'Qué cosecha un país que siembra cuerpos?' Die Zivilgesellschaft in Mexiko am Beispiel von Ayotzinapa


Bachelorarbeit, 2015
62 Seiten, Note: 1.0

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Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zivilgesellschaft und ciudadanía
2.1 Zivilgesellschaft in Mexiko
2.2 Kontrolle der Zivilgesellschaft

3 Aussagekraft der Konzepte im mexikanischen Kontext
3.1 Funktionierende (interne) Demokratie
3.2 Klientelismus
3.3 Gewaltfreiheit
3.4 Verhältnis zu den Medien

4 Situation der Zivilgesellschaft im Drogenkrieg

5 Fallbeispiel Ayotzinapa
5.1 Guerrero
5.2 Die escuelas normales rurales
5.3 Die Ereignisse vom 26. und 27. September 2014
5.4 Die Bedeutung von Ayotzinapa für die Zivilgesellschaft

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„¿Qué cosecha un país que siembra cuerpos?“ zu Deutsch „was wird ein Land ernten, welches Leichen sät?“, ist eine der Parolen, die während verschiedener Demonstrationen in Mexiko immer wieder zu hören und zu lesen war. Tatsächlich stellt sich die Frage aber auch außerhalb von Demonstrationen, angesichts der eineinhalb Millionen Vertriebenen, 30.000 Verschwundenen und 130.000 Ermordeten, darunter auch viele Studenten, seit der Ex-Präsident Felipe Calderón den Drogenhändlern den Krieg erklärte (Reveles 2015:11). Das Ziel dieser Arbeit ist es, an Hand des Begriffes der Zivilgesellschaft zu untersuchen, wie sich die mexikanische Bevölkerung in diesem Kontext verhält.

Dabei wird untersucht werden, inwieweit klassische Definitionen oder Erklärungsmodelle von „Zivilgesellschaft“ zu der mexikanischen Situation passen, die weit von westlichen Vorstellungen der Rechtstaatlichkeit entfernt ist. Denn oftmals werden normative, universelle Maßstäbe an die Definitionen von Zivilgesellschaft angelegt, die sich kaum mit den spezifischen Situationen in nicht-westlichen Ländern vereinigen lassen. Gerade in Mexiko mit seiner langen klientelistischen Tradition und der aktuellen Situation im sogenannten Drogenkrieg[1], sind weite Teile der Zivilgesellschaft eng mit dem Drogenhandel und/oder staatlichen Apparaten verbunden, sodass sich die Grundannahme, dass die Zivilgesellschaft eine Art „neutraler Akteur“ zwischen Staat, Drogenhandel und Wirtschaft darstellt, als schwierig erweist. Um die Situation der mexikanischen Zivilgesellschaft zu verstehen wird im Folgenden auf das ciudadanía Konzept eingegangen, das besonderen Wert auf die Möglichkeit der Aushandlung von Zugehörigkeiten legt.

Die Bedeutung der Rolle der Zivilgesellschaft wird am Beispiel der Mobilisierungen für die verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa mit folgendem Fokus diskutiert werden: Was sagen die großen Mobilisierungen im Fall von Ayotzinapa über die Zivilgesellschaft aus? Was fordert die Zivilgesellschaft in diesem Kontext von Gewalt, Unsicherheit und staatlichen Repressionen? Wie versucht sie ihren Forderungen Gehör zu verschaffen? Welche Bündnisse entstehen dabei und wie passt das zu den theoretischen Konzepten?

In der Nacht vom 26. September 2014 wurde eine große Gruppe von Studenten der Escuela Normal Rural von Ayotzinapa, in der Kleinstadt Iguala von der örtlichen Polizei attackiert. Bei diesem Angriff starben sechs Personen, zahlreiche weitere wurden verletzt und 43 Studenten wurden verschleppt. Nach offiziellen Ermittlungsergebnissen wurden diese Studenten noch in derselben Nacht der lokalen Mafiagruppe Guerreros Unidos übergeben und von diesen ermordet und verbrannt.

Wie oben gesagt, sind diese Studenten nicht die ersten oder einzigen Verschwundenen. Allerdings sind auch in Mexiko 43 Personen, die auf einmal zum Verschwinden gebracht werden, viel. Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Zusammenarbeit (von Teilen) des Staatsapparates mit den verschiedenen Mafiagruppen offensichtlich wurde.

Das Besondere an diesem Fall ist vielmehr die große nationale und internationale Reaktion der Zivilgesellschaft, die er hervorrief. So fanden vergangenes Jahr die größten Demonstrationen seit langem statt, manche Beobachter sprechen gar von den größten Unruhen seit dem zapatistischen Aufstand 1994 (Huffschmid u.a.2015:8). Auch in persönlichen Gesprächen äußerten sich viele meiner mexikanischen Bekannten und Freunde, auch jene die sich kaum für Politik interessieren, zu Ayotzinapa und sprachen von Staatsverbrechen. An verschiedenen Universitäten, wie zum Beispiel der UNAM, wurde mehrmals gestreikt. Dies geschieht zwar relativ oft, aber diesmal haben sich auch Fakultäten an dem Streik beteiligt, die dies normalerweise nicht tun, wie zum Beispiel die Facultad de Ingenería, die das letzte Mal 1999 gestreikt hatte (KéHuelga 2014:o.S.).

Die Ereignisse von Ayotzinapa werden vielfach als eine Art Kristallisationspunkt der eskalierten Gewalt angesehen. Dazu folgendes Zitat aus der Urteilsverkündung des Tribunal Permanente de los Pueblos (TPP):

[...] los hechos de Ayotzinapa no constituyen apenas un capítulo más en el largo listado de violaciones de los derechos a la dignidad y a la vida de los pueblos de México: son la expresión dramática, real y simbólica, de la actualidad y de la significación de las propuestas del TPP. [...] Todo aquello que se ha documentado tan trabajosamente durante tres años de labor del Tribunal, se condensó en Iguala en unas horas de barbarie. Y en ese reino de la impunidad que es el México de hoy, hay homicidios sin asesinos, torturas sin torturadores, violencia sexual sin abusadores, en una desviación permanente de responsabilidad en la que pareciera que los miles y miles de masacres, asesinatos y violaciones sistemáticas a los derechos de los pueblos son siempre hechos aislados o situaciones marginales y no verdaderos crímenes en los que tiene responsabilidad el Estado (TPP 2014:2).

All dies unterstreicht die Relevanz des Falls. Denn auch nach über einem Jahr ist dieser Fall, trotz der zahlreichen Verhaftungen und der Aussage der Bundesstaatsanwaltschaft, in den Augen der Zivilbevölkerung noch immer nicht aufgeklärt. Vielleicht kann Ayotzinapa auch einen Eindruck von der Zukunft geben, denn es ist unwahrscheinlich, dass dies das letzte Mal gewesen ist, dass in Mexiko gewaltsam Menschen verschwinden.

Die Arbeit ist folgendermaßen strukturiert: Zuerst werden die Konzepte Zivilgesellschaft und ciudadanía vorgestellt und auf die Situation in Mexiko bezogen. Anschließend werden die Grenzen einiger Definitionen aufgezeigt, die sich nicht mit der Situation in Mexiko vereinbaren lassen. Als Überleitung zum Fallbeispiel wird die Situation der Zivilgesellschaft im Drogenkrieg beschrieben. Anschließend werden der Bundesstaat Guerrero und die escuelas normales rurales vorgestellt werden. Daran anschließend werden der vermutete Ablauf der Ereignisse vom 26. September vorgestellt und die Reaktionen der Zivilgesellschaft auf diese Taten.

2 Zivilgesellschaft und ciudadanía

Das Konzept Zivilgesellschaft hat Eingang gefunden in die verschiedensten Theorien der Politik-und Sozialwissenschaften. So reichen seine Anwendungsgebiete von Theorien der Demokratisierung bis hin zu neoliberalen Vorstellung zum Ersatz staatlicher Versorgungsansprüche. In den letzten Jahren hat der Begriff im Zuge des Arabischen Frühlings und ganz aktuell während der Flüchtlingskrise wieder vermehrt an Aufmerksamkeit gewonnen.

Im Folgenden möchte ich die Konzepte Zivilgesellschaft und ciudadanía diskutieren. Insbesondere die Unterschiede im lateinamerikanischen und westlichen[2] Verständnis von Zivilgesellschaft sollen besprochen werden. Hierbei stehen die Aspekte Verhältnis zum Staat und die Frage nach dem zivilen, nach der Gewaltfreiheit, im Vordergrund.

Zivilgesellschaft, in den Politikwissenschaften, bezeichnet Organisationen, deren Ziele die Allgemeinheit betreffen und unabhängig von Parteien agieren (Reiss 1999:24), denn diese seien nicht Teil der Zivilgesellschaft (Diamond 1994:7). Folgende Definition von Larry Diamond fasst einige der am häufigsten genannten Ansätze gut zusammen:

Civil society is conceived here as the realm of organized social life that is voluntary, self-generating, (largely) self-supporting, autonomous from the state, and bound by a legal order or set of shared rules (Diamond1994:5, Hervorhebungen im Original).

Laut Diamond besteht die Zivilgesellschaft aus folgenden sieben Untergruppen: Aus erstens Wirtschaftsverbänden und ihren Netzwerken, zweitens religiösen und kulturellen Vereinigungen, drittens Informations-und Bildungseinrichtungen, viertens Interessenverbände wie etwa Gewerkschaften, fünftens Entwicklungsassoziationen, sechstens Bürgerinitiativen und siebtens Bürgerrechtsbewegungen, die zu Themen wie zum Beispiel Wahlbeobachtung und Menschenrechte arbeiten würden (Diamond1994:6).

Meschkat verweist darauf, dass die verschiedenen Teile der Zivilgesellschaft nie gleich behandelt wurden. So fänden sich die Unternehmerverbände in der Regel in einer privilegierten Position wieder und seien viel seltener staatlichen Repressionen ausgesetzt (Meschkat 2000:44).

Neben anderen Autoren vertreten Frank Adloff und Larry Diamond die These, dass eine funktionierende Zivilgesellschaft nur in einem nach rechtstaatlichen Regeln funktionierenden Staat existieren könne, in dem speziell die Meinungs- und Pressefreiheit geachtet werden (Adloff 2005:8 und Diamond 1994:5). Auf diese Frage wird in Kapitel 3.1 weitereingegangen.

In der Literatur wird die Frage gestellt, wie genau Zivilgesellschaft abzugrenzen sei zu den Bereichen Staat, Wirtschaft und Familie.

Ein gewisser Konsens besteht in der Forschung auch darin, dass die Sphären Gesellschaft, Staat und Wirtschaft einerseits als autonome Bereiche aufgefasst werden können, andererseits aber aufeinander angewiesen sind und in ihren komplexen Beziehungen zueinander eine gesamtgesellschaftliche Grundstruktur ausbilden (Schulz 2012:14).

Diamond vertritt die These, dass die Zivilgesellschaft nicht gleichzusetzen sei mit der Gesellschaft im Allgemeinen, denn innerhalb der Zivilgesellschaft würden Menschen kollektiv in der „public sphere“ agieren (Diamond 1994:5). Damit sei die Zivilgesellschaft eine Art Zwischenebene zwischen dem Staat und dem Privatleben; und Familie und Privatwirtschaft seien, ebenso wie der Staat, nicht Teil der Zivilgesellschaft (ebd.). Zinecker hingegen versteht die Zivilgesellschaft als den „vorstaatliche[n], aber nicht unpolitische[n], an seinen Rändern den Staat, die Wirtschaft und die Familie ,berührende[n]‘ politisch-kulturelle[n] Raum der Gesellschaft“ (Zinecker 2000:213). Doch auch der Staat sei kein einheitlicher Akteur und man müsse den „[...] prozessualen Charakter des Staates, der ständigen Neuaushandlung von Kräfteverhältnissen, geprägt von unterschiedlichen, mitunter im Widerstreit stehenden, Akteuren und Apparaten [...]“ im Blick behalten (Maihold/Hochmüller 2013:18).

Im Kapitel 3.4 wird das Verhältnis der Zivilgesellschaft zu den Medien eingehender diskutiert. Besonders Diamond betont die Wichtigkeit von Medien für die Demokratisierung (Diamond 1994:13), sofern diese unabhängig vom Staat seien. Er zählt die „independent mass media“ sogar zur Zivilgesellschaft (Diamond 1994:6). Auch Salazar unterstreicht die Bedeutung der Medien für die Meinungsbildung innerhalb der Zivilgesellschaft, er weist aber ebenso auf die Gefahr hin, dass die Medien die öffentliche Meinung manipulieren können (Salazar 2000: 29).

Ein weiterer Aspekt ist die Frage nach der Gewaltlosigkeit. In der Literatur wird diskutiert, ob Gewaltlosigkeit (Zivilität) eine zwingende Voraussetzung für die „Mitgliedschaft“ in der Zivilgesellschaft sei. Während Adloff (2005:8), Diamond (1994:6) und Reiss (1999:29) dies bejahen, lassen Hengstberg u.a. dies offen (2000:17). Meschkat fasst die Vorsilbe „zivil“ als Abgrenzung zum Militär auf (2000:44), denn laut Hengstenberg u.a. sei die Zivilgesellschaft in Lateinamerika „unter den historischen Bedingungen des Kampfes gegen die Militärregime und des Aufbaus der Demokratie zu konzeptualisieren“ (Hengstenberg u.a. 2000:13). Zinecker wiederum vertritt die Position, dass die Zivilgesellschaft nicht zwangsläufig gewaltfrei agieren muss, bezieht sich aber auf postkonfliktive Transitionsphasen (Zinecker 2000:207). Auf die Frage der Gewaltlosigkeit wird im Kapitel 3.3 noch eingegangen.

Bei Salazar wird daraufhin gewiesen, dass es auch innerhalb der Zivilgesellschaft Hierarchien, Zwang und Druck und autoritäres Handeln gebe (Salazar 2000:28). Festzuhalten sei also, dass die Zivilgesellschaft gerade in Lateinamerika sehr heterogen sei (Hengstenberg u.a. 2000:11), besonders was den Zugang zu Bildung, aber auch die kulturelle Identitäten ihrer Mitglieder angehen würde, was dazu führt, dass zivilgesellschaftliche Gruppierungen manchmal miteinander in Konflikt stehen (Schulz 2012:82). Aber auch der Begriff NGO beziehe sich auf eine Vielzahl von sehr heterogenen Organisationen, von Basisorganisationen bis zu Unternehmerstiftungen (Meschkat 2000:48).

Pérez Campos kritisiert den Begriff Zivilgesellschaft als im Gegensatz zum Begriff pueblo, im lateinamerikanischen Kontext marginalisierte Bevölkerungsgruppen ausschließend (Pérez Campos, 1997:150). Meschkat nimmt ihre Kritik an dem Begriff auf, gibt aber die Zapatisten als Gegenbeispiel für eine gerade auch marginalisierte Gruppen einschließende Verwendung des Begriffs Zivilgesellschaft an (Meschkat 2000:50).

Im lateinamerikanischen Kontext wird Zivilgesellschaft weniger akteurbezogen (welche Gruppen und Organisationen sind Teil der Zivilgesellschaft), sondern oftmals als ein Austragungsraum für gesellschaftliche Diskussionen oder Konflikte verstanden. Im dritten Kapitel wird noch intensiver auf die Schwachstellen verschiedener Definitionen von Zivilgesellschaft eingegangen werden.

Der mexikanische Wissenschaftler Alberto Olvera definiert Zivilgesellschaft folgendermaßen:

Por sociedad civil entendemos un espacio de acción conformado por actores so­ciales cultural y políticamente plurales, que portan proyectos políticos distintos, variadas culturas políticas, así como valores y normas privadas igualmente dife­renciadas. Este espacio es mayor o menor, cuenta con más o menos influencia en la vida pública y está interconectado con el sistema político de una manera o de otra, dependiendo de las condiciones históricas concretas (Olvera 2010:182).

