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Stärkt Europa den Nationalstaat?

Eine Diskussion von Andrew Moravcsiks Konzept des Liberalen Intergouvernementalismus vor dem Hintergrund des Amsterdamer Vertrages

Title: Stärkt Europa den Nationalstaat?

Seminar Paper , 2003 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Andreas Schiel (Author)

Politics - Topic: European Union
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Nach dem Abschluss des Amsterdamer Vertrages durch die Mitgliedsstaaten der EU im Sommer 1997 äußerten sich viele Beobachter enttäuscht über die Ergebnisse. Die gemachten Fortschritte erschienen den Kritikern als zu gering, insbesondere auf die bevorstehende Osterweiterung sah man die EU nach Amsterdam als unzureichend vorbereitet. In den zähen Verhandlungen der Regierungskonferenz schienen die erhofften Reformen steckengeblieben zu sein. In einem Artikel des European Policy Centre heißt es frustriert: „Given the inability of the EU's leaders to confront the task of reform {...} the existing process of intergovernmental conferences to amend and adapt the Union's Treaties has reached the end of its useful life.“ Und die Europa-Experten Christiansen und Jørgensen behaupten: „If anything, Amsterdam, in its high incidence of ‚non decisions’ has further formalised the way in which governments have accepted their inability to control the process.“ Ganz anders sieht das der Harvard-Professor Andrew Moravcsik. Aus der Perspektive seines ‚Liberalen Intergouvernementalismus’ beurteilt er die Konferenz von Amsterdam als äußerst erfolgreich, oder besser; effizient. Gerade in den relativ bescheidenen Integrationsfortschritten sieht er den Beleg für die zentrale These seines Theorieansatzes, dass auf dem europäischen Parkett nach wie vor die nationalen Regierungen das Sagen haben. Laut Moravcsik haben sich die europäischen Regierungen in Amsterdam in einem rationalen Abwägungsprozess nur auf solche Positionen geeinigt, die ihren jeweiligen nationalen Interessen nicht widersprechen, ungeachtet institutionellen Drucks oder politischen Idealismus. Einschätzungen, die dem europäischen Integrationsprozess eine den nationalstaatlichen Akteuren die Kontrolle mehr und mehr entziehende Eigendynamik zurechnen, stellt sich Moravcsik mit dem rationalistischen Ansatz des Liberalen Intergouvernementalismus entgegen.
In dieser Arbeit soll das Konzept des Liberalen Intergouvernementalismus vor dem Hintergrund des Amsterdamer Vertrages diskutiert werden. In einem ersten Teil wird zunächst Moravcsiks theoretischer Ansatz erläutert. Im Folgenden wird dann dieser Ansatz an Hand unterschiedlicher Betrachtungsweisen der Konferenz von Amsterdam erörtert, wobei die These von der Dominanz nationaler Regierungen im Mittelpunkt steht. Abschließend steht eine zusammenfassende Einschätzung der gewonnenen Erkenntnisse.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Der Liberale Intergouvernementalismus

I.1 In den Nationalstaaten: gesellschaftliche Akteure

I.2 Zwischen den Staaten: gouvernementale Akteure

II. Der Amsterdamer Vertrag – Triumph nationaler Interessen?

II.1 Amsterdam aus der Perspektive des Liberalen Intergouvernementalismus

II.2 Amsterdam aus anderen Blickwinkeln

III. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Andrew Moravcsiks Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus im Kontext des Amsterdamer Vertrages. Dabei wird der zentralen Forschungsfrage nachgegangen, inwiefern der Integrationsprozess der Europäischen Union tatsächlich von nationalen Regierungen dominiert wird oder ob strukturelle Faktoren und supranationale Dynamiken diesen Einfluss einschränken.

  • Grundlagen des Liberalen Intergouvernementalismus (LI)
  • Analyse der Regierungskonferenz von Amsterdam
  • Rolle nationaler Regierungen vs. supranationale Institutionen
  • Diskussion von "state preferences" und rationalem Bargaining
  • Kritische Betrachtung durch alternative Forschungsansätze

