Philipp der IV. von Frankreich. Herrschaftsbild und Herrschaftspraxis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
9 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. König und Reich
2.1 Die Stellung des Königs
2.2 Herrschaftspraxis und Administration

3. Handlungsfelder und Methode königlicher Politik
3.1 Der Konflikt mit Bonifaz VIII
3.2 Die Templerprozesse

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Philipp IV. der Schöne gilt in vielerlei Hinsicht als ein König, der mittelalterliche Herrschafts-vorstellungen in fast archetypischer Weise verkörperte. Die Erhabenheit seines Amtes, so wie er es sah, trug er nicht nur durch demonstratives Schweigen und Fernbleiben bei öffentlichen Anlässen nach Außen, sondern auch in seinem politischen Handeln. So wird seine Herrschaft nicht nur als Machthöhepunkt des Hauses Capet angesehen, sondern gilt auch als bedeutender Schritt hin zu souveräner Staatlichkeit. Philipp IV. wurde jedoch auch vor allem in Bezug auf die Vertreibung der Juden und die Zerschlagung des Templerordens immer als ambivalente Figur gesehen.

Im Folgenden möchte ich zunächst die Stellung und das Selbstbild des Königtums zur Zeit Philipps IV. untersuchen und anschließend sein Handeln anhand von zwei Fällen veranschaulichen: Die Konfrontation mit Papst Bonifaz VIII. und die Zerschlagung des Templerordens. Dabei werde ich auf die Abfolge der Ereignisse und die Motive Philipps IV. nur verkürzt eingehen. Der Fokus soll vielmehr auf den Aktionsfeldern und Mitteln liegen, derer sich der König bediente, um so die Auswirkung von seiner Herrschaft auf die Möglichkeiten königlicher Politik in Frankreich abschätzen zu können.

2. König und Reich

2.1 Die Stellung des Königs

Der französische König hatte durch die im Laufe des 12. Jahrhunderts sich verfestigende Primogenitur eine traditionell starke Position inne. Was diesen jedoch von anderen europäischen Monarchen unterschied, war die zunehmende Sakralisierung des Königtums. So wurden bereits Philipps IV. Vorgänger, Ludwig IX. besondere Heilkräfte zugesprochen.[1] Die vom Klerus stets mit Skepsis betrachtete Praxis der Skrofulösenheilung wurde auch von Philipp IV. an seinen Sohn tradiert und so zu einer öffentlichkeitswirksamen Demonstration königlicher Sakralität.[2] Diese wiederum setzte sich aus mehreren Faktoren zusammen, unter denen die lang zurückreichende Verehrung des heiligen Dyonisus zentral war.[3] Joachim Ehlers fasst das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten wie folgt zusammen:

"Ein bestimmter Heiliger, seit der Merowingerzeit dem Königshaus verbunden und in dieser Eigenschaft über Dynastiewechsel hin kontinuitätsverstärkend, wurde im 12. Jahrhundert zum Beschützer des Reiches. König und Reich wurden durch ihn sichtbar zur Einheit. Das Remigiusöl in Reims stellte den König von Frankreich über alle anderen Monarchen der Christenheit und heiligte die Institution durch die Abfolge derart sakralisierter Kronträger." [4]

In diesem Kontext war die Heiligsprechung Ludwigs IX. 1297 von besonderer Bedeutung für Philipp IV., der seine Königswürde immer auch auf seinen Großvater bezog. Dies wird nicht zuletzt im Kieferreliquiar Ludwigs IX. Sichtbar, bei dem Philipp IV. zusammen mit Philipp III. als stützende Figur abgebildet ist und so eine sichtbare Verbindung des herrschenden Monarchen zu dessen heiligen Vorfahren geschaffen wird.[5] Die Bezugnahme Philipps IV. auf Ludwig IX. tritt auch in der Grablege in Saint-Denis deutlich zutage, wo er die Grabmäler seiner Vorgänger derart neu anordnen lies, dass er selbst und nicht wie zuvor Philipp III. seinem Großvater am nächsten liegen sollte.[6] Philipp der Schöne wusste seine hervorgehobene Stellung auch auf diplomatischer Ebene wirksam in Szene zu setzen. So trat er auch mit hochrangigen Abgesandten und Würdenträgern selten persönlich in Verhandlungen, sondern ließ stattdessen seine Ratsmitglieder für sich sprechen, was auf Audienzsuchende mitunter brüskierend wirkte.[7]

2.2 Herrschaftspraxis und Administration

Die Ratsmitglieder nahmen unter Philipp IV. jedoch weitaus mehr als zeremonielle Aufgaben war. Einzelpersonen wie Pierre Flote und Guillaume de Nogaret gelangten zu erheblichen Einfluss, ohne dass dieser mit einem bestimmten Amt verbunden war.[8] Denn die Verwaltungsorgane waren ebenso wenig nach Kompetenzen ausdifferenziert, wie sie den Beratern des Königs eindeutig zugeteilt waren. Philipp konsultierte vielmehr je nach Sachverhalt wen er für befähigt hielt, so dass die königsnahen Berater sich auf vielen verschiedenen Feldern bewähren mussten.[9] Joseph R. Strayer folgert hieraus:

"This praxis also slowed down the growth of the great corporations of officials, which were to limit the freedom of choice of his successors. Philip could remain in overall control of policy because no one could claim to have exclusive knowledge of or complete responsibility for any field of government." [10]

Der engere Beraterkreis rekrutierte sich unter Philipp mehr als je zuvor aus Finanzexperten, Juristen und allgemein am Hof Bewährten, wobei die jeweilige Fachkenntnis als Kriterium immer wichtiger wurde, so dass auch Angehörige des niederen Adels und Bürgerliche zu ihm gehörten.[11] Inwieweit die politische Direktive bei Philipp selbst oder seinen Räten lag, war immer wieder heftig umstritten. Joachim Ehlers argumentiert hier für eine starke Position des Königs, da anderenfalls die Räte lediglich Instrumente der Hofparteien gewesen wären, was der hohen Kontinuität der Amtsführung unter Philipp IV. widersprechen würde.[12] Mit Hilfe dieses äußerst effizienten Verwaltungsapparats gelangten nun auch neue Felder in den Zugriff der königlichen Politik. So wurden die außerordentlichen Kriegsabgaben allmählich in eine allgemeine Kopfsteuer umgewandelt, von der der Adel natürlich ausgenommen war, womit die großen Feudalherren übergangen und die Bevölkerung, zumindest ökonomisch direkte Untertanen des Königs wurden.[13]

3. Handlungsfelder und Methode königlicher Politik

3.1 Der Konflikt mit Bonifaz VIII.

Im Zuge der intensivierten Steuerpolitik Philipps war nun immer öfter auch der Klerus von Abgaben betroffen um die steigenden Kosten des Kriegs mit England zu decken. Dies stellte dem Verständnis der Zeitgenossen nach einen klaren Rechtsbruch dar und rief dementsprechend auch bald den Protest des Papstes hervor, der diese Praxis in der Bulle Clerices laicos vom 24. Februar 1296 mit der Banndrohung bedachte.[14] Die daraufhin von Philipp verhängte Devisensperre traf die Kurie empfindlich und zeigt wie sehr der König Angelegenheiten der Reichskirche als seine ureigenen betrachtete und wirft in der effektiven Durchführung der selben auch ein Licht auf die gewachsene Zugriffsmöglichkeit der königlichen Zentralgewalt.[15] Das Einlenken des Papstes vom 31. Juli des Folgejahres war jedoch nur von kurzer Dauer. Als Philipp IV. 1301 den unliebsamen Bischof von Pamiers, Bernard de Saisset inhaftieren und von einem königlichen Gericht verurteilen ließ, verletzte dies entscheidend die Ansprüche des Klerus auf eigene Gerichtsbarkeit. Als Konsequenz setzte Bonifaz die Bulle Clerices laicos de facto wieder in Kraft und griff den König mit dem Schreiben Asculta fili unter Betonung seine eigenen Vollmachten stark an.[16] Diesmal zielte der Gegenschlag des Königs auf die öffentliche Meinung. Er ließ in einem ersten Schritt eine verkürzte Fassung des Schreibens veröffentlichen, in der die päpstlichen Ansprüche provokativ zugespitzt waren und berief in einem zweiten Schritt eine Versammlung von Prälaten, Universitätsangehörigen, Adel und Bürgerschaft ein, die geleitet vom Großsiegelbewahrer Pierre Flote die Angriffe des Papstes auf die Souveränität des Königs beklagte und mit einem Treuebekenntnis der Teilnehmer zum König endete. Letztlich ist diese Zusammenkunft als Instrument öffentlich inszenierter Politik zu sehen, dem sich Philipp für seine Zwecke bediente.[17] 1302 erhob nun Plaisians auf einer zweiten Versammlung von Klerus und Adel schwere Vorwürfe gegen den Papst, bestritt dessen Legitimität und bezichtigte ihn der Ketzerei, worüber auf einer allgemeinen Synode entschieden werden sollte.[18] Während Bonifaz die Exkommunikation des Königs vorbereitete, ließ Philipp sein Absetzungspläne für den Papst von Klöstern, Städten und Kirchen schriftlich bestätigen, womit die weitere Eskalation des Konflikts bis zum Attentat von Agnani gewissermaßen vorgezeichnet war.[19] Die Auseinandersetzung zwischen König und Papst sieht Jürgen Miethke im Lichte zunehmenden staatlichen Souveränitätszuwachses, wenn er schreibt:

