Konzeption und prototypische Umsetzung einer Variantenkonfiguration im SAP CRM Umfeld


Diplomarbeit, 2004

69 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Variantenkonfiguration
2.1 Definition Variante
2.2 Definition Variantenvielfalt
2.3 Definition Variantenkonfigurator
2.3.1 Allgemein
2.3.2 Bei XXX
2.4 Voraussetzungen für den Einsatz eines Variantenkonfigurators
2.5 Anforderungen an einen Variantenkonfigurator

3 Technische Analyse der betroffenen IT Systeme
3.1 Komplexitätsbedingte Einschränkung der Untersuchungsmerkmale
3.2 SAP R/3
3.2.1 Aufbau der Konfigurationslogik
3.2.2 Modellierung
3.2.2.1 Konfigurierbare Materialien
3.2.2.2 Maximalstückliste
3.2.2.3 Merkmale und Merkmalswerte
3.2.2.4 Merkmalsklassen
3.2.2.5 Konfigurationsprofile
3.2.2.6 Beziehungswissen
3.2.2.6.1 Globales Beziehungswissen
3.2.2.6.2 Lokales Beziehungswissen
3.2.2.6.3 Vorbedingungen
3.2.2.6.4 Auswahlbedingungen
3.2.2.6.5 Prozeduren
3.2.2.6.6 Constraints
3.2.2.6.7 Actions (obsolet)
3.2.2.6.8 Variantentabellen
3.2.2.6.9 Benutzerdefinierte Funktionen
3.2.2.6.10 Variantenkonditionen
3.2.3 Konfiguration innerhalb des SAP R/3 Frontend
3.2.4 Knowledge Base
3.3 SAP CRM Internet Pricing & Configurator als zentrales Konfigurationstool
3.3.1 Funktion
3.3.2 Sales Configuration Engine (SCE)
3.3.3 Sales Pricing Engine (SPE)
3.3.4 Schnittstellenbetrachtung zu CRM bzw. R/3
3.3.5 Konfiguration innerhalb des IPC
3.3.6 Unterschiede zwischen R/3 und IPC Konfigurationslogik
3.4 SAP CRM Mobile Sales als Konfigurationstool für den Außendienst
3.4.1 Funktionen
3.4.2 Schnittstellenbetrachtung zu CRM
3.4.3 Möglichkeiten der Konfiguration innerhalb von Mobile Sales
3.5 SAP CRM Internet Sales als Konfigurationstool für den Kunden
3.5.1 Funktionen
3.5.2 Schnittstellenbetrachtung zu CRM und IPC
3.5.3 Möglichkeiten der Konfiguration innerhalb Internet Sales

4 Implementierung eines Prototyps
4.1 Rahmenbedingungen
4.2 Spezifikation des Leistungsumfanges
4.3 Datenmodellierung
4.4 Realisierung
4.4.1 Aufbau der Wissensbasis in SAP R/3
4.4.1.1 Konfiguration innerhalb von SAP R/3
4.4.1.2 Bereitstellung einer Knowledge Base
4.4.2 Verwendung der Wissensbasis innerhalb des IPC
4.4.3 Verwendung der Wissensbasis innerhalb von Internet Sales
4.4.4 Verwendung der Wissensbasis innerhalb von Mobile Sales

5 Resümee und kritische Auseinandersetzung

Anhang
Literatur- und Quellenverzeichnis
Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Bestandteile der Variantenkonfiguration in SAP R/3

Abbildung 2 : Klassen als Stücklistenpositionen

Abbildung 3 : Ausführungsreihenfolge von Beziehungswissensbausteinen

Abbildung 4 : SAP R/3 GUI zur Merkmalsbewertung

Abbildung 6 : Kommunikation zwischen IPC Server und IPC Client

Abbildung 7 : IPC Schnittstellen zu SAP CRM / SAP R/3

Abbildung 9 : IPC im SAP Internet Sales Umfeld

Abbildung 10 : Konfiguration innerhalb von Internet Sales

Abbildung 11 : Komponenten eines Beschlagsystems

Abbildung 12 : Aufbau der Klasse und Maximalstückliste des Beschlagsystems

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 : Unterschiede zwischen der SCE/SPE und R/3

Tabelle 2 : Funktionale (Software-) Bestandteile des XXX Projektes

1 Einleitung

Vor wenigen Jahren galt die Individualisierung von Produkten noch als Ausnahmeerscheinung und fand kaum Beachtung. Billigprodukte aus anonymer Massenproduktion auf der einen Seite und teure Einzelfertigung auf der anderen Seite bestimmten die Märkte.