Auszug aus dem Buch

II.2 Amsterdam aus anderen Blickwinkeln

In gleichem Maße, wie die Analysen von Hug und König die Thesen des LI stützen, machen sie auch auf Schwächen des Theorieansatzes aufmerksam. Denn mit dem Versuch, die Präferenzen der an den Verhandlungen von Amsterdam beteiligten Akteure und die Ergebnisse des Vertrages als simple Zahlenwerte darzustellen, demonstrieren sie zwar recht eindrucksvoll die Überführung einer komplexen Realität in ein überschaubares Modell, wecken aber gleichzeitig auch Zweifel an der Verlässlichkeit einer solchen Simplifizierung. Auch wenn Andrew Moravcsik seinerseits keine Zahlenreihen ins Feld führt, so geht seine Argumentation doch einen ähnlichen Weg. Denn während er bei der Betrachtung der Präferenzbildung auf nationaler Ebene noch eine Vielzahl von Akteuren einbezieht, so wählt er bei seiner Analyse der Regierungskonferenz von Amsterdam einen recht eingeschränkten Betrachtungswinkel, der sich auf die Delegationen der verschiedenen nationalen Regierungen konzentriert. Dass Moravcsik auf internationaler Ebene die Bedeutung von Individuen und nongouvernementalen bzw. außerparlamentarischen Gruppierungen nahezu ignoriert, während er ihnen bei der Bildung der „state preferences“ eine wichtige Rolle zuschreibt, ist interessant. Die These, dass es allein die nationalen Regierungen sind, die die europäische Politik bestimmen, soll im Folgenden hinterfragt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik des Amsterdamer Vertrages und Vorstellung der theoretischen Perspektive von Andrew Moravcsik.

I. Der Liberale Intergouvernementalismus: Erläuterung der Grundannahmen des LI, insbesondere der rationalen Präferenzbildung durch gesellschaftliche Akteure und der dominanten Rolle nationaler Regierungen.

I.1 In den Nationalstaaten: gesellschaftliche Akteure: Untersuchung des Bottom-up-Prozesses bei der Entstehung nationaler Interessen.

I.2 Zwischen den Staaten: gouvernementale Akteure: Analyse der intergouvernementalen Verhandlungen als rationales Bargaining zwischen souveränen Staaten.

II. Der Amsterdamer Vertrag – Triumph nationaler Interessen?: Anwendung der LI-Theorie auf die Ergebnisse und den Prozess der Amsterdamer Regierungskonferenz.

II.1 Amsterdam aus der Perspektive des Liberalen Intergouvernementalismus: Darstellung der Argumentation, warum Amsterdam die Dominanz nationaler Regierungen bestätigt.

II.2 Amsterdam aus anderen Blickwinkeln: Kritische Beleuchtung der LI-These durch Einbeziehung struktureller Faktoren und anderer theoretischer Ansätze.

III. Fazit: Abschließende Einschätzung zur Validität des Liberalen Intergouvernementalismus vor dem Hintergrund der Komplexität des europäischen Integrationsprozesses.

Schlüsselwörter

Liberaler Intergouvernementalismus, Amsterdamer Vertrag, Europäische Union, Integration, Regierungskonferenz, nationale Interessen, Präferenzbildung, Supranationalität, Souveränität, Rationalismus, Entscheidungsprozesse, Politische Ökonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert den europäischen Integrationsprozess anhand des Amsterdamer Vertrages und prüft, ob dieser Prozess primär von nationalen Regierungen gesteuert wird.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus, das Verhalten nationaler Regierungen bei EU-Verhandlungen und das Spannungsfeld zwischen nationalen Interessen und supranationalem Druck.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Evaluation der These von Andrew Moravcsik, dass nationale Regierungen auch in einem komplexen Gebilde wie der EU die dominanten Akteure bleiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, der die LI-Theorie auf empirische Daten und wissenschaftliche Analysen (wie z.B. von Hug und König) des Amsterdamer Vertrages anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des LI und die anschließende empirische Erörterung am Fallbeispiel Amsterdam, ergänzt durch konträre Perspektiven.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind der Liberale Intergouvernementalismus, europäische Integration, rationale Akteure, nationale Interessen und der Amsterdamer Vertrag.

Wie bewerten alternative Ansätze den Einfluss des "human factor"?

Autoren wie Bobby McDonagh betonen, dass neben rationalen Interessen auch persönliche Eigenschaften und informelle Beziehungen der Verhandelnden (der "human factor") einen signifikanten Einfluss auf das Verhandlungsergebnis ausüben.

Warum kritisieren Christiansen und Jørgensen den LI-Ansatz?

Sie argumentieren, dass der Fokus des LI auf Regierungen zu eng ist und vernachlässigt, wie tiefgreifende strukturelle Faktoren und Pfadabhängigkeiten den Handlungsspielraum nationaler Akteure bereits vor den eigentlichen Verhandlungen einschränken.

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Details

Title
Stärkt Europa den Nationalstaat?
Subtitle
Eine Diskussion von Andrew Moravcsiks Konzept des Liberalen Intergouvernementalismus vor dem Hintergrund des Amsterdamer Vertrages
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Course
Einführung in die neue politische Ökonomie am Beispiel der Europäischen Union
Grade
2,0
Author
Andreas Schiel (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V36153
ISBN (eBook)
9783638358583
Language
German
Tags
Eine Konzept Liberalen Intergouvernementalismus Hintergrund Amsterdamer VertragesStärkt Europa Nationalstaat Konzept Liberalen Intergouvernementali Einführung Beispiel Europäischen Union
Product Safety
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Quote paper
Andreas Schiel (Author), 2003, Stärkt Europa den Nationalstaat?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36153
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