Sammlung und Analyse von BGH-Entscheidungen zum Verdienstausfallschaden in Haftpflichtfällen bei Kindern, Auszubildenden, Schülern und Studenten


Seminararbeit, 2015

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung der wichtigsten Grundsätze des Erwerbsschadensersatzes
2.1. Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)
2.2. Gemäß der Zivilprozessordnung (ZPO)
2.3. Gemäß dem Sozialgesetzbuch / Zehntes Buch (SGB X)

3. Urteilsanalyse in Bezug auf Vermögensnachteile bei Kindern, Auszubildenden, Schülern und Studenten
3.1. Verzögerte Berufsausbildung, Verspäteter Eintritt in das Berufsleben
3.1.1. Schadeneintritt vor oder während der Berufs-/Schulausbildung
3.1.1.1. Erfassungszeitpunkt des Schadens
3.1.1.2. Die wahrscheinliche künftige Entwicklung
3.1.1.3. Verspäteter Studieneintritt
3.1.2. Schadeneintritt kurz nach der Ausbildung
3.2. Minderverdienst / Änderung des Berufsziels
3.2.1. Heranziehung von Prognoseindizien und Hilfsmittel
3.2.1.1. Familiäres Umfeld bei frühkindlichem Schadenseintritt
3.2.1.2. Bedingungen der Umwelt und persönliche Faktoren
3.2.1.3. Gewährung eines Schätzungsbonus

4. Folgeschäden
4.1. Behandlung bei Eintritt in das Berufsleben
4.2. Entgangene Gewinnbeteiligung

5. Anspruchsübergang auf Dritte
5.1. Übergang auf Rentenversicherungsträger
5.2. Übergang auf die Bundesanstalt für Arbeit (BA)

6. Zusammenfassung des Erwerbsschadensersatzes

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Deutschland leben 10,63 Millionen Kinder.[1] Hierbei ist die Zahl der Unfälle im Kindesalter erschreckend hoch. Rund 1,7Millionen der unter 15-Jährigen müssen jährlich aufgrund von Unfällen ärztlich versorgt werden.[2] Jedes fünfte Kind erleidet bei einem Schadenereignis eine Kopfverletzung. Diese tritt am häufigsten im Zeitraum der Geburt bis zum Vorschulalter ein.[3] In der Regel kommt es nicht alleine zu einem immateriellen Schaden, der die möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen erfasst. Es kommt vielmehr auch zu einem materiellen, in Form von Vermögensausfall.[4] Die Analyse von Heilbehandlungskosten, sowie der verletzungsbedingte Mehraufwand, stellen rechtlich kein Problem dar und lassen sich somit meist eindeutig, ohne größere Schwierigkeiten, bestimmen. Sie werden oft nur am Rande behandelt, weil diese zunehmend beim Unfallzeitpunkt an den Sozialversicherungsträger übergehen.[5] Allerdings ist die Ermittlung des Erwerbsschadens von Kindern sowie von Jugendlichen, die sich noch im Studium oder Ausbildung befinden, weitaus komplexer.[6] In diesem Fall muss eine Prognose angestellt werden, wie deren berufliche Laufbahn sich zukünftig entwickelt hätte. Um so jünger das Kind ist, desto schwieriger ist die Zukunftsprognose. Der Schaden muss hierbei aufgrund von Schätzungen, sowie äußerer Bedingungen individuell für jeden jungen Menschen erfolgen.[7] Als Richtwert werden die Wahrscheinlichkeit, sowie die Schlüssigkeit, zusammen mit einem Schätzungsbonus als auch einem Risikozuschlag verwendet.[8]

Die vorliegende Studienarbeit soll einen Beitrag dazu leisten, wie mit den Beweismethoden gemäß § 252 S. 2 BGB umzugehen ist. Außerdem soll das Beweismaß gemäß § 287 ZPO, hinsichtlich des zu ersetzenden Schadens bezüglich des entgangenen Gewinns, näher untersucht werden. Aber auch ein Einblick in das Sozialversicherungsrecht, vor allem aufgrund § 119 SGB X, wird gegeben. Dies wird aufgrund der Analyse von BGH-Entscheidungen zum Thema Verdienstausfallschaden in Haftpflichtfällen verdeutlicht. Die Arbeit befasst sich hierbei insbesondere mit Kindern, Studenten und Auszubildenden.

