei konzentriert sich die Autorin auf die Entwicklung des Deismus in England, da mit Edward Herbert von Cherbury und seinen fünf Wahrheiten der Grundstein dieser Bewegung gelegt wurde. Entwicklungen in anderen Ländern wie Frankreich oder Deutschland werden nicht betrachtet, da es in diesem Kapitel nur um die Klärung des Kerns dieser „natürlichen Religion“ geht.
Im Anschluss daran erfolgt die Darstellung der unterschiedlichen Auffassung zum Islam als gleichwertige Religion neben Judentum und Christentum. Weil das Hauptaugenmerkt der Arbeit auf Lessings Auseinandersetzung mit dem Islam liegt und untersucht werden soll, ob bzw. warum Lessing den Islam als eine natürliche Religion ansieht, beschränkt sich die Autorin auf Lessings Mitstreiter aus der Zeit der Aufklärung und geht nur im Zusammenhang mit Lessings Motivation zur Auseinandersetzung mit dem Islam auf aktuelle Diskussionen ein. Das Fazit dient der Zusammenfassung der Ergebnisse und bietet der Verfasserin der Hausarbeit den Raum zur Darstellung der eigenen Ansicht auf Lessings Motivation zur Auseinandersetzung mit dem Islam
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung des Islams
3. Der Islam als religio naturalis?
a. Die natürliche Religion – eine Religion der Vernunft
b. Standpunkte zum Islam im 18. Jahrhundert
c. Lessing und der Islam
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Gotthold Ephraim Lessing zum Islam im Kontext der Aufklärung und analysiert, inwieweit Lessing den Islam als natürliche Religion begriff, um Vorurteile abzubauen und religiöse Toleranz zu fördern.
- Historische Entwicklung des Islams und dessen Wahrnehmung im 18. Jahrhundert
- Philosophische Grundlagen der "religio naturalis" (natürliche Religion)
- Die Rolle des Islams in Lessings dramatischem Werk "Nathan der Weise"
- Kritische Analyse von Lessings Intention hinter der positiven Darstellung des Islams
- Vergleich der religiösen Toleranzvorstellungen zwischen Lessing und seinen Zeitgenossen
Auszug aus dem Buch
Die natürliche Religion – eine Religion der Vernunft
Mit Beginn der Aufklärung und den damit einhergehenden Veränderungen in Gesellschaft und Wissenschaft, hat sich auch das Verhältnis des Menschen zur Religion verändert. Es wurde deutlich, dass das Christentum eine Religion neben weiteren anderen ist und deshalb noch lange nicht die einzig Wahre sein muss. Somit wurde nach vielen Jahrhunderten die Sonderstellung dieser Religion in Frage gestellt. Dies stieß natürlich nicht nur auf Zustimmung, sondern brachte Verfechter dieser kritischen Ansicht oft in eine schwierige Lage. Judentum, Christentum und auch der Islam waren in ihren Augen Offenbarungsreligionen, die im Gegensatz zur religio naturalis stehen. Vergleicht man diese drei Religionen jedoch miteinander, so zeigen sich zentrale Elemente, die den Kern der natürlichen Religion widerspiegeln. Über die Jahrhunderte wurden diese Kernelemente durch Mythen, Wundergeschichten und Erzählungen verfälscht, um Menschen eine besondere Stellung (z.B. Priester, Pfarrer, Bischof o.Ä.) zu geben und so ihre Macht zu festigen und ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen und andere zu unterdrücken.
