Die Hugenotten im Preussen Friedrichs II.


Hausarbeit, 2001

21 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Herkunft und Entwicklung hugenottischer Bevölkerung

in aller Welt

I. Die ersten Hugenotten Preußens
I.1 Petrus Waldus und Jean Calvin
I.2 Die„Peuplierungspolitik“
I.3 Vergünstigungen

II. Der Einfluss der Hugenotten auf Friedrich II
II.1 Das Kindermädchen
II.2 Der Lehrer
II.3 Die Freunde

III. Der hugenottische Einfluss auf Preußen
III.1 Die Industrie
III.1.1 Die Handschuhmanufaktur
III.1.2 Der Handel
III.1.3 Die Wollindustrie
III.1.4 Die Strumpffabrikation
III.2. Die Kirche
III.2.1 Der Bau der Kirchen
III.3. Die Integrierung
III.3.1 Die Veränderung der Sprachen
III.3.2 Deutsche und französische Essgewohnheiten
III.3.3 Der Einfluss der Hugenotten auf die preußische Bevölkerung

Nachwort

Literaturhinweis

Einleitung:

Der Auszug der Hugenotten zwischen Mittelalter und Neuzeit stellt eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der europäischen Völker dar. Als Hugenotten bezeichnet man jene Protestanten, die in einem französischen Staats-, Kultur- und Sprachraum lebten. Eine Menschenbewegung von religiösen Minderheiten diesen Ausmaßes ist seit der Völkerwanderung nicht bekannt. So traten mit ihrem Auszug auch die damit verbundenen Probleme eben dieser Minderheiten zum ersten Mal in ihrer ganzen Tragweite zu Tage. Es handelte sich um eine Minderheit, deren Bestand man durch das Toleranzedikt von Nantes 1598 offiziell anerkannte und durch die Aufhebung eben dieses Ediktes 1685 wieder entzog.[1] Dieses Vorgehen stellte sich zunächst als ein rein auf religiösen Differenzen begründetes Problem für die hugenottische Minderheit dar.

Bei näherer Betrachtung aber lässt sich erkennen, dass die höfische Politik im Hintergrund die eigentlich treibende Kraft war: eine absolutistische Politik des Egoismus und der Menschenverachtung, eine unchristliche, ja „lieblose“ Politik, die eine Auswanderung von etwa 250 000 Protestanten (vorwiegend aus Frankreich) zur Folge hatte.[2]

Zeiten, in denen die Hugenotten von der höfischen Macht verfolgt wurden standen in stetigem Wechsel mit Zeiten gegenseitiger Entspannung.

Ein Höhepunkt der Hugenottenverfolgung stellt die spanische Terrorherrschaft von 1567 bis1573 in den damals spanischen Niederlanden unter dem berüchtigten Herzog Alba dar. Mit Gewalt versuchte dieser, die Protestanten in den Schoß der christlich-mittelalterlichen Kirche zurückzuzwingen. So zerfielen die spanischen Niederlande in das katholische Belgien und in die sieben protestantischen Nordprovinzen, in die heutigen Niederlande. Die protestantischen Wallonen flohen aus den spanischen Niederlanden vor allem nach England und nach Deutschland.[3]

Während dieser Zeit, mit der berühmten Bartholomäusacht 1572, kulminierten die völksverächtenden Vorgehensweisen der höfischen Macht aufs Schärfste: Um den Einfluss der Hugenotten unter der Führung Admiral Colignys auszuschalten, ließ die Königinmutter Katharina von Medici bei der Hochzeit ihrer Tochter Margarete von Valois mit Heinrich von Navarra, dem späteren französischen König Heinrich IV., in Paris ca. 20 000 Hugenotten ermorden. Dies führte wiederum zu einer enormen Fluchtbewegung der betroffenen Bevölkerung.

Der französische König Heinrich IV. hingegen war selbst Protestant und brachte daher der hugenottischen Bevölkerung Kompromissbereitschaft entgegen. Es gelang ihm seiner Zeit durch Güte, Nachsicht und Klugheit in seinem Handeln, Katholiken und Protestanten weitgehend auszusöhnen.

