Lyrik in finsteren Zeiten. Die politische Lyrik Bertolt Brechts

Die "Svendborger Gedichte"


Seminararbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Brechts politische Lyrik.

3. Die Svendborger Gedichte.
3.1 Der Aufbau der Svendborger Gedichte
3.2 Die Mottos der Gedichte..
3.3 Form, Symboliken und Wirkungsweise.

4. Schlussbemerkung12 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bertolt Brecht nimmt im Zuge des Zweiten Weltkrieges eine ganz besondere Rolle als Autor ein. Er stellt sich auf die Bedürfnisse der Zeit ein und passt seine Lyrik den Gegebenheiten an. Er wird in diesem Zusammenhang zum Vertreter der Bürgerlichen und hat deshalb eine wichtige Rolle und große Verantwortung. Schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges befindet Brecht sich im Exil in Dänemark und deutet bereits im eingehenden Motto der Svendborger Gedichte an, dass er nicht vor hat, schweigend auszuharren, sondern den Menschen, so gut er kann und mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, beistehen wird.

Die Zeit im Exil war für viele Schriftsteller eine sehr produktive, aber auch ernüchternde Zeit, da sie nicht wussten, ob ihre Werke jemals veröffentlicht werden. Das ist für Autoren, die ihre Verantwortung in der Gesellschaft ernst nehmen und eine Botschaft vermitteln möchten, sehr schwierig. Brecht verwendet deshalb eine ganz besondere Art von Lyrik, die nicht nur schön sein soll, sondern auch realistisch. Es geht um politische Lyrik, die eine Botschaft an die Menschen sendet und die Welt so darstellt, wie sie ist.

Autoren, die nicht in Deutschland geblieben sind, wie beispielsweise auch Thomas Mann, hatten die Möglichkeit, freier zu schreiben und verarbeiten oft die unterschiedlichsten Gefühle in ihren Werken. Zum einen das schlechte Gewissen, die Heimat verlassen zu haben, zum anderen das Bedürfnis, eben diese Rolle zu nutzen und die Menschen über die politische Situation aufzuklären.

Im ersten Schritt dieser Arbeit sollen die Besonderheiten von Brechts politischer Lyrik untersucht werden und aufgezeigt werden, wie sich seine Schreibweise verändert und den Umständen anpasst. Wieso entschied er sich dafür Gedichte zu schreiben und welche Rolle spielt Lyrik, die im Exil verfasst wurde? Eine Untersuchung der Svendborger Gedichte soll zeigen, welche Rolle Brecht zu dieser Zeit in der Gesellschaft eingenommen hat. Jeder Schriftsteller hat das Dritte Reich in seinen Werken auf seine Weise verarbeitet. Welche Themen Brecht im Exil in Dänemark beschäftigen, ob und wenn ja, welche Botschaft er nach Deutschland vermitteln möchte und wie es in ihm selbst aussah, das soll eine Untersuchung der Gedichte zeigen. Wichtig ist hierbei zunächst der Aufbau der Gedichte und die unterschiedlichen Themen und Gedichtformen, die er in den einzelnen Kapiteln verwendet.

Brecht hat dreien von sechs Kapiteln der Svendborger Gedichte ein Motto vorangestellt. Eine Interpretation der einzelnen Mottos in Bezug auf ausgewählte Einzelgedichte soll zeigen, worauf Brecht hinweisen möchte und auf welche Art und Weise er dies tut.

Die Gedichtformen variieren in den einzelnen Kapiteln. Wieso Brecht hier unterschiedliche Formen verwendet und welche Wirkung die Svendborger Gedichte seinerzeit und auch heute haben, soll im dritten Kapitel der Arbeit aufgezeigt werden. Dies passiert außerdem durch die Untersuchung der Symboliken, die Brecht immer wieder verwendet. Eine Einzelanalyse der Gedichte würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen, deshalb werden einzelne Titel an passenden stellen genannt, aber auf eine ausführliche Interpretation verzichtet. In einer abschließenden Bemerkung wird dann aufgezeigt, welche Rolle Brecht und vor allem die Svendborger Gedichte in der Exillyrik des Zweiten Weltkrieges eingenommen haben.

