Konfliktursachen des Afghanischen Bürgerkriegs zwischen 1989-1996


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Konfliktursachen
2.1 Erklärung wichtiger Grundbegriffe
2.1.1 Konflikt
2.1.2 Krieg
2.1.3 Frieden
2.2 Konfliktursachen nach Fearon und Laitin
2.3 Konfliktursachen nach Dan Smith
2.4 Konfliktursachen nach Michael E. Brown

3. Ursachen des afghanischen Bürgerkriegs
3.1 Historische Einordnung des Bürgerkriegs
3.2 Strukturelle Faktoren
3.3 Sozio-ökonomische Faktoren
3.4 Politische Faktoren
3.5 Kulturelle Faktoren

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit, die im Rahmen des Seminars „Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung” angefertigt wurde, befasst sich inhaltlich mit den Ursachen des Afghanischen Bürgerkriegs zwischen 1989 bis 1996. Um die Ursachen des Bürgerkriegs in Afghanistan kategorisch darlegen und theoretisch untermauern zu können, wird der Konfliktursachen-Ansatz von Michael E. Brown in Betracht gezogen.

Um den vorgegebenen Umfang der Hausarbeit nicht zu übersteigen, werden detaillierte Informationen über das Untersuchungsland Afghanistan vermieden, die sich nicht in erster Linie für die Beantwortung der Forschungsfrage eignen.

Weil die Hausarbeit sowohl Praxis- als auch Theorie-orientiert ist, setzt sie sich aus einer inhaltlichen und einer theoretischen Forschungsfrage zusammen. Demnach werden Antworten zu folgenden Forschungsfragen erarbeitet: 1) Was sind die Ursachen des Afghanischen Bürgerkriegs (1989-1996)? 2) Ist die Kategorisierung der Konfliktursachen nach Michael E. Brown geeignet, um die Ursachen des Afghanischen Bürgerkriegs kategorisch einzuordnen und vorzustellen.

Im zweiten Kapitel werden zum einen wichtige Grundbegriffe wie Krieg, Frieden und Konflikt definiert und zum anderen werden drei verschiedene Konfliktursachen-Ansätze vorgestellt, welche auf die Autoren Michael E. Brown, James D. Fearon (David D. Laitin) und Dan Smith beruhen.

Im dritten Kapitel werde ich die Konfliktursachen des Afghanischen Bürgerkriegs unter den kategorischen Gesichtspunkten von Michael E. Brown zusammenfassen und analysieren. Die Ansätze der Autoren Fearon und Smith werde ich aus den Platzgründen auf das Untersuchungsland nicht anwenden können, obwohl man dadurch eine Vergleichbarkeit dieser Theorien erzielen könnte.

Das abschließende 4. Kapitel endet mit dem Fazit und dient dazu, die Ergebnisse die während der Anfertigung der Hausarbeit gewonnen sind, wertend zusammenzufassen und Schlussfolgerungen zu ziehen.

2. Theoretische Ansätze zur Erklärung von Konfliktursachen

Der folgende Abschnitt setzt sich mit den grundlegenden Begriffen der Friedens­und Konfliktforschung auseinander. Anschließend an den Definitionen erfolgen dann die theoretischen Konfliktursachen-Ansätze der Autoren Michael E. Brown, James D. Fearon (David D. Laitin) und Dan Smith.

2.1 Erklärung wichtiger Grundbegriffe

Es ist unumgänglich und sinnvoll, grundlegende Schlüsselbegriffe wie Krieg, Frieden und Gewalt zu erläutern, weil diese im Verlauf der Hausarbeit öfters auftauchen werden.