Diese Definition wirkt zwar etwas vage, ist aber dadurch wahrscheinlich in verschiedensten Kontexten anwendbar. Ähnlich beschreibt Cecilia Bobes die Zivilgesellschaft als eine Arena zum Austragen von Konflikten und weist daraufhin, dass es neben den demokratischen Kräften immer auch antidemokratische Akteure gebe. Sie erwähnt namentlich Rassisten und Neonazis und zählt diese ebenfalls der Zivilgesellschaft zu (Bobes 2002:379). Ebenso fassen Hengstenberg, Kohut und Maihold die Zivilgesellschaft als „Austragungsraum gesellschaftlicher Konflikte“ auf, in der sich die Widersprüche einer Gesellschaft zeigen und Machtverhältnisse herausbilden würden, die vom Staat beeinflusst werden können, aber nicht zwangsläufig müssen (Hengstenberg u.a. 2000:17). Deshalb sei es wichtig, Stereotypen zu vermeiden wie, dass „die Zivilgesellschaft ihrem Wesen nach progressiv, tolerant, kosmopolitisch und auf das Gemeinwohl ausgerichtet“ sei (Hengstenberg u.a. 2000:12).

Wenn in fast allen oben zitierten Definitionen die Zivilgesellschaft implizit oder explizit mit NGOs gleichgesetzt wird, so liegt das, nach Ansicht der Verfasserin daran, dass deren Handlungen sich leichter empirisch untersuchen lassen als die von „unorganisierten“ Individuen. Auch wenn im Laufe dieser Arbeit der Fokus stärker auf verschiedenen NGOs liegen wird, heißt das nicht, dass nur diese die Zivilgesellschaft wären.

Den meisten Ansätzen scheint implizit eine lineare Entwicklung von Demokratie zu Grunde zu liegen. So sprechen speziell Diamond und Zinecker immer wieder von Transition ohne zu klären, wohin diese Transition führen solle oder wann man diese als abgeschlossen betrachten könne (vgl. Diamond 1994 und Zinecker 2000:207). Auch Salazar geht von einer unabgeschlossen Transition aus, weshalb Zivilgesellschaft in vielen Ländern Lateinamerikas eher Wunschvorstellung, denn Realität sei (Salazar 2000:31).

Zusammenfassend kann Zivilgesellschaft also folgendermaßen verstanden werden: Entweder als „politische Arena“ in der verschiedene Akteure agieren, oder als Akteure, die gewisse Voraussetzungen erfüllen müssen, um Mitglied der Zivilgesellschaft zu sein.

Ciudadanía hingegen ist etwas, was die Akteure innerhalb der Zivilgesellschaft besitzen und beschreibt als Konzept neben verschiedenen Rechten und Pflichten auch die Beziehung zwischen dem Staat und den Individuen (Venturoli/Zantonelli 2013:128).

Diese Zivilgesellschaft, nutzt also ihre ciudadanía aktiv um gegenüber dem Staat ihre Rechte einzufordern. Bobes versteht das Verhältnis zwischen Zivilgesellschaft und ciudadanía folgendermaßen: „[L]os derechos de ciudadanía constituyen el terreno en que se anclan y se desarollan las solidaridades sociales que constituyen el principio integrativo de la sociedad civil“ (Bobes 2002:372).

Das Konzept der ciudadanía geht über die traditionelle Vorstellung von Staatsbürgerschaft (Teilnahme an Wahlen, Besitz eines Passes etc.) hinaus. Dies und andere spezifische Rechte und Pflichten sind in dem Konzept der ciudadanía aber durchaus enthalten (Kompetenznetz Lateinamerika 2015:o.S.), können aber in einem sozialen Aushandlungsprozess erweitert werden (ebd.). Tatsächlich unterliege die Frage nach dem staatsbürgerschaftlichen Einbezug, auch unabhängig vom Rechtstatus, konstantem Wandel (ebd.).

Laut Bobes stellen die in der ciudadanía enthaltenen Rechte, dadurch dass sie für alle Staatsbürger gelten ein „criterio de homogeneidad que permite ignorar las desigualdades (económicas, culturales, religiosas y de género) que persisten entre los individuos“ dar (Bobes 2002:373). Bobes geht dabei von politischen, an die Staatsbürgerschaft geknüpften Rechten aus. Im Gegensatz dazu sprechen einige Autoren von einer ciudadanía sustantiva, die neben den politischen und bürgerlichen Rechten auch soziale, ökonomische und kulturelle Rechte enthalte (Kron/Noack 2008:9). Der unterschiedliche Zugang zur ciudadanía sustantiva sei durchaus Ausdruck von gesellschaftlichen Machtpositionen (Kompetenznetzwerk Lateinamerika 2015:o.S.), sodass gesellschaftliche Unterschiede eben nicht homogenisiert würden.

Tamayo betont, dass die ciudadanía eine soziale Konstruktion sei und deshalb eigentlich „prácticas de ciudadanía“ genannt werden sollte (Tamayo 1999:500). Laut Kron und Noack lege dieser Terminus den Fokus auf die sozialen und kulturellen Prozesse in denen die soziale Mitgliedschaft konstruiert werde, die sich nicht zwangsläufig auf einen Nationalstaat beziehen müsse, sondern auf eine „comunidad política“ (Kron/Noack 2008:11). Somit kann man argumentieren, dass nicht­mexikanische Staatsbürger in dem sie sich für die verschwundenen Studenten engagieren, sich als Teil der mexikanischen Zivilgesellschaft konstruieren. Kron und Noack beschreiben, dass in Zeiten der Globalisierung, „el sujeto de derecho y la membresía social se construyeron y pueden seguir construyéndose más allá del Estado Nacion“ (Kron/Noack 2008:9, Hervorhebungen im Original).

Aber auch gerade Migrant_innen können in verschiedener Art Mitglieder in ihren Herkunfts- oder Ankunftsregionen sein (vgl. Fox 2005). Weiter unten wird noch auf das Engagement mexikanischer Migrant_innen in den USA und Europa für Ayotzinapa eingegangen werden.

2.1 Zivilgesellschaft in Mexiko

Das Beispiel Mexiko verdeutlicht die Grenzen des Konzeptes der Zivilgesellschaft, was im Folgenden näher erläutert werden wird.

Ein spezifisches Merkmal der mexikanischen Zivilgesellschaft - auch im lateinamerikanischen Vergleich - ist ihre jahrzehntelange Unterordnung unter staatliche Hegemonie. Soziale, politische, gewerkschaftliche, indigene und weitere Bewegungen hatten nur die Wahl zwischen Kooptation und Repression (Schulz 2012:82).

Seit 1929 wurden in Mexiko alle Präsidenten von der PRI (Partido Revolucionario Institucional) gestellt. Allerdings mit Ausnahme der zwei Wahlperioden 2000-2006 und 2006-2012, in denen Vincente Fox und Felipe Calderon, beide von der PAN (Partido Acción Nacional) regierten. Aktuell, seit 2012, regiert wieder die PRI mit Enrique Peña Nieto.

Die siebzig Jahre in denen die PRI regierte, erst seit 1946 unter diesem Namen, haben die politische Kultur und insbesondere auch die Zivilgesellschaft in Mexiko stark geprägt. Diese Zeit unter der PRI, die von Vargas Llosa einmal als „dictatura perfecta“ bezeichnet wurde, stellte eine wohl weltweit einzigartige Situation der Kontrolle durch eine Partei dar. Dadurch, dass sich der Übergang zur Demokratie[3], die „transición“, nur an den Urnen und nicht auch im sozialen Leben abgespielt habe (Bizberg/Zapata 2010:16), seien Teile dieses alten Systems noch intakt.

La transición nunca escapó de las manos de las élites autoritarias, que siempre lograron mantenerla en el plano electoral. Nunca se organizó una oposición social que pudiera extender las transformaciones al ámbito social y descarrilar el proyecto gubernamental (Bizberg 2010:40).

Heutzutage versucht der Staat weiterhin seine hegemoniale Position aufrecht zuerhalten und die Zivilgesellschaft zu kontrollieren (Schulz 2012:82). Erst ab Mitte der 1990er Jahre nahmen viele zivilgesellschaftliche Gruppen die Zivilgesellschaft als Akteur wahr (Schulz 2012:83), zuvor war es das Ziel der meisten sozialen Bewegungen der „interlocutor privilegiado del gobierno para su sector“ zu werden (Bizberg 2010:33). Doch auch heutzutage seien immer noch viele zivilgesellschaftliche Organisationen mit der PRI verbunden, „lo que le da a este partido una fuerza considerable que, a pesar de que se refleja cada vez menos en la dimensión electoral, sí continúa manifestándose en la vida política cotidiana en muchos estados y municipios“ (Bizberg/Zapata 2010:16). Smith und Durand sagen, dass die politische Teilhabe in Mexiko sich anhand der Konfliktlinie Konstruktion der ciudadanía gegen die Reproduktion der autoritären Beziehung zwischen Staat und Individuen abspielt (Smith Martins/Durand P. 1995:311).

Weiterhin ist es wichtig daraufhin zu weisen, dass die Situation der Zivilgesellschaft innerhalb Mexikos sehr heterogen sei. Gerade das Gefälle zwischen Mexiko-Stadt und den anderen Bundesstaaten ist besonders groß: „Während Mexiko-Stadt sowie einige wenige weitere städtischen Zentren einen wirtschaftlichen und politischen Modernisierungsprozess erlebten, blieben weite Teile der Bevölkerung von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen“ (Schulz 2012:225). Außerdem seien in den Bundesstaaten die Traditionen der politischen Organisation unterschiedlich, so dass diese öfter klientelistisch seien als in Mexiko-Stadt (Smith Martins/Durand P. 1995:314).

Laut Bizberg bestehe ein scheinbares Paradox darin, dass die Zivilgesellschaft zwar sehr organisiert sei, also viele Menschen Mitglieder in Organisationen sind, aber dass es immer mehr Bewegungen und Forderungen gebe, die außerhalb dieser organisierten Kanäle gestellt werden (Bizberg 2010:22). Dies würde daraufhin deuten, dass die bestehenden Organisationen wenig Legitimität genießen (ebd.). Allerdings betont er auch, dass diese Bewegungen, die sich außerhalb der institutionellen Kanäle bewegen, meistens reaktiv und defensiv seien. Dies würde es ihnen erschweren, sich als dauerhafte Alternative zu etablieren und Beziehungen zu anderen sozialen Bewegungen aufzubauen (Bizberg 2010:22). „Como sucedía en el antiguo régimen priista, en general estos movimientos son cooptados por actores políticos o marginados por el gobierno y eventualmente reprimidos“ (Bizberg 2010:22, Hervorhebung im Original).

Martí i Puig weist auf ein weiteres Paradox hin, das in eine ähnliche Richtung deutet. So sollen nach einer Umfrage von USAL-Colmex[4] aus dem Jahr 2011 die deutliche Mehrheit der Mexikaner kein oder kaum Vertrauen in die politischen Parteien gehabt haben (Martí I Puig 2012b:50), gleichzeitig verfügten aber 62 % über eine „identificación partidaria“ (ders.:52f.), also ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Institution in die kein Vertrauen besteht. Die Mitgliedschaft in einer Partei sei aber „un vínculo que supone inserción y pertenencia a la comunidad política (más allá del interés por la política en sí) y, además, predice participación convencional (básicamente el voto) y también la no convencional (es decir, la protesta y la movilización)“ (ders.:53). Laut Martí I Puig gelänge es nämlich insbesondere den kleineren Parteien, ihre Mitglieder regelmäßig für Demonstrationen zu mobilisieren (ders.:53).

Auch nach der Abwahl der PRI besteht das System fort, Wählerstimmen zu kaufen, dabei profitieren vor allem Mitglieder in „asociaciones de beneficencia, gremios y sindicatos“ (ders.: 53f.). Martí I Puig stellt zusammenfassend fest, dass in Mexiko die politische Partizipation, ob an Wahlen oder Demonstrationen, die Zufriedenheit mit der Demokratie an sich und der Zugang zu Ressourcen eng mit der Mitgliedschaft in einer Partei zusammenhängt (ders.: 55f.).

Was in der Literatur meist nur sehr oberflächlich behandelt wird, ist die Tatsache, dass weite Teile der Zivilgesellschaft auch mit den verschiedenen Mafiagruppen verbunden sind. Einerseits sicher aus Angst, aber auch zum Teil aus Dankbarkeit, wenn die Drogenkartelle die lokale Infrastruktur verbessern (Spiller 2013:177). Buscaglia beschreibt das enge Verhältnis von Teilen der Gesellschaft zum Drogenhandel mit den Worten: „[e]s liegt eine soziale und politische Komplizenschaft vor“. Zwar sei nicht die komplette Bevölkerung in den Drogenhandel involviert, aber die Kartelle erhalten in einigen Schlüsselsektoren der Wirtschaft Schutz. Auch seien gerade die am stärksten marginalisierten Bevölkerungsschichten, oft durch deren Investitionen in die Infrastruktur etc. mit den Kartellen eng verbunden (Buscaglia 2012:17).

2.2 Kontrolle der Zivilgesellschaft

Von verschiedener Seite wird das Argument angeführt, die Militarisierung im Zuge des „Drogenkrieges“ diene viel mehr der Kontrolle und Repression der Zivilgesellschaft, denn der Bekämpfung der Mafiagruppen (Vogel 2012:129). Unzweifelhaft ist zumindest, dass Teile des Staatsapparates mit den narcos Zusammenarbeiten. Baur argumentiert, dass diese Zusammenarbeit kein direkter Widerspruch zur Staatsräson sei, da sich innere Sicherheit in Mexiko immer eher als „counter-insurgency“ verstehe (Baur 2008:249). Die Zusammenarbeit mit den lokalen Machtgruppen, wird also gerechtfertigt mit der Idee zu wissen was im Land vor sich gehe: „Therefore, (political) news gathering seems to be far more important than enforcing the law.“ (Baur 2008:250). Baur beschreibt das Verhältniss zwischen Drogenhändlern und Staat folgendermaßen:

From the drug lords' ability to exercise territorial control in the vast countryside derives their knowledge of the flux of people through their territory and their access to information about potential social mobilization or guerrilla activity. This matches the security interest of both; while the center defines public security foremost through controlling social mobilization, drug lords want to secure their business operations. Both do want to prevent violent social unrest in the countryside (Baur 2008:250).

Ebenso unzweifelhaft ist, dass die Zivilgesellschaft in Mexiko häufig unterdrückt und kriminalisiert wird, selbst wenn diese friedlich agiert, was ihren Handlungsspielraum stark einschränke (Schulz 2012:233). Die Fundación para el Debido Proceso beschreibt die Vorgehensweise des Staates in Guerrero, die aber so oder so ähnlich überall in Mexiko stattfindet, unabhängig davon welche Partei regiert, folgendermaßen:

El patrón empieza con el cierre de los canales de diálogo y negociación obligando a los defensores de derechos humanos y a las organizaciones y movimientos sociales a elegir métodos de acción fuera de los canales institucionales. Continua con la deslegitimación y el desprestigio de los defensores de derechos humanos y de las organizaciones sociales. Después, en muchos casos, se pasa a la represión de las protestas civiles pacificas para, finalmente, promover acusaciones sin pruebas contra defensores de derechos humanos y líderes sociales, intimidando así a todos los que se organizan para defender y revindicar sus derechos (Fundación para el Debido Proceso Legal 2010: 57).