"Die Schwierigkeit bestand ja darin, daß der umfassende Anspruch des Papstes auf absoluten Gehorsam in der ganzen Christenheit keineswegs aufgegeben war und daß auf der anderen Seite der Integrations- und Intensivierungsprozeß staatlichen Zugriffs auf die Untertanen im Königreich nicht an den Grenzen der kirchlichen Immunität haltmachen wollte,[...]." [20]

[...]


[1] EHLERS, Joachim, Die Kapetinger, Stuttgart 2000, S.191f.

[2] Ebd, S. 192f.

[3] EHLERS, Joachim, Ausgewählte Aufsätze, in: Berliner Historische Studien, hg, von Martin KINTZINGER – Bernd SCHNEIDMÜLLER, Bd. 21, Berlin 1996, S. 292ff.

[4] Ebd., S.295.

[5] BROWN, Elizabeth A.R., The Monarchy of Capetian France and Royal Ceremonial (Collected Studies Series, Bd. 345), Aldershot 1991, S.222.

[6] Ebd., S. 226f.

[7] BROWN, S. 228.

[8] EHLERS, Kapetinger, S.195f.

[9] STRAYER, Joseph Reese., The Reign of Philip the Fair, Princeton 1980, S. 70.

[10] Ebd., S.71.

[11] MIETHKE, Jürgen, Philipp IV. der Schöne (1285-1314), in: Die französischen Könige des Mittelalters, hg. von Joachim EHLERS – Heribert MÜLLER – Bernd SCHNEIDMÜLLER, München 1996, S. 205.

[12] EHLERS, Kapetinger, S.197.

[13] EHLERS, Kapetinger, S. 203.

[14] BECKER, Hans-Jürgen, Die Appelation vom Papst an ein allgemeines Konzil. Historische Entwicklung und kanonistische Disskusion im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Forschungen zur kirchlichen Rechtsgeschichte und zum Kirchenrecht, hg. von Ludwig BUISSON – Martin. HECKEL - Peter. LANDAU u.a., Bd. 17, Köln 1988, S. 80.

[15] MIETHKE, Philipp IV. der Schöne, S. 218.

[16] Ebd, S.219f.

[17] Ebd, S. 221.

[18] BECKER, S.62.

[19] MIETHKE, S.223f.

[20] Ebd, S. 219.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Philipp der IV. von Frankreich. Herrschaftsbild und Herrschaftspraxis
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Historisches Seminar)
Note
2.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
9
Katalognummer
V357264
ISBN (eBook)
9783668426016
ISBN (Buch)
9783668426023
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verkürzte Hausarbeit (Anforderung 6-8 Seiten)
Schlagworte
Frankreich Monarchie Kapetinger Staatsbildung Zentralisierung
Arbeit zitieren
Johannes Konrad (Autor), 2014, Philipp der IV. von Frankreich. Herrschaftsbild und Herrschaftspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/357264

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