Die Expansion des Straßenverkehrs und die damit verbundenen Probleme rücken die Diskussion über Straßenbenutzungsabgaben wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der tägliche Stau, Verkehrsstockungen und Umweltbelastungen durch den Straßenverkehr gehören inzwischen zum Alltag. Der Ausbau der Kapazitäten der Verkehrsinfrastruktur wird durch knappe Finanzmittel und fehlender Flächen begrenzt. Ein Lösungsvorschlag ist ein fahrleistungsabhängiges Entgelt für die Straßenbenutzung.
Bei dem Gut „Straße“ handelt es sich um ein unreines öffentliches Gut, bei dem Rivalität im Konsum herrscht. Ein zusätzlicher Nutzer übt somit einen externen Effekt auf die anderen Nutzer aus. Diesen externen Effekt gilt es nun durch eine Straßenbenutzungsgebühr zu internalisieren.
Dabei werden einer geeigneten Abgabe drei Aufgaben zugewiesen:
* Als Lenkungsfunktion, um die Nachfrage nach dem knappen Gut „Straße“ so zu
lenken, dass sie an die beschränkt vorhandenen Kapazitäten angepasst wird.
* Als Umweltfunktion, um die mit dem Straßenverkehr verbundenen Umweltschäden
den Verursachern anzurechnen.
* Als Finanzierungsfunktion, um die nötigen Mittel zum Ausbau und Erhaltung des
vorhanden Straßennetzes zu besorgen und die Kosten der Straßenbenutzung den
Straßennutzern verursachungsgerecht anzulasten.
Diese Arbeit wird anhand eines Modells zunächst auf die Lenkungsfunktion eingehen und die effiziente Nutzung vor und nach einer Benutzungsgebühr bei einer gegeben Kapazität bestimmen. Anschließend werden die Auswirkungen einer Kapazitätserhöhung sowohl bei Vorhandensein als auch Fehlen von Straßenbenutzungsgebühren untersucht. Danach wird gezeigt, dass die Erhebung von Straßenbenutzungsabgaben als Lenkungsabgabe auch gleichzeitig die Aufgabe als Finanzierungsabgabe erfüllen kann, wenn man die Bedingungen für eine simultane Bestimmung der effiziente Nutzung und der effiziente Kapazität angibt. Dabei können die Kapazitätskosten mit Hilfe der Einnahmen aus den Straßenbenutzungsgebühren gedeckt werden.
Der distributive Aspekt der Straßenbenutzungsgebühren wird in dieser Arbeit nicht berücksichtigt, so dass sich die Frage der sozialen Gerechtigkeit der Abgaben hier nicht stellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Modellierung der Straßennutzung
2.1 Effiziente Nutzung bei gegebener Kapazität
2.2 Effiziente Kapazität und ihre Wirkung auf die Konsumentenrente
2.3 Optimale Abgabe und optimale Kapazität
3 Theoretische und praktische Probleme
4 Umweltabgabe
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Wirkmechanismen von Straßenbenutzungsgebühren als Instrument zur effizienten Steuerung der Straßennutzung, zur Finanzierung der Infrastruktur sowie zur Internalisierung negativer externer Effekte.
- Modellierung der effizienten Straßennutzung und Kapazitätsplanung
- Analyse der Lenkungs- und Finanzierungsfunktion von Abgaben
- Untersuchung theoretischer und praktischer Implementierungsprobleme
- Integration umweltökonomischer Aspekte in das Preismodell
- Diskussion gesellschaftlicher Akzeptanz und politischer Durchsetzbarkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Effiziente Nutzung bei gegebener Kapazität
Wir betrachten einen bestimmten Straßenabschnitt in einem bestimmten Zeitabschnitt, auf dem zeitgleich eine bestimmte Anzahl von Autos fahren. Die Kapazität der Straße ist mit K gegeben, die Anzahl der Fahrzeuge mit X . Bei der Benutzung der Straße entstehen für jeden Fahrer zwei unterschiedliche Arten von Kosten. Auf der einen Seite sind dies monetäre Kosten in Form von Betriebskosten des Fahrzeugs (Kosten für Treibstoff, Verschleiß des Fahrzeugs etc.). Per Annahme betragen diese monetären Kosten pro Fahrt konstant C , unabhängig von der Verkehrslage. Auf der anderen Seite ergeben sich Reisezeitkosten, die durch die mit den Opportunitätskosten der Zeit bewertete Fahrtdauer entstehen. Dies bedeutet, dass jeder Fahrer bereit wäre, einen bestimmten Betrag dafür zu zahlen, die Fahrtzeit um eine Minute zu verkürzen.