2. Erläuterung der wichtigsten Grundsätze des Erwerbsschadensersatzes

2.1. Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)

Eine zentrale Regelung des Schadensersatzrechts zur Bestimmung des Erwerbsschadensersatzes ist § 249 BGB. Diesbezüglich hat der Gläubiger das Recht darauf, dass der Zustand wiederhergestellt wird, der ohne den zum Ersatz verpflichtenden Umstand eingetreten wäre. Dabei kann der Gläubiger gem. § 249 II S. 1 BGB bei einer Personenverletzung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen. Nach § 252 BGB erfasst der zu ersetzende Schaden auch den entgangenen Gewinn, welcher „nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge oder nach den besonderen Umständen, ... mit Wahrscheinlichkeit erwartet werden konnte.“

Gem. § 842 BGB erstreckt sich die Schadensersatzpflicht, bedingt durch eine unerlaubte Handlung, auch auf die Nachteile des Erwerbs oder des Fortkommens die dem Verletzten entstanden sind. Bei gesundheitlichen Schäden die dazu führen, dass die Erwerbsfähigkeit aufgehoben oder gemindert wird, ist dem Verletzten gem.§843IBGB grundsätzlich durch Entrichtung einer Geldrente Schadensersatz zu leisten. Das Gleiche gilt bei einer Vermehrung seiner Bedürfnisse.

2.2. Gemäß der Zivilprozessordnung (ZPO)

Bei Uneinigkeit der Parteien bezüglich der Schadensfeststellung ist §287IZPO anzuwenden. Das Gericht kann hierbei nach eigenem Ermessen entscheiden, ob beispielsweise ein Sachverständigengutachten einzuholen ist. Eine entsprechende Überzeugung des Tatrichters ist notwendig, für die allerdings je nach Sachlage eine hohe oder überwiegende Wahrscheinlichkeit genügen kann. Die erforderlichen Anknüpfungstatsachen müssen dargelegt und in dieser Weise zur Überzeugung des Tatrichters nachgewiesen werden.[9]

2.3. Gemäß dem Sozialgesetzbuch / Zehntes Buch (SGB X)

§ 119 SGB X umfasst alle Personen, die vor oder nach dem Zeitpunkt des Schadenereignisses pflichtversichert waren. Nur, wenn dies der Fall ist, werden fehlende Pflichtbeiträge ersetzt um einen späteren Rentenausfall oder eine Rentenminderung durch eine Arbeitsunfähigkeit oder Minderverdienst zu verhindern. Durch die Gesetzesänderung zum 01.01.2001 ist nunmehr festgelegt, dass bei einem zukünftigen Eintritt in die Rentenversicherung durch einen Verletzten, der bis zum Unfallzeitpunkt nicht pflichtversichert war, der Anspruch mit der ersten Beitragsverbuchung an den Rentenversicherungsträger automatisch übergeht.[10]

3. Urteilsanalyse in Bezug auf Vermögensnachteile bei Kindern,Auszubildenden, Schülern und Studenten

3.1. Verzögerte Berufsausbildung, Verspäteter Eintritt in das Berufsleben

3.1.1. Schadeneintritt vor oder während der Berufs-/Schulausbildung

Schadensbedingte Verzögerungen eines Studiums, Berufsausbildung oder der Schullaufbahn werden gemäß den §§ 249 ff, 842 f. BGB erfasst, da sie zu einem verspäteten Einstieg in das Berufsleben führen und somit ein Erwerbsschaden eintreten kann.[11] Konkrete zu ersetzende Nachteile sind zum einen die entgangene Ausbildungsvergütung für den Zeitraum des Aufschubs, sowie das darauffolgende entgangene Gehalt infolge einer Verspätung des Berufseintritts.[12]

