Die Arbeit soll aufzeigen, ob es sich bei Mandela um einen Charismatiker, wie Weber ihn beschrieben hat, handelt. Aufgrund der Kürze dieser Arbeit wird sich auf den Rivonia-Prozess und die Inhaftierung Mandelas beschränkt.
Vorerst wird der Begriff des Charisma erläutert, die Merkmale werden dargestellt und die Veralltäglichung des Charisma wird kurz angeschnitten. Daraufhin wird kurz Mandelas Biographie dargestellt und der entscheidende Rivonia-Prozess wird erläutert. Dabei wird auf die Fakten eingegangen, um darauf aufbauend Mandelas Rolle während des Prozesses zu erläutern. Weiter wird auf die Inhaftierung Mandelas auf Robben Island eingegangen, es werden verschiedene Situationen dargestellt und anhand des Charismabegriffs nach Weber untersucht. Auch die Verlegung in das Gefängnis Pollsmoor wird kurz angeschnitten. Im Fazit wird aufgezeigt, ob Mandela dem Charismabegriff Webers gerecht wird.
In dieser Arbeit spielt die Hautfarbe der Menschen eine wichtige Rolle, nach Recherchen ist es leider nicht gelungen, einen passenden Ausdruck für die verschiedenen Hauttypen zu finden. Aufgrund dessen werden Begriffe wie „Weiße“, „Schwarze“, „Schwarzafrikaner“ etc. synonym für die Menschen verschiedener Herkunft genutzt, dabei handelt es sich ganz klar um keine rassistische Abgrenzung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charisma nach Max Weber
2.1 Merkmale von Charisma
2.2 Veralltäglichung von Charisma
3. Nelson Mandela
3.1 Nelson Mandelas erster Gefängnisaufenthalt auf Robben Island
3.2 Der Rivonia-Prozess
3.3 Die langjährige Haftstrafe Nelson Mandelas und die Frage nach Charisma
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Nelson Mandela während seiner langen Haftzeit als Charismatiker im Sinne der soziologischen Definition von Max Weber betrachtet werden kann. Dabei steht insbesondere die Analyse seines Verhaltens während der Inhaftierung auf Robben Island sowie im Kontext des Rivonia-Prozesses im Fokus, um zu prüfen, inwieweit die Weber'schen Kriterien für eine charismatische Herrschaft auf ihn zutreffen.
- Charismabegriff nach Max Weber
- Prozess der Veralltäglichung von Charisma
- Politischer Werdegang Mandelas und Rivonia-Prozess
- Entwicklung eines "mythischen Images" während der Haft
- Emotionale Bindung zwischen Mandela und seinen Mitgefangenen
Auszug aus dem Buch
3.1 Nelson Mandelas erster Gefängnisaufenthalt auf Robben Island
Im Jahr 1962 wurde Mandela verhaftet, er wurde wegen Aufruf zum Streik und illegaler Auslandsreisen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach einem halben Jahr im Gefängnis in Pretoria wurde Mandela mit den Mithäftlingen unter menschenunwürdigen Bedingungen – unter anderem das Urinieren der Wärter auf die Häftlinge – nach Robben Island gebracht. Mandela war bewusst, um was für ein Gefängnis es sich handelte. Ziel des Gefängnisdirektors und der Wärter war es die Gefangenen zu demütigen und zu demoralisieren. Besonders Wärter wie die Kleynhans-Brüder sollen zwischen 1962 und 1964 fast täglich Übergriffe auf die politischen Gefangenen ausgeübt haben. Während des ersten kurzen Aufenthalts auf Robben Island begriff Mandela, „dass das Verhalten der Wärter von dem Verhalten der Gefangenen ihnen gegenüber bestimmt wird.“
Schon bei dem ersten Aufeinandertreffen Mandelas und einem der Kleynhans-Brüder zeigte er sich rebellisch. Trotz der Aufforderung, dass Mandela zügig zu seiner Zelle gehen solle, verlangsamte dieser das Tempo. Das Verhalten Mandelas gegenüber den Beamten war grundsätzlich mutig, er widersprach ihnen und widersetzte sich Anweisungen. Aber das tat er immer mit Respekt und dem Bewusstsein der rechtlichen Situation. So drohte er einem Beamten, ihn zu verklagen, da dieser sich negativ über die Länge der Haare eines Mithäftlings äußerte. Nach dem kurzen Aufenthalt wurde Mandela wieder nach Pretoria verlegt, der Rivonia-Prozess begann kurz darauf unter strenger Beobachtung der Öffentlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Relevanz des Charismabegriffs nach Max Weber für die politische Figur Nelson Mandela und steckt den Untersuchungsrahmen (Rivonia-Prozess und Haft auf Robben Island) ab.
2. Charisma nach Max Weber: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen Webers, insbesondere die Definition von Charisma als irrationale Gnadengabe und den Prozess der Veralltäglichung, wenn eine charismatische Herrschaft in stabile Strukturen übergeht.
3. Nelson Mandela: Dieser Hauptteil beleuchtet Mandelas Biographie und Wirken; er analysiert seine Rolle als Anführer während der Inhaftierung, die Wechselwirkungen mit Wärtern und Mitgefangenen sowie die Entstehung seines mythischen Status.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Mandela zwar viele Züge eines Charismatikers aufweist, eine exakte Einordnung in Webers Idealtypus aufgrund der komplexen Bedingungen und der Dauerbeziehung jedoch nur bedingt möglich ist.
Schlüsselwörter
Max Weber, Charisma, Nelson Mandela, Robben Island, Rivonia-Prozess, Apartheid, charismatische Herrschaft, Veralltäglichung, Widerstand, politische Führung, Mythos, Gefängnis, soziale Identität, Macht, Zuschreibungsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Nelson Mandela basierend auf der soziologischen Theorie von Max Weber während seiner Inhaftierung als charismatische Persönlichkeit eingestuft werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das weberianische Charismakonzept, die politische Entwicklung Mandelas vor und während seiner Haftzeit sowie die Dynamiken zwischen Mandela, seinen Mithäftlingen und dem Gefängnispersonal.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Mandelas Wirken im Gefängnis Robben Island anhand der Kriterien für Charisma zu prüfen und zu bewerten, inwiefern seine Führungsposition mit Webers Definition übereinstimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Einordnung durch die Konzepte von Max Weber und wendet diese analytisch auf historische Fakten und biographische Ereignisse rund um Nelson Mandela an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Haftbedingungen, dem Verhalten Mandelas gegenüber Wärtern, seiner Rolle innerhalb der Häftlingsgemeinschaft und der medialen sowie öffentlichen Wahrnehmung als Symbolfigur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Charisma, Max Weber, Nelson Mandela, Robben Island, Apartheid und charismatische Herrschaft.
Wie beeinflusste der Rivonia-Prozess die Wahrnehmung Mandelas?
Der Prozess festigte Mandelas Rolle als Anführer des Widerstands gegen das Apartheidsregime und führte zu einer weltweiten Aufmerksamkeit, die entscheidend zur Entstehung seines späteren "mythischen Images" beitrug.
Inwiefern spielen die Wärter eine Rolle bei Mandelas charismatischer Zuschreibung?
Die Interaktionen mit den Wärtern, insbesondere Mandelas Fähigkeit, durch Sprache und Verhalten Einfluss auszuüben und eine Art Respektverhältnis aufzubauen, werden als Indiz für seine außeralltägliche Wirkung angeführt.
Führt die lange Haftzeit zwangsläufig zur "Veralltäglichung" des Charismas?
Die Arbeit diskutiert dies kritisch: Während eine Dauerbeziehung nach Weber zur Veralltäglichung führen sollte, zeigt die Untersuchung, dass Mandelas Charisma innerhalb der Gefängnisstrukturen trotz langer Zeit fortbestand, was eine eindeutige Kategorisierung erschwert.
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- Jennifer Pietsch (Author), 2014, Ist Nelson Mandela während seiner Inhaftierung zum Charismatiker nach der Definition Max Webers geworden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350580