Die Herrscher Deutschlands, Englands und Frankreichs

Das große Fürstenlexikon Band 1


Fachbuch, 2017

126 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Deutschland
Karolinger (843-911)
Ludwig der Deutsche (843-876)
Karlmann (876-880)
Ludwig III., der Jüngere (876-882)
Karl III., der Dicke (876-887)
Arnulf von Kärnten (887-899)
Ludwig IV., das Kind (900-911)
Konradiner (911-918)
Konrad I., der Rote (911-918)
Liudolfinger/Ottonen (919-1024)
Heinrich I. (919-936)
Otto I., der Große (936-973)
Otto II., der Rote (973-983)
Otto III. (983-1002)
Heinrich II., der Heilige (1002-1024)
Salier (1024-1125)
Konrad II. (1024-1039)
Heinrich III. (1039-1056)
Heinrich IV. (1056-1106)
Konrad (III.) (1087-1093)
Heinrich V. (1106-1125)
Sachsen-Süpplingenburger (1125-1137)
Lothar III. (1125-1137)
Staufer I (1138-1208)
Konrad III. (1138-1152)
Friedrich I. Barbarossa (1152-1190)
Heinrich VI. (1190-1197)
Philipp von Schwaben (1198-1208)
Welfen (1198-1218)
Otto IV. (1198-1218)
Staufer II (1212-1254)
Friedrich II. (1212-1250)
Heinrich (VII.) (1222-1235)
Konrad IV. (1250-1254)
Interregnum (1247-1273)
Wilhelm von Holland (1247-1256)
Alfons X. (1257-1273)
Richard von Cornwall (1257-1272)
Habsburger I (1273-1291)
Rudolf I. (1273-1291)
Nassau-Wiesbaden-Idstein (1292-1298)
Adolf I. (1292-1298)
Habsburger II (1298-1308)
Albrecht I. (1298-1308)
Luxemburger I (1308-1313)
Heinrich VII. (1308-1313)
Wittelsbacher I (1314-1347)
Ludwig IV., der Bayer (1314-1347)
Habsburger III (1314-1330)
Friedrich der Schöne (1314-1330)
Luxemburger II (1346/47-1400)
Karl IV. (1346/47-1378)
Wenzel (1378-1400)
Wittelsbacher II (1400-1410)
Ruprecht von der Pfalz (1400-1410)
Luxemburger III (1410-1437)
Jobst von Mähren (1410-1411)
Sigismund (1410/11-1437)
Habsburger IV (1438-1740)
Albrecht II. (1438-1439)
Friedrich III., der Friedfertige (1440-1493)
Maximilian I. (1493-1519)
Karl V. (1519-1556)
Ferdinand I. (1556-1564)
Maximilian II. (1564-1576)
Rudolf II. (1576-1612)
Matthias (1612-1619)
Ferdinand II. (1619-1637)
Ferdinand III. (1637-1657)
Leopold I. (1658-1705)
Joseph I. (1705-1711)
Karl VI. (1711-1740)
Wittelsbacher III (1742-1745)
Karl VII. Albrecht (1742-1745)
Habsburger V (Habsburg-Lothringer) (1745-1806)
Franz I. Stephan (1745-1765)
Joseph II. (1765-1790)
Leopold II. (1790-1792)
Franz II. (1792-1806)
Hohenzollern (1871-1918)
Wilhelm I. (1871-1888)
Friedrich III. (1888)
Wilhelm II. (1888-1918)

II. England
Angelsächsische und dänische Herrscher (871-1066)
Alfred der Große (871-899)
Æthelstan (924-939)
Edmund I., der Prächtige (939-946)
Ædred (946-955)
Ædwig (955-959)
Edgar der Friedfertige (959-975)
Eduard der Märtyrer (975-978)
Æthelred der Unberatene (978-1016)
Edmund II. Eisenseite (1016)
Svend Gabelbart (1013-1014)
Knut der Große (1016-1035)
Harald I. Hasenfuß (1035-1040)
Hardiknut (1040-1042)
Eduard der Bekenner (1042-1066)
Harald II. Godwinson (1066)
Rolloniden (1066-1154)
Wilhelm I., der Eroberer (1066-1087)
Wilhelm II., der Rote (1087-1100)
Heinrich I. Beauclerc (1100-1135)
Stephan von Blois (1135-1141 und 1141-1154)
Mathilde (1141)
Anjou-Plantagenet (1154-1399)
Heinrich II. Kurzmantel (1154-1189)
Heinrich der Jüngere (1172-1183)
Richard I. Löwenherz (1189-1199)
Johann Ohneland (1199-1216)
Heinrich III. (1216-1272)
Eduard I. (1272-1307)
Eduard II. (1307-1327)
Eduard III. (1327-1377)
Richard II. (1377-1399)
Lancaster und York (1399-1485)
Heinrich IV. (1399-1413)
Heinrich V. (1413-1422)
Heinrich VI. (1422-1461 und 1470-1471)
Eduard IV. (1461-1470 und 1471-1483)
Eduard V. (1483)
Richard III. (1483-1485)
Tudor (1485-1603)
Heinrich VII. (1485-1509)
Heinrich VIII. (1509-1547)
Eduard VI. (1547-1553)
Johanna (1553)
Maria I., die Katholische (1553-1558)
Elisabeth I. (1558-1603)
Stuart (1603-1714)
Jakob I. (1603-1625)
Karl I. (1625-1649)
Karl II. (1649/60-1685)
Jakob II. (1685-1688)
Maria II. (1689-1694)
Wilhelm III. von Oranien (1689-1702)
Anna (1702-1714)
Hannover (1714-1901)
Georg I. (1714-1727)
Georg II. (1727-1760)
Georg III. (1760-1820)
Georg IV. (1820-1830)
Wilhelm IV. (1830-1837)
Viktoria (1837-1901)
Sachsen-Coburg und Gotha/Windsor (seit 1901)
Eduard VII. (1901-1910)
Georg V. (1910-1936)
Eduard VIII. (1936)
Georg VI. (1936-1952)
Elisabeth II. (seit 1952)

III. Frankreich
77
Karolinger I (843-887)
Karl der Kahle (843-877)
Ludwig II., der Stammler (877-879)
Ludwig III. (879-882)
Karlmann (882-884)
Karl III., der Dicke (885-887)
Robertiner/Kapetinger I (888-898)
Odo (888-898)
Karolinger II (893-923)
Karl III., der Einfältige (893-923)
Robertiner/Kapetinger II (922-923)
Robert I. (922-923)
Buviniden (923-936)
Rudolf von Burgund (923-936)
Karolinger III (936-987)
Ludwig IV., der Überseeische (936-954)
Lothar (954-986)
Ludwig V., der Faule, der Nichtstuer (986-987)
Robertiner/Kapetinger III (987-1328)
Hugo Capet (987-996)
Robert II., der Fromme (996-1031)
Heinrich I. (1031-1060)
Philipp I. (1060-1108)
Ludwig VI., der Dicke (1108-1137)
Ludwig VII., der Junge (1137-1180)
Philipp II. Augustus (1180-1223)
Ludwig VIII., der Löwe (1223-1226)
Ludwig IX., der Heilige (1226-1270)
Philipp III., der Kühne (1270-1285)
Philipp IV., der Schöne (1285-1314)
Ludwig X., der Zänker (1314-1316)
Johann I., das Kind (1316)
Philipp V., der Lange (1317-1322)
Karl IV., der Schöne (1322-1328)
Valois (1328-1589)
Philipp VI. (1328-1350)
Johann II., der Gute (1350-1364)
Karl V., der Weise (1364-1380)
Karl VI., der Wahnsinnige (1380-1422)
Karl VII., der Siegreiche (1422/29-1461)
Ludwig XI., der Grausame (1461-1483)
Karl VIII., der Freundliche (1483-1498)
Ludwig XII. (1498-1515)
Franz I. (1515-1547)
Heinrich II. (1547-1559)
Franz II. (1559-1560)
Karl IX. (1560-1574)
Heinrich III. (1574-1589)
Bourbonen I (1589-1792)
Heinrich IV. (1589-1610)
Ludwig XIII. (1610-1643)
Ludwig XIV., der Sonnenkönig (1643-1715)
Ludwig XV. (1715-1774)
Ludwig XVI. (1774-1792)
Ludwig (XVII.)
Bonaparte I (1804-1814/15)
Napoleon I. (1804-1814/15)
Napoleon II.
Bourbonen II (1814/15-1830)
Ludwig XVIII. (1814/15-1824)
Karl X. (1824-1830)
Heinrich (V.)
Orleans (1830-1848)
Louis Philippe, der Bürgerkönig (1830-1848)
Bonaparte II (1852-1870)
Napoleon III. (1852-1870)

IV. Anhang
a) Stammtafeln
b) Literatur
c) Bedeutung der in diesem Band behandelten Namen

Vorwort

Der Beginn meiner Beschäftigung mit der Geschichte der drei Territorien, um deren Herrscherpersönlichkeiten es in dem vorliegenden Band gehen soll, reicht inzwischen über zwanzig Jahre zurück. Ausgehend von dem britannischen König Arthur, über dessen Authentizität bis heute heftig und kontrovers diskutiert wird, tastete ich mich zunächst in der englischen Geschichte vor. Die spätestens seit 1066 sehr engen Beziehungen zwischen England und Frankreich, als Herzog Wilhelm der Normandie England mit kaiserlicher und päpstlicher Zustimmung für sich eroberte, ließen eine Beschäftigung auch mit der französischen Geschichte logisch erscheinen. Mein Interesse für das Mittelalter richtete sich daneben auf die mittelalterlichen Kaiser, namentlich der geheimnisvolle Imperator Friedrich II. weckte mein Staunen.

Doch nicht nur persönliches Interesse veranlasste mich, die römisch-deutschen, englischen und französischen Herrscher in einen Band vorzulegen. Die drei Territorien, die im Laufe der Geschichte durchaus verschiedenes meinten und auch territorial viel weiter gefasst waren, haben viel gemeinsam; das erschöpft sich beispielsweise nicht darin, dass deutsche Fürsten seit 1714 auf dem englischen Thron saßen (und noch immer sitzen!) Franzosen und Engländer sind uns nicht nur geografisch recht nah, sondern auch verwandtschaftlich. Das heutige Frankreich und Deutschland waren bis etwa 843 integrale Bestandteile des riesigen Frankenreiches und gingen auch nach der Teilung in West- und Ostfranken (843) noch nicht sofort getrennte Wege. Gerade die deutschen Herrscher der Ottonenzeit griffen ganz selbstverständlich in die Politik und Thronfolge des westlichen Nachbarn ein, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch Trennendes verbindet die drei Länder: Die unselige und lang anhaltende Erbfeindschaft, die Frankreich sowohl mit Engländern als auch Deutschen verbindet, gehört zwar heute glücklicherweise in die Mottenkiste der Geschichte, darf aber nicht ignoriert werden, da sie in verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen Millionen Opfer gefordert hat, deren Angedenken alle drei Länder verpflichtet sind. Aus diesem Grunde versteht sich dieses Buch auch als Appell, ein Appell an die Kostbarkeit der großartigen europäischen Idee, eine Idee, die unter gar keinen Umständen zugunsten eines wieder erstarkenden Nationalismus in jeglicher Form aufgegeben werden darf.

Die 162 biografischen Skizzen, die zu verschiedenen Zeiten entstanden, sind innerhalb ihrer Kapitel nach der Thronfolge geordnet. Neben 65 deutschen Herrschern finden sich 60 englische Regenten und 37 französische Könige und Kaiser. Diese Zahlen machen deutlich, dass Frankreich eine bemerkenswerte Kontinuität aufzuweisen hat, was den „Verbrauch“ von Herrschern angeht. Gemeinsam ist allen drei Reichen, dass ein jedes im Ursprung eigentlich Wahlkönigtümer waren: Im Reich (Deutschland) übernahm die Königswahl eine Gruppe hoher Adliger, Kurfürsten genannt, zunächst drei geistliche und vier weltliche Herren, seit 1692 waren es sechs weltliche und drei geistliche Vertreter, die das Reichsoberhaupt wählten. 1356 wurden die Rechte und Pflichten dieses Wahlkollegiums in der „Goldenen Bulle“ Kaiser Karls IV. genau festgelegt und galten bis zum Ende des Alten Reiches 1806 und auch noch zu Zeiten als das Königs- und Kaiseramt schon längst erblich geworden war. Diese Tendenz lässt sich auch für England und Frankreich beobachten, wo allerdings die Walberechtigten nicht ganz so klar umrissen waren wie in Mitteleuropa; es wählten vielmehr diejenigen Großen den König, die gerade am Hofe anwesend waren. Recht bald waren die regierenden Herrscher bestrebt, die Krone möglichst langfristig in der eigenen Familie zu behalten, sie also erblich zu machen und an den Nächstgeborenen weiterzugeben. Dies war ein schleichender Prozess und wurde vom Vater dadurch deutlich gemacht, dass er den Sohn noch zu eigenen Lebzeiten als Nachfolger designierte: In Deutschland war das im Allgemeinen dann der Römische König, in England und Frankreich erhoben die Regierenden ihren Filius zum Mitkönig. Im Reich wurde das Stimmrecht der Kurfürsten schließlich zum rein symbolischen Akt, in England und Frankreich fiel es im Laufe der Zeit sogar ganz weg.

Ein solches Buch kann nicht ohne die Hilfe und die Unterstützung Anderer entstehen. Zunächst danke ich meinen Freunden inner- und außerhalb meiner Familie: Ihnen ist dieser Band gewidmet, dem ich hoffe, in den nächsten Jahren noch weitere Bände folgen lassen zu können, um so mein Fürstenprojekt, das mich seit 1993 begleitet, weiter ausbauen zu können. Dann danke ich den Kollegen und Wissenschaftlern, von deren Arbeiten und Mühen ich in den letzten zwei Jahrzehnten profitieren konnte, hier gemeint sind natürlich auch meine akademischen Lehrerinnen und Lehrer.

Zuletzt hoffe ich natürlich ganz besonders, dass vor allem die Leserschaft einen gewissen Nutzen aus dem ziehen können, was dieses Buch ihnen gibt. Die einzelnen Artikel sollen informieren, sie sollen aber auch Ermutigung und Starthilfe sein, sich mit den Personen und Ereignissen tiefer zu beschäftigen, nachzudenken und vielleicht auch Neues zu lernen. Sollte mir das gelungen sein, hat sich der Zweck des Bandes erfüllt.

Konstantin Noack

I. Deutschland

Karolinger (843-911)

&: M. Becher: Merowinger und Karolinger, Darmstadt 2009. – J. W. Busch: Die Herrschaften der Karolinger, in: Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 88, München 2011. – H. Keller und G. Althoff: Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen. Krisen und Konsolidierungen 888–1024, in: Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Band 3, Stuttgart 102008. – J. Laudage, Y. Leiverkus und L. Hageneier: Die Zeit der Karolinger, Darmstadt 2006. – K. Ubl: Die Karolinger. Herrscher und Reich, München 2014.

Ludwig der Deutsche, * um 805, † Frankfurt am Main 28. 8. 876; ostfränkischer König (endgültig 843-876). L. gehört zu den Kindern Kaiser Ludwigs I., des Frommen, und seiner ersten Frau Irmingard. Zu seinen Geschwistern und Halbgeschwistern gehörten Kaiser Lothar, König Pippin I. von Aquitanien sowie der spätere westfränkische König → Karl der Kahle. Aus seiner Ehe mit Königin Hemma (geschlossen 827), aus der Familie der Welfen stammend, hatte L. unter anderem die Söhne → Karlmann, → Ludwig III. den Jüngeren sowie → Karl III., den Dicken. 817, noch in der Zeit seiner Minderjährigkeit, erhielt L. vom Vater das Unterkönigtum in Bayern, nahm 824 an einem Feldzug gegen die Bretonen teil und wurde 826 wieder nach Bayern geschickt, wo er von Regensburg aus an den unruhigen östlichen Grenzen durchgriff. Zur Professionalisierung der Verwaltung setzte er Grafen ein und stützte sich bei seinen Aufgaben auch auf die Kirche, die er mit Land und Privilegien ausstattete und sie bei der Slawenmission unterstützte. An den innerfamiliären Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Ludwig dem Frommen und den älteren Söhnen nahm L. zunächst nicht teil. Nach der 831 erfolgten Erbteilung des Vaters erhielt er beinahe schon das gesamte Ostfranken und besetzte 832 Schwaben, musste sich aber dem Vater beugen. Die Söhne gingen 833 erneut gegen den Vater vor und setzten ihn dieses Mal ab. Lothar, Pippin und Ludwig teilten daraufhin das Reich, wobei L. Bayern, Schwaben, Rhein- und Ostfranken sowie Thüringen und Sachsen erhielt. L. nannte sich fortan rex (König). Auch durch die Unterstützung seines Sohnes L. amtierte Ludwig der Fromme seit 834 wieder als Kaiser, allerdings kam es vier Jahre später wieder zum Streit zwischen Vater und Sohn, da der Kaiser seinem Sohn alle außerbayerischen Gebiete entzog, um seinen Sohn Karl zu bedenken. Dennoch gelang es L. nach dem Tode des Vaters (840), die Huldigung auch Ostfrankens, Thüringens und Sachsens zu erhalten. In der Folgezeit taten sich Gegensätze zwischen den Brüdern auf, sodass sich schließlich L. und Karl gegen Lothar verbündeten und ihn am 25. Juni 841 bei Fontenoy schlagen konnten. Karl und L. schworen sich zur Untermauerung ihres Bundes am 14. Februar 842 die so genannten Straßburger Eide. Mit dem Vertrag von Verdun zwischen den drei Brüdern (843) erhielt L. endgültig Ostfranken ohne Friesland und Teile des Mittelrheins zugesprochen. Trotz seiner insgesamt recht kraftvollen Herrschaft, die dem Ostfrankenreich eine große Stabilität brachte, hatte L. auch Krisen zu überstehen. Zu nennen ist die große Hungersnot von 850 oder die Gegnerschaft des Rastislav von Mähren, dem L. selbst 846 zur Herrschaft über Mähren verholfen hatte sowie die Aufstände seiner Söhne (863 und 871ff.). Seine letzte Ruhe fand L. im bedeutenden Kloster Lorsch.

&: W. Hartmann: Ludwig der Deutsche, Darmstadt 2002.

Karlmann, * um 830, † Altötting 880; ostfränkischer (Unter)könig (876-880). K. war der älteste Sohn der Hemma mit → Ludwig dem Deutschen, der seinem Sohn 856 die bayerische Ostmark übertrug. 862 empörte er sich gegen seinen Vater, da er sich eine Vergrößerung seines Herrschaftsbereiches erhoffte. 865 konnte ein dauerhafter Ausgleich erreicht werden, und König Ludwig überließ K. nicht nur die bayerischen Marken, sondern auch Kernbayern und die Oberhoheit über die tributpflichtigen Slawen. Mit den Mähren lieferte sich K. bis etwa 874 fruchtlose Kämpfe und wurde in jenem Jahr zum Nachfolger im Königreich Italien designiert, wohin er mehrfach zog. Den zweiten Italienzug musste er 877 krankheitsbedingt abbrechen und zog sich nach Altötting zurück. Italien überließ er seinem Bruder → Karl dem Dicken.