Durch seine Herrschaft wurden den Hugenotten Gewissensfreiheit und sogenannte „villes d’otages“ (Sicherheitsplätze) zugesprochen. Hierzu gehörten Kirchen und andere Orte der Rückzugsmöglichkeiten, durch welche die Gefahr der Verfolgung gebannt werden konnte.[4]

Das Ergebnis dieses Kompromisses wurde im sogenannten Edikt von Nantes 1568 festgehalten. Frankreich blieb Katholisch, integrierte aber die Hugenotten. Der protestantische König Heinrich IV. verwirklichte in Frankreich den nationalen Einheitsstaat und wurde katholisch, da er sich der Forderung Frankreichs nach katholischer Führung unterwarf. Die Vermeidung eventueller Unruhen, welche ihn als protestantischen König in Paris und Frankreich hätten ereilen können, war ihm seine Umtaufe, die in der berühmten pariser Messe stattfand, wert.[5]

Etwa 100 Jahre später wurde das Ediktes von Nantes durch den französischen König Ludwig XIV. widerrufen. Nachdem durch die menschenunwürdigen Einquartierungen der Dragonen in protestantische Familien, die sogenannten „Dragonaden“ (vor allem im südlichen Frankreich) einige hunderttausend Reformierte „ohne mit Herz aber mit Verstand bekehrt“ worden waren, hob der französische König Ludwig XIV . am 18. Oktober 1685 das Freiheitsedikt von Nantes, welches sein Großvater Heinrich IV. erlassen hatte, auf.[6]

Die Ausübung einer reformierten Religion war von nun an unter Androhung der Todesstrafe verboten. Die Kirchen der Reformierten wurden zerstört. Die Auswanderung der reformierten Gläubigen wurden bei Männern mit der Galeerenstrafe und bei Frauen mit der Kerkerhaft oder Deportation verfolgt.

Zum Überleben boten sich den Hugenotten in Frankreich drei Entscheidungsmöglichkeiten: Zum einen konnte man seinen reformierten Glauben abschwören und wieder in den Schoß der französisch-katholischen Kirche zurückzukehren, was nicht wenige taten.Zum anderen gab es die Möglichkeit sich in den Untergrund zu begeben, um dort im Verborgenen nach reformiertem Glauben zu leben. Oder man verließ trotz des königlichen Verbots Frankreich schließlich ganz. Etwa eine viertel Million Protestanten gingen diesen beschwerlichen Weg ins Ungewisse. Unter ihnen waren 12 000 Soldaten, 9 000 Matrosen und 600 Offiziere. In Brandenburg-Preußen gab es ganze Truppeneinheiten, die ausschließlich aus hugenottischen Soldaten und Offizieren bestanden.[7]

Mit diesen Fluchtbewegungen flossen viele Millionen Gelder außer Lande. In Frankreich waren einige Gebiete nahezu entvölkert. Der Zusammenbruch vieler einst florierender Fabriken, vor allem in der Textil- und Lederindustrie, ruinierte in weiten Landstrichen die französische Wirtschaft, denn mit der Auswanderung der Hugenotten verlor Frankreich das Potential einer wichtigen industriellen Elite, die nun anderen Ländern der Welt zugute kam.

Bevorzugtes Zufluchtsland waren die wirtschaftlich hochentwickelten Niederlande. Dorthin flohen 85 000 Hugenotten. Einige von ihnen gingen mit der niederländisch-ostindischen Handelskompanie nach Südafrika. Ein Nachkomme eben dieser hugenottischen Einwanderer ist beispielsweise der Herzchirurg Professor Christian Barand .