Gerade im Fall Ayotzinapa war zu sehen, wie sich Politiker aller Parteien gegen die Forderung nach einer wirklichen Aufklärung der Ereignisse gestellt haben. Laut Schulz bestimme „[i]n der politischen Elite [..] zwischen den Parteien weiterhin ein Minimalkonsens das Verhältnis zur Zivilgesellschaft: Bereits ab Ende der 1990er Jahre setzten politische Parteien sozialen Widerstand gegen neoliberale Politik mit krimineller Gewalt gleich [...]“ (Schulz 2012:244).

Aus Platzgründen wird in dieser Arbeit nicht auf die Debatte um failed states eingegangen, es sei aber darauf hingewiesen, dass in der aktuellen Debatte um organisierte Kriminalität in Lateinamerika die Staaten „nicht als externer Faktor der Organisierten Kriminalität [..] und auch nicht als abwesend“ zu verstehen seien. Vielmehr seien sie „Teilhaber und zentraler Akteur der Organisierten Kriminalität“ und staatliche Sicherheitsapparate treten in diesem Kontext immer wieder als „Unsicherheitsakteure“ auf. (Maihold/Hochmüller 2013:15). Dies widerspricht der These vom abwesenden, handlungsunfähigen „failed state“.

Wie Müller betont, funktioniere der mexikanische Staat immer über informelle Aushandlungsprozesse zwischen staatlichen Repräsentanten und „lokalen (ruralen und urbanen Machthabern)“ (Müller 2013:253). Anders als bei den oben beschriebenen ciudadanía Konzepten geht in diesen Aushandlungsprozessen in Mexiko oftmals nicht um das Erstreiten neuer Rechte, sondern um den Respekt bereits existierender Rechte oder um die Aushandlung von Straflosigkeit.

Bauer betont in seinem Artikel, dass diese Aushandlung von Straflosigkeit essentiell sei in der Beziehung zwischen dem Staatsapparat und den Mafiagruppen (Baur 2008:246). Dabei käme der Polizei eine besondere Funktion zu, nämlich eine Art Kommunikationsplattform für staatliche Kräfte und das Organisierte Verbrechen zu bilden, da sie zu beiden Sphären Zugang hätte (Baur 2008:246). Dies führt dazu, dass die Polizeiarbeit häufig eine Suche nach Sündenböcken ist, an Stelle einer kriminalistischen Aufklärung von Verbrechen (Baur 2008:242). Diese Art der Verhandlungen über Straflosigkeit würde zum Teil auch mit normalen Bürgern stattfinden, in der Regel werde Straflosigkeit geg en Wählerstimmen getauscht (Baur 2008:252). „As a consequence, a judicial ruling often isn't pronounced by a judge, but has to be dealt out with the members of law enforcement in the streets or in the offices of the State Attorney “ (Baur 2008:251).

3 Aussagekraft der Konzepte im mexikanischen Kontext

Wenn Zivilgesellschaft nicht als Arena, sondern als ein oder mehrere Akteure mit einem normativen Attributsbündel verstanden wird, sind mehrere Punkte der oben beschriebenen Konzepte kaum vereinbar mit der mexikanischen Situation. Diese Aspekte -funktionierende Demokratie, Klientelismus, Gewaltfreiheit und das Verhältnis zu den Medien- sollen auf den folgenden Seiten ausgeführt und diskutiert werden.

3.1 Funktionierende (interne) Demokratie

Viele Definitionen von Zivilgesellschaft setzen eine existierende und vor allem funktionierende Demokratie voraus, in der die bürgerlichen Menschenrechte, insbesondere die Meinungs-und Pressefreiheit garantiert werden (Adloff 2005:8). Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass es in Mexiko, angesichts der massiven Menschenrechtsverletzungen, keine Zivilgesellschaft geben könnte. Diamond sagt, dass in einem undemokratischen System eine zwar angeschlagene, inkomplette Zivilgesellschaft existieren kann, aber dies nur, wenn ihre tragenden Elemente sich an einen gemeinsamen Wertekodex halten, der insbesondere Gewalt ausschließt (Diamond 1994:5f.). Die Frage nach der Gewaltfreiheit wird weiter unten ausführlicher diskutiert werden.

Stefanie Reiss geht von einer ähnlichen These wie Adloff aus, kommt aber zu dem Schluss, dass „die kollektiven Aktionen der zivilgesellschaftlichen Akteure implizit auf die Demokratisierung der bestehenden Strukturen abzielt“ (1999:29). So würde also die Zivilgesellschaft durch ihr Handeln quasi automatisch zur Demokratisierung des politischen Systems führen, da innerhalb zivilgesellschaftlicher Organisationen demokratische Grundregeln gelernt werden können und dass ihnen damit eine Sozialisationsaufgabe zukomme. Diese These wird von Christiane Schulz abgelehnt, da Nichtregierungsorganisationen (NRO) nicht zwangsläufig eine demokratische Grundstruktur haben und deswegen nicht automatisch zu einer Demokratisierung der Gesellschaft führen (Schulz 2012:219). Besonders in Mexiko gäbe es eher selten demokratische Strukturen innerhalb der Nichtregierungsorganisationen. Wie folgendes Zitat unterstreicht:

Oft gehören die Direktoren zu den Gründungsmitgliedern der jeweiligen NRO und verfügen über große Macht, während die Mitarbeiter meist nur geringe Mitsprachemöglichkeiten haben und als ausführendes Organ zu verstehen sind (Schulz 2012:215).

Außerdem weisen Smith und Durand daraufhin, dass die von ihnen befragten Mitglieder in verschiedenen sozialen Organisationen, wie etwa religiöse Vereinigungen und Elternorganisationen, eine überdurchschnittliche Akzeptanz für das autoritäre politische System zeigen (Smith Martins/Durand P. 1995:322). Dies würde der These, dass die Partizipation in sozialen Organisationen für ihre Mitglieder eine Art Schule der Demokratie sei, die sich positiv auf die gesamte Gesellschaft auswirken würde, komplett widersprechen.

3.2 Klientelismus

Um ein Panorama der politischen Situation in Mexiko zu geben, folgendes Zitat von Christiane Schulz, die sich damit auf die Situation außerhalb von Mexiko-Stadt bezieht:

Das autoritäre System ist trotz parteipolitischer Alternanz in den bundesstaatlichen Regierungen erhalten geblieben. Die Gleichschaltung von Justiz, Exekutive und Legislative hat weiter Bestand. Wirtschaftliche und politische Machtkonzentration, Kazikentum, Klientelismus und Repression kennzeichnen den politischen Handlungsspielraum. Soziale und ökonomische Widersprüche bestehen nach wie vor oder haben sich sogar verschärft. Alternative Systeme der politischen Auseinandersetzung zwischen Staat und Zivilgesellschaft sind nicht entwickelt worden (Schulz 2012:241).

Wenn man, wie in den oben zitierten Definitionen, auf eine klare Unterscheidung zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen und staatlichen oder Regierungs-Institutionen besteht, gehören in Mexiko Gruppen, die traditionell zur Zivilgesellschaft gezählt werden, wie zum Beispiel viele Gewerkschaften, eher nicht dazu. In Mexiko sind immer noch „los principales organizaciones de la sociedad civil, como sindicatos, organizaciones campesinas y otras organizaciones“ den alten „liderazgos“ unterworfen und führen die Tradition des Klientelismus fort (Bizberg 2010:42). Diese Situation hat sich auch unter den zwei PAN-Regierungen nicht geändert, Bizberg verweist als Beispiel auf die Position der Lehrergewerkschaft in der SEP (Secretaría de Educación Pública) unter Calderón (Bizberg 2010:43).

Diese Unterordnung unter die Staatsapparate kann dazu führen, dass diese Organisationen Projekte unterstützen, die ihrer eigenen Klientel schaden kann, während für die Führungsetagen persönliche Vorteile ausgehandelt werden. Dazu folgendes Beispiel: „El Congreso del Trabajo aceptó el nuevo proyecto económico liberal a cambio de mantener a las dirigencias y algunas de las prestaciones de los sindicatos más estratégicos “(Bizberg 2010:43).

Seit dem Machtwechsel von der PRI zur PAN, bzw. zur PRD (Partido de la Revolución Democrática) in Mexiko-Stadt, fände sich in der Zivilgesellschaft nicht einmal mehr ein Minimalkonsens, da einige Gruppen aktiv, aus ideologischen oder praktischen Gründen, in die Regierungsbildung miteinbezogen wurden (Schulz 2012:77). Laut Bizberg wurde eine Gruppe von Führungskräften von NGOS in verschiedenene Regierungsfunktionen in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Frauenrechte und marginalisierte Gruppen, versetzt (Bizberg 2010:50). Für diese Organisationen bedeutete dies zwar zum einen, dass ihre Positionen in der Regierung Gehör fanden, andererseits schwächte sich ihre Position als Alternative zum System und ihre internen Meinungsverschiedenheiten wurden deutlicher sichtbar (Bizberg 2010:51).

Es stellt sich die Frage, ob Personen und Organisationen tatsächlich als „nicht Teil der Zivilgesellschaft“ definiert werden können, wenn sie klientelisitische Beziehungen zu staatlichen und/oder mafiösen Akteuren eingehen. Oder ob dies nicht vielmehr eine legitime Strategie sei, Belange und Forderungen bei lokalen Entscheidungsträgern zu platzieren. So behauptet zum Beispiel Paulus, dass Klientelismus ein Mittel zur sozialen Inklusion in Lateinamerika sei (Paulus 2012:91).

3.3 Gewaltfreiheit

Auch das Bestehen auf Gewaltfreiheit, als essentieller Teil der Definition von Zivilgesellschaft ist problematisch. Stellt sich doch die Frage, ob in einer dermaßen von Gewalt geprägten Gesellschaft wie Mexiko ein Verzicht auf Gewalt (im weitesten Sinne) als politische Kampfmittel verlangt werden kann.

Wie ein ehemaliges Guerillamitglied im Interview mit Olmos beschreibt, würde die Vorgehensweise der Regierung, alle politischen und friedlichen Wege zur Veränderung des Landes zu verstellen, dazu führen, dass die Stimmen die eine Veränderung durch Waffengewalt anstreben Auftrieb erhalten (Olmos 2015:57), so werde von einigen Gruppen der bewaffnete Kampf durchaus als zivilgesellschaftliche Option bewertet (Schulz 2012:79).

Im Folgenden möchte ich einige Beispiele von Organisationen diskutieren, die nicht oder nicht ganz gewaltfrei agieren. Aus Platzgründen können diese Organisationen hier nur kurz vorgestellt werden, dabei wird nicht angestrebt, ein Urteil zu fällen, ob diese Gruppen als Teile der Zivilgesellschaft angesehen werden können. Vielmehr ist es das Ziel, die Komplexität der Situation in Mexiko darzustellen und die Grenzen der oben beschriebenen Definitionen aufzuzeigen.

Als erstes Beispiel die chiapanekischen Zapatisten. Schon die Kategorisierung der EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) als eine Guerillaorganisation ist schwierig. So verfügt sie zwar nach wievor über einen militärischen Arm, aber hat den bewaffneten Kampf bereits 1994 nach nur wenigen Tagen aufgegeben (Kerkeling 2006:144, Fußnote 147). Vielmehr haben sich die verschiedenen comunidades als autonom erklärt und organisieren ihr Leben unabhängig vom mexikanischen Staat (Kerkeling 2006:179f.). Dieser militärische Arm ist dem Kommando der zivilen Gemeinden unterstellt (Kerkeling 2006:144). Allerdings behält sich die EZLN die Wiederaufnahme von militärischen Kampfhandlungen als Druckmittel gegenüber der Regierung vor (Kerkeling 2006:174).

Besonders an der EZLN ist ihre konsequente Orientierung hin zur Zivilgesellschaft. In ihren Kommuniqués und anderen Veröffentlichungen berufen sich sehr oft auf die Zivilgesellschaft, die sie als „ de[n] Teil der Gesellschaft, der sich nicht mehr in das kooperative System des Staates integrieren lassen will“ verstehen (Kerkeling 2006:315). Diese „im Sinne der Zapatistas vielfältige Zivilgesellschaft strebt nicht nach der Machtübernahme durch eine Klasse oder Partei, sondern nach einer heterogenen gesellschaftlichen Emanzipation von unten“ (Kerkeling 2006:264). Deshalb würden die Zapatisten die Zivilgesellschaft zur Selbstorganisation auffordern (Kerkeling 2006:198). Laut Kerkeling würde die EZLN im Dialog mit dieser Zivilgesellschaft stehen, um ihre politischen Positionen weiterzuentwickeln und umzusetzen (Kerkeling 2006:263). Es handelt sich also um eine Organisation, die von ihren Mitgliedern und Unterstützern zweifelsohne zur Zivilgesellschaft gezählt werden würde, aber durch ihren militärischen Arm sicher nicht die Bedingung der Gewaltlosigkeit erfüllt.

Auf die beiden sehr komplexen und heterogenen Phänomene Policía Comunitaria und autodefensas kann hier aus Platzgründen nur oberflächlich eingegangen werden. In der Policía Comunitaria (PC) in Guerrero, haben sich vorwiegend indigene Gemeinden teilweise bereits Mitte der 90er Jahre in der CRAC (Coordinadora Regional de Autoridades Comunitarias) organisiert (Vogel 2015:41). Es gebe allerdings auch andere Organisationen neben der CRAC (ders.: 42). Die in der CRAC organisierten Gemeinden wählen Polizist_innen, deren Aufgabe darin bestehe, mit oft sehr alten Gewehren, zu patrouillieren, Verbrecher festzuhalten und in den eigenen Gefängnissen der Organisation unterzubringen (Vogel 2015:41). In den ersten Jahren ihrer Existenz hätten diese Gruppen Gefangene den staatlichen Sicherheitskräften übergeben, die sie meist innerhalb kürzester Zeit freiließen (Vogel 2015:45), sodass sich ein eigenes Rechtsprechungssystem, das besonderen Wert auf Reintegration lege und sich oftmals auf die lokalen indigenen usos y costumbres bezieht, etabliert habe (Vogel 2015: 44). Auch wenn Vogel auf die Gefahr der Selbstjustiz hinweist, habe dieses System angeblich in der Region zu einem 95 % Rückgang der Kriminalität geführt (Vogel 2012:134).

Seit 2013 treten die autodefensas, meist im Bundesstaat Michoacán, auf (Vogel 2015:39). Entstanden seien sie um sich gegen die Angriffe und Schutzgeldforderungen der Drogenkartelle, speziell der Caballeros Templarios (Tempelritter) zu wehren (ebd.). Anders als die Policía Comunitaria greifen die autodefensas die Mafiagruppen direkt an, manchmal mit Unterstützung der Armee oder Bundespolizei, oft gelänge es ihnen dabei Mafiabosse zu töten oder festzunehmen (Vogel 2015:45). In den autodefensas hätten sich „mittelständische Händler, Agrarunternehmer und Kleinbauern“, aber auch Mitglieder anderer Mafiagruppen oder von den Caballeros Templarios Enttäuschte, zusammengeschlossen (Vogel 2015:47).

Innerhalb der Gruppen gibt es Spaltungen über die Frage, ob und wie weit mit den staatlichen Organen, aber auch, speziell bei den autodefensas, mit den verschiedenen Mafiaorganisationen zusammengearbeitet werden sollte (Vogel 2015:43). Auf Grund dieser Spaltungen komme es immer öfter zu Schusswechseln zwischen den verschiedenen Gruppen (Vogel 2015:49).