Ludwig III., der Jüngere, * um 835, † Frankfurt am Main 20. 1. 882; ostfränkischer König (876-882). L. war ein jüngerer Sohn Ludwigs des Deutschen aus seiner Ehe mit der Welfin Hemma. Er selbst ehelichte Liutgart von Sachsen, allerdings blieb die Ehe ohne Erben. Lediglich die Tochter Hildegard erreichte das Erwachsenalter. Sein Vater setzte ihn für militärische Operationen in Westfranken und gegen die Slawen ein und übergab ihm 865 die Herrschaft über die ostfränkische Francia, Sachsen und Thüringen. Dies hielt L. freilich nicht davon ab, sich mehrfach gegen die väterliche Herrschaft zu erheben (866, 871 und 873). Mit dem Sieg über → Karl den Kahlen am 8. Oktober 876 bei Andernach konnte er den westfränkischen Expansionsdrang eindämmen. 879 erhielt er von seinem schwer erkrankten Bruder → Karlmann Bayern und 879/80 das westliche Lotharingien und konnte in den letzten Jahren seiner Herrschaft partiell gegen die Normannen erfolgreich sein.

Karl III., der Dicke, * 839, † Neudingen an der Donau 13. 1. 888; (ost)fränkischer König (876) bzw. römischer Kaiser (881-887). K. gehörte zu den Söhnen → Ludwigs des Deutschen und der Hemma. Er selbst heiratete Richardis aus dem Elsass. Er ist Vater des leiblichen Sohnes Bernhard und Adoptivvater der westfränkischen Könige → Karlmann und → Ludwig III. 865 fielen ihm Alemannien und Churrätien als Herrschaftsgebiete zu, 877 trat er zudem die Herrschaft in Italien an. In der Folgezeit profitierte er zudem von den Toden seiner älteren Brüder → Karlmann und → Ludwig III., des Jüngeren sowie dem seiner westfränkischen Adoptivsöhne (882 und 884). Daraufhin lud der westfränkische Adel K. 885 ein, auch die Herrschaft über Westfranken zu übernehmen, sodass das Frankenreich kurzzeitig in K.s Hand wiedervereinigt war. Aus verschiedenen Gründen übte er allerdings nur eine sehr schwache Herrschaft aus. Neben körperlicher Schwäche gehören hierzu eine daraus resultierende fehlende Integrationskraft sowie Normanneneinfälle von außen. Seit dem Sommer 887 wandte sich der ostfränkische Adel zunehmend von K. ab und seinem Neffen → Arnulf von Kärnten zu, der K. nach einem gescheiterten Hoftag und einem Zug auf Frankfurt am Main stürzte. Daraufhin zog sich K. nach Alemannien zurück.

Arnulf von Kärnten, * um 850, † Regensburg Ende November/Anfang Dezember 899; ostfränkischer König (887-896), römischer Kaiser (896-899), vorher Markgraf von Kärnten (876/80-887). A. war nichtehelicher karolingischer Abkunft. Er bekämpfte seinen Oheim → Karl III., den Dicken, und folgte diesem 887 auf dem ostfränkischen Thron. Als König zog er mehrfach nach Italien, um dort in die unruhigen Verhältnisse einzugreifen. Ferner nahm er 888 Einfluss auf die Königswahl in Westfranken und stärkte → Odo von Paris den Rücken. Nach kurzzeitiger Entfremdung war dies ab 893 erneut der Fall. 891 oder 894 konnte er die Normannen besiegen.

Ludwig IV., das Kind, * Altötting September oder Oktober 893, † Frankfurt am Main (?) Ende September 911; als Sohn → Arnulfs von Kärnten ostfränkischer König (900-911). In die Regierungszeit dieses jugendlichen Königs, der unter anderem unter der Vormundschaft der Bischöfe Hatto von Mainz und Salomon von Konstanz stand, fallen mehrere wichtige Reichsversammlungen, aber auch eine Schwächung der Königs- sowie ein Erstarken der Adelsherrschaft und der Stammesherzogtümer. Mit L.s frühem Tod erloschen die ostfränkischen Karolinger.

Konradiner (911-918)

&: E. L. Dümmler: Geschichte des ostfränkischen Reiches 3: Die letzten Karolinger und Konrad I., Nachdruck Darmstadt 1960. – J. Fried: Prolepsis oder Tod. Methodische und andere Bemerkungen zur Konradiner-Genealogie im 10. und frühen 11. Jahrhundert, in: J. Dahlbauer u. a. (hrsg.): Papstgeschichte und Landesgeschichte. Festschrift für Hermann Jakobs zum 65. Geburtstag, Köln u. a. 1995.

Konrad I., der Rote, † 23. 12. 918; ostfränkischer König (911-918). K. stammte aus der mächtigen und vor allem im Bereich der Lahn reich begüterten Familie der Konradiner. Sein Einflussbereich reichte unter anderem bis nach Thüringen, Lotharingien und auch an den Niederrhein, wo er Laienabt von Kaiserswerth war. Schließlich konnte er sich auch in Mainfranken etablieren, nachdem er in jahrelangen Kämpfen die Babenberger bezwungen hatte. Ferner gehörte er zum Beraterkreis des ostfränkischen Königs → Ludwig IV., des Kindes. Im November 911 wurde er in Forchheim als dessen Nachfolger zum ostfränkischen König gewählt. Als König stützte er sich unter anderem auf die Kirche (Bund zwischen Königtum und Kirche in Hohenaltheim, 916) und setzte die Politik in karolingischem Sinne fort. Allerdings konnte er den Verlust Lotharingiens an Westfranken nicht verhindern, war aber zumindest gegen die Ungarn erfolgreich. Nach 913 war er im Innern in seiner Herrschaftsausübung erheblich beschränkt, da Sachsen und Alemannen gegen seine Herrschaft rebellierten, wobei sich vor allem der spätere König → Heinrich I., damals noch Herzog von Sachsen, zu einem gefährlichen Gegner entwickelte. Kurz vor seinem Tod nominierte K. diesen zu seinem Nachfolger und beauftragte seinen Bruder Eberhard, diesem die Reichsinsignien zu überbringen.

Liudolfinger/Ottonen (919-1024)

&: G. Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, Stuttgart ²2005. – H. Beumann: Die Ottonen, Stuttgart ³1994. – H. Keller: Die Ottonen, München ³2006. – H. K. Schulze: Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier, Berlin 1991.

Heinrich I., * um 875, † Memleben 2. 7. 936; Herzog von Sachsen (912-919), römischer König (919-936). H. war als Herzog schärfster Gegner König → Konrads I., der ihn 918 trotzdem zu seinem Nachfolger bestimmte. 919 wurde er von den Franken und Sachsen gewählt, 919/21 musste er sich die Zustimmung der Schwaben und Bayern durch harte Verhandlungen und Drohungen sichern. 921 schloss er mit dem westfränkischen König → Karl III., dem Einfältigen den Vertrag von Bonn, mit welchem der jeweilige Besitzstand anerkannt wurde. 926 handelte er mit Ungarn einen Frieden aus, der bis 935 andauern sollte, aber schon 933 unterwarf er Ungarn, Böhmen und die Slawen. 934 musste sich sogar ein Teil Dänemarks seiner Oberhoheit beugen. 935 gewann er Lothringen Frankreich ab. Sein Sohn → Otto I., der Große, war sein Nachfolger.

Otto I., der Große, * 23. 11. 912, † Memleben (Landkreis Nebra) 7. 5. 973; ostfränkischer König (936-62), römischer Kaiser (962-73). O. war ein Sohn König → Heinrichs I., der ihn 936 zu seinem Nachfolger bestimmte. Doch der junge König musste sich schon zu Beginn seiner Herrschaft mit zahlreichen Verschwörungen und Aufständen auseinandersetzen. So erhoben sich z. B. Herzog Eberhard von Franken, Giselbert von Lothringen und die bayerischen Luitpoldinger gegen ihn. Diese konnte er rasch ausschalten. Schlimmer wurde es allerdings gegen seinen Bruder Heinrich von Bayern und gegen seinen Halbbruder Thankmar. Denen nahm er ihre Herzogtümer ab und vergab sie an Konrad den Roten, der 955 fiel (Lothringen), an seinen Bruder ging 949 Bayern, sein Sohn Luitpold erhielt Schwaben. Über Sachsen und Franken verfügte Otto selbst. Außenpolitisch vermittelte Otto im Dynastienstreit zwischen den Karolingern, Robertinern und den Kapetingern im Westfränkischen Reich. Burgund unterwarf sich seiner Lehnshoheit. Im Osten sorgte er durch die Einrichtung von Marken für Ruhe an den Grenzen. Kirchenpolitisch war er auch tätig. So gründete er 968 das Bistum Magdeburg und brachte Missionen zu den Slawen und nach Skandinavien zustande. 951/52 zog er zum ersten Male hinunter nach Italien, da ihn Adelheid, die Witwe König Lothars II., um Hilfe ersucht hatte. Er wurde König von Italien, das er unter der Verwaltung Berengars II. zurückließ. 955 ehelichte er Adelheid. Aus dieser Verbindung stammt → Otto II. 953/54 kam es nochmals zum Aufstand gegen Otto (Konrad der Rote und Ottos Sohn Liudolf konspirierten gegen ihn). Diese innere Schwäche nutzten die Ungarn zu neuen Einfällen und Raubzügen. 954 mussten sich Konrad und Liudolf geschlagen geben, die Herzogtümer wurden eingezogen. Die Ungarn mussten im August 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg aufgeben. Da Otto eingesehen hatte, dass seine Familienpolitik eine sehr schwache Stütze für das Reich war, zog er nun den Klerus heran. Sein Bruder Brun, Erzbischof von Köln, war ihm ein wertvoller Ratgeber. 961 erreichte den König ein Hilfegesuch des Papstes Johannes XII., der sich verzweifelt gegen Berengar II. zu wehren versuchte. Nun zog Otto ein zweites Mal nach Italien (bis 965), wo er am 2. 2. 962 zum Kaiser gekrönt wurde. - Berengar setzte er ab und nahm ihn mit nach Deutschland, wo dieser 968 in Bamberg starb. Durch die Kaiserkrönung wurde die Verbindung Deutschland-Italien nochmals verstärkt. 966-972 zog der Kaiser ein drittes und letztes Mal nach Italien, um die langobardischen Herzogtümer des Südens unter seine Herrschaft zu bringen. 967 ließ er seinen Sohn zum Mitkaiser krönen und verheiratete ihn 972 mit Theophano von Byzanz, was Otto als Kaiser des Westens anerkannte. Otto gilt als Wegbereiter der Festigkeit des deutschen Imperiums.

&: J. Laudage: Otto der Große (912-973). Eine Biografie, Regensburg 2001.

Otto II., der Rote, * November/Dezember 955, † Rom 7. 12. 983; Kaiser (967/73-83). O. war ein Sohn → Ottos des Großen aus seiner Ehe mit Adelheid von Italien. Er selbst war verheiratet mit Prinzessin Theophano von Byzanz und Vater → Ottos III. Er musste sich gleich zu Beginn seiner Herrschaft als würdiger Nachfolger seines Vaters beweisen (Aufstand Bayerns und erfolgreiche Züge gegen Westfranken [Zug bis vor Paris] und Dänemark). Den Bayernherzog Heinrich II., den Zänker, setzte er 976 ab. Mit Frankreich schloss er 980 Frieden. 980-983 hielt er sich in Italien auf und leistete dort Hilfestellung für den Papst, erlitt im Süden allerdings Niederlage gegen die Araber. 983 fielen die Dänen und Slawen in O.s Abwesenheit im Osten ein und verwüsteten ganze Landstriche. – O. gilt als einer der gebildetsten Monarchen des Mittelalters.

Otto III., * Juli 980, † Paterno 24. 1. 1002; ostfränkischer König (983-996), römischer Kaiser (996-1002). Sohn → Ottos II. und der Theophano, die 983 die Vormundschaft übernahm, als O., knapp dreijährig, im Mai 983 zum König erhoben wurde. 991-994 führte seine Großmutter Adelheid dann die Regentschaft. Unterstützt wurde sie dabei durch den Erzbischof Willigis von Mainz, der v. a. den Anspruch → Heinrichs (II.) auf Ottos Vormundschaft abwies. 996/97 erster Italienzug (Kaiserkrönung). Otto war ergriffen von der Idee, das römische Weltreich zu erneuern und erhielt dabei die Hilfe vom Papst. Doch der Plan scheiterte 1001, weil Otto vor den Römern aus Rom fliehen musste. Die deutsche Hegemonie in Italien bröckelte und brach bald, mit dem Tode Ottos, zusammen.

&: G. Althoff: Otto III., Darmstadt 1996. – E. Eickhoff: Kaiser Otto III. Die erste Jahrtausendwende und die Entfaltung Europas, Stuttgart 1999.

Heinrich II., der Heilige (Heiligsprechung 1146 durch Papst Eugen III.), * in Bayern 6. 5. 973 oder vielleicht auch erst 978 (?), † Pfalz Grone (heute: Göttingen-Grone) 13. 7. 1024; römischer König (1002-1014), römischer Kaiser (1014-1024), König der Langobarden (1004-1024) und als H. IV. Herzog von Bayern (995-1004, 1009-1017). H. war der älteste Sohn des Herzogs Heinrich II., des Zänkers, von Bayern und der Gisela von Burgund (950-1006/07) und war zunächst für den geistlichen Stand vorgesehen. Zu diesem Zweck erhielt er seine Ausbildung in Hildesheim und Regensburg. Der Vater zog ihn dennoch bald zu den Regierungsgeschäften hinzu. 995 folgte H. dem Vater als Herzog nach. Wohl um 998/1000 ehelichte H. Kunigunde von Luxemburg (um 980-1033). Aus der von beiden Partnern vorbildhaft geführten Ehe entsprangen allerdings keine Kinder. Beim Tode Ks. → Ottos III. galt der Bayernherzog H. als nächster Anwärter auf den Thron. Seine Wahl erfolgte am 7. Juli 1002. Der neue Herrscher ging sogleich daran, das unter seinen Vorgängern in Unruhe geratene Reich zu befrieden und widmete sich der Grenzsicherung im Osten (u. a. drei Kriege gegen Polen). Außerdem suchte und fand er eine engere Zusammenarbeit mit der Kirche und begründete u. a. das Bistum Bamberg (1007). Auch andere Bistümer wurden durch H. eifrig bedacht, damit die Kirche die Stellung des Königs stützte. Nach Italien zog H. insgesamt dreimal (1004, 1014 und 1021/22), um dort die Situation im Griff zu behalten, Synoden abzuhalten und seine Rechte zu betonen. Wenn man H. insgesamt betrachtet, ist der Feststellung zuzustimmen, er sei ein „zäher Realpolitiker [gewesen], der, durchdrungen von der Sakralität seines Amtes, Unsicherheit und Zweifel nicht kannte und das Reich konsolidierte“ (Wendehorst, 2038). H. war der letzte Vertreter der Liudolfinger/Ottonen auf dem Thron.

&: S. Weinfurter: Heinrich II. (1002-1024), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I. C. H. Beck, München 2003, S. 97-118. – A. Wendehorst: Artikel „Heinrich II.“, in: LexMA IV, Sp. 2037-2039.

Salier (1024-1125)

&: E. Boshof: Die Salier, Stuttgart 52008. – S. Fischer-Fabian: Die deutschen Kaiser. Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalters, Bergisch Gladbach 52009, S. 189-264. – J. Laudage: Die Salier. Das erste deutsche Königshaus, München 2006.

Konrad II., * um 990, † Utrecht 4. 6. 1039; römischer König (1024-1027), römischer Kaiser (1027-1039), daneben König von Italien (1026-1039) und von Burgund (1033-1039). K. war der Sohn des Heinrich von Speyer und seiner Gattin Adelheid von Metz. Seit um 1016 war er verheiratet mit der reichen Erbin Gisela von Schwaben. Aus dieser Ehe stammte unter anderem → Heinrich III. Nach dem Tode des letzten Ottonen → Heinrich II., des Heiligen, wurde K. unter anderem mit Unterstützung des Erzbischofs Aribo von Mainz zum römischen König gewählt. Herrschaftsschwerpunkte waren Italien, wohin er zweimal zog und wo es 1035/36 zu einem Aufstand kam, aber auch der Osten, wo er Polen unter anderem die Lausitz abgewinnen konnte; ferner befriedete er die dortige Situation dadurch, dass er Teile des Grenzlandes an die Ungarn gab. K. verstand seine Herrschaft ganz in ottonischer Tradition und konnte seine Autorität im Reich relativ schnell festigen. Dies zeigte sich unter anderem darin, dass er in den Jahren 1027/28 seinen jungen Sohn Heinrich nicht nur als Herzog von Bayern einsetzen, sondern ihn auch zum römischen König wählen lassen konnte. Seiner Herrschaft konnten auch die Aufstände seines Stiefsohnes Ernst II. von Schwaben nichts anhaben, der 1030 im Kampf fiel. Als im September 1032 König Rudolf III. von Burgund gestorben war, konnte K. auch dessen Königreich erwerben und sich am 2. Februar 1033 in Peterlingen zum König krönen lassen

Heinrich III., * 28. 10. 1017, † Pfalz Bodfeld/Harz 5. 10. 1056; Herzog von Bayern (1017-1039), römischer König (1028-1046), römischer Kaiser (1046-1056). Außerdem war Heinrich III. auch Herzog von Schwaben und Franken und König von Burgund (1038-1056). Ohne Rücksicht auf Verluste baute der Sohn Kaiser → Konrads II. nach der Herrschaftsübernahme seine Machtstellung aus. 1041 unterwarf er Böhmen und weitete so das Reich im Osten aus. Außerdem machte er Ungarn lehnsabhängig. Das Fehdewesen suchte er durch eine strikte Friedenspolitik zu unterbinden. Er war ein begeisterter Anhänger der Klosterreform von Cluny. 1046 setzte er die beiden streitenden Päpste ab und Suitger von Bamberg als Klemens II. ein. Im gleichen Jahr wurde er zum Kaiser gekrönt. In der Folgezeit hatte er auch weiterhin Einfluss auf die Papstwahlen. So bestimmte er die Päpste Damasus II., Leo IX. und Viktor II. Aus seiner 1043 geschlossenen 2. Ehe mit → Agnes von Poitou stammt u. a. Kaiser → Heinrich IV.

