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Der Liberale Intergouvernementalismus als Erklärungsmodell für die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl

Titel: Der Liberale Intergouvernementalismus als Erklärungsmodell für die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl

Essay , 2012 , 6 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Ronja Maus (Autor:in)

Politik - Thema: Europäische Union
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl war die erste supranationale Organisation Europas. Ohne sie als Vorläufer würde die Europäische Union, wie wir sie gegenwärtig kennen, nicht existieren. Die heutigen Organe haben ihren Ursprung in diesem Integrationsprojekt, das unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Damals war es unbedingt erforderlich, Westeuropa ökonomisch wieder aufzubauen. Gleichzeitig suchte man nach Mitteln, einen nachhaltigen und langfristigen Frieden zu sichern. So entstand das Projekt der EGKS, dessen Grundlage eine Zusammenlegung der Kohle und Stahlproduktion der Mitgliedsländer, vornehmlich Frankreich und Deutschland, war.

Dieser Essay beleuchtet die Gründung der EGKS. Dabei bedient er sich dem theoretischen Ansatz des Liberalen Intergouvernementalismus, der im Folgenden kurz vorgestellt wird. Anschließend wird in Kapitel 3 dieses Essays die Institution EGKS eingeführt. Darauf aufbauend, untersucht der Essay, inwiefern sich das theoretische Konzept des LI auf das Praxis-Beispiel der EGKS übertragen lassen. Die Leitfrage ist daher, wie finden sich die Annahmen des LI in den Phasen der Gründung der EGKS wieder? Dementsprechend werden folgende Fragen aufgeworfen: Wie sahen nationale Interessen aus? Wie gestalteten sich die zwischenstaatlichen Verhandlungen? Welche Struktur haben die gegründeten Institutionen der EGKS?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund: Der Liberale Intergouvernementalismus

3. Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl

4. Anwendung der Theorie des LI am Beispiel der EGKS

4.1 Stufe 1: Bildung der nationalen Präferenzen

4.2 Stufe 2: Zwischenstaatliche Verhandlungen

4.3 Stufe 3: Bildung supranationaler Institutionen

5. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) anhand des theoretischen Rahmens des Liberalen Intergouvernementalismus (LI). Ziel ist es, die Phasen der nationalen Präferenzbildung, der zwischenstaatlichen Verhandlungen sowie der institutionellen Ausgestaltung auf ihre Übereinstimmung mit den zentralen Annahmen der Theorie zu prüfen und zu validieren.

  • Analyse der nationalen Präferenzen der beteiligten Akteure im historischen Kontext.
  • Untersuchung der zwischenstaatlichen Verhandlungsprozesse und Kompromissfindungen.
  • Evaluierung der supranationalen Institutionen der EGKS als Instrumente des "Credible Commitment".
  • Vergleich der theoretischen Konzepte mit dem praktischen Fallbeispiel der EGKS-Gründung.

Auszug aus dem Buch

4.2 Stufe 2: Zwischenstaatliche Verhandlungen

Gemäß der Theorie des LI findet nach der Bildung der nationalen Präferenzen die Phase der zwischenstaatlichen Verhandlungen statt. Am folgenden Beispiel der EGKS-Gründungs-Verhandlungen wird sehr passend illustriert, wie nationale Regierungen miteinander in einem „Bargaining-Prozess“ stehen.

Bereits 1950 unterbreitete der damalige französische Außenminister Robert Schuman Bundeskanzler Konrad Adenauer den Plan der Bildung einer gemeinsamen supranationalen Behörde für Kohle und Stahl. Laut Küsters wurde diese Idee jedoch zunächst nicht durchweg positiv aufgenommen, vor allem vonseiten des Bundeswirtschaftsministerium wurden Bedenken geäußert: „Wirtschaftsminister Ludwig Erhard war nicht bereit, den politischen Zielen einer Integration alle volkswirtschaftlichen Grundsätze hintanzustellen.“ (Küsters) Dementsprechend zogen sich die Verhandlungen über die Gründung der EGKS sehr lange hin. Am 20. Juni 1950 wurden die Regierungsverhandlungen eröffnet. Während die französische Regierung zu einem schnellen Abschluss des Vertrags drängte, zögerte Adenauer mit der Begründung, dass er „die Sachfragen in Ruhe prüfen lassen“ (Küsters) wollte. Ebenso stellte Erhard weitere Bedingungen, bevor er dem Vertrag zustimmen würde. So lehnte er weitere externe Kontrollen über die Ruhrindustrie ab, zudem kritisierte er die „Kontrollvorschrift für konzernmäßige Zusammenschlüsse“ (Küsters) und forderte den Fortbestand einer hoheitlichen Regelung der Preise für Kohle und Stahl.

