"I live wireless", erzählt Russell Simmons, Vorstandsvorsitzender und Hauptgeschäftsführer von Rush Communications, sowie Mitbegründer und Aufsichtsratsvorsitzender von Def Jam Records, dem Auditorium der CITA Wireless 2004, "right now I've got a phone in my ear, a phone in my lap and a BlackBerry in my left hand. That's just what I do."
Wer Russell Simmons genauer kennt, wird sich mit Verwunderung fragen, warum einer der Hip-Hop-Pioniere auf der weltweit größten und bekanntesten Messe für drahtlose Informationstechnologie und Kommunikation referiert. Simmons, der mit Rick Rubin 1984 Def Jam Records gegründet hat, hatte schon immer das richtige Gespür für profitable Geschäfte. Sein Label hat u.a. Run-DMC, Public Enemy, LL Cool J, Jay-Z, DMX und die Beastie-Boys vermarktet und ist das erfolgreichste Hip-Hop-Label der Musikgeschichte. Dabei hat Russell Simmons Hip-Hop von Anfang an begleitet und zu "America's most compelling cultural explosion of the latter 20th century" gemacht.
Heute ist Hip-Hop ein milliardenschwerer Teil der Unterhaltungsbranche, der sich nicht nur in der Musik, sondern auch in Fernsehen, Kino, Kleidung, Printmedien, gesellschaftlichen Vereinigungen, etc. äußert.
In diesem Kontext lassen sich berechtigter Weise einige Fragen stellen:
Was macht Hip-Hop als kulturelle Ausdrucksform einer ethnischen Minderheit so einzigartig und faszinierend? Nach welchen Prinzipien ist Hip-Hop beschaffen? Welche Strukturen hat Hip-Hop und welche sozialen, wirtschaftlichen und politischen Konstellationen hat er durchlaufen?
Besteht Hip-Hop in seiner heutigen Form überhaupt noch als die Kultur, die einst aus größtenteils afro-amerikanischen Einflüssen entstanden ist - oder ist Hip-Hop längst einer kommerziellen Maschinerie einverleibt worden?
Inhaltsverzeichnis
1 Zwischen Kommerzialisierung und Authentizität
2 Versuch einer Definition
3 Die vier Elemente
3.1 MC' ing
3.2 DJ' ing
3.3 Breakdance
3.4 Graffiti
4 Die kulturellen Wurzeln
4.1 Signifying am Beispiel des Signifying Monkey
4.2 Toasts am Beispiel des Stagolee und The Dozens
4.3 Gospel am Beispiel der afro-amerikanischen Kirche
5 Die begleitenden Faktoren
5.1 Soziales Milieu der Hip-Hop Generation
5.2 Einflussnahme der Musikindustrie
6 Perspektiven
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der zunehmenden Kommerzialisierung von Hip-Hop und dessen ursprünglichem Anspruch auf kulturelle Authentizität. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei, ob Hip-Hop in seiner heutigen Form als authentische Ausdrucksform der afro-amerikanischen Kultur fortbesteht oder ob er vollständig in einer kommerziellen Maschinerie aufgegangen ist.
- Historische und kulturelle Wurzeln von Hip-Hop (Oral Culture, Gospel)
- Analyse der vier grundlegenden Hip-Hop-Elemente
- Soziologische Einordnung des Milieus der Hip-Hop Generation
- Einfluss der Musikindustrie und Vermarktungsstrategien
Auszug aus dem Buch
4.2 Toasts am Beispiel des Stagolee und The Dozens
Ein weiterer Bestandteil der Hip-Hop-Kultur sind Toasts, die zum Teil auch das Signifying verwenden und nach McLemee (2003, o.S.) als "rhymed oral performances" beschrieben werden. Dennoch lassen sich Toasts klar vom Genre des Signifying Monkey abgrenzen. Ähnlich wie deutsche Märchen, Mythen und Sagen schildern sie Ereignisse des gewöhnlichen Volkes mit einem mysteriösen Helden als Protagonisten. Diese anrüchig gereimten Geschichten, die dem Zeitvertreib dienen, entstanden vor allem in den Gefängnissen und beim Militärdienst und verbreiteten sich dann allmählich in den urbanen Gebieten. Die berühmtesten Erzählungen handeln von Stagolee, der als herzloser Gangster auftritt und ohne Rücksicht und Erbarmen handelt. Obwohl diese Geschichte unzählige Male erzählt wurde, ist bis heute ungewiss ob sie auf einer wahren Begebenheit aufbaut (Conyers, 2001; Gates, 1993).
