Ökonomisierung, verstanden als das Vordringen ökonomischer Logiken und Denkweisen in immer mehr Bereiche des sozialen Lebens, ist ein zentrales Thema der Soziologie. In dieser Arbeit werden zwei recht verschiedene theoretische Annäherungen an den Begriff der Ökonomisierung miteinander verglichen: Stephan Lessenichs materialistische Analyse und Armin Nassehis Blick aus Perspektive der Differenzierungstheorie. Die Analysen gleichen sich oft an der Oberfläche, unterscheiden sich aber stark in der Bewertung und Einordnung. Zentrale Motive, die immer wieder durchscheinen, sind Kapitalismuskritik (Lessenich) und Komplexität (Nassehi).
Inhaltsverzeichnis
- Die Ökonomisierung der Gesellschaft
- Eine materialistische Perspektive: Der Weg zur Aktivgesellschaft
- Demokratie, Kapitalismus, Staat
- Geschichte des Wohlfahrtstaats
- Die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft
- Eine differenzierungstheoretische Perspektive: Ökonomisierung als Optionssteigerung
- Differenzierung ohne Zentralinstanz
- Ökonomisierung als Optionssteigerung
- Optionssteigerung als Lösung und Problem
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede
- Historischer Fokus: Spätkapitalismus und Komplexität
- Gesellschaft: Demokratischer Kapitalismus und Ausdifferenzierung
- Semantik: Projektkultur und Invisibilisierung der Ökonomie
- Risiko: Fremdbestimmte Individuen und kollabierende Ökonomie
- Praxis: Soziologische Aufklärung und aufgeklärte Soziologie
- Was ist denn jetzt Ökonomisierung?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Phänomen der Ökonomisierung – der Verbreitung ökonomischer Denkweisen in immer mehr Lebensbereichen – und analysiert zwei unterschiedliche theoretische Ansätze: Lessenichs materialistische Diagnose und Nassehis differenzierungstheoretische Sichtweise. Die Arbeit vergleicht die beiden Ansätze, untersucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die jeweiligen Folgen für das Verständnis von Staat, Gesellschaft und Ökonomie.
- Ökonomisierung als zentrales Thema der Soziologie
- Vergleich zweier theoretischer Ansätze zur Ökonomisierung
- Materialistische Perspektive des Aktivierungsstaats (Lessenich)
- Differenzierungstheoretische Perspektive der Optionssteigerung (Nassehi)
- Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Ansätze
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in das Thema Ökonomisierung ein und definiert die zentralen Aspekte des Phänomens. Es werden die beiden im Folgenden analysierten theoretischen Perspektiven vorgestellt. Kapitel zwei fokussiert Lessenichs materialistische Perspektive und beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen Staat, Demokratie und Kapitalismus im Kontext des Spätkapitalismus. Die Rolle des Staates als Vermittler und die Herausforderungen des "double-bind" werden im Detail untersucht. In Kapitel drei wird Nassehis differenzierungstheoretische Sichtweise auf die Ökonomisierung präsentiert. Hier wird die Ökonomisierung als Spezialfall der Optionssteigerung in ausdifferenzierten Funktionssystemen betrachtet. Kapitel vier analysiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Ansätze. Es werden historische Perspektiven, Gesellschaftskonzepte, semantische Aspekte, Risikobilder und die Rolle der Soziologie im Kontext der Ökonomisierung diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Konzepte von Ökonomisierung, Aktivierungsstaat, Spätkapitalismus, Demokratie, Kapitalismus, Differenzierungstheorie, Optionssteigerung, Funktionssysteme und Soziologische Aufklärung. Die Arbeit beleuchtet die interaktiven Beziehung zwischen ökonomischen Prinzipien und gesellschaftlichen Strukturen, und setzt sich kritisch mit den Folgen der Ökonomisierung für verschiedene Lebensbereiche auseinander.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Ökonomisierung in der Soziologie?
Ökonomisierung beschreibt das Vordringen wirtschaftlicher Logiken (wie Effizienz und Wettbewerb) in soziale Bereiche, die ursprünglich nach anderen Prinzipien funktionierten (z. B. Bildung, Gesundheit oder Privatleben).
Wie sieht Stephan Lessenich die „Aktivgesellschaft“?
Lessenich analysiert dies materialistisch: Der Staat überträgt soziale Verantwortung auf das Individuum. Bürger müssen „aktiv“ werden, was oft eine Form von kapitalistischem Selbstmanagement unter dem Deckmantel der Eigenverantwortung ist.
Was versteht Armin Nassehi unter „Optionssteigerung“?
Aus differenzierungstheoretischer Sicht sieht Nassehi die Ökonomisierung als Mittel, um Optionen in einer komplexen Gesellschaft zu erhöhen. Geld dient dabei als Medium, das verschiedene Systeme kompatibel macht.
Was ist der Hauptunterschied zwischen Lessenich und Nassehi?
Lessenich übt scharfe Kapitalismuskritik und sieht Fremdbestimmung, während Nassehi die Ökonomisierung eher als funktionales Phänomen zur Komplexitätsbewältigung ohne moralische Wertung betrachtet.
Welche Rolle spielt der Wohlfahrtsstaat in dieser Debatte?
Die Arbeit untersucht, wie sich der Wohlfahrtsstaat vom Versorger zum „Aktivierungsstaat“ wandelt und welche Auswirkungen dies auf die soziale Gerechtigkeit und die individuelle Freiheit hat.
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- Anonym (Author), 2015, "Aktivgesellschaft" und "Ökonomisierung als Optionssteigerung". Zwei Perspektiven auf Ökonomisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349126