Als Paradebeispiel hierfür dient z.B. die Automobilindustrie, die sich vor nicht allzu langer Zeit noch auf Individualisierungsmerkmale wie Farbgestaltung, Einbau einer Klimaanlage oder den Motortyp beschränkt hat. Heute kann das Fahrzeug über entsprechende Variantenkonfiguratoren im Internet zusammengestellt werden, wobei die Variationsmöglichkeiten scheinbar unbegrenzt sind.

Der Erfolg eines Unternehmens wird nicht mehr ausschließlich vom attraktiven Design und einer ansprechenden Technik der Produkte, sondern mehr und mehr auch über ihren Variantenreichtum definiert. Aber was bedeutet in diesem Zusammenhang eine Zunahme der Variationsmöglichkeiten für Unternehmen, wenn doch die Maxime auch „schneller und günstiger“ lautet ?

Man denke an den Vertrieb komplexer Produkte, bei denen die Beratungsintensität mit der Zahl der Variationsmöglichkeiten exponentiell steigt; an den Verkäufer, der bereits im Planungsgespräch mit dem Kunden genau wissen muss, welche Kombinationen

möglich sind und welche nicht; oder an den Lageristen im Ersatzteilverkauf, der mit detektivischem Spürsinn aus dem riesigen Angebot genau die zur Konfiguration passenden Komponenten auswählen muss.

Die Liste ließe sich noch beliebig erweitern, aber die zentrale Fragestellung lautet eindeutig: Wie lässt sich das explodierende Produktwissen erfassen und verwalten ?

Vor diesem Hintergrund hat diese Arbeit zum Ziel, nach einer kurzen theoretischen Einleitung in das Thema der Variantenkonfiguration, die Grundlagen für eine erfolgreiche Umsetzung eines Prototyps innerhalb der Standardproduktpalette der SAP zu schaffen. Für den zu erstellenden Prototypen werden die spezifischen Gegebenheiten der XXX berücksichtigt, welche insbesondere die Verwendung der Variantenkonfiguration innerhalb des SAP R/3 Systems, als auch innerhalb des SAP Customer Relationship Management (CRM) vorsehen.

2 Grundlagen der Variantenkonfiguration

2.1 Definition Variante

In der Literatur gibt es verschiedene Ansätze zur Definition einer Variante, die sich überwiegend durch den betrachteten Anwendungsraum und somit durch den Spezifikationsgrad unterscheiden. So definiert das Deutsche Institut für Normung in DIN 199 die Variante als „Gegenstand ähnlicher Form oder Funktion mit einem in der Regel hohen Anteil identischer Gruppen oder Teile“[1]. Da diese Definition sehr weit gefasst ist und keinen Rückschluss auf die einzelnen Elemente einer Variante zulässt, wird sie als Grundlage für spezifischere Definitionen verwendet. So definiert Lignau Varianten im Rahmen der Produktionsplanung als „Gegenstände mit einem in der Regel hohen Anteil identischer Komponenten, die Ähnlichkeiten in Bezug auf mindestens eines der Merkmale Geometrie, Material oder Technologie aufweisen“[2].

Diese Definition schränkt den Begriff der Variante auf das Einzelteil ein und berücksichtigt nicht das Zusammenspiel verschiedener Komponenten zu einem Ganzen.