Der Legende nach soll Stagerlee am Weihnachtsabend des Jahres 1896 seinen Freund William Lyons in einer Bar in St. Louis getötet haben. Anlass für die Auseinandersetzung war die Respektlosigkeit Lyons. Allen Schilderungen ist die explizite Darstellung des brutalen Charakters gemein, der Selbstjustiz ausübt. Das Ende dieses Toasts spaltet sich in zwei Versionen auf. In der einen wird Stagerlee verhaftet und hingerichtet, in der anderen ist selbst die Polizei von seiner Brutalität und Boshaftigkeit so verängstigt, dass er ohne Konsequenzen davonkommt (Conyers, 2001; Gates, 1993).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zwischen Kommerzialisierung und Authentizität: Einführung in das Spannungsfeld des Genres zwischen künstlerischer Wurzel und globaler Vermarktung.
2 Versuch einer Definition: Erörterung der Schwierigkeit, Hip-Hop exakt zu definieren, und Einordnung als kulturellen Prozess.
3 Die vier Elemente: Kurze Vorstellung der konstituierenden Bestandteile MC'ing, DJ'ing, Breakdance und Graffiti.
4 Die kulturellen Wurzeln: Herleitung der Hip-Hop-Kultur aus afrikanischen Traditionen wie Signifying, Toasts und Gospel.
5 Die begleitenden Faktoren: Analyse des sozialen Milieus und der ökonomischen Einflussnahme durch die Musikindustrie auf die Hip-Hop Generation.
6 Perspektiven: Betrachtung zukünftiger Entwicklungen und des fortwährenden Balanceakts zwischen kommerziellem Erfolg und Authentizität.
Schlüsselwörter
Hip-Hop, Kommerzialisierung, Authentizität, MC'ing, DJ'ing, Breakdance, Graffiti, Oral Culture, Signifying, Toasts, Gospel, Musikindustrie, Hip-Hop Generation, Soziales Milieu, Ghetto.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Hip-Hop von seinen subkulturellen, afro-amerikanischen Wurzeln hin zu einem globalen, kommerzialisierten Teil der Musik- und Unterhaltungsindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die kulturellen Ursprünge der vier Hip-Hop-Elemente, die soziale Herkunft der Hip-Hop Generation sowie die ökonomischen Mechanismen der Musikindustrie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Authentizitätsanspruch von Hip-Hop kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, inwieweit dieser in einer kommerziellen Maschinerie noch aufrechterhalten werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche und soziologische Literaturanalyse, um historische Entwicklungen und aktuelle gesellschaftliche Prozesse im Hip-Hop nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den kulturellen Wurzeln (Oral Culture) und eine sozio-ökonomische Betrachtung der Einflüsse durch das soziale Milieu und major labels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Hip-Hop, Kommerzialisierung, Authentizität, Signifying, Gospel, Ghetto und Musikindustrie.
Was bedeutet der "Signifying Monkey" im kulturellen Kontext?
Er dient als Symbol für eine rhetorische Technik und als Spiegel für den sozialen Status afro-amerikanischer Bevölkerungsgruppen im amerikanischen Gesellschaftssystem.
Inwiefern beeinflusst das "Call & Response"-Modell den Hip-Hop?
Es fungiert als zentrales interaktives Element, das aus der afro-amerikanischen Kirche stammt und die direkte Kommunikation zwischen MC und Publikum im Hip-Hop konstituiert.
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- Till Zier (Author), 2005, Hip-Hop zwischen Kommerzialisierung und Authentizität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34589