Heinrich IV., * wohl in Goslar 11. 11. 1050, † Lüttich 7. 8. 1106; römischer König (1056-1084), römischer Kaiser (1084-1106); weitere Titel: Herzog von Bayern (1053-1054 und 1077-1095, als H. VIII.). H. stammt aus der zweiten Ehe Kaiser → Heinrichs III. aus dem Hause der Salier mit → Agnes von Poitou. Er folgte seinem früh verstorbenen Vater unter der schwachen Vormundschaft seiner Mutter. Während H.s Jugend tobte ein Machtkampf zwischen den Metropoliten von Köln, Anno II., und Hamburg-Bremen, Adalbert I., der 1062 in der Entführung H.s durch den Kölner in Kaiserswerth gipfelte. Anno drängte Agnes im selben Jahr aus der Regierung und führte bis 1066 die Regentschaft, während die Königinmutter sich nach Rom zurückzog. H. war seit seiner Großjährigkeit (1065) mit vielerlei Problemen konfrontiert. Konflikte verbanden ihn zum einen mit Bayern, wo H. den Herzog Otto von Northeim „auf Grund zweifelhafter Verdächtigungen“ (Becher, 164) absetzte und durch Welf IV. substituieren ließ. Dieses Vorgehen stieß auf den entschiedenen Widerstand Ottos, er musste sich allerdings bald unterwerfen. In Sachsen war H. bestrebt, königliche Rechte besser zur Geltung zu bringen, was im sächsischen Adel Befürchtungen weckte, der König wolle seine Unabhängigkeit beschneiden. Dies führte in den Jahren 1073-1075 zu gewaltsamen kriegerischen Auseinandersetzungen, H. lehnte unter anderem auch das Begehren der sächsischen Fürsten ab, der König möge ihnen ihre Güter zurückgeben und wieder besser auf sie hören. Dies führte dazu, dass H. vor ihnen aus Goslar in die Harzburg und von dort nach Worms floh. In der Folgezeit wurden H.s Burgen von den Aufständischen belagert, die Thüringer schlossen sich den Sachsen an, das Reich insgesamt befand sich in Unordnung. Die Fürsten verweigerten H. ihre Unterstützung, sodass er zunächst gezwungen war, mit den Sachsen in Friedensverhandlungen einzutreten, die in den für H. demütigenden Frieden von Gerstungen mündeten (1074). Er musste unter anderem zustimmen, sich aus Goslar als Residenz zurück zu ziehen, sollte Otto von Northeim wieder als Herzog von Bayern investieren und seine Zustimmung geben zur Zerstörung seiner Burgen in Thüringen und Sachsen. Das Blatt wendete sich erst zu seinen Gunsten als sächsische Bauern eine Kirche nieder brannten und Familiengräber der Salier zerstörten. Die reichsweite Empörung darüber nutzte H., um Truppen zu sammeln und die Aufständischen bei Homburg an der Unstrut zu stellen, wo er sie vernichtend schlug und auch die Bauern nicht verschonte. Allerdings konnte H. diesen Sieg nicht wirklich in einen dauerhaften Erfolg ummünzen, da auch an anderer Stelle die königlichen Rechte nur unzureichend durchzusetzen waren. Das wurde spätestens 1076 deutlich, als es um die Neubesetzung (Investitur) des Erzstuhls von Mailand ging. Hatte H.s Vater noch ganz selbstverständlich die Investitur eines Kirchenfürsten als königliches Recht betrachtet, traf er selbst auf den Widerstand der in Mailand aktiven Volksbewegung Patria und des Papstes, die beide den Rücktritt des alten Erzbischofs nicht akzeptierten (1071) und H.s ernannten Kandidaten ablehnten. Daraus entspann sich ein jahrzehntelanger Investiturstreit zw. den beiden Universalmächten Kaiser und Papst, der letztlich vor allem auch einen Streit um die Vormachtstellung in der christlichen Welt darstellte. Dies wurde in aller Schärfe deutlich als mit Gregor VII. 1073 ein Papst neuen Typs den Stuhl Petri bestieg. Mit einem an Hybris grenzenden Selbstbewusstsein machte er immer wieder klar, dass der Papst allein die Führung der Welt innehabe. Zw. H. und Gregor entspann sich ein Schriftwechsel, dessen Schärfe und Unnachgiebigkeit noch heute gut spürbar ist. So schrieb H., unterstützt durch die Mehrheit im deutschen Episkopat, am 27. März 1076 an Gregor:

„Heinrich, nicht durch Gewalt, sondern durch Gottes weise Anordnung König — an Hildebrand, nicht mehr Papst, sondern falscher Mönch. Das ist der verdiente Gruß für dich, der du jeden Stand in der Kirche statt mit Ehre mit Schmach, statt mit Segen mit Fluch überhäuft hast ... Wir ertrugen dies alles, weil wir des Apostolischen Stuhls Ehre zu wahren suchten. Du aber hieltest unsere Ehrfurcht für Furcht, erhobst dich gegen die königliche Gewalt und wagtest zu drohen, du wolltest uns ihr berauben, als ob die Krone in deiner und nicht in Gottes Hand läge, in der Hand Jesu Christi, der uns zur Herrschaft, dich aber nicht zum Priestertum berufen hat. – Die Stufen, auf denen du emporgestiegen bist, sind: die List, die dir das Geld verschafft hat, mit dem du dir die Gunst gekauft, die Gunst mit der du die Gewalt des Schwertes gewonnen. (...)

Auch mich, der ich unter den Gesalbten zur Herrschaft geweiht worden, hast du anzutasten gewagt. Dabei lehrt die Überlieferung der Heiligen Väter, dass der König allein dem Gericht Gottes unterworfen ist und keines Vergehens wegen abgesetzt werden kann. (...)

Du also, durch den Urteilsspruch aller Unserer Bischöfe und den Unsrigen gerichtet, verlasse den angemaßten Sitz des heiligen Petrus. Denn ich, Heinrich, König von Gottes Gnaden, sage dir: Steige herab, steige herab, auf ewig Verfluchter!“ (Fischer-Fabian, 236).

Schon zuvor, im Februar 1076, hatte der Papst H. während der Fastensynode in Sutri gebannt und abgesetzt und die deutschen Fürsten von ihrem Eid dem König gegenüber entbunden. Die Herzöge von Schwaben, Kärnten und Bayern sagten sich daraufhin von H. los und verschworen sich im Oktober 1076 auf einer Fürstenversammlung in Trebur mit anderen gegen ihn. Für den König wurde die Situation im Reich derart bedrohlich, dass er beschloss, den Papst aufzusuchen, der sich in Canossa aufhielt, um seine Lossprechung vom Bann zu erreichen. Unter widrigsten Umständen überquerte H. im Winter 1076/77 die Alpen und musste dabei seinen Feinden ausweichen, die die wichtigsten Alpenpässe abgesperrt hatten. Nachdem er drei Tage im Büßerhemd und barfuß vor der Burg von Canossa ausgeharrt hatte, löste der Papst H. vom Bann. Dies verhinderte jedoch nicht, dass die oppositionellen Fürsten den Herzog von Schwaben, Rudolf von Rheinfelden, am 15. März 1077 in Forchheim zum Gegenkönig wählten. Rudolfs Königtum endete 1080; in jenem Jahr verfiel H. erneut dem Bann, da er gegen den Papst vorging, der trotz einer weitgehend neutralen Haltung auch Sympathien für Rudolf gezeigt hatte. Dieses Mal war der Bruch zw. König und Papst endgültig. 1081 wurde Hermann von Salm Gegenkönig, H. antwortete mit der Ernennung eines Gegenpapstes (Clemens III.). Dieser krönte H. 1084 auch zum Kaiser, während Gregor VII. aus Rom geflohen war. Die letzten beiden Jahrzehnte von H.s Leben und Herrschaft waren weiterhin von Krisen persönlicher und politischer Art überschattet. Sein 1087 zum König gewählter Sohn → Konrad (III.) enttäuschte H. tief, indem er 1093 auf die Seite des Papstes gewechselt war, sodass H. ihn absetzen ließ. 1095 ließ der Kaiser sich von seiner zweiten Frau Adelheid (Eupraxia) von Kiew scheiden, nachdem sie ihn des Ehebruchs angeklagt und zu Markgräfin Mathilde von Tuszien geflohen war. Nachdem er sich mit seinen mächtigen Gegnern aus den Familien der Welfen und Zähringer versöhnt hatte, verkündete H. 1103 einen Landfrieden zur Beruhigung der aufgewühlten Lage im Reich. Zuletzt verbanden H. Konflikte mit seinem jüngeren Sohn und Nachfolger → Heinrich V. H. wurde 1105 von diesem zur Abdankung gezwungen, entzog sich aber nach kurzzeitiger Gefangenschaft nach Lüttich und konnte sich bis zuletzt als Kaiser halten.

&: G. Althoff: Heinrich IV., Darmstadt ²2008. – M. Becher: Heinrich IV. (1056-1106). Mit Rudolf (1077-1080), Hermann (1081), Konrad (1087-1093, † 1101), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I., München 2003, S. 154-180. – U.-R. Blumenthal: Der Investiturstreit, Stuttgart 1982. – S. Fischer-Fabian: Die deutschen Kaiser. Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalters, Bergisch Gladbach 52009, S. 209-260. – J. Laudage/M. Schrör (hrsg.): Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch – Deutsch), Köln, Weimar und Wien ²2006.

Konrad (III.), * Pfalz Hersfeld 12. 2. 1074, † Florenz 27. 7. 1101; römischer König (1087-1093) bzw. Gegenkönig (1093-1098). Weitere Ämter: König von Italien (1093-1098) sowie Herzog von Niederlothringen (1076-1087). K. war der älteste Sohn → Heinrichs IV. aus seiner ersten Ehe mit Bertha von Turin. Sein Vater ließ ihn 1087 zum römischen König wählen, jedoch wandte sich K. seit 1093 gegen den Vater, indem er sich dem Papst anschloss. Dies beantwortete Kaiser Heinrich dadurch, dass er seinen Sohn 1098 absetzen ließ und K. sich unterwerfen musste.

Heinrich V., * wohl 11. 8. 1086, † Utrecht 23. 5. 1125; römischer König (1099-1111), römischer Kaiser (1111-1125). H. war das jüngste Kind Kaiser → Heinrichs IV. und stammt aus dessen erster Ehe mit → Bertha von Turin. Nach der Absetzung seines älteren Bruders → Konrad (III.) wurde H. 1099 römischer König. 1105 zwang er seinen Vater zur Abdankung, konnte ihn jedoch nicht von der Herrschaft verdrängen, da Heinrich IV. über einen noch immer bedeutenden Anhang unter anderem in Lüttich und Köln verfügte. Als König und seit 1111 als Kaiser sah sich H. selbst mit dem Investiturproblem konfrontiert, dies v. a. deshalb, da H. auf die Linie seines Vaters einschwenkte, also darauf bestand, die Investitur der Bischöfe mit Stab und Ring selbst vorzunehmen und dies auch wie selbstverständlich praktizierte. Dennoch zeigte sich Papst Paschalis II. zu Verhandlungen bereit, die zunächst jedoch keine Einigung brachten. 1111 konnte H. von Paschalis die Kaiserkrönung erreichen, forderte aber vom Pontifex gleichzeitig das Investiturrecht, auf welches er zunächst gänzlich verzichtet hatte. Als der Papst diese Forderung ablehnte schaffte H. Tatsachen, indem er den Papst nebst der Kardinäle gefangen setze und ihm seine Zustimmung abpresste. Seit 1119 führte H. erneut Verhandlungen mit der Kurie, um das Investiturproblem endgültig zu lösen, was am 23. Sept. 1122 mit dem Wormser Konkordat gelang. In ihm verzichtete H. auf jede Einflussnahme auf die Investitur, sondern überließ sie der Kirche. Neben diesem Problem hatte sich H. während seiner Herrschaft auch den Ostgrenzen des Reiches zuzuwenden, wo es ihm v. a. gelang, Einfluss auf die Herzogswahl in Böhmen zu nehmen; nicht erfolgreich waren dagegen Züge nach Ungarn und Polen. Daneben orientierte er sich in Westeuropa nach England, indem er 1114 Mathilde, die Tochter König → Heinrichs I. Beauclerc, ehelichte. Das gemeinsame Bündnis richtete sich v. a. gegen Frankreich; allerdings brachte ein gemeinsamer Zug keine greifbaren Ergebnisse, sondern musste vor Paris abgebrochen werden (1124). Im Innern sah sich H., ähnlich wie sein Vater 1073-1075, einem Aufstand des sächsischen Adels gegenüber, dem H. 1115 sogar unterlag. Da die Ehe mit Mathilde kinderlos blieb, starben mit H.s Tod die Salier aus, während seine Gemahlin nach England zurückkehrte.

&: G. Althoff: Heinrich V. (1106-1125), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519), München 2003, S. 181-200.

Sachsen-Süpplingenburger (1125-1137)

Lothar III., * Anfang Juni 1075, † Breitenwang bei Reutte in Tirol 4. 12. 1137; römischer König (1125-1133), römischer Kaiser (1133-1137), zudem Herzog von Sachsen (1106-1137). L. war der Sohn des Grafen Gebhard und seiner Gattin Hedwig von Formbach. Er heiratete im Jahr 1100 Richenza von Northeim (um 1087/89-1141). Die Tochter aus dieser Ehe, Gertrud (1115-1143), heiratete 1127 Herzog Heinrich den Stolzen von Bayern und ist die Mutter des berühmten Herzogs Heinrich des Löwen von Sachsen und Bayern. – L. erbte u. a. im Raum Halberstadt, Königslutter sowie bei Verden Besitzungen und Vogteirechte. 1106 wurde er durch Kaiser → Heinrich V. zum Herzog von Sachsen erhoben, agierte jedoch seit 1112 als Führer der Fürstenopposition gegen den Salier. Im Laufe der harten Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und dem Kaiser konnte L. den Kaiser am 11. Februar 1115 in der Schlacht am Welfesholz (bei Hettstedt in der Nähe von Mansfeld) besiegen. Trotz Heinrichs Widerstand ernannte L. eigenmächtig Albrecht den Bären zum Markgrafen in der Lausitz, desgleichen nahm er Ämterbesetzungen in Meißen und im Bistum Halberstadt vor und zog sich hierbei den Ärger seines bisherigen Verbündeten Adalbert I. von Mainz zu. Nach dem Tod Kaiser Heinrichs V. wurde L. am 24. August 1125 in Mainz zum römischen König gewählt. Der unterlegene Stauferherzog Friedrich II., der Einäugige von Schwaben, Vater des späteren Kaisers → Friedrich I. Barbarossa, erkannte das Ergebnis der Wahl nicht an, sondern förderte das Gegenkönigtum seines jüngeren Bruders → Konrad III. (seit dem 18. Dezember 1127). Auch wenn Konrad exkommuniziert wurde (zunächst durch den Reichsepiskopat, dann durch den Papst), kam es doch in den Jahren 1126-1130 zu erbitterten Kämpfen im Elsass, bei Speyer und Nürnberg sowie in Schwaben, bis L. 1134 und 1135 die Unterwerfung der Stauferbrüder Friedrich und Konrad entgegennehmen konnte.

Kirchenpolitisch war L. längst nicht so zurückhaltend und passiv wie es einige Quelle nahelegen wollen. So griff er durchaus selbstbewusst in kirchliche Ämterbesetzungen ein und forderte mehrfach vom Papst eine Revision des Wormser Konkordats von 1122, die er 1133 erreichte. In jenem Jahr wurde L., der sich im 1130 ausbrechenden Papstschisma zwischen Innozenz II. und Anaklet II. nach kurzem Zögern für Innozenz erklärt hatte, von diesem am 8. Juni in Rom zum römischen Kaiser gekrönt und blieb auch in den nächsten Jahren eine feste Stütze für Innozenz. 1136 zog L. ein zweites Mal nach Italien, nachdem Innozenz ihn um Hilfe gegen seine Gegner, hier unter anderem das Königreich Sizilien, gerufen hatte. Auf der Rückkehr verstarb der Kaiser in Tirol.

Den Zeitgenossen galt L.s Herrschaft insgesamt als Friedenszeit. Seine Basis war das Herzogtum Sachsen, doch auch in den anderen Reichsteilen hatte er verlässliche Mitarbeiter und Anhänger, im Süden waren dies beispielsweise sein Schwiegersohn Heinrich der Stolze von Bayern und die Zähringer. Im Osten ging er mehrfach seit 1110 gegen die Slawen vor. Bevor er starb, designierte er seinen Schwiegersohn als seinen Nachfolger, doch es sollte anders kommen.

&: G. Althoff: Lothar III. (1125–1137), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919–1519), München 2003, S. 201–216.

Staufer (1138-1254)

&: M. Akermann: Die Staufer. Ein europäisches Herrschergeschlecht, Stuttgart ³2010. - F. Bedürftig: Die Staufer. Ein Lexikon, Darmstadt 2006. – O. Engels: Die Staufer. Stuttgart 92010. – K. Görich: Die Staufer. Herrscher und Reich, Sonderausgabe München 2008.

Konrad III., * 1093, † Bamberg 15. 2. 1152; römischer Gegenkönig (1127-1135) bzw. römischer König (1138-1152). K. war der jüngere Sohn Herzog Friedrichs I. von Schwaben und seiner Frau Agnes. Über diese ist er ein Enkel Kaiser → Heinrichs IV. Um 1135 ehelichte er Gertrud von Sulzbach und bekam mit ihr den Sohn Friedrich (VI.) (1137-1150, seit 1147 römischer König). Des Weiteren ist K. ein Onkel Kaiser → Friedrichs I. – Obwohl Kaiser → Lothar III. noch kurz vor seinem Tod seinen Schwiegersohn, Herzog Heinrich den Stolzen von Bayern und Sachsen, zu seinem Nachfolger auserkoren hatte, wurde in einer nicht vollständig korrekten Wahl am 7. März 1138 K. zum neuen römischen König gewählt. Er hatte zwischen 1127-1135 als Gegenkönig zu Lothar III. amtiert, sich aber nach einer Exkommunikation und jahrelangen Kämpfen diesem 1135 unterwerfen müssen. Als Konsequenz der Anerkennungsverweigerung durch Heinrich den Stolzen entzog ihm K. die beiden Herzogtümer und vergab sie neu an Askanier (Sachsen) und Babenberger (Bayern), begründete dadurch aber auch den scharfen Gegensatz zwischen den verwandten Familien der Staufer und Welfen, der während seiner Herrschaft nicht mehr gelöst werden konnte und sowohl innen- als auch außenpolitische Konsequenzen hatte. Innenpolitisch sah er sich bald einer Opposition gegenüber, außenpolitisch versuchte er im Bündnis mit Byzanz Sizilien zu erobern, geriet aber mit dem Basileios, der mit einer Schwester von K.s Frau Gertrud verheiratet war, in einen Gegensatz, da Byzanz Süditalien für sich reklamierte. 1147-1149 nahm K. am missglückten Zweiten Kreuzzug teil. Trotz der innenpolitischen Opposition war es K. durchaus möglich, eine erfolgreiche Territorialpolitik zu betreiben, auf der sein von ihm zum Nachfolger designierter Neffe Friedrich aufbauen konnte. Die Kaiserwürde vermochte K. nicht mehr zu erlangen.

