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Gesellschaftlicher Wandel in der Volksrepublik China

Perspektiven einer "harmonischen Gesellschaft" vor dem Hintergrund tiefgreifender Umwälzungen der Sozialstruktur

Titel: Gesellschaftlicher Wandel in der Volksrepublik China

Diplomarbeit , 2014 , 146 Seiten , Note: "gut"

Autor:in: Fortunat Reiser (Autor:in)

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China
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Zusammenfassung Leseprobe Details

An welchem Punkt steht die chinesische Gesellschaft in ihrer Entwicklung hinsichtlich des übergeordneten politischen Ziels der Harmonisierung der wirtschaftlichen Entwicklung mit der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens? Diese Frage soll im Laufe der Arbeit beantwortet werden und steht wiederum im Zusammenhang mit drei anderen Fragen:

Wie hat sich erstens die gesellschaftliche Struktur verändert und welche Aufgaben und Herausforderungen verbinden sich damit in Hinblick auf das oben angesprochene übergeordnete Ziel der Politik? Einzelne Aspekte dieses Themenkreises beinhalten Fragen nach der Beschaffenheit der gesellschaftlichen Schichten, sozialen Ungleichheit, beruflichen und geographischen Mobilität und Urbanisierung sowie dem Zusammenwirken dieser Einzelaspekte.

Wie wird zweitens sozialer und politischer Konflikt manifest und ausgetragen und wie haben sich diese Austragungsmodi im Laufe des Reformprozesses entwickelt und verändert?

Und dirttens die Frage, wie hat der Staat bzw. die KP China auf die Veränderungen hinsichtlich der vielfältigen und wechselnden sozialen und politischen Herausforderungen reagiert und welche Auswirkungen hat dies jeweils gehabt?

Welche gesellschaftlichen und politischen Maßnahmen hat die Regierungspartei ergriffen und wie haben sich diese wiederum auf das sozialpolitische System als Ganzes ausgewirkt? Hat sie sich eher geöffnet oder verschlossen? Hat sie ihre gesellschaftliche Kontrolle eher verstärkt oder gelockert? Inwiefern konnte sie von den neuen sozialen und politischen Entwicklungen lernen und profitieren? In einem weiteren Sinne stellt sich die Frage, wie die mittel- und langfristige Entwicklung der VR China in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht aussieht: Wird der angestrebte Strukturwandel weg von der Exportwirtschaft hin zu einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft gelingen? Sind die ergriffenen Maßnahmen im sozialpolitischen und wirtschaftlichen Bereich dazu angetan, das Ziel der Errichtung einer „harmonischen Gesellschaft“ zu erreichen? Ist die Kommunistische Partei China angemessen dafür eingerichtet, auf die mannigfachen Herausforderungen ihrer Regierungstätigkeit sinnvoll und konstruktiv zu reagieren oder ist ihr baldiges Ende absehbar?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Zwei grosse Schichten verändern die Sozialstruktur der VR China

2.1 Die Mittelschicht

2.2 Die Wanderarbeiter

3 Soziale Ungleichheit, soziale Schichtung und sozialer Konflikt in der VR China

3.1 Die wesentlichen soziologischen Theorien und Forschungsergebnisse

3.1.1 Soziale Ungleichheit und soziale Schichtung

3.1.2 Sozialer Konflikt

3.2 Soziale Ungleichheit, soziale Schichtung und Armut in der VR China

3.3 Sozialer Konflikt in der VR China

3.3.1 Beispiele des sozialen Konflikts in der VR China

3.3.2 Das soziale Konfliktpotential in der VR China heute

4 Die Rolle der Partei und des Staates

4.1 Einparteienherrschaft, Kontrolle und Repression

4.2 Soziale Sicherung

4.3 Politische Dissidenz und der Staat

4.3.1 Intellektuelle Wurzeln der Oppositionsbewegung

4.3.2 Offizielle Ideologie im Wandel

4.3.3 Politische Opposition in der VR China seit 1978

5 Die gesellschaftliche Struktur der VR China im Wandel

5.1 Urbanisierung, Schichtung und Wanderarbeiter

5.2 Wang Chunguang und dessen Sicht auf die Problematik

6 Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Wandel in der Volksrepublik China vor dem Hintergrund des politischen Ziels einer "harmonischen Gesellschaft". Dabei wird analysiert, wie die Regierung wirtschaftliches Wachstum mit der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens in Einklang zu bringen versucht, während tiefgreifende Umwälzungen der Sozialstruktur die Stabilität herausfordern.