3.1.1.1. Erfassungszeitpunkt des Schadens

Seitens des BGH wurde nachfolgender Leitsatz getroffen: „Beantragt der Geschädigte die Feststellung der Verpflichtung des Schädigers, ihm den in Zukunft aus dem Unfallereignis entstehenden Schaden zu ersetzen, so folgt aus den Grundsätzen der Antragsauslegung, dass damit die ab Klageeinreichung und nicht erst die ab dem Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung entstehenden Schadensersatzansprüche erfasst werden.“[13] Das Berufungsgericht vertrat hierbei die Meinung, dass die Ansprüche aus dem Verdienstausfall bereits gemäß § 852 Abs. 1 BGB verjährt waren. Eine Unterbrechung durch die Klageeinreichung im Vorprozess wurde ebenfalls nicht als gegeben angesehen. Ferner ist in der Vorinstanz die Meinung vertreten worden, dass beim Vorprozess nur alle Schäden geltend gemacht werden können, die nach der Verhandlung entstanden sind. Der BGH stimmt dem nicht zu und sieht in der Verjährungseinrede der Beklagten keinen Erfolg. Dies wird damit begründet, dass bei einer Schadensersatzpflicht nicht auf den Stand der Schadensermittlungen abzustellen ist, sondern auf die allgemeine Pflicht an sich. In diesem Fall ist es aus Sicht des BGH deutlich, dass der geltend gemachte Anspruch einen allumfassenden Ersatz des Erwerbsschadens ab Klageeinreichung umfassen sollte.[14]

3.1.1.2. Die wahrscheinliche künftige Entwicklung

In selbiger Angelegenheit wurde nachfolgende ständige Rechtsprechung des BGH angewandt: „Bei einem jüngeren Menschen kann ohne konkrete Anhaltspunkte nicht angenommen werden, dass er auf Dauer die ihm zu Gebote stehenden Möglichkeiten für eine gewinnbringende Erwerbstätigkeit nicht nutzen werde.“[15] Wenn ein Geschädigter nach einem Unfall durch schwere Verletzungen weder körperlich noch psychisch im Stande ist seine Schulausbildung zu beenden und daraufhin eine Ausbildung zu beginnen, müssen die Beweiserleichterungen gem. §§ 252 BGB, 287 ZPO abstrakt gesehen werden. Diese dürfen folglich einen Geschädigten nicht zu sehr einschränken. Eine vollständige Ablehnung eines Schadens gem. § 842 BGB darf hinsichtlich einer Verzögerung einer Ausbildung nicht im Ganzen verneint werden, wenn eine verletzte Person später dazu in der Lage gewesen wäre, die gewünschte Ausbildung aufzunehmen und dies nicht getan hat. Die Begründung erfolgt seitens des Gerichts zum einen gem. § 252 BGB, dass zur Beurteilung zunächst die voraussichtliche Entwicklung, wenn das Schadenereignis nicht eingetreten wäre, herangezogen werden muss. Zum anderen muss eine Prognose angestellt werden. Diese kann entsprechend dem gewöhnlichen Lauf der Dinge erfolgen. Aber auch besondere individuelle Umstände zur bisherigen Ausbildung des Betroffenen werden mit einbezogen. Wenn beispielsweise schon Praktika in dem gewünschten Bereich gemacht wurden, ist davon auszugehen, dass eine Ausbildung ohne den Unfall in diesem auch aufgenommen worden wäre. Die Anforderungen an den noch jungen Geschädigten selbst, seine Entwicklung darzulegen, dürfen nicht zu hoch sein, da es noch wenig Anhaltspunkte für diese gibt. Wenn es noch gar keine Basis zur Bestimmung gibt, werden weitere Hilfsmittel herangezogen. Es kann hier also der gewöhnliche Lauf der Dinge in Betracht gezogen oder ein durchschnittlicher Erfolg berechnet werden. Eine Schätzung gem. §287 ZPO kann ebenfalls erfolgen. Verbleibende Risiken können durch Abschläge berücksichtigt werden. Der Tatrichter darf bei der Schadensprognose gem. §§ 252 BGB, 287 ZPO jedoch nicht wegen Ungewissheit vorschnell eine Entscheidung treffen und den Schaden ablehnen.

Daher ist bei Unsicherheit und wenn sich nichts Gegenteiliges ergibt, davon auszugehen, dass die verunfallte Person ihre Schullaufbahn erfolgreich beendet hätte und dementsprechend eine erfolgreiche Lehre. Man darf hierbei nicht ohne tatkräftige Gründe Unterstellungen treffen, der noch junge Geschädigte würde zukünftige Möglichkeiten für eine Erwerbstätigkeit nicht nutzen. Zur Berechnung wird die Gegenüberstellung von Soll- und Ist-Verlauf verwendet.[16] Der Soll-Verlauf gibt die Situation wieder, wie sie ohne den Unfall verlaufen wäre. Der Ist-Verlauf stellt die Situation nach dem Unfallgeschehen dar. Dieser Vergleich muss „pro rata temporis“[17] erfolgen. Dies bedeutet, dass die beiden Verläufe exakt für die jeweiligen Zeiträume gegenüber gestellt werden. Reduzierungen des Einkommens sind dabei abzuziehen.[18] Der BGH hat hinsichtlich des Verdienstausfalls aus vorangegangenen Punkten zu Gunsten der Klägerin entschieden. Zur genauen Feststellung der Höhe, vor allem wegen eines möglichen Forderungsübergangs an Sozialleistungsträger, wurde an das Berufungsgericht zurückgewiesen.[19]