2. Brechts politische Lyrik

„Realistisch heißt: den gesellschaftlichen

Kausalkomplex aufdeckend / die herrschenden

Gesichtspunkte als die Gesichtspunkte der

Herrschenden entlarvend / vom Standpunkt der

Klasse aus schreibend, welche für die dringendsten

Schwierigkeiten, in denen die menschliche

Gesellschaft steckt, die breitesten Lösungen bereit

hält / das Moment der Entwicklung betonend konkret

und das Abstrahieren ermöglichend.“1

Das ist die Essenz der Brechtschen Lyrik. Sie hat eine politische Funktion, nämlich das Klassenbewusstsein zu stärken und gesellschaftlich Benachteiligte zu aktivieren. Sie muss leicht verständlich sein und im Ohr bleiben und das schafft man, laut Brecht, nicht durch Reime oder Rhythmus. Ein Gedicht darf nicht in sich geschlossen sein. Dass für Brecht Lyrik politisch und auf Nützlichkeit ausgerichtet ist, wurde schon in früheren Werken, wie etwa der Hauspostille klar.2 Die Lyrik ist kommunikativ und ,,setzt folglich die Erhellung der gesellschaftlichen Situation voraus.” (Geißler 1971: 100). Brecht möchte die Horazische Weisheit des ,,carpe diem” an die Menschen vermitteln und bezieht sich dabei auf einen wichtigen Fakto, nämlich die Freundlichkeit und diese herrscht zu seiner Zeit nicht.3

Er macht durch das Motto schon zu Beginn der zweiten Lektion deutlich, dass es für ihn nicht in Frage kommt, aufgrund der finsteren Zeiten, keine Lyrik mehr zu verfassen, sondern er wird die Lyrik den Zeiten anpassen und weiter schreiben. „Statt keiner Lyrik wird eine andere Lyrik geschrieben. Die Lyrik verliert ihre traditionell gestimmten Merkmale - als da u.a. sind:

»Stimmung«, »Gefühl«, »Natur« etc.“ (Knopf 1984: 116).

Brecht versucht, vor Kriegsbeginn, die Menschen auf das aufmerksam zu machen, was kommen wird. Als 1937 ,,das NS-Regime sich mit der Entmachtung der SA, der Besetzung der entmilitarisierten Rheinlande und der Rückkehr des Saarlandes ,heim ins Reich` gefestigt hatte und mit allen Kräften die Aufrüstung betrieb” (Bohnert 1982: 75), war ihm bewusst, dass eine Exilerfahrung bevorsteht, was auch der Titel der Svendborger Gedichte aussagt. Brechts Gedichte aus der Deutschen Kriegsfiebel wurden bereits 1937 geschrieben und abgedruckt und sollen auf die aktuelle Situation hinweisen. Auch wenn Hitlers Propaganda darauf aus war, von Frieden zu sprechen, wurde sein Wille zum Krieg doch durch die Aufrüstung deutlich.4 Dies macht Brecht in Auf der Mauer stand mit Kreide deutlich und bezieht sich mit der Inschrift ,,Sie wollen den Krieg” darauf, dass Hitler und seine Propaganda lange darauf hinaus waren, ihren Friedenswillen deutlich zu machen und beispielsweise England oder Frankreich vorwarf, sie würden einen Krieg wollen.5 Brecht lässt sich von solchen Dingen nicht täuschen und spricht schon recht früh von einem Krieg, der kommen wird. Auch das Münchner Abkommen, das für viele Menschen Frieden bedeutete, brachte ihn davon nicht ab. Brecht spricht in seinem Gedicht von jemandem, der schon gefallen ist und macht damit deutlich, dass bereits Krieg herrscht. Brecht möchte, als Gegner des NS- Regimes, eingreifen und alle Bürger zu einem aktiven und wirkungsvollen Widerstand ermutigen, was schwierig war, denn die Menschen zweifelten nicht an Hitlers Friedenspropaganda.6