Da aber gerade aus der Perspektive des Vertriebs nicht das Einzelteil, sondern die Kombination der Einzelteile zu einem verkaufsfähigen Produkt im Vordergrund steht, soll in dieser Ausarbeitung Variante als ganzheitliches Produkt definiert sein. Ausgehend von einem Grundmodell, also einer bestimmten Zusammenstellung von Einzelteilen zu einem verkaufsfähigen Produkt, sind Abweichungen innerhalb dieser Zuordnung als Variante zu betrachten. Das Grundmodell, welches sich normalerweise aus der Zusammenstellung zusammensetzt, die den höchsten Kundenbedarf auf sich zieht, ist genau betrachtet auch nur eine Variante, die sich von gleichartigen Produktvarianten nur in der Zusammenstellung der Einzelteile unterscheidet, aber im Zusammenspiel der Einzelkomponenten die gleiche grundlegende Funktionalität bietet. Dabei ist die Zusammenstellung von der gewünschten Charakteristik des Produktes, der Merkmalsausprägung, abhängig.[3]

2.2 Definition Variantenvielfalt

Variantenvielfalt definiert sich durch die Anzahl der Produkte, die sich durch die verschiedenen Merkmalsausprägungen für ein verkaufsfähiges Produkt ergibt.

Die Komplexität der Variantenvielfalt kann sowohl auf interne, als auch auf externe Einflussfaktoren zurückgeführt werden. Hierzu gehören u.a.:

- Marketingstrategien zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen durch Produktdifferenzierung (Angebot von zusätzlichen Funktionen)
- Informationsdefizite innerhalb des gesamten Produktlebenszyklus, wodurch eine Produkteliminierung nicht oder nur schwer möglich ist
- Kundenspezifische Lösungen
- Abhängigkeiten der eigenen (komplementären) Produktpalette zu Vertriebspartnern bzw. deren Produkten

Aus struktureller Sicht ist die Variantenvielfalt (auf Produktebene) genau gesehen auf die Baugruppenvielfalt und Teilevielfalt zurückzuführen[4].

2.3 Definition Variantenkonfigurator

2.3.1 Allgemein

Ein Variantenkonfigurator wird im Allgemeinen als System zur Abbildung von produktspezifischem Wissen definiert. Der Begriff der Variantenkonfiguration wird häufig mit dem Begriff der „Produktkonfiguration“ gleichgesetzt und daher innerhalb dieser Arbeit auch synonym verwendet.

Variantenkonfiguratoren sind „Designwerkzeuge, welche die Kundenbedürfnisse mit den Fähigkeiten des Unternehmens in Einklang bringen. Falls kein Werkzeug dieser Art den Kunden zur Verfügung stünde, wären die Kunden mit so vielen Modellen, Möglichkeiten und Zusammenhängen konfrontiert, dass sie aufgrund einer viel zu hohen Komplexität nicht im Stande wären, die optimale Lösung für sich herauszufinden.“[5]

Dies impliziert, dass ein Variantenkonfigurator in der Lage sein muss, das zu konfigurierende Produkt erklärbar darzustellen. Ein Variantenkonfigurator ist daher als detaillierte Wissensbasis zu sehen, der die gesamte Produktstruktur inklusive des dazugehörigen Beziehungswissens abbildet und zur Verfügung stellt.

Innerhalb des Variantenkonfigurators gibt es zudem zwei zu beachtende Sichten. Zum einen muss ein Variantenkonfigurator in der Lage sein, die Produktstruktur aus vertrieblicher Sicht in Form eines Konfigurationsmodells zur Verfügung zu stellen. Innerhalb dieses Konfigurationsmodells wird das zu konfigurierende Produkt mittels Merkmalen und deren Ausprägungen näher beschrieben. Merkmale sind dabei variantenneutrale Produktausprägungen in Form von Funktions- bzw. Leistungseigenschaften des gewünschten Produktes. Die Ausprägungen, auch Merkmalswerte genannt, sind die möglichen Werte der Merkmale und dienen daher der Spezialisierung. Die Gesamtheit der Merkmale und Merkmalswerte müssen ein Variantenprodukt vollständig beschreiben können. Das dieser Sicht zugeordnete Beziehungswissen beschreibt die Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Objekten des Konfigurationsmodells und dient vor allem der Plausibilitätsprüfung, Vollständigkeitsprüfung und der Wertherleitung während der Konfiguration.

Die zweite Sicht bezieht sich auf die Übertragung des vertrieblichen Konfigurationsmodells in Form eines Kundenauftrages in einen Fertigungsauftrag. Dafür muss dem Variantenkonfigurator die Produktstruktur aus Sicht der Fertigung bekannt sein.