2.1.1 Konflikt

Aus etymologischer Betrachtungsweise stammt der Konfliktbegriff aus dem lateinischen Wort „configere” und wird mit den Verben „zusammen-schlagen, -prallen” ins Deutsche übersetzt.[1] Bonacker und Imbusch deuten daraufhin, „dass Konflikt in den Gesellschaftswissenschaften zu den am häufigsten verwendeten und unverzichtbaren Grundbegriffen zählt”[2] und definieren den Konfliktbegriff folgender weise: „Konflikte lassen sich entsprechend definieren als soziale Tatbestände, an denen mindestens zwei Parteien (Einzelpersonen, Gruppen, Staaten etc.) beteiligt sind, die auf Unterschieden in der sozialen Lage und/oder auf Unterschieden in der Interessenkonstellation der Konfliktparteien beruhen.”[3] Der Konfliktbegriff kann in vier Analyseebenen unterteilt werden (1. Das Individuum mit Intrapersonellen Konflikten. 2. Die Gesellschaft mit interpersonalen Konflikten und 3. internationalen Konflikten. 4. Das internationale System mit internationalen Konflikten.), wobei in den Sozialwissenschaften die gesellschaftliche und internationale Konflikte interessant sind.[4] Je nach Ebenen sind unterschiedliche Konfliktparteien, Erscheinungs- und Austragungsformen vorhanden. Demnach zählen Bürgerkriege neben politische, religiöse, ökonomische und soziale Konflikte, zu den innergesellschaftlichen Konflikttypen.[5] Konflikte können auf Herrschafts- und Machtfragen sowie auf unterschiedliche Wertevorstellungen und Regeln basieren.[6] Darüber hinaus, kann man manifeste und latente Konflikte voneinander unterscheiden. Manifeste Konflikte können aufgrund der offenen Artikulation der Konfliktparteien und der Art und Weise des Konfliktaustrags als solcher identifiziert werden. Im Gegensatz dazu werden nicht offen ausgetragene Konflikte als latente Konflikte bezeichnet.[7]

Über die Funktionen des Konflikts, haben sich folgende vier idealtypische Positionen etabliert. Die erste Position plädiert dafür, dass gesellschaftliche Konfliktrealitäten negiert werden sollten, weil solche Entwicklungen die soziale Ordnung bedrohen und deshalb bekämpft werden müsse (Konflikt als vollständige pathologische Erscheinung). Die zweite Position nimmt Konflikte als Produkt gesellschaftlicher Strukturen auf, die auf das schlechte Funktionieren von Strukturen hindeutet.Auch diese Position interpretiert Konflikte als negativ, weil diese vom Idealzustand abweichen.Die dritte Gruppe der Konflikte­Theorieansätze bewertet den Konflikt als ein normales Phänomen und machen auf seinen positiven sozialisatorischen bzw. systemintegrativen Funktionen aufmerksam. Die letzte Gruppe der Theorie-Ansätze weisen den Konflikten produktive Funktionen zu und beurteilen sie als Auslöser sozialen Wandels. Die Theoretiker dieses Ansatzes schreiben sozialen Konflikten eine positive Rolle zu.[8]

Eine letzte und für die vorliegende Arbeit wichtige Unterscheidung ist die zwischen endogenen und exogenen Konfliktursachen: „Endogene Ursachen liegen im politischen System also in der Innenpolitik. [...] Exogene Ursachen betreffen die Außenbeziehungen des politischen Systems .”[9]

2.1.2 Krieg

Kriege als gewaltsame Auseinandersetzungen galten seit Beginn der Menschheitsgeschichte als Grundtatbestand menschlichen Konfliktverhaltens.[10] Unter Krieg wird zunächst „eine mit Waffengewalt geführte Auseinandersetzung zwischen Staaten oder Völkern, bzw. zwischen Bevölkerungsgruppen innerhalb eines Staates zur Durchsetzung politischer, militärischer, wirtschaftlicher oder ideologischer Interessen” verstanden.[11] Zwei Auffassungen haben bis heute das Verständnis von Krieg bestimmt: Die instrumentelle Sichtweise interpretiert Krieg als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. Nach Clausewitz wird der Krieg als „ Die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln” verstanden und endet in der Regel mit dem Verhandlungsfrieden.[12] Die existenzielle Sichtweise wiederum „sieht im Krieg die schicksalhafte Existenzsicherung des eigenen Personenverbandes, den „Vater aller Dinge” (Heraklit).”[13] Nach dieser Auffassung, wird er als totaler Krieg betrachtet, in dem er mit der Unterwerfung oder sogar Vernichtung des Gegners terminiert wird.[14] Außerdem lassen sich Kriege nach Zwecken, Zielen und Mitteln differenzieren. Der Kriegbegriff hat sowohl eine qualitative als auch eine quantitative Dimension. Unter qualitativer Definition vom Krieg wird eine mit Waffengewalt gefilterte Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Gruppen verstanden. Auf einer Seite der Kriegsparteien müssen jedoch reguläre Streitkräfte der Regierung vorhanden sein.[15] Von einem Krieg spricht man nach quantitativer Definition, wenn im Jahr mindestens 1000 gewaltbedingte Tote vorliegen.[16] Bei 25 Toten redet man von einem bewaffneten Konflikt.[17]