Anders als gegen die Policía Comunitaria, speziell gegen die autonomen Gruppen (Vogel 2015:42), ist der mexikanische Staat erst auf internationalen Druck gegen die autodefensas tätig geworden (Vogel 2015:47) und habe einige ihrer Führungskräfte, wie Hipólito Mora oder José Manuel Mireles, zu Haftstrafen verurteilt (Vogel 2015:48). Vogel fasst die komplexe Situation wie folgt zusammen:

Während also Kleinbauern, Händler oder Landarbeiter erfolgreich die Angriffe der Kartelle stoppen, entwickeln sich neue Gewaltszenarien und Fronten, deren Hintergründe schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind. Es geht um politische Linien, ökonomische Interessen, langjährige Landstreitigkeiten. Zugleich entsteht in Michoacán ein Netz paramilitärischer Gruppen, die für Agrar- und andere Unternehmer, für die Mafia oder die Regierung agieren (Vogel 2015:49).

Diese Beispiele sind sicher nicht die einzigen, es gibt noch einige ähnliche Phänomene wie etwa die indigene Gemeinde Cherán in Michoacán. Die Gemeinde hatte sich gegen das Kartell der familia michoacana, welches Raubbau am Holz in ihrer Gemeinde betrieb, bewaffnet und patrouillieren nun durch das Dorf um die Mitglieder der familia an der Rückkehr zu hindern (Spiller 2013:176).

Sind diese Gruppen nun Teil der Zivilgesellschaft, die angesichts der Untätigkeit des Staates ihre Verteidigung in die eigene Hand genommen haben oder sind sie eben nicht Teil der Zivilgesellschaft allein dadurch, dass sie zu den Waffen gegriffen haben?

3.4 Verhältnis zu den Medien

Die Möglichkeiten der nationalen politischen Debatte und Kontrollfunktionen durch eine politische Öffentlichkeit sind in Mexiko eingeschränkt, da die privatwirtschaftlichen Unternehmen mit einer Quasi-Monopolstellung die Themen in Fernsehen, Radio und Zeitungen dominieren. Zudem ist die Berichterstattung über sensible Themen inzwischen kaum noch möglich, und Journalisten zählen zu einer der gefährdetsten Berufsgruppen (Schulz 2015:28).

Adloff betont, dass die Zivilgesellschaft um zu existieren auf den Schutz der Bürgerrechte, speziell der Pressefreiheit angewiesen sei (Adloff 2005:8). Wie das Zitat von Christiane Schulz unterstreicht, ist dies aus zwei Punkten in Mexiko problematisch. Zum einen sind kritische und investigative Reporter in Mexiko häufig in Lebensgefahr. So seien seit dem Jahr 2000 mindestens 80 Journalisten ermordet worden (ROG 2015:o.S.), Human Rights Watch spricht im Zeitraum von 2000-2014 von 102 ermordeten und 24 verschwundenen Journalisten (HRW 2015:o.S). Auf der Rangliste von Reporter ohne Grenzen nimmt Mexiko den 148. Platz von 180 ein (ROG 2015:o.S). Angesichts dessen und der Straflosigkeit, die auf die meisten dieser Fälle folgt, zensieren sich viele Medien selbst und berichten nicht mehr über unliebsame Themen (ROG 2015:o.S).

Ein weiterer Grund dafür ist, wie im eingangsstehenden Zitat beschrieben, die starke Monopolisierung der Medien. Laut Aziz Nassif teilen sich die zwei großen Fernsehkonzerne TV Azteca und Televisa 88 % der Fernsehkonzessionen und haben 94.4 % der gesamten Fernsehzuschauer (Aziz Nassif 2012:37).

Dieses Duopol macht es sozialen Bewegungen schwer, ihre Belange zu Gehör zu bringen, denn sie werden entweder ignoriert oder durch die Berichterstattung sogar kriminalisiert (Rovira Sancho 2012:144). Rovira Sancho spricht von einer Allianz zwischen der politischen und der medialen Macht (ebd.), da diese so bestimmte Themen ausblenden könnten.

Die großen Medienkonzerne in Mexiko sind als privatwirtschaftliche Unternehmen sicher in der von Diamond geforderten Form unabhängig vom Staat (Diamond 1994:13), doch sind sie trotzdem eng mit dem politischen Machtapparat verbunden. Dies führt dazu, dass soziale Bewegungen nach anderen Kanälen, wie etwa den sozialen Medien, suchen, um ihre Positionen zu vermitteln (ebd.).

Schulz betont, dass die Medien zwar zentrale Aufgaben für die politische Öffentlichkeit wahrnehmen, aber als Unternehmen nicht der Zivilgesellschaft zu zurechnen seien (Schulz 2012:80).

4 Situation der Zivilgesellschaft im Drogenkrieg

In den vorhergehenden Kapiteln wurde bereits die spezielle Situation der mexikanischen Zivilgesellschaft vorgestellt. Im Folgenden, wird als Einleitung zum Fallbeispiel noch tiefer auf die aktuelle Situation im sogenannten Drogenkrieg eingegangen werden.

Als Felipe Calderon 2006 das Präsidentenamt übernahm, war seine Legitimation sehr gering. Besonders der nur knapp unterlegene López Obrado (PRD) und seine Anhänger sprachen von Wahlbetrug (Martí I Puig 2012:13), viele Analysten gehen davon aus, dass der von Calderon begonnene Krieg gegen die Drogenkartelle (auch) zur Absicherung seiner Position als Präsident dienen sollte (Vogel 2012:128).

Martí I Puig beschreibt, dass die Reaktion „der harten Hand“ auf die wachsende Unsicherheit, von einigen Teilen der Gesellschaft durchaus erwünscht war. Allerdings führte dies zur Militarisierung der Gesellschaft und zur Einschränkung der bürgerlichen Rechte (Martí I Puig 2012a:16).

El resultado de esta fatal combinación (criminalidad y pérdida de garantías ciudadanas) condujo a la erosión del Estado de Derecho y a la aparición de un nuevo populismo que ante la impotencia del gobierno para satisfacer necesidades básicas a la población empezó a prometer castigos ejemplares a los ,malhechores„ (Martí I Puig 2012a:16f.).

Er bezeichnet die mexikanische Zivilgesellschaft als „desarticulada y empobrecida“ und gibt dies als einen der Gründe an, weshalb Mexiko sich in ein so verwundbares Land gewandelt habe (Martí I Puig 2012:17). Rovira Sancho zeichnet ein ähnlich negatives Bild der mexikanischen Zivilgesellschaft, von der er sagt, dass er ihr nicht gelänge „ die Unzufriedenheit in einer gemeinsamen Front zu kanalisieren, die über Ausbrüche von Empörung hinausgeht“ (Rovira Sancho 2015:152).

Spiller beschreibt, dass die Zivilgesellschaft erst sehr spät auf die Gewalteskalation reagiert habe, sie wohl paralysiert gewesen sei und nach dem Motto zu handeln schien „solange es mich nicht persönlich betrifft, halte ich mich besser heraus“ (Spiller 2013:169). Obwohl es punktuelle Großdemonstrationen gegen die Unsicherheit in Mexiko-Stadt, besonders 2004 und 2008 gab, gelang es nicht über diese einmalige Mobilisierungen hinaus eine Bewegung zu erschaffen, noch über traditionelle Differenzen hinwegzukommen (Spiller 2013:170f.).

Erst im Jahr 2011 mit der Bewegung um Javier Sicilia Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad änderte sich dies. Die Bewegung entstand nachdem der Sohn des Schriftstellers und Journalisten Javier Sicilia, Juan Francisco, ermordet wurde (Spiller 2013:169). Ihr gelang es unter dem Motto Estamos hasta la madre (in etwa: Wir haben die Schnauze voll) verschiedene Gruppen, wie Zapatisten, Christen, Medienschaffende, Menschenrechtsgruppen, Jugendliche und weitere zu vereinen (Spiller 2013:170f.). Diese Bewegung erhielt auch international große Aufmerksamkeit, vielleicht dank Sicilias privilegiertem Zugang zu den Medien (Spiller 2013:170). Das Besondere an dieser Bewegung ist wohl, dass es ihr gelang so viele Personen zu mobilisieren, die vorher wohl noch nie demonstriert haben, speziell die Angehörigen von Verschwundenen und Ermordeten (Huffschmid 2012:80f.). Ähnliche Gedanken vertritt Schulz:

Das Mobilisierungspotential durch das Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad ist außergewöhnlich und unter anderem durch die direkte Betroffenheit tausender von Menschen zu erklären, die innerhalb ihrer Familie oder im Freundeskreis von Entführungen, Hinrichtungen, Mord oder Verschwindenlassen betroffen sind (Schulz 2012:231f.).

Mittlerweile hat das Movimiento por la Paz massiv an Bedeutung verloren. Als Grund wird einerseits die Breite des Netzwerkes, die Richtungsstreitigkeiten verursacht hätte, genannt (Spiller 2013:172). Ebenso seien die gestellten Forderungen sehr weit und allgemein gewesen, sodass es schwierig gewesen sei, ihre Umsetzung zu verfolgen (ebd.). Nehe argumentiert, dass die „überstürzte“ Bereitschaft der Bewegung in Dialog mit der Regierung Calderons zu treten, dafür gesorgt habe, dass diese ihre Legitimität verloren hätte (Nehe 2015:o.S.).

Laut Vogel soll Sicilia während der Demonstrationen die Regierung gewarnt haben, wenn die Gewalt nicht eingedämmt werde, werde dies die letzte friedliche Bewegung sein und sich alle Folgenden bewaffnen würden (Vogel 2015:49).

Von Mai bis Dezember 2012 gelang es der hauptsächlich von Studenten getragenen Kampagne #YoSoy132 Tausende innerhalb und außerhalb Mexikos gegen Enrique Peña Nietos Präsidentschaftskandidatur zu mobilisieren (Bautista 2015b:o.S.). Die Bewegung entstand nach einem Auftritt Peña Nietos in der privaten Universität Iberoamericana, bei dem die Studierenden ihn wegen seiner Handlungen im Fall Ateneo[5], ausbuhten und unter Rufen von „Fuera“ aus der Universität vertrieben (Bautista 2015b:o.S.). Als diese Proteste von offiziellen Stellen als von „gekauften Agitatoren organisiert“ bezeichnet wurden (Bautista 2015b:o.S.), drehten 131 Studenten ein Video[6] in dem sie ihren Namen und Matrikelnummer angeben und sagten, dass es die Studenten der Iberoamericana gewesen seien, die den Protest organisiert hätten. Dieses YouTube- Video sorgte dafür, dass sich im ganzen Land Jugendliche unter dem Motto #YoSoy132 organisierten (Bautista 2015b:o.S.).

At the core of the movement was a call to Mexican society to mobilize based on the historical memory of the corruption and violence of Peña Nieto’s party, the Institutional Revolutionary Party (PRI), and to act to prevent future violence and a retrocession of an already weak democracy (Bautista 2015b:o.S.).

Es wurden aber auch saubere Wahlen und die Demokratisierung der Medien gefordert (Rovira Sancho 2015: 147). Am 1. Dezember 2012 (#1DMX), dem Tag der Amtseinführung Enrique Peña Nietos, wurden 96 Demonstrierende verhaftet und verbrachten teilweise bis zu einem Monat im Gefängnis (Bautista 2015b:o.S.). „#1DMX marked a shift toward an increase in the criminalization of social protest in the capital, a trend that has affected youth activists in the last three years“ (Bautista 2015b:o.S.). In den letzten zwei Jahren soll es mehrere Fälle von jungen Menschen, speziell Studenten gegeben haben, die auf Grund falscher Anklagen zum Teil monatelang im Gefängnis saßen (Bautista 2015b:o.S.). Seit dem Amtsantritt von Felipe Calderón konnte man eine Zunahme von Verhaftungen und Gewalt gegen Jugendliche beobachten. Diese wurde häufig über die angebliche Mitgliedschaft dieser Jugendlichen in Mafiagruppen gerechtfertigt (Bautista 2015b:o.S.), wie zum Beispiel auch im Fall des ermordeten Sohns Javier Sicilias. Nur wenige Monate vor den Ereignissen in Iguala, wurden in Tlaytla, im Bundesstaat Mexiko, bei einer angeblichen Schießerei 22 junge Menschen von einer Armeeeinheit erschossen (Rothwell 2015:o.S.).

Auch wenn die Bewegung #YoSoy132 nicht von Dauer war, gelang es ihr doch neue Netzwerke speziell zwischen den privaten und staatlichen Universitäten zu schaffen, die nach den Ereignissen von Iguala rasch reaktiviert werden konnten (Rovira Sancho 2015:147). Die Informationsweitergabe über die Sozialen Medien, stelle laut Rovira Sancho, eine gute und schnelle Möglichkeit dar, dass Informationsduopol von Televisa und TV Azteca zu umgehen (Rovira Sancho 2015:144).

Beide Bewegungen #YoSoy132 und das Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad sind heute beinahe an den Rand der Bedeutungslosigkeit gerückt. Es stellt sich die Frage, ob Rovira Sancho Recht hatte, dass die mexikanische Zivilgesellschaft sich nur in Unmutsexplosionen äußert, denen keine dauerhafte Bewegung folgt (Rovira Sancho 2015:152). Oder ob nicht viel mehr die entstandenen Netzwerke, wenn auch nicht mehr öffentlich sichtbar, weiter existieren und sich bei Bedarf neu organisieren und artikulieren? Es ist also die Frage, ob die beiden Bewegungen Vorwellen der Ayotzinapa Proteste waren, nach denen sich die Netzwerke neu organisiert und erweitert haben oder ob sie vielmehr den normalen Verlauf von Protestbewegungen in Mexiko aufzeigen: Nämlich nach einiger Zeit enorm an Bedeutung und Mobilisierungspotential zu verlieren.

5 Fallbeispiel Ayotzinapa

Im Folgenden werden diese theoretischen Überlegungen mit dem Fallbeispiel der verschwundenen Studenten der Lehramtshochschule Ayotzinapa in Verbindung gesetzt. Die Unterkapitel 5.1 und 5.2 sollen einen generellen Eindruck von der Situation im Bundesstaat Guerrero und von der Situation der Lehramtshochschulen (Escuela normales rurales) geben. Diese Schulen sind schon des längeren verschiedenen Repressionen ausgesetzt gewesen, was die Ereignisse vom vergangenen September in einen größeren Kontext stellt.

Das Kapitel 5.3 beschreibt mit einem Informationsstand von Mitte Oktober 2015 den mutmaßlichen Ablauf der Ereignisse in der Nacht vom 26. zum 27. September 2014.

Im Kapitel 5.4 werden die Bedeutung der internationalen und nationalen Reaktionen der Zivilgesellschaft auf Ayotzinapa dargestellt. Dabei wird auf die Überlegungen aus den vorangehenden Kapiteln, speziell zur Gewaltlosigkeit, eingegangen.

Die Ereignisse in den Kapiteln 5.3 und 5.4 sind in chronologischer Reinfolge dargestellt.

5.1 Guerrero

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Guerrero liegt im Südwesten Mexikos und ist einer der ärmsten der 32 Bundesstaaten. So lebten 2014 laut der offiziellen Statistik des CONEVAL (Consejo Nacional de la Evaluación de la Política del Desarrollo Social) 65,2 % der Einwohner Guerreros in Armut und davon 24.5 % in extremer Armut (CONEVAL 2015:o.S.). Armut wird in dieser Statistik wie folgt definiert: Ein monatliches Durchschnittseinkommen unter dem Mindestwohlstandseinkommen[7] und mindestens eine „carencia social“ wie Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, sozialer Sicherheit, Nahrungsmittelversorgung, Wohnraum und Wohnraumqualität und Zugang zu „servicios básicos de la vivienda“ zum Beispiel fließendes Wasser (CONEVAL 2015:o.S.). Extreme Armut wird definiert als ein Einkommen von unter 868,25 Pesos in ländlichen Regionen bzw. 1.242,61 Pesos[8] in städtischen Regionen und mindesten drei „carencias sociales“.

