Zusammenhang zwischen Konstruktivistischem Lernen, Freiarbeit und Wochenplanarbeit


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,3

Gina M. (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die drei Teilbereiche
1.1 Konstruktivistisches Lernen
1.2. Der „Klassenrat“
1.3.1 Begriffsklärung und Abgrenzung
1.3.2 Ziele der Wochenplanarbeit:
1.3.3 Geschichtliche Entwicklung
1.3.4. Praktische Umsetzung
1.3.5 Wertung

2. Zusammenhänge der drei Themen
2.1 Konstruktivistisches Lernen und Klassenrat
2.2 Konstruktivistisches Lernen und Wochenplanarbeit
2.3 „Klassenrat“ und Wochenplanarbeit

3. Anhang
3.1 Literaturangabe
3.2 Materialien

1. Die drei Teilbereiche

1.1 Konstruktivistisches Lernen

„Aus der Idee des Konstruktivismus ergeben sich zwei Konsequenzen. Erstens die Toleranz für die Wirklichkeit anderer – denn dann haben die Wirklichkeiten anderer genauso viel Be-rechtigung als meine eigene. Zweitens ein Gefühl der absoluten Verantwortlichkeit. Denn wenn ich glaube, dass ich meine eigene Wirklichkeit herstelle, bin ich für diese Wirklichkeit verantwortlich...“[1]. Heinz von Förster vermittelt mit diesen Sätzen einen ersten Einblick in die grundlegenden Ideen des Konstruktivismus.

Unter Konstruktivismus versteht man allgemein eine Kunstrichtung, Lebenseinstellung, Erkenntnisphilosophie und eine didaktische Einstellung.[2] Eine einheitliche Theorie gibt es nicht, doch durch alle Ansätze zieht sich: „Der Konstruktivismus lehrt, dass eine Aussage darüber, wie die Welt 'da draußen' in Wirklichkeit beschaffen sei, nicht zu haben ist. Was wir sehen, hören, riechen, ertasten, worüber wir Naturgesetze kennen und was wir alltäglich erleben, das sind unsere Interpretationen, die unserem Wahrnehmungsapparat, unseren kulturellen Gegebenheiten und individuellen Erfahrungshintergründen basieren.“[3] Kurz gesagt: Jede Person macht sich von der Umgebung, von Dingen oder Erlebnissen sein eigenes Bild, was nicht mit dem Bild einer anderen Person übereinstimmen muss. Dies liegt daran, dass jede Wahrnehmung zugleich Ergebnis einer schon zuvor verarbeiteten Information ist. Der Mensch verknüpft demnach seine Wahrnehmung mit schon bereits stattgefundenen Erfahrungen und erweitert dadurch sein Wissenskonstrukt. Da jeder Mensch im Laufe seines Lebens unterschiedliche Erfahrungen verarbeitet hat, werden neu aufgenommene Informationen in ein ganz spezifisches Konstrukt eingearbeitet.

Innerhalb der Erziehungswissenschaft wird der Konstruktivismus als eine der wichtigsten Lerntheorien postuliert, da er „...nicht nur außerordentlich plausibel scheinende Erklärungen über den Prozess von Erkenntnis und Lernen beibringt. Er erweist sich auch als sehr fruchtbar für den Entwurf pädagogischer Handlungskonzepte, bei denen nicht nur die Lehrenden und das, was gelehrt werden soll, sondern die Lernenden und ihre Interessen und Wahrnehmungen im Mittelpunkt stehen.“[4] Ziel der konstruktivistischen Didaktik ist es, die Schüler zur selbstständigen und selbstverantwortlichen Arbeit zu motivieren, da Lernen als individueller Konstruktionsprozess gesehen wird.[5] Der Lernprozess ist nur erfolgreich, wenn aktive Handlungen und emotionale Verbundenheit mit einbezogen werden. Dies ist vor allem dann gewährleistet, wenn der Lernende aktiv und selbstgesteuert in einem problemorientierten, situativen Kontext arbeitet. Zudem wird beim konstruktivistischen Lernen viel Wert auf Gruppenarbeit gelegt, da hier ein reger Austausch zwischen den einzelnen Individuen stattfindet, der durch die verschiedenen Ideen und Sichtweisen der Gruppenmitglieder eine Erweiterung des individuellen Konstrukts impliziert.