Mit etwa 70 000 hugenottischen Einwanderern stehen England, Irland und Schottland an der zweiten Stelle der Zufluchtsländer. Hugenotten flohen in die Schweiz. Doch mussten wegen der Enge des kleinen Landes viele Flüchtlinge das Land wieder verlassen. Sie zogen über Basel, vor allem nach Württemberg und Hessen. Etwa 2 000 von ihnen gingen nach Dänemark und Schweden. Vielen Hugenotten bat aber vor allem die Auswanderung nach Russland die Möglichkeit sich eine gesicherte Existenz aufzubauen und eine steile Karriere anzutreten. Erwähnt sei hier die Familie Fabergé, die eine in vielen europäischen Städten vertretene Juwelier-Dynastie gründete.[8]

Etwa 44 000 Hugenotten ließen sich in Deutschland nieder. Ungefähr die Hälfte, nämlich 20 000 dieser Hugenotten fanden durch den Großen Kurfürsten, der sie mit seinem Edikt von Potsdam in sein Land einlud, in Brandenburg eine neue Heimat.

Geistliches Zentrum war und ist bis heute der Französische Dom am Gendarmenmarkt in Berlin. Es seinen hier nur einige der bedeutendsten Hugenotten Brandenburgs genannt:

-Daniel Chodowiecki, Graphiker und Maler, dessen Mutter eine Hugenottin aus Danzig war,
–Friedrich Baron de la Motte-Fouquet, ein spätromantischer Lyriker,
–Franz Karl Achard, Physiker und Chemiker, dem wir die Herstellung des Zuckers aus Zuckerrüben verdanken und -nicht zu vergessen-

Theodor Fontane, dessen literarisches Werk heute Weltruhm genießt.

Nach dem hier vorliegenden, allgemeinen Einblick in die Herkunft sowie in Teile politischer und sozio- kulturelle Lebensbedingungen der Hugenotten, sollen im weiteren Verlauf meiner Arbeit die Anfänge der Hugenotteneinwanderung nach Preußen vertieft dargestellt werden. Anschließend soll versucht werden zu erklären, welchen Einfluss die Hugenotten auf die Erziehung Friedrich II. hatten. Schließlich soll die „neue Stärke“ Preußens, nämlich das wirtschaftliche und sozio- kulturelle Potential, welches die hugenottische Bevölkerung nach Preußen mitbrachte, näher beleuchtet werden.

Frau Wiebke Lange danke ich für die grammatikalische und orthographische Durchsicht meines Manuskriptes. Herrn Hans W. Wagner mit seinen Kenntnissen der Hugenotten in Deutschland und in aller Welt danke ich für seine Hinweise auf die Literatur und für die hilfreichen Gespräche.

[...]


[1] vgl. Müller, Helmut M.: Zürich- Deutsche Geschichte in Schlaglichtern. Meyers Lexikonverlag. 1996, S. 115.

[2] vgl. Gagg, Robert: Basel- Hugenotten- Profil ihres Glaubens. Kommissionsverlag Friedrich Reinhardt. 1984, S. 57.

[3] vgl. Wagner, Hans W.: Kassel- Hugenottenland Hessen. Evangelischer Presseverband Kuhrhessen-Waldeck e.V. 1985, S. 15

[4] vgl. Müller, Helmut M., a.a.O. , S. 122.

[5] vgl. Müller, Helmut M, a.a.O. , S. 180.

[6] vgl. Muret,Ed: Berlin- Geschichte der Französischen Kolonie. Drud von W. Bürenstein, 1885. S. 288.

[7] Muret, Ed: Berlin- Geschichte der Französischen Kolonie. Drud von W. Bürenstein, 1885, S. 307

[8] vgl. The Art of Peter Carl Fabergé. New York- A la vieille Russie . Inc . 1961, S. 26

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Hugenotten im Preussen Friedrichs II.
Hochschule
Université d'Artois  (Fachbereich Germanistik)
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V3534
ISBN (eBook)
9783638121804
ISBN (Buch)
9783638776189
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hugenotten, Preussen, Friedrichs
Arbeit zitieren
Laetitia Roszyk (Autor), 2001, Die Hugenotten im Preussen Friedrichs II., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3534

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