In der vorliegenden Arbeit wird der Einfluss von Trivialliteratur und deren Parodie in Franz Kafkas "Die Verwandlung" untersucht. Die zentrale Frage lautet: Inwiefern parodiert Kafka in "Die Verwandlung" Trivialliteratur der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts und der Jahrhundertwende?
Zunächst gilt es dabei die in der Fachliteratur und Lexika verwendeten Begriffe der Parodie und der Trivialliteratur zu erläutern, um anschließend anhand der verschiedenen Definitionen jeweils eine Explikation für den analytischen Teil der Arbeit zu erstellen. Daraufhin wird geklärt, inwiefern Kafka als produktiver Leser von Trivialliteratur überhaupt in Frage kommt. In der Textanalyse von "Die Verwandlung" werden der sprachliche Zeichenaggregat, die Ebene der erzählten Geschichte und die Kommunikation bürgerlicher Ideologien auf Merkmale trivialer Literatur hin untersucht. Zuletzt wird in der Diskursanalyse geklärt, inwiefern "Die Verwandlung" als Parodie des Trivialen zu verstehen ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Parodie
2.2 Trivialliteratur
2.3 Der Familienroman
3 Kafka als produktiver Leser von Trivialliteratur
4 Analyse: Das Triviale in Die Verwandlung
4.1 Ästhetische Informationsträger
4.2 Ästhetische Information
4.3 Ästhetischer Informant
4.4 Synthese
5 Diskursanalyse: Die Verwandlung als Parodie der Trivialliteratur
6 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den bisher vernachlässigten Einfluss von Trivialliteratur auf Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung". Ziel ist es, nachzuweisen, inwiefern Kafka bewusst triviale Schreibweisen, insbesondere die des Familienromans, nutzt, um diese durch Über- oder Unterfüllung ihrer Textnormen zu parodieren.
- Analyse trivialliterarischer Schreibweisen und deren Merkmale.
- Untersuchung von Kafkas Rolle als produktiver Leser von Unterhaltungsliteratur.
- Diskursanalyse der Erzählung "Die Verwandlung" hinsichtlich trivialer Strukturmerkmale.
- Identifikation von Parodie-Elementen als Strategie der Textverarbeitung.
- Beleuchtung des Spannungsfeldes zwischen ästhetischem Anspruch und trivialen Formeln.
Auszug aus dem Buch
4 Analyse: Das Triviale in Die Verwandlung
In der folgenden Analyse werden Textpassagen der Ausgabe Die Verwandlung (Band 22/23) aus der Reihe „Der Jüngste Tag“ im „Kurt-Wolff-Verlag“ in Leipzig (Dezember 1915) herangezogen. Die Ausgabe wird in der Analyse mit dem Sigle D₁ gekennzeichnet, um sie von anderen Editionen zu unterscheiden. In der Textanalyse werden die ästhetischen Informationsträger auf Floskeln und deren reizauslösender Wirkung, die ästhetische Information auf stereotype Figurencharakterisierungen und der Funktion des Wetters und der ästhetische Informant auf bürgerliche Ideologien hin untersucht. Die Analyse basiert auf der zuvor in Kap. XX aufgestellten Explikation des Trivialromans. Ziel der Untersuchung ist, Parallelen zum Trivialroman – insbesondere des Familienromans – aufzudecken, um zu zeigen, dass Kafka sich in D₁ der Textnorm des Trivialen bedient.
4.1 Ästhetische Informationsträger
Die Untersuchung des literarischen Zeichensystems folgt der Frage, wie Sprache verwendet wird, um beim Rezipienten Reize auszulösen. Darüber hinaus werden austauschbare, floskelhafte Formulierungen aufgezeigt. Worin das Triviale im floskelhaften und reizauslösenden Zeichenaggregat liegt, wird jeweils exemplarisch erläutert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage, ob Kafka Trivialliteratur parodiert, und Darstellung des methodischen Vorgehens anhand der Primärquelle.
2 Begriffsbestimmungen: Klärung der zentralen Fachbegriffe Parodie, Trivialliteratur und Familienroman zur Definition der analytischen Kriterien.
3 Kafka als produktiver Leser von Trivialliteratur: Nachweis von Kafkas Vertrautheit mit trivialer Literatur durch seine Lektürebiografie und persönlichen Aufzeichnungen.
4 Analyse: Das Triviale in Die Verwandlung: Empirische Untersuchung der Erzählung hinsichtlich trivialer sprachlicher, struktureller und ideologischer Merkmale.
5 Diskursanalyse: Die Verwandlung als Parodie der Trivialliteratur: Synthese der Analyseergebnisse zur Beantwortung der Frage, wie Kafka die trivialen Textnormen durch bewusste Über- und Unterfüllung parodistisch bricht.
6 Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Identifizierung möglicher zukünftiger Forschungsschwerpunkte bezüglich Fontanes Einfluss auf Kafka.
Schlüsselwörter
Franz Kafka, Die Verwandlung, Trivialliteratur, Parodie, Familienroman, Intertextualität, Schreibweise, Textnorm, Rezeptionsästhetik, bürgerliche Ideologie, ästhetische Information, Diskursanalyse, Textanalyse, Literaturtheorie, Formelhaftigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Kafkas Erzählung "Die Verwandlung" unter dem Aspekt, ob und wie darin Gattungsmerkmale der zeitgenössischen Trivialliteratur und des Familienromans parodistisch verarbeitet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Definition von Parodie und Trivialliteratur, die Analyse von Kafkas Lektüreverhalten sowie die detaillierte Textanalyse der Erzählung "Die Verwandlung".
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern parodiert Kafka in "Die Verwandlung" die Trivialliteratur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Jahrhundertwende?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine diskursanalytische Textanalyse verwendet, die auf der Explikation trivialliterarischer Kriterien basiert und diese auf die Textnormen der Erzählung anwendet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, den Beleg von Kafkas Kenntnis trivialer Literatur sowie die textimmanente Analyse der ästhetischen Informationsträger und Ideologien in "Die Verwandlung".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Parodie, Trivialliteratur, Familienroman, Intertextualität und Textnormen.
Warum wird gerade der Familienroman als Referenzgattung herangezogen?
Die Arbeit stellt fest, dass die strukturellen Merkmale und die ideologische Aufladung des Familienromans in "Die Verwandlung" besonders deutlich als Ansatzpunkte für parodistische Verfahren dienen.
Wie definiert der Autor das Verhältnis von "Glück" und "Unglück" in der Erzählung?
Der Autor zeigt auf, dass Kafka eine simple "Schwarz-Weiß-Dichotomie" nutzt, die eine triviale Struktur widerspiegelt und deren Durchbrechung oder Übersteigerung zur parodistischen Wirkung beiträgt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit bezüglich des Happy Ends?
Die Arbeit resümiert, dass das Happy End in "Die Verwandlung" paradox ist, da es auf eine antiklimatische Erzählstruktur folgt, was das parodistische Moment der Textvorlage unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Daniel Nagelstutz (Autor:in), 2016, Kafka als Parodist der Trivialliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354731