Diese erläuterte Rechtsprechung ergibt sich ferner allgemein bei noch jungen Geschädigten, die zum Unfallzeitpunkt noch keine bestimmte berufliche Laufbahn eingeschlagen haben und bei denen somit noch kein festes Arbeitsverhältnis vorliegt.[20]

Der soeben erläuterte Leitsatz ergibt sich gemäß dem BGH auch zusammen mit folgender Feststellung: „Bei der nach § 252 S. 2 BGB anzustellenden Prognose ist nicht allein auf die im Unfallzeitpunkt bestehenden Verhältnisse abzustellen. Maßgebend ist vielmehr auch die wahrscheinliche künftige Entwicklung“[21] Wenn ein Jugendlicher sich nach abgeschlossener Ausbildung in einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit befindet, als das schädigende Ereignis stattfindet, ist nicht davon ausgehen, dass er zukünftig nicht mehr in seinen Lehrberuf arbeiten oder einer anderweitigen Beschäftigung nachgehen wird. Das Berufungsgericht hat hierbei keine hinreichende Abschätzung der zukünftigen Entwicklung vorgenommen. Es wurde vielmehr nur auf den Zeitpunkt des Unfallereignisses abgestellt und die Umstände auf diese Zeit begrenzt. Seitens des BGH kann hiervon ohne konkrete Anhaltspunkte nicht ausgegangen werden. Die Sache wurde an die Vorinstanz zurückverwiesen. Die Parteien erhalten somit nochmals die Gelegenheit Stellung über den Berufsweg des Geschädigten zu nehmen, der ohne den Unfall voraussichtlich eingeschlagen worden wäre.[22]

3.1.1.3. Verspäteter Studieneintritt

Der Bundesgerichtshof hat auch nachfolgende Feststellung getroffen. „Hat der Schädiger dem Unfallverletzten für die verspätete Aufnahme eines Fachhochschulstudiums einzustehen, so haftet er grundsätzlich auch für Verzögerungen des Studiums durch einen allgemeinen Vorlesungsstreik der Studenten, denen der Verletzte ohne den Unfall nicht ausgesetzt wäre.“[23]

Dies ergibt sich daraus, dass der Schädiger grundsätzlich für alle Nachteile aufkommen muss, die dem Verletzten aus der Verzögerung der Ausbildung entstanden sind. Wenn sich veränderte Studienbedingungen ergeben und sich die Ausbildungsdauer aufgrund eines Unfalls verlängert, weil der Studierende in ein Streiksemester geraten ist, muss der Verantwortliche hierfür aufkommen. Bezüglich der Berechnung wird der Verdienst zu Grunde gelegt, der nach dem Studium vermutlich erzielt worden wäre. Der Berechnungszeitraum muss kongruent mit dem der Verzögerung sein. Das Berufungsgericht hat einen Schaden in Höhe des zukünftigen wahrscheinlichen Verdienstes anerkannt, aber die Verzögerung der Ausbildung durch den Streik unberücksichtigt gelassen. Diese Meinung teilt der BGH nicht. Zur Begründung gibt der Senat an, dass der Verletzte nur unfallbedingt in der Zeit der politischen Unruhen und des Streiksemesters studieren musste. Eine Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos, deren Schäden nicht zu ersetzen sind, wurde ausgeschlossen.[24] Hierzu würde vielmehr beispielsweise der psychische Schaden eines nicht am Unfall beteiligten Zeugen zählen.[25] Aus diesen Gründen hat sich der BGH für eine Erstattung des Verdienstausfalls entschieden.[26]

