In dieser Hausarbeit wird ein Konzept für ein Programm zum Coaching von Patienten am Beispiel der Erkrankung Depressive Episode (ICD10 Code: F32) entwickelt.
Dafür wird die Depression als Erkrankung erst einmal im Sinne einer medizinischen Grundlage für ein Coaching mit ihren Symptomen und Schweregraden beschrieben. Die Häufigkeit des Auftretens wird untersucht, wobei zwischen der Prävalenzrate und der Inzidenzrate unterschieden wird. Wichtig ist die wirtschaftliche Sicht auf den Einsatz von Mitteln der Solidargemeinschaft für Maßnahmen innerhalb eines Patientencoachings, sofern es von der Krankenkasse finanziert wird. Private Unternehmen, welche von Krankenkassen eingekauft werden, streben das Formalziel der Wirtschaftlichkeit ebenfalls an. Die finanzielle Sinnhaftigkeit, ein solches Konzept zu entwerfen, muss im Vorfeld geklärt werden. Deshalb widmet sich den Fehltagen durch Arbeitsunfähigkeit ein gesonderter Abschnitt des ersten Teils der vorliegenden Arbeit. Unter anderem anhand dieser Daten lässt sich ein Einsparungspotential durch Verhinderung eben dieser Fehltage berechnen. Im Konzept selbst finden sich die Einkreisung der Zielgruppe, die rechtlichen Grundlagen und auch Erläuterungen zum Datenschutz. Der Finanzierungsaspekt muss aus Platzgründen eher kurz gehalten werden, findet aber als fester Bestandteil eines solchen Programms Erwähnung.
Dafür bekommen die Teilnehmeridentifikation und Einschreibung mehr Raum, da dieses Thema doch sehr komplex ist. Hierbei und auch beim nächsten Punkt, den Kennzahlen und der Evaluation, wurde versucht möglichst vollständig, aber nicht ausschweifend zu beschreiben, wie die Schritte der Identifikation und Einschreibung ablaufen. Es wird klar argumentiert, warum diese Kennzahlen gewählt wurden. Die Entscheidung fiel auf die Einschreibequote als quantitativen Aspekt und auf die Teilnehmerzufriedenheit als qualitativen Aspekt. Im Anschluss wurden drei typische Interventionsformen eines Patientencoachings ausgewählt und zur besseren Anschaulichkeit an bereits bestehenden Beispielen aus der Praxis beschrieben. Der Patientencoach arbeitet nicht ganz für sich allein, sondern unterhält Kontakte zu anderen Akteuren des Gesundheitswesens. Als Schnittstellen findet der Leser beispielhaft den Arzt, die Krankenkasse und zusätzlich, als neue und interessante Schnittstelle, die Apotheke.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Depression
2.1 Depressive Episode
2.2 Depressive Episoden und Fehltage
3 Konzept für ein Patientencoaching
3.1 Rechtliche Grundlagen
3.2 Datenschutz
3.3 Finanzierung
3.4 Teilnehmeridentifikation und Einschreibung
3.5 Zwei Kennzahlen und Evaluation
3.6 Drei Interventionsformen
3.6.1 Laufende telefonische Betreuung
3.6.2 Online Projekt mit integriertem Diskussionsforum
3.6.3 Online-Unterstützungsprogramm als Selbsthilfe
4 Zwei Schnittstellen in andere Sektoren
5 Patientencoaching/Fallmanagement
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwickelt ein Konzept für ein Patientencoaching-Programm am Beispiel der depressiven Episode (ICD-10 Code: F32), um durch präventive Maßnahmen und verbessertes Selbstmanagement die Versorgungssituation zu optimieren und krankheitsbedingte Fehltage sowie Folgekosten zu reduzieren.
- Medizinische und gesundheitsökonomische Grundlagen der Depression.
- Rechtliche Rahmenbedingungen, Datenschutz und Finanzierung von Coaching-Angeboten.
- Prozesse der Teilnehmeridentifikation, Einschreibung und Evaluation.
- Vergleich und Anwendung verschiedener Interventionsformen wie Telefonbetreuung und Online-Module.
- Schnittstellenmanagement zwischen Patientencoaching und Fallmanagement.
Auszug aus dem Buch
3.6.1 Laufende telefonische Betreuung
Diese Interventionsform wird heute schon durch viele Krankenkassen umgesetzt. Sie kann die Lücke überbrücken, nach einem Krankenhausaufenthalt beim Warten auf einen ambulanten Therapieplatz entsteht. Diese Wartezeit beträgt ungefähr drei Monate und kann viele Erfolge der stationären Therapie schmälern. Die Betreuung über das Telefon schließt diese Versorgungslücke. Auch ist es so möglich, Menschen mit einer Depression zusätzlich zu einer ärztlichen Betreuung über eine längere Zeit zu begleiten. Dies führt z.B. die Anycare GmbH Stuttgart mit dem Betreuungsprogramm „ProPerspektive“ über ein ganzes Jahr durch. Einige Krankenkassen bieten die Teilnahme an diesen Programm kostenlos an. Tendenziell zeichnet sich dadurch ein Rückgang an Rezidiven ab. Die Lebensqualität der Betroffenen bessert sich, die Behandlungskosten werden gesenkt, wie die Erfahrungen der Debeka zeigen. Ärzte werden durch das Programm nicht ersetzt, sondern unterstützt. Ein zentraler Punkt ist die Aufklärung über die Medikation und die Motivation zur Medikamenteneinnahme. Es wird ein individueller Hilfeplan entwickelt, der ein Leitfaden für die autonome Bearbeitung von Krisen sein soll. Die telefonische Betreuung ist in diesem Programm ein Teilaspekt, da in Einzelfällen auch Hausbesuche gemacht werden. Ein Rückblick zur Evaluation: durch die Datensammlung ermittelten Debeka und Anycare eine Einschreibequote von 15 bis 16 % aller angeschriebenen (zuvor stationär behandelten) Patienten. Die stationären Kosten der Teilnehmer lagen 30% unter denen der Kontrollgruppe (wobei die ambulanten Kosten leicht stiegen). Die Teilnehmerzufriedenheit lag bei 93 bis 94%.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit erläutert die Entwicklung eines Coaching-Konzepts für Patienten mit depressiver Episode, um Versorgungslücken zu schließen und ökonomische Einsparpotenziale zu identifizieren.
2 Depression: Dieses Kapitel beschreibt die klinische Symptomatik und die epidemiologische Relevanz von Depressionen sowie deren ökonomische Folgen durch Arbeitsunfähigkeit.
3 Konzept für ein Patientencoaching: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen, datenschutzrechtliche Aspekte, Finanzierungsmodelle und methodische Schritte zur Implementierung eines Coaching-Programms dargelegt.
4 Zwei Schnittstellen in andere Sektoren: Der Abschnitt verdeutlicht die Einbettung des Patientencoachs in ein interdisziplinäres Netzwerk, insbesondere die Kooperation mit Ärzten und Apotheken.
5 Patientencoaching/Fallmanagement: Es erfolgt eine differenzierte Abgrenzung zwischen den Tätigkeitsfeldern Patientencoaching und Case Management sowie eine Analyse möglicher Synergien.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird der Nutzen von Coaching bei Depressionen betont, wobei auf die Bedeutung einer evidenzbasierten Evaluation und einer kooperativen Versorgungsstruktur verwiesen wird.
Schlüsselwörter
Patientencoaching, Depressive Episode, ICD-10, Arbeitsunfähigkeit, Krankenkassen, Gesundheitswesen, Prävention, Case Management, Selbstmanagement, Gesundheitspsychologie, Versorgungsmanagement, Evaluation, E-Health, Psychische Erkrankungen, Compliance.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption eines patientenzentrierten Coaching-Programms zur Unterstützung von Menschen mit der Diagnose einer depressiven Episode.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Aspekte sind die medizinischen Grundlagen, die ökonomische Relevanz, rechtliche und datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen sowie die praktische Umsetzung von Coaching-Interventionen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist die Entwicklung eines Programms, das durch Unterstützung beim Selbstmanagement die Lebensqualität der Patienten verbessert und durch die Verhinderung von Folgeerkrankungen oder Rückfällen Kosten im Gesundheitssystem einspart.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Analyse aktueller Statistiken zur Arbeitsunfähigkeit und der deskriptiven Darstellung von Praxisbeispielen und Versorgungsmodellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Krankheit Depression, die Anforderungen an ein Coaching-Konzept (Recht, Daten, Finanzierung) sowie die Vorstellung spezifischer Interventionsformen wie Telefonbetreuung und Online-Selbsthilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Patientencoaching, Depressive Episode, Arbeitsunfähigkeit, Case Management und Versorgungsmanagement.
Wie unterscheidet sich Patientencoaching vom Case Management?
Während sich das Patientencoaching auf die Förderung der Eigenkräfte und des individuellen Gesundheitsverhaltens konzentriert, steuert das Case Management den Klienten prozessorientiert durch das gesamte Gesundheitssystem.
Warum ist die Schnittstelle zur Apotheke für das Konzept relevant?
Die Apotheke spielt eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung der Medikamenten-Compliance, was für den Behandlungserfolg bei Depressionen von hoher Bedeutung ist.
- Quote paper
- Rubi Mauer (Author), 2016, Programm zum Coaching von Patienten. Depressive Episode (ICD 10 Code: F32), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/350878