Der künstliche Mensch. Roboter und Entfremdungsmotiv in Isaac Asimovs "I Robot"


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

1. Einleitung

2. Science Fiction und Gesellschaft
2.1. Science Fiction als Social Fiction
2.2. Kulturelle Funktion von Science Fiction

3. Einordnung der Science Fiction Isaac Asimovs
3.1. Roboter bei Isaac Asimov - Die drei Robotergesetze

4. Die Hauptmotive in der Kurzgeschichtensammlung „I, Robot“
4.1. Eine exemplarische Textanalyse am Beispiel der Kurzgeschichte „Vernunft“
4.2. Die Beziehung zwischen Mensch und Roboter bei Isaac Asimov
4.3. Entfremdungsmotive in „I, Robot“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Science Fiction ist nicht unumstritten innerhalb der literarischen Gattungen. Als noch junges Genre, entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der Industrialisierung und des technischen Wandels1, beschreibt sie die Verbindung von „Wissenschaft“. Dazu zählen technisches Fortschrittsdenken, Konkretisierung von aktuellen und zukünftigen Entwicklungsvisionen und „Fiktion“, das heisst die Thematisierung von Spekulativem, Fiktivem und irrealer Szenarien.2 Assoziierte Motive der Science Fiction reichen von Zeitreisen, Weltraumfahrten, fernen Planeten bis hin zu hochentwickelten Robotern. Die Hausarbeit „Der künstliche Mensch. Roboter und Entfremdungsmotiv am Bespiel von Isaac Asimovs ‚I, Robot’“ soll sich zunächst mit der Einordnung der Science Fiction und insbesondere mit der Science Fiction Isaac Asimovs in die kulturwissenschaftlich ausgerichtete Literaturwissenschaft beschäftigen. Wie wird kulturelle Differenz im Genre der Science Fiction dargestellt? Was ist Social Fiction und wie wird sie bei Isaac Asimov integriert und thematisiert? Welche Konfliktbilder und Entfremdungsmotive werden in der Kurzgeschichtensammlung „I, Robot“ verwendet? Isaac Asimov als der wohl bekannteste Science Fiction Autor konzipierte die berühmten drei Robotergesetze, die nachfolgend für fast alle weiteren Robotermotive und -geschichten aufgegriffen wurden. Welche Rollenverteilung und Charakterzüge werden den Robotern zugedacht - und lässt sich eine lineare Struktur bei „I, Robot“ feststellen? Welche Beziehung zwischen Menschen und Robotern lässt sich erkennen? - Beispielhaft sollen die Hauptmotive der einzelnen Kurzgeschichten von „I, Robot“ auf die vorgenannten Fragen hin beleuchtet werden. Den Hauptteil bildet eine exemplarische Textanalyse mit narratologischen Ansatz. Im Mittelpunkt steht die Analyse der Figuren, wobei besonderes Augenmerk auf die Figurenkonstellation und Figurencharakterisierung gelegt werden soll. Wie wird der Roboter dargestellt und eingeführt. Wie verhalten sich die Protagonisten gegenüber dem „fremden“ und doch selbstgeschaffenem Wesen?

Welche Probleme werden angesprochen und inwiefern spiegeln sich darin soziale Differenzen und Unterschiede? Gleichzeitig sollen Grenzen der von Menschenhand konzipierten Roboter untersucht werden. Welche Probleme und Ängste rufen sie beim Menschen hervor? Welche Wirkung versucht Asimov beim Leser zu erwecken - wie werden Vermenschlichung und soziale Interaktion dargestellt? Abschließend soll zusammengefasst werden, ob und inwiefern der technische Fortschritt mit dem Motiv der Fremdheit einhergeht und wie Isaac Asimov beispielhaft versucht die kulturelle Differenz zu überbrücken und als natürlichen Fortschritt im Sinne einer Weiterentwicklung weiterzudenken.

2.Science Fiction und Gesellschaft

Eine einheitliche Begriffsdefinition für das Genre der Science Fiction zu finden, ist kaum möglich. Jan Fuhse beschreibt eine zweiteilige Science Fiction Definition - nämlich zum Einen Science Fiction als gesellschaftliches Phänomen, das kulturelle Varietäten hervorbringt, die Teil der Gesellschaft sind und zum Anderen Science Fiction als Reflektor für Technik und technische Innovationen. Beides wird von Jan Fuhse als Indikator für gesellschaftliche Beschäftigung mit Technik und der Thematisierung von Bewertungsmaßstäben für Technik gesehen.3 Torben Schröder verweist auf die in der Science Fiction angesprochene Thematik des Fortschritts und der damit einhergehende gesellschaftliche Umbruch. Damit sieht er eine nähere Analyse des Einflusses auf die Gesellschaft begründet.4 Er zeigt auf, dass trotz des häufigen Zukunftsmotivs oftmals gegenwartsbezogene Problematiken thematisiert werden. Gesellschaftlichen und sozialen Einfluss kann auf den Leser durch die Darstellung von möglichen futuristischen Lebensentwürfen genommen werden. Gleichzeitig werfen Verfremdungs- und Entfremdungsmotive einen kritischen Blick auf gegenwärtige Gesellschaftsmodelle.5 Zusätzlich versucht die Science Fiction trotz Notwendigkeit des Novums, anders als die Fantastik, die Andersartigkeit plausibel zu machen und zu erläutern, so dass eine Nachvollziehbarkeit und Identifizierung mit dem eigentlich Fremden und Neuem möglich ist. Dies ist sicherlich auch ein Aspekt des gesellschaftlichen Potentials der Science Fiction.6 Jan Fuhse führt aus, dass durch die textuelle Darstellung von beispielsweise Roboterentwicklung oder künstlicher Intelligenzen die gesellschaftliche Wahrnehmung beeinflusst werden kann. Die Beschäftigung mit Technik und ihren Folgen auf die Gesellschaft spiegeln sich oft in gegenwartsbezogenen Problemstellungen wider oder fokussieren mögliche Folgen von Technisierungen.7 Insgesamt, so fasst er zusammen, spiegelt Science Fiction die Technisierung der Gesellschaft wider.8 Dies kann im positiven Sinne richtungweisend für die jeweilig aktuelle Gesellschaftsstruktur sein und zukunftsorientierte Möglichkeiten aufzeigen oder aber negative Folgen vermitteln, die eine schwerwiegende Veränderung der Gesellschaft durch Technisierung nach sich zieht.9

2.1. Science Fiction als Social Fiction

Die Begriffskombination „Social Fiction“ ist nach Torben Schröder als eine Unterart der Science Fiction zu verstehen, die sich schwerpunktmäßig auf die gesellschaftlichen Faktoren einer Handlung konzentrieren. Dabei verbinden sich zumeist die Themenkomplexe von Technik und Gesellschaft und werden unter dem Gesichtspunkt der gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen von Technik diskutiert.10 Weiter, erklärt Torben Schröder, geht der Begriff der Social Fiction auf einen Artikel von Isaac Asimov zurück, der in diesem erläutert, dass die „social science fiction“ die Auswirkungen des Novums thematisiert.11 Ausgehend von vorangegangener Begriffseingrenzung kann auch die im Hauptteil zu analysierende Kurzgeschichtensammlung Isaac Asimovs als Social Fiction be- trachtet werden. Welche Motive kennzeichnend für diese These sind, wird im dritten und vierten Punkt der Hausarbeit diskutiert. Ebenfalls wird nach Torben Schröder die sogenannte Technikfolgenabschätzung ebenfalls mit der Social Fiction assoziiert, da hierbei vor negativen Auswirkungen gewarnt werden kann und ebenso mit dem Mittel der Vorausschau aktuelle Technikentwicklungen weitergedacht werden können.12 Er trennt hierzu zum Einen die „gadget Science Fiction“, die sich auf die Einschätzung der technischen Konsequenzen konzentriert von der hier erläuterten Social