Erziehung ist ein Begriff pädagogischen Handelns. In der alltäglichen Praxis wird das Wort Erziehung häufig genutzt, ohne eine genauere Definition zu kennen. Wenn jemand fragt, was darunter verstanden wird, lautet die Antwort meistens: „Kindern etwas beibringen“. Aber was heißt das, Kindern etwas beibringen? Was wird Kindern beigebracht, wer überhaupt bringt Kindern etwas bei und wie bringt man Kindern etwas bei? Anhand der vorliegenden Arbeit sollen grundlegende Probleme einer solchen Definition geklärt werden. Dazu wird zunächst die Herkunft des Begriffes geklärt und weitere Definitionen von anderen Erziehungswissenschaftlern aufgeführt. Des Weiteren werden zur Veranschaulichung Brezinkas und Krons Definitionen analysiert und anschließend verglichen. Ersterer ist ein Vertreter der empirischen Erziehungswissenschaft. Seine Definition ist durch fünf Bestimmungen geprägt. Kron gehört der kritischen Erziehungswissenschaft an. Sein Erziehungsbegriff baut auf Brezinkas auf und erweitert diesen durch vier Gedankengänge. Diese Arbeit wird keine Ausarbeitung einer eigenen Definition. Sie wird lediglich einen kleinen Überblick über die Vielschichtigkeit des Begriffes der Erziehung bieten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Grundbegriff der Erziehung
3. Erziehung als Beeinflussung psychischer Disposition (Wolfgang Brezinka)
4. Erziehung als symbolische Interaktion (Friedrich W. Kron)
5. Kritik Krons an Brezinkas Erziehungsdefinition
6. Vergleich der beiden Definitionsversuche
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Erziehungsbegriff der Gegenwart auseinander, indem sie die theoretischen Ansätze von Wolfgang Brezinka und Friedrich W. Kron gegenüberstellt. Ziel ist es, die Komplexität und Vielschichtigkeit des Erziehungsbegriffs durch den Vergleich zweier unterschiedlicher erziehungswissenschaftlicher Positionen zu beleuchten, um zu verstehen, wie Erziehung definiert und in sozialen Kontexten wirksam wird.
- Analyse des Erziehungsbegriffs bei Wolfgang Brezinka als Beeinflussung psychischer Dispositionen
- Darstellung des Erziehungsbegriffs bei Friedrich W. Kron als symbolische Interaktion
- Kritische Auseinandersetzung mit der Einseitigkeit von Brezinkas Kausalmodell
- Vergleichende Untersuchung beider Ansätze hinsichtlich ihrer normativen und deskriptiven Ausrichtung
- Reflexion über die Rolle der Intentionen des Erziehers gegenüber den Bedürfnissen des Zöglings
Auszug aus dem Buch
4. Erziehung als symbolische Interaktion (Friedrich W. Kron)
Friedrich W. Kron ist im Gegensatz zu Brezinka eher unbekannt. Er ist, wie Klaus Mollenhauer, der in Fachkreisen einen höheren Bekanntheitsgrad hat, ein Vertreter der kritischen Erziehungswissenschaft. Kron bringt in seinem Text gute Ansätze und Überlegungen über den Begriff der Erziehung an, die Brezinka logisch und einfach gegenübergestellt werden können. Er unterscheidet in seiner Definition zwischen Enkulturation und Sozialisation auf der einen und Erziehung auf der anderen Seite. Dabei sind die ersten beiden Begriffe „Kunstbegriffe“ und Erziehung ein Alltagsbegriff. Sie unterscheiden sich in der „Differenz von Sozialwerdung und Sozialmachung“. Sozialwerdung ist ein Teil der Enkulturation und Sozialisation, welchem der Zögling ständig unterliegt. Dadurch wird er „gesellschaftlich-kulturell Handlungsfähig“ gemacht. Sozialmachung ist ein Begriff der Erziehung und beschreibt den Prozess, „in dem es speziell um persönlichkeitsbildende und reflexive, von dem handelnden Individuum selbst bestimmte Lernvorgänge, geht“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Erziehungsbegriffs ein, der in der Alltagssprache oft vage bleibt, und stellt das Vorhaben vor, Brezinkas und Krons Definitionen wissenschaftlich zu vergleichen.