Friedrich I. Barbarossa, * um 1122, † (ertrunken) im Fluss Saleph bei Göksu nehri bei Seleucia in Kleinarmenien 10. 6. 1190; Herzog von Schwaben (1147-1153, als F. III.) sowie römischer König (1152-1155) und römischer Kaiser (1155-1190) sowie König von Burgund (1178-1190). F. stammte aus der Ehe des Herzogs Friedrich II., des Einäugigen, von Schwaben aus der Familie der Staufer mit der Welfin Judith von Bayern. Er selbst führte zwei Ehen: 1. zwischen circa 1149 und 1153 mit Adela von Vohburg und 2. seit 1156 mit Beatrix von Burgund. Aus der zweiten Ehe stammen zehn Kinder, zu denen unter anderem der Kaiser → Heinrich VI. und der römische König → Philipp von Schwaben zählen. Über seine Jugendjahre sind wir kaum informiert, wirklich fassbar wird F. für uns im Jahre 1143, dem Jahr seiner ersten militärischen Handlungen. F., der sich seiner staufisch-welfischen Abkunft stets bewusst war, unterstützte die Welfen und war oft an der Seite seiner mütterlichen Verwandtschaft zu finden; genauso achtete er jedoch auch auf die Rechte der Staufer, besonders im Stauferherzogtum Schwaben. Auch war er schon früh eine verlässliche Stütze des staufischen Königtums, das 1138 durch seinen Onkel → Konrad III. begründet worden war. 1147 folgte er seinem Vater als Herzog nach und begab sich im selben Jahr an der Seite seines königlichen Onkels auf den insgesamt unglücklichen Zweiten Kreuzzug, der für F. persönlich allerdings durchaus positiv verlief: Er tat sich durch einige militärische Aktionen ebenso hervor wie er Zugang zu den höchsten Beratungszirkeln hatte. Nach seiner Rückkehr ins Reich deutete dann zunächst nichts auf eine baldige Übernahme des königlichen Amtes hin, wiewohl F. die Zeit nutzte, um seine Stellung im Reich weiter auszubauen. Dies führte dazu, dass F. der „herausragendste Repräsentant seines Hauses unmittelbar nach dem König“ (Oppl, 32) wurde.

König Konrad hatte gegen Lebensende die Ansicht kundgetan, dass er seinen Neffen F. als den geeigneten Nachfolger sah; das Wahlrecht der Fürsten tastete er freilich nicht an. Jedoch nutzte F. die Zeit zw. dem Tode seines Oheims (14. 2. 1152) und seiner tatsächlichen Wahl in Frankfurt am Main (4. 3. 1152) und trat in intensive Verhandlungen mit den Wahlfürsten. Ungeachtet der Tatsache, dass es unter den zeitgenössischen Chronisten verschiedene Aussagen über die Einmütigkeit von F.s Wahl gibt, ließ sich die Mehrheit der Kurfürsten von drei Gründen leiten, den Staufer zu wählen: 1. Die staufisch-welfische Abkunft F.s ließ auf eine Lösung des starken Gegensatzes zw. beiden Familien hoffen; 2. F. war auch auf anderen Politikfeldern als ausgleichend bekannt, was die Fürsten 3. hoffen ließ, dass F. die innere Ordnung des Reiches, die in den letzten Jahrzehnten brüchig gewesen war, wieder stärken würde. Tatsächlich gelang es F. bis 1156, den staufisch-welfischen Streit zu befrieden, indem er das Herzogtum Bayern, wie von diesem gefordert, an seinen Vetter Heinrich den Löwen von Sachsen gab, dabei aber die Mark Österreich von Bayern abtrennte und als neues Herzogtum an die Babenberger ausgab (Privilegium minus vom 17. September 1156). Dass der Streit mit den Welfen 1176 erneut ausbrach und in den endgültigen Sturz des Löwen 1180 gipfelte, hing mit F.s Italienpolitik zusammen. Insgesamt ging es F. v. a. darum, die sich seit dem 11. Jahrhundert immer mehr verselbstständigenden traditionellen Stammesherzogtümer Bayern, Sachsen, Franken und Schwaben wieder stärker an das Reich anzubinden. Seit etwa 1167 war dem Staufer zudem verstärkt daran gelegen, sein eigenes Hausgut zu nutzen und auszubauen. Dabei ließ er die staufischen Besitzungen, die sich u. a. in Schwaben, im Elsass, im Mittelrheingebiet, in Ostfragen, in der Oberpfalz, im Egerland, in Thüringen und im Harz befanden, durch so genannte Ministerialen (Dienstleute) verwalten, eine Art Beamtenschaft, die ihm zur wichtigen Stütze wurde und späterhin oft selbst zum Adel zählte. Auf seinem Territorium förderte der Kaiser intensiv die Gründung und den wirtschaftlichen Aufstieg der Städte . Durch die Anwerbung von Bauern und die Genehmigung von Privilegien trieb er die Besiedlung voran. Dies betraf solche Siedlungen und Städte wie Ulm, Hagenau und Gelnhausen, aber auch Chemnitz und Zwickau. Um den Frieden im Reich zu wahren, griff F. oft in die Zwistigkeiten lokaler Fürsten ein; als Beispiel sei hier die Auseinandersetzung zwischen Heinrich dem Löwen und dem Erzbistum Köln um Westfalen genannt.

Das große Thema von F.s knapp vierzigjähriger Herrschaft war aber zweifelsohne Italien. Auf sechs Zügen dorthin (1154/55, 1158, 1163, 1166-1168, 1174-1177 und 1184-1186) war er bestrebt, die kaiserlichen Rechte, die Regalien, wiederzuerlangen und zu schützen, die sich die oberitalienischen Städte aus kaiserlicher Sicht widerrechtlich angeeignet hatten. Dies wiederum forderte den Widerstand der italienischen Städte heraus, der sich unter anderem in der Bildung verschiedener antikaiserlicher Städtebünde ausdrückte (1164: Veroneser Städtebund; 1167: Erste Lombardische Liga unter Führung Mailands). Die Auseinandersetzung mit den Städten war zäh und hart. Mailand wurde 1162 durch kaiserliche Truppen zerstört, erstand aber neu. Der kaiserlich-städtische Gegensatz konnte erst 1183 durch den Frieden zu Konstanz in etwa bereinigt werden. Letztlich konnte sich Barbarossa nicht in dem Maße durchsetzen wie er es sich erhofft hatte. Dies lag zum einen am gestiegenen Reichtum und Selbstbewusstsein der italienischen Städte. Diese konnten den Kaiser 1176 bei Legnano schlagen, nachdem Heinrich der Löwe seinem kaiserlichen Vetter die Gefolgschaft versagt hatte. Zweitens protestierte das Papsttum scharf gegen eine allzu selbstbewusste kaiserliche Italienpolitik. Das anfänglich gute Verhältnis zur Kurie trübte sich bald ein. Hierfür lassen sich im Ganzen fünf Gründe ausmachen: Entgegen seines dem Papst vor seiner Kaiserkrönung gegebenen Versprechen, die für den Papst unruhige Lage in Rom zu beruhigen und gegen die süditalienischen Normannen vorzugehen, war F. dies nicht möglich. Dafür begann nun der Papst, eine pronormannische Politik zu betreiben, was die italienischen Pläne des Kaisers störte. Drittens dehnte der Kaiser seine Regalienpolitik auch auf den Kirchenstaat aus. Hinzu kommt: Ein gestiegenes Selbstbewusstsein im Papsttum, welches seit Gregor VII. zu beobachten ist. Die Kaiser konnten nicht mehr, wie im 10. und 11. Jahrhundert selbstverständlich, in ihrem eigenen Interesse Päpste ein- und absetzen. Die Kirche unterstrich ihre führende Stellung nachdrücklich, verlangte auch von den Kaisern unbedingten Gehorsam und wurde darin von führenden Theologen und Rechtsgelehrten gestützt. Schon 1157 hatte der Papst das Kaisertum, ob bewusst oder unbewusst, auf dem Reichstag zu Besançon als päpstliches Lehen bezeichnet und damit massiven Protest im kaiserlichen Lager ausgelöst. Als dann 1159 der päpstliche Kanzler Orlando Bandinelli zum Papst gewählt wurde, der eben als päpstlicher Legat für die Unstimmigkeiten in Besançon verantwortlich gezeichnet hatte, ließ F. mit Viktor IV. einen Gegenpapst erheben, dem bis zur Lösung des Schismas 1177 (Friede von Venedig) noch drei weitere folgen sollten. Das Papstschisma führte auch dazu, dass F. in Süditalien seine Aktivitäten gegen die Normannen verstärkte. Zu einem regelrechten Zug gegen sie kam es zwar nicht, doch suchte er beständig Verbündete gegen sie. So wurde 1171 ein staufisch-byzantinische Bündnis zumindest erwogen. Schließlich gelang jedoch sogar eine Annäherung zwischen Staufern und Normannen, da es Wilhelm II. von Sizilien darum gehen musste, sein Erbe zu sichern, denn er hatte keine leiblichen Erben, und es stand nicht zu erwarten, dass er noch welche würde zeugen können. Seine einzige Erbin war seine Tante Konstanze von Sizilien. Diese verlobte sich 1184 nach Friedensverhandlungen mit F.s Sohn und späteren Nachfolger Heinrich VI. Im Januar 1186 folgte in Mailand die Heirat des Paares. Barbarossa wiederum hatte so Einfluss auf das Normannenreich gewonnen, das 1189, nach dem Tode Wilhelms II., an Konstanze und Heinrich gehen sollte.

1184, sechs Jahre vor seinem tragischen Tod auf dem Dritten Kreuzzug, entfaltete F. auf dem Mainzer Hoffest, mit welchem er die Schwertleite seiner Söhne Heinrich und Friedrich feierte, alle kaiserliche Pracht noch einmal zur Gänze. Dieses Fest gilt bis heute als Höhepunkt des abendländischen Rittertums und wurde auch von zeitgenössischen Chronisten gefeiert. Drei Jahre später kam es im Heiligen Land zur vernichtenden Niederlage der Christen bei Hattin gegen den Sultan Saladin mit dem Verlust Jerusalems. Die Erschütterung dieser Katastrophe reichte bis in den Okzident hinein, sodass der Kaiser auf dem Hoftag Jesu Christi 1188 trotz seines Alters das Kreuz nahm. Damit begann ein Kreuzzugunternehmen, das Anfang Juni 1190 mit dem Unfalltod des Herrschers im Fluss Saleph sein tragisches Ende fand. In den zeitgenössischen Chroniken ist die Erschütterung über den Kaisertod bis heute spürbar.

Das überaus positive Barbarossa-Bild des 19. Jahrhunderts, namentlich unter deutschen Historikern, gilt heute als überholt und ist zum Großteil relativiert. Dennoch ist F. wohl d i e Versinnbildlichung des mittelalterlichen Kaisertums, die Mittelpunkt von allerlei Sagen geworden ist, wiewohl diese eigentlich zuerst auf seinen Enkel → Friedrich II. erzählt wurden (Kyffhäuser-Sage!) Betrachtet man F.s Leistung unparteiisch und nüchtern, so muss festgehalten werden, dass er, politisch gesehen, nur teilweise erfolgreich war: Weder konnte er sich im Papstschisma durchsetzen, noch war er gegen die italienischen Städte völlig erfolgreich. Trotzdem brachte er das mittelalterliche Reich voran, galt als Friedenskaiser und vorbildlicher Herrscher, der als Kreuzfahrer den Tod fand.

Quellen: Albert von Stade: Annales Stadenses, hrsg. von J. M. Lappenberg. MGH, Scriptores 16, Hannover 1859, S. 271-378. – Arnold von Lübeck: Chronica Slavorum, hrsg. von J. M. Lappenberg. MGH, Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum 14, Hannover 1866. – Historia Welforum, hrsg. von E. König (Schwäbische Chroniken der Stauferzeit 1), Sigmaringen ²1978. – Otto von Freising und Rahewin: Gesta Friderici I. imperatoris/Die Taten Friedrichs oder richtiger Cronica, übersetzt von A. Schmidt, hrsg. von F.-J. Schmale (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 17), Darmstadt 1965.

&: O. Engels: Artikel „Friedrich I. Barbarossa, in: LexMA IV, Sp. 931-933. – J. Ehlers: Friedrich I. Barbarossa (1152-1190), in: Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, München 2003, S. 232-257 (mit ausführlicher Bibliografie). – J. Laudage: Friedrich Barbarossa. Eine Biografie, Regensburg 2009. – F. Oppl: Friedrich Barbarossa, Darmstadt ³1998.

Heinrich VI., * Nimwegen 1165,…Messina 28. 9. 1197; römischer König (1169-1191), römischer Kaiser (1191-1197). H. war das älteste überlebende Kind Kaiser → Friedrichs I. aus seiner Ehe mit Beatrix von Burgund. Sein Vater ließ ihn bereits im Juni 1169 durch die deutschen Fürsten zum römischen König wählen, seine Krönung fand am 15. August in Aachen durch den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg statt. 1174 begleitete H. den Vater nach Italien und sammelte dort erste Erfahrungen. Seine Schwertleite erhielt der junge König auf dem prächtigen Mainzer Hoffest, das sein Vater 1184 veranstalten ließ. 1186 ehelichte er in Mailand Konstanze von Sizilien, die Erbin des gleichnamigen Königreichs, dessen Erbfall 1189 eintrat. Aus der gemeinsamen Ehe stammt lediglich ein Kind, nämlich der nachmalige König und Kaiser → Friedrich II. Konstanzes Anspruch auf Sizilien konnte H. letztlich nur mit Waffengewalt durchsetzen; das Geld hierfür bezog er unter anderem aus der Gefangenschaft des englischen Königs → Richard I. Löwenherz in Deutschland (1192-1194) und konnte sich am 25. Dezember 1194, einen Tag vor der Geburt seines Sohnes, in Palermo zum König von Sizilien krönen lassen. In der Folgezeit ordnete H. das Königreich Sizilien neu und ließ Konstanze 1195 in Bari zur Regentin proklamieren. Im Reich nördlich der Alpen scheiterte der am 15. April 1191 zum Kaiser gekrönte H. mit seinem Ansinnen, die römische Königskrone in seiner Familie erblich zu machen, am Widerstand der Fürsten, allen voran Erzbischof Adolf von Altena von Köln, erreichte jedoch deren Zustimmung zur Wahl seines kleinen Sohnes Friedrich zum römischen König (1196). Im Juli 1196 reiste H. nach Italien ab und kehrte nicht wieder nach Deutschland zurück. Seit Mai 1197 war H. in Sizilien mit einem Aufstand normannischer Adliger konfrontiert, den er mit übergroßer Härte niederschlagen ließ, wie H. überhaupt gewissen Grausamkeiten gegenüber nicht abgeneigt war und u. a. mit der 1192 erfolgten Ermordung des Bischofs Albert von Lüttich in Verbindung gebracht wurde. Gleichzeitig war der Kaiser aber auch als Minnesänger und Verfasser von Minneliedern bekannt. Sein der Malaria verschuldeter Tod löste politische Unruhen aus.

&: J. Ehlers: Heinrich VI. (1190-1197), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519), München 2003, S. 258-271. – S. Fischer-Fabian: Heinrich VI. oder der Cäsarenwahn, in: Derselbe: Die deutschen Kaiser. Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalters, Bergisch Gladbach 52009, S. 324-343.

Philipp von Schwaben, * um 1177, † (ermordet) Bamberg 21. 6. 1208; römischer König (1198-1208). P. war der jüngste Sohn von → Friedrich I. Barbarossa aus dessen zweiter Ehe mit Beatrix von Burgund. Er war zunächst für den geistlichen Stand bestimmt und wurde entsprechend vorbereitet. 1190/91 war er Bischof-Elekt von Würzburg, trat jedoch 1191 aus dem geistlichen Stand aus und übernahm weltliche Ämter (1195-1197 Markgraf von Toskana, 1196-1208 Herzog von Schwaben). 1197 hatte er die byzantinische Prinzessin Irene geehelicht. Nachdem Kaiserin Konstanze, P.s Schwägerin, für ihren Sohn → Friedrich II. 1198 im Namen des Knaben auf die römische Kgs.krone verzichtet hatte, ließ sich P. auf Betreiben und Drängen seiner Familie als jüngster Spross von Friedrich I. Barbarossa, am 8. 3. 1198 zum dt. König wählen; dies geschah in Konkurrenz und Doppelwahl zu → Otto IV. Die Folge war der teils heftig geführte Deutsche Thronstreit, der über die gesamte Dauer von P.s Herrschaft anhielt. Als Nachfolger seines Bruders → Heinrich VI. gewann er im Laufe der Zeit immer mehr Anhänger. 1205 ließ er sich nochmals zum König krönen. 1206 konnte Philipp Otto IV. in Wassenberg bei Köln eine schwere Niederlage beifügen. 1208 wurde er durch den Wittelsbacher Pfalzgrafen Otto aus persönlichen Motiven heraus ermordet. P.s Bild in der Wissenschaft ist sehr uneinheitlich und geprägt von den Auswirkungen des Thronstreits: Staufertreue Chronisten sahen ihn als tugendhaften jungen Mann, während die Anhänger Ottos IV. ihn naturgemäß drastischer zeichneten.

&: P. Csendes: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht, Darmstadt 2003. – K. van Eickels: Otto IV. (1198–1218) und Philipp (1198–1208), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I., München 2003, S. 272-292. – A. Rzihacek und R. Spreitzer (hrsg.): Philipp von Schwaben. Beiträge der internationalen Tagung anlässlich seines 800. Todestages, Wien, 29. bis 30. Mai 2008 (= Forschungen zur Geschichte des Mittelalters. Band 19), Wien 2010. – B. Schütte: König Philipp von Schwaben. Itinerar – Urkundenvergabe – Hof, Hannover 2002.

Welfen (1198-1218)

Otto IV., * wohl in Braunschweig um 1175/76, † auf der Harzburg oberhalb von Bad Harzburg (Landkreis Goslar, Niedersachsen) 19. 5. 1218; römischer König (1198-1209), römischer Kaiser (1209-1218). O. stammte aus der Ehe zwischen Herzog Heinrich dem Löwen von Sachsen und Bayern (um 1130-1195) und der Mathilde von England (1156-1189). Er war damit väterlicherseits ein Welfe, mütterlicherseits gehörte er zum englischen Königshaus der Anjou-Plantagenets, → Heinrich II. von England war sein Großvater, die englischen Könige → Richard I. Löwenherz und → Johann Ohneland seine Onkel. → Heinrich III. von England und der römische König → Richard von Cornwall zählten zu seinen Vettern. 1212 heiratete er Beatrix (um 1198-1212), eine Tochter seines langjährigen Konkurrenten → Philipp von Schwaben, doch starb die junge Königin bereits nach nur dreiwöchiger Ehe. – Aufgrund des Sturzes seines bis 1180 mächtigen Vaters wuchs O. seit 1182 am englischen Hof auf, wo er sich vor allem seinem Onkel Richard anschloss, der ihn 1196 zum Herzog von Aquitanien erhob, nachdem der Erwerb des Herzogtums York oder sogar der schottischen Krone gescheitert waren. In der Folgezeit bewährte sich O. in Richards schweren Kämpfen gegen König → Philipp II. Augustus von Frankreich.

