Die "andere" Literatur Nordamerikas: das kulturelle Selbstverständnis Kanadas im Spiegel seiner Literatur

Dargestellt an Romanen von Margaret Atwood, Michael Ondaatje und Jane Urquhart


Diplomarbeit, 2004
96 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Geschichte der kanadischen Literatur
2.1 Die Literatur der Kolonialzeit
2.1.1 Historische Entwicklungen
2.1.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes
2.2 Die Literatur des „Dominions“ bis zum Ersten Weltkrieg
2.2.1 Historische Entwicklungen
2.2.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes
2.3 Die Literatur vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zu den 1960ern
2.3.1 Historische Entwicklungen
2.3.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes
2.4 Die Literatur der 1960er bis heute
2.4.1 Historische Entwicklungen
2.4.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes

3 Die Romane
3.1 Margaret Atwood: Der lange Traum
3.1.1 Leben und Werk
3.1.2 Inhaltsabriss
3.1.3 Struktur und Erzählperspektive
3.1.4 Hauptthemen
3.1.5 Protagonisten
3.1.6 Sprache und Stil
3.1.7 Botschaft des Romans
3.2 Michael Ondaatje: In der Haut eines Löwen
3.2.1 Leben und Werk
3.2.2 Inhaltsabriss
3.2.3 Struktur und Erzählperspektive
3.2.4 Hauptthemen
3.2.5 Protagonisten
3.2.6 Sprache und Stil
3.2.7 Botschaft des Romans
3.3 Jane Urquhart: Fort
3.3.1 Leben und Werk
3.3.2 Inhaltsabriss
3.3.3 Struktur und Erzählperspektive
3.3.4 Hauptthemen
3.3.5 Charaktere
3.3.6 Sprache und Stil
3.3.7 Botschaft des Romans

4 Quervergleich der Romane

5 Zusammenfassung und Ausblick

6 Ausstellungsprojekt
6.1 Belletristik
6.2 Sachbücher: Landeskunde, Reiseführer, Bildbände
6.3 Plakatvorschläge

7 Anhang: Interview mit Astrid Holzamer

8 Literaturverzeichnis
8.1 Primärliteratur
8.2 Interviews
8.3 Sekundärliteratur
8.3.1 Monographien
8.3.2 Aufsätze aus Sammelwerken
8.3.3 Aufsätze aus Zeitungen und Zeitschriften
8.3.4 Sonstige Quellen
8.4 Abbildungsnachweise

Erklärung

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewählter Beispiele aus der Literatur das gegenwärtige kulturelle Selbstverständnis Kanadas. Hierzu werden die Romane Der lange Traum von Margaret Atwood,In der Haut eines Löwen von Michael Ondaatje und Fort von Jane Urquhart auf ihre Hauptthemen und Botschaften hin analysiert. Als Hinführung zu dieser Analyse wird im ersten Teil der Arbeit ein Überblick über die historisch-kulturelle Entwicklung Kanadas – beginnend im 16. Jahrhundert – gegeben. Der Entwurf eines Ausstellungsprojektes zum Thema „Kanada“, der sowohl eine Auswahl an Titeln zu Geographie, Gesellschaft und Politik dieses Landes, als auch an aktueller kanadischer Belletristik enthält, dient als Ergänzung zu dieser Untersuchung. Abgerundet wird die Arbeit durch ein Interview mit Astrid Holzamer, der Kulturreferentin der kanadischen Botschaft in Deutschland.

Schlagwörter: Kanada, kulturelle Identität, Gegenwartsroman, Margaret Atwood, Michael Ondaatje, Jane Urquhart

Abstract

This diploma thesis examines Canada’s contemporary cultural self-perception based on selected examples of literature. The novels Surfacing by Margaret Atwood,In the Skin of a Lion by Michael Ondaatje and Away by Jane Urquhart are analysed for their main themes and messages. As an introduction to this analysis, the first part of the thesis gives a summary of the historical and cultural development of Canada starting in the 16th century. The study is supplemented by an outline for a display on the topic “Canada”, containing a selection of titles relating to Canadian geography, society, politics and contemporary fiction. The thesis is completed by an interview with Astrid Holzamer who is the cultural attachée of the Canadian embassy in Germany.

Keywords: Canada, cultural identity, contemporary fiction, Margaret Atwood, Michael Ondaatje, Jane Urquhart

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Heutiges kanadisches Territorium mit den zehn Provinzen und drei Territorien

Abb. 2: Das Verhältnis von USA und Kanada in einer Karikatur von

Abb. 3: “The Emigrants’ Welcome to Canada”

Abb. 4: Die vier Provinzen des ursprünglichen „Dominion of Canada“ und die übrigen britischen Besitztümer zur Zeit der Konföderation

Abb. 5: Karikatur bedeutender kanadischer Autoren

Abb. 6: Margaret Atwood

Abb. 7: Michael Ondaatje

Abb. 8: Arbeiter beim Bau des Bloor Street Viaduktes

Abb. 9: Grabungsarbeiten unter dem Ontariosee

Abb.10: Das Wasserwerk, auch bekannt unter dem Namen R. C. Harris Filtration Plant

Abb.11: Jane Urquhart

Abb.12: Cover der Originalausgabe von Fort

Abb.13: Plakatvorschlag Nr.1

Abb.14: Plakatvorschlag Nr.2

Abb.15: Plakatvorschlag Nr.3

Abb.16: Plakatvorschlag Nr.4

Abb.17: Plakatvorschlag Nr.5

Abb.18: Plakatvorschlag Nr.6

Abb.19: Astrid Holzamer

1 Einleitung

„Kanadische Literatur – vom Dornröschenschlaf zur Erfolgsgeschichte“ – so der Titel eines Beitrags zur Sonderausgabe „Kanadische Literatur in deutscher Übersetzung“[1] der führenden Online-Literaturzeitschrift www.literaturkritik.de. Tatsächlich lag die kanadische Literatur sowohl in Deutschland, als auch international noch bis vor wenigen Jahren in einem tiefen Dornröschenschlaf und wurde sowohl von Kritikern als auch vom Publikum kaum wahrgenommen. Spätestens durch den überwältigenden Erfolg der Verfilmung von Michael Ondaatjes Roman Der Englische Patient im Jahre 1996 wurde bei vielen aber das Interesse für die Literatur dieses Landes geweckt, welches der ehemalige kanadische Premierminister Joe Clark treffend als „Country the World Admires“, gleichzeitig aber auch „Unknown Country“[2] bezeichnet.

Besonders in Deutschland konnten kanadische Autoren – nicht zuletzt durch die Unterstützung von Botschaftsmitarbeitern und engagierten Verlegern[3] – große Erfolge verzeichnen: So war Kanada beispielsweise im Jahr 2002 Gastland bei den Stuttgarter Buchwochen, zählte im Jahr darauf mit über 70 Einzelausstellern zu den zehn aktivsten Teilnehmerländern der Frankfurter Buchmesse und ist in diesem Jahr mit gleich sechs Schriftstellern beim 4. Internationalen Literaturfestival in Berlin vertreten[4]. Ein weiterer wichtiger Erfolg: Ab dem 23. April – dem Tag des Buches – nächsten Jahres wird die Buchindustrie besonders gespannt nach Kanada blicken, denn Montréal wurde zur „World Book Capital 2005“[5] ernannt und wird ein Jahr lang einflussreiches Zentrum des Buches und der Literatur sein.