2. Zum Grundbegriff der Erziehung: Dieses Kapitel erläutert den alltagssprachlichen Gebrauch des Erziehungsbegriffs sowie dessen historische Herkunft und führt erste, grundlegende Definitionen bekannter Theoretiker auf.
3. Erziehung als Beeinflussung psychischer Disposition (Wolfgang Brezinka): Hier wird Brezinkas empirisch-wertneutraler Ansatz vorgestellt, der Erziehung als ein asymmetrisches Kausalverhältnis zur Formung der Persönlichkeit betrachtet.
4. Erziehung als symbolische Interaktion (Friedrich W. Kron): Dieses Kapitel beschreibt Krons Modell, das Erziehung als wechselseitigen, reflexiven Prozess begreift, der auf Rollenhandeln und sprachlicher Vermittlung basiert.
5. Kritik Krons an Brezinkas Erziehungsdefinition: Kron kritisiert an Brezinkas Modell die Vernachlässigung der Intentionen des Zöglings, die Einseitigkeit der Kausalmechanik und das Fehlen einer Reflexion über Erziehungsziele.
6. Vergleich der beiden Definitionsversuche: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der deskriptiv-wertneutralen Position Brezinkas mit dem normativen Ansatz Krons sowie eine illustrative Anwendung an einem Filmbeispiel.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine einheitliche Definition aufgrund der unterschiedlichen theoretischen Auffassungen schwierig bleibt, unterstreicht aber die Notwendigkeit, sowohl die Rollen als auch die Bedürfnisse des Educanden zu berücksichtigen.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Hausarbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Erziehungsbegriff, Erziehungswissenschaft, Wolfgang Brezinka, Friedrich W. Kron, Pädagogik, psychische Disposition, symbolische Interaktion, Sozialmachung, Rollenhandeln, pädagogisches Handeln, empirische Erziehungswissenschaft, kritische Erziehungswissenschaft, Erziehungsprozess, Bildungsbegriff, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den unterschiedlichen theoretischen Herangehensweisen zur Definition des Begriffs "Erziehung" und kontrastiert dabei die Positionen von Wolfgang Brezinka und Friedrich W. Kron.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf das pädagogische Handeln, das Verhältnis zwischen Erzieher und Zögling sowie die Unterscheidung zwischen rein deskriptiven und normativen Erziehungsdefinitionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch den Vergleich der zwei gegensätzlichen Ansätze die Vielschichtigkeit und Problematik einer einheitlichen Bestimmung von Erziehung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte, vergleichende Analyse sowie die Methode der exemplarischen Fallanwendung zur Verdeutlichung theoretischer Differenzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert Brezinkas Verständnis von Erziehung als Beeinflussung psychischer Dispositionen und stellt dem Krons Modell der symbolischen Interaktion gegenüber, inklusive einer kritischen Würdigung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erziehungsbegriff, symbolische Interaktion, psychische Disposition, Rollenhandeln und pädagogisches Handeln definiert.
Warum kritisiert Kron den Ansatz von Brezinka so stark?
Kron bemängelt, dass Brezinka Erziehung einseitig als asymmetrischen Prozess betrachtet, bei dem der Zögling als bloßes Objekt der Beeinflussung ohne eigene Willensfreiheit oder Mitsprache erscheint.
Inwiefern hilft das Beispiel aus "Wie ein einziger Tag" beim Verständnis?
Das Filmbeispiel verdeutlicht, dass Erziehungsversuche (hier der Mutter) an den eigenen Intentionen des Zöglings (hier Allie) scheitern können, was Krons These der wechselseitigen Interaktion stützt.
- Arbeit zitieren
- Isabella Schmid (Autor:in), 2016, Der Erziehungsbegriff der Gegenwart. Vergleich Wolfgang Brezinka und Friedrich W. Kron, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356789