Erst am 14. März 1951 konnten die Verhandlungen mithilfe des eingesetzten Vermittlers John McCloy abgeschlossen werden. Küsters betont, dass es sich bei den Verhandlungsergebnissen um Kompromisse handelt. Dies deckt sich mit der Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus, dass die Verhandlungsergebnisse meistens auf dem „kleinsten gemeinsamen Nenner“ liegen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung der EGKS als erste supranationale Organisation ein und definiert die Forschungsfrage, inwieweit das Modell des Liberalen Intergouvernementalismus auf deren Gründung anwendbar ist.

2. Theoretischer Hintergrund: Der Liberale Intergouvernementalismus: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen der Theorie von Andrew Moravcsik, insbesondere die Phasen der nationalen Präferenzbildung, des zwischenstaatlichen Bargainings und der institutionellen Wahl.

3. Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl: Hier werden die historischen Rahmenbedingungen, die Gründungsmitglieder sowie die vertraglich festgelegten Ziele und Aufgaben der EGKS vorgestellt.

4. Anwendung der Theorie des LI am Beispiel der EGKS: Das Kapitel wendet das theoretische Drei-Stufen-Modell konkret auf den Gründungsprozess der EGKS an.

4.1 Stufe 1: Bildung der nationalen Präferenzen: Die nationalen Interessen der beteiligten Staaten, insbesondere Frankreichs und Deutschlands, werden in ihrem jeweiligen sicherheitspolitischen und ökonomischen Kontext analysiert.

4.2 Stufe 2: Zwischenstaatliche Verhandlungen: Dieser Abschnitt rekonstruiert den konkreten Verhandlungsprozess der EGKS-Gründung und identifiziert die darin erreichten Minimalkonsense.

4.3 Stufe 3: Bildung supranationaler Institutionen: Die Struktur der geschaffenen Organe wie der Hohen Behörde wird als Mittel zur Sicherung glaubwürdiger Vertragsbindungen (Credible Commitment) bewertet.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Eignung des Liberalen Intergouvernementalismus als Erklärungsmodell für die Gründungsphase der europäischen Integration.

Schlüsselwörter

Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, EGKS, Liberaler Intergouvernementalismus, Andrew Moravcsik, europäische Integration, nationale Präferenzen, zwischenstaatliche Verhandlungen, supranationale Institutionen, Hohe Behörde, Credible Commitment, Montanunion, Vertrag von Paris, wirtschaftlicher Aufschwung, Außenpolitik, Verhandlungsanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) durch die Linse des Liberalen Intergouvernementalismus (LI) und prüft, ob die historische Entwicklung der Theorie entspricht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Theorie der internationalen Integration, der Prozess der nationalen Interessenbildung nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die institutionelle Ausgestaltung europäischer Kooperation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Leitfrage lautet, inwiefern sich die Annahmen des Liberalen Intergouvernementalismus in den verschiedenen Phasen der Gründung der EGKS wiederfinden lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Fallstudie, bei der ein theoretisches Erklärungsmodell (LI) auf ein konkretes historisches Ereignis angewendet wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Theorie, die historische Einordnung der EGKS sowie eine dreistufige Analyse der Gründung unter Anwendung des LI-Modells.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie EGKS, Liberaler Intergouvernementalismus, nationale Präferenzen, Verhandlungsprozesse und Credible Commitment charakterisiert.

Warum war laut dem Autor die Bildung supranationaler Institutionen für die Mitgliedstaaten essenziell?

Die Institutionen dienten primär dazu, das sogenannte "Credible Commitment" zu sichern, also sicherzustellen, dass die beteiligten Staaten ihre Vertragszusagen einhalten.

Welche Rolle spielte der Vermittler John McCloy im Verhandlungsprozess?

John McCloy unterstützte den Prozess maßgeblich, um die unterschiedlichen Interessen und Bedingungen der beteiligten Akteure zu moderieren und zum Abschluss zu führen.

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Details

Titel
Der Liberale Intergouvernementalismus als Erklärungsmodell für die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Ronja Maus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
6
Katalognummer
V354348
ISBN (eBook)
9783668404908
ISBN (Buch)
9783668404915
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Liberaler Intergouvernementalismus Intergouvernementalismus Europäische Union Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl EGKS Supranationalismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ronja Maus (Autor:in), 2012, Der Liberale Intergouvernementalismus als Erklärungsmodell für die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354348
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  6  Seiten
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