Filmische Völkerverständigung zwischen Israelis und Ägyptern. Filmanalyse zu "Die Band von Nebenan" von Eran Korilin


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Historie
1.2 Inhaltsangabe

2. Deutung
2.2.Tawfiq und Khaled
2.3.Tawfiq und Dena
2.4. Simon und Itzhik

3. Schlussgedanken

4. Literatur

1. Einleitung

„Vor nicht allzu langer Zeit traf ein kleines ägyptisches Polizeiorchester in Israel ein. Kaum jemand erinnert sich daran. Es war nicht weiter wichtig.“

Mit diesem Satz wird der Film „The Band´s Visit“, zu Deutsch: „Die Band von Nebenan“ vom des israelischen Regisseur Eran Kolirin, der Gegenstand dieser Analyse sein soll, eingeleitet. Rahmen zur Filmanalyse bildet das Seminar „Interkulturelle Pädagogik“ an der Fachhochschule Potsdam im Studiengang Soziale Arbeit. Der Film spielt in Israel und behandelt das Thema der Völkerverständigung zwischen Israelis und Arabern, im speziellen zwischen Israelis und Ägyptern. Er handelt von einem Polizeiorchester aus Alexandria, welches in Israel ein Konzert geben soll. Das Orchester gerät jedoch an den falschen Ort und muss zwangsläufig eine Nacht bei fremden israelischen Gastgebern übernachten, was zu unterschiedlichsten Begegnungen führt. Ich habe den Film zur Analyse gewählt, da mich das Thema Israel und der Konflikt mit den arabischen Staaten, aufgrund von Reiseerfahrungen in die Region, und dort geschlossenen Bekanntschaften, sehr beschäftigt. Die Geschichte und deren Auswirkungen, die der Konflikt zwischen Arabern und Israelis in sich trägt, sind nicht nur in der Region spürbar, sondern geraten seit mehreren Jahren zunehmend in Mitteleuropa, auch in Deutschland in den Fokus. Hierbei denke ich an Demonstrationen gegen und für Israel, Palästina sowie an Islam- und Judenfeindlichkeit. Das Thema „Nahost“ ist Medial präsent und scheinbar, nicht zuletzt durch die besondere Beziehung zwischen Deutschland und Israel, gerade für uns Deutsche ein Thema von immanenter Wichtigkeit. Ich halte den Film in Hinsicht auf die Interkulturelle Pädagogik sehr geeignet. Er behandelt zwar ein politisches Thema, stellt dieses allerdings als eine Metaebene dar und rückt die menschlichen Handlungen, jenseits eines lang anhaltenden Konflikts zwischen Staaten und Kulturen in den in den Vordergrund. Als erstes werde ich eine kurze Zusammenfassung über das, was die Ägyptische und die Israelische Nation in der Vergangenheit zu bewältigen hatten, machen. Hierfür wird ein Einblick in die historischen Ereignisse, die das Verhältnis beider Länder geprägt haben, gegeben werden. Dies ist nötig, um die eben genannt Metaebene erkennen zu können. Anschließend werde ich den Inhalt des Filmes in seiner chronologischen und inhaltlichen Abfolge wiedergeben. Im Kern der Analyse, welche sich hier nicht auf ihre filmtechnischen Aspekte beziehen soll, werde ich die Haupthandlungsstränge und Charaktere des Filmes beschreiben und hinsichtlich des kulturellen und historischen Kontext zu interpretieren. Dazu werden die für den Film wichtigsten Beziehungen, welche sich in der Filmhandlung ergeben beschrieben und die Handlungsweise und Interaktionen gedeutet. Da die Originalsprache des Filmes in Englisch ist, werden die Filmzitate ebenfalls in dieser Sprache niedergeschrieben. Es soll die Frage bearbeitet werden, welche Aussagen und Funktionen die Handlungen der Protagonisten bezwecken und was sie beim Zuschauer bewirken könnten. Es wird aufgrund des gesetzten Rahmens nicht möglich sein, jedes Detail des Filmes zu beleuchten und zu analysieren. Für den Einblick in die Historie werde ich mich auf die Literatur „Krisenherd Naher Osten“ von Klaus Hornung und „ Über Anwar El Sadat“ von Hamdy Mahmoud Azzam beziehen. Hinzu kommen Zeitschriften und Internetquellen, um verschiedene kulturelle Aspekte zu beleuchten. Ansonsten ist der Film selbst die maßgebliche Quelle.

1.1 Historie

Wenn man den Film und seine Handlung verstehen will, muss man verstehen, in welchem Verhältnis sich die Länder Israel und Ägypten, aus denen die Protagonisten im Film kommen, gegenüberstehen. Die Beziehung zwischen den beiden Staaten ist maßgeblich durch den arabisch- israelischen Konflikt geprägt. Man könnte sagen, die Nachbarn stünden in einem Verhältnis, das man als tiefreichend problematisch bezeichnen könnte und welches durch einen sehr komplexen historischen und politischen Hintergrund gekennzeichnet ist[1]. Für viele Araber stellte die Gründung des jüdischen Staates Israel 1948 ein großes Problem dar. Die arabischen Staaten, welche sich in Anreihnerschaft zu Israel befinden argumentierten, dass auf dem Boden des Landes Palästina, welches nun Israel ist, seit dem siebten Jahrhundert Araber sesshaft sind, welche nun durch die Gründung des Staates Israel vertrieben wurden und weswegen in mehreren Kriegen versucht wurde Israel zu bekämpfen. Israel hingegen argumentierte bei seiner Gründung mit dem Recht auf Palästina, welches sich aus der Geschichte und als von der Bibel bestätigter Heimat ergibt.[2] Der Konflikt um die Gebiete entwickelte sich zum längsten und tiefreichendsten in der Region.[3] Die Personen, die im Film in Erscheinung treten, werden auch vor diesem historischen Hintergrund handeln. Zum Beispiel wird einer der Protagonisten Bilder von Shimon Peres, dem damaligen Staatspräsidenten und mehrmaligen Ministerpräsidenten Israels[4] sowie Bilder von israelischen Panzern voller Ekel betrachten und schließlich seine Uniformmütze davorhängen. Ägypten, aus dem der eine Teil der Charaktere im stammt, galt unter den sogenannten „Frontstaaten“, jene, die direkt an Israel angrenzen, bis 1973 als der gefährlichste und stärkste Gegner Israels […].[5] Israel und Ägypten waren seit der Gründung Israels 1948 in vier Kriege verwickelt, in denen es jeweils um Grenzen und Zugänge zum Suezkanal, eienr wichtigen Handelsroute, ging.[6] Im Sechstage Krieg im Jahr 1967, hatte Israel u.a. die ägyptische Halbinsel Sinai, das Westjordanland, Gaza und die Golanhöhen erobert und anschließend besetzt gehalten. Der Krieg brach aus, da die arabischen Staaten zu einem Militärschlag ausholten, der Israel vernichten sollte. Ägypten verhängte im Vorfeld eine Seeblockade gegen Israel im Roten Meer, was zu einer ökonomischen Isolierung führte. Israel gelang es trotz der militärisch quantitativen Überlegenheit der arabischen Staaten durch einen Präventivschlag diese zu besiegen. Vor allem Ägypten musste die Zerstörung seiner Luftwaffe durch die Israelis und die Besetzung der Sinai-Halbinsel hinnehmen.[7] Die Niederlage im Sechstagekrieg, bedeutete durch die erlittenen Niederlagen eine Demütigung für alle beteiligten arabischen Armeen. „Dass die heiligen Stätten der Patriarchengräber in Hebron, Rachels Grab und die Klagemauer von Jerusalem unter Israels Macht kamen, gab dem Sieg etwas von biblischer Verheißung und Erfüllung - und machte das Friedenschließen um so schwerer.“[8] Durch Waffenlieferungen der UdSSR an Ägypten und die Verbindung Israels zur USA bestand die Gefahr, die Region könne zu einem weiteren Austragungsort der Supermächte im Kalten Krieg werden. Hierdurch erstarkten die Bemühungen des ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat, für Frieden in der Region zu sorgen. Er versuchte die Beziehungen zu Israel zu entspannen, indem er eine Friedensinitiative vor dem ägyptischen Parlament ankündigte. Diese beinhaltete, dass Israel sich aus dem vom ihm besetzten arabischen Gebieten von 1967 zurückziehen sollte, ein Heimatstaat für die Palästinenser geschaffen werden und gleichzeitig Ägypten Israel als Staat anerkennen sollte. Hinzu kam die Ausarbeitung eines Friedensvertrages mit Israel, welches jedoch auf seiner „Sicherheitstheorie“ beharrte. Diese besagte, dass die eigene Sicherheit auf der Besatzung des arabischen Umlandes beruhe. Spannungsbegünstigend kam die Ungleichheit der militärischen Stärke beider Länder hinzu, in welcher Israel klar überlegen war und worunter somit die Bereitschaft zur politischen Auseinandersetzung erheblich litt. Durch einen Militärschlag gegen die israelischen Streitkräfte auf besetztem arabischem Boden sollte Israel die Notwendigkeit einer diplomatischen und politischen Auseinandersetzung beider Länder vor Augen geführt werden. Dies führte zu einer erneuten militärischen Auseinandersetzung im Jahr 1973, welche man den Jom Kippur- oder Oktoberkrieg nannte. Im Jahr 1979 schlossen Israel und Ägypten unter Menachem Begin und Anwar El Sadat, nach Besuchen beider Regierungschefs im jeweilig anderen Land, ein Friedensabkommen in den USA.[9] Es ist also zu erkennen, dass die beiden Staaten über lange Zeit in einem heißen und kalten Konflikt steckten, der beide Völker beeinflusst haben sollte. Auch die noch immer bestehenden Spannungen zwischen Israel und anderen arabischen Staaten und Völkern wird die Haltung der Protagonisten beeinflussen.

1.2 Inhaltsangabe

Der Film handelt von einer ägyptischen Polizeikappelle, bestehend aus acht Mitgliedern, welche in der israelischen Stadt Petah Tikva, in einem arabischen Kulturzentrum ein Konzert abhalten soll. Der Film beginnt damit, dass die Band am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv landet und von einem Kleinbus abgesetzt wird. Durch schlechte Ausschilderungen, Verständigungsprobleme, ein Missverständis und den Stolz des Orchesterchefs Tawfiq Zacharyah, welcher es ablehnt die ägyptische Botschaft in Israel um Hilfe zu bitten, landet die Kapelle in der kleinen trostlos scheinenden Wüstenstadt Bet Hatikvah. Hier treffen die acht Musiker auf vor einem kleinen Restaurant auf Dena, Papi und Itzhik. Sie erklären Tawfiq, dass sie in die falsche Stadt gefahren sind. Nachdem die Band die diese schon wieder zu Fuß verlassen wollte, entscheiden sie sich nach einem kurzen Streit zwischen Orchesterchef Tawfiq und dem jungen Khaled, der im Grunde verantwortlich für die Lage ist, zu dem Restaurant zurückzugehen und nach einer kleinen Mahlzeit zu fragen. Bereits im Restaurant, das eigentlich eher wie Kiosk anmutet, beginnen Simon der Co- Chef und Klarinettist, Tawfiq und der junge Violinist und Trompeter Khaled vorsichtig in Kontakt mit den drei Israelis zu kommen. Es stellt sich heraus, dass es keine weitere Busverbindung an diesem Tag geben wird, die es den Ägyptern erlauben würde aus der Wüstenstadt wieder wegfahren zu können. Dena bietet Tawfiq an, dass die Band bei ihr, Itzhik und im Restaurant übernachten kann. Tawfiq, zunächst skeptisch, willigt aufgrund der Lage, in der er und seine Kollegen sich befinden, zögernd ein. Er und der junge Khaled übernachten bei Dena. Nach einer eher verhaltenen Runde mit Kaffee und Melone, überredet Dena den zurückhaltenden Bandchef, den sie „Mr. General“ nennt, mit ihm auszugehen. Während des Abends, den sie zusammen in einer Schawarma Bar und einem Park verbringen, entwickelt sich eine sehr persönliche Beziehung zwischen den beiden, sie reden über Musik, das Orchester und ihr Leben. Derweil sind Simon und zwei andere Orchestermitglieder bei Itzhik und seiner Familie untergekommen. Beim gemeinsamen Abendessen, es ist der Geburtstag von Itzhik´s Frau, gibt es zu Anfang große Ressentiments auf beiden Seiten. Auch hier kommen sich, zumindest die männlichen Protagonisten beider Seiten, über die Musik etwas näher. Auch zwischen Simon und Itzhik entwickelt sich eine persönliche Beziehung. Itzhik, der Probleme mit seiner Frau hat, redet mit Simon darüber und hilft ihm gleichzeitig, ein Stück für eine Ouvertüre auf der Klarinette zu vollenden. Khaled begibt sich währenddessen mit dem verängstigt wirkenden Papi, den er schon aus dem Restaurant kennt und dessen Freund sowie zwei Mädchen auf eine Nachttour. Sie besuchen eine Rollschuhdisko, wo Khaled dem verschüchterten Papi dabei hilft, eines der Mädchen, mit denen sie unterwegs sind, näher zu kommen. Am Ende der Nacht, liegt Tawfiq in seinem Bett und erwacht. Als er ein wenig benommen, sich ankleidend durch die Wohnung von Dena läuft, entdeckt er, wie Dena und Khaled miteinander schlafen. Am nächsten Morgen versammeln sich alle Bandmitglieder vor dem Restaurant, in dem sie am Vorabend aßen. Tawfiq verabschiedet sich im Namen der Band, so scheint es, von Dena. Auch Papi und Itzhik sind da, um die Band, die sich militärisch geordnet an der Straße aufgestellt hat, zu verabschieden. Am Ende des Filmes kommt die Band schließlich nach Petah Tikva und spielt ihr Konzert, weswegen sie nach Israel gekommen ist.

[...]


[1] Vgl. Hornung, Klaus: Krisenherd Naher Osten. Geschichten- Fakten- Hintergründe. Beltz/Weinheim.1991. S.110

[2] Vgl. ebd. S.110 ff

[3] Vgl. Hornung 1991, S.111

[4] Vgl. Mansur, G. Abdullah u.A.: Shimon Peres http://www.britannica.com/EBchecked/topic/451349/Shimon-Peres zuletzt aktualisiert am 23.07.2014, (abgerufen am 31.01.2015)

[5] Vgl. Hornung 1991, S. 113

[6] Rauch, Michael: Ägypten, 2., aktualisierte Auflage, Ostfildern 2010

[7] Vgl. Botschaft des Staates Israel. Abteilung Öffentlichkeitsarbeit: Der Sechs Tage Krieg (5.- 10. Juni) Ursachen – Verlauf – Folgen, Berlin 2007, abgerufen unter: http://www.botschaftisrael.de/wp-content/uploads/2012/05/Der-Sechs-Tage-Krieg.pdf (abgerufen am 27.01.2015)

[8] Stürmer, Michael: Der Sieg von 1967 und sein Preis, In: Die Welt am 31.05.2007, abgerufen unter: http://www.welt.de/welt_print/article908142/Der-Sieg-von-1967-und-sein-Preis.html (abgerufen am 01.02.15)

[9] Vgl. Azzam, Hamdy Mahmoud: Über Anwar el Sadat, Stuttgart, Poller (Biographische Skizzen), 1982 S. 38 ff

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Filmische Völkerverständigung zwischen Israelis und Ägyptern. Filmanalyse zu "Die Band von Nebenan" von Eran Korilin
Hochschule
Fachhochschule Potsdam  (Sozialwesen)
Veranstaltung
Interkulturelle Pädagogik
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V351259
ISBN (eBook)
9783668377783
ISBN (Buch)
9783668377790
Dateigröße
1195 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle Pädagogik, Nahost Konflikt, Filmanalyse, Israel, Ägypten, Kulturkonflikt, Sechs-Tage-Krieg, Jom-Kippur-Krieg, Nahostkonflikt, Völkerverständigung, Israeli, Ägypter
Arbeit zitieren
Johannes Trubel (Autor), 2015, Filmische Völkerverständigung zwischen Israelis und Ägyptern. Filmanalyse zu "Die Band von Nebenan" von Eran Korilin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351259

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