Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit verschiedenen Bedeutungsaspekten des Stereotypbegriffs und mit der Verwendung von kulturellen Stereotypen in der Literatur.
In der Erklärung des Enstehungsmechanismus wird die Verwandschaft dieses Begriffes zu dem Begriff der Kategorie gezeigt. Doch unterscheidet sich Stereotyp von einer Verallgemeinerung wesentlich. Während Kategorien von dem Menschen als ein System von Grundbegriffen gebildet werden, welches ihm dazu dienen soll, die ihn umgebende Welt zu erklären, sind Stereotype Typiesierungen, die unreflektiert und jenseits von jeweiliger Erfahrung übernommen werden.
Kulturelle Stereotype in den literarsichen Darstellungen erfüllen abhängig von der jeweiligen Auffassung unterschiedliche Funktionen, ziehen aber immer eine Verzerrung des Dargestellten nach sich. Als eine Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation wird deswegen eine individuelle Auseinandersetzung mit der Sprache vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Stereotypbegriffs
2.1 Der Begriff des Stereotyps in der Sozialwissenschaft
2.2 Der Begriff des Stereotyps in der Linguistik
2.3 Kulturelle Stereotype
3. Entstehungsmechanismus von Stereotypen
4. Funktion von Stereotypen
4.1. Stereotype im soziologischen und psychologischen Bereich
4.2. Stereotype in der Literatur
5. Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Aspekte und Funktionen des Stereotypbegriffs in der Sozialwissenschaft, der Linguistik sowie insbesondere in der Literatur. Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Stereotypen und Kategorisierungsprozessen zu beleuchten und kritisch zu analysieren, wie kulturelle Stereotype in literarischen Werken als Mittel der Kommunikation sowie als Projektionsflächen eingesetzt werden.
- Historische Herleitung und Definition des Stereotypbegriffs
- Psychologische Entstehungsmechanismen von Stereotypen
- Die ambivalente Rolle von Stereotypen als Orientierungshilfe und Ideologieträger
- Funktionen von kulturellen Stereotypen in der Literatur
- Kritische Analyse von Kommunikationsprozessen zwischen abstrakten Kollektiven
Auszug aus dem Buch
4.2 Stereotype in der Literatur
Während Mattson die Verwendung von Stereotypen in Kurzgeschichten von Alev Tekinay untersucht, geht sie von einem anderen Verständnis des Stereotyps aus, als Wenzel und Quasthof. Für Mattson sind Stereotype ebenfalls Generalisierungen oder Verallgemeinerungen. Indem sie auf die häufige Verwendung von Stereotypen in Tekinays Erzählungen hinweist, fragt sie nach dem Grund für ein solches Vorgehen. Tekinays Verwendung von kulturellen Stereotypen über deutsche und türkische Kultur ist nicht unreflektiert, sondern bewußt, schreibt Mattson. Die Verwendung von Stereotypen ist die einzige Möglichkeit, die eine gesellschaftliche, nationale, kulturelle Gruppe hat, um eine andere Gruppe zu beschreiben und dadurch eine interkulturelle Kommunikation herzustellen. Wenn eine Beschreibung eines abstrakten Kollektivs, einer abstrakten Gemeinschaft, wie einer Nation oder Kultur geleistet werden soll, bedient sich der Schriftsteller der Verallgemeinerungen, die Verwendung von Stereotypen zieht jedoch eine Ungenauigkeit der Beschreibung nach sich: "The dilemma is as follows: on the one hand, the only way for an abstrackt collective to speak about another abstract collective is in the abstract or as generalization: any differentiation would disintegrate the contours of the collective. On the other hand, such collective designations can never lay claim to accuracy."
Mattson weist auf einen Widerspruch hin. Wenn die einzige Möglichkeit, über eine abstrakte Gemeinschaft zu sprechen und somit eine Kommunikation herzustellen, die Generalisierung (das Stereotyp) ist, ist gleichzeitig die auf solcher Ebene der Abstraktion (d.h. der Ebene der Generalisierung) hergestellte Kommunikation eher ein Zusammenstoß (clash) als eine wirksame und erfolgreiche Kommunikation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Aufbau der Arbeit, von der historischen Herleitung des Begriffs bis hin zu dessen Anwendung und Funktion in literarischen Texten.
2. Definition des Stereotypbegriffs: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen wissenschaftlichen Definitionen, beginnend bei Walter Lippmann in der Sozialwissenschaft über linguistische Differenzierungen bis hin zum speziellen Konzept kultureller Stereotype.
3. Entstehungsmechanismus von Stereotypen: Hier wird untersucht, wie Stereotype als innerpsychische Konstrukte, unter anderem zur Bewältigung von Angst und zur Kontrolle über die Welt, im Prozess der menschlichen Individuation entstehen.
4. Funktion von Stereotypen: Dieses Kapitel analysiert die zwiespältige Rolle von Stereotypen, die einerseits als notwendige Orientierungshilfe dienen, andererseits aber oft ideologisch geprägt sind, menschliche Identität einschränken oder in der Literatur zu misslingender interkultureller Kommunikation führen.
5. Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die enge Verwandtschaft zwischen Kategorienbildung und Stereotypisierung, wobei die Notwendigkeit einer individuellen Sprache als Voraussetzung für echte Kommunikation hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Stereotyp, Stereotypbegriff, Sozialwissenschaft, Linguistik, Kulturelle Stereotype, Entstehungsmechanismus, Kategorisierung, Identität, Interkulturelle Kommunikation, Ideologie, Literaturanalyse, Projektion, Alev Tekinay, Walter Lippmann, Kontrollverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Bestimmung des Stereotypbegriffs und dessen Auswirkungen auf das menschliche Denken und literarische Darstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die soziologischen und psychologischen Grundlagen der Stereotypisierung, der Prozess der sozialen Urteilsbildung sowie die Funktion von Stereotypen in der interkulturellen Kommunikation innerhalb der Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Kategorisierung und Stereotypisierung zu klären und aufzuzeigen, wie diese Prozesse die Wahrnehmung von Identität und Fremdheit in Literatur und Gesellschaft beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die theoretische Ansätze aus der Sozialwissenschaft, der Psychologie und der Linguistik (Quasthoff, Wenzel, Gilman) mit der Analyse literarischer Kurzgeschichten verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Erklärung der psychologischen Entstehung von Stereotypen (z.B. als Bewältigungsmechanismus für Angst) und die Analyse ihrer Funktionen, sowohl als soziale Orientierungshilfe als auch als literarisches Mittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Stereotyp, Kategorisierung, Identität, interkulturelle Kommunikation, Projektion, Literaturanalyse und der gesellschaftliche Kontrollbegriff.
Welche Bedeutung hat die "Fernrohr-Metapher" in diesem Zusammenhang?
Die Metapher wird im Kontext von Alev Tekinays Erzählungen verwendet, um die Ambivalenz von Stereotypen zu veranschaulichen: Wie ein Fernrohr fokussieren sie zwar auf bestimmte Aspekte, bewirken jedoch gleichzeitig eine Verzerrung und Entstellung der Realität.
Warum schlägt die Arbeit eine Auflösung der Kategorie "Kultur" vor?
Basierend auf den Analysen wird vorgeschlagen, dass die starre Kategorie "Kultur" Kommunikation behindert und die individuelle Identität reduziert, weshalb eine Abkehr davon Raum für neue kollektive Sensibilität schaffen könnte.
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- Barbara Piechota-Lutum (Author), 2002, Kulturelle Stereotype in der Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35545