Zur Zeit der Aufklärung entwickelte sich daher eine Religionsphilosophie, die die Frage nach dem substantiellen Unverzichtbaren in den Religionen stellt. Diese wurde als „Deismus“ bezeichnet und auch sie stießen keinesfalls auf breite Zustimmung, denn ihre religionsphilosophischen Ansichten stellten vor allem die großen Würdenträger und ihre Legitimation in Frage. Herbert von Cherbury (*1581 / † 1648), welcher als ein Begründer der Deisten in England gilt, stellte fünf Elemente in das Zentrum der natürlichen Religion und er sagt, „[a]lle Religionen – auch die miteinander im Streit liegenden Konfessionen – gründen in der Vernunftdimension des menschlichen Geistes.“ Dieser Vernunftdimension entspringen nach Herbert fünf allgemeine Wahrheiten: 1. der Glaube an ein höheres Wesen, 2. die Verpflichtung der Verehrung und dem Dienst an diesem Wesen, 3. das Führen eines tugendhaften und frömmigen Lebens, sowie 4. das Zeigen von Reue und die Wiedergutmachung bei fehlerhaftem Verhalten und 5. der Glaube an ein Dies- und Jenseits, in welchem dem Menschen Vergeltung für seine Taten erwartet. Er sieht diese Elemente als logisch bzw. vernünftig an, weshalb jeder (selbst-)denkende Mensch sie verstehen und einsehen müsse, da sie dem Menschen von Natur aus gegeben sind – sie bilden die religio naturalis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die problematische Wahrnehmung des Islams in der heutigen Gesellschaft ein und skizziert das Ziel, Lessings Auseinandersetzung mit dem Islam im Kontext der Aufklärung zu untersuchen.
2. Die Entstehung des Islams: Dieses Kapitel gibt einen geschichtlichen Abriss über die Entstehung des Islams, das Leben Mohammeds und die Ausbreitung der Religion bis hin zur Begegnung mit dem europäischen Kulturkreis.
3. Der Islam als religio naturalis?: Der Hauptteil analysiert das Konzept der natürlichen Religion, stellt zeitgenössische Ansichten zum Islam im 18. Jahrhundert gegenüber und untersucht Lessings spezifische Darstellung des Islams in seinen Werken.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Lessing den Islam nicht als "höherwertige" Religion stilisierte, sondern ihn im Sinne der Vernunft und Toleranz als gleichwertigen Teil der abrahamitischen Religionen integrieren wollte.
Schlüsselwörter
Gotthold Ephraim Lessing, Islam, Aufklärung, natürliche Religion, religio naturalis, Deismus, Nathan der Weise, religiöse Toleranz, Vernunft, Abrahamitische Religionen, Vorurteile, Religionsphilosophie, Mohammed, Weltreligionen, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Gotthold Ephraim Lessing den Islam im 18. Jahrhundert wahrnahm und warum er diese Religion in seinem Werk, insbesondere in "Nathan der Weise", als ein Beispiel für vernünftige, natürliche Religion heranzog.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Konzept der "natürlichen Religion" (religio naturalis), der historische Diskurs über den Islam während der Aufklärung sowie Lessings literarische Bemühungen, religiöse Vorurteile abzubauen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob Lessing durch die positive Darstellung des Islams diesen über andere Religionen heben wollte oder ob er lediglich ein Plädoyer für universelle Toleranz und Vernunft im Geiste der Aufklärung formulieren wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, wobei Lessings dramatische Werke sowie zeitgenössische philosophische Schriften als primäre Quellen herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Klärung des Begriffs der natürlichen Religion (Deismus), die Darstellung der kontroversen zeitgenössischen Sichtweisen auf den Islam und die spezifische Analyse von Lessings Positionierung im Hinblick auf religiöse Toleranz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Lessing, Islam, Aufklärung, religio naturalis, Deismus, Vernunft, religiöse Toleranz und Nathan der Weise.
Warum stand der Islam zur Zeit der Aufklärung in der Kritik?
Der Islam wurde von vielen Zeitgenossen als fremd und "unvernünftig" wahrgenommen. Er galt als Gegenpol zur europäischen christlichen Kultur, wobei oft Vorurteile über Fanatismus und Barbarei das Bild prägten.
Welche Rolle spielt die Ringparabel in Lessings Argumentation?
Die Ringparabel in "Nathan der Weise" verdeutlicht Lessings Ansicht, dass keine der abrahamitischen Religionen den absoluten Wahrheitsanspruch für sich beanspruchen kann, sondern dass wahre Religion sich durch menschliches Handeln und Vernunft auszeichnet.
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- Sabrina Kummer (Author), 2015, Der Begriff der 'religio naturalis' in der Aufklärung. Lessing als Verteidiger des Islams als eine natürliche Religion?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345535