Diese Arbeit hat das Ziel, einen differenzierten Blick auf die Islamische Republik Iran zu richten. Neben dem vergangenen Schah Regime steht insbesondere die islamische Revolution und die Installation des Islamischen Regimes im Mittelpunkt einer genauen Analyse. Sie soll die Idee der Theokratie kritisch hinterfragen und schließlich feststellen, inwiefern Iran ein fundamentalistischer oder moderner Staat ist. Am Ende soll der Leser imstande sein, aktuelle Entwicklungen im mittleren Osten selbst bewerten zu können und sich nicht mehr auf Wertungen seitens unserer Presse stützen zu müssen.
Als Ayatollah Khomeini am 16. Februar des Jahres 1979 in seine Heimat zurückkehrte, konnte keiner ahnen, dass dies die Geburtsstunde eines absolut neuen Staates war. Iran wurde durch seine Revolution zur Islamischen Republik. Moderne, liberale, europäische Normen und Werte wurden durch am Koran ausgelegte Verhaltensweisen ersetzt. Modernität musste der Tradition weichen. Anstelle eines modernen Strafrechts, trat ein islamisches, die Scharia. Bald schon kamen Berichte über martialische, menschenverachtende Prozesse und Strafen an die Weltöffentlichkeit. Bis heute hält sich das Image eines blutrünstigen Staates. Menschenrechte, das fundamentale System mit seiner theokratischen Ideologie und dessen totalitäre Haltung stehen seitdem im Fokus der Internationalen Berichterstattung.
Durch Auswertung unterschiedlicher, aktueller und geschichtlicher Quellen soll diese Arbeit ein möglichst objektives Bild über die IRI vermitteln. Aktuelle Ereignisse werden bis zum Stand vom November 2010 berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geographische und religiöse Einordnung
3. Vom Perserreich zur Islamischen Republik
3.1. Der Weg zum Schiitischen Bekenntnis
3.2. Iran seit der frühen Neuzeit
3.2.1. Safawidische Herrschaft (1501-1722)
3.2.2. Iran unter den Kâdschâren (1770-1925)
3.3. Dynastie der Pahlavi von 1925-1979
3.3.1. Reza Schah – Der erste Mann im Staat
3.3.2. Amtszeit von Mohammed Reza Schah
3.4. Die Person Ruhollah Khomeini
3.4.1. Frühe Jahre
3.4.2. Kopf der Anti-Schah-Bewegung
3.4.3. Revolution mit der Rückkehr aus französischem Exil
3.5. Die Islamische Republik Iran
3.5.1. Gründung – Eine religiöse Revolution?
3.5.2. Wesen – Regime bleibt Regime
4. Kehrseite der Revolution: Der Fundamentalismus im Iran
4.1. Definition des Begriffs ‚Fundamentalismus’
4.2. Das Fundamentalistische System
4.3. Fundamentalismus in der Öffentlichkeit
4.3.1. Fundamentalismus und freie Meinungsäußerung
4.3.2. Fundamentalismus in der Rechtssprechung
4.3.3. Fundamentalismus gegenüber Frauen
4.4. Fundamentalismus in Medien und Politik
4.4.1. Fundamentalismus in Medien und Meinungsbildung
4.4.2. Fundamentalismus in der Politik
4.5. Der Iran – Ein Gottesstaat!?
5. Fundamentalismus versus Moderne
5.1. Definition des Begriffs ‚Moderne’
5.2. Von Krieg über Rafsanjani zu Khatami
5.3. Iran in der heutigen Zeit
5.3.1. Die Amtszeit Mahmud Ahmadinedschads
5.2.3. „Iran und die nukleare Bedrohung“
6. Fazit und Zukunftsaussichten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Transformation des Iran von der Pahlavi-Monarchie zur Islamischen Republik und analysiert, inwieweit das heutige politische System als fundamentalistisch oder modern einzustufen ist. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine differenzierte historische und politische Quellenanalyse ein objektives Bild der Islamischen Republik zu vermitteln, um dem Leser eine eigenständige Bewertung der aktuellen Entwicklungen im Mittleren Osten jenseits einseitiger medialer Berichterstattung zu ermöglichen.
- Historische Genese des Schiitentums und die Entwicklung des iranischen Staates.
- Analyse des theokratischen Systems und der Rolle der Geistlichkeit (Velayat-e-faqih).
- Untersuchung fundamentalistischer Einflüsse auf Rechtswesen, Frauenrechte und öffentliche Freiheit.
- Spannungsfeld zwischen fundamentalistischer Staatsideologie und den Anforderungen der Moderne.
- Die Rolle des Iran in internationalen Konflikten, insbesondere des Nuklearprogramms.
Auszug aus dem Buch
Die Person Ruhollah Khomeini
„Khomeini (1902-1989) war ein schiitischer Ayatollah und der politische und spirituelle Führer der Islamischen Revolution in Iran von 1978-1979. [...] Khomeini gilt als der Gründer der Islamischen Republik in Iran. [...] Er war bis zu seinem Tod 1989 als Oberster Rechtsgelehrter deren Staatsoberhaupt.“
Sayyed Ruhollah Musawi Al Khomeini wurde 1902 geboren und wuchs als Waisenkind bei Verwandten auf. „Der Koran [...] war ihm schon in jungen Jahren die einzige Leitlinie. Die Mystik des schiitischen Islam prägte ihn, eine Mystik, die Leidensfähigkeit und Märtyrerbereitschaft ebenso einschließt wie das Engagement für die sozial Schwachen und die Auflehnung gegen jede weltliche, als gottlos empfundene Macht.“ 1920 zieht er nach Qum, um sich dort zum Mullah ausbilden zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Islamischen Republik 1979 und definiert die Zielsetzung der Arbeit, eine kritische Analyse des theokratischen Systems und der Fundamentalismus-Frage vorzunehmen.
2. Geographische und religiöse Einordnung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die geographischen Eckdaten des Iran sowie die religiöse Zusammensetzung der Bevölkerung mit Fokus auf den schiitischen Islam.
3. Vom Perserreich zur Islamischen Republik: Hier wird der historische Weg vom Schiitentum über die Pahlavi-Dynastie bis zur Machtergreifung Khomeinis und der Gründung der Islamischen Republik nachgezeichnet.
4. Kehrseite der Revolution: Der Fundamentalismus im Iran: Dieses Kapitel analysiert das theokratische System, seine totalitären Züge, die Einschränkung von Grundrechten und die Rolle des Klerus in Politik, Justiz und Gesellschaft.
5. Fundamentalismus versus Moderne: Der Abschnitt betrachtet das Spannungsverhältnis zwischen der Ideologie des Regimes und den Modernisierungsbemühungen sowie die politische Entwicklung von Rafsanjani über Khatami bis Ahmadinedschad.
6. Fazit und Zukunftsaussichten: Das Fazit fasst die Identitätskrise des Iran zusammen und appelliert an eine Reformation des Systems hin zu einem pluralistischen, rechtsstaatlichen Staat.
Schlüsselwörter
Iran, Islamische Republik, Fundamentalismus, Theokratie, Ayatollah Khomeini, Scharia, Moderne, Politisches System, Pahlavi, Menschenrechte, Rechtsgelehrter, Opposition, Ahmadinedschad, Gesellschaft, Identitätskrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Transformation des Iran von der Monarchie zur Islamischen Republik und untersucht die Struktur und Ideologie des dort herrschenden theokratischen Regimes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, der Ausübung politischer Macht durch Geistliche, dem Einfluss fundamentalistischer Regeln auf das gesellschaftliche Leben und dem Konflikt mit westlichen Werten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, ob der Iran ein fundamentalistischer oder ein moderner Staat ist und wie sich das Spannungsfeld zwischen religiöser Dogmatik und gesellschaftlicher Realität gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Auswertung historischer und aktueller Quellen, um ein möglichst objektives Bild der Islamischen Republik zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung bis zur Revolution, eine detaillierte Analyse der fundamentalistischen Machtstrukturen und eine Untersuchung der politischen Ären von der Post-Khomeini-Zeit bis hin zur Ära Ahmadinedschad.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Fundamentalismus, Theokratie, Scharia, Menschenrechte und das Spannungsfeld zwischen Moderne und Tradition bilden den Kern der terminologischen Analyse.
Wie definiert das Buch das Verhältnis zwischen Religion und Politik im Iran?
Das Buch beschreibt das iranische System als eine Theokratie, in der Religion und Staat als unauflösbare Einheit betrachtet werden und alle Gesetze und Aktivitäten dem Willen Gottes bzw. dessen Interpretation durch Geistliche unterworfen sind.
Welche Rolle spielt der Wächterrat innerhalb der Machtstruktur?
Der Wächterrat fungiert als zentrales Kontrollorgan, das Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit dem Islam prüft und die Wahlen durch die Selektion der Kandidaten maßgeblich beeinflusst.
- Arbeit zitieren
- Benedikt Schneider (Autor:in), 2010, Die Islamische Republik Iran. Zwischen Fundamentalismus und Moderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351286