Der BGH hat folgende Entscheidung getroffen: „Wird ein Dienstpflichtiger, der erst nach Beginn seines Wehrdienstes als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wird, unter Verstoß gegen § 19 Abs 1. Satz 2 ErsDiG (ZDG) nicht unverzüglich zum Ersatzdienst (Zivildienst) einberufen, so hat dies nicht seine Befreiung vom Ersatzdienst (Zivildienst) zur Folge.“[27] Der Zusammenhang dieser Feststellung in Hinblick auf die Erwerbsschadensausfallanalyse wird im Folgenden erläutert. In dieser Angelegenheit werden Ersatzansprüche aus der Verzögerung eines Studieneintritts untersucht, die sich aus der Einberufung zum Zivildienst ergeben. Diese sollten aufgrund der Nichteinhaltung der Vierwochenfrist zur Bekanntgabe dieser geltend gemacht werden, da andernfalls im selben Jahr noch ein Studium aufgenommen worden wäre. Hierfür wurde bereits eine Wohnung in der Nähe der gewählten Universität gemietet. Ferner sind daher anderweitige Aufwendungen der Suche eines Untermieters für die Zwischenzeit geltend gemacht worden. Außerdem der Verdienstausfall für ein bezahltes Praktikum, das nicht mehr vollständig abgeleistet werden konnte. Das Berufungsgericht vertrat die Meinung, dass ein Aufopferungsanspruch besteht. Ferner wurde der Kläger nach dessen Auffassung im Vergleich zu anderen Dienstpflichtigen ungerecht behandelt und würde somit ein Sonderopfer darstellen. Die Einberufung sah man als rechtswidrig an. Es wurde davon ausgegangen, dass der Geschädigte zukünftig nicht mehr eingezogen werden darf.

Ein derartiger Vermögensanspruch kann hier nicht mit einer Aufopferung begründet werden. Diese entsteht laut dem BGH lediglich „[b]ei einem hoheitlichen Eingriff in nicht Vermögenswerte Güter, insbesondere in Leben, Gesundheit und Freiheit, ... wenn der Eingriff ihn im Verhältnis zu anderen ungleich belastet, ihm also ein Sonderopfer aufgebürdet hat, und wenn der Eingriff ihm einen Vermögensschaden zugefügt hat “[28] und kann aus diesem Grund nicht als solcher angesehen werden. Ein Aufopferungsanspruch kann weiterhin laut dem BGH nur geltend gemacht werden, wenn der Geschädigte im Verhältnis zu anderen eine schlechtere Behandlung erfahren würde und als Sonderopfer anzusehen wäre. Mit einer Einberufung zum Zivildienst stellt man jedoch ein solches Opfer nicht dar, da jeder Kriegsdienstverweigerer damit zu rechnen hat. Die Mitteilungsfrist ist nicht relevant wenn es in Frage kommt, dass der Anspruchsteller sowieso jederzeit nochmals einberufen werden kann. Eine Verzögerung der Einziehung heißt daher nicht, dass diese zukünftig ausgeschlossen werden kann. Hinzu kommt, dass bei frühzeitiger Benachrichtigung nicht hinreichend wahrscheinlich ist, dass der Kläger sein Studium noch rechtzeitig beginnen hätte können. Eine positive Entscheidung über einen Verdienstausfall hinsichtlich einer Verzögerung des Studiums kann hier seitens des BGH nicht geltend gemacht werden. Bezüglich einer Entscheidung über die Erstattung der weiteren Aufwendungen (Mietanteil, Kosten für Autofahrten und entgangener Verdienst des Praktikums) wurde hinsichtlich der noch nicht abgeschlossenen Prüfung zur Amtshaftung an das Berufungsgericht zurückgewiesen.[29]

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt, Statista 2015,
Anzahl der Kinder bis 14 Jahre in Deutschland von 1950 bis 2012 (in Millionen)

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1253/umfrage/anzahl-der-kinder-bis-14-jahre-in- deutschland-seit-dem-jahr-1950/ (Letzter Aufruf: 02.06.2015).

[2] Vgl. Bundesgesundheitsministerium, Prävention von Kinderunfällen
URL: http://www.bmg.bund.de/themen/praevention/kindergesundheit/praevention-von-
kinderunfaellen.html (Letzter Aufruf: 02.06.2015).