Benannt wurde der Bundesstaat nach Vicente Guerrero, einem ehemaligen Präsidenten Mexikos, und ist stark indigen geprägt. So sprechen von den insgesamt etwa drei Millionen Einwohnern, etwa 300.000 Menschen monolingual eine indigene Sprache (Müller 2013: 361). Die wirtschaftliche Hauptaktivität dieser Region ist die Landwirtschaft (Müller 2013:361). Die Hauptstadt des Bundesstaates ist Chilpancingo, in deren Nähe die Lehramtsschule von Ayotzinapa liegt, von Ayotzinapa bis nach Iguala sind es etwa 130 Kilometer.

Mitte der 1960er bis Ende der 1970er Jahre war Guerrero der Brennpunkt des sogenannten „schmutzigen Krieges“ (Schulz 2012:108). Damit wird eine Taktik der damaligen Regierungen bezeichnet, Regierungskritiker (mehrheitlich Campesinos) zu verfolgen und oftmals verschwinden zu lassen. Artikel 2 des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen definiert Verschwindenlassen als:

die Festnahme, den Entzug der Freiheit, die Entführung oder jede andere Form der Freiheitsberaubung durch Bedienstete des Staates oder durch Personen oder Personengruppen, die mit Ermächtigung, Unterstützung oder Duldung des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, diese Freiheitsberaubung anzuerkennen, oder der Verschleierung des Schicksals oder des Verbleibs der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird (UNO 2006:431).

Diese Repression führte zur Gründung einiger Guerillaorganisationen, wie zum Beispiel jene um Lucio Cabañas, Partido de los Pobres. Lucio Cabañas war selbst Lehrer an der Escuela Normal Rural in Ayotzinapa (Carrasco Araizaga 2015:87). Mehrere Guerillaorganisationen sind heutzutage noch in Guerrero aktiv, wie etwa die EPR (Ejército Popular Revolucionario) (Schulz 2012:108). Im Zusammenhang mit dem Verschwindenlassen der Studenten wurde argumentiert, dass diese Taktik des schmutzigen Krieges nie aufgehört habe, sondern nur auf Mafiaorganisationen ausgelagert wurde (Carrasco Araizaga 2015:89). So ist Guerrero immer noch einer der Bundesstaaten mit den meisten Verschwundenen (Reveles 2015:13). Gelingt es, Verschwundene lebendig zu finden, so geschieht dies meist in verschiedenen Gefängnissen, wo sie unter falschem Namen eingesperrt wurden (Reveles 2015:14).

Vidulfo Rosales, der Anwalt der Eltern der verschwundenen Studenten, vertritt die Auffassung, dass der Bundesstaat Guerrero seit Jahrzehnten systematische Menschenrechtsverletzungen erfährt und dass der Großteil dieser Verbrechen nie aufgeklärt oder auch nur untersucht wurde. Dies führe zu einer Situation der Straflosigkeit in der sich solche Taten oft wiederholen würden (Carlsen 2015:o.S.). Als Verantwortliche für diese Menschenrechtsverletzungen bezeichnet er „the whole governmental apparatus in the state of Guerrero“ (ebd.). Außerdem fügte er hinzu, dass „there is also a pattern of repeated violations, so there’s a clear intention on the part of the government to attack these sectors, to attack the normal school of Ayotzinapa, to attack indigenous communities“ (ebd.). Denn beide seien politisch sehr aktiv und in verschiedene Proteste involviert gewesen (ebd.).

Guerrero wurde zwischen 2005 und Juni 2015, von der PRD regiert, aber das PRI System bestehe laut Schulz fort:

Strukturen von Korruption, Klientelismus und Kooptation, die Gleichschaltung von Regierung und Justizapparat sowie der Ausschluss breiter Teile der Bevölkerung von politischen Prozessen wurden auch unter Zeferino Torreblanca Galindo (2005 - 2011) [1. Gouverneur der PRD. Anm.d.Verf.] aufrechterhalten (Schulz 2012:113).

Auch der kürzlich im Zuge der Geschehnisse von Ayotzinapa zurückgetretene Gouverneur Ángel Aguirre Rivero gehörte der PRD an, ebenso der Bürgermeister Igualas José Luis Abarca Velázquez und dessen Frau. Seit den Zwischenwahlen im Juni 2015, regiert in Guerrero wieder die PRI (De Llano 2015:o.S.).

In Guerrero gibt es eine bekanntermaßen starke Verstrickung zwischen der Politik „de los tres niveles“ und dem organisierten Verbrechen. So wurde im Dezember 2013 gegen mindestens 15 Bürgermeister wegen ihrer vermuteten Verbindung zu verschiedenen Mafiaorganisationen ermittelt (Flores Contreras 2015: 12). Auch seien die Schwager des ehemaligen Bürgermeisters von Iguala Mitglieder der Guerreros Unidos, jener Mafiagruppe, die für die Verbrechen an den Studenten verantwortlich gemacht wird (Flores Contreras 2015:13). In Guerrero gibt es 44 Tote pro 100.000 Einwohner, im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg, damit liegt dieser Bundesstaat über dem nationalen Durchschnitt (Igartúa 2015:92). Flores Contreras fasst die Situation in Guerrero wie folgt zusammen:

[...] la situación de los guerrerenses, ahora atrapados entre la delincuencia organizada, los alcaldes vendidos al narco y los gobiernos estatal y federal, que oscilan entre la indolencia y la sospechosa ineficacia en el combate a la inseguridad. El resultado: la proliferación de las autodefensas comunitarias, la represión contra éstas por el Ejército y, en consecuencia, más tensión en una entidad con muchísimas armas en circulación (Flores Contreras 2015:12).

5.2 Die escuelas normales rurales

Die escuelas normales rurales (ländliche Lehramtshochschulen) sind ein Überbleibsel der mexikanischen Revolution. So wurde die erste dieser Schulen 1922 in Michoacán gegründet (Coll 2015:83). Das Recht auf Schulbildung war eine der Errungenschaften der Revolution und die escuelas normales rurales waren Teil eines weitergehenden Projekts zur Reformierung der ländlichen Regionen.

El origen agrario de la revolución mexicana exigía una reforma íntegra en el campo; las escuelas rurales serían instrumentos fundamentales dentro de este proceso. A los profesores mismos se les concebía como líderes sociales cuyas lecciones harían posible la transformación que el nuevo Estado pretendía llevar a cabo (Padilla 2015:52).

In diesen Internaten werden mittellose Jugendliche speziell als Lehrer für ländliche Gemeinden ausgebildet. Dabei sind neben der Lehramtsausbildung auch Kurse in Landwirtschaft vorgeschrieben, damit die künftigen Lehrer alte und neue Anbautechniken in ihre Gemeinden bringen können (Coll 2015: 90). Olmos beschreibt die escuelas normales wie folgt: „[s]us programas académicos tenían un carácter socialista e incluían actividades prácticas para que los alumnos aprendieran diversos oficios [...]“ (Olmos 2015:45).

zeigt auf, dass die escuelas normales rurales seit den vierziger Jahren eine Politik der Repression und Vernachlässigung von staatlicher Seite erfahren haben (Coll 2015:84). Diese Politik wird begleitet durch die mediale Darstellung dieser Schulen als „Brutstätten der Guerilla“ (ebd.) und die chronische Unterfinanzierung der Schulen, sodass es selbst an grundlegenden Dingen wie Nahrung und Schlafplätzen mangelt.

Die Schüler der normales rurales sind überregional organisiert in der Federación de Estudiantes Campesinos Socialistas (Coll 2015:87) und überaus gut vernetzt. So engagieren sich die verschiedenen Schulen nicht nur füreinander, sondern oft auch in lokalen Angelegenheiten. Zum Beispiel protestierten die Studenten aus Ayotzinapa gegen den Bau des Staudamms LaParota (Coll 2015:91).

Innerhalb der Schulen gibt es Comités de Orientación Política e Ideológica (COPI) (Komitees zur politischen und ideologischen Orientierung). Diese Komitees bieten Gruppen verschiedene Aktivitäten an, wie grupos de estudio que analizaban textos marxistas, consideraban las causas de distintas movilizaciones sociales, y reflexionaban sobre el significado y la relevancia de procesos de lucha a nivel internacional. Era aquí también donde los estudiantes aprendían sus derechos establecidos por las propias leyes mexicanas enmarcadas en la Constitución (Padilla 2015:55).

Die Landhochschule in Ayotzinapa, Raúl Isidro Burgos, wurde als eine der ersten escuelas rurales 1926 gegründet. Zurzeit studieren etwa 500 Studenten[9] an dieser Hochschule. Diese Schule „se ha distinguido por la actividad política de sus estudiantes“ (Coll 2015:92). Eben diese politischen Aktivitäten führten zu starken Repressionen gegenüber der Schule. Tatsächlich bezeichnet Coll die Ereignisse vom 26. September 2014 als direkte Folge der jahrelangen Repressionen und Hetze (Coll 2015:93). Auch der Anwalt Vidulfo Rosales vermutet ähnliches, er sei überzeugt, dass es sich bei den Ereignissen nicht um eine spontane Entscheidung einiger korrupter Polizisten handele (Carlsen 2015:o.S.). Bereits 2011 wurden Schüler dieser Schule, während einer Protestaktion, von Polizisten angegriffen, wobei zwei Schüler an Schussverletzungen starben (Vogel 2014:o.S.). Auf die Frage der US-Presse, warum die Polizisten die Studenten erschießen, antwortet der Analyst Luis Hernández Navarro lapidar: ,Weil sie es können„ (Gerber 2014:o.S.).

Zum 26. September 2014 hatte die Regierung des Bundesstaates Guerrero die Finanzierung für die Hochschule von Ayotzinapa eingestellt (Schulz 2015:9), weshalb sich die Studenten gezwungen sahen sich nach Iguala und in andere Städte zu begeben, um dort Geld zu sammeln.

5.3 Die Ereignisse vom 26. und 27. September 2014

In der Nacht vom 26. auf den 27. September verschwanden 43 Lehramtsstudenten der Landhochschule in Ayotzinapa. In der gleichen Nacht wurden drei ihrer Kommilitonen, ein jugendlicher Fußballspieler und zwei weitere Personen ermordet.

Laut der GIEI (Grupo Interdisciplinario de Expertos Internacionales), einer Expertengruppe der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (Comisión Interamericana de Derechos Humanos- CIDH), aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas und Spanien, seien mehr als 180 Personen direkt betroffen gewesen. Neben den 6 Toten und 43 Verschwundenen gab es 40 Verletzte. Außerdem wurden 110 weitere Personen auf verschiedene Art bedroht, verfolgt und angegriffen und dabei zum Teil lebensbedrohlich verletzt (GIEI 2015:8). Von den verletzten Studenten verlor einer mehrere Finger, einem weiteren wurde der Mund zerstört und ein weiterer Student liegt noch immer im Koma (Paterson 2015:o.S.).

Am 26. September befand sich eine Gruppe von etwa 100 Lehramtsstudenten (Rothwell 2015:o.S.), alle im ersten Studienjahr (Carrasco Araizaga 2015:86), in Iguala um dort Busse zu „kapern“ (Schulz 2015:9), mit denen sie an der alljährlichen Gedenkdemonstration für das Massaker von Tlatelolco 1968[10] in Mexiko-Stadt teilnehmen wollten (Hernández/Fisher 2015:63). Busse „kapern“, also zu besetzen und für einen bestimmten Zeitraum „auszuleihen“, ohne direktes Einverständnis der Besitzer, war eine sehr übliche Praktik der Studenten von Ayotzinapa, und anderer sozialer Bewegungen, die noch nie zu einer so gewalttätigen Reaktion geführt hatte (GIEI 2015:14).

Als die Studenten auf dem Weg nach Ayotzinapa befanden, wurden dreien ihrer insgesamt fünf Busse von der Polizei der Weg versperrt. Während des daraus entstandenen Wortgefechts begannen die Polizisten auf die Studenten zu schießen, wobei ein Student schwer verletzt wurde (Schulz 2015:9). Ein Teil der Studenten wurde nach der Schießerei in Polizeiwagen abtransportiert (ebd.). Gleichzeitig wurden weitere Studenten aus einem andern Bus vor dem Justizpalast beschossen und entführt (GIEI 2015:10). Einige Stunden später, gegen Mitternacht, hielten die Studenten am Ort des ersten Angriffs eine Pressekonferenz ab, „[w]ährend sie über die Vorfälle informierten, näherte sich der Gruppe ein Lastwagen. Mehrere schwerbewaffnete Männer stiegen aus und schossen wahllos auf die Gruppe der Studenten, Lehrer, Journalisten und Zuhörer“ (ebd.). Dabei wurden zwei Studenten erschossen und fünf weitere Personen schwer verletzt. In derselben Nacht wurden außerdem der Bus einer lokalen Jugendfußballmannschaft, die wohl mit den Studenten verwechselt wurde, und zwei Taxis angegriffen, wobei drei Personen starben und weitere verletzt wurden (Schulz 2015:10). Am nächsten Morgen, den 27. September, begannen die Studenten die Suche nach ihren nachts zuvor verhafteten Kommilitonen. Dabei wurde die mit Folterspuren übersäte Leiche von Julio César Mondragón, einem der nachts zuvor angegriffenen Studenten, in Iguala gefunden (Schulz 2015:10). Bis zum 29. September wurden die Studenten offiziell in allen Gefängnissen und Polizeihaftanstalten gesucht, allerdings erfolglos.

Zuerst vertrat der Präsident Enrique Peña Nieto die Ansicht, dass die Ereignisse von Iguala eine lokale Angelegenheit seien. Erst elf Tage später, am 6.10. äußerte er sich erneut zu den Ereignissen und versprach eine lückenlose Aufklärung (Díaz 2015:10).

Laut der offiziellen Version der Ereignisse wurden die Studenten von der lokalen Polizeieinheit verschleppt, anschließend der Mafiagruppe Guerreros Unidos übergeben und von dieser noch in derselben Nacht ermordet und verbrannt worden (Hernández/Fisher 2015:62). Anschließend sei die Asche der Studenten in Säcke gefüllt und in den nahegelegenen Fluss San Juan geworfen worden (Turati 2015b:66). All dies geschah laut dem ehemaligen Generalbundesstaatsanwalt Jesús Murillo Karam ohne die Beteiligung und Mitwissen der Policía Federal (der Bundespolizei) und des Militärs (Hernández/Fisher 2015:62f.). Die Angriffe seien vom Bürgermeister Igualas José Luis Abarca Velázquez (PRD) befohlen worden, um die Studenten daran zu hindern eine Rede seiner Frau María de los Ángeles Piñeda Villa, die Direktorin des lokalen DIF- ([Sistema Nacional para el] Desarrollo Integral de la Familia), zu unterbrechen (Turati 2015:52). Angesichts der Tatsache, dass die Rede von María de los Ángeles bereits zwei Stunden bevor die Studenten Iguala erreichten, endete (Hernández/Fisher 2015:63), scheint diese Erklärung nicht besonders glaubwürdig. Das Paar, sowie 22 Polizisten aus Iguala (Hernández 2015:76) und weitere Personen wurden verhaftet. Díaz spricht insgesamt von 110 Verhafteten (Díaz 2015b:o.S.). Laut Murillo Karam seien die Ermittlungen seit dem 27.1.2015 abgeschlossen (Schulz 2015:11f.). Allerdings mussten bereits einige der verhafteten Personen wieder freigelassen werden, da es keine oder keine überzeugenden Beweise für ihre tatsächliche Beteiligung an den Ereignissen gab (Hernández 2015:77).

Neben dieser offiziellen Version wurden abweichende Schilderungen, die auf den angeblichen Geständnissen verhafteter Mitglieder der Guerreros Unidos beruhen, veröffentlicht. Beispielsweise, dass die Studenten von einem gegnerischen Kartell unterwandert gewesen seien und deswegen von den Guerreros Unidos angegriffen worden wären (Schulz 2015:19). Der Vorwurf, verschwundene oder ermordete Personen seien mehr oder weniger direkt in den Drogenhandel verstrickt, wird in Mexiko sehr oft geäußert und scheint von offizieller Seite eine Art Rechtfertigung auszudrücken.