Doch woran liegt es, dass der Literatur Kanadas, dem flächenmäßig zweitgrößten Land der Erde, so lange kaum Interesse entgegen gebracht wurde? Und was sind die Gründe für diese „Erfolgsgeschichte“ der letzten Jahre?

Der Titel der vorliegenden Arbeit impliziert bereits mögliche Antworten auf diese Fragen: „Die ‚andere’ Literatur Nordamerikas“ soll ausdrücken, dass Nordamerika nicht mehr nur eine bedeutende Literatur – nämlich die US-Literatur – zu bieten hat; in den vergangenen Jahrzehnten hat sich Kanada gegen die Dominanz der USA zur Wehr gesetzt und sich – zumindest im kulturellen Bereich – zunehmend emanzipiert. Inwiefern sich Werke kanadischer Autoren von denen ihrer US-amerikanischen Kollegen unterscheiden und ob darin ein Grund für das zunehmende Interesse liegt, soll in den folgenden Kapiteln untersucht werden. Außerdem wird – wie im Untertitel angekündigt – das kulturelle Selbstverständnis Kanadas von Interesse sein: Womit beschäftigen sich die Bewohner Kanadas bzw. stellvertretend dafür kanadische Autoren, wie sehen sie sich selbst und ihre Kultur und wie stellen sie sich nach außen dar?

Um all das herauszufinden, ist es notwendig, sich mit der Vergangenheit und Entwicklung dieses Landes auseinander zu setzen, was im ersten Teil dieser Arbeit der Fall sein wird. Es soll deutlich gemacht werden, welche Gegebenheiten und Ereignisse besonders prägend waren und inwiefern sich diese auf die Kultur und besonders die Literatur auswirkten. Am Ende dieses Kapitels werden die politischen, gesellschaftlichen und vor allem kulturellen Entwicklungen der Gegenwart – also seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts – besonders ausführlich herausgearbeitet, was zum nächsten Teil – der Analyse dreier zeitgenössischer kanadischer Romane – überleiten wird. Da es überwiegend englischsprachige Werke sind, die in Kanada selbst und international beachtet werden, wird sich diese Arbeit auf die genauere Betrachtung anglokanadischer Literatur beschränken. Anhand konkreter Beispiele wird analysiert, welcher Themen und Motive sich die Autoren bedienen und welche Rückschlüsse sich daraus auf das kulturelle Selbstverständnis des Landes ziehen lassen. Das wichtigste Kriterium zur Auswahl der Romane war dabei der Bekanntheitsgrad der Autoren: Mit Margaret Atwood ist „the most written-about Canadian writer ever“[6] vertreten, deren Roman Der lange Traum[7] als ”Schlüsselwerk der kanadischen Literatur“[8] gilt und dementsprechend stark von der Literaturkritik beachtet wurde. Michael Ondaatje wurde zwar erst durch seinen Roman Der englische Patient und dessen Filmadaption international bekannt, seine früheren Werke sind jedoch ebenso interessante Beiträge zur Literatur Kanadas. Obwohl die Materiallage dazu nicht ganz so üppig ist wie zu Ondaatjes neueren Werken, fiel die Wahl auf den 1987 erschienenen Roman In der Haut eines Löwen[9], der – anders als Der lange Traum – nicht in der Gegenwart, sondern in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts spielt.

Als etwas jüngere Erfolgsautorin gilt Jane Urquhart, die erst Mitte der achtziger Jahre die literarische Bühne betrat und über die demnach deutlich weniger Publikationen vorliegen als über Ondaatje oder Atwood. Ihr vierter Roman (The Underpainter, 1997; Übermalungen, 1997) war zwar besonders erfolgreich – er wurde mit dem „Governor General’s Award“, dem wichtigsten kanadischen Literaturpreis, ausgezeichnet –, trotzdem ist ihr Werk Fort[10] für diese Arbeit am interessantesten, da es einen völlig anderen Zeitabschnitt als die anderen beiden Romane – nämlich das 19. Jahrhundert – abdeckt. Die Reihenfolge der Analysen spiegelt demnach einerseits den Bekanntheitsgrad der Autoren wider und erfolgt andererseits chronologisch nach Erscheinungsjahr. Gleichzeitig führen die einzelnen Betrachtungen – ausgehend von den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts – immer weiter in die Vergangenheit Kanadas zurück, sodass einige Inhalte des vorhergehenden Kapitels in diesem neuen Zusammenhang erneut auftauchen. Der anschließende Quervergleich zwischen den drei Romanen und ihren Analysen wird Unterschiede und Parallelen sowohl formaler als auch thematischer Natur deutlich machen. Der Schwerpunkt wird darauf liegen, welche Hauptthemen die einzelnen Autoren verwenden und welche Botschaft sie mit ihrem Werk jeweils vermitteln wollen, denn diese Aspekte sind es, die das kulturelle Selbstverständnis eines Landes und seiner Bewohner am deutlichsten widerspiegeln. Die Zusammenfassung wird die Ergebnisse der vorhergehenden Betrachtungen bündeln, die Andersartigkeit der Literatur Kanadas gegenüber der US-Literatur erklären, mögliche Gründe für die Erfolgsgeschichte nennen und einen Ausblick wagen.

Das Interesse an Kanada und die Rezeption kanadischer Literatur hat sich in Deutschland in den letzten Jahren zwar positiv verändert, dennoch sollte immer wieder auf aktuelle Entwicklungen in diesem Land und seiner Kulturlandschaft hingewiesen werden. So sind beispielsweise Ausstellungen in Bibliotheken ein wirksames und geeignetes Mittel, um ein größeres Publikum auf ein bestimmtes Thema aufmerksam zu machen und Interesse zu wecken. Da es Bibliothekaren und Bibliothekarinnen jedoch oft an Zeit zur Vorbereitung einer Ausstellung mangelt, schließt sich an die Zusammenfassung ein Konzept für eine solche an. Es werden sowohl ausgewählte Bücher zu Geographie, Gesellschaft und Politik des Landes, als auch Belletristik mit Inhaltsangaben und einigen Coverabbildungen aufgeführt und Vorschläge für die Gestaltung von Ausstellungsplakaten gemacht.

Abgerundet wird diese Arbeit durch ein Interview mit Astrid Holzamer, die seit vielen Jahren als Kulturreferentin an der kanadischen Botschaft in Deutschland arbeitet und nicht nur als Expertin für die Rezeption kanadischer Literatur in Deutschland gilt, sondern auch die Autoren der hier analysierten Werke persönlich kennt, weshalb dieses Gespräch eine interessante Ergänzung zu den vorhergehenden Kapiteln darstellt.