Ein Variantenkonfigurator ist also als System zu verstehen, das in Abhängigkeit eines (aktiven) Bewertungsvorganges auf Basis der zugrundeliegenden Merkmale und Merkmalswerte eine konkrete Lösung für die Zusammenstellung des Produktes ermittelt.

2.3.2 Bei XXX

Die Firma XXX ist Hersteller für Beschläge im Bereich Holz, Kunststoff und Aluminium. Diese Beschläge lassen sich im Fenster-, Fenstertüren- und Portalbereich einsetzen.

Durch die äußerst vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten bei der Zusammenstellung der verschiedenen Beschläge in Verbindung mit unterschiedlichen Profilsystemen der verschiedenen Hersteller entsteht eine sehr umfangreiche und komplexe technische Datenbasis.

In Vertrieb, Marketing und Produktmanagement entstehen hohe, vielfaltsinduzierte Komplexitätskosten, da keinerlei Hilfsmittel zur Verfügung stehen, die diese Komplexität sinnvoll bewältigen können. Sowohl für Beratung und Verkauf als auch für Publikationen existiert keine zuverlässige und vollständige technische Datenbasis. Ebenfalls fehlen verlässliche Informationen darüber, welche Kombinationen Kunden der XXX verwenden, da derzeitige Auswertungsmöglichkeiten auf Grundlage der eingegangenen Bestellungen keine eindeutige Zuordnung zu der verwendeten Garnitur ermöglichen.

Durch die Einführung des neuen Beschlages XXX müssen zudem umfangreiche Beschlagsdaten für Fensterbauprogramme und Maschinen zeitnah zur Verfügung gestellt werden können. Diese Aufgabe würde ohne eine entsprechende Software nur durch eine erhebliche Ausweitung der Personalressourcen zu bewältigen sein.

Diese Aufgaben (sowohl das Management der technischen Datenbasis als auch die Bereitstellung von Daten für Fremdsysteme) sind bei dieser Komplexität nur sinnvoll durch EDV-gestützte Verfahren zu realisieren.

Um diese Komplexität beherrschbar zu machen wurde bei der XXX das XXX[6] – Projekt initiiert, dessen Bestandteil unter anderem die Verwendung der innerhalb des XXX – Projektes erzielten Ergebnisse mit Hilfe eines Variantenkonfigurators vorsehen.

Die Eigenschaften bzw. Funktionen eines Variantenkonfigurators für die

XXX lassen sich also (zusätzlich zu den im vorigen Kapitel erwähnten Eigenschaften) folgendermaßen konkretisieren[7]:

- Möglichkeit der Zusammenstellung von Profilsystemen
- Möglichkeit der Zusammenstellung von Garnituren[8] (inkl. Zuordnung von Profilsystemen) über das gesamte XXX Beschlagprogramm
- Archivierung der Zusammenstellungen
- Abfrage umfangreiche Einzelteilinformation
- Möglichkeit zum Datenexport für Fensterbauprogramme und Maschinen
- Zentrale Verwaltung der Regeln für Garniturzusammenstellungen
- Integration in die bestehende Softwarelandschaft
- Unternehmensweite Verwendbarkeit für interne Mitarbeiter, Außendienst und Kunden
- Möglichkeit der Hinterlegung von Länderspezifika
- Zugriffsmöglichkeit via Internet incl. Bestell- und Auswertungsmöglichkeiten

Die Komplexität einer Variantenkonfiguration bei XXX wird dementsprechend nicht nur durch interne Faktoren wie die vorhandene Variantenvielfalt bestimmt, sondern ebenfalls durch externe Faktoren, die durch die zu unterstützende Vielzahl von Profilsystemen externer Vertriebspartner zustande kommt. Hinzu kommt noch, dass ein „Expertenmodus“ berücksichtigt werden muss, der autorisierten Nutzern des Systems die Möglichkeit einräumt, von den Standardempfehlungen, wie z.B. vorgegebene, in der Produkthaftung enthaltene Größenanwendungsbereiche, abzuweichen.