Auf Bitten der Eltern der Verschwundenen reiste ein argentinisches Forensikerteam (EAAF) an, welches die Suche nach den Studenten unterstützen sollte, aber in seiner Arbeit massiv von den offiziellen Stellen behindert und diskreditiert worden ist (Schulz 2015:19). Die Eltern hätten wenig Vertrauen in die staatlichen Forensiker, was angesichts folgender Aussage verständlich erscheint: „Nach der Ermordung von 72 Migranten im Bundesstaat Tamaulipas im August 2010 hatte das forensische Team der PGR [Procuraduría General de la República, Anm.d.Verf.] 30 der Leichen von Migranten in Massengräber verscharrt, obwohl sie hätten identifiziert werden können“ (Schulz 2015:21).

Das Equipo Argentino de Antropología Forense (EAAF), eine Nichtregierungsorganisation, wurde 1984 in Argentinien gegründet, um die Suche nach den Verschwunden der Militärdiktatur zu unterstützen (EAAF o.J.:o.S.). Nach eigenen Angaben untersucht das Team Menschenrechtsverletzungen in Argentinien und weltweit (ebd.).

Von verschiedenen Seiten wird diese Version der Ereignisse angezweifelt. So weist Schulz daraufhin, dass die Policía Federal und das Militär über die Anwesenheit der Studenten in Iguala informiert waren (Schulz 2015:14). Auch ist die lokale Kaserne so nah am Tatort, dass es unmöglich sei, dass die Militärs die Schüsse nicht gehört haben (Díaz 2015:9). Auch wird bezweifelt, dass es technisch überhaupt möglich gewesen wäre, 43 Leichen in einer Nacht bei strömenden Regen zu verbrennen, ohne dass jemand ein derart großes Feuer gesehen habe (Turati 2015b:68). Des Weiteren wird daraufhin gewiesen, dass „[a]lle in das Gewaltverbrechen vom September 2014 involvierten staatlichen Akteure [..] bereits vorab mutmaßlich in andere Verbrechen einschließlich Mord, extralegalen Hinrichtungen und Verschwindenlassen involviert [waren]. Keiner der vorhergehenden Fälle wurde aufgeklärt“ (Schulz 2015:23). So sei die lokale Militäreinheit verantwortlich für das Verschwindenlassen von sechs Jugendlichen im Jahr 2010 (ebd.). Lokale und bundesstaatliche Polizei in der bereits beschriebenen Ermordung und Folter anderer Studenten dieser Schule (ebd.) und der Bürgermeister sei angeblich in ein anderes Massaker an sozialen Aktivisten im Jahr 2013 verwickelt gewesen (Schulz 2015:24).

In einem Anfang September veröffentlichten Bericht der Grupo Interdisciplinario de Expertos Independientes (GIEI) wird die offizielle Version der Ereignisse widerlegt (Urrutia 2015: o.S.).

Aus diesem Bericht geht hervor, dass es unmöglich ist, dass die 43 Studenten auf der Müllhalde Coculas verbrannt worden seien (Díaz 2015b:o.S.). Die Aussagen der verhafteten Mafiamitglieder sind somit falsch (GIEI 2015:26). Tatsächlich behaupten Hernández und Fisher, die verhafteten vorgeblichen Mafiamitglieder seien Unbeteiligte, die unter Folter die Taten gestanden hätten (Hernández/Fisher 2015b:o.S.).

Außerdem wird unterstrichen, dass sowohl das Militär als auch die Bundespolizei über die Angriffe informiert gewesen seien, wenn nicht sogar an diesen aktiv beteiligt (Petrich/Olivares 2015:o.S.). Auch wurden in diesem Bericht einige offizielle Vermutungen wiederlegt, wie zum Beispiel, dass die Normalistas mit einem gegnerischen Kartell zusammengearbeitet hätten und deswegen von den Guerreros Unidos angegriffen worden seien, oder zumindest mit dieser Gruppe verwechselt worden seien (Petrich/Olivares 2015:0.S.). Angesichts dieser Veröffentlichungen versprachen sowohl der Präsident Peña Nieto als auch der Secretario de Gobernación Miguel Ángel Osorio Chong diese Untersuchungsergebnisse ernst zu nehmen und das es diesem Fall keine Straflosigkeit geben werde (Urrutia 2015:o.S.).

Die unabhängigen Experten der GIEI stellten außerdem fest, dass von den inzwischen 110 verhafteten mutmaßlichen Tätern mindestens 80 Verletzungen aufwiesen, die Komission lässt aber offen, ob dies Folterspuren seien (Díaz 2015b:o.S.). Laut Human Rights Watch ist Folter ein sehr häufiges Mittel in Mexiko, um Geständnisse und Informationen zu erhalten (Human Rights Watch 2011:5). „Since it is often impossible to effectively punish those responsible, institutions opt to punish those who are in their reach.” (Lara Klahr 2013:166).

Der Bericht der GIEI enthält außerdem eine alternative Erklärung, warum die Studenten angegriffen wurden. So sei Iguala ein Umschlagplatz für Heroin, dass oft mit Hilfe von öffentlichen Bussen in die USA, speziell Chicago, transportiert werde (GIEI 2015:16). So sei es nach Meinung der Expertengruppe durchaus möglich, dass zumindest einer der von den Studenten gekaperten Busse Drogen oder Drogengeld transportierte (GIEI 2015:19). Dies würde die extreme gewalttätige Reaktion erklären, da diese Busse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln daran gehindert werden mussten, Iguala zu verlassen (GIEI 2015:16). Eine mögliche Erklärung für den Angriff auf die Fußballmannschaft Los Avispones ist, dass sie tatsächlich mit den Studenten verwechselt wurden (ebd.). Diese Erklärung wird noch dadurch untermauert, dass im offiziellen Bericht der Bundesstaatsanwaltschaft nur noch von vier statt von fünf gekaperten Busse die Rede war und die Existenz dieses fünften versucht wurde zu vertuschen (GIEI 2015: 17), dies sei nicht die einzige Unregelmäßigkeit bei den Untersuchungen (vgl. GIEI 2015).

Der Bericht der GIEI stellt außerdem fest, dass kein staatlicher Akteur, einschließlich des Militärs und der Bundespolizei, zum Schutz der Normalistas eingeschritten sei (GIEI 2015:20). Auch habe sich in der Zeit zwischen der ersten und zweiten Attacke von staatlicher Seite niemand um die Opfer gekümmert, noch wurden Ermittlungen angestellt, noch wurden Spurensicherungen durchgeführt (ebd.). Im Gegenteil hätten die Soldaten aktiv die Versorgung eines schwer verwundeten Studenten behindert (Rothwell 2015:o.S.). Nach der zweiten Attacke lagen die Leichen der zwei ermordeten normalistas mehr als zwei Stunden im Regen, der Transport des verwundeten Fahrers des Busses der Avispones dauerte über eineinhalb Stunden, sodass er verstarb (GIEI 2015:22).

Die GIEI weist daraufhin, dass die Entscheidung die normalistas verschwinden zu lassen, keine spontane Entscheidung gewesen sein kann. Um eine so große Gruppe Menschen verschwinden zu lassen, müsse erst einmal die nötige Infrastruktur geschaffen werden (GIEI 2015:24). Auch unterscheide sich dieser Fall von anderen Fällen in denen die Guerreros Unidos Personen zum Verschwinden gebracht und die Körper verbrannt hätten. In den vorhergehenden Fällen waren immer eindeutig identifizierbare Reste der Körper zurückgeblieben (ebd.).

Einer der verschwundenen Studenten, Alexander Mora Venacio, wurde im vergangenen Dezember, anhand von angeblich im Fluss San Juan gefundener Knochenreste, identifiziert (Flores Contreras 2015c:84). Trotzdem protestierten die Menschen weiterhin für die lebendige Rückkehr aller 43 Studenten, denn auch die Eltern von Alexander Mora gehen davon aus, dass ihr Sohn vielleicht noch am Leben seien könnte. Rothwell weist daraufhin, dass seit den Ereignissen einige Studenten der Escuela Normal Rural von Ayotzinapa aus Angst ihr Studium abgebrochen hätten (Rothwell 2015:o.S.). Auch unterstreicht sie die enorme psychische Belastung für die Eltern und überlebenden Studenten (ebd.).

Parents of the 43 have relocated to the Ayotzinapa College, leaving behind jobs and other children to dedicate all their time, energy and heart to the search for their missing sons. Many families had little resources before the attacks, but now they have even less as they have had to abandon work and pay to travel to meetings with government officials and incur other expenses (ebd.).

Folgendes Schaubild, entnommen aus dem Bericht der GIEI, soll die Ereignisse vom 26. und 27. September verdeutlichen. Darin werden zum einen die drei verschiedenen Routen der Studenten deutlich gemacht, über den Periférico Norte bzw. Sur und Richtung Straße nach Chilpancingo. Außerdem werden die verschiedenen Ereignisse, die in Iguala geschahen, verdeutlicht.

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5.4 Die Bedeutung von Ayotzinapa für die Zivilgesellschaft

La cifra 43 se tornó emblemática. El grito de ese número macabro, la contabilidad transformada en consigna y coreada en México y en muchos países, el reclamo de “vivos los llevaron, vivos los queremos” marca un parteaguas en el hartazgo de una ciudadanía que debió haberse indignado hace ya varios años. (Reveles 2015:10f.)

Wie eingangs bereits beschrieben sind die Studenten von Ayotzinapa weder die ersten noch die einzigen Opfer vom gewaltsamen Verschwindenlassen, vielmehr sei das Besondere an diesem Fall, „die schnelle Reaktion, Artikulation und Mobilmachung zivilgesellschaftlicher Organisationen, um die Verschwundenen zu suchen und selbiges auch von der Regierung einzufordern“, gewesen (Schulz 2015:7).

Noch in derselben Nacht nutzen die Studenten die Sozialen Netzwerke, um die Attacken publik zu machen (Rothwell 2015:o.S.), sodass sich nach kürzester Zeit die Zivilgesellschaft in Solidarität mit den Studenten organisierte. Die ersten Organisationen waren die Lehrergewerkschaften CNTE (Coordinadora Nacional de Trabajadores de la Educación) und der demokratischen Flügel der SNTE (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Educación). Insbesondere die CNTE stellten den Studenten ihre (inter)nationalen Netzwerke zur Verfügung (ebd.). Rothwell betont, dass es von Beginn an die Eltern, Lehrer und überlebenden Studenten waren und nicht die zuständigen staatlichen Stellen, die sich organisierten, um die Verschwundenen zu suchen (Rothwell 2015:o.S.).

Weltweit wurde der Fall erst am 4. Oktober, mit der Entdeckung von sechs Massengräbern, publik (Muñoz Ramírez 2015:205).

Am 7. Oktober veröffentlichte die Comandancia General der EZLN ein Kommuniqué in dem sie ihre Unterstützer_innen in Mexiko und weltweit aufforderte, sich nach ihren Möglichkeiten und Gewohnheiten für die verschwundenen Studenten zu mobilisieren (dies.:207). Am folgenden Tag, den 8.10.2014, demonstrierten in San Cristóbal de las Casas, Chiapas, etwa 20.000 Zapatisten schweigend ihre Solidarität mit Ayotzinapa (Bellani 2014:o.S.). Dies ist bemerkenswert, denn zuletzt hatte sich die EZLN nur noch selten außerhalb ihrer comunidades gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3. Solidaritätsdemonstration der Zapatisten in San Cristóbal de las Casas (Bellani 2014:o.S.).

Die Bedeutung der Solidarität der EZLN sollte nicht unterschätzt werden, denn diese Organisation verfügt weltweit über gut organisierte Unterstützergruppen. Sodass sie, trotz ihrer nicht eindeutigen „Friedlichkeit“, eine entscheidende Position innerhalb der Zivilgesellschaft einnimmt.

Am selben Tag, den 8.10.2014, demonstrierten ca. 30.000 Menschen in Mexiko-Stadt, und tausende weitere in mindestens 25 Staaten der Republik, aber auch in europäischen Großstädten wie Berlin, London und Barcelona (Solera/ Reyes 2014:o.S.). Bei der Demonstration in Mexiko-Stadt wurde Cuahtémoc Cárdenas, „Gründervater, dreimaliger Präsidentschaftskandidat und ,moralische Autoritäť der Partei der Demokratischen Revolution (PRD)“ von den Demonstrierenden beschimpft und musste die Demonstration verlassen (Nehe 2015:o.S.). Dies zeige den totalen Vertrauensverlust und die allgemeine „Diskreditierung der politischen Klasse“ (ebd.).

Die Eltern der Verschwundenen führten drei Informationskarawanen durch Mexiko an. Alle drei, jeweils benannt nach einem der ermordeten Studenten, Julio César Mondragón Fontes, Daniel Solís Gallardo, Julio César Nava, durchreisten verschiedene Bundesstaaten Mexikos um sich am 20. November, dem Jahrestag der mexikanischen Revolution, in Mexiko-Stadt zu treffen (Muñoz Ramírez 2015:210). 2014 wurden die offiziellen Feierlichkeiten in Mexiko-Stadt und anderswo, wegen der Mobilisierungen abgesagt (ebd.) oder wie in Ciudad Juarez von Protestierenden gestört (fronteranortesur 2014:o.S.).

Laut Rovira Sancho haben am 20.11. mindestens eine Million Menschen in Mexiko­Stadt demonstriert (Rovira Sancho 2015: 152), Nehe gibt die Teilnehmerzahl mit 500.000 an (Nehe 2015:o.S.) Villamil spricht hingegen nur von 50.000 Teilnehmern (Villamil 2015:o.S.). Besonders sei an dieser Demonstration nicht nur ihre Größe, sondern auch die Zusammensetzung der Teilnehmer gewesen:

Gewerkschafter*innen und LGBT-Aktivist*innen, progressive Katholik*innen neben Künstlerkollektiven und Studierenden, Unterstützungsgruppen der Zapatistas und eine nicht eben kleine Vereinigung von weißgekleideten Kundalini-Yoga-Anhänger*innen, dazwischen Tausende, die alleine, mit ihrer Familie oder anderen Menschen aus ihrem engsten Umfeld gekommen sind: Insbesondere in Mexiko, wo politische Mobilisierung traditionell zumeist über bestehende zivilgesellschaftliche oder parteipolitische Strukturen funktioniert, ist diese Zusammensetzung der Proteste ein Novum (Nehe 2015:o.S.).

Dies gelte nicht nur für die Demonstrationen in Mexiko-Stadt, sondern auch in Guerrero gingen „normalistas, el magisterio disidente, organizaciones sociales y campesinas de izquierda, autodefensas, universitarios, empresarios y ciudadanos“ auf die Straße (Flores Contreras 2015b:55). Im Bezug auf die eingangs beschriebenen ciudadanía Konzepte, ist es also sehr interessant zu sehen, wer sich als Teil dieser comunidad política, der von Ayotzinapa Betroffenen, versteht.

Bei der Demonstration in Mexiko-Stadt wurden elf Studenten festgenommen, denen Straftaten wie „terroristische Aktivitäten und Mordversuch“ vorgeworfen worden (Bräth 2015:o.S.). Bei vielen Beobachtern besteht die Befürchtung, dass sobald die Intensität der Bewegung nachlässt, die Repressionen gegen die sozialen Organisationen, die sich für die verschwundenen Studenten einsetzen, zunehmen werden (Carrasco Araizaga 2015:87).