2 Die Geschichte der kanadischen Literatur

„Canada has a three-part history of colonialism, first as a French colony, then as a British colony, and now as an economic colony of the U.S.A.”[11]

Inwieweit diese These des kanadischen Nationalisten Robin Mathews aus dem Jahre 1978 auch auf die Entwicklung der Literatur zutrifft, soll in diesem Kapitel untersucht werden. Existiert überhaupt eine spezifisch kanadische Literatur? Und wenn ja: Wie ist sie entstanden?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Heutiges kanadisches Territorium mit den

zehn Provinzen und drei Territorien

Um Aussagen über das heutige kulturelle Selbstverständnis Kanadas machen zu können, ist es zunächst erforderlich, sich mit der noch relativ jungen Geschichte dieses Landes auseinander zu setzen. Kulturelle Entwicklungen stehen stets in Beziehung zu wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungen, weshalb im ersten Teil jedes Unterkapitels zunächst auf diese Aspekte eingegangen wird. Im zweiten Teil geht es jeweils darum, welche Formen und Themen in den literarischen Werken einer bestimmten Zeit aus welchen Gründen besonders dominant sind. Außerdem wird thematisiert, wie sich Kanada und die kanadischen Autoren im jeweiligen Zeitabschnitt selbst sehen, wie sie ihre Identität formulieren. Hierzu schreibt beispielsweise der Politikwissenschaftler Donald V. Smiley: „[…] Canadians [are] the only people in the world who continually pull themselves up by the roots to see if they are still growing.”[12] In beiden Teilen werden schließlich Vergleiche zum übermächtigen Nachbarn – den USA – gezogen, um zu zeigen, warum die Bezeichnung „anderes Nordamerika“ gerechtfertigt ist.

2.1 Die Literatur der Kolonialzeit

2.1.1 Historische Entwicklungen

Die Geschichte Kanadas als Siedlungs- und Wirtschaftsraum für europäische Emigranten begann im späten 16. Jahrhundert: Während die Engländer anfangs vor allem zum Pelzhandel und zum Handel mit Bodenschätzen nach Kanada reisten und nur einzelne Garnisonen gründeten, begannen die Franzosen schon früh mit der Besiedelung ihrer Kolonien und ließen sich vor allem im Tal des St. Lawrence nieder, wo bereits 1608 bzw. 1642 die Städte Québec und Montréal gegründet wurden. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stieg die Zahl der englischen Zuwanderer – vor allem in der Gegend des Hudson Bay – erheblich, womit eines der für Kanada so charakteristischen Spannungsverhältnisse begann. Mit dem starken Zuwachs der Europäer wurden nämlich auch verschiedene Krankheiten aus Europa eingeschleppt, die große Teile der autochthonen Bevölkerung, die bis dahin eher ungestört neben den französischen Siedlern gelebt hatte, dahinraffte. Die Verdrängung des Pelzhandels durch Bergbau, Forst- und Landwirtschaft führte dazu, dass die europäischen Siedler nicht mehr auf die Urbevölkerung als Handelspartner angewiesen waren. Als nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs mehrere zehntausend königstreue Amerikaner – die „Empire Loyalists – vom Süden her zuwanderten, wurde der Konflikt mit Indianern und Inuit noch verstärkt, weil immer mehr Landbesitz eingefordert wurde und die „First Nations“ somit aus ihren Jagdgründen verdrängt und ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden.

Ein zweites Spannungsverhältnis, das das Land ebenfalls bis heute stark beschäftigt, ist die Beziehung zwischen der frankophonen und der anglophonen Bevölkerung. Da sich beide Bevölkerungsgruppen stark an ihrem jeweiligen Mutterland orientierten, war es unvermeidlich, dass sich Kanada zum Brennpunkt der bitteren Rivalität zwischen England und Frankreich entwickelte. Nach mehreren Kriegen fielen im Jahre 1763 im „Frieden von Paris alle nordamerikanischen Besitzungen Frankreichs – die „Nouvelle France – an Großbritannien. Mit dem „Quebec Act“ von 1774 wurde zwar eine Politik voller Zugeständnisse an die frankophone Bevölkerung verfolgt[13], die Forderungen Lord Durhams nach Assimilation der Frankophonen wurden nicht erfüllt[14] und der „Act of Union“ sah 1841 eine Gleichberechtigung beider Sprachen vor; trotzdem wuchs die Selbstisolation der frankophonen Bevölkerung, welche vor allem ein Ziel verfolgte: ihre Traditionen, ihre Sprache und ihre Kultur zu bewahren.

Der Ursprung der dritten charakteristischen Konfliktbeziehung liegt im Anfang des 19. Jahrhunderts: Die noch junge Republik im Süden versuchte im Krieg von 1812-1814, Teile Kanadas zu annektieren. Dies wurde zwar erfolgreich abgewehrt, führte aber zu einer bis heute spürbaren antiamerikanischen Haltung der Kanadier und einem Unbehagen über die Übermacht der USA.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das Verhältnis von USA und Kanada in einer Karikatur von 1886

2.1.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes

Obwohl die kanadische Literatur erst im 18. Jahrhundert und damit im Vergleich zur Literatur Großbritanniens oder der des südlichen Nachbarn USA verzögert einsetzte, ist es nicht angebracht, von einer „Verspätung“ zu sprechen, wie amerikanische Kritiker dies zum Teil getan haben. Grundsätzlich ist die Entstehung von Literatur kein mechanischer Ablauf, sondern passiert durch das Zusammenwirken verschiedener – z.B. politischer und soziokultureller – Kräfte. Der historische Zeitpunkt des Entstehens ist folglich abhängig vom historischen Kontext, der sich in Kanada völlig anders darstellte als im Mutterland Großbritannien oder dem Nachbarland USA.

Die große Anzahl der überwiegend englischen Siedler im 18. Jahrhundert importierte die europäische großbürgerliche Kultur, was einerseits überhaupt erst das Entstehen einer Literatur auf kanadischem Boden möglich machte, andererseits aber auch zu einer starken Orientierung an britischen Traditionen und Normen führte. Anders als die USA, die sich mit der Revolution von 1776 bewusst von europäischen Konventionen abwandten und eine eigene Identität entwickelten, sahen sich die Kanadier in der Kolonialzeit als „zweite britische Kultur jenseits des Ozeans“[16], was sich auch in der Literatur widerspiegelte. Der bedeutende Literaturkritiker Northrop Frye (1912-1991) meinte dazu: „[…] a culture founded on a revolutionary tradition, like that of the United States, is bound to show very different assumptions and imaginative patterns from those of a culture that rejects or distrusts revolution.”[17]

Die dominierenden literarischen Formen dieser Zeit waren Entdeckerberichte und Siedlerliteratur, welche vor allem für ein englisches Publikum verfasst wurden. Die ersten Reisenden schrieben ihre Erlebnisse in Form von Tagebüchern, Berichten und autobiographischen Darstellungen nieder und schufen dabei eine Kombination aus Abenteuergeschichten und geographisch-naturkundlicher Beschreibungen. In manchen Werken wurde die Wildnis entsprechend der europäischen Landschaftsästhetik pittoresk oder erhaben und die Zeit in diesem fremden Land positiv als „quest“ dargestellt. Andere Autoren schilderten die Erlebnisse in Kanada hingegen sehr negativ als „odyssey“ und beschrieben die Leere der Natur und die überwältigenden Dimensionen als beängstigend.[18] Alexander Mackenzie, der als erster Weißer den nordamerikanischen Kontinent durchquerte, schuf mit Voyages from Montreal, on the River St. Laurence, Through the Continent of North America, to the Frozen and Pacific Oceans (1801) ein typisches Werk der Explorationsliteratur mit zahlreichen detaillierten Informationen für Geographen, Geologen, Historiker und Anthropologen.

Auch in der Siedlerliteratur fanden sich zwei gegensätzliche Tendenzen: Manche Werke waren von Idealisierungstendenzen geprägt und obwohl zwar die Schwierigkeiten des Neubeginns dargestellt wurden, stand am Ende zumeist ein Triumph der menschlichen Kultur über die wilde Natur. Die andere Tendenz der Siedlerliteratur war gekennzeichnet von folgenden Themen, die zu Leitmotiven des kanadischen literarischen Bewusstseins wurden: das Gefühl des Ausgesetzt-Seins, die Leere in diesem „country without mythology“[19], das „mapping“ – also die Kartographie – als Symbol für die Bewältigung der riesigen Dimensionen, die Auseinandersetzung mit den Ureinwohner und vor allem die Konfrontation des auf sich gestellten Individuums mit der feindlichen Umwelt des subarktischen Nordens. Anders als bei der „frontier“-Thematik in der Literatur der USA, wo sich das Individuum die Natur unterwirft und sich damit selbst verwirklicht, wurde die Wildnis in der Literatur Kanadas als bedrohlich empfunden, weil sie nie vollständig unterworfen werden kann.[20] Ein weiterer elementarer Unterschied war, dass sich die USA zu dem nationalen mythischen Helden, dem „frontiersman“, noch einen kollektiven „American Dream“ schufen, zu dem in Kanada keine Entsprechung entstand.[21] Die kanadischen Siedler empfanden das neue Land nicht als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ voller Chancen auf eine glückliche Zukunft, sondern litten unter dem Gefühl der Fremdheit, dem Fehlen von Geschichte und Mythologie und der Leere dieses „godless place“[22]. Ein Thema, das ebenfalls häufig aufgegriffen wurde, ist das mühsame Aufrechterhalten der Bindung zum Mutterland, was der Siedlerliteratur den Charakter einer Exilliteratur verleiht. Ein typisches Werk dafür, das die Probleme der Siedler aufgreift und nicht nur als erster kanadischer, sondern sogar als erster nordamerikanischer Roman gilt, ist The History of Emily Montague (1796). Die Autorin Frances Brooke, die von 1763 bis 1768 als Frau eines Garnisonspfarrers in Kanada lebte, schildert hier in der Tradition des britischen Briefromans das harte Leben in Québec, die problematische Koexistenz von Franzosen und Engländern, das unwirtliche Klima, die wilde Natur und die – ihrer Meinung nach - primitiven Ureinwohner.[23]

Mit der neuen Immigrationswelle Anfang des 19. Jahrhunderts entstand eine weitere Variante der Siedlerliteratur: die halbdokumentarischen Berichte überwiegend weiblicher Siedler. Diese bilden den Grundstein für die auch heute noch auffallend große Bedeutung kanadischer Autor innen. Als Höhepunkt dieser Pionierliteratur von Frauen gilt Roughing It in the Bush; or, Life in Canada (1852) von Susanna Moodie. Die Autorin, die 1832 nach Kanada emigrierte und sich in Ontario niederließ, thematisiert in ihrem Werk das Kulturgefälle zwischen England und Kanada und schildert die Konflikte, die durch das Aufeinandertreffen von europäischer Mentalität mit ungewohnt harten Lebensbedingungen entstehen. Die Intention dieses autobiographischen Berichts, der immer wieder von eingeschobenen Anekdoten und Gedichten unterbrochen wird, war es, leichtfertige Emigranten vor diesem unbekannten und fremden Land zu warnen.[24]

Die Literatur vor der Gründung der Nation 1867 war also stark geprägt von dem Vorbild des Mutterlandes und damit konservativ und epigonal; die kolonialen Erfahrungen wurden anhand von Mustern und Normen der britischen literarischen Tradition dargestellt. Anders als die USA, die sich zu dieser Zeit von den europäischen Traditionen distanzierten und eine eigene Identität entwickelten, sah Kanada sich weiterhin als „Tochter“ des Britischen Empires. Die einzigen Ansätze einer autonomen Literatur fanden sich in Textsorten, die nicht zum englischen Kanon gehörten. So wurden die satirischen Prosaskizzen The Clockmaker; or, The Sayings and Doings of Samuel Slick, of Slickville (1836–1840) von Thomas Chandler Haliburton, die humoristisch den Kontrast zwischen der aggressiven Geschäftstüchtigkeit der Yankees und der neuschottischen Rückständigkeit und Faulheit schildern, zum ersten kanadischen Bestseller. Erst gegen Ende der Kolonialzeit gaben die Gründung von Universitäten (beispielsweise dem King’s College in Windsor 1789) und der Beginn eines Zeitungs- und Literaturzeitschriftenwesens (Halifax Gazette ab 1752; Canadian Magazine ab 1823) wichtige Impulse zur kulturellen Entwicklung Kanadas, die nach 1867 beschleunigt wurde.[25]

2.2 Die Literatur des „Dominions“ bis zum Ersten Weltkrieg

2.2.1 Historische Entwicklungen

Mit dem Ende des amerikanischen Sezessionskrieges (1865) und dem Erwerb Alaskas durch die USA wuchs in Kanada die Sorge, der Nachbar im Süden könnte versuchen, sich territorial noch weiter auszudehnen. Somit war die Verabschiedung des „British North America Act“ durch das britische Parlament am 1. 7. 1867 ein wichtiger Schritt, die nordamerikanischen Kolonien zu einen und sie damit zu stärken.[26] Erst schlossen sich die Provinzen Canada East (heute Québec), Canada West (heute Ontario), New Brunswick und Nova Scotia zum „Dominion of Canada“, einem geeinten föderalen und unabhängigen Staat, zusammen; bald folgten Manitoba, British Columbia und Prince Edward Island. Alberta, Sasketchewan und Newfoundland schlossen sich erst zu Beginn bzw. Mitte des 20. Jahrhunderts an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Die vier Provinzen des ursprünglichen „Dominion of Canada“ und die übrigen britischen Besitztümer zur Zeit der Konföderation

Einerseits versuchte das „Dominion“, seine neu gewonnene Selbstständigkeit zu verteidigen, eine eigene Identität herauszubilden und träumte von nationaler Einheit, andererseits wollte es auch weiterhin am Gesamtverband des Empires teilhaben. Der britische Autor Rudyard Kipling beschrieb diese Beziehung in einem Gedicht als Familienbeziehung: „Daughter am I in my mother’s house / But mistress in my own.“[27]

Als Ausdruck des Traums von nationaler Einheit, wurde das Motto „A mari usque ad mare“[28] geprägt, was im wahrsten Sinn des Wortes 1885 durch den Bau der „Canadian Pacific Railway“ verwirklicht wurde. Diese transkontinentale Eisenbahn unterstützte die intensive territoriale Ausdehnung gen Westen, was erneut zu Spannungen mit der autochthonen Bevölkerung führte. Die „First Nations“ wurden immer mehr verdrängt, so dass den Häuptlingen schließlich nichts Anderes übrig blieb, als sich mit ihren Stämmen in Reservate zurück zu ziehen; im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gab es deshalb zahlreiche Rebellionen vor allem des Métis-Führers Riél und des Cree-Häuptlings Big Bear.

Auch zwischen der anglo- und der frankophonen Bevölkerung kam es zu Auseinandersetzungen: Im Zuge der patriotischen Begeisterung hatte sich in den späten 1860er Jahren die „Canada First“-Bewegung formiert, die von einem einheitlichen, imperialen Kanada träumte und ihre Forderungen unter anderem durch die neu gegründete Literaturzeitschrift Canadian Monthly (1872) verbreitete. Sie forderte eine Assimilierung der ethnischen Vielfalt an die anglo-protestantische Mehrheit, worauf die frankokanadische Bevölkerung erneut mit Selbstisolation reagierte.

Die Entwicklung Kanadas von einer bikulturellen zu einer multikulturellen Nation hat ihre Ursprünge ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts. Vor Beginn des Ersten Weltkrieges erlebte Kanada mehrere Einwanderungswellen aus verschiedenen europäischen und asiatischen Ländern, wobei vor allem jene Immigranten beliebt waren, die der anglokanadischen Mehrheit ähnlich waren und sich somit einfacher assimilieren ließen.

1914 trat Kanada als Teil des britischen Empires in den Ersten Weltkrieg ein und beteiligte sich mit überdurchschnittlich hohem Engagement. Dies geschah einerseits aus Solidarität zu dem Mutterland, andererseits aber auch in der Hoffnung, dafür mit mehr politischer Unabhängigkeit belohnt zu werden.[29]

2.2.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes

Die Gründung des „Dominion“ war zwar ein wichtiger politischer Schritt für die Einheit Kanadas, jedoch entstand dadurch nicht automatisch auch eine eigenständige kanadische Literatur. So äußerte sich John Bourinot (1837-1902), der erste französische Konsul von British North America, 1893: „[...] there is one respect in which Canadians have never won any marked success, and that is the novel or romance.“ Der seinerzeit erfolgreiche Historiker, Journalist und Herausgeber Goldwin Smith (1823-1910) fragte 1894 ähnlich: „What is the Matter with Canadian Literature?“[30] Nur langsam entwickelte sich in Zentren wie Montréal oder Toronto ein regeres literarisches Leben und es wurden mehrere Literaturzeitschriften (z.B. The Canadian Magazine 1893) und die heute noch bedeutenden University Magazines ins Leben gerufen. Die Gründung der „Royal Society of Canada“ (1882) und das Entstehen einer Verlagsindustrie in Toronto waren weitere Impulse für den kulturellen Aufschwung. Die Entwicklung einer autonomen Literatur wurde allerdings noch dadurch gehemmt, dass vor allem britische Autoren wie Charles Dickens oder Robert Louis Stevenson beliebt waren und der kanadische Markt mit Büchern aus den USA überflutet wurde.[31] In den 1890ern begann dann eine erste Welle des literarischen Nationalismus, der eine eigenständige kanadische Identität unter Beibehaltung einer gewissen Loyalität gegenüber dem Mutterland forderte.[32]

Während in den USA gerade die realistische Literatur entstand, griff man in der kanadischen Prosa weiterhin bekannte und beliebte Genres, wie zum Beispiel die „historical romance“ und die „adventure story“ auf. Auch die sentimentale Romanze mit Idyllisierung von Vergangenheit und Gegenwart war eine dominierende Form. Die Tatsache, dass in Kanada kaum realistische Romane entstanden[33], hing sicher auch mit dem konservativen Geschmack des Publikums und der Kritiker zusammen. In der Kurzprosa ließ sich mit der „animal story“ – der realistischen Tiergeschichte – allerdings ein individueller kanadischer Ansatz erkennen. Typisch hierbei waren der Konflikt zwischen natürlicher Ursprünglichkeit und kultureller Überformung sowie die Vermenschlichung der Tiere.[34]

Allein die Lyrik griff die immer dringlichere Forderung[35] – formuliert zum Beispiel von dem einflussreichen Journalisten und Politiker Thomas D’Arcy McGee – auf, Literatur solle einen kollektiven Identitätsbegriff entwerfen und somit das Bewusstsein einer kanadischen Nationalität fördern. Die „Confederation Poets“[36], deren erste Gedichtbände ab 1880 entstanden, hatten das Ziel, eine spezifisch kanadische poetische Sprache zu entwickeln. Dichter wie Sir Charles G. D. Roberts oder Bliss Carman versuchten in ihren naturmystischen Landschaftsgedichten, eine typisch kanadische Natur- und Landschaftserfahrung darzustellen.[37]

In der Zeit nach der Konföderation tauchte also zum ersten Mal die für Kanada bis heute so wichtige Identitätsdiskussion auf. Die Prosa reagierte darauf allerdings kaum, sondern blieb weiterhin überwiegend konservativ und orientierte sich an britischen Vorbildern. In der Lyrik schuf man hingegen Ansätze einer eigenen literarischen Entwicklung, die auch im Ausland beachtet wurde.

2.3 Die Literatur vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zu den ­ 1960ern

2.3.1 Historische Entwicklungen

Die Hoffnung Kanadas auf mehr politische Selbstständigkeit erfüllte sich und somit stellte die Teilnahme am Ersten Weltkrieg für das „Dominion“ einen großen Schritt auf dem Weg in die Unabhängigkeit dar. Die hohen Kriegsanstrengungen wurden durch eine völlig neue Rolle in der Weltpolitik belohnt: Kanada wurde selbstständiges Mitglied bei internationalen Organisationen, bekam einen eigenen Sitz im Völkerbund und erhielt schließlich durch den „Westminster-Statut“ 1931 – obwohl er Kanada über den Commonwealth noch an das Empire band – die staatliche Souveränität.[38]

Die Spannungen innerhalb des Landes hatten sich jedoch erneut verstärkt: Gegen den Widerstand der frankokanadischen Abgeordneten war 1917 mit dem „Military Service Act“ die Wehrpflicht eingeführt worden. Dies hatte zu einer weiteren Verschlechterung des Verhältnisses der beiden dominanten ethnischen Gruppen geführt. Als Kanada freiwillig in den Zweiten Weltkrieg eintrat, wurde 1942 erneut die Konskription beschlossen, was bis heute einer der Gründe für die tiefe Kluft zwischen Anglo- und Frankokanadiern ist.

Allerdings fand während des Zweiten Weltkrieges eine Annäherung zwischen Kanada und den USA statt. Die USA ersetzten größtenteils den bisherigen Bündnispartner Großbritannien und gewannen zunehmend Einfluss in Kanada.[39] Viele Kanadier sahen dadurch ihre noch so junge Unabhängigkeit gefährdet und die Diskussion um die nationale Identität flammte erneut auf.

2.3.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes

In den zwanziger Jahren begann sich sehr langsam ein eigener kanadischer Literaturbetrieb zu entwickeln, was sich auch in der Entstehung neuer Literaturzeitschriften ausdrückte. Im 1920 gegründeten Canadian Forum bemerkte der Kritiker Douglas Bush dennoch sarkastisch: „No one reads a Canadian novel unless by mistake.“[40]

Waren in der Prosa vor allem Abenteuerroman und Romanze populär gewesen, wandten sich die Autoren nun langsam dem andernorts bereits etablierten Realismus zu. In den USA war im Realismus und im Naturalismus vor allem die Großstadt ein verbreitetes Thema; in Kanada konzentrierte man sich eher auf den agrarischen Westen und das harte Leben auf der Farm, wodurch das typische Genre des Prärieromans geschaffen wurde. Neu waren eine stärkere Psychologisierung des Romans, ein Wechsel vom traditionell auktorialen Erzähler hin zur Figurenperspektive und die Konzentration auf den Menschen anstelle der Natur.[41] Einer der ersten Kanadier, die sich am in anderen Ländern bereits existierenden Naturalismus – beispielsweise von Emile Zolá oder Jack London – orientierten, war Frederick Philip Grove.[42]

In seinen halb autobiographischen Werken schildert er eindrucksvoll die „Canadian experience“, die Konfrontation des isolierten Einzelnen mit der leeren und weiten Prärie, das Gefühl der Isolation und die Sehnsucht des Einwanderers nach seinem kulturellen Erbe. Da sich der Literaturbetrieb noch immer nicht vollends entwickelt hatte, gab es jedoch kaum Kritiker, die sich mit Groves Werk auseinandersetzten.[43] Zu dem Mangel an bedeutender kanadischer Literatur äußerte sich der Autor überspitzt: „We have a bookshelf reaching from Halifax to Victoria; and on it stands a single book, written by a Frenchman transient in Canada.“[44] Einer der Gründe für diese Situation, an der sich bis in die fünfziger Jahre kaum etwas änderte und die zu einem kulturellen Pessimismus führte, war, dass die Bedürfnisse des kanadischen Publikums größtenteils durch Literatur aus den USA befriedigt wurden.[45]

Der Autor Hugh MacLennan äußert sich im Vorwort seines 1941 erschienen Romans Barometer Rising ähnlich wie Grove: „There is as yet no tradition of Canadian literature.“[46] Er fordert die Verwendung unverkennbar kanadischer Schauplätze und die detaillierte Darstellung aktueller Ereignisse und Probleme des Landes, um die Kanadier zu einer Beschäftigung mit sich selbst und ihrer Heimat zu bewegen. Seine Forderungen ergänzten die stets präsente Identitätsdiskussion, die durch den wachsenden Einfluss der USA neue Schärfe gewann. Mit seinem Roman Two Solitudes (1945), der die schwierige Koexistenz von Anglo- und Frankokanadiern thematisiert, ging McLennan mit gutem Beispiel voran.[47]

Bis Ende der fünfziger Jahre fand jedoch kein besonders ausgeprägter Innovationsschub statt und es gab nur wenige experimentelle Autoren, die modernistische Techniken wie z.B. Multiperspektivität anwandten. Für die Prosa gilt deshalb durchaus die Bemerkung, sie habe „ohne eine ausgeprägte modernistische Phase einen Sprung vom Realismus direkt zur Postmoderne“[48] gemacht.

Die Lyrik hingegen war – wie bereits vor dem Ersten Weltkrieg – fortschrittlicher: Mit der „Montreal Group“, einer Gruppe von Studenten der McGill University in Montréal, formierte sich eine poetische Avantgarde. Mitglieder wie A. J. M. Smith oder F. R. Scott nahmen sich modernistische Lyriker Großbritanniens und der USA wie beispielsweise T. S. Elliot oder Ezra Pound zum Vorbild. Sie forderten eine formal souveräne Literatur – in der Lyrik z.B. verwirklicht durch freie Rhythmen – und neue Themen statt kanadischer Stereotype.[49]

Ein Lyriker, der in der Identitätsdiskussion der vierziger und fünfziger Jahre eine besonders wichtige Rolle spielte, war Earle Birney. In seinem Gedicht „Can. Lit.“ (1947, überarbeitet 1966) machte er besonders die Geschichtslosigkeit und das Fehlen von Tradition – im Gegensatz zu den USA – für das Identitätsproblem verantwortlich:

“… We French, we English never lost our civil war

Endure it still, a bloodless civil bore;

No wounded lying about, no Whitman wanted

It’s only by our lack of ghosts we’re haunted.”[50]

Der kanadische Roman vor 1960 wurde von Northop Frye, treffend als „formula writing“ bezeichnet. Dies macht deutlich, dass sowohl formal als auch thematisch eine geringe Variationsbreite feststellbar war und vor allem auf bereits Bekanntes zurückgegriffen wurde. Es war also wiederum die Lyrik, die mit der „Montreal Group“ einen wichtigen Schritt in Richtung Moderne vollzog.

2.4 Die Literatur der 1960er bis heute

2.4.1 Historische Entwicklungen

Ende der fünfziger Jahren begann in der Politik, vor allem im Bereich der Kulturpolitik, eine neue Ära. 1958 löste der Konservative John Diefenbaker den bisherigen Premierminister Lester Pearson ab, dessen Politik nichts an der Lethargie und dem kulturellen Pessimismus hatte ändern können. Der neue Premier verfolgte eine populistische Politik und verbreitete visionäre Zukunftsperspektiven, was dem kanadischen Nationalbewusstsein neuen Aufschwung gab. Auch die Hundertjahrfeier der Konföderation im Jahre 1967 führte zu wachsendem Nationalstolz[51]. Unter anderem dadurch bedingt, nahm ab dieser Zeit die öffentliche Kritik an der Übermacht der USA und ihrem großen Einfluss auf die kanadische Politik, Kultur und Wirtschaft zu. Die staatliche Kulturpolitik sah es nun als ihre Aufgabe, zu der Definition einer neuen Rolle Kanadas beizutragen und damit den Einfluss des südlichen Nachbarn zu verringern. Dazu war bereits 1949 die „Royal Commission on National Development in the Arts, Letters and Sciences“ eingesetzt worden. 1951 veröffentlichte sie ihren wichtigsten Bericht – den so genannten „Massey-Report“[52]. Darin warnte sie vor dem Einfluss der USA, „which is beneficial in many respects no doubt, but which, at the same time, may be almost overpowering“[53] und gab Empfehlungen zur Stärkung eines von den USA unabhängigen und unbeeinflussten Kultur- und Wissenschaftsbetriebes. So wurde 1957 der „Canada Council“ als eine unabhängige Organisation zur Förderung von Kultur und Wissenschaft gegründet, der unter anderem seit 1959 Vorschläge für Nominierungen für den höchsten kanadischen Literaturpreis, den „Governor General’s Award“, vergibt.

Nach der gescheiterten Politik der Assimilierung und der Zeit der Akkommodation, wuchsen in den sechziger Jahren die Emanzipationsbestrebungen der Frankokanadier. Als 1960 in Québec die Liberalen an die Macht kamen, wurde die so genannte „révolution tranquille ausgelöst; die Frankophonen wollten endlich, „maître chez nous“ – also autonom – werden. 1963 wurde unter anderem aus diesem Grund die „Royal Commission on Bilingualism and Biculturalism“ gegründet, deren Berichte dazu führten, dass die französische und englische Sprache und Kultur auf Bundesebene gleichberechtigt wurden.[54]

Entgegen dem US-amerikanischen Symbol, dem „melting pot“, wurde in den 1960ern für die soziokulturelle Struktur Kanadas das Bild des „cultural mosaic“ geprägt, demzufolge eine Koexistenz verschiedener Völkergruppen unter Bewahrung ihrer kulturellen Eigenheiten angestrebt wurde.[55] Jede dieser ethnischen Gruppierungen sollte sich und seine Stellung innerhalb des Landes klar darstellen; gleichzeitig sollten sich aber alle Völkergruppen gemeinsam als „Canadians“ definieren, um sich so insbesondere gegenüber den USA zu positionieren. Die politische Idee des Multikulturalismus, die sogar in der kanadischen Verfassung verankert ist[56], wurde in der Folge jedoch häufig kritisiert. So äußerte der Kritiker, Historiker und Philosoph George Woodcock 1973 zum Beispiel, dass das Nebeneinander-Leben der verschiedenen Gruppen und der „anti-assimilationism“ dazu beigetragen hätten, dass Kanada sich mit der Definition einer eigenen Identität so schwer tue.[57]

Weitere bedeutende Entwicklungen im kulturellen Bereich, die in den 1960ern erreicht wurden, waren: bessere ökonomische Bedingungen durch öffentliche Subventionierung, verbesserte Publikationsmöglichkeiten durch eine steigende Anzahl unabhängiger kanadischer Verlage, weitere Zeitschriftengründungen[58] und die Anerkennung von „Canadian Literature“ als eigenes Studienfach an Universitäten.

2.4.2 Entwicklung der Literatur und des Identitätsbegriffes

Die Bemerkung „Boy Meets Girl in Winnipeg, and Who Cares?“, die Hugh MacLennan 1960 äußerte[59], charakterisiert durchaus den Zustand der kanadischen Literatur vor den sechziger Jahren. Die Stagnation und der kulturelle Pessimismus wurden 1959 allerdings schlagartig durch eine neue dynamische Phase, die Northrop Frye, einer der wichtigsten Literaturkritiker Kanadas, als „colossal verbal explosion“[60] bezeichnete, abgelöst: die so genannte „literary renaissance“. Es ereignete sich ein Wandel weg vom „formula writing“ und hin zu innovativer Literatur mit großer Variationsbreite in Form und Thema.

Eine wichtige Grundlage für diesen Wandel waren die positiven Veränderungen in der Kulturpolitik, die einen generellen kulturellen Nationalismus hervorriefen.[61] Im Zuge dieses kulturellen Nationalismus’, der der Identitätsdebatte neue Perspektiven verlieh, wurde der Literatur erneut eine besondere Funktion zugeschrieben: Sie sollte für Kanada, ein Land, das durch einen Verwaltungsakt künstlich geschaffen worden war und dem es deshalb an Staatsbewusstsein und nationaler Einheit mangelte, einen kollektiven Identitätsbegriff entwerfen. Statt sich immer nur durch die Ablehnung fremder Identitäten (nicht-europäisch, nicht-US-amerikanisch), also negativ zu definieren, sollten nun eigene Identitätsmerkmale entwickelt werden.[62]

[...]


[1] Im Juni 2000 veranstaltete die Marburger Universitätsbibliothek zusammen mit dem Goethe Institut Toronto den „Kanadischen Literaturtag“, in dessen Rahmen verschiedene Vorträge und Diskussionsrunden stattfanden und dessen Programm in einem Sammelband dokumentiert wurde (Reflections of Canada. Hrsg.: Martin Kuester, Marburg: Universitätsbibliothek Marburg, 2000); gleichzeitig erschien besagte Sonderausgabe von www.literaturkritik.de (http://www.literaturkritik.de/public/inhalt.php?ausgabe=200006). Den oben angesprochenen Beitrag verfasste Martin Kuester, Direktor des Marburger Zentrums für Kanada-Studien.

[2] In seinem Werk A Nation too Good to Lose befasst sich Joe Clark unter anderem mit den Separationsbestrebungen Québecs und der zukünftigen Rolle Kanadas in der Welt. Die hier wiedergegebenen Zitate sind die Überschriften zweier Kapitel dieses Werks. Clark, Joe: A Nation too Good to lose. Toronto: Key Porter, 1994. S.180 bzw. S.194

[3] Vgl. Interview mit Astrid Holzamer, Anhang, S.88

[4] Vgl. zu den Veranstaltungen die folgenden URLs: http://www.literaturfestival.com/index.php, http://www.frankfurt-book-fair.com/imperia/md/content/pdf/unternehmen/factsfigures/8.pdf und http://www.buchhandelsverband.de/stuttgart/html/besucher_inhalt.html .

[5] Dieser Titel wird seit 2001 jedes Jahr von der UNESCO, der „International Federation of Library Associations and Institutions“ (IFLA) und anderen Organisationen an Städte verliehen, die vorbildliche Konzepte zur Stärkung von Buchindustrie und Leseförderung vorweisen können. Vgl. http://www.wikipedia.org .

[6] Howells, Coral Ann: Margaret Atwood. 1. Aufl.; New York: St. Martin’s Pr., 1995. S.6

[7] Atwood, Margaret (c): Der lange Traum (Surfacing, Toronto: McClelland and Stewart, 1972, übers. von Reinhild Böhnke, dt.) Genehmigte Taschenbuchausg.; 1. Aufl.; München: Goldmann, 1988.

[8] Seeber, Hans-Ulrich (Hrsg.): Englische Literaturgeschichte. 3., erw. Aufl.; Stuttgart: Metzler, 1997. S.426

[9] Ondaatje, Michael: In der Haut eines Löwen (In the Skin of a Lion, Toronto: McClelland and Stewart, 1987, übers. von Peter Torberg, dt.). Ungekürzte Ausg., München: Dt. Taschenbuch-Verl., 1993.

[10] Urquhart, Jane: Fort (Away, Toronto: McClelland and Stewart, 1993, übers. von Werner Richter, dt.). Genehmigte Taschenbuchausg.; 1. Aufl.; München: Goldmann, 1997.

[11] Zitiert nach Pache, Walter (a): Einführung in die Kanadistik. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1981. S.9

[12] Zitiert nach Koestler, Richard: Nationenbildungsprozesse in Kanada. München, Univ., Diss., 1995. S.104

[13] So wurde zum Beispiel das französische Zivilrecht offiziell anerkannt und das Recht auf freie Religionsausübung zugestanden. Vgl. Pache (a), S.17

[14] Lord Durham forderte 1839 in seinem „Report on the Affairs of British North America“ die Vereinigung der Provinzen Upper und Lower Canada (heute Ontario und Québec), um die Assimilation der frankophonen Bevölkerung zu beschleunigen. Allerdings setze sich eine Politik der Akkommodation, also der Akzeptanz der Eigenständigkeit der Frankophonen durch. Löschnigg, Maria; Löschnigg, Martin: Kurze Geschichte der kanadischen Literatur. Stuttgart [u.a.]: Klett, 2001. S.13

[15] Vgl. Löschnigg, S.12f.

[16] Pache (a), S.33ff.

[17] Zitiert nach Doran, Charles F.: Canada and the United States. Englewood Cliffs: Prentice-Hall, 1985. S.121

[18] Vgl. Zapf, Hubert (Hrsg.): Amerikanische Literaturgeschichte. Stuttgart: Metzler, 1997. S.528

[19] Douglas LePan veröffentlichte 1948 ein gleichnamiges Gedicht, das mit folgenden Worten beginnt:„No monuments or landmarks guide the stranger...“. Zitiert nach Pache (a), S.46

[20] Vgl. Goetsch, Paul (a): „Kanada“. In: C ommonwealth-Literatur. Hrsg.: Jürgen Schäfer. Düsseldorf: Bagel, 1981. S.100

[21] Vgl. Groß, Konrad „Identity, Identities : Infamous Canadian Pastime, Venerable Quest, or Trivial Pursuit?“. In: O Cana da. Hrsg.: Jørn Carlsen, Aarhus: Aarhus Univ. Pr., 1995. S.27f.

[22] Dieses äußerte der britische Lyriker Rupert Brooke als er 1912 auf dem St. Lawrence reiste. Zitiert nach Zapf, S.522

[23] Vgl. Keith, William J.: Canadian literature in English. London: Longman, 1985. S.41

[24] Vgl. Zapf, S.531

[25] Vgl. Löschnigg, S.13

[26] Noch bis 1949 unterlagen alle Verfassungsänderungen einer formellen Anerkennung der britischen Regierung und erst 1982 wurde die Verfassung als „Constitution Act“ (oft auch als „Canada Act“ bezeichnet) schließlich „heimgeholt“, wofür die Kanadier das Wort „patriated constitution“ prägten. Vgl. Koestler, S.106ff.

[27] Auszug aus dem Gedicht Our Lady of the Snows von 1897. Zitiert nach Zapf, S.536

[28] Das Motto stammt aus dem Psalm 72, welcher im Original folgendermaßen lautet: „Et dominabitur a mari usque ad mare, et a flumine usque ad terminos terrae.“ Die englische Übersetzung dieses Psalms heißt: „He shall have dominion also from sea to sea, and from the river unto the ends of the earth.“ Vgl. http://www.thecanadianencyclopedia.com .

[29] Vgl. Löschnigg, S.27

[30] Beide Zitate in Müller, Marianne: “What is the Matter with Canadian Literature?”. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin, 30 (1981) 6. S.629

[31] Vgl. Müller, S.630

[32] Vgl. Pache, Walter (b): „Canadian Literature in English“. In: Aus der Werkstatt der Augsburger Kanadistik. Hrsg.: Rainer-Olaf Schultze, Bochum: Universitätsverlag Brockmeyer, 1996. S.11

[33] Als wichtige Ausnahme ist hier The Imperialist von Sara Jeanette Duncan zu nennen, der sich durch eine Analyse der politischen und gesellschaftlichen Phänomene dieser Zeit auszeichnet. Vgl. Löschnigg, S.29

[34] Vgl. Zapf, S.538

[35] Vgl. Zapf, S.536

[36] Diese wichtige Bewegung der Lyrik erhielt diesen Namen, weil ihre Mitglieder alle in den 1860ern, kurz vor der Konföderation geboren wurden. Vgl. New, William H. (a): A history of Canadian Literature. Basingstoke: Macmillan, 1989. S.118

[37] Vgl. Pache (b), S.12

[38] Vgl. Löschnigg, S.36

[39] Mit dem Ogdensburg-Abkommen (1940), durch das ein ständiger gemeinsamer Verteidigungsrat gegründet wurde und mit dem Hyde-Park-Abkommen (1941) rückten die beiden Staaten politisch bzw. wirtschaftlich näher zusammen. Vgl. Löschnigg, S.37

[40] Zitiert nach Pache (a), S.1

[41] Vgl. New (a), S.156ff.

[42] Erst in den 1970ern wurde bekannt, dass es sich bei Grove um den in Deutschland geborenen Felix Paul Greve handelte. Der Autor war durch mehrere Romane und Übersetzungen von Werken Oscar Wildes und André Gides bekannt geworden und verschwand 1909 unter geheimnisvollen Umständen aus Deutschland. 1912 tauchte er in Manitoba auf und setzte dort unter neuem Namen seine Karriere als Schriftsteller fort. Vgl. Zapf, S.453

[43] Vgl. Zapf, S.543

[44] Zitiert nach Pache (a), S.68f. Grove meint damit das Werk „Maria Chapdelaine“ (1913) des französischen Einwanderers Louis Hémon, welches eine Momentaufnahme des bäuerlichen Québec um die Jahrhundertwende ist, in zwanzig Sprachen übersetzt und später sogar verfilmt wurde. Vgl. http://www.thecanadianencyclopedia.com .

[45] Vgl. Pache (a), S.68f.

[46] Zitiert nach Keith, S.133

[47] Vgl. Keith, S.133ff.

[48] Zitiert nach Löschnigg, S.46

[49] Vgl. Löschnigg, S.56

[50] Zitiert nach Pache (a), S.90f.

[51] Dieses neue Nationalbewusstsein drückte sich unter anderem darin aus, dass die frühere kanadische Flagge, die den britischen Union Jack enthalten hatte, 1965 durch die „Maple Leaf Flag“ mit dem charakteristischen Ahornblatt ersetzt wurde. Seit 1980 gilt außerdem offiziell „O Canada“ statt „God Save the Queen“ als Nationalhymne. Vgl. Koestler, S.108f.

[52] Dieser Report wurde nach dem Leiter dieser Kommission, dem Diplomaten und späteren Generalgouverneur Vincent Massey, benannt. Vgl. Zapf, S.545

[53] Auszug aus dem Massey-Report zitiert nach New, William H. (b) (Hrsg.): Encyclopedia of literature in Canada. Toronto: Univ. of Toronto Pr., 2002. S.1144

[54] Vgl. Zapf, S.545f.

[55] Vgl. Smith, Allan: Canada : an American nation?. Montréal [u.a.]: McGill-Queen’s Univ. Pr., 1994. S.127ff.

[56] Im Artikel 27 des “Constitution Act” von 1982 heißt es: „This Charter shall be interpreted in a manner consistent with the preservation and enhancement of the multicultural heritage of Canadians.” Zitiert nach http://www.thecanadianencyclopedia.com .

[57] Vgl. Löschnigg, S.67

[58] Als wichtigste Literaturzeitschriften sind hier Canadian Literature (1959 von George Woodcock gegründet) und The Malahat Review (1967 gegründet) zu nennen.

[59] MacLennan meinte damit, dass auch die häufige Verwendung provinzieller Themen in der kanadischen Literatur dazu führe, dass diese außerhalb des Landes, vor allem in den USA, kaum auf Interesse stoße. Zitiert nach Pache (a), S.72

[60] Zitiert nach Pache (a), S.62

[61] Im Unterschied zum politischen Nationalismus, der durch ein Streben nach Macht und territorialer Ausdehnung gekennzeichnet ist, bedeutet kultureller Nationalismus laut John Sutherland, dem Herausgeber einer der ersten wichtigen modernistischen Zeitschriften Kanadas (First Statement 1942-1945), folgendes: „Cultural nationalism is rooted in the ethnic group’s desire to survive, to preserve an identity and to maintain a set of values and attitudes which produce feelings of belonging, security and dignity, […]“. Vgl. Pache (a), S.67ff.

[62] Vgl. Pache (a), S.67ff.

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten

Details

Titel
Die "andere" Literatur Nordamerikas: das kulturelle Selbstverständnis Kanadas im Spiegel seiner Literatur
Untertitel
Dargestellt an Romanen von Margaret Atwood, Michael Ondaatje und Jane Urquhart
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
96
Katalognummer
V35149
ISBN (eBook)
9783638351591
ISBN (Buch)
9783638704625
Dateigröße
2302 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nordamerikas, Selbstverständnis, Margaret Atwood, Michael Ondaatje, Jane Urqhuart, Kanada
Arbeit zitieren
Regina Männle (Autor), 2004, Die "andere" Literatur Nordamerikas: das kulturelle Selbstverständnis Kanadas im Spiegel seiner Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35149

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