Durch den von Kaiserin Konstanze für ihren Sohn → Friedrich II. ausgesprochenen Verzicht auf die römische Königskrone wurde zu Beginn des Jahres 1198 eine Neuwahl des Königs im Reich nötig. König Richard unterstützte eine Kandidatur seines Neffen O. auf Seiten der Staufergegner, während die zum amtierenden Kaiserhaus haltenden Fürsten im März 1198 Friedrichs Onkel, den jüngsten Barbarossa-Spross → Philipp von Schwaben zum König wählten. Die Gegner zogen erst am 9. Juni nach und wählten O., der die Krönungsstadt Aachen erst erobern musste und am 12. Juli durch den Kölner Erzbischof Adolf I. von Altena die (nachgebildete) Königskrone empfing. Bis 1208 tobte im Reich nun ein teils schwer geführter Konkurrenzkampf um die deutsche Krone, bekannt geworden als Deutscher Thronstreit, der das Reich nicht nur durch alle Gesellschaftsschichten hindurch spaltete, sondern durchaus auch internationale (europäische) Dimensionen entwickelte: O. erhielt die englische Unterstützung und Geld, während Frankreich hinter den Staufern stand. Im Umkehrschluss wurde dadurch das Reich in den englisch-französischen Gegensatz involviert.

O. gelang es allerdings nicht überzeugend genug, die deutschen Fürsten für sich zu gewinnen. Dies lag unter anderem daran, dass er aufgrund seiner Kindheit und Jugend in England als landfremd galt und aus diesem Grund nicht über genügend reichsinterne Ressourcen verfügte. Zwar erhielt er seit der Jahreswende 1200/01 die Unterstützung des Papstes, nachdem er in Neuss geschworen hatte, Innozenz III. gegen die Staufer in Sizilien zu unterstützen, jedoch brach ihm seit 1204 die englische Unterstützung weg, da König Johann Ohneland seine Kräfte in Frankreich gebunden hatte und dort selbst massiv unter Druck stand. Außerdem liefen ihm im Reich wichtige Kräfte wie der Erzbischof von Köln von der Fahne und zu Philipp von Schwaben über, der O. zu allem Überfluss am 27. Juli 1206 in der Schlacht von Wassenberg bei Köln schlug. Erst Philipps Ermordung in Bamberg am 21. Juni 1208, die nichts mit dem Thronstreit zu tun hatte, sondern aus rein persönlichen Motiven geschah, befreite O. aus seiner drückenden Situation.

Die Wendung der Lage drückte sich in der allgemeinen Anerkennung O.s im Reich sowie in der Kaiserkrönung in Rom am 4. Oktober 1209 aus, die Innozenz III. zwar nicht ohne Bedenken vorgenommen, von O. allerdings unter anderem wie in Neuss das Versprechen erhalten hatte, die Rechte und Besitzungen der Kirche zu achten und zu schützen und die Italienpolitik der Staufer nicht fortzusetzen. Schon bald zeigte sich jedoch, dass die Bedenken Innozenz’ III. nicht unbegründet waren, denn O. brauchte nicht lange, um sein Versprechen zu brechen. Durchdrungen von der Würde seines kaiserlichen Amtes und in bewusster Anknüpfung an die imperiale Kaiserpolitik der Ottonen, Salier und Staufer begann O. seit 1210 eine eigene selbstbewusste Italienpolitik. Er drang bis nach Unteritalien vor und bedrohte damit auch die Herrschaft → Friedrichs II. in Sizilien. Innozenz III. bannte O. und baute Friedrich zum Gegenkönig auf. Friedrich nahm die Wahl der Fürsten an und kam 1212 nach Deutschland, wohin O. eilig zurückkehrte, jedoch mit ansehen musste wie Friedrichs Anhang schnell anwuchs. O. wich vor ihm zunächst nach Köln und dann nach Sachsen aus. Die endgültige Entscheidung zuungunsten O.s fiel allerdings auf internationaler Bühne in der Schlacht von Bouvines (27. Juli 1214), in der England und O. Frankreich und Friedrich unterlagen. Die endgültige Königskrönung Friedrichs 1215 in Aachen machte O.s restliche Herrschaft bedeutungslos. Sein Bild in der Geschichte, lange Zeit durch die staufische Geschichtsschreibung verdunkelt, hellt sich erst langsam wieder auf.

&: G. Althoff: Otto IV. Woran scheiterte der welfische Traum vom Kaisertum? In: Frühmittelalterliche Studien, Bd. 43 (2009), S. 199–214. – O. Engels: Die Staufer. 9., ergänzte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2010. – W. Hechberger, F. Schuller (Hrsg.): Staufer und Welfen. Zwei rivalisierende Dynastien im Hochmittelalter. Pustet, Regensburg 2009. – B. U. Hucker: Kaiser Otto IV. (= Monumenta Germaniae historica. Bd. 34). Hahn, Hannover 1990 (Zugleich: Bamberg, Universität, Habilitations-Schrift, 1983). – B. U. Hucker: Otto IV. Der wiederentdeckte Kaiser. Eine Biographie, Frankfurt am Main 2003. – S. Krieb: Vermitteln und Versöhnen. Konfliktregelung im deutschen Thronstreit 1198–1208 (= Norm und Struktur. Studien zum sozialen Wandel in Mittelalter und früher Neuzeit. Bd. 13), Köln 2000 (Zugleich: Gießen, Universität, Dissertation, 1997/98). – H. M. Schaller: Das geistige Leben am Hofe Kaiser Ottos IV. von Braunschweig. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Bd. 45 (1989), S. 54−82. – H. Seibert: Fidelis et dilectus noster. Kaiser Otto IV. und der Südosten des Reiches (1198–1212). In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Bd. 118 (2010), S. 82–102. – B. Schneidmüller: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung (819–1252). Kohlhammer, Stuttgart 2000. – W. Stürner: Dreizehntes Jahrhundert. 1198–1273 (= Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte Bd. 6). 10., völlig neu bearbeitete Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, S. 156–190. – E. Winkelmann: Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig. 2 Bde., Leipzig 1878, Neudruck Darmstadt 1963.

Staufer II (1212-1254)

Friedrich II. ([Konstantin] Friedrich Roger), * Jesi bei Ancona 26. 12. 1194, † Kastell Fiorentino bei Lucera 13. 12. 1250; römischer König (1198, 1212 und endgültig 1215-1220), römischer Kaiser (1220-1250), daneben u. a. König Sizilien (1198-1250) und König von Jerusalem (1228-1250). F. ist das einzige Kind aus der Ehe zw. Kaiser → Heinrich VI. und Prinzessin Konstanze von Sizilien, Erbin des gleichnamigen Königreichs aus der normannischen Dynastie der Hauteville. F. selbst war viermal verheiratet: 1. (1209-1222) mit Konstanze von Aragonien (1183-1222), 2. (1225-1228) mit Isabella von Brienne, Königin von Jerusalem (1212-1228), 3. (1235-1241) mit Isabella von England (1214-1241). Seine vierte Ehe schloss er um oder vor 1248 mit Bianca Lancia († um 1248). Aus diesen Ehen stammen unter anderem die Söhne → Heinrich (VII.) und → Konrad IV. Von seinen außerehelichen Kindern erlangten vor allem Manfred (1232-1266) und Enzio (1215/20-1272) große Bekanntheit.

F. war früh verwaist, wuchs als Mündel des Papstes Innozenz III. in Palermo auf und war begehrtes Objekt der miteinander streitenden Parteien am dortigen Hof (Markward von Annweiler, Walter von Pagliara und andere). Seit 1209 wurde F. von Innozenz III. als politisches Gegengewicht zu Kaiser → Otto IV. eingesetzt, der den Papst zuvor in seinen Absichten getäuscht und enttäuscht hatte. Der Papst bewog schließlich die deutschen Fürsten dazu, F. an Ottos Stelle zum römischen König zu wählen. F. war geneigt, das Angebot der Wahl anzunehmen und zog 1212 über die Alpen nach Deutschland, wo ihm, besonders im Süden und am Rhein, rasch ein Anhang zuwuchs, wohingegen der inzwischen gebannte Kaiser Otto vor ihm nach Norden ausweichen musste. F. blieb bis 1220 in Deutschland und erreichte es nach und nach, auch die Fürsten weltlicher und geistlicher Natur, auf seine Seite zu ziehen, indem er ihnen weit reichende Rechte einräumte und diese fest verbriefte. Dieses Vorgehen behielt er auch nach seinem Abzug aus Deutschland bei (beispielsweise mit dem Statut zugunsten der Fürsten [Statutum in favorem principum, 1231/32). 1215 erreichte F. seine endgültige Königskrönung am traditionellen Krönungsort Aachen und gab dabei ein Kreuzzugsversprechen ab. Dieses Versprechen sollte das Verhältnis zwischen F. und den Päpsten extrem belasten, weil der König den Gang ins Heilige Land immer wieder verschob. 1220 verließ er Deutschland und erreichte, trotz päpstlicher Bedenken wegen zu großer Macht F.s, in diesem Jahr seine Kaiserkrönung in Rom. Diesen Bedenken trat F. entgegen, indem er 1222 seinen jungen Sohn Heinrich (VII.) zum römischen König wählen ließ und somit nach außen eine vom Papst geforderte Trennung zw. Nord- und Südreich vollzog.

Die nächsten Jahre war F. in Sizilien beschäftigt, schlug unter anderem in den Jahren 1222-1224 einen großen Aufstand der auf Sizilien lebenden Sarazenen nieder, siedelte sie um und integrierte sie in sein Heer. Außerdem trieb er die Gesetzgebung voran und schuf Gesetze und Gesetzessammlungen, die teilweise bis ins 19. Jahrhundert gültig blieben. Derweil wurde der Papst immer ungeduldiger und forderte von F., sein gegebenes Versprechen einzulösen. 1227 brach der Staufer auf, musste jedoch aufgrund einer Erkrankung wieder umkehren. Obgleich er sich rechtfertigte, bannte ihn der Pontifex. Nach seiner Genesung zog der Kaiser als Gebannter ins Heilige Land und erreichte gegen jeden Widerstand, dem ihm die meisten geistlichen Würdenträger und Orden vor Ort leisteten, auf dem Verhandlungswege von Sultan al-Kamil den freien Zugang nach Jerusalem und seine Krönung zum König. Der Papst akzeptierte die Ergebnisse des Zuges nicht und hatte F.s Abwesenheit dazu genutzt, um mit Truppen in das Königreich Sizilien einzurücken, weil er es als päpstliches Lehen reklamierte. Außerdem wiegelte er die süditalienischen Städte gegen den Kaiser auf, die sich nach und nach von F. abwandten. Der Staufer wiederum verlor nach seiner Rückkunft nicht viel Zeit, vertrieb die päpstlichen Truppen und stellte den Status quo wieder her. Der Papst war zum Frieden gezwungen, der einige Zeit hielt. 1230 löste Papst → Gregor IX. den Kaiser wieder vom Bann.

F. hatte sich in dieser Zeit auch verstärkt seiner eigenen Familie zuzuwenden, da König Heinrich immer stärker versuchte, eine vom kaiserlichen Vater unabhängige Politik in Deutschland zu verfolgen. Der Kaiser sah sich schließlich genötigt, nach 15 Jahren Abwesenheit 1235 wieder nach Deutschland zu kommen, um seinen Sohn zur Botmäßigkeit zu zwingen. Dieser unterwarf sich zwar dem Vater, wurde aber dennoch abgesetzt und später an verschiedenen Orten in Italien gefangen gehalten. Nachdem er unter anderem einen Hoftag in Wien abgehalten hatte, verließ F. 1237 das Reich nördlich der Alpen wieder, um es letztlich nie mehr zu betreten.

Im selben Jahr konnte der Kaiser den Lombardenbund, der schon seinem Großvater das Leben schwer gemacht hatte, bei Cortenuova schlagen. Dieser wurde auch vom Papst unterstützt, sodass die alte Feindseligkeit zw. F. und der Kurie wieder aufbrach (1239) und auch bis F.s Tod nicht bereinigt werden konnte. Gregor IX. bannte den Kaiser erneut und plante, ihn abzusetzen. Zu diesem Zweck rief er für 1241 ein Konzil ein. F. durchkreuzte die Pläne des Papstes, indem er die auf dem Wege zum Konzil befindlichen Kardinäle kurzerhand abfing und gefangen nahm. Die Situation wurde entspannt durch den Tod Gregors am 22. 8. 1241. Die daraufhin eintretende zweijährige Sedisvakanz nach dem schnellen Tod Coelestins IV. nutzte F., der sich eine echte Hoffnung auf Frieden machte, um Entspannungssignale nach Rom zu senden. Doch der am 25. Juni 1243 gewählte Innozenz IV. war entschlossen, F. endgültig zu Fall zu bringen. Als kaiserliche Truppen in den Kirchenstaat einrückten, floh Innozenz nach Lyon und rief ein Konzil zusammen, auf welchem er 1245 die Absetzung F.s aussprach. Die Absetzung wurde weder von F. noch von → Ludwig IX. von Frankreich akzeptiert, der damals als Schiedsrichter in Europa galt. Auch die Gegenkönige, die Innozenz in Deutschland unterstützte (→ Heinrich Raspe, → Wilhelm von Holland) blieben weitgehend wirkungslos, sodass F. weiterregieren konnte, auch wenn er kurz vor seinem Tod eine schimpfliche Niederlage vor Parma erlitt und 1249 erleben musste wie sein Sohn Enzio in die lebenslange Gefangenschaft Bolognas geriet. Die Person F. zu beurteilen, fällt angesichts der krassen Gegensätze, die er schon in seiner eigenen Zeit auslöste, nicht ganz leicht. Hielten die einen ihn für einen Messias und das Staunen der Welt (stupor mundi), so war er für die anderen schlicht der Antichrist. Gerade die päpstliche Seite und ihre Chronisten wie ein Salimbene von Parma (um 1221-1288) taten alles, um ihn zu verteufeln und verbreiteten wissentlich Unwahrheiten über ihn. Auch wurde von beiden Seiten im Kampf gegeneinander eine beachtliche Propagandatätigkeit entfaltet, die besonders von päpstlicher Seite mit einer gewissen Hysterie und Vernichtungssucht aufgeladen war. Dabei vergrätzte die Päpstlichen vor allem die Wendigkeit des Kaisers im Umgang mit anderen Religionen und sein unerschöpflicher Wissensdurst. Unter anderem tat sich F. mit seiner Schrift Von der Kunst mit Falken zu jagen als gut beobachtender Ornithologe hervor, der im 13. Jahrhundert Behauptungen des Aristoteles widerlegte und Thesen aufstellte, die noch heute Bestand haben und die von der modernen Vogelkunde voll umfänglich bestätigt wurden. Daneben förderte F. bewusst die Ausbildung von Juristen und Beamten im Königreich Sizilien, um die Verwaltung des Reiches zu professionalisieren. Hierzu diente ihm die Gründung der Universität Neapel (1224), die heute eine der größten Universitäten Italiens darstellt. Dabei blieb F. voll und ganz Kind seiner eigenen Zeit, wie beispielsweise seine rigorose Gesetzgebung gegen Ketzer und Häretiker zeigt. Auch war er vollkommen von der Würde seines Amtes durchdrungen und wollte diese an möglichst vielen Orten seines Wirkens und Handelns sichtbar machen. Dies schlug sich nieder in einer regen Bautätigkeit (Brückentor von Capua, Castel del Monte usw.). Von der großen Wirkung und Anziehungskraft des Staufers bis weit über seinen Tod hinaus zeugt auch die Tatsache, dass immer wieder falsche Friedriche auftraten und behaupteten, der aus dem Heiligen Land heimgekehrte F. zu sein. Ein Beispiel ist hier Tile Kolup, der am 7. Juli 1285 vor den Toren Wetzlars verbrannt wurde, nachdem er als falscher F. über einen längeren Zeitraum ungestört am Rhein hatte Hof halten können.

&: D. Abulafia: Herrscher zwischen den Kulturen. Friedrich II. von Hohenstaufen, dt.e Ausgabe Berlin 1991, Originalausgabe London 1988. – M. P. Arena: Enciclopedia fridericiana, 2 Bde., Rom 2005. – K. van Eickels: Friedrich II. (1212-1250) mit Heinrich (VII.) (1222-1235), in: B. Schneidmüller/S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian, München 2003, S. 293-314. – H. Houben: Friedrich II. (1194-1250). Herrscher, Mensch, Mythos, Stuttgart 2008. – E. Kantorowicz: Kaiser Friedrich II., 2 Bde., Reprint Stuttgart 1985f. – O. B. Rader: Friedrich II. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. Eine Biografie, München 42011. – Derselbe: Kaiser Friedrich II., München 2012. – W. Stürner: Friedrich II., 2 Bde. Als Sonderausgabe in einem Band, Darmstadt ³2009.

Heinrich (VII.), * Sizilien um 1211, † (Selbstmord?) Martirano Febr. 1242; römischer (Mit)könig (1222-1235), daneben: König von Sizilien (seit 1212), Herzog von Schwaben (seit 1217) u. a. H. war der älteste Sohn Kaiser → Friedrichs II. und stammt aus dessen erster Ehe mit Konstanze von Aragonien. Bereits 1212 wurde er zum König von Sizilien gekrönt, was auf den Wunsch Papst → Innozenz’ III. zurückging, der unter allen Umständen ein Zusammengehen Siziliens mit dem Reich verhindern wollte. H.s Mutter übte für ihn die Regentschaft aus. Seit 1216 befand sich der junge H. bei seinem Vater in Deutschland, der H. 1220 von den Fürsten zum römischen König wählen ließ und dafür v. a. den geistlichen Fürsten weitgehende Zugeständnisse machte (mit dem Gesetz Confoederatio cum principibus ecclesiasticis). H.s Krönung erfolgte am 8. Mai 1222 in Aachen. Bis 1225 stand er unter der Reichsverweserschaft des Kölner Erzbischofs Engelbert I. 1226 übernahm diese Funktion der Herzog Ludwig I., der Kelheimer, von Bayern. Seit Weihnachten 1228 regierte H. selbst, nachdem Ludwig das kaiserliche Lager verlassen und sich dem Papst angeschlossen hatte. H. war bestrebt, sich von seinem Vater zu emanzipieren und eine eigenständige Politik zu betreiben, wobei er sich v. a. auf die Städte stützte. Damit geriet der König jedoch in einen scharfen Gegensatz zu den Fürsten, die ihn schließlich zwangen, seine die Städte bevorteilende Politik zu unterlassen. Der Kaiser bestätigte die Fürsten in ihrer Haltung mit dem Statutum in favorem principum (Statut zugunsten der Fürsten, 1231/32). Der Kaiser zwang seinen Sohn zudem zum Gehorsam, andernfalls drohte H. der Bann. H. hielt sich jedoch nicht an den dem Vater gegebenen Eid, sondern verfolgte seine eigenen Absichten weiter und suchte u. a. den Anschluss an → Ludwig IX., den Heiligen, von Frankreich. Außerdem umgab er sich mit dem Kaiser nicht genehmen Ratgebern und führte kriegerische Auseinandersetzungen mit den Wittelsbachern in Bayern und mit der Pfalz. Kaiser Friedrich II. griff aus Italien immer wieder regulierend und bestimmend in H.s Maßnahmen und Gesetzgebung ein, was schließlich in einen Aufstand H.s mündete, der den Kaiser 1235 nötigte, nach Deutschland zu kommen und den Sohn zu unterwerfen, was im Juli diesen Jahres in Worms geschah. Friedrich nahm H. alle Würden und führte ihn mit sich nach Italien, wo er ihn an verschiedenen Orten die letzten Jahre seines Lebens gefangen setzte.