Muñoz Ramírez beschreibt, wie sich in Solidarität mit den normalistas von Ayotzinapa bereits existierende internationale Netzwerke reaktivierten, wie etwa die Solidaritätsnetzwerke mit den Sandinisten in Nicaragua, über Unterstützergruppen der Zapatisten bis hin zu den neueren, die im Zuge von #YoSoy123 entstanden waren (Muñoz Ramírez 2015:206). Außerdem seien aber auch neue Netzwerke entstanden (ebd.), in diesem Kontext unterstreicht sie die Bedeutung der „Neuen Medien“, die sicherlich zur Bekanntmachung dieses Falls beigetragen haben (dies.:207).

Die Eltern und einige überlebende Studenten der Hochschule von Ayotzinapa reisten, finanziert durch Spenden, in vier Informationskarawanen durch Europa und Nord-und Südamerika. Eine weitere besucht seit März 2015, die verschiedenen comunidades, die Teil des Congreso Nacional Indígena sind, dabei lernten sie die Organisationen „de los pueblos en defensa de sus bosques y playas, por su seguridad comunitaria frente a la violencia de Estado, contra el despojo y privatización del agua“ kennen (Muñoz Ramírez 2015:214f).

Die ersten beiden internationalen Karawanen durch die USA (15.3.-24.4) und Kanada (12.4.-2.5.) führte Aktionen in über 50 Städten durch (Muñoz Ramírez 2015:211).

Die dritte Karawane, vom 17.4. bis 19.5., besuchte 19 Städte in Europa (Muñoz Ramírez 2015:211f.). Besonders interessant sind die Solidaritätserklärungen aus Paris, in denen die Polizeigewalt in Mexiko mit der in Europa in Verbindung gesetzt wurde.

La visita de la delegación contribuyó a que se avanzara en la articulación de luchas, a que se tendieran más puentes entre los colectivos solidarios con las luchas de México y los diversos colectivos parisinos que luchan contra la violencia e impunidad policial en Francia, inscribiendo la solidaridad con Ayotzinapa en un contexto más amplio, el de la represión que se vive en diferentes partes del mundo: “desde París hasta México, la policía asesina”, como lo dijo en la marcha de la #EuroCaravana43 Amal Bentounsi, integrante del colectivo “Urgence, notre police assassine”(Emergencia, nuestra policía asesina) y cuyo hermano fue asesinado por un policía en 2012 en las afueras de París (Muñoz Ramírez 2015:217).

Leider waren weitere Informationen über diese Kollektiv nicht zugänglich, sodass die Frage offen bleibt, ob außer der gemeinsamen Erfahrung der Polizeigewalt nicht noch weitere Gemeinsamkeiten zwischen beiden bestehen. Zum Beispiel eine marginalisierte Position in der Gesellschaft, auf Grund von ökonomischen oder rassistischen Zuschreibungen.

Bei der vierten Karawane, vom 16.5-12.6. durch Südamerika traf sich die Delegation aus Ayotzinapa mit verschiedenen Organisationen wie den „Madres de la Plaza 25 de mayo“ in Rosario, Argentinien, die ebenfalls die Ereignisse von Iguala mit ihren eigenen Erfahrungen in Verbindung setzten:

[...]apenas sucedidos los hechos del 26 de septiembre en Iguala, fuimos muchos los que en Rosario pasamos de la indignación a la bronca, de la bronca al dolor y del dolor a la acción. Volvieron dolores pasados y presentes, se abrieron llagas, se cerraron puños, se humedecieron ojos. No importó quién ni cuántos, supimos que debíamos honrar el pedido que hace años cada uno a su manera juró: NUNCA MÁS (Muñoz Ramírez 2015:213).

Auch in anderen lateinamerikanischen Ländern, wie Kolumbien, Guatemala, El Salvador, solidarisierten sich Kollektive und Gruppen, die entstanden waren um nach Verschwundenen der Diktaturen zu suchen und forderten die lebende Rückkehr aller Verschwundenen (Muñoz Ramírez 2015:207). Oftmals mit dem bei den Demonstrationen immer wieder zu hörende Slogan vivos los llevaron, vivos los queremos, der aus den 70er Jahren stammt (Huffschmid u.a. 2015:8). In Brasilien solidarisierten sich Mütter, die ihre Kinder in Polizei und Militäroperationen in den Favelas von Sao Paulo verloren hatten (Muñoz Ramírez 2015:213).

Von staatlicher Seite gab es ebenfalls internationale Reaktionen, so äußerten sich die UNO, die Organisation amerikanischer Staaten, das US-amerikanische Außenministerium und einige Abgeordnete des Europaparlaments und verlangten eine vollständige Aufklärung der Ereignisse (Esquivel/Appel/Alcaraz 2015:35).

Auch oder gerade in den USA gab es Demonstrationen von „[undocumented migrants, students, activists, mothers and workers came out by the hundreds to protest the failure of the War on Drugs that has caused the disappearance and death of thousands of Mexicans and to call for the resignation of Enrique Peña Nieto“ (Bautista 2015: o.S.). Besonders stark seien die Mobilisierungen in Los Angeles gewesen, laut Bautista (2015:o.S.) die Stadt mit weltweit der zweitgrößten mexikanischen Bevölkerung. Diese Bevölkerungsgruppe sei eng mit Mexiko verbunden, durch Besuche aber auch durch die Zahlungen von remesas an ihre Familien (Bautista 2015:o.S.). Über diese remesas gelingt es ihnen oft (politischen) Einfluss auf ihre Familien auszuüben (ebd.). Sie sind also, obwohl geographisch nicht anwesend, sehr wohl Teil der mexikanischen ciudadanía. Doch auch andere lateinamerikanische Migrant_innen zeigten sich in den USA solidarisch mit Ayotzinapa (ebd.), ebenso wie Künstlerkollektive in Fotowettbewerben, [,..a]sí como estas hubo convocatorias para músicos, poetas, artistas plásticos, periodistas, teatreros, etc.“ (Muñoz Ramírez 2015:209).

Oder wie Rothwell es ausdrückte: „Other movements and people recognized their pain and struggles reflected in that of the Justice for Ayotzinapa movement“ (Rothwell 2015:o.S.).

Diese Reaktion sei laut Reveles außergewöhnlich, habe doch die konstante Gewalt in Mexiko das soziale Gefüge zerreißen lassen (Reveles 2013:153). Diese These ist angesichts der langanhaltenden Solidarität, nach Ansicht der Verfasserin, fragwürdig. Sicher hat die konstante Gewalt das soziale Gefüge beeinträchtigt oder verletzt, aber wohl kaum tatsächlich zum Zerreißen gebracht.

Die Reaktionen von Seiten der Politik waren hingegen oftmals verharmlosend oder zynisch. Sie reichten von Aussagen des Parteivorsitzende der PRD Jesús Zambrano, dass die lokale Polizei verantwortungslos und taktlos gegenüber den Studenten gehandelt habe (Vergara 2015:16), bis zu Aussagen verschiedener Lokalpolitiker, dass angesichts dieser Ereignisse die Existenz der escuelas normales rurales hinterfragt werden müsse, da sie Brutstätten der Guerilla seien (Méndez/ Garduño 2015:o.S.). Auch die Aussage des ehemaligen Staatsanwalt Murillo Karam "No más preguntas, Ya me cansé" (etwa: keine Fragen mehr, ich bin es Leid), um eine Pressekonferenz über Ayotzinapa zu beenden, gehört dazu (Navarro 2014:o.S.). Dieser Ausdruck verwandelte sich in eine der Insignien des Protest #YaMeCansé und #USTired2 (ebd. und Bautista 2015:o.S.). Tatsächlich war dieser hashtag #YaMeCansé den ganzen November 2014 der meistbenutzte weltweit, bis er durch eine Botnet-Attacke lahmgelegt wurde (Rovira Sancho 2015:150).

Im Netz häuften sich die Aufforderungen für Ayotzinapa zu demonstrieren, allerdings wurden auch digitale Handlungsalternativen, wie Petitionen zu unterschreiben oder Kommentare auf Facebook und Twitter zu verfassen oder zu verbreiten, angeboten (Rovira Sancho 2015:148). Ähnlich wie das Video der 131 Studenten der Iberoamericana, veröffentlichten Studenten weltweit das Video #43ConVidaYa in dem sie in verschiedenen Sprachen die Rückkehr der Studenten forderten (Rovira Sancho 2015:149). Hierbei ist interessant, dass die „traditionellen“ Medien, wie Zeitungen, erst später Informationen publizierten als die Sozialen Netzwerke. Tatsächlich beeinflussten die Sozialen Medien stark die etablierten Medien.

Überraschenderweise war das Medienecho weitgehend positiv in Bezug auf die Forderungen und Demonstrationen. Dies könnte allerdings durchaus daran liegen, dass die von mir hauptsächlich analysierten mexikanischen Medien La Jornada und El Proceso insgesamt eher dem (links)liberalen Spektrum zu zuordnen sind und beide nicht Teil der großen Medienkonzerne Televisa und TV Azteca sind. Diese Quellenwahl wurde bewusst aus folgenden zwei Gründen getroffen: Erstens sind La Jornada und El Proceso, sehr renomierte, unabhängige und kritischere Medien, die außerdem beide einen Schwerpunkt ihrer Berichterstattung auf Ayotzinapa gelegt hatten. Zweites produzieren Televisa und TV Azteca, hauptsächlich Fernsehnachrichten, die schwieriger einzusehen sind als Zeitungsartikel.

Trotzdem scheint dies daraufhin zu weisen, dass der Zugang zu den Sozialen Netzwerken für Aktivisten sehr viel einfacher ist, als zu anderen Medien, sodass Diamonds These von der Wichtigkeit der Medien für die Zivilgesellschaft zumindest angezweifelt werden kann.

Ähnlich wie bei anderen Protesten, speziell in Südamerika, wird viel mit den Bildern der Verschwundenen gearbeitet, „die so dem Terror ein Gesicht geben“, statt wie vorher unsichtbar zu bleiben (Huffschmid u.a. 2015:9). Auch wurden bei den Demonstrationen oftmals die Namen der Studenten verlesen und, wie in der Schule, nach jedem Namen presente (anwesend) gerufen (Rovira Sancho 2015:149). Die Zahl 43 ist bei den Protesten omnipräsent, obwohl wie gesagt ein Student als vermutlich tot gilt, Protestierenden schreiben sie auf Plakate, auf ihre Haut und zählen bis 43, gefolgt von dem lautem Ruf Justicia.

Immer öfter wurde auf den Demonstrationen auch der Rücktritt Enrique Peña Nietos gefordert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4. Demonstranten verbrennen ein Bild Peña Nietos (Nájar 2014:o.S.).

Im Juni 2015 fanden in sieben Bundesstaaten Mexikos die Interimswahlen statt, zuvor wurde versucht diese Wahlen zu verhindern. Den Eltern und ihren Unterstützer gelang es zumindest die Wahlen in der Gemeinde Tixtla, die der Schule in Ayotzinapa am nächsten liegt, zu boykottieren (Quesada 2015 o.S.). Sie sammelten die Urnen und Wahlbögen in 28 der 54 Wahllokale ein und verbrannten diese (ebd.). Daraufhin wurde die Wahl in Tixtla von der Wahlaufsichtsbehörde abgesagt (ebd.).

Dies wiederspricht anscheinend der These, dass die Zivilgesellschaft automatisch zur Demokratisierung beitragen würde. Tatsächlich ist dies aber nicht unbedingt der Fall so fand, auch mit der Beteiligung von den Eltern der Verschwundenen, am 5. Feburar eine Veranstaltung statt, bei der eine breite soziale Bewegung ihr Vorhaben vorstellte, eine verfassungsgebende Versammlung der Bürger_innen ins Leben zu rufen (Lochte 2015:o.S). Die Constituyente Ciudadana y Popular hat sich zum Ziel gesetzt basisdemokratisch, eine neue Verfassung auszuarbeiten. An diesem Prozess beteiligen sich ein „breites Spektrum von Menschenrechtsorganisationen, Kirchen, Gewerkschaften, Künstlerinnen, Intellektuellen sowie kleinbäuerlichen und anderen sozialen Initiativen“ (Lochte 2015:o.S.).

Am Jahrestag der Ereignisse, dem 26. September 2015, fand eine große Demonstration mit mindestens 15.000 Teilnehmern in Mexiko-Stadt statt. Laut Villamil hätten kleine Gruppen Vermummter Steine, Böller und andere Gegenstände auf Polizisten und den Senatssitz geworfen, allerdings hätte der Rest der Demonstrierenden ihnen zugerufen „No Violencia, no Violencia“ (Villamil 2015:o.S.). Oft wird unter der Hand vermutet, bei solchen Vorfällen handele sich um staatlich engagierte Täter, deren Handlungen Repressionsmaßnahmen rechtfertigen sollen.

Unter den Demonstrationsteilnehmern befanden sich auch die Schriftstellerin Elena Poniatowska, Hipólito Mora von den autodefensas in Michoacán (Schatzberg 2015:o.S.) und Vertreter der „ejidatarios de San Salvador Atenco“ (Villamil 2015:o.S.). Trotz des strömenden Regens versammelten sich Tausenden auf dem Zócalo, dem zentralen Platz in Mexiko-Stadt, und riefen „Ni la lluvia, ni Peña Nieto, detendrán el movimiento (ebd.). Villamil beschreibt das Ziel der Demonstration wie folgt: „Ya no se trata sólo de pedir justicia, sino de „ajustar cuentas„ con la administración federal que en los últimos meses perdió todo su capital político frente a la incansable movilización de los padres de los normalistas de Ayotzinapa“ (ebd.). Auch hierbei wurde auch der Rücktritt Peña Nietos gefordert (ebd.) und die neoliberalen Reformen, besonders die reforma educativa, seiner Regierung kritisiert (Schatzberg 2015:o.S.). Hipólito Mora forderte die Zuhörer auf, gemeinsam, mit den autodefensas, gegen die „schlechte Regierung“ zu kämpfen (ebd.). Vidulfo Rosales, vom Menschenrechtszentrum Tlachinollan, forderte nicht nur die lebende Rückkehr der 43 Studenten, sondern auch Gerechtigkeit für die mehr als 25.000 Verschwundenen. Und fügte hinzu: „[p]ero también debemos luchar por quienes han sido despojados de su tierra. Que no haya ni una lucha aislada más.“ (Poy/Sánchez 2015:o.S.).

Im ganzen Land führten am Jahrestag „decenas de miles de personas [..] marchas, plantones, mítines y actos culturales en varios estados del país“ durch, unter anderen in Acapulco, Oaxaca, Tuxtla Gutiérrez, San Cristóbal, Guadalajara, Saltillo, Culiacán, Cuernavaca, Ciudad Juárez (La Jornada 2015:o.S.). Auch an weiteren Orten wurde demonstriert, wie in London, Madrid, Paris, Amsterdam, Camebridge, Panama, Guatemala, Peru, New York, Philadelphia, Seattle, Montreal (Brooks 2015:o.S.)

Düsseldorf, Berlin, Köln, Göteborg, Helsinki, Brüssel, Oslo, Rom, Wien, Zürich (¡Alerta! Düsseldorf 2015:o.S.) und „[e]n Bolivia, Eva Liz Morales, la hija del presidente Evo Morales, encabezó un plantón frente a la Embajada de México en La Paz“ (Vivas 2015:o.S.). Nach eigenen Beobachtungen in Köln nahmen an diesen Gedenkveranstaltungen hauptsächlich Personen aus Mexiko bzw. lateinamerikanischen Ländern teil.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5. Gedenkveranstaltung vor dem Kölner Dom. (Eigenes Foto).

Dieser Wunsch „que no haya ni una lucha aislada más“ ist das wirklich besondere an der Bewegung um Ayotzinapa, denn es gelingt ihr weltweit verschiedene Protestbewegungen zu vernetzen (Rothwell 2015:o.S.).