Die Lehrkraft spielt bei der konstruktivistischen Lehrmethode eine ganz andere Rolle als bei den üblichen Unterrichtsformen, in denen sie als Leiter fungiert. Ihre Aufgabe ist es, einer-seits in den Hintergrund zu treten, um Entscheidungen und Aktivitäten des Lernenden nicht zu sehr in eine Richtung zu lenken, andererseits jedoch auch bei Schwierigkeiten oder Fragen seitens des Schülers beratend zur Seite zu stehen. Der Lehrer muss die richtige Balance zwischen Lehren und Lernen-Lassen finden. Sein Handeln ist abhängig von den sich heraus-kristallisierenden Stärken und Schwächen der Schüler und ihren subjektiven Theorien. Für den Schüler bedeutet dies zugleich, dass er als Hauptakteur die volle Verantwortung für seine Lernfortschritte übernimmt. So kann jedes Kind je nach Arbeitstempo, Interesse oder Vorwissen seinen persönlichen, individuellen Lernweg gestalten, da der Konstruktivismus aussagt, dass jeder Lernende seinen Wissenserwerb selbst konstruiert.

Diese Art von Lehrmethode fördert nicht nur die Planungs- und Handlungskompetenz der Kinder, sondern auch die Sozial- und Kommunikationskompetenz, da Schüler und Lehrer in einem dauerhaften Austausch stehen und mit einander kooperieren müssen. Auch die Phasen der Gruppenarbeit tragen dazu bei, dass die Schüler lernen müssen sich abzusprechen und faire Diskussionen zu führen. All diese Punkte sind zugleich Voraussetzung und Folge der konstruktivistischen Lehr- und Lernmethode.[6]

Grundaussagen des konstruktivistischen Lernens spiegeln sich bei vielen Pädagogen wieder.

Laut Piaget erfolgt ein Lernprozess nur dann, wenn gewohnte Konstrukte aus ihrer Balance gebracht werden und versucht wird ein neues Gleichgewicht zu erlangen. Durch dieses neu erworbene Gleichgewicht findet eine kognitive Weiterentwicklung statt. Diesen Vorgang defi-niert Piaget als Konstruktionsprozess, welcher voraussetzt, dass gewohnte Strukturen und Gesetzmäßigkeiten immer wieder in Frage gestellt und hinterfragt werden.[7] Der Lernende setzt sich durch aktives Handeln mit der individuellen Wahrnehmung auseinander. Wie schnell oder gut ein Schüler lernt, hängt von seinem Vorwissen und seiner persönlichen Vorerfahrung ab.

Wagenscheins Modell des Epochenunterrichts, zielt vor allem auf entdeckendes Lernen ab. Dies ist eine pädagogisch-didaktische Methode zur Wissensaneignung, die konstruktivistische Grundannahmen in sich vereint. Ziel ist es, dass die Kinder mittels vorgegebenen Materials ihren eigenen Lernweg finden und an ihr Vorwissen anknüpfen können.[8]

Kerschensteiner entwickelte mit seinem Modell der Arbeitsschule eine Alternative zur sogenannten Lernschule. Aspekte wie Selbstständigkeit, Aktivität und Selbstbestimmung der alltagsbezogenen Lehrinhalte standen im Vordergrund und bestimmten den „Schulalltag“. Hauptmerkmal der Arbeitsschule war ihre Lebensorientierung und die manuelle Arbeit, welche die Basis zur Erziehung zur Selbstständigkeit darstellte.[9]

Die Grundideen dieser Modelle können uns Lehrern heute noch Anreize zur Planung und Gestaltung des Unterrichts liefern. Konstruktivismus in den Unterricht mit einzubeziehen, bedeutet nicht nur einen Wechsel der üblichen Schüler- und Lehrerrolle, sondern auch etwas Neues auszuprobieren. Doch viele Lehrer orientieren sich lieber an alt bewährten Methoden, da sie Angst davor haben, die Kontrolle über Klasse und Lernprozess zu verlieren. Der US- amerikanische Philosoph Ernst von Glasersfeld thematisierte diese Angst in folgender Kritik:

„Ich glaube es wird lange dauern […], denn wenn man anfängt, konstruktivistisch zu denken, dann kommt man darauf, dass man fast alles, was man vorher gedacht hat, umkrempeln muss. […] Die meisten Leute scheuen sich davor und schieben den Konstruktivismus deshalb lieber beiseite.“[10]

Dieses Zitat verdeutlicht, dass konstruktivistisches Lernen viele Veränderungen mit sich bringt. Wie jede Lehrmethode impliziert es auch Schwierigkeiten, weil es z.B. eine sehr umfangreiche Vorarbeit voraussetzt. Dies kann mit der Zeit eine große Anstrengung und Belastung für den Lehrer darstellen. Doch auch der für den Konstruktivismus charakteristische, locker geführte, freie Unterricht könnte sich zu einem Problem entwickeln. Vor allem dann, wenn die Autorität der Lehrkraft dabei in Frage gestellt wird.

Konstruktivistische Lehrmethoden stellen für den Unterricht eine willkommene Abwechslung dar, sollten jedoch von der Lehrkraft nicht ausschließlich verwendet werden. Der Schlüssel zu einem kompetenten, lehr- und lernreichen Unterricht ist immer der Zusammenschluss mehrerer Unterrichtsmethoden.