Konrad IV., * Andria 25. oder 26. 4. 1228, † bei Lavello bei Melfi 21. 5. 1254; als Nachfolger seines Halbbruders → Heinrich (VII.) römischer König (1237-1254, allerdings ohne Krönung) und König von Jerusalem (1228-1254). K. stammte aus der zweiten Ehe Kaiser → Friedrichs II. mit Isabella von Brienne-Jerusalem (1212-1228). Er war seit 1246 verheiratet mit der Wittelsbacherin Elisabeth von Bayern (um 1227-1273) und Vater des Sohnes Konradin (1252-1268), der allgemein als letzter Staufer mit Thronambitionen gilt, jedoch 1268 im Kampf um sein italienisches Erbe durch den Staufergegner Karl von Anjou (1227-1285), dem jüngsten Bruder → Ludwigs IX., des Heiligen, von Frankreich, in Neapel hingerichtet wurde. – K. erhielt bei einem Ritter aus Neapel eine gute Ausbildung und zeigte früh vielversprechende Anlagen. Nachdem sein Halbbruder Heinrich (VII.) abgesetzt und gefangen genommen worden war, ließ Kaiser Friederich K. in Wien zum neuen römischen König wählen. Eine Krönung in Aachen wurde nie realisiert, allerdings vom kaiserlichen Vater nach den für ihn schlimmen Erfahrungen mit dem ältesten Sohn auch nie ernstlich betrieben. In seiner Regierung wurde K. bis 1241 unterstützt durch Erzbischof Siegfried III. von Mainz, sein Herrschaftsschwerpunkt war Süddeutschland, jedoch sind auch Aufenthalte in Lüttich nachgewiesen. 1241 wechselte der Mainzer vom kaiserlichen ins päpstliche Lager und wurde so auch zum Gegner des jungen Königs K. (antistaufisches Bündnis Siegfrieds mit dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden vom 10. September 1241). K. war nun zwar von mächtigen Gegnern umzingelt, jedoch verlief der Kampf mit ihnen für ihn durchaus günstig, da der Kölner 1242 in die Gefangenschaft des Grafen von Jülich geriet. Eine Überstellung Konrads an K. lehnte der Graf allerdings ab. Die Absetzung des kaiserlichen Vaters auf dem Konzil von Lyon (1245) brachte auch K. in Schwierigkeiten, und nach einem Treffen mit dem Vater im Sommer des Jahres in Verona wurde K. klar, dass er um sein Erbe zu kämpfen hatte. Mit seiner 1246 geschlossenen Ehe mit Elisabeth von Bayern gelang ihm ein wichtiger Schritt, denn er hatte mit den Wittelsbachern, die sowohl die Herzöge von Bayern als auch die Pfalzgrafen bei Rhein stellten, starke Bundesgenossen gewonnen. Doch musste K. wachsam bleiben, denn mit → Heinrich Raspe hatten die Staufergegner im Mai 1246 einen alten Verbündeten des Kaisers zum Gegenkönig gewählt. Im August schon trafen K. und Heinrich militärisch aufeinander, wobei der Staufer eine Niederlage bezog. Entscheidend geschwächt wurde K. allerdings nicht, und schon im Februar 1247 war der Thüringer gestorben. Nachfolger im Amt des Gegenkönigs wurde → Wilhelm Graf von Holland, blieb aber im Ganzen schwach.

Mitte Dezember 1250 starb Kaiser Friedrich II. überraschend. Er hatte K. testamentarisch zu seinem Nachfolger im Reich bestimmt. Nachdem er sich noch eine Weile mit Deutschland befasst hatte, beschloss er, um sein süditalienisches Erbe zu kämpfen, weshalb er im Oktober 1251 gen Italien zog. Hier war er zunächst durchaus erfolgreich: Nachdem eine von K. angestrebte Verständigung mit dem Papst gescheitert war, konnte er bis zum Januar 1253 unter anderem die von den Staufern abgefallenen Städte Suessa, Capua und San Germano unterwerfen und konnte im Oktober sogar das mächtige und selbstbewusste Neapel bezwingen. K. fühlte sich nun wohl stark genug, um nochmals in Verhandlungen mit dem Papst einzutreten, doch verliefen diese in den nächsten Monaten wenig ergiebig und enttäuschend, bis K. im Mai 1254 einer fiebrigen Erkrankung erlag. In der Rückschau ist es wohl richtig festzuhalten, was M. Kaufhold über K. konstatiert hat, nämlich: „[K.s Leben] war ein Leben voller Möglichkeiten, denen schließlich die Erfüllung versagt blieb.“ (Kaufhold, 315)

&: M. Kaufhold: Die Könige des Interregnum: Konrad IV., Heinrich Raspe, Wilhelm, Alfons, Richard (1245-1273), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, München 2003, S. 315-339, zu Konrad IV. S. 315-323.

Interregnum (1247-1273)

Wilhelm von Holland, * 1227/28, † (gefallen) in Friesland 28. 1. 1256; als W. II. Graf von Holland (1234-1256) sowie römischer König (1254-1256), nachdem er schon seit 1247, gestützt auf den Papst und den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden, gegen Kaiser → Friedrich II. und dessen Sohn → Konrad IV. als Gegenkönig amtiert hatte, sich aber zunächst nicht durchsetzen konnte. Erst nach Konrads Tod in Italien fand der Sohn des Grafen Florens IV. von Holland allgemeine Anerkennung. Als Graf von Holland führte er unter anderem Auseinandersetzungen mit Flandern. Er fiel auf einem Feldzug gegen die Friesen. 1252 hatte er Elisabeth von Braunschweig geehelicht und war Vater der Kinder Florens V. und Mechthild.

Alfons X., der Weise, * Toledo 23. 11. 1221, † Sevilla 4. 4. 1284; römischer Gegenkönig (1257-1273), des Weiteren König von Kastilien und León (1252-1282). A. stammte aus der Verbindung zwischen Ferdinand III. von Kastilien und León mit Elisabeth (Beatrix) von Schwaben. Er war damit mütterlicherseits ein Abkömmling der Staufer, der römische König → Philipp von Schwaben war sein Großvater, Kaiser → Friedrich I. Barbarossa folglich sein Urgroßvater. A. selbst heiratete 1246 Violante von Aragón (1236-1301), mit der er 12 Kinder bekam, von denen 10 das Erwachsenenalter erreichten. 1252 folgte er seinem Vater Ferdinand in der Königswürde für Kastilien und León nach. Bereits als Thronfolger hatte er ausreichend Erfahrungen sammeln können, sowohl im Kampf um die Rückgewinnung arabischer Gebiete der Iberischen Halbinsel für die Christen als auch in der Verwaltung des Landes. A. bewarb sich 1257 nach dem Tode → Wilhelms von Holland um die Nachfolge als römischer König und berief sich hierbei ausdrücklich auf seine staufische Abkunft. Ebenso wie sein Gegenkandidat → Richard von Cornwall erhielt A. bei der Wahl vier Kurstimmen. Obwohl er das Reich nie betrat, hielt A. zeitlebens an seinen Ansprüchen fest, wurde jedoch 1273 durch die Wahl → Rudolfs I. faktisch verdrängt. Auch plante er einen Romzug zur Erlangung der Kaiserwürde, musste dieses Unternehmen jedoch aufgrund Geldmangels unverwirklicht lassen. In Kastilien-León kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen A. und seinem zweiten Sohn Sancho IV., den er zugunsten des Sohnes seines ältesten Sohnes Ferdinand enterbt hatte, der vor A. gestorben war. Im Zuge des Streits konnte Sancho seinen Vater weitgehend entmachten, sodass sich A.s Herrschaft seit 1282 lediglich und nur noch auf Asturien beschränkte.

Weniger als Politiker, sondern viel mehr als Förderer von Kunst, Wissenschaft und Literatur hat sich A. einen Ruf erworben, der bis heute anhält. Er zog sowohl Christen, Juden und auch Moslems an seinen Hof nach Sevilla, wo er eine regelrechte Übersetzerschule begründete, an der arabisches, jüdisches und christliches Wissen gepflegt wurde. Auch gilt A. als Begründer der Nationalliteratur Kastiliens; in seinem Auftrag entstanden viele Schriften und auch Lieder. Zu nennen seien hier eine Geschichte Spaniens (Historia de Espana) und eine Weltgeschichte. Inwieweit der König selbst an diesen Werken mitarbeitete, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit verifizieren. Schließlich interessierte und befasste sich A. ausführlich mit Mathematik, Astronomie und Philosophie. Nicht unerheblich waren auch A.s Leistungen auf gesetzgeberischem Gebiet: So war er bestrebt, das bereits existierende Gesetzeswerk möglichst genau der Lebenswirklichkeit seiner Untertanen anzupassen.

&: M. Kaufhold: Die Könige des Interregnum, in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, München 2003, S. 315-339, zu Alfons: 333-335. – E. Sáez/O. Engels/A. Várvaro: Artikel „Alfons X., der Weise“, in: LexMA I, Sp. 396-398 (mit weiterer Literatur und Quellen).

Richard von Cornwall, * Winchester 5. 1. 1209, † Berkhamstead Castle bei Berkhamstead (Hertfordshire) 2. 4. 1272; römischer Gegenkönig (1257-1272), Graf von Poitou (1209-1225) und Graf von Cornwall (1227-1272). R. war der jüngere Sohn des englischen Königs → Johann Ohnelands von England aus dessen zweiter Ehe mit Isabella von Angoulême (1188-1246) und damit ein Bruder → Heinrichs III. von England, ein Neffe des → Richard Löwenherz, ein Enkel → Heinrichs II. von England und der Eleonore von Aquitanien sowie ein Vetter König → Ludwigs IX., des Heiligen, von Frankreich. Zudem war der Plantagenet über seine jüngere Schwester Isabella einige Jahre ein Schwager Kaiser → Friedrichs II. Er war insgesamt dreimal verheiratet: 1. mit Isabella von Pembroke (1 erwachsenes Kind), 2. mit Sancha von der Provence (1225-1261, 2 erwachsene Kinder) sowie 3. seit 1269 mit Beatrix von Falkenburg, einer Nichte des Kölner Erzbischofs Engelbert II. von Falkenburg. Obwohl er selbst keine Ansprüche geltend machen konnte, jedoch die Unterstützung seines königlichen Bruders hatte, wurde R. in der Doppelwahl von 1256/57 am 13. Januar 1257 mit vier von sieben Kurstimmen gegen den Stauferabkömmling → Alfons X., den Weisen, von Kastilien und Leon zum römischen König gewählt. Im Gegensatz zu Alfons, der nie nach Deutschland kam, hielt sich R. insgesamt immerhin etwa vier Jahre im Reich auf (zuletzt 1269). Doch obwohl er sein Königsamt durchaus ernst nahm und auszufüllen bestrebt war, gelang es ihm letztlich nicht überzeugend genug, einen größeren Einfluss auf das Reich zu entwickeln, sodass auch sein Königtum letztlich wirkungslos blieb.

Habsburger I (1273-1291)

Rudolf I., * Schloss Limburg im Breisgau 1. 5. 1218, † Speyer 15. 7. 1291; römischer König (1273-1291). R.s Eltern waren Albrecht IV. Graf von Habsburg (1188-1239) und seine Frau Hedwig von Kiburg (gestorben nach 1263). Er selbst heiratete um 1253 in erster Ehe Gertrud (später Anna genannt) von Hohenberg, mit der er neun erwachsene Kinder bekam, zu denen unter anderem der spätere römische König → Albrecht I. zählte. 1284 heiratete er Isabella (Elisabeth) von Burgund (gestorben 1323). Wie sein Vater und seine Brüder war R., dessen Taufpate angeblich Kaiser → Friedrich II. gewesen sein soll, lebenslang ein Anhänger der Staufer. Nach den politisch unübersichtlichen Zeiten des Interregnum wählten die Kurfürsten R. am 1. Oktober 1273 in Frankfurt am Main zum römischen König. Allerdings verlief die Wahl nicht einmütig: Böhmen verweigerte R. seine Zustimmung, woraus sich ein schwerer Gegensatz zwischen R. und dem Böhmenkönig Otakar II. ergab, der sich selbst Hoffnungen auf die Krone gemacht hatte. Die Krönung nahm dreiundzwanzig Tage später der Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg in Aachen vor.

Als neuer König hatte R. vor allem fünf Ziele: Zunächst war es ihm ein Anliegen, verloren gegangenes Reichsgut wieder in königliche Hand zu bekommen (Revindikation genannt). Hierzu legte er auf drei Hoftagen (1274/75) in Nürnberg, Würzburg und Augsburg wichtige Grundlagen. Dann sollten Frieden und Recht im Reich wiederhergestellt werden; hierzu erneuerte R. den Mainzer Landfrieden von 1235 mehrfach (1287 und 1291) und griff persönlich streng beispielsweise in Thüringen durch, war aber bei der Durchsetzung des Friedens auch und vor allem auf die Hilfe der lokalen weltlichen und geistlichen Fürsten angewiesen und daher nicht vollkommen erfolgreich. In den Zusammenhang mit R.s Rechts- und Friedenspolitik gehörte auch sein stringentes Vorgehen gegen den widerspenstigen Böhmenkönig Otakar II., dem er 1275 den Prozess machte und über den er Ende Juni 1276 die Reichsacht verhängte, denn der Böhme hatte sich auch die südostdeutschen Herzogtümer der Babenberger wie Österreich und Steiermark widerrechtlich angeeignet. Im Herbst 1276 rückte R. in jene Territorien ein, wonach beide Parteien im November zunächst den Frieden von Wien schlossen und sich der Böhme R. unterwarf. Allerdings war Otakar nicht gewillt, dies dauerhaft hinzunehmen, sodass es zwischen ihm und R. zur militärischen Konfrontation kommen musste, die er am 26. August 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut in Niederösterreich mit dem Leben bezahlte. Daraufhin schloss der König mit den Böhmen einen Ausgleich, der unter anderem eine Doppelhochzeit zwischen den Habsburgern und Przemysliden beinhaltete: R.s Tochter Guta (1271-1297) heiratete Otakars Sohn Wenzel II. von Böhmen (1271-1305), während sein Sohn Rudolf (1270-1290) Wenzels Schwester Agnes (1269-1296) ehelichte. Die ehemals babenbergerischen Territorien zog R. ein und vergab sie später an seine Söhne.

Hatte R. Böhmen erfolgreich in die Schranken gewiesen, so war er bei der Erreichung seines vierten und fünften Zieles weniger oder gar nicht erfolgreich. Zwar erreichte er eine recht schnelle Anerkennung seines Königtums durch Papst Gregor X. (26. September 1274), jedoch blieb sein Wunsch nach einer Kaiserkrönung in Rom unerfüllt. Unter anderem aus diesem Grunde war es ihm nicht möglich, die Königskrone innerhalb seiner Familie zu halten, das römische Königsamt also erblich zu machen. Als er dennoch versuchte, seinen ältesten Sohn Albrecht als Nachfolger auf dem Thron durchzusetzen, zeigten sich die Fürsten nicht bereit, ihm in diesem Ansinnen zu folgen und wählten nach seinem Tod den Grafen → Adolf von Nassau zum König.

Dennoch kann man die Herrschaft des Stammvaters aller späteren Habsburger durchaus als Erfolg werten. Er brachte dem Reich neue Stabilität, die es nach den chaotischen letzten Jahren der Staufer und des Interregnums auch dringend benötigte. Ferner legte er die Grundlagen für den späteren Aufstieg seiner Familie (Hausmachtpolitik) und konnte die verschiedenen Teile des Reiches, zu denen auch das Arelat zählte, wieder enger zusammenführen.

Nassau-Wiesbaden-Idstein (1292-1298)

Adolf von Nassau, * vor 1250, † (erschlagen) bei Göllheim 2. 7. 1298; römischer König (1292-1298) sowie Graf von Nassau (1277-1298). A. war der älteste Sohn des Grafen Walram II. von Nassau, dem er 1277 in der Grafenwürde für Nassau folgte. Aus solcher beherrschte er ein Gebiet, das südlich der Lahn lag und u. a. Wiesbaden und Idstein umfasste. Ferner hatte er verschiedene Vogteien (unter anderem über Weilburg) inne. Des Weiteren war er Hauptmann verschiedener Burgen. 1280-1283 war A. an der Nassau-Eppsteinischen Fehde beteiligt, in deren Verlauf die Stadt Wiesbaden zerstört wurde. Bereits 1270 hatte A. Imagina von Isenburg-Limburg (1255-1318) geheiratet. Aus der Ehe stammten acht Kinder.

In Königsnähe kam A. durch Vermittlung seines Onkels Eberhard I. von Katzenelnbogen. König → Rudolf I. scheint A. geschätzt zu haben, denn der Graf ist mehrfach in der Nähe Rudolfs bezeugt und wurde von ihm mehrfach mit Besitzungen und Ämtern belehnt. Es gelang Rudolf gegen Ende seiner Herrschaft nicht, seinen Sohn → Albrecht I. als Nachfolger zu etablieren. Gewählt wurde stattdessen auf Veranlassung des Kölner Erzbischofs Siegfried von Westerburg A. (5. 5. 1292). Der Graf untermauerte seine Wahl wiederum mit teils sehr weit gehenden Versprechungen. So sagte er dem Kölner Metropoliten umfangreiche Besitzbestätigungen und 25000 Mark Silber zu, ferner den Schutz gegen Feinde. Des Weiteren verpflichtete sich A. dazu, der Politik der Fürsten und ihren Forderungen Rechnung zu tragen. Daraufhin fand am 24. 6. 1292 A.s Krönung statt.

Freilich wollte er schon kurz nach seiner Wahl nichts mehr von seinen Zusagen wissen und begann, obwohl oft in finanziellen Nöten, eine selbstständige und von den Fürsten weitgehend unabhängige Politik zu betreiben, die sehr bald den Widerstand der Kurfürsten provozierte. So schloss er 1294 mit → Eduard I. von England ein gegen Frankreich gerichtetes Bündnis. Im Innern des Reiches versuchte er, königliche Rechte nachhaltig durchzusetzen, indem er beispielsweise im politisch unruhigen Thüringen intervenierte und dem dortigen Landgrafen Albrecht dem Entarteten sein Territorium abkaufte. Auch die Markgrafschaft Meißen zog er an sich. Auch wenn er seine Erwerbungen nur mit Waffengewalt sichern konnte, so hatte A. zunächst durchaus Erfolg. Ein Landfrieden sollte die aufgewühlte Situation im Reich beruhigen. Doch die Reichsfürsten sahen ihre Rechte durch A.s Handeln immanent verletzt. Zu Pfingsten 1297 schlossen Brandenburg, Sachsen und Böhmen ein gegen A. gerichtetes Bündnis. Die Kölner Kirche blieb dem Bündnis zunächst fern, duldete es jedoch. Wirklich gefährlich wurde der Bund für A. aber erst, als auch Österreich unter dem späteren König Albrecht I. sich seinen Gegnern anschloss und vereinbart wurde, A. abzusetzen und an seiner Statt Albrecht zum König wählen zu lassen. Mehrere Treffen zwischen den Streitparteien im Mai und Juni 1298 brachten keine Lösung der vertrackten Lage, da A. es ablehnte zu resignieren oder seine Absetzung anzuerkennen. Ohne päpstliche Einbeziehung wurde schließlich ein Gerichtsverfahren gegen A. eingeleitet. Am 23. 6. 1298 wurde die Absetzung des Königs verkündet, die dieser weiterhin nicht hinnehmen wollte. Die Entscheidung zugunsten der Fürsten brachte schließlich die Schlacht bei Göllheim, in der A. sein Leben ließ.