The Justice for Ayotzinapa movement crosses borders and connects movements, it has thoughtfully been a movement rising up from the bottom, and refusing to be dictated to by those at the top of the hierarchy in society. In this way, it has united people with collective oppression and rage, and reclaimed humanity and power. When connecting with local organizations and activists throughout Mexico or abroad, the movement has focused on being driven by the locals who know the context best, and who have been building their organizing roots for years (Rothwell 2015:o.S.).

Die Aussage von Rothwell, dass die Bewegung für Ayotzinapa sich bewusst auf die Erfahrungen von lokalen Organisationen verlassen habe, lässt auf eine relativ gut funktionierende interne Demokratie schließen. Allerdings ist es zum bisherigen Zeitpunkt nicht möglich, mehr als Vermutungen über dieses Thema anzustellen.

Rothwell beschreibt die Gemeinsamkeit der verschiedenen Organisationen, die sich mit den Lehramtsstunden solidarisierten als: „a rejection of state-sponsored violence, and an affirmation of the power of rising up together to fight for a world that values human lives“ (Rothwell 2015:o.S.).

Laut Rothwell organisierte sich der Protest anhand von drei großen Aktionslinien. Zum einen wurden die Attacken gegen die Studenten von Ayotzinapa in den größeren Kontext der neoliberalen Bildungsstrukturreformen gestellt und die befürchtete Privatisierung des Bildungssektor kritisiert, die zum Verschwinden der Escuelas Normales Rurales führen würde (Rothwell 2015:o.S.). „The Ayotzinapa attacks made it known that students and youth are the targets of state violence. This has brought the students and educators to the streets, because they could be the 44th“ (ebd.).

Auch viele Eltern solidarisierten sich angesichts des sehr publik gemachten Schmerzes der Eltern der verschwundenen Studenten. Nach Ansicht der Verfasserin, aus dem Gefühl heraus, dass es auch ihre Kinder hätten seien können, ähnliche Gedanken finden sich bei Rothwell (2015:o.S.). Ebenso wie die Eltern anderer Verschwundener organisierten sie sich entlang der Kampfes der Eltern der 43, „helping the nation make connections that this is a systemic state-sponsored war against the people“ (Rothwell 2015:o.S.).

Die dritte Linien anhand derer sich der Protest organisiert habe, ist die allgegenwärtige Korruption, Straflosigkeit und die enge Verbindung zwischen dem Organisierten Verbrechen und dem Staat (Rothwell 2015:o.S.). Diese Gemeinsamkeit, die viele soziale Akteure erfahren haben, sorge dafür, dass sich verschiedenste Gruppen (Umwelt-, LGTBIQ-aktivisten, Indigene, Journalisten u.a.) mit Ayotzinapa solidarisierten (Rothwell 2015:o.S).

Wie oben beschrieben ist es schwierig, auf der Gewaltfreiheit der Zivilgesellschaft zu bestehen. Nicht immer blieben die Proteste also friedlich, es wurden Polizeifahrzeuge angezündet, öffentliche Einrichtungen besetzt und Straßen blockiert (Goertz 2015: o.S). Außerdem äußerten sich verschiedene Guerilla Organisationen wie EPR, Ejército Revolucionario del Pueblo Insurgente (ERPI), el Ejército Revolucionario del Pueblo (ERP), las Milicias Populares y las Fuerzas Armadas Revolucionarias- Liberación del Pueblo und auch die EZLN in insgesamt 16 Kommuniqués. In diesen wird zum einen die Rückkehr der verschwundenen Studenten gefordert und zum anderen die Verantwortung für diese Ereignisse der Regierung um Peña Nieto angelastet.In dieser Form hatte sich die Guerilla schon seit über zwanzig Jahren nicht mehr geäußert (Olmos 2015b:57). Darüber hinaus ließ die EPRI folgendes verkünden:

Emulando a las brigadas de ajusticiamiento de Lucio Cabañas, el ERPI pide a la sociedad recabar toda la información sobre los integrantes de Guerreros Unidos, así como sus propiedades e intereses, para ponerlos a su disposición por cualquier vía (Olmos 2015b:58).

Olmos beschreibt, dass die mexikanische Bundesregierung ein massives Wiederaufflammen der Guerilla Bewegungen in Guerrero befürchte (Olmos 2015b:57).

Die neue Generalbundesanwältin, Arely Gómez, gab bekannt, dass die Untersuchungen im Fall Ayotzinapa noch nicht abgeschlossen seien und dass auch neue Untersuchungsrichtungen in Betracht gezogen werden. Außerdem gab sie die Gründung einer „Fiscalía Especializada de Búsqueda de Personas Desaparecidas“ (Spezialstaatsanwaltschaft für die Suche nach verschwundenen Personen) und die Veröffentlichung des bisherigen Untersuchungsberichtes bekannt (Villamil 2015b:o.S.).

Des Weiteren wurde das Mandat der GIEI um sechs Monate verlängert, in dieser Zeit soll die Expertengruppe weitere Untersuchungen über den Fall Ayotzinapa anstellen (Bellani 2015:o.S.). Ob diese Ereignisse eine direkte Folge auf die Proteste und Forderungen der Zivilgesellschaft seien, ist nicht sicher zu sagen. Allerdings zeigt es, nach Ansicht der Verfasserin, dass der öffentliche Druck die Angelegenheit auf der politischen Agenda hielt und sicher auch zu diesem Ergebnis beigetragen habe. Wie Huffschmid beschreibt, ist der öffentliche Druck vielfach die Voraussetzung zur Veränderung von Gesetzen und Strafverfolgungsinstitutionen:

El escándalo, la indignación hecha movilización y resonancia, que antecede y a la vez transciende las instancias de justicia realmente existentes, a nivel nacional como internacional, creando nuevas expectativas normativas y obligando a expandir los horizontes de la justicia institucionalzada, mejorar y hacer más accesibles las leyes, crear nueas instancias de investigación y procuración de Justicia (Huffschmid 2008:231, Hervorhebung im Original).

Dass die bisherigen „Ergebnisse“ der Mobilisierungen für Ayotzinapa so bescheiden sind, muss nicht heißen, dass diese in Zukunft nicht noch mehr Einfluss gewinnen könnten und tiefergehende Änderungen hervorbringen könnten. Zum Beispiel beschreibt Tamayo die Studentenbewegung von 1968 und kommt zu dem Schluss, dass obwohl diese mit ihren Forderungen nach Demokratisierung anscheinend gescheitert sei, diese Bewegung doch auf lange Sicht einen enormen Einfluss auf die mexikanische Gesellschaft gehabt habe (Tamayo 1999:514).

6 Fazit

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, verschiedene Definitionen der Zivilgesellschaft zu diskutieren und auf ihre Anwendbarkeit für Mexiko zu prüfen. Wie herausgearbeitet wurde, verstehen diese Definitionen Zivilgesellschaft entweder als Raum zur Austragung politischer Diskussionen oder als Akteur mit einem Bündel von Eigenschaften. Oben wurden die Grenzen dieser Definitionen diskutiert. So bestehen diese Ansätze, oftmals auf die Einhaltung demokratischer und rechtsstaatlicher Regeln innerhalb des Staats und der Zivilgesellschaft. Außerdem sollten zivilgesellschaftliche Organisationen unabhängig von staatlichen Institutionen, speziell Parteien agieren. Darüber hinaus wird die komplette Gewaltfreiheit der Zivilgesellschaft gefordert, sowie deren Verhältnis zu den Massenmedien als demokratiefördernd bewertet. Alle dies trifft auf die Situation in Mexiko eher eingeschränkt zu. Nach Ansicht der Verfasserin sind diese Definitionen mehr als Ideal zu verstehen, denn als Ist-Beschreibungen von gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Im fünften Kapitel wurden die vorangegangenen theoretischen Überlegungen mit der zivilgesellschaftlichen Reaktion auf Ayotzinapa in Verbindung gesetzt.

Ayotzinapa schreibt eine lange Geschichte der Repressionen und Gewalt gegenüber der Zivilgesellschaft und insbesondere der escuelas normales rurales fort. Besonders an diesem Fall, neben dem besonders brutalen Vorgehen, ist die große nationale und internationale Aufmerksamkeit und Solidarität. Obwohl es über ein Jahr nach den Ereignissen leiser um diesen Fall geworden ist, ist die Solidarität doch keinesfalls komplett abgeebbt. Anders als bei den zitierten ciudadanía Konzepten, geht es bei den Protesten für die Studenten von Ayotzinapa nicht um die Erkämpfung neuer Rechte, denn der mexikanische Staat hat mehrere Menschenrechtsabkommen unterschrieben, die extralegale Hinrichtungen, Verschwindenlassen, Folter etc. ganz klar verbieten. Viel mehr ging es anfangs darum, dass diese Studenten mit ihrem sozio- kulturellen Hintergrund als vollwertige ciudadanos anerkannt werden, deren Rechte geachtet werden. Jetzt hat sich dieser Kampf längst ausgeweitet und es geht vielleicht darum, die Situation aller Mexikaner als ciudadanos anzuerkennen, ihre Rechte zu achten und sie zu beschützen, was Staatsaufgabe ist. Gleichzeitg haben sich die Forderungen ausgeweitet und zumindest Teile der Bewegung wollen den mexikanischen Staat basisdemokratisch erneuern. Das Besondere an dieser Organisation ist, dass sie sich unabhängig von staatlichen Strukturen organisiert hat und so tatsächlich unabhängig von den verschiedenen Parteien agieren kann. Man könnte also argumentieren, dass diese Bewegung sich nicht in klientelisitschen Aktionsmustern wiederfindet.

Diese Protestbewegung sorgte dafür, dass Menschen in verschiedensten Kontexten sich zum Thema Ayotzinapa organisieren und eine Art ciudadanía oder transnationale Zivilgesellschaft entstehen bzw. sich festigen konnte, die für die Anerkennung der Rechte ihrer Mitglieder kämpft. Dabei haben sich Beziehungen anhand von empfundenen Gemeinsamkeiten gebildet; Opfer von Polizeigewalt in Paris, Mütter von anderen Verschwundenen, Migrant_innen, ganz verschiedenene Gruppen die sich da zusammengefunden haben mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner: Vivos los llevaron, vivos los queremos.

Auf die Frage der Gewaltfreiheit bei den Protesten ist oben eingegangen worden. In den Artikeln fanden sich meist nur Hinweise auf Ausschreitungen am Rand von Demonstrationen oder Aktionen, wie das Anzünden von Regierungsgebäuden. Auch die mexikanischen Guerrilla Organisationen haben sich in einem überraschenden Ausmaß zu diesen Ereignissen geäußert. Teile der autodefensas und der Policía Comunitaria haben sich ebenfalls mit den Studenten solidarisiert. Dies zeigt, dass auch Akteure die nicht gewaltfrei agieren, Teil der zivilgesellschaftlichen Solidarität sein können.

Ayotzinapa zeichnet insgesamt ein recht positives Bild der mexikanischen Zivilgesellschaft. Trotz der gefährlichen, konfliktiven Situation haben sich viele Menschen solidarisch mit den Studenten und ihren Familien gezeigt. Dies ist zum einen besonders, da jene Studenten als arme, oftmals indigene Jugendliche eigentlich eine eher marginalisierte Gruppe darstellen. Und es zum anderen der Bewegung gelang, Menschen zu politisieren und mobilisieren, die vorher nicht an Demonstrationen teilgenommen hatten.

Die Frage bleibt, ob die Bewegung um Ayotzinapa einer dieser Ausbrüche von Unzufriedenheit ist, von denen Rovira Sancho sprach, oder ob sie eine tiefergehende Veränderung in Mexiko hervorrufen kann.

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[...]


[1] In dieser Arbeit werden die Begriffe (Drogen)Mafia, Narcostraficantes, Drogenkrieg ihres allgemeinen Verständnisses wegen verwendet. Diese Organisationen handeln mit verschiedensten illegalen und legalen Gütern. Schätzungen zufolge stammen nur etwa 52 bis 55 % der Einnahmen der Drogenkartelle, tatsächlich aus dem Drogenhandel (Buscaglia 2010:14). Insgesamt spricht man von 22 verschiedene illegale Geschäftsbereichen wie Drogen-, Menschen-und Organhandel, aber auch der Schmuggel von Gütern, wie zum Beispiel gestohlenem Treibstoff, (Schutzgeld)-Erpressungen, (Video)-Piraterie „and the purchase of votes during elections“ (Reveles 2013:152). Außerdem sind sie eng mit der legalen Wirtschaft verbunden: „[..^participates in or ‘expropriates4 businesses [...] in a wide range of industries, including the avocado business, mining, and transport [,..]“(Lara Klahr 2013:165). Und dies nicht nur in Mexiko, sondern in über 52 Ländern der Welt, darunter auch Deutschland (Buscaglia 2010:28). Bei Baur werden oft Formulierungen wie illegales Machtzentrum (vgl. Baur 2008), die zwar um einiges präziser, allerdings etwas sperrig sind und deswegen hier nicht konsequent benutzt werden. In dieser Arbeit wird oftmals der Begriff Mafiagruppe verwendet, es gilt dabei im Hinterkopf zu behalten, dass diese Organisationen nichts mit den romantisierten Assoziationen aus Hollywoodfilmen zu tun haben.

[2] Landläufig wird in Deutschland Lateinamerika nicht zum „Westen“ gezählt, wahrscheinlich weil der Begriff implizit gleichgesetzt wird mit „Erste Welt“ oder Industrienation. Interessanterweise versteht Mexiko sich selbst jedoch ganz eindeutig als Teil „des Westens“, verstanden als kulturelle Wertegemeinschaft. Dies wird hier übergangen und Lateinamerika nicht zum Westen gezählt.

[3] Meist wird diese Transition zur Demokratie im Zeitraum 1988-2000 angesiedelt. Einige Autoren argumentieren, dass sie mit der Übernahme des Präsidentenamtes durch eine Oppositionspartei als abgeschlossen gelten kann. Andere lehnen diese These ab und vertreten die Ansicht, dass der Transitionsprozess noch nicht abgeschlossen sei.

[4] Universidad de Salamanca, Spanien und Colegio de México, Mexiko.

[5] In San Salvador Atenco, einem Ort im Estado de México wurde 2006 unter dem damaligen Präsidenten des Bundesstaates, Enrique Peña Nieto, eine Demonstration mit massiver Polizeigewalt unterdrückt, dabei gab es zwei Tote, eine Vielzahl Verletze und es kam zum sexuellen Missbrauch von mehreren Frauen (Bizberg 2010:47).

[6] https://www.youtube.com/watch?v=P7XbocXsFkI

[7] 2.542,13 Pesos in städtischen Regionen und 1.614,65 Pesos in ländlichen Regionen (CONEVAL 2015:o.S.). Das sind etwa 140 bzw. 89 Euro.

[8] Etwa 48 bzw. 68 Euro.

[9] Dies ist kein generischer Plural. An dieser Schule gab es nur männliche Studenten.

[10] Am 2. Oktober 1968 wurden von Militärs einige hundert Personen,hauptsächlich Studenten, im Stadtteil Tlatelolco (Mexiko-Stadt) ermordet, weitere verschwanden und die Ereignisse wurden nie wirklich aufgeklärt.

62 von 62 Seiten

Details

Titel
'Qué cosecha un país que siembra cuerpos?' Die Zivilgesellschaft in Mexiko am Beispiel von Ayotzinapa
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
62
Katalognummer
V346939
ISBN (Buch)
9783668364134
Dateigröße
1293 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mexiko, Ayotzinapa, Zivilgesellschaft, gewaltsames Verschwindenlassen
Arbeit zitieren
Friederike Tuitjer (Autor), 2015, 'Qué cosecha un país que siembra cuerpos?' Die Zivilgesellschaft in Mexiko am Beispiel von Ayotzinapa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346939

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