Er richtet sich mit seinen Gedichten vor allem an die einfachen Bürger. Dass er gerade für eine gut verständliche Botschaft an den „kleinen Mann“ die Gedichtform wählt, ist verwunderlich, denn damit hat er sicher nicht jeden Bürger sofort angesprochen. Lyrik dürfte nicht das erste gewesen sein, was einen Bauarbeiter im „alltäglichen Terror der Nazis“ (Wucherpfennig/Schulte 1986: 55) interessiert hat. Umso größer war bei vielen Menschen die Überraschung, als sie feststellten „es stimme alles, nichts sei übertrieben, (...)“ ( Wucherpfennig/Schulte 1986: 55). Der einfache Bürger musste beim Lesen von Brechts Gedichten feststellen, dass alles stimmt und „zugleich auch noch schön“ ( Wucherpfennig/Schulte 1986: 56) ist. Und eben dies war der Sinn von Brechts Svendborger Gedichten: Er wollte die Wirklichkeit greifbar machen. Brecht war zu seiner Zeit einer der wenigen, die das so sahen und wurde deshalb häufig kritisiert. Dabei ist es wichtig, zu verstehen, dass ein solcher Prozess auch für den Verfasser der Lyrik nicht einfach ist:

„Indem aber Lyrik lernt, ihre eigenen „Negativität“ zu formulieren und den Widerspruch, der nicht der ihrige ist, auszuhalten, ändert sich die Lyrik und vermag, sich den Realitäten zu stellen, die die Untaten verursachen und zulassen. Der Prozeß ist für den Dichter so schmerzlich, wie es die Realitäten für die betroffenen Menschen sind: sie kommen nicht zu ihrem Leben (ganz abgesehen von den vielen, denen es genommen worden ist), und er kommt nicht zu seiner „Schreibe“. Aber: indem er wenigstens sagt, was mit denjenigen geschieht, die nicht zu ihrem Leben oder zu Tode kommen, zeigt er wenigstens mit dem Finger auf die Untäter und brandmerkt sie. Sicherlich: auch diese Lyrik ist Auschwitz nicht gewachsen (wer aber - bitte schön - ist Auschwitz gewachsen?), jedoch sie weiß davon, und das nicht erst hinterher, und sie handelt davon, und auch das nicht erst hinterher.“ (Wucherpfennig/Schulte 1986: 62)

Er muss also selbst von seinen traditionellen Vorstellungen der Lyrik Abstand nehmen und die Lyrik den Gegebenheiten anpassen. Dass er nicht mehr schreibt, kommt für ihn nicht in Frage, deshalb entscheidet er sich für politische Lyrik.

3. Die Svendborger Gedichte

Brechts Svendborger Gedichte erscheinen 1939 und sind benannt nach seinem Aufenthaltsort im dänischen Exil, Svendborg, eine kleine Stadt ,,an der Südküste der dänischen Insel Fünen" (Knopf 2001: 325). Brecht befand sich schon vor Kriegsausbruch im Exil, in Svendborg war er von 1933 bis 1939. Brecht sieht die Exilsituation als Chance, Dinge nierderzuschreiben, die seine Kollegen in Deutschland nicht schreiben können. Sie stellen eines der bedeutendsten Zeugnisse von Brechts lyrischem Exilwerk dar. Die Svendborger Gedichte vereinen Arbeiten Brechts aus fünf Jahren und sind in sechs Kapitel gegliedert, die dialektisch gestaltet sind.

3.1 Der Aufbau der Svendborger Gedichte

Die Deutsche Kriegsfiebel, die den ersten Teil des Gedichtbandes darstellt, entstand 1936/37 und wurde bereits vor Erscheinen der Svendborger Gedichte publiziert. Sie ist eine Art "Elementarunterricht über das Wesen des Krieges, der speziell an die Deutschen gerichtet und aktuell auf die Zustände im Dritten Reich bezogen ist." (Kittstein 2012: 184) Hier sind die beiden Kernthesen Brechts wichtig, die er in den Gedichten der Kriegsfiebel noch zuspitzt:

[...]


1 Vgl. Bertolt Brecht: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Band 6 (schriften). Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997, S.325.

2 Vgl. Geißler 1971, Seite 100.

3 Vgl. Geißler 1971, Seite 111-113.

4 Vgl. Bohnert 1982, Seite 77.

5 Vgl. Wucherpfennig/Schulte 1986, Seite 63.

6 Vgl. Bohnert 1982, Seite 77.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Lyrik in finsteren Zeiten. Die politische Lyrik Bertolt Brechts
Untertitel
Die "Svendborger Gedichte"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V356450
ISBN (eBook)
9783668421967
ISBN (Buch)
9783668421974
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lyrik, zeiten, eine, untersuchung, bertolt, brechts, svendborger, gedichte
Arbeit zitieren
Laura Hennige (Autor), 2014, Lyrik in finsteren Zeiten. Die politische Lyrik Bertolt Brechts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356450

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