Zur Vereinfachung wird angenommen, dass der Verkehr homogen ist, das heißt die Fahrtzeit und die Opportunitätskosten der Zeit sind für alle Fahrer gleich. Ferner wird unterstellt, dass alle Fahrzeuge identisch sind. Die Reisezeitkosten werden durch eine Funktion Z(X, K) beschrieben. Bis zu einem bestimmten Verkehrsaufkommen X0 ist Z(X, K) konstant, da nur eine geringe Anzahl an Fahrzeugen die Straße benutzt und es noch zu keinen Behinderungen kommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmenden Verkehrsprobleme und stellt Straßenbenutzungsgebühren als Lösungsansatz mit Lenkungs-, Umwelt- und Finanzierungsfunktion vor.
2 Modellierung der Straßennutzung: Dieses Kapitel entwickelt ein ökonomisches Modell zur Bestimmung der effizienten Straßennutzung, optimalen Kapazitätsausweitung und der notwendigen Höhe von Benutzungsgebühren.
2.1 Effiziente Nutzung bei gegebener Kapazität: Es wird analysiert, wie durch die Internalisierung externer Staukosten mittels Gebühren ein effizientes Verkehrsaufkommen erreicht werden kann.
2.2 Effiziente Kapazität und ihre Wirkung auf die Konsumentenrente: Hier werden die Wohlfahrtseffekte einer Kapazitätserweiterung diskutiert und die Bedingungen für eine lohnenswerte Investition in die Infrastruktur abgeleitet.
2.3 Optimale Abgabe und optimale Kapazität: Dieses Kapitel zeigt die mathematischen Bedingungen auf, unter denen die Einnahmen aus Gebühren die Kosten für einen optimalen Kapazitätsausbau decken können.
3 Theoretische und praktische Probleme: Es erfolgt eine kritische Würdigung der Modellannahmen sowie eine Diskussion technischer, gesellschaftlicher und politischer Hürden bei der Einführung.
4 Umweltabgabe: Dieser Abschnitt erweitert das Basismodell um die Komponente externer Umweltkosten, um den Straßenverkehr nachhaltiger zu gestalten.
5 Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die ökonomischen Vorteile zusammen, betont jedoch die Notwendigkeit höherer Transparenz und Akzeptanz für eine erfolgreiche politische Umsetzung.
Schlüsselwörter
Straßenbenutzungsgebühren, Road Pricing, Staukosten, externe Effekte, Kapazitätsausbau, Konsumentenrente, Infrastrukturfinanzierung, Verkehrsmodellierung, Lenkungsfunktion, Umweltabgabe, Wohlfahrtsverlust, politische Akzeptanz, Verkehrsinfrastruktur, Internalisierung, Preiselastizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht ökonomische Modelle zur Steuerung des Straßenverkehrs durch nutzungsabhängige Gebühren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die effiziente Straßennutzung, die Finanzierung von Kapazitätsausbauten und die Internalisierung von Umweltbelastungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Straßenbenutzungsgebühren ökonomisch effiziente Anreize setzen können, um Staus zu vermeiden und den Verkehrsfluss zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse auf Basis finanzwissenschaftlicher Grundlagen und der Mikroökonomik angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die mathematische Modellierung der Nutzung, die Analyse von Kapazitätseffekten, die kritische Diskussion praktischer Probleme sowie die Berücksichtigung von Umweltabgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Road Pricing, Staukosten, Internalisierung externer Effekte und effiziente Kapazitätsplanung.
Warum decken die Gebühren in der Realität oft nicht die Investitionskosten?
Die Arbeit erläutert, dass dies an restriktiven Modellannahmen liegt, wie etwa der Homogenität des Verkehrs und spezifischen Annahmen zur Kostenstruktur des Kapazitätsausbaus.
Welche Rolle spielt die politische Akzeptanz?
Die politische Akzeptanz wird als kritischer Faktor identifiziert, der durch mangelnde Transparenz bei der Mittelverwendung und Befürchtungen sozialer Ungerechtigkeit gefährdet wird.
- Quote paper
- Michael Gierth (Author), 2003, Straßenbenutzungsgebühren: pro und contra, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34753