1.2. Der „Klassenrat“

Im folgenden Mindmap soll die Vielzahl von Einzelinhalten und -ideen zum Thema „Klassenrat“ samt ihrer Vernetzungen in einem komplexen Geflecht anschaulich dargestellt und visualisiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.3. Wochenplanarbeit

„Wochenplanunterricht geht von der Erkenntnis aus, dass nicht alle Kinder zur gleichen Zeit die gleichen Aufgaben bewältigen und die gleichen Lernschritte gehen können.“[11] Kinder verändern sich, die Anforderung der Gesellschaft verändern sich und darum kann auch das Lehren und Unterrichten nicht stehen bleiben.

1.3.1 Begriffsklärung und Abgrenzung

Wochenplanarbeit im weitesten Sinn ist eine besondere Form des Offenen Unterrichts, bei der die Kinder Arbeitsvorhaben selbst auswählen, (z.T. selbst) fixieren und innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens erledigen. Dabei können sie auch selbst festlegen, wann sie was, mit wem und mit welchen Materialien, in welchem Tempo und wo arbeiten wollen.[12]

„Im engeren Fall ist der Wochenplan eine Unterrichtsform, in der die Kinder von den Lehrern festgelegte Aufgaben bearbeiten müssen. Diese Variante des reinen Pflichtaufgabenplans kann durch eine Auswahl von Aufgaben ergänzt sein, die die Kinder im Rahmen des Wochenplans selbst ausgewählt bearbeiten können (Kür).[13] Diese Form der Wochenplanarbeit ist häufiger verbreitet, da leichter kontrollier- und umsetzbar. Auf diese soll im Folgenden das Hauptaugenmerk gerichtet sein.

In beiderlei Sinn aber setzt dieses Konzept der Unterrichtsorganisation einen Kontrapunkt zum herkömmlichen Frontalunterricht und einem rezeptiven Lernen. Der Lehrer tritt aus dem auf ihn zentrierten Unterricht zurück und wird eher zum Manager im gesamten Klassenraum, er organisiert, beobachtet, berät und fördert individuell.[14]

1.3.2 Ziele der Wochenplanarbeit:

Reformpädagogik oder zeitgenössische Strömungen haben immer zuerst das Kind im Fokus und richten den Unterricht an ihm aus. Die Sachorientierung früherer Lehrpläne wich dem zufolge einer Kompetenzorientierung, um dem Heranwachsenden in der aktiven Auseinandersetzung mit dem Gegenstand - egal welchem, auch dem vom Kind gewählten – ein Repertoire an Lern- und Arbeitstechniken zur Hand gibt, das ihm hilft, zukünftige Lebensaufgaben zu bewältigen. Der Wochenarbeitsplan fordert und fördert hohe Schüleraktivität und wird gleichzeitig durch maximale Differenzierung und Individualisierung jedem einzelnen gerecht. Damit lässt er jeden an seinem persönlichen Lern- und Leistungsstand anknüpfen und ermöglicht Erfolgserlebnisse und Zufriedenheit, die ihrerseits wieder das weitere Lernen erleichtert. Das Kind wächst am erlebten Erfolg und wagt sich zu-nehmend selbsttätig und selbststeuernd an weitere Aufgaben. Dabei lässt man es sein eigenes Lerntempo bestimmen. Ganz nebenbei kann es Planungskompetenzen entwickeln oder auch in der Gruppe von anderen erwerben. Die lebensnahe Ausrichtung eines offenen Wochenplans hebt die Fächergrenzen auf und zielt auf den Erwerb von Schlüsselqualifikationen.

[...]


[1] Förster von, Heinz, << http://www.on-the-move.ch/konstruktivismus3.html >>, 2010, 19.06.2015.

[2] Klein, Klaus / Oettinger, Ulrich, S. 10.

[3] De Haan, Gerhard / Rülcker, Tobias, S. 7.

[4] Ders. Ebd.

[5] Höbarth, S. 16.

[6] Ders., S. 18.

[7] Wanzenried, S. 45ff.

[8] Brügelmann, S. 54.

[9] Gonon, S. 22.

[10] Reich, S. 14.

[11] Verlag an der Ruhr, S.12.

[12] Vgl. Vaupel, S.78.

[13] Wikipedia, 22.6.2015.

[14] Vgl. Vaupel, S.89.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zusammenhang zwischen Konstruktivistischem Lernen, Freiarbeit und Wochenplanarbeit
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V355199
ISBN (eBook)
9783668416413
ISBN (Buch)
9783668416420
Dateigröße
951 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstruktivismus, Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Offener Unterricht, Unterrichtsmethoden
Arbeit zitieren
Gina M. (Autor), 2015, Zusammenhang zwischen Konstruktivistischem Lernen, Freiarbeit und Wochenplanarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355199

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