2.4 Voraussetzungen für den Einsatz eines Variantenkonfigurators

Für den Einsatz eines Variantenkonfigurators stellt sich für jedes Unternehmen die grundsätzliche Frage, wie stark es die Kundenbedürfnisse innerhalb der eigenen Produktpalette berücksichtigen möchte. Anhand des Grads der Selbstbestimmung der Produkteigenschaften durch den Kunden unterscheidet man zwischen einer kundenindividuellen Leistung[9] und einem gewöhnlichen Standardprodukt, wobei letzteres sich an den durchschnittlichen Kundenbedürfnissen orientiert. Kundenindividuelle Leistung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein „Produkt als

Antwort auf einen konkreten Kundenwunsch produziert wird“[10]. Es handelt sich in diesem Fall also um eine Pull-Strategie, bei der die Leistung direkt beim Kunden abgefragt wird. Vor dem Hintergrund, dass kundenindividuelle Produkte meistens mit einem höheren Aufwand innerhalb des Vertriebs sowie der Fertigung verbunden sind, und diese somit direkt über die Variantenkonfiguration beeinflussbar sind, muss der optimale Individualisierungsgrad in der Konzeptionsphase berücksichtigt werden.

Hierzu muss ein „gesunder“ Mittelweg zwischen der Vorstellung des Herstellers und der des Kunden gefunden werden.

Aus Herstellersicht ist der optimale Individualisierungsgrad dann erreicht, wenn die Differenz des durch die Individualisierung erzielbaren Preisaufschlag und den individualisierungsbedingten Kosten, die insbesondere aus der steigenden Komplexität des Herstellungs- und Beschaffungsprozesses sowie Informationskosten resultieren, am größten ist[11].

Das aus Kundensicht günstigste Verhältnis zwischen Individualisierung und Standardisierung zu ermitteln, gestaltet sich schwerer. Eine Vielzahl von Produktoptionen stellt zwar sicher, dass für jeden Kunden die optimale Lösung enthalten ist, verursacht aber auch höhere Kosten und gestaltet den Konfigurationsvorgang für den Kunden evtl. unübersichtlich und zu komplex.

Der Einsatz und die Inbetriebnahme eines Variantenkonfigurators erfordert zudem nicht nur die Entwicklung bzw. Anpassung einer entsprechenden Software sondern bringt auch erhebliche Veränderungen im Vertriebsprozess und in der Aufgabenverteilung zwischen den Abteilungen mit sich. Die Arbeitsabläufe der Beteiligten verändern sich zum Teil drastisch. Die Vertriebsmitarbeiter sowie diejenigen, die bislang im Unternehmen für die Prüfung der Aufträge und die Übernahme in das Inhouse-System zuständig waren, befürchten oft, entbehrlich zu werden, und sträuben sich daher gegen den Einsatz eines solchen Werkzeuges, wodurch letztlich der Gesamterfolg gefährdet ist[12].

Hier sind also Fingerspitzengefühl und die gezielte Einbindung dieser Mitarbeiter gefragt.

Der Nutzen sowie direkte Auswirkungen auf die Aufgabenfelder der beteiligten Mitarbeiter durch den Einsatz eines solchen System, sollten mit den Betroffenen aller Abteilungen frühzeitig diskutiert werden.

Der nächste wichtige Schritt ist die Aufstellung des Regelwerkes. Dazu müssen alle Beteiligte – Vertrieb, Marketing, Entwicklung, Auftragsbearbeitung und Produktionsplanung – gemeinsam die Produktstruktur, die Vorgehensweise bei der systemgestützten Konfiguration sowie die jeweils zu beachtenden Restriktionen festlegen. Die dafür vorgesehenen Mitarbeiter müssen die erforderlichen Schulungen absolvieren und mit der Eingabe bzw. Übernahme der Produktdaten in das System sowie dem Aufbau des Regelwerkes beginnen. Bevor das System zur Anwendung kommt, muss es gründlich getestet werden; sowohl im Hinblick auf die Funktionsfähigkeit und die Korrektheit der Ergebnisse als auch zur Überprüfung der Benutzerfreundlichkeit, Klarheit und Fehlertoleranz. Auch nach der Inbetriebnahme sollte regelmäßig das Feedback der Anwender eingeholt werden. Da viele Schwachstellen eines Systems erst bei der dauerhaften Benutzung erkannt werden ist dadurch eine kontinuierliche Verbesserung des Systems gewährleistet.