Recht einhellig wird A. von Nassau in der Forschung als eher schwacher Herrscher gesehen, der sich zunächst durch übertriebene Versprechungen in allzu große Abhängigkeit von den Fürsten brachte, um hinterher Versprechungen und Eide zu brechen. So war A.s Herrschaft nur eine kurze und chaotische Episode in der Geschichte des Reiches. A. wiederum wird den Ruf eines kleinen Grafen auf dem Königsthron und den Makel eines Störenfriedes der Fürsten nicht los.

&: C. Reinle: Adolf von Nassau (1292-1298), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, München 2003, S. 360-371.

Habsburger II (1298-1308)

Albrecht I., * Rheinfelden im Juli 1255, † (ermordet) Brugg an der Aare 1. 5. 1308; römischer König (1298-1308), des Weiteren als A. V. Graf von Habsburg (1291-1308) und als A. I. Herzog von Österreich und Steiermark (1282-1308). A. war der älteste Sohn König → Rudolfs I. aus seiner Ehe mit Gertrud Anna von Hohenberg. Nach der Wahl seines Vaters zum römischen König (1273) übernahm er zunächst das Amt des Landgrafen im Ober-Elsass und wurde 1281 Verweser in Österreich und in der Steiermark. Auf dem Reichstag in Augsburg (17. Dezember 1282) wurde er schließlich von seinem Vater mit dem Herzogtum Österreich und auch mit Steiermark belehnt. Mit dem Tode seines Vaters (1291) erbte A. auch die Würde eines Grafen von Habsburg. Mit seiner Gattin Elisabeth von Kärnten, Görz und Tirol (um 1262-1313), die er 1276 geheiratet hatte, hatte er insgesamt 11 überlebende Kinder. Nach einer Vergiftung, die er sich 1295 zugezogen hatte, war A. halbseitig erblindet. A.s Krönung zum römischen König erfolgte am 25. 7. 1298, nachdem noch sein Vater Rudolf an den Reichsfürsten mit dem Ansinnen gescheitert war, A. zu seinem Mitkönig und Nachfolger zu machen. Der Opposition gegen König → Adolf von Nassau schloss er sich erst später an, spielte bald jedoch die führende Rolle. Zu seinen ersten Amtshandlungen als König gehörte der Friedensschluss mit Frankreich, auch den Streit mit Böhmen um Polen konnte A. beilegen. Doch bekam A. bald den Widerstand der Reichsfürsten zu spüren, die seine Expansionspolitik im Reichsinnern bekämpften. Auch A.s teils recht aggressive Art der Durchsetzung von königlichen Rechten war den Reichsfürsten durchaus nicht recht. Der Papst wiederum lehnte A.s Ausgreifen nach außen ab und erkannte sein Königtum erst 1303 vollständig an. Der Plan, seinen Sohn Rudolf als König von Ungarn durchzusetzen scheiterte, jedoch konnte er seinem Haus 1305 die böhmische Königswürde sichern. Schließlich wurde der König im Mai 1308 aufgrund von Erbstreitigkeiten durch seinen Neffen Johann Parricida ermordet.

&: C. Reinle: Albrecht I. (1298-1308), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, München 2003, S. 372-380.

Luxemburger I (1308-1313)

Heinrich VII., * Valenciennes Mitte oder Ende der 1270er Jahre, † Buonconvento b. Siena 24. 8. 1313; römischer König (1308-1312), römischer Kaiser (1312-1313) sowie als H. VII. Graf von Luxemburg (1288-1313). H. war ein Sohn des Grafen Heinrich VI. von Luxemburg und Arlon und seiner Gattin Beatrix von Avesnes. Er selbst heiratete 1292 Margarete von Brabant (um 1275-311). Über seinen Sohn Johann den Blinden (1296-1346) ist er der Großvater Kaiser → Karls IV., seine Tochter Maria (1304-1324) heiratete 1322 König → Karl IV. von Frankreich, das jüngste Kind Beatrix (1305-1319) wurde 1318 Königin von Ungarn.

Nach dem Tod seines Vaters in der s während des Limburgischen Erbfolgestreits wurde der knapp zehnjährige H. 1288 Graf von Luxemburg und Arlon. Als solcher unterstützte er in den Jahren 1294-1297 den französischen König → Philipp IV., den Schönen, in seiner kriegerischen Auseinandersetzung mit England. 1305 begleitete er den Monarchen zur Krönung Papst Klemens’ V. nach Lyon. 1307 machte Philipp seinen Einfluss geltend, um H.s jüngerem Bruder Balduin (1285-1354) den Erzstuhl in Trier zu sichern.

Ohne von der Ermordung König → Albrechts I. (1. Mai 1308) Kenntnis zu haben, rief H. am 11. Mai mit einigen anderen Fürsten ein Bündnis ins Leben, das einem von ihnen die Wahl zum nächsten König ermöglichen sollte, um gleichzeitig die Wahl von Karl von Valois (1270-1325), dem jüngeren Bruder des französischen Königs, zu verhindern, dem Ambitionen auf das römische Königsamt nachgesagt wurden. Am 27. November wurde H. mit sechs von sieben Kurstimmen zum römischen König gewählt und war damit der erste Luxemburger auf dem deutschen Thron. Ohne überhaupt gefragt worden zu sein, stimmte Papst Klemens der Wahl zu und stellte eine mögliche Kaiserkrönung H.s für das Jahr 1312 in Aussicht. Dennoch zog es den neuen König so schnell wie möglich nach Italien, um die Rechte und die Stellung des Kaisers auch in Reichsitalien und im Arelat wieder zu festigen. Bevor er aufbrach, nutzte H. die Gelegenheit, um am 31. August 1310 seinen Sohn Johann den Blinden mit Elisabeth von Böhmen zu verheiraten und so Böhmen dauerhaft an das Haus Luxemburg zu binden.

Ende Oktober erreichte H., begleitet von seinen Brüdern Balduin und Walram und 5000 Mann, Italien, und nicht nur der Dichter Dante (1265-1321) feierte ihn als neuen Heils- und Friedensbringer. Dieser Nimbus schwand allerdings rasch nach seiner Krönung zum König der Langobarden (6. Januar 1311) bei Auseinandersetzungen in Mailand, Cremona und Brescia, bei denen auch sein Bruder Walram ums Leben kam. Auf dem Seeweg (Florenz hatte ihm den Landweg versperrt) erreichte H. am 7. Mai schließlich Rom, und auch hier kam es zu schweren Kämpfen mit Truppen des Bruders des Königs Robert von Neapel. Ende Juni ließ er sich im Lateran (die Peterskirche war für ihn nicht zu erreichen) von Kardinälen zum Kaiser krönen und verließ die Ewige Stadt, nachdem er ein Bündnis mit Aragonien-Sizilien geschlossen hatte, Anfang August 1312 wieder. Die nächste Zeit ging hin mit fruchtlosen Kämpfen mit Florenz. Ende April 1313 verurteilte H. König Robert von Neapel noch wegen verschiedener Majestätsverbrechen und verschied vier Monate später an der Malaria.

Die ältere Forschung sah den ersten Luxemburger auf dem deutschen Thron noch milde lächelnd und eher als Träumer, der von der Größe eines längst überholten universalen Kaisertums phantasierte. Jedoch konnte inzwischen wieder aufgezeigt werden, dass H.s Tun und Pläne durchaus Hand und Fuß hatten und er durchaus in der Lage war, schnell auf die sich ihm bietenden Realitäten und Gelegenheiten zu reagieren.

Wittelsbacher I (1314-1347)

Ludwig IV., der Bayer, * München Februar oder März 1282, nach anderen Angaben bereits Ende 1281, † Puch bei Kloster Fürstenfeld (Fürstenfeldbruck) 11. 10. 1347; römischer König (1314-1328), römischer Kaiser (1328-1347), des Weiteren Herzog von Oberbayern (1294-1347). L. war der jüngere Sohn Herzog Ludwigs II., des Strengen, von Oberbayern und seiner Gattin Mechthild von Habsburg. Seine erste Ehe führte er seit 1309 mit Beatrix von Schlesien-Glogau (1292-1322), die er sehr geliebt haben muss, wie sein jahrelanges Gedenken an sie beweisen mag. 1324 ehelichte er Margarete von Holland (um 1296-1356). Aus beiden Ehen hatte der Wittelsbacher 11 überlebende Kinder.

Über L.s Kindheit und Jugend sind wir nur unzureichend informiert, einen Teil seiner Erziehung erhielt er in Wien. Er stand unter der Vormundschaft seines älteren Bruders Rudolf, erzwang jedoch mit Hilfe seines Onkels Albrecht die Mitregierung in Oberbayern (1301). 1310 nahmen die in keinem guten Verhältnis stehenden Brüder eine Teilung des Besitzes vor, die bis 1313 anhielt. L. erhielt in der Zeit zudem das Sorgerecht über die noch minderjährigen Kinder der niederbayerischen Herzöge Stephan I. und Otto III. Deren Witwen jedoch begaben sich unter den Schutz der Habsburger, die aus diesem Vorgang wiederum das Recht ableiteten, das Territorium Niederbayern für sich beanspruchen zu können. Ihr Ausgreifen konnte L. zurückweisen, als er sie am 9. November 1313 bei Gammeldorf schlug und Niederbayern für die Wittelsbacher sicherte.

Der Sieg über die Habsburger machte L. für die durch den Malaria-Tod Kaiser → Heinrichs VII. notwendig gewordene Neuwahl des römischen Königs interessant, die im Oktober 1314 stattfand und in der der Bayer unter anderem eben durch das Haus Heinrichs, die Luxemburger, unterstützt wurde. Von einer anderen Gruppe wurde der Habsburger → Friedrich der Schöne gewählt, und das Reich erlebte nach 1198 und 1256/57 seine dritte Doppelwahl, deren Konsequenz, nämlich ein erneuter Kampf um den Thron, es jahrelang beschäftigen sollte (bis 1325). Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war die Schlacht bei Mühldorf am Inn, in der L. den überzeugenden Sieg über Friedrich davontrug und den Habsburger in Gefangenschaft führte, die er bis 1325 auf Burg Trausnitz in der Oberpfalz zubrachte. Derweil bemühte sich L. beim Papst vergeblich um die Anerkennung seines Königtums, erreichte nämlich lediglich das Angebot einer Vermittlung im Thronstreit. L.s Antwort war der Beginn einer antipäpstlichen Politik, die auch und natürlich Italien mit einschloss. Ein daraufhin begonnenes päpstliches Rechtsverfahren wies der König mehrfach zurück (1323/24), der Papst antwortete auf diese Aktion wiederum mit dem Bann (23. März 1324). L.s Reaktion war die Bestreitung der Rechtgläubigkeit des Pontifex in der Sachsenhäuser Appellation (24. Mai 1324), woraufhin Johannes XXII. L. alle königlichen Rechte absprach. Dieser suchte nun die Unterstützung im Reich bzw. die Aussöhnung mit den Habsburgern, die durch den Vertrag von München vom 5. September 1325 besiegelt wurde. Der Wittelsbacher anerkannte Friedrich den Schönen als seinen Mitregenten im Reich und beließ den Habsburgern alle während des Streits gemachten Eroberungen. Im Vertrag von Ulm vom 7. Januar 1326 ging L. sogar noch einen Schritt weiter und erklärte, er wolle auf den Thron verzichten, sollte der Papst sich dazu entschließen, einem Habsburger den Thron zu geben. Da der Papst nicht sofort agierte, begab sich L. auf einen in der Zwischenzeit sorgsam vorbereiteten Zug nach Italien (1327-1330) und ließ sich am 17. Januar 1328 zum Kaiser krönen, wobei diese Aufgabe Vertretern der Stadt Rom und somit dem Volk selbst zufiel.

Solcherart gestärkt wurde Papst Johannes XXII. für abgesetzt erklärt und Nikolaus V. als neuer Papst eingesetzt (18. April und 12. Mai 1328). Nach Johannes’ Tod (1334) entspannte sich die Situation unter dessen Nachfolger Benedikt XII. (1334-1342) etwas, jedoch wurde ein 1335 eingeleiteter Absolutionsprozess für L. 1337 wieder abgebrochen, da unter anderem Frankreich sich als Stütze für den Papst erwies und dieser gestärkt agieren konnte. L. schloss derweil ein Bündnis mit England und erhielt am 16. Juli 1338 die Unterstützung des Rhenser Kurvereins, der erklärte:

„1. Nach Recht und seit alters bewährter Gewohnheit des Reiches bedarf einer, der von den Kurfürsten des Reiches oder, selbst bei Unstimmigkeit von der Mehrheit derselben zum römischen König gewählt ist, keiner Nomination, Approbation, Konfirmation, Zustimmung oder Autorität des apostolischen Stuhles für die Verwaltung der Güter und Rechte des Reiches oder für die Annahme des Königstitels.
2. Der Gewählte muss darum nicht notwendig den Papst angehen.
3. Vielmehr ist es seit unvordenklichen Zeiten so gehalten, behauptet und befolgt worden, dass die von den Kurfürsten einmütig oder, wie oben gesagt, von der Mehrheit Gewählten den Königstitel angenommen und die Güter und Rechte des Reiches verwaltet haben und dass sie es nach Recht und Gewohnheit erlaubter Weise tun konnten und können, ohne Approbation und Erlaubnis des genannten apostolischen Stuhles dafür zu erhalten oder zu besitzen … Danach fragten die Kurfürsten die anwesenden Getreuen und Vasallen des Reiches unter ihren dem Reich geleisteten Eiden einzeln, was sie von den beratenen, festgesetzten und verkündeten Reichsrechten und Gewohnheiten hielten. Sie stimmten alle zusammen und jeder einzeln mit denselben oder ähnlichen Worten in Verkündigung, Weisung und Festsetzung endgültig dem zu, wonach der Sinn der Kurfürsten gestanden hatte.“ (Moeglin und Müller, S. 150-151).

Auch der deutsche Episkopat stellte sich hinter L. und wandte sich protestierend an das Kirchenoberhaupt. Insgesamt jedoch konnte dies, das Bündnis mit England und der Kurverein von Rhense L. nur wenig helfen, da weder sowohl die Habsburger von ihrem Thronansprüchen ließen noch die Luxemburger länger stillhalten und den Thron wieder für sich gewinnen wollten. In dieser Situation forderte Papst Klemens VI. 1343 die Kurfürsten auf, erneut zur Wahl zu schreiten, was sie am 11. Juli 1346 taten, indem sie den späteren Kaiser → Karl IV. zum Gegenkönig wählten. Zu einer militärischen Auseinandersetzung um die Krone kam es nicht mehr, da L. eines natürlichen Todes starb (Herzinfarkt auf der Jagd).

Eine Beurteilung L.s fällt nicht ganz leicht. Einerseits hat er „in der langen Reihe der wittelsbachischen Herrscher […] wohl die steilste Karriere vorzuweisen“ (Menzel, 106), da er der Einzige der Familie bleiben sollte, der es im Mittelalter vermochte, die Kaiserwürde zu erlangen. Die territoriale Einheit seine Hausterritoriums Bayern, für die er neben dem Kampf mit dem Papst viel Kraft aufzuwenden hatte, zerfiel bald nach seinem Tod. Seine Auseinandersetzung mit dem Papst konnte er nicht mehr lösen, sondern starb als zweifach Gebannter. Andererseits hat seine energisch betriebene Hausmachtpolitik Bayerns Einflusssphäre zeitweise erheblich bis weit in das Reich hinein ausgedehnt (Brandenburg, Holland), auch wenn hier erneut Abstriche zu machen sind, da eben diese Politik es unter anderem war, die die Mehrheit der Kurfürsten veranlasste, sich schließlich und dem Kurverein zu Rhense zum Trotz gegen den ersten Wittelsbacher auf dem Kaiserthron zu wenden.

&: L. Holzfurtner: Die Wittelsbacher. Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten, Stuttgart 2005, S. 59-92. – M. Menzel: Ludwig der Bayer. Der letzte Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum, in: A. Schmid und K. Weigand (hrsg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III., München 2003, S. 106-117. – M. Menzel: Ludwig IV., der Bayer (1314-1347) und Friedrich der Schöne (1314-1330), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, München 2003, S. 393-407. – J.-M. Moeglin und R. A. Müller (hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. Band 2: Spätmittelalter (1250-1495), Stuttgart 2000, S. 122-170, hier: 150-151. – B. Schneidmüller: Die Kaiser des Mittelalters. Von Karl dem Großen bis Maximilian I., München ²2007, S. 93-96. – H. Thomas: Ludwig der Bayer (1282-1347). Kaiser und Ketzer, Regensburg 1993.

Habsburger III (1314-1330)

Friedrich der Schöne, * Wien um 1289, † Burg Gutenstein in Niederösterreich 13. 1. 1330; römischer Gegenkönig (1314-1330); des Weiteren: Herzog von Österreich (1308-1330, als F. III.), Herzog von Steiermark (1308-1330, als F. I.) und Graf von Habsburg (1326-1330). F. war der zweitälteste Sohn → Albrechts I. aus seiner Ehe mit Elisabeth von Kärnten, Görz und Tirol und wurde nach der Ermordung seines Vaters 1308 Oberhaupt der Familie.

Nach dem zeitigen Tode Kaiser → Heinrichs VII. bewarb F. sich 1314 um dessen Nachfolge, unterlag jedoch Herzog → Ludwig dem Bayern bei der Kur mit 3:4 Stimmen. Endgültig entschieden wurde der Kampf um das Königsamt allerdings erst 1322, als F. Ludwig in der Schlacht bei Mühldorf am Inn deutlich unterlag und in dreijährige Gefangenschaft geführt wurde, die er auf Burg Trausnitz im Tal im Landkreis Schwandorf verbrachte. Nachdem beide Fürsten dann 1325/26 die Reichsregierung gemeinsam geführt hatten, zog sich F. 1326 völlig in seine angestammten Länder zurück. Aus seiner 1314 geschlossenen Ehe mit → Elisabeth von Aragonien hatte F. einen Sohn und zwei Töchter, von denen letztere erwachsen wurden.

Luxemburger II (1346-1400)

Karl IV. (Wenzel), * Prag 14. 5. 1316, † ebd. 29. 11. 1378; römischer Gegenkönig (1346-1347), römischer König (1347-1355), römischer Kaiser (1355-1378) sowie unter anderem König von Böhmen (1347-1378). Der Sohn König Johanns des Blinden von Böhmen und Enkel Kaiser → Heinrichs VII. war viermal verheiratet: Seine Ehefrauen waren Blanka Maria von Valois (1329), Anna von der Pfalz (1349), Anna von Schweidnitz-Jauer (1353) und Elisabeth von Pommern (1365). Zu seinen Söhnen zählen die nachmaligen römischen Könige und Kaiser → Wenzel und → Sigismund. Die Ehen seiner Töchter verschwägerten das Haus Luxemburg unter anderem mit den Königreichen England und Ungarn, aber auch mit den Wittelsbachern und den Habsburgern.