  • Die Entstehung und Rolle der Mittelschicht im chinesischen Transformationsprozess.
  • Die sozioökonomische Lage und die soziale Marginalisierung von Wanderarbeitern.
  • Soziale Ungleichheit, Konfliktpotentiale und die Rolle des Staates bei der sozialen Sicherung.
  • Die politische Steuerung durch die KP China sowie die Entwicklung der Dissidenz.
  • Die Bedeutung soziologischer Analysen zur Erfassung der gesellschaftlichen Veränderungen.

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Soziale Ungleichheit und soziale Schichtung

Der Problemkreis „Soziale Ungleichheit“ nimmt unter den in der Soziologie behandelten Themen und Problemen einen besonderen Platz ein. Der Untersuchung der Ungleichheit zwischen den Menschen haben die Soziologen verschiedener Zeiten insgesamt wohl am meisten Zeit und Energien gewidmet; dieser Eindruck entsteht zumindest aus der schieren Fülle der Überlegungen zu diesem Gegenstand. Die Soziologie, welche u.a. die Machtverteilung und Herrschaftsstruktur von Gesellschaften thematisiert und erforscht, wird ganz zwangsläufig und automatisch mit der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Machtverteilung und sozialer Ungleichheit konfrontiert, wobei er besonders dann als problematisch erfahren wird, wenn sich beschleunigter sozialer Wandel vollzieht, was dann wiederum Probleme moralischer und politischer Natur nach sich zieht. Da solche Situationen zu Versuchen veranlassen können, die Verschärfung der gesellschaftlichen Konflikte durch neue Theorien zu erklären, wird die Soziologie mitunter auch als „Krisenwissenschaft“ bezeichnet, welche ihre Entstehung der industriellen Revolution verdankt.

Zu guter Letzt tritt neben die oben geschilderten Problemlagen der Ergründung, Legitimation oder Kritik eines sozialpolitischen Zustands als Grund für die Beschäftigung mit dem Phänomen der sozialen Ungleichheit die aristotelische Annahme, wonach mit „Gesellschaft“ ein Gebilde gemeint ist, „das aus einer grossen Anzahl menschlicher Individuen besteht, von anderen Gesellschaften unterscheidbar ist und in dessen Rahmen die Individuen verschieden bewertete Positionen einnehmen (...).“ Damit wird verständlich, dass mit dem Begriff der „Gesellschaft“ also immer schon ein gewisses Mass an Arbeitsteilung und sozialer Schichtung mitgedacht ist. Die Stellung eines Individuums in einer Gesellschaft lässt sich nach verschiedenen Kriterien bestimmen: Ausbildung, Einkommen, Besitz, Rassen- oder Religionszugehörigkeit bieten sich hier etwa zuallererst als Schichtungsmerkmale an und bestimmen auch zu einem gewichtigen Teil das Mass an sozialer Wertschätzung, welches den einzelnen Gesellschaftmitgliedern zukommt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Diese Einleitung skizziert den wirtschaftlichen Reformprozess Chinas seit 1978 und thematisiert das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Aufschwung, zunehmender Ungleichheit und dem politischen Ziel einer harmonischen Gesellschaft.

2 Zwei grosse Schichten verändern die Sozialstruktur der VR China: Das Kapitel analysiert die Herausbildung der neuen Mittelschicht sowie die sozioökonomische Bedeutung und schwierige Situation der Wanderarbeiter für die Stabilität des Landes.

3 Soziale Ungleichheit, soziale Schichtung und sozialer Konflikt in der VR China: Hier werden soziologische Theorien zur Schichtung erörtert und auf die chinesische Realität angewandt, wobei die Ursachen für Armut und Konfliktpotential im Transformationsprozess im Vordergrund stehen.

4 Die Rolle der Partei und des Staates: Dieses Kapitel untersucht die Herrschaftssicherung der KP China durch Repression, Kontrolle und den Aufbau sozialer Sicherungssysteme sowie den Umgang mit politischer Dissidenz.

5 Die gesellschaftliche Struktur der VR China im Wandel: Der Fokus liegt hier auf dem Verstädterungsprozess und der vertieften Analyse der Arbeiten des Soziologen Wang Chunguang zur sozialen Lage und Marginalisierung von Wanderarbeitern.

6 Schlussbetrachtungen: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Reformpolitik ab und erörtert die Aussichten für die zukünftige sozioökonomische Entwicklung und Stabilität der VR China.

Schlüsselwörter

Sozialer Wandel, Volksrepublik China, Harmonische Gesellschaft, Mittelschicht, Wanderarbeiter, Soziale Ungleichheit, Soziale Schichtung, Sozialer Konflikt, KP China, Politische Stabilität, Armut, Urbanisierung, Soziale Sicherung, Politische Dissidenz, Meritokratie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den rasanten gesellschaftlichen Wandel in der VR China seit den Reformen von 1978 und untersucht, wie die Führung versucht, wirtschaftliches Wachstum mit sozialer Stabilität zu vereinen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Schwerpunkte sind die Entstehung neuer Schichten (Mittelschicht und Wanderarbeiter), die Zunahme sozialer Ungleichheit, die Rolle der Kommunistischen Partei bei der Stabilitätssicherung sowie die Analyse von Konfliktmustern.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Fragestellung lautet, an welchem Punkt die chinesische Gesellschaft in ihrer Entwicklung hinsichtlich des übergeordneten politischen Ziels der Harmonisierung wirtschaftlicher Entwicklung mit der Aufrechterhaltung des sozialen Friedens steht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine soziologische Analyse, die theoretische Konzepte (wie Schichtungstheorien) mit empirischen Beobachtungen und der Auswertung chinesischer Fachpublikationen, insbesondere der Analysen von Wang Chunguang, verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der sozioökonomischen Schichtung (insbesondere der Wanderarbeiter), die Rolle der Partei bei der sozialen Kontrolle und Sicherung sowie eine Untersuchung der politischen Dissidenz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialer Wandel, Soziale Schichtung, Harmonische Gesellschaft, Wanderarbeiter und politische Stabilität in der VR China treffend beschreiben.

Inwiefern spielt das System der Haushaltsregistrierung eine Rolle?

Das Hukou-System fungiert als zentrales Instrument, das Wanderarbeiter administrativ an ihre Herkunftsorte bindet, ihren Zugang zu städtischen Sozialleistungen einschränkt und damit maßgeblich zur sozialen Spaltung zwischen Stadt und Land beiträgt.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Mittelschicht?

Die Mittelschicht wird als ambivalentes Phänomen betrachtet: Einerseits gilt sie als stabilisierender Hoffnungsträger für das Wirtschaftswachstum, andererseits als potentielle Quelle für soziale Unruhe bei ausbleibender Teilhabe oder ökonomischen Krisen.

Welche Bedeutung misst die Arbeit dem "sozialen Vulkan" bei?

Die Arbeit relativiert die Theorie eines kurz vor dem Ausbruch stehenden "sozialen Vulkans". Sie kommt zu dem Schluss, dass die Bevölkerung primär damit beschäftigt ist, sich den neuen marktwirtschaftlichen Bedingungen anzupassen, und dass die Einstellungen eher zur Stabilität als zur Instabilität beitragen.

Ende der Leseprobe aus 146 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gesellschaftlicher Wandel in der Volksrepublik China
Untertitel
Perspektiven einer "harmonischen Gesellschaft" vor dem Hintergrund tiefgreifender Umwälzungen der Sozialstruktur
Hochschule
Universität Zürich
Note
"gut"
Autor
Fortunat Reiser (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
146
Katalognummer
V355012
ISBN (eBook)
9783668410381
ISBN (Buch)
9783668410398
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesellschaftlicher wandel volksrepublik china perspektiven gesellschaft hintergrund umwälzungen sozialstruktur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fortunat Reiser (Autor:in), 2014, Gesellschaftlicher Wandel in der Volksrepublik China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355012
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