[3] Vgl. Engel(Vorsitzender der Kommission Unfallversicherung im GDV),
Wie gefährdet ist mein Kind? - Kinderunfälle und Risikobewusstsein der Eltern 2012, Pressekonferenz am 30.08.2012

URL: http://www.gdv.de/wp-content/uploads/2012/08/Kinderunfaelle-und-Risikobewusstsein- Praesentation-Engel.pdf (Letzter Aufruf: 02.06.2015).

[4] Vgl. Küppersbusch/Höher (2013), S. 1 (Rn. 1).

[5] Vgl. Küppersbusch/Höher (2013), S. 71 (Rn. 226), S. 73 (Rn. 230).

[6] Vgl. Jahnke/Thinesse-Wiehofsky (2013), S. 43 (Rn. 1).

[7] Vgl. Küppersbusch/Höher (2013), S. 53 ff.

[8] Vgl. BGH Urteil vom 05.10.2010, Az.: VI ZR 186/08, NJW 2011, 1148-1151.

[9] Vgl. BGH Urteil vom 17.01.1995, Az.: VI ZR 62/94, NJW 1995, 1023-1024.

[10] Vgl. http://www.haufe.de/personal/personal-office-premium/jansen-sgbx-119-uebergang-von- beitragsanspruechen-21-beteiligte-am-forderungsuebergang_idesk_PI10413_HI1851538

. html?print=true, (Letzter Aufruf 26.05.2015).

[11] Vgl. Küppersbusch/Höher (2013), S. 15 f. (Rn. 42).

[12] Vgl. Küppersbusch/Höher (2013), S. 53.

[13] BGH Urteil vom 06.06.2000, Az.: VI ZR 172/99, NJW 2000, 3287-3289.

[14] Vgl. BGH Urteil vom 06.06.2000, Az.: VI ZR 172/99, NJW 2000, 3287-3289.

[15] BGH Urteil vom 06.06.2000, Az.: VI ZR 172/99, NJW 2000, 3287-3289.

[16] Vgl. Küppersbusch (2013), S. 53.

[17] Küppersbusch (2013), S. 53.

[18] Vgl. Küppersbusch (2013), S. 53.

[19] Vgl. BGH Urteil vom 06.06.2000, Az.: VI ZR 172/99, NJW 2000, 3287-3289.

[20] Vgl. BGH Urteil vom 17.01.1995, Az.: VI ZR 62/94, NJW 1995, 1023-1024.

[21] BGH Urteil vom 14.01.1997, Az.: VI ZR 366/95, NJW 1997, 937-940.

[22] Vgl. BGH Urteil vom 14.01.1997, Az.: VI ZR 366/95, NJW 1997, 937-940.

[23] BGH Urteil vom 23.10.1984, Az.: VI ZR 30/83, NJW 1985, 791-792.

[24] Vgl. BGH Urteil vom 23.10.1984, Az.: VI ZR 30/83, NJW 1985, 791-792.

[25] Vgl. Küppersbusch/Höher (2013), S. 2.

[26] Vgl. BGH Urteil vom 23.10.1984, Az.: VI ZR 30/83, NJW 1985, 791-792.

[27] BGH Urteil vom 19.02.1976, Az.: III ZR 130/73, in Verbindung mit dem BGH Urteil vom 11.03.1976, Az.: III ZR 130/73, NJW 1976, 1687.

[28] BGH Urteil vom 19.02.1976, Az.: III ZR 130/73 in Verbindung mit dem BGH Urteil vom 11.03.1976, Az.: III ZR 130/73, NJW 1976, 1687.

[29] Vgl. BGH Urteil vom 19.02.1976, Az.: III ZR 130/73 in Verbindung mit dem BGH Urteil vom 11.03.1976, Az.: III ZR 130/73, NJW 1976, 1687.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Sammlung und Analyse von BGH-Entscheidungen zum Verdienstausfallschaden in Haftpflichtfällen bei Kindern, Auszubildenden, Schülern und Studenten
Hochschule
Technische Hochschule Rosenheim
Veranstaltung
Wirtschaftsprüfung
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V358292
ISBN (eBook)
9783668432789
ISBN (Buch)
9783668432796
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verdienstausfall, Haftpflicht, BGH, Entscheidungen, Urteile, Kinder, Studenten
Arbeit zitieren
Bettina Oberhuber (Autor), 2015, Sammlung und Analyse von BGH-Entscheidungen zum Verdienstausfallschaden in Haftpflichtfällen bei Kindern, Auszubildenden, Schülern und Studenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358292

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