K. erhielt seine Erziehung am französischen Hof und war zeitlebens ein gebildeter Mensch, der Kunst und Wissenschaft nachhaltig förderte und auch selbst schrieb. 1331 schickte ihn der Vater als seinen Vertreter nach Oberitalien, seit 1333 war er wieder in Prag zu finden. 1334 erhielt K. den Titel „Markgraf von Mähren“ und machte sich daran, sowohl Böhmen als auch Mähren zu konsolidieren und suchte den engen Kontakt zur Familie seiner böhmischen Mutter Elisabeth, den Przemysliden. Vielfach wirkte er bis 1346 bei Konflikten als Sachwalter seiner Familie, so unter anderem bei territorialpolitischen Konflikten mit Habsburgern und Wittelsbachern.

1343 forderte Papst Klemens VI. die deutschen Kurfürsten in seinem Konflikt mit Kaiser → Ludwig IV., dem Bayern auf, einen neuen römischen König und damit ein anderes Reichsoberhaupt zu wählen. Dieser Aufforderung kamen am 11. Juli 1346 vier von sieben Kurfürsten nach und wählten den 30jährigen K. zum Gegenkönig, was die Zustimmung des Papstes fand. K. hatte dem Pontifex weitreichende Zusagen machen müssen, es allerdings vermieden, sich ausdrücklich von den Amtshandlungen Ludwigs für Deutschland zu distanzieren. Zu einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Wittelsbacher kam es indes nicht mehr, da im Oktober 1347 Ludwigs natürlicher Tod eintrat. K. konnte den von den Wittelsbachern im Januar 1349 aufgebotenen Gegenkönig Günther von Schwarzburg-Blankenburg rasch überwinden und ließ sich am 17. Juni erneut zum König wählen und im Juli in Aachen krönen. Zu jener Zeit gelang K. auch die Aussöhnung mit den Wittelsbachern (1350).

Als Herrscher tat sich K. auf verschiedenen Gebieten hervor. Zum ersten scheint er der geborene Hausmachtpolitiker gewesen zu sein, was es ihm ermöglichte, den Länderkomplex der Luxemburger beträchtlich zu erweitern. Dabei war K. Politiker genug, um den Einsatz des Geldes nicht zu scheuen. Zudem besaß er genug Augenmaß, den Besitzstand der anderen „großen“ Dynastien nicht anzutasten. In den Jahren 1349 bis 1368 erwarb er so die Oberpfalz, die Niederlausitz, die Mark Brandenburg, die er 1373 auch kaufte, und Schlesien. Die erworbenen Gebiete schloss er der böhmischen Krone an, andere Gebiete, wie das 1354 zum Herzogtum aufgewertete Luxemburg, wiederum überließ er Verwandten. Insgesamt nahm die Hausmachtpolitik bei K. unter den Politikfeldern den ersten Rang ein, das dynastische Denken war bei ihm, der durchdrungen war von echter Frömmigkeit und einem ausgeprägten Amtsverständnis, die oberste Maxime.

K.s Zentrum im Innern war Prag, das er erheblich erweiterte und 1348 um eine Universität bereicherte, die erste Universität im Reich nördlich der Alpen. An seinem Hof versammelte K. führende Künstler und Wissenschaftler seiner Zeit, zu ihnen zählte unter anderem der Bildhauer Peter Parler (um 13330/33-1399), der den Herrscher auch für die Nachwelt festhielt. Zu den Kontakten K.s gehörte ebenso der Dichter Francesco Petrarca (1304-374).

Mit den Päpsten seiner Zeit agierte K. auf Augenhöhe. Eine wirklich erfolgreiche Italienpolitik, wie sie noch seinem Großvater vorgeschwebt hatte, war K. allerdings nicht wichtig. Nachdem er auf einem ersten Zug nach Italien die Kaiserkrone erhalten hatte (1355), begnügte er sich damit, fällige Abgaben einzuziehen und überließ die italienischen Kommunen ansonsten sich selbst. Sein erster Aufenthalt in Rom dauerte nur einen Tag, sodass man durchaus von einem „Kurzbesichtigungsprogramm für besonders Eilige“ (Goez, 216) sprechen kann, wie es Elke Goez getan hat. K.s mangelndes Interesse (er kam ein zweites Mal 1368/69 nach dem Süden) rief nicht nur Begeisterung hervor; viel mehr warf man dem Kaiser vor, lediglich ein kaufmännisch-ökonomisches Interesse mit dem Süden zu verbinden. Als in seinem Todesjahr das Große Abendländische Schisma ausbrach, in welchem drei oder sogar vier Personen gleichzeitig um den Anspruch stritten, der rechtmäßige Papst zu sein, erklärte sich K. für den römischen Pontifex Urban VI., konnte aber letztlich nicht mehr viel ausrichten.

Ähnlich passiv wie im Fall Italien verhielt sich K. auch zu Frankreich, dem er aufgrund seiner guten Beziehungen dorthin in seiner ausgreifenden Politik freie Hand ließ und diese sogar noch dadurch förderte, dass er dem französischen Thronfolger und späteren König → Karl VI. das Vikariat über das Arelat überließ.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist K. auch wegen seiner Reformen auf dem Gebiet des Rechts. Zwar konnte er sich 1355 in Böhmen mit seiner Maiestas Carolina, also dem Versuch, in Böhmen ein allgemeingültiges Landrecht einzuführen, nicht durchsetzen, da der Widerstand des böhmischen Adels zu groß war, doch schuf er 1355/56 mit der Goldenen Bulle für das Gesamtreich quasi ein Art Grundgesetz, das tatsächlich bis 1806 Bestand haben sollte. K. unterstrich selbst die Wichtigkeit dieses Dokument, indem er es als kaiserliches Rechtsbuch bezeichnete. In 31 Kapiteln hält die Bulle die Beschlüsse der Reichstage zu Nürnberg und Metz fest, regelt die Wahl der zukünftigen römischen Könige und verbrieft den Kurfürsten ihre Rechte und Pflichten.

1376 erlebte der Kaiser die Wahl seines Sohnes Wenzel und ordnete testamentarisch sein Erbe. Wenzel sollte neben dem Reich auch Böhmen und Mähren, die böhmischen Lehen und die angrenzenden Territorien regieren, Sigismund erhielt die Mark Brandenburg sowie das Nachfolgerecht auf Wenzel, der jüngste Sohn Johann (1370-1396) wurde Herzog von Görlitz. Im November 1378 starb mit K. ein Kaiser, der vielfach und wohl zu Recht als bedeutendster spätmittelalterlicher Kaiser gesehen wird, der eine Autobiografie über seine Jugend hinterließ und fünf Sprachen fließend beherrschte (Deutsch, Tschechisch, Französisch, Italienisch und Lateinisch), der den Humanismus förderte und als Bauherr hervortrat, aber auch mit Problemen vielfacher Art und Weise konfrontiert wurde. So machte die aufkommende Pest, den Menschen seiner Zeit Angst, weckte Endzeiterwartungen und löste Judenverfolgungen aus, denen K. entgegentrat, gleichzeitig aber auch Niederlagen zu verdauen hatte, die seine Verdienste allerdings nur wenig schmälern. In seiner Frömmigkeit und Heiligenverehrung (Wenzel und Karl der Große) bleibt er voll und ganz Mensch seiner Zeit.

&: E. Goez: Geschichte Italiens im Mittelalter, Darmstadt 2010, hier: S. 216. – E. Hillenbrand (hrsg.): Vita Carolini Quarti. Die Autobiographie Karls IV., Stuttgart 1979. – M. Kintzinger: Karl IV. (1346-1378) mit Günther von Schwarzburg (1349), in: B. Schneidmüller und S. Weinfurter (hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters, München 2003, S. 408-432 (mit weiterführender Literatur und Quellen).

Wenzel der Faule, der Trunkenbold, * Nürnberg 26. 2. 1361, † Schloss Wenzelstein bei Prag 16. 8. 1419; römischer König (1376-1400) und König von Böhmen (1363/78-1419, als W. IV.); des Weiteren: Kurfürst von Brandenburg (1373-1378) und Herzog von Luxemburg (1383-1388). W. war der älteste Sohn Kaiser → Karls IV. aus seiner dritten Ehe. Nachdem zwei Verlobungen mit auswärtigen Fürstentöchtern fehlgingen, heiratete er in erster Ehe 1376 Johanna von Bayern-Straubing-Holland (1362-1386) und nach ihrem Unfalltod 1389 ihre Nichte Sophie von Bayern-München (1376-1428), wobei beide Ehen kinderlos blieben. W. erhielt eine gute Erziehung und begleitete den kaiserlichen Vater, der ihn bereits 1363 zum böhmischen König hatte wählen lassen, auf seinen zahlreichen Reisen, sodass er schon zeitig Einblicke in das Herrscheramt bekam. Im Namen seines Vaters fungierte er als Vermittler bei verschiedenen reichsinternen Streitigkeiten. Bereits 1376 wurde er unter Aufwendung großer Geldsummen zum römischen König gewählt und versuchte nach dem Tod des Vaters vergeblich, dessen Politik fortzusetzen. Seine Erfolge waren, dass er ein Bündnis mit Frankreich zustande brachte (1380) und seine Schwester Anna den jungen König → Richard II. von England ehelichte (1382). Er scheiterte allerdings an der Lösung des Kirchenschismas. Auch gelang es ihm trotz verschiedener Friedensprojekte (1384, 1389) nicht, den Frieden zwischen den Städtebünden (wie jenem in Schwaben) und den Fürsten wiederherzustellen, sodass die politische Lage im Reich äußerst angespannt blieb. Das galt auch für sein Stammland Böhmen, wo es zu schweren Auseinandersetzungen mit Adel und Klerus kam, da W. die Städte bevorzugte, des Weiteren brachte er wegen seiner verfehlten Italienpolitik (W. versuchte seit 1380 und vergeblich, die Kaiserkrönung zu erreichen) und seiner übertriebenen Hausmachtspolitik die Kurfürsten gegen sich auf, die Mehrheit setzte ihn 1400 in einem ordentlich durchgeführten Verfahren ab. Das Absetzungsdekret von 20. August 1400 (Moeglin und Müller, 273-280) warf dem König Trägheit und den Verlust des Ansehens des Reiches sowie die Unfähigkeit vor, das Kirchenschismas adäquat zu lösen. W. erkannte seine Absetzung nicht an, musste aber bald sehen, dass er keine große Unterstützung mehr genoss. Er blieb König von Böhmen, wiewohl er bis 1403 in Gefangenschaft seiner Gegner geriet. In Böhmen tat er sich als ein Förderer der Hussiten hervor. Insgesamt hat dieser römische Herrscher bis heute eher schlechte Bewertungen erfahren, weil er mit seinen guten Anlagen nur wenig anzufangen wusste.

&: J.-M. Moeglin und R. A. Müller (hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. Band 2: Spätmittelalter (1250-1495), Stuttgart 2000, S. 234-280, hier: 273-280.

Wittelsbacher II (1400-1410)

Ruprecht von der Pfalz, * wohl in Amberg/Oberpfalz 5. 5. 1352, † auf Burg Landskron bei Oppenheim 18. 5. 1410; römischer König (1400-1410) und Kurfürst von der Pfalz (1398-1410, als R. III.). Verheiratet war R., der Sohn des Kurfürsten Ruprecht II. von der Pfalz, mit Elisabeth Burggräfin von Nürnberg (1358-1411) aus dem Hause Hohenzollern (9 Kinder). Von den vier rheinischen Kurfürsten und unter Führung des Mainzers Johann von Nassau wurde er nach der Absetzung → Wenzels zum römischen König gewählt und war nach Kaiser → Ludwig IV., dem Bayern, der zweite Wittelsbacher auf dem deutschen Thron. Er war vor allem unter der Voraussetzung gewählt worden, das seit 1378 bestehende Kirchenschisma zu lösen, war hier aber nicht erfolgreich. Im Innern hatte er seit 1405 mit dem Marbacher Bund zu kämpfen, einer Gruppe oppositioneller Adliger und Städte (u. a. Mainz, Bayern, Württemberg, Straßburg, Speyer und Worms), der letztlich zwar nicht erfolgreich war, aber alarmierend deutlich „den im 15. Jahrhundert wachsenden Dualismus zwischen Königtum und Reichsständen“ (Moeglin und Müller, 281) zutage treten ließ. Auch eine wirklich erfolgreiche Italien- oder Kirchenpolitik vermochte R. aufgrund seiner knappen finanziellen Ressourcen nicht zu betreiben; ein 1401 begonnener Italienzug scheiterte auf halbem Wege, da unter anderem Florenz die versprochenen Hilfsgelder nicht zahlte. R. interessierte sich neben Wissenschaft und Gelehrsamkeit zwar auch für kirchliche Reformen, seine Kirchenpolitik blieb aber ohne größere Durchschlagskraft, und das Konzil von Pisa (1409) lehnte er ab, da es seiner Ansicht nach nicht ordnungsgemäß zustande gekommen war. Er förderte geistige Strömungen und hat so ohne es zu ahnen, durchaus Grundlagen für die Zukunft gelegt. Wirklich erfolgreich regieren konnte R. allerdings „nur“ in seinen Stammlanden, der Pfalz. Hier baute er unter anderem die Zentralverwaltung aus und steigerte ihre Arbeitskraft und –leistung. Für Befremden muss allerdings R.s Verhalten gegenüber den Juden sorgen: Hatte er sie 1390 in der Pfalz des Landes verwiesen, so nahm er sie als römischer König unter seinen Schutz.

&: J.-M. Moeglin und R. A. Müller (hrsg.): Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. Band 2: Spätmittelalter (1250-1495), Stuttgart 2000, S. 280-288, hier: 281.

Luxemburger III (1410-1437)

Jobst von Mähren (auch: Jost, Jodok, Jodokus), * 1354, † Brünn 18. 1. 1411; kurzzeitig römischer König (1410/11) sowie Markgraf von Mähren (1375-1411), Herzog von Luxemburg (1388-1411) und Kurfürst von Brandenburg (1388, endgültig 1397-1411). J.s Vater war Johann Heinrich von Luxemburg, ein jüngerer Bruder Kaiser → Karls IV. J. galt als sehr gebildet, war politisch gesehen aber auch sehr ehrgeizig und machtbewusst. Schon früh war er in die unübersichtliche politische Situation am Königshof und gegen seinen jüngeren Bruder Prokop (1355-1405) involviert, was ihm 1394 eine Gefangennahme durch seine Gegner einbrachte. Da er der älteste der Sprösslinge aus dem Hause Luxemburg war, konkurrierte er, besonders als er Kurfürst von Brandenburg geworden und Vetter → Wenzel abgesetzt sowie der an dessen Statt gewählte → Ruprecht von der Pfalz gestorben war, mit seinem jüngeren Vetter → Sigismund um die römische Krone. Zwar wurde J. bei der Wahl mit 4:3 Stimmen durch die Kurfürsten als römischer König gewählt, jedoch konnte er das Amt nicht mehr wirklich antreten, da er finanziell und gesundheitlich zu angeschlagen war und kurze Zeit später verstarb.

Siegmund (Sigmund, Sigismund), * Nürnberg 15. 2. 1368, † Znaim (Znojmo) 9. 12. 1437; römischer König (1410/11-1433), römischer Kaiser (1433-1437), König von Ungarn (1387-1437), König von Böhmen (1419-1421 und 1436-1437) sowie Markgraf von Brandenburg (1378-1388). S. war nach → Wenzel der zweitälteste Sohn Kaiser → Karls IV. und stammt aus dessen vierter Ehe mit Elisabeth von Pommern (um 1345-1393). Selbst ehelichte er 1385 in erster Ehe Maria, die Erbin des ungarischen Throns (um 1370-1395). 1406/08 heiratete er Barbara von Cilli (um 1390-1451; die Tochter aus dieser Ehe, Elisabeth [1409-1442], amtierte 1438-1439 an der Seite ihres Gatten → Albrecht II. als römische Königin). Beide Gattinnen haben S. bei seiner Regierungstätigkeit unterstützt und zeitweise auch als Regentin vertreten und, wie Barbara von Cilli, Verhandlungen mit Reichsfürsten geführt. Barbara ist darüber hinaus für ihr Interesse an der Alchemie bekannt geworden.

Der künftige Herrscher, der bei den Zeitgenossen als attraktiv, lebenslustig und hoch gebildet galt, verbrachte seine Jugend in der Mark, Ungarn und in Polen; ähnlich wie sein Vater sprach er mehrere Sprachen: Neben Deutsch und Tschechisch waren dies Ungarisch, Kroatisch, Französisch, Lateinisch und Italienisch. 1378 trat er gemäß den väterlichen Anordnungen die Herrschaft in der Mark an, verpfändete sie allerdings zehn Jahre später an seine Cousins → Jobst von Mähren und Prokop.

Ein Jahr zuvor (1387) war S. gegen erhebliche Widerstände des Hauses Neapel-Anjou, das in Ungarn eigene Ambitionen verfolgte, und der mit ihm verbündeten Magnaten König von Ungarn geworden. Der Gegensatz führte so weit, dass Königin Maria für ein Jahr in die Gefangenschaft ihrer Gegner geriet und S. sowohl seinen Bruder Wenzel einschalten musste als auch die Hilfe der Republik Venedig benötigte, um seine Frau zu befreien. Nach der katastrophalen Niederlage S.s und eines Kreuzfahrerheeres vor Nikopolis gegen Sultan Bayezid I. (1396) beschloss der Reichstag vom Temesvar eine Militärreform. S. beschnitt die kirchlichen Einkünfte. Weitere wichtige Einnahmequellen waren der Gold- und Silberbergbau sowie das Salzregal. Insgesamt ist zu beobachten, dass er das Kirchenschisma seiner Zeit dazu nutzte, seine königliche Stellung zu stärken. Das führte freilich zu Verwerfungen mit dem ungarischen Adel, der sein verbrieftes Recht zum Widerstand gegen eine allzu selbstbewusste königliche Politik in Anspruch und S. gefangen nahm (1401). 1403 versuchte erneut das Haus Anjou, seine Ansprüche auf den ungarischen Thron (vergeblich) durchzusetzen. Im Oktober amnestierte S. auf dem Reichstag in Ofen seine Gegner. Zur Integration des ungarischen Adels begründete er 1408 den Drachenorden. In der Folgezeit sah sich Ungarn dann vermehrt türkischen Angriffen ausgesetzt. S. versuchte als ungarischer König insgesamt Städte und Handel zu fördern und holte Deutsche und Italiener ins Land.

[...]

Ende der Leseprobe aus 126 Seiten

Details

Titel
Die Herrscher Deutschlands, Englands und Frankreichs
Untertitel
Das große Fürstenlexikon Band 1
Autor
Jahr
2017
Seiten
126
Katalognummer
V358866
ISBN (eBook)
9783668447219
ISBN (Buch)
9783668447226
Dateigröße
1340 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herrscher, deutschlands, englands, frankreichs, fürstenlexikon, band
Arbeit zitieren
Konstantin Noack (Autor), 2017, Die Herrscher Deutschlands, Englands und Frankreichs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/358866

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Herrscher Deutschlands, Englands und Frankreichs



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden