William Blakes "The Marriage of Heaven and Hell" als kritische Adaption von John Miltons "Paradise Lost". Eine Analyse mit Text-Text Beziehungen von Genette


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 2,3
James Glosterfrau (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. William Blake als Kritiker Miltons

2. Der Begriff Adaption
2.1 Kriterien der Adaption
2.2 Formen der Adaption

3. Die Text-Text Beziehungen nach Genette
3.1 Die Theorie der Text-Text Beziehungen
3.1.1 Intertextualität
3.1.2 Paratextualität
3.1.3 Metatextualität
3.1.4 Hypertextualität
3.1.5 Architextutalität
3.2 Anwendung der Theorie auf die Forschungsfrage

4. The Marriage of Heaven and Hell als kritische Adaption von Paradise Lost
4.1 Gemeinsamkeiten der Text-Text Beziehungen nach Genette von The Marriage of Heaven and Hell und Paradise Lost
4.1.1 Intertexutalität
4.1.2 Paratextualtität
4.1.3 Metatextualität
4.1.4 Hypertextutalität
4.1.5 Architextutalität
4.2 Kriterien der Adaption von Paradise Lost in The Marriage of Heaven and Hell ..
4.3 Die Kritik in The Marriage of Heaven and Hell an Paradise Lost

5. Fazit und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

1. William Blake als Kritiker Miltons

Willam Blake gilt als einer der einflussreichsten Schriftsteller des Romantischen Zeitalters1. Er wurde als großer Dichter und Denker angesehen2 und schrieb unter anderem ein Gedicht mit dem Titel Milton: a Poem. So kann man die Verbindung zu John Milton nachweisen3: Diese Verbindung wird auch im Werk The Marriage of Heaven and Hell von William Blake deutlich. Unter anderem zeigt sich dies auch an folgendem Zitat: ,,The reason Milton wrote in fetters when he wrote of Angels & God, and at liberty when of Devils & Hell, is because he was a true Poet and of the Devils party without knowing it.“4 Aus diesem Zitat geht hervor, dass Blake nicht nur Bezug auf John Milton nimmt, sondern auch Milton eine gewisse Wertung entgegenbringt. So könnte gefolgert werden, dass aus diesem Zitat eine gewisse Kritik hervorgeht, da Blake Milton vorwirft, auf der Seite des Teufels zu stehen ohne es zu wissen.

Daher entspringt auch die Motivation für die Forschungsfrage dieser Arbeit: ,,Kann das Werk The Marriage of Heaven and Hell von William Blake als kritische Adaption von John Miltons Paradise Lost gesehen werden mit Hilfe von ausgewählten Text-Text Beziehungen von Genette?“. Aus diesem Grund wird die Arbeit folgendermaßen aufgebaut: Im zweiten Teil wird der Begriff der Adaption näher erläutert und dabei auf die Kriterien der Adaption sowie die Formen der Adaption eingegangen.

Im darauffolgenden Teil wird das theoretische Fundament, das zuvor im zweiten Teil begonnen wurde, weitergeführt. Deshalb wird die Text-Text Beziehung nach Genette, da diese für die Fragestellung von großer Bedeutung ist, herangezogen. In diesem Kontext werden auch die Begriffe Intertextualität, Paratextualität, Metatextualität, Hypertextualität und Architextualität genauer beschrieben. Zusätzlich wird die weitere Vorgehensweise, die Anwendung der Theorie auf die Forschungsfrage, kurz dargestellt.

Im vierten Teil werden die theoretischen Grundlagen aus dem zweiten und dem dritten Teil für die Analyse der Forschungsfrage ,,Kann das Werk The Marriage of Heaven and Hell von William Blake als kritische Adaption von John Miltons Paradise Lost gesehen werden mit Hilfe von ausgewählten Text-Text Beziehungen von Genette?“ herangezogen. Dabei werden zunächst die Gemeinsamkeiten von beiden Werken im Kontext mit Genettes Text-Text Beziehungen herausgestellt und anschließend geprüft, ob die Kriterien der Adaption in Blakes Werk vorkommen. Dann folgt noch eine Überprüfung, ob es sich bei Blakes ,,The Marriage of Heaven and Hell“ um eine kritische Adaption handelt. Aus diesem Grund werden ausgewählte Textstellen verwendet und die Kritik an diesen belegt. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein kurzes Fazit gezogen. Danach erhält die Forschungsfrage noch eine kritische Würdigung. Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf weiterführende Forschungen.

2. Der Begriff Adaption

Im Folgenden soll der Begriff der Adaption erläutert werden, da dieser von Bedeutung für die Forschungsfrage dieser Arbeit ist.

2.1 Kriterien der Adaption

Man bezeichnet ein Werk als Adaption, wenn eine offensichtliche Beziehung von diesem zu anderen Werken ausgeht5. Nach Hutcheon und O’Flynn (2013) kann man das Phänomen der Adaption aus drei eindeutigen Blickwinkeln betrachten6: Zu allererst wenn Adaption als formale Einheit oder Produkt betrachtet wird, dann handelt es sich nach Hutcheon und O’Flynn (2013) um: ,,[…] an announced and extensive transposition of a particular work or works."7 Dabei kann entweder eine Umcodierung in ein anderes Medien verstanden werden oder eine Änderung des Rahmes und somit des Kontextes8. Hier führen Hutcheon und O’Flynn (2013) an, dass ein Wechsel der Erzählperspektive Auswirkung auf die Interpretation einer Geschichte haben kann9. Als zweites kann Adaption auch als Schaffensprozess betrachtet werden10. So bedingt eine Adaption auch immer eine erneute Interpretation und Kreation eines Werkes, sodass gleichsam eine Angemessenheit sowie eine Wiedergewinnung vollzogen werden, je nachdem, wie man es betrachtet11. Als dritten Blickwinkel auf die Adaption wird der Aufnahmeprozess verstanden12. Dabei handelt es sich um eine Form der Intertextualität13. Genauer gesagt bezeichnen Hutecheon und O’Flynn (2013) Adaptionen als: ,,[…] palimpsests through our memory of other works that resonate through repetition with variation.”14 Fasst man alle drei Blickwinkel aus denen Adaptionen betrachtet werden kann zusammen, versteht man unter Adaption eine anerkannte Transponierung von erkennbar anderen Werken, die eine kreative und interpretative Angemessenheit sowie Wiedergewinnung enthält15. Weiterhin ist auch eine erweiterte intertextuelle Bindung mit der adaptierten Arbeit von Bedeutung16. Es wird auf die Definition der Adaption als Prozess sowie als Produkt noch genauer eingegangen, während die Intertextualität als Teil der Adaption vernachlässigt wird, da diese ein Teil der Text-Text Beziehung im nächsten Teil ist und dort genauer erläutert wird17.

Nach Hutcheon und O’Flynn (2013) kann Adaption auf zwei Arten aufgefasst werden: Zum einen als Prozess und zum anderen als Produkt18. Betrachtet man Adaption als Produkt, dann ist es möglich eine formale Definition zu erhalten19. Dagegen wenn Adaption als Prozess, der im Kontext mit Kreation und Aufnahme steht, dann müssen zusätzlich noch andere Aspekte berücksichtigt werden20. Zunächst wird der Fokus auf Adaption als Produkt gerichtet. Auf Grund der Tatsache, dass Adaptionen eine Art Nacharbeit von anderen Texten darstellen, wird oft der Vergleich mit Übersetzungen gezogen. Da aber keine buchstäblichen Übersetzungen existieren, gibt es auch keine buchstäblichen Adaptionen. Nach Hutcheon und O’Flynn (2013) findet dabei immer eine Veränderung statt: ,,[…] Transposition to another medium, or even moving within the same one, always means change […].”21 Dennoch findet eine gewisse Übersetzung statt, bspw. vom Zeichensystem der Wörter in das Zeichensystem der Bilder22. Dabei handelt es sich allerdings um eine sehr spezielle Übersetzung23. Auch spielt in diesem Kontext: ,,[…] The idea of paraphrase […]“24 ein Rolle. Dieses Konstrukt wird auch als Umschreibung bezeichnet, welche häufig eine Alternative zur Übersetzung darstellt.25 Genauer gesagt, versteht man darunter ein Erzählen außerhalb, bei dem ein Abschnitt mündlich entweder frei wiedergegeben oder erweitert wird26. Zusätzlich kann die Umschreibung auch als Übersetzung mit Spielraum angesehen27. Für den Bereich des ontologischen Wechsels können somit im Hinblick auf die Adaption Übersetzung sowie Umschreibung von Bedeutung sein28. Dabei kann bspw. eine historische Tatsache in eine fiktive Form übertragen werden29.

Unter Adaption als Prozess werden dem Adapter zwei Eigenschaften zugeschrieben: ,,The Adapter’s Creative Interpretation/Interpretive Creation […]“30. Darunter verstehen Hutcheon und O’Flynn (2013), dass der Prozess des Adaptierens in Verbindung mit der angemessenen Aneignung der Geschichte eines anderen steht und dabei diese durch das eigene Interesse, Empfinden und Fähigkeit gefiltert wird31. Folglich sind Adapter zu allererst Interpreten und dann erst Schöpfer32. Im Hinblick auf die Adaption von langen Romanen ist es vor allem die Aufgabe des Adapters Inhalt wegzunehmen oder zu verkürzen33. Dabei wollen die Adapter gleichsam dem adaptierten Text huldigen wie auch dessen ästhetischen und politischen Wert anfechten34. Somit ist Adaption immer ein Prozess der Interpretation und der Erschaffung von etwas Neuen35.

2.2 Formen der Adaption

Nachdem im vorherigen Punkt auf die Kriterien von Adaption eingegangen wurde, soll im Folgenden genauer auf die Formen der Adaption eingegangen werden. Hutcheon und O’Flynn (2013) verstehen unter Adaption eine Art erweitertes Palimpsest36 und gleichzeitig eine Art Umschlüsselung in ein anderes Regelsystem37. Dabei muss nicht zwangsläufig ein Wechsel des Mediums stattfinden38. In diesem Zusammenhang ist der Grad der Bindung von Bedeutung: ,,[…] the major modes of engagement […] permits us to think about how adaptions allow people to tell, show, or interact with stories.”39 Dabei kann eine Geschichte entweder erzählt werden oder dargestellt werden, je nachdem, welches Medium gewählt wird40. Erst, wenn eine Interaktion von einem Publikum mit der Geschichte stattfindet, dann verändert sich auch die Perspektive41. In dieser Arbeit wird nur auf die Erzählung und Darstellung eingegangen, da die Interaktion den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Dabei kann bei der Erzählung der Leser durch seine Vorstellungskraft in eine fiktive Welt eintauchen, während bei der Darstellung das Eintauchen durch die auditive und visuelle Wahrnehmung stattfindet42.

3. Die Text-Text Beziehungen nach Genette

3.1 Die Theorie der Text-Text Beziehungen

Im Folgenden wird die Text-Text Beziehung nach Genette genauer erläutert. Der Grund für die Wahl der Text-Text Beziehungen nach Genette ist, dass die Intertextualität im Kontext mit der Adaption von Bedeutung ist43. Dabei wird der Fokus in dieser Arbeit auf die Intertextualität, die Paratextuatlität, die Metatextualität die Hypertextualität und die Architextualität gerichtet.

3.1.1 Intertextualität

Der erste Typ den Genette unterscheidet, ist die Intertextualität44. Darunter versteht er das gleichzeitige Vorhandensein von zwei oder mehr Texten, genauer gesagt als wahrhaftige Präsenz des einen Textes in einem anderen45. Dabei differenziert er drei Arten: das Zitat, das Plagiat und die Anspielung46. Ein Zitat wird demnach als: […] einfachste[n] und wörtlichste [n] Form […]“47 verstanden. Ein Zitat wird durch Anführungszeichen und Quellenangabe gekennzeichnet48 Eine weitere Abstufung stellt das Plagiat dar, bei dem es sich um eine ,,[…] nicht deklarierte, aber immer noch wörtliche Entlehnung […]“49 handelt. Die letzte Form bezeichnet Genette (1993) als Anspielung50. Er versteht darunter: ,,[…] eine[r] Aussage, deren volles Verständnis das Erkenne einer Beziehung zwischen ihr und einer anderen voraussetzt, auf die sich diese oder jene Wendung des Textes bezieht […]“51. Bei allen drei Formen der Intertextualität ist es auch von Bedeutung, dass diese ein Zitat, Plagiat oder eine Anspielung auch als solche erkennt werden52.

3.1.2 Paratextualität

Beim zweiten Typ von Text-Text Beziehungen, die Genette (1993) unterscheidet, handelt es sich um die Paratextualität53. Dieser Begriff steht für die Beziehung, die ein Text mit den Elementen, welche zu ihm gehören, hat54. Hierzu rechnet er ,,[…] Titel, Untertitel, Zwischentitel; Vorworte, Nachworte, Hinweise an den Leser […] Illustrationen […]“55. Er attestiert diesem Begriff einen gewissen Einfluss auf den Leser56. Als Beispiel führt er das Werk Ulysses von James Joyce an und erklärt, dass das Vorhandensein von Zwischenüberschriften von großer Bedeutung sein kann57.

[...]


1 Vgl. Creative, Commons: William Blake Biography. http://www.biography.com/people/william- blake-9214491, letzer Zugriff am 03.04.2015, 13:20 Uhr).

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. http://www.william-blake.org/biography.html

4 Blake, William: The Marriage of Heaven and Hell. USA 1994, S.30.

5 Vgl. Hutcheon, Linda, O’Flynn, Siobhan: A Theory of Adaption. Second edition. Oxon 2013, S.6.

6 Vgl. ebd. S.7.

7 Ebd. S.7.

8 Vgl. ebd. S.8.

9 Vgl. Hutcheon, Linda, O’Flynn, Siobhan: A Theory of Adaption. Second edition. Oxon 2013, S. 8.

10 Vgl. ebd. S.8.

11 Vgl. ebd. S.8.

12 Vgl. ebd. S.8.

13 Vgl. ebd. S.8.

14 Ebd. S. 8.

15 Vgl. ebd. S.8.

16 Vgl. ebd. S.8.

17 Vgl. 2.1

18 Vgl. ebd. S.13.

19 Vgl. ebd. S.15f.

20 Vgl. ebd. S.16.

21 Hutcheon, Linda, O’Flynn, Siobhan: A Theory of Adaption. Second edition. Oxon 2013, S.16. 5

22 Vgl. ebd. S.16.

23 Vgl. ebd. S.16.

24 Ebd. S.17.

25 Vgl. ebd. S.17.

26 Vgl. ebd. S.17.

27 Vgl. ebd. S.17.

28 Vgl. ebd. S.17.

29 Vgl. ebd. S.17.

30 Vgl. ebd. S.18.

31 Vgl. ebd. S.18.

32 Vgl. ebd. S.18.

33 Vgl. ebd.S 19.

34 Vgl. ebd. S.20.

35 Vgl. ebd. S.20.

36 Vgl. Hutcheon, Linda, O’Flynn, Siobhan: A Theory of Adaption. Second edition. Oxon 2013 S.33.

37 Vgl. ebd. S.33.

38 Vgl. ebd. S.33.

39 Ebd. S.22.

40 Vgl. ebd. S.22.

41 Vgl. ebd. S.22.

42 Vgl. ebd. S.22.

43 Vgl. 2.1

44 Vgl. Berndt, Frauke, Tonger-Erk, Lily: Intertextualität. Eine Einführung, Berlin 2013, S.114.

45 Vgl. Genette, Gérard: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt am Main 1993, S.10.

46 Vgl. Genette, Gérard: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt am Main 1993, S.10.

47 Ebd. S.10.

48 Vgl. ebd. S.10.

49 Ebd. S.10.

50 Vgl. ebd. S.10.

51 Ebd. S.10.

52 Vgl. Berndt, Frauke, Tonger-Erk, Lily: Intertextualität. Eine Einführung, Berlin 2013, S.114.

53 Vgl. ebd. S.114.

54 Vgl. Berndt, Frauke, Tonger-Erk, Lily: Intertextualität. Eine Einführung, Berlin 2013, S.117.

55 Ebd. S.117.

56 Vgl. Genette, Gérard: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt am Main 1993, S.12.

57 Vgl. ebd. S.12.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
William Blakes "The Marriage of Heaven and Hell" als kritische Adaption von John Miltons "Paradise Lost". Eine Analyse mit Text-Text Beziehungen von Genette
Hochschule
Universität Augsburg
Veranstaltung
John Milton
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V351384
ISBN (eBook)
9783668376755
ISBN (Buch)
9783668376762
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
william, blakes, marriage, heaven, hell, adaption, john, miltons, paradise, lost, eine, analyse, text-text, beziehungen, genette
Arbeit zitieren
James Glosterfrau (Autor), 2015, William Blakes "The Marriage of Heaven and Hell" als kritische Adaption von John Miltons "Paradise Lost". Eine Analyse mit Text-Text Beziehungen von Genette, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/351384

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