2.1.3 Frieden

Die Begriffe „Krieg” und „Frieden” sind eng miteinander verbunden. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und im Schatten der Atomwaffen wuchs das Verlangen nach einem wahren Weltfrieden. Diese Sehnsucht fand auch ihren Niederschlag in der am 24.0ktober 1945 in Kraft getretenen Charta der Vereinten Nationen (VN), worin die Forderung „künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren” festgehalten wurde.[18] Der Friedensbegriff kann in zweierlei Hinsicht definiert werden. Im engen (oder negative) Friedensbegriff wird von der Abwesenheit des Kriegs bzw. der Gewalt ausgegangen.Der Theoretiker des weiten Friedensbegriffs Johann Galtung vertritt die Meinung, dass die Abwesenheit von physischer Gewalt nicht ausreichend sei und darüber hinaus auch die Abwesenheit von struktureller (indirekter) Gewalt erforderlich sei.[19] Der Philosoph Immanuel Kant setzt die Demokratie mit dem Friedensbegriff in Verbindung und stellt die Hypothese auf, dass Demokratien sich nach außen friedfertiger verhalten als Nichtdemokratien.[20]

2.2 Konfliktursachen nach Fearon und Laitin

James D. Fearon und David D. Laitin lehren am Institut für Politikwissenschaften der Stanford Universität.[21] Anstatt Kategorien haben sie 11 Hypothesen aufgestellt, welche die möglichen Konfliktursachen der Bürgerkriege erklären möchte, die zum Teil von ihnen formuliert wurden. Einige Hypothesen spiegeln bewusst Gedanken wieder, die von der Allgemeinheit als wahr eingestuft wurden. Die Ergebnisse der empirischen Studie widersprach der weitverbreiteten Annahme (Hypothese (H) 1), dass ethnische Vielfalt eine große und direkte Ursache von Bürgerkrieg sei.[22] Auch die Annahme (H2), dass ethnische Vielfalt die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkrieges erhöht (persistent nur bei 5% ethnische Minderheit), wenn sie mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen (PKE) einhergeht, konnte nicht bestätigt werden.Vielmehr kann die ethnische Vielfalt als eine indirekte Ursache ihr Bürgerkriege sein, wenn ein niedriges PKE und eine schwache Staatlichkeit vorliegt.[23] Ebenfalls die klischeehafte Vorstellung (H3), dass Staaten mit einer klaren ethnischen (oder religiösen) Mehrheit und einer signifikanten ethnischen Minderheit für Bürgerkriege viel anfälliger seien als ethnisch homogene Staaten, hat sich als nicht zutreffend erwiesen.[24] Die Behauptung (H4), dass politische, soziale und bürgerliche Freiheiten das Risiko von Bürgerkriegen verringern, wurde ebenfalls nicht attestiert. Im Gegenteil kommen Bürgerkriege in Demokratien nicht weniger vor, wenn eine staatliche Kontrolle über das Einkommen prägend ist. Demnach ist ein niedriges Einkommen eine noch wichtigere Ursache für Bürgerkriege als ethnische oder religiöse Vielfalt (Hll und H9 wird dadurch bestätigt).[25] Bei Staaten, in denen (bis zu 5%) ethnische und religiöse Minderheiten existieren und aus ihrer Ethnizität oder Religionszugehörigkeit diskriminiert werden, kann man nicht systematisch von einer Gefahr eines Bürgerkriegs ausgehen (H5 nicht bestätigt). Je geringer die zentrale Staatlichkeit (die sog. Anocracies[26] ) ausgeprägt ist, desto höher ist die Gefahr eines Bürgerkriegs (HlOb bestätigt). Nach Schätzungen, sind neugegründete Staaten in den ersten zwei Jahren für Bürgerkriege ca. fünf Mal anfälliger als ältere Staaten.[27] Ein Bürgerkrieg kann erst dann ausbrechen und in die Länge gezogen werden, wenn in jenem Land strategische Rückzugsgebiete (Berge, Dschungel, Höhlen) vorhanden sind, Menschen sich freiwillig rekrutieren lassen, dritte Staaten militärische Unterstützung bieten, hochwertige und gleichzeitig gering-gewichtige Güter (wie z.B. Opium) exportiert werden können, um den Krieg zu finanzieren. Staaten die über reiche Bodenschätze wie Erdöl und Erdgas verfügen, weisen eine beträchtlich hohe Wahrscheinlichkeit für Bürgerkriege nach (Median-Staaten lO% und ressourcenreiche Staaten 2O%).[28] Die Studie sagt im Kern aus, dass schwache Staatlichkeit begleitet durch Armut, hohe Population und Instabilität bessere Indikatoren seien, als ethnische und religiöse Vielfalt, um die Bürgerkriegsgefahr eines Landes zu messen.[29]

[...]


[1] http://www.internationale-konflikte.de/konflikt.htm Stand: 28.7.12.

[2] Bonacker, Thorsten / Imbusch, Peter (2010): Zentrle Begriffe der Friedens- und Konflikt­forschung: Konflik, Gewalt, Krieg, Frieden. In: Imbusch, Peter / Zoll, Ralf (Hrsg.), Friedens­und Konfliktforschung. 5. Aufl.,Wiesbaden: VS Verlag,(1. Aufl. 1996), S.67.

[3] Ebd., S.69.

[4] Ebd., S.69.

[5] Ebd., S.69.

[6] Ebd., S.70.

[7] Ebd., S.71.

[8] Ebd., S.76-77.

[9] Vierecke, Andreas / Mayerhofer Bernd / Kohout Franz (2011): Dtv-Atlas Politik. 2.Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH, (1. Aufl. 2010), S.175.

[10] Ebd., S.171.

[11] http://www.internationale-konflikte.de/konflikt.htm Stand: 29.07.2012.

[12] Vierecke, Andreas / Mayerhofer Bernd / Kohout Franz (2011): Dtv-Atlas Politik. 2.Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH, (1. Aufl. 2010), S.171.

[13] Ebd., S.171.

[14] Ebd., S.171.

[15] Bonacker, Thorsten / Imbusch, Peter (2010): Zentrle Begriffe der Friedens- und Konflikt­forschung: Konflik, Gewalt, Krieg, Frieden. In: Imbusch, Peter / Zoll, Ralf (Hrsg.), Friedens­undKonfliktforschung. 5. Aufl.,Wiesbaden: VS Verlag,(1. Aufl. 1996), S.109.

[16] Ebd,, S.114.

[17] <http://www.pcr.uu.se/research/ucdp/definitions/definition of armed conflict^- Stand: 29.7.12.

[18] Vierecke, Andreas / Mayerhofer Bernd / Kohout Franz (2011): Dtv-Atlas Politik. 2.Aufl., München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH, (1. Aufl. 2010), S.173.

[19] Ebd., S.175.

[20] Bonacker, Thorsten / Imbusch, Peter (2010): Zentrle Begriffe der Friedens- und Konflikt­forschung: Konflik, Gewalt, Krieg, Frieden. In: Imbusch, Peter / Zoll, Ralf (Hrsg.), Friedens­undKonfliktforschung. 5. Aufl.,Wiesbaden: VS Verlag,(1. Aufl. 1996), S.127.

[21] Fearon, James D./ Laitin, David D. (2003): Ethnicity, Insurgency, Civil War. In: American Political Science Review, 97(1): 75.

[22] Ebd., S.82.

[23] Ebd., S.82.

[24] Ebd., S.84.

[25] Ebd., S.84.

[26] Schwache Staaten (weak states).

[27] Fearon, James D./ Laitin, David D. (2OO3): Ethnicity, Insurgency, Civil War. In: American Political Science Review, 97(l): 85.

[28] Ebd., S.85.

[29] Ebd., S.88.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Konfliktursachen des Afghanischen Bürgerkriegs zwischen 1989-1996
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V355055
ISBN (eBook)
9783668411418
ISBN (Buch)
9783668411425
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedens und Konfliktforschung, Afghanischer Bürgerkrieg, Politik, Entwicklungspolitik, Taliban, Konfliktursachen
Arbeit zitieren
Yunus Yildirim (Autor), 2012, Konfliktursachen des Afghanischen Bürgerkriegs zwischen 1989-1996, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355055

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