Die Gruppe „Los Solidarios“ und das Attentat auf Kardinal Juan Soldevilla y Romero

Politische und gesellschaftliche Entwicklung in Spanien


Hausarbeit, 2013
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Themenschwerpunkt und zentrale Fragestellung
1.2 Historische Einordnung

2. Das Attentat und die beteiligten Personen
2.1 Die Tat
2.2 Die Gruppe Los Solidarios
2.3 Das Opfer / Erzbischof Juan Soldevila y Romero

3. Politische und Gesellschaftliche Entwicklung in Spanien (1931 bis heute)
3.1 Spaniens Weg zur Demokratie
3.2 Gesellschaftliche Entwicklungen

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Themenschwerpunkt und zentrale Fragestellung

Spanien gilt als modernes Land mit einem Hauch Exotik. Es ist bekannt für seine bailaores (Flamencotänzer), die mit den Füßen stampfen und in bunten Rüschenkleidern herumwirbeln, für toreros (Stierkämpfer), die in der Arena mutig herumstolzieren, und für eine Menge Sonnenanbeter, die Sangria aus Eimern zu dampfender Paella genießen.

Viele von uns werden genau dies mit Spanien in Verbindung bringen. Hierbei bleibt den meisten verborgen mit welchen politischen Problemen Spanien jahrzehntelang zu kämpfen hatte. Allem voran seien hier zwei Ereignisse genannt: Erstens der spanische Bürgerkrieg (1936 – 1939) und Zweitens die darauf folgende fast 40 Jahre andauernde Diktatur unter Francisco Franco.

Das Thema der vorliegenden Hausarbeit ist das Attentat auf den Kardinal von Zaragoza durch die anarchistische Gruppe Los Solidarios und die Entwicklung politischer und gesellschaftlicher Strukturen in Spanien.

Nach einer kurzen historischen Einordnung werde ich im ersten Teil meiner Arbeit zunächst auf das von der anarchistischen Gruppe Los Solidarios auf den Kardinal von Zaragoza verübte Attentat im Jahr 1923 eingehen. Hierbei werde ich mich mit den Hintergründen und Folgen der Tat auseinandersetzen. Außerdem werde ich die Attentäter und das Opfer näher betrachten und aufzeigen, warum der Kardinal zur Zielscheibe der Los Solidarios wurde und welche Motive diese zum Attentat bewegten.

Im zweiten Teil meiner Arbeit werde ich die Entwicklung politischer und gesellschaftlicher Strukturen in Spanien darstellen. Auf politischer Ebene werde ich mich mit der Zeit vor dem Spanischen Bürgerkrieg bis zur Demokratie auseinandersetzen. Es gilt zu klären, wie es Spanien gelang aus den Wirren des Bürgerkrieges und der anschließenden Diktatur den Weg zur Demokratie zu beschreiten.

Auf gesellschaftlicher Ebene widme ich mich der Aufarbeitung der Vergangenheit in Spanien. Der Fokus liegt hierbei auf dem Umgang mit der eigenen Vergangenheit und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Entwicklung.

Die Wahl des Themas erfolgte aufgrund eigenen Interesses, da ich spanische Wurzeln habe und mir diese Seite Spaniens bisher nur aus Erzählungen meiner Großeltern bekannt war. Ich selbst kannte Spanien lediglich als eine junge, jedoch sehr gefestigte Demokratie und als wichtiges Mitglied der Europäischen Union.

1.2 Historische Einordnung

Am 04. Juni 1923 fiel Kardinal Juan Soldevilla y Romero in Zaragoza einem Attentat der Gruppe Los Solidarios zum Opfer. Um die Gründe für ein solches Attentat auf einen geistlichen Vertreter nachvollziehen zu können, bedarf es der Auseinandersetzung mit dem Spanien des 19. Jahrhunderts. Betrachtet man das Spanien der damaligen Zeit, so fällt auf, dass die spanische Gesellschaft im Vergleich zu Mitteleuropa eine deutliche Verzögerung ihres Modernisierungsprozesses erlebte.[1] Dieser Prozess rief Spannungen zwischen den verschiedenen politischen Lagern hervor. Wie bereits zu Zeiten der französischen Revolution von 1789 fürchteten die monarchistischen Kreise in Spanien um den Verlust ihrer Privilegien.

Die gesellschaftlichen Veränderungs- und Liberalisierungsprozesse des 19. Jahrhunderts, die in Spanien später als in anderen Staaten Europas einsetzten, führten hier zu keiner bedeutenden Schwächung jener Gesellschaftsschichten.[2]

Im Spanien des 19. und 20. Jahrhunderts herrschten daher immer noch schwerwiegende Ungleichgewichte. „Im Jahr 1930 verfügte der Großgrundbesitz über etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche“.[3] In der Industrie hingegen waren die Strukturen der Industrie sehr unausgewogen. Das Bürgertum, welches sich aus Bauern und Arbeitern zusammensetzte, hatte mit dem Problem der Uneinigkeit zu kämpfen. Verschiedene Regionen entwickelten sich verschieden, dies führte zu einer ungleichen Entwicklung. Auch die katholische Kirche sah sich einem Wandel gegenüber. So versuchte sie zwar ihren Herrschaftsanspruch zu bewahren, sah sich aber mit dem Anarchismus sympathisierenden Volksmassen konfrontiert, die meist Antiklerikal eingestellt waren.[4] Als Folge der Industrialisierung kann von einer „neuen“ Gruppe von Arbeitern gesprochen werden. Dies traf vor allem in Großstädten wie Barcelona zu, um die sich viel Industrie ansiedelte. Im Jahr 1917 kam es zum großen Generalstreik.[5] „Damals war ganz Spanien im Streik und man begann sich in Gewerkschaften zu organisieren“.[6] Erst im Jahr 1923 kam es zu einem bedeutsamen politischen Wechsel. Dieser erfolgte durch einen Putsch von General Primo de Rivera, welcher Spanien in die Diktatur führte. Er regierte zusammen mit König Alfons XIII., wobei der König nur wenig Einfluss auf das politische Geschehen hatte und eher eine Statistenrolle ausfüllte.[7] Allerdings verlor der Diktator durch seine katastrophale Wirtschaftspolitik den Rückhalt in der Bevölkerung und wenig später auch den seiner Offiziere, welche die wichtigste Stütze Primo de Riveras gebildet hatten. Er wurde abgesetzt und verstarb wenig später in seinem Exil in Paris.[8] Der König ließ aufgrund des Unmuts in der Bevölkerung Wahlen abhalten und dankte 1931 nach einem niederschmetternden Wahlergebnis ab. Somit war die Zeit der Monarchie in Spanien vorerst beendet. Im Jahr 1931 begann die Phase der Zweiten Republik.[9] Von Beginn an hatte diese „neue“ demokratische Staatform mit politischen und ökonomischen Problemen zu kämpfen. Diese angespannte Lage nutzten rechtsgerichtete Teile der Armee unter Führung des Generals Francisco Franco für einen Staatsstreich gegen die gewählte linke Regierung und lösten damit den Spanischen Bürgerkrieg 1936 – 1939 aus.[10] Nachdem die Faschisten unter General Franco die Auseinandersetzung für sich entscheiden konnten, folgte die Diktatur, welche auch Franquismus genannt wird. Dieses Regime hatte bis zum Tod des Diktators im Jahr 1975 Bestand und wurde erst im Jahr 1977 mit den ersten freien Wahlen beendet.[11]

2. Das Attentat und die beteiligten Personen

2.1 Die Tat

Als die Repressalien gegen die Anarchistische Bewegung in Spanien immer absurdere Ausmaße annahmen, machte es sich die Gruppe Los Solidarios zur Aufgabe konterrevolutionäre Persönlichkeiten zu beseitigen. Zu ihren Opfern gehörten Regierungsangestellte, Militärs sowie Geistliche. Also Personen, die direkt für die terroristische Politik gegen die Anarchisten verantwortlich waren.[12] Zaragoza, der Ort an dem das Attentat ausgeführt werden sollte, galt unter den Anarchisten keineswegs als sichere Zuflucht. Das Gegenteil war der Fall. Die lokale Presse bezeichnete die Anarchisten als Banditen. Dies hinderte die beiden späteren Attentäter Francisco Ascaso und Rafael Torres Escartín nicht daran, die Reise dorthin anzutreten und sich in einer unauffälligen Wohnung niederzulassen. Zaragoza beherbergte viele Pistoleros. Diese verübten Gewalttaten, Raubüberfälle und Morde an Syndikalisten. All diese Verbrechen wurden von der lokal ansässigen Presse verfälscht. Die Anarchisten kamen zu dem Schluss, dass nur eine Aktion von großem psychologischem Ausmaß die Gewalt stoppen konnte. Man suchte nun nach einer Persönlichkeit, welche bei einem Großteil der Bevölkerung in Ungnade gefallen sei. Diese Person war der Kardinal-Erzbischof Soldevilla. Man beschloss die Vorbereitungen eines Attentats und sah dies als Möglichkeit die Bevölkerung für die Sache der Anarchisten zurück zu gewinnen.[13]

Die Ausführung des Attentats erfolgte am 4. Juni 1923. Am frühen Nachmittag verließ ein schwarzer Wagen den Palast des Erzbischofs von Zaragoza. Ein Chauffeur fuhr den Kardinal Soldevila und seinen Neffen in ein Landhaus in El Terminiollo außerhalb von Zaragoza. Der Wagen hielt vor dem Eingangstor und der Chauffeur erwartete, dass es geöffnet wurde. In diesem Moment feuerten zwei Männer aus nächster Nähe mehrere Schüsse auf den Wagen und deren Insassen. Der Kardinal wurde tödlich getroffen, sein Neffe und der Chauffeur überlebten schwer verletzt. Die Täter verschwanden und es gab kaum Zeugen, die Angaben zum Ablauf der Bluttat machen konnten. Die Nachricht über das Attentat verbreitete sich in rasender Geschwindigkeit. Die Regierung reagierte schon wenige Stunden später und befand, dass die Angelegenheit schnellstmöglich zu klären sei. Schon bald ging es nicht mehr darum, die eigentlichen Täter zu ergreifen, sondern vielmehr darum, einen bzw. mehrere Sündenböcke zu präsentieren, so dass die Ermittlungen erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Die Polizei soll hierbei Geständnisse durch Folter erpresst haben. Auf Grundlage dieser Geständnisse wurden im späteren Verlauf mehrere Prozesse sowohl gegen Anarchisten als auch Syndikalisten angestrengt.[14]

2.2 Die Gruppe Los Solidarios

Diese Gruppe Los Solidarios gilt als Drahtzieher des Attentats auf den Erzbischof von Zaragoza. Zwei Mitglieder der Los Solidarios sollen das Attentat auf den Kardinal ausgeführt haben, ihre Namen sind Francisco Ascaso und Rafael Torres Escartín. Beide gelten als Mitglieder der CNT (anarchosyndikalistische Gewerkschaft) und der militanten Gruppe Los Solidarios.

Los Solidarios wurden gegründet um dem weißen Terror entgegenzutreten. Dieser gilt als Konterbewegung zu dem Aufbegehren der Arbeiter und deren Gewerkschaften. Die Gruppe gründete sich 1920 aufgrund großer sozialer Unruhen, später wurde sie als Kampfgruppe in die FAI eingegliedert, konnte aber weiterhin relativ unabhängig agieren. Anfangs bestand die Gruppe aus etwa zwölf Mitgliedern. Unter anderem die heute noch bekannten Personen Buenaventura Durruti und Francisco Ascaso.[15]

[...]


[1] Walther L. Bernecker, Krieg in Spanien 1936 – 1939. Darmstadt 2005, S. 1f.

[2] zit. Carlos Collado Seidel, Der Spanische Bürgerkrieg. München 2010, S. 15.

[3] zit. Ebd.

[4] Pierre Vilar, Kurze Geschichte zweier Spanien. Berlin 1987, S. 9.

[5] Seidel, Der Spanische Bürgerkrieg, S. 21.

[6] zit. Hans Magnus Enzensberger, Der kurze Sommer der Anarchie. Frankfurt a. M. 2009, S. 21.

[7] Hugh Thomas, Der Spanische Bürgerkrieg. Berlin West 1964, S. 33f.

[8] Ebd., S. 34.

[9] Franz Borkenau, Kampfplatz Spanien. Stuttgart 1986, S. 63f.

[10] Carlos Collado Seidel, Der Spanische Bürgerkrieg. München 2010, S. 37 -51.

[11] Walther L. Bernecker, Sören Brinkmann, Kampf der Erinnerungen. Bremen 2006, S. 229 - 231.

[12] Abel Paz, Durruti. Hamburg 1994, S. 51.

[13] Abel Paz, Durruti. Hamburg 1994, S. 57f.

[14] Ebd., S. 59 - 61.

[15] Hans Magnus Enzensberger, Der kurze Sommer der Anarchie. Frankfurt a. M. 2009, S. 38f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Gruppe „Los Solidarios“ und das Attentat auf Kardinal Juan Soldevilla y Romero
Untertitel
Politische und gesellschaftliche Entwicklung in Spanien
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Das Attentat in der Geschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V350562
ISBN (eBook)
9783668372153
ISBN (Buch)
9783668372160
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Geschichtswissenschaften, Bürgerkrieg, Spanien, Attentat, Los Solidarios, Durruti, Spanischer Bürgerkrieg, Neuere und Neuste Geschichte
Arbeit zitieren
Ittai Moraweck (Autor), 2013, Die Gruppe „Los Solidarios“ und das Attentat auf Kardinal Juan Soldevilla y Romero, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350562

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Gruppe „Los Solidarios“ und das Attentat auf Kardinal Juan Soldevilla y Romero


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden