Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Implementierung und Gestaltungsmöglichkeiten in einer Sozialeinrichtung Ecuadors


Hausarbeit, 2016
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ein Überblick
2.1 Kurzdarstellung Ecuadors
2.2 Beschreibung der Einrichtung Fundación A.
2.3 Kurzer Tätigkeitsbericht

3 Ausgewählte Handlungsfelder
3.1 Schulunterricht
3.2 Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen
3.3 Einbindung der Kinder und Jugendlichen in den Heimalltag und Tagesgestaltung
3.4 Selbstversorgung

4 Beurteilung und Verbesserungsvorschläge

5 Reflexion der Praxiserfahrung

6 Fazit

Verzeichnis der benutzten Literatur und Quellen

1 Einleitung

Aufgrund verheerender Probleme wie der Überschreitung ökologischer Grenzen[1], irreversibler und plötzlicher Umweltveränderungen[2] sowie der damit einhergehenden Folgen für das Ökosystem Erde[3] gewinnt ein ressourcenschonender Umgang mit der Natur zunehmend an Bedeutung. Sowohl ökologische als auch ökonomische und soziale Themenfelder sollen den Gedanken der Nachhaltigkeit gleichrangig sowie gleichwertig definieren.[4]

Die Relevanz nachhaltiger Entwicklung rückte spätestens mit der von 180 Staaten[5] unterschriebenen Agenda 21 ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.[6]

„Das Nachhaltigkeitsprinzip umschreibt das Bemühen der Weltgemeinschaft, allen Ländern und Völkern gleiche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und dabei ausdrücklich auch die Interessen nachfolgender Generationen zu berücksichtigen.“[7]

Inzwischen hat sich der Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ weltweit etabliert[8] und auch die Bedeutsamkeit von Erziehung und Bildung als Voraussetzung für ebendiese wurde anerkannt.[9]

Doch wie sieht diesbezüglich die Umsetzung in einem Entwicklungsland aus? Welchen Stellenwert hat nachhaltige Entwicklung in einem von politischer Instabilität gekennzeichneten Land, das eine relativ hohe Rate an Analphabeten und zugleich eine immense, schützenswerte Biodiversität vorweist?[10] Jene Fragen sollen mithilfe der nachfolgenden Praxisreflexion beantwortet werden. Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit werden ausgewählte Tätigkeitsfelder in einem Kinderheim mit integrierter Schule im Andenhochland Ecuadors durchleuchtet und beurteilt.

2 Ein Überblick

Um Schwierigkeiten und Herausforderung der Bildung und Erziehung für nachhaltige Entwicklung in einem Dritte-Welt-Land nachvollziehbar zu machen, soll dieses Kapitel einen kurzen Überblick über die Situation vor Ort in Ecuador bieten. Hierbei nähert sich die Betrachtungsweise von einem allgemeinen Überblick des Landes hin zur Mikroebene des Heimalltags.

2.1 Kurzdarstellung Ecuadors

Die nach der Äquatorlinie benannte Republik Ecuador liegt im Nordwesten Südamerikas.[11] Aufgrund der vier geografischen Zonen - Küstenregion, Andenhochland, Amazonasgebiet sowie Galapagos-Inseln – und der damit einhergehenden Flora und Fauna, handelt es sich bei Ecuador um eines der mannigfaltigsten Länder weltweit.[12] Die Exportgüter des Andenstaates sind vor allem Erdöl, Bananen, Kaffee, Kakao sowie Thunfisch, wobei eine deutliche Abhängigkeit Ecuadors vom Erdölsektor festzustellen ist.[13]

Ecuador ist, wie viele lateinamerikanische Staaten, von einer hohen sozialen Ungleichheit geprägt.[14] Vor allem die indigene Bevölkerung, welche die ländlichen Gebiete des Landes bewohnt, sowie die in Küstennähe lebenden Afro-Ecuadorianer sind von Armut betroffen.[15] Für den Großteil der Bevölkerung gibt es lediglich unzureichende Bildungsmöglichkeiten, sodass, aufgrund der Erwerbslosigkeit der Eltern und der schwachen wirtschaftlichen Situation der Familie, oftmals bereits Kinder arbeiten.[16]

In einem Land wie Ecuador, das auf kleinstem Raum eine einmalige Flora und Fauna beherbergt[17], stellen Artenvielfalt und Rohstoffbestand einerseits[18] und Ressourcenübernutzung sowie Verschmutzung fragiler Ökosysteme andererseits[19] einen verheerenden Widerspruch dar.

2.2 Beschreibung der Einrichtung Fundación A.

Im Norden des südamerikanischen Staates, südlich der Hauptstadt Quito und in der Nähe des Dorfes Conocoto, befindet sich die Fundación (span. Stiftung) A.. Sie soll den Kindern und Jugendlichen der sozialen Einrichtung einen guten Start ermöglichen, damit sie später ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen können.

Im Kinderheim leben in der Regel zwischen 20 und 30 Kinder, welche zwischen null und 17 Jahre alt sind. Hierbei handelt es sich vor allem um Straßenkinder, Waisen, Kinder von Gefängnisinsassen, Drogenabhängigen oder jene, die zu Hause physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt wären.[20] Im Heim werden sie von zwei bis vier angestellten tías (span. Tanten), deren fester Wohnsitz die Sozialeinrichtung ist, betreut.

Die angegliederte Schule nimmt darüber hinaus Kinder der angrenzenden Gemeinde auf, welche von montags bis freitags vormittags unterrichtet werden. Die 1993 gegründete Einrichtung A. wird vor allem durch externe Spendengelder finanziert und ist auf die Unterstützung Freiwilliger angewiesen.

2.3 Kurzer Tätigkeitsbericht

Im Rahmen eines selbstorganisierten Aufenthaltes war ich für acht Wochen Lehrerin, Erzieherin, große Schwester und Ersatzmutter zugleich. Mein Tätigkeitsbereich war vielfältig. Zu den Mahlzeiten morgens, mittags und abends half ich beim Zubereiten der Speisen und diversen Haushaltstätigkeiten. Hieß es vor meiner Anreise noch, dass ich Englisch unterrichten werde, kristallisierte sich ziemlich schnell heraus, dass ich für meine Zeit vor Ort die dritte Klasse übernehmen sollte. Somit entlastete ich die Lehrkräfte und unterrichtete neben Englisch auch Mathematik und Spanisch - die beiden anderen Fächer der dritten Klassenstufe. Am Nachmittag unterstützte ich die Schülerinnen und Schüler bei den Hausaufgaben, las ihnen etwas vor und spielte oder bastelte mit ihnen. Außerdem gab es jeden Nachmittag eine dreistündige Aufgabe, die ich mit der gesamten Gruppe von Kindern erledigte. Diese gemeinsame Tätigkeit war zwingend notwendig, da sie dem Allgemeinwohl und der Versorgung aller diente. Hierbei handelte es sich beispielsweise um das Sortieren von Gemüse, das Pflegen des Gewächshauses und des Hühnerstalls oder das Schälen und Auslesen von Mais, was im August die am häufigsten anfallende Pflicht darstellte.

3 Ausgewählte Handlungsfelder

Aufgrund der Tatsache, dass der Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt Ecuadors von großer Bedeutung ist,[21] kann und muss vor allem im Erziehungs- und Bildungsbereich an Themen der nachhaltigen Entwicklung gearbeitet werden.[22] Um aufzuzeigen, inwiefern dies in der zuvor vorgestellten Sozialeinrichtung umgesetzt wird, werden nachfolgend einige ausgewählte Aspekte vorgestellt und im folgenden Kapitel vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und der Bildung der nachhaltigen Entwicklung betrachtet.

3.1 Schulunterricht

Der Unterricht umfasst die Fächer Mathematik, Spanisch und Englisch. Pro Klasse gibt es eine Lehrerin, die Mathematik und Spanisch unterrichtet. Englisch soll von den Volontären übernommen werden. Insgesamt ist negativ festzustellen, dass die Lehrkräfte sehr schlecht ausgebildet sind und oftmals selbst in ihrer eigenen Sprache Fehler machen, sodass Nichtmuttersprachler die spanische Sprache vor allem schriftlich besser beherrschen. Darüber hinaus ist die vorherrschende Unterrichtsform der Frontalunterricht, welcher sich ausschließlich durch einen Lehrervortrag auszeichnet.

3.2 Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen

In Zusammenarbeit mit einem Ausbilder aus der Region bietet die Fundación einjährige Kurse in ihrem Gewächshaus an.[23] Aber auch Professionalisierungsmaßnahmen wie der Unterricht in der hauseigenen Bäckerei oder Schreinerei vermitteln den Schülerinnen und Schülern praktisch anwendbares Wissen. Die Ausbildung vor Ort im Gewächshaus ist mit Theoriearbeit kombiniert, was an das duale System in Deutschland erinnert und das Lernen anschaulicher gestaltet.[24]

Bildung ist für die ohnehin schon sozial benachteiligten Jugendlichen der Fundación sehr wichtig. Aber auch junge Erwachsende aus der Umgebung, die größtenteils über eine lediglich unzureichende Schulbildung verfügen, haben die Möglichkeit, an einem Kurs teilzunehmen. Kurse und Ausbildungen im Gewächshaus bieten ihnen somit eine Zukunftsperspektive, da sie sich zum einen besser auf dem Arbeitsmarkt positionieren und zum anderen auch ihre eigenen Ackerflächen sinnvoll bewirtschaften können. Dies entspricht dem Gedanken der Nachhaltigkeit, da die Schülerinnen und Schüler nicht nur Kenntnisse über heimisches Obst und Gemüse erlangen, sondern sich grundlegendes Wissen aneignen, welches von der Bodenbeschaffenheit, über die Aussaat und Pflege bis hin zum Verkauf reicht. Aufgrund dessen haben sie die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die angebotenen Kurse stellen somit einen ersten Schritt auf dem Weg der Existenzsicherung dar.

[...]


[1] Vgl. Becker, Markus: Ressourcen. Menschheit treibt Natur über Belastungsgrenzen, in: Spiegel Online (15.01.2015). URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/planetary-boundaries-belastungsgrenzen-der-erde-ueberschritten-a-1013203.html (Abrufdatum: 28.08.2016); vgl. Umweltbundesamt: Überschreitung der Belastungsgrenzen für Eutrophierung (19.06.2015). URL: http://www.umweltbundesamt.de/daten/bodenbelastung-land-oekosysteme/ueberschreitung-der-belastungsgrenzen-fuer-0 (Abrufdatum: 28.08.2016).

[2] Vgl. Buczko, Christina: Internationale Ressourcenpolitik und globale Verantwortung, in: Fritz, Judith / Tomaschek, Nino (Hrsg.): Gesellschaft im Wandel. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Perspektiven (University – Society – Industry, Band 5). Münster: Waxmann 2016, S. 218.

[3] Vgl. Ökosystem Erde: Globale Umweltveränderungen (o.J.). URL: http://www.oekosystem-erde.de/html/globale-aenderungen.html (Abrufdatum: 19.09.2016).

[4] Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit: Drei Säulen Modell (18.11.2015). URL: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/1_3_a_drei_saeulen_modell_1531.htm (Abrufdatum: 24.08.2016).

[5] Vgl. Michelsen, Gerd / Rode, Horst / Wendler, Maya / Bittner, Alexander: Außerschulische Bildung für nachhaltige Entwicklung. Eine Bestandsaufnahme am Beginn des 21. Jahrhunderts (DBU-Umweltkommunikation, Band 1). München: Oekom 2013, S. 13.

[6] Vgl. Ruschkowski, Eick von: Lokale Agenda 21 in Deutschland - eine Bilanz (05.08.2002). URL: http://www.bpb.de/apuz/26785/lokale-agenda-21-in-deutschland-eine-bilanz?p=all (Abrufdatum: 28.08.2016).

[7] Bauer, Steffen: Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung (06.05.2008), in: Bundeszentrale für politische Bildung. URL: http://www.bpb.de/izpb/8983/leitbild-der-nachhaltigen-entwicklung?p=all (Abrufdatum: 26.08.2016).

[8] Vgl. Wulfmeyer, Meike: Bildung für Nachhaltige Entwicklung im globalen Kontext. Das Beispiel Namibia. Frankfurt am Main und London: IKO – Verlag für Interkulturelle Kommunikation 2006, S. 7.

[9] Vgl. Rieß, Werner: Grundlagen der empirischen Forschung zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE), in: Heino Apel (Hrsg.): Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Aktuelle Forschungsfelder und -ansätze. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006, S. 9.

[10] Vgl. Loch, Karolin: Wenn Kinder arbeiten. Pädagogische Interventionen zwischen Wertschätzung und Ablehnung. El Proyecto – Ecuador. Berlin und Münster: LIT 2012, S. 112.

[11] Vgl. Auswärtiges Amt: Ecuador (o.J.). URL: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Nodes_Uebersichtsseiten/Ecuador_node.html (Abrufdatum: 24.08.2016).

[12] Vgl. Reiselexikon: Geografie/ Zeitzone/ Karte zu Ecuador (2016). URL: http://www.reiselexikon.de/gebiet-a-z/suedamerika/ecuador/ecuador-informationen/geografie-zeitzone-karte.html (Abrufdatum: 19.09.2016).

[13] Vgl. Auswärtiges Amt: Ecuador. Wirtschaft (03.2016). URL: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Ecuador/Wirtschaft_node.html (Abrufdatum: 13.09.2016).

[14] Vgl. Loch, Karolin: Wenn Kinder arbeiten, S. 113.

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. Loch, Karolin: Wenn Kinder arbeiten, S. 101.

[17] Vgl. Rieckmann, Marco / Adomßent, Maik / Aguirre, Patricia: Das internationale Seminar "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und Biodiversität" in Ecuador - ein Ort Globalen Lernens?, in: ZEP - Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik. Münster: Waxmann 2010, S. 21-26.

[18] Vgl. Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH: Ecuador (o.J.). URL: https://www.giz.de/de/weltweit/399.html (Abrufdatum: 20.09.2016).

[19] Vgl. Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH: Klimawandel, Biodiversität und nachhaltige Entwicklung. Projektkurzbeschreibung (o.J.). URL: https://www.giz.de/de/weltweit/28111.html (Abrufdatum: 20.09.2016).

[20] Vgl. Juntos! – gemeinsam für Kinder in Ecuador: Fundación A. (o.J.). URL: http://www.juntos.ch/verein/fundacion_aliambi/index.html (Abrufdatum: 25.09.2016).

[21] Vgl. Aguirre Mejía, Patricia: Sustentabilidad: Principios y prácticas. Göttingen: CUVILLIER VERLAG 2015, S. 1.

[22] Vgl. Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung: Kapitel 36. Förderung der Bildung, der Bewusstseinsbildung und der Aus- und Fortbildung, in: Agenda 21. Rio de Janeiro 1992, S. 329-336.

[23] Vgl. Juntos! – gemeinsam für Kinder in Ecuador: Gemüseanbau (o.J.). URL: http://www.juntos.ch/projekte/gemueseanbau/index.html (Abrufdatum: 20.08.2016).

[24] Vgl. Die Bundesregierung: Exportschlager duale Ausbildung (25.04.2013). URL: https://www.bundesregierung.de/ContentArchiv/DE/Archiv17/Artikel/2013/04/2013-04-24-exportschlager-duale-ausbildung.html (Abrufdatum: 24.08.2016).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Implementierung und Gestaltungsmöglichkeiten in einer Sozialeinrichtung Ecuadors
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Bildungs- und Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Nachhaltige Entwicklung
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V349709
ISBN (eBook)
9783668367814
ISBN (Buch)
9783668367821
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildung, nachhaltige, entwicklung, implementierung, gestaltungsmöglichkeiten, sozialeinrichtung, ecuadors
Arbeit zitieren
Lena Sauer (Autor), 2016, Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Implementierung und Gestaltungsmöglichkeiten in einer Sozialeinrichtung Ecuadors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/349709

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