Soll der Variantenkonfigurator im Rahmen von Verkaufsgesprächen benutzt werden, sind die entsprechenden Mitarbeiter zuvor sorgfältig zu schulen.

Von großer Wichtigkeit ist darüber hinaus das Festlegen der Verantwortlichkeiten für die Pflege der Daten- und Wissensbasis des Systems. Der schnellen und regelmäßigen Aktualisierung kommt eine große Bedeutung zu. Sei es, dass Wahlmöglichkeiten aus dem Angebot genommen werden oder neue hinzukommen, dass sich bei einer bestimmten Ausstattungskombination ein Konflikt herausgestellt hat oder Preise geändert werden – in jedem Fall müssen die im Einsatz befindlichen Variantenkonfiguratoren schnellstmöglich aktualisiert werden. Diese Aktualisierung muss in den Geschäftsstellen, bei den Außendienstmitarbeitern, im Vertriebsinnendienst und im Internet vorgenommen werden, um veraltete Angebote und Inkonsistenzen zwischen den verschiedenen Abteilungen zu vermeiden.

Um die systemgestützte Konfiguration zum Erfolg zu führen, müssen alle betroffenen Abteilungen an einem Strang ziehen. Zugleich wird damit auch das Problem des zwischen Vertrieb, Entwicklung, Konstruktion und Produktion verteilten Wissens über die einzelnen Produktmerkmale und Restriktionen gelöst und eine einheitliche Datenbasis geschaffen[13].

2.5 Anforderungen an einen Variantenkonfigurator

Die Anforderungen an einen Variantenkonfigurator ergeben sich in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erfassung der Kundenwünsche auf Basis einer nicht systemunterstützten Lösung wie z.B. in Papierform oder anhand von Formularen:

Der Vertriebsmitarbeiter erfasst die kundenindividuellen Wünsche auf einer nicht mit dem Backend ERP[14] System verbundenen Vorlage und kann, besonders bei komplexeren Produkten, während des Gespräches nicht alle Restriktionen der aktuellen Wünsche überprüfen. Somit setzt er sich im Anschluss an das Gespräch zuerst mit einem Anwendungstechniker in Verbindung um die Konfiguration zu prüfen. Sofern die Prüfung positiv verläuft pflegt der Vertriebsmitarbeiter den Auftrag in das ERP System ein. Sollte die Prüfung allerdings negativ ausfallen, so muss sich der Vertriebsmitarbeiter zusammen mit dem Kunden nochmals über eine Anpassung des Produktes in Verbindung setzen.

Die Nachteile dieses Prozesses liegen auf der Hand:

- Zwischen der erstmaligen Aufnahme des Kundenwunsches und dem Eintreffen der Bestellung im ERP Backend System (und damit auch des Fertigungsauftrages) vergeht verhältnismäßig viel Zeit, die sich durch evtl. Korrekturmaßnahmen vervielfacht.
- Bei jeder Änderung muss sowohl ein Verkäufer, wie auch ein Anwendungstechniker bemüht werden. Somit ist allein der Spezifizierungsprozess personal- und kostenintensiv.
- Insbesondere bei einer Vielzahl von Produktoptionen ist es dem Käufer aufgrund der vielfältigen Ausstattungsmöglichkeiten und den damit verbundenen Restriktionen nicht möglich, eine für Ihn optimale Lösung in vertretbarer Zeit zu finden[15].
- Der Kunde erhält erst nach geraumer Zeit durch einen Ausdruck der Auftragsbestätigung die Möglichkeit einer Kontrolle.
- Alle Vertriebsmitarbeiter müssen über grundlegendes (im besten Fall spezielles) Produktwissen verfügen. Dies ist insbesondere bei einem komplexen und breiten Produktspektrum, wenn überhaupt, nur durch einen hohen Schulungsaufwand zu erreichen.
- Der Medienbruch durch die Verwendung nicht systemgestützter Erfassungsmasken führt teilweise zu Erfassungsfehlern innerhalb des ERP Systems und verlangsamt somit den Prozess des Kundenauftrages zusätzlich.

Aus den Nachteilen des o.g. Prozesses lassen sich die Anforderungen für einen Variantenkonfigurator, der sowohl zur Unterstützung des Verkäufers innerhalb eines Verkaufsgesprächs, als auch für eine selbständige Konfiguration durch den Kunden ableiten:

- Dem Anwender werden zu jedem Merkmal die jeweils gegebenen Merkmalswerte sowie alle verfügbaren Informationen zur Verfügung gestellt. Der Anwender muss auch über evtl. Restriktionen informiert werden, die sich durch die jeweiligen Merkmalswerte ergeben.
- Eine Echtzeitüberprüfung der Merkmalsbewertung auf Basis der gegebenen Restriktionen während der Laufzeit des Konfigurationsvorganges muss gewährleistet sein. Inkonsistente bzw. nicht realisierbare Lösungen müssen durch das System ausgeschlossen werden.[16]
- Das Ergebnis der Variantenkonfiguration muss automatisch in das ERP System eingelastet werden können.
- Für den eigentlichen Bestellvorgang müssen umfangreiche Informationen abrufbar sein (Auftragsbestätigungen, Verfügbarkeit, Lieferstatus).

Da der Aufbau eines Variantenkonfigurators mit relativ viel Aufwand verbunden ist, muss der effektive Nutzen eines solchen Systems dem Aufwand gegenübergestellt werden. Da eine umfangreiche Kosten-Nutzen Analyse nicht das eigentlichen Kernthema dieser Ausarbeitung ist, sei darauf verwiesen, das die Grundaussage aller befragten Literaturquellen den Aufbau eines Variantenkonfigurators sowohl in Bezug auf den internen, als auch auf den externen Nutzen, durchweg als positiv betrachten. In Bezug auf den o.g. Prozess ist der effektive Nutzen in folgenden Punkten zu sehen:

- Garantierte Vollständigkeit der benötigten Informationen für einen kundenspezifischen Auftrag durch Definition von Muss-Merkmalen
- Zeitersparnis bei allen Beteiligten, da die Konsistenzprüfung zur Laufzeit erfolgt und die im Modell hinterlegten Restriktionen direkt berücksichtigt werden. Hierdurch wird die notwendige interne (Machbarkeitsprüfung) und externe Kommunikation (Angebotserstellung) auf ein Minimum beschränktHiHier. Es ergeben sich Möglichkeiten der Einsparung von Personal- und Vertriebskosten.
- Der strukturierte Ablauf einer Konfiguration und die sofortige Auskunft über Realisierbarkeit, Verfügbarkeit und Preis vermittelt dem Kunden den Eindruck von Kompetenz, Zuverlässigkeit und Professionalität
- Die gewünschte Konfiguration liegt direkt in einer verständlichen Form für das Backend System vor, so dass Sie dort direkt eingelastet und für die Fertigung aufgelöst werden kann.

3 Technische Analyse der betroffenen IT Systeme

3.1 Komplexitätsbedingte Einschränkung der Untersuchungsmerkmale

Aufgrund der Komplexität des zu betrachtenden Szenarios soll der Untersuchungsraum und damit der Schwerpunkt dieser Ausarbeitung auf die spezifischen Anforderungen und Gegebenheiten bei der XXX eingeschränkt werden. Dafür eine kurze Szenariobeschreibung:

Bei der XXX sind derzeit sowohl das SAP R/3[17] als auch das SAP CRM System[18] im produktiven Einsatz. SAP R/3 ist in diesem Szenario das führende System und ist mit allen Modulen vollständig in die Prozesslandschaft integriert. Das SAP CRM System dient vor allem der Pflege von kundenspezifischen Daten im Innen- und Außendienst. Zu diesem Zwecke ist die Anwendung Mobile Sales derzeit mit ca. 140 Usern im Außendienst produktiv im Einsatz.

Die produktive Systemlandschaft wird durch eine Testumgebung ergänzt, die derzeit folgende Systeme zur Verfügung stellt:

- SAP R/3
- SAP CRM
- SAP CRM IPC[19]
- SAP CRM Mobile Sales
- SAP CRM Internet Sales.

Da die Variantenkonfiguration sowohl im SAP R/3 als auch in der gesamten SAP CRM Systemlandschaft zur Verfügung stehen soll, muss aus systembedingten Gründen die Modellierung zwingend innerhalb des SAP R/3 erfolgen, da nur so eine Verwendung in allen Bereichen gewährleistet werden kann. Die Modellierung innerhalb des SAP CRM Systems wird somit nicht Gegenstand dieser Untersuchung sein.

Sehr wohl soll aber die mögliche Anwendung dieses in R/3 hinterlegten Produktwissens in Form von Knowledge Bases im gesamten CRM Umfeld betrachtet werden. In diesem Zusammenhang wird insbesondere der SAP CRM IPC auf seine Fähigkeiten hin analysiert werden, die Konfiguration aus dem SAP R/3 den CRM Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Die zu betrachtenden (Anwendungs-) Systeme sind dementsprechend SAP CRM Mobile Sales und SAP CRM Internet Sales.

3.2 SAP R/3

3.2.1 Aufbau der Konfigurationslogik

Das Grundmodell einer Variantenkonfiguration innerhalb des SAP R/3 Systems setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, die in der folgenden Grafik übersichtlich zusammengestellt sind und im Kapitel 3.2.2 als Leitfaden der detaillierten Beschreibung dienen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Bestandteile der Variantenkonfiguration in SAP R/3[20]

3.2.2 Modellierung

3.2.2.1 Konfigurierbare Materialien

Das konfigurierbare Material ist ein Produkt, das in mehreren Varianten gefertigt werden kann. Diese verschiedenen Varianten werden innerhalb eines „KMAT“[21] zusammengefasst. Das KMAT ist Ausgangspunkt für die Hinterlegung von Stücklisten, Arbeitsplänen und Beziehungswissen.

[...]


[1] Deutsches Institut für Normung (1977): DIN 199 T2 - Begriffe im Zeichnungs- und Stücklistenwesen, Nr. 51

[2] Lingnau, V. (1994): Variantenmanagement, S. 24

[3] Die Charakteristik / Merkmalsausprägung für ein Produkt (z.B. Farbe = Rot) wirkt sich somit nicht nur auf ein Einzelteil aus, sondern auf die Gesamtheit der Zusammenstellung

[4] vgl. Kestel, R. (1995): Variantenvielfalt und Logistiksysteme, S.7 ff

[5] Piller, F. T. (1988): Kundenindividuelle Massenproduktion, S. 9

[6] XXX = XXX

[7] vgl. XXX (2002), XXX - Konzept, S.8f

[8] Eine Garnitur ist als Artikelzusammenstellung eines Beschlagherstellers in Abhänigigkeit zu verschiedenen Einflußgrößen zu verstehen

[9] Vgl. Schnäbele, Peter (1997): Mass Customized Marketing, S.88

[10] Vgl. Piller, F.T. (1998): Kundenindividuelle Massenproduktion, S. 1

[11] vgl. Hildebrand, Volker G (1997): Individualisierung als strategische Option der Marktbearbeitung., S. 77

[12] Holthöfer, Norbert; Szilágyi, Sándor (2001): Marktstudie: Softwaresysteme zur Produktkonfiguration, S. 9

[13] Holthöfer, Norbert; Szilágyi, Sándor (2001): Marktstudie: Softwaresysteme zur Produktkonfiguration, S.14

[14] Enterprise Resource Planning

[15] vgl. Holthöfer, Norbert; Szilágyi, Sándor (2001): Marktstudie: Softwaresysteme zur Produktkonfiguration, S.13

[16] vgl. Holthöfer, Norbert; Szilágyi, Sándor (2001): Marktstudie: Softwaresysteme zur Produktkonfiguration, S.50

[17] Release 4.6c

[18] Release 3.0 Service Pack 16

[19] Internet Pricing & Configurator, hierzu siehe auch Kapitel 3.3

[20] Eigene Erstellung

[21] KMAT (Konfigurierbares Material) ist die Materialart, die innerhalb der Materialstammdaten für ein konfigurierbares Produkt hinterlegt wird.

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Konzeption und prototypische Umsetzung einer Variantenkonfiguration im SAP CRM Umfeld
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
69
Katalognummer
V34645
ISBN (eBook)
9783638348102
Dateigröße
813 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzeption, Umsetzung, Variantenkonfiguration, Umfeld
Arbeit zitieren
Marco Stötzel (Autor), 2004, Konzeption und prototypische Umsetzung einer Variantenkonfiguration im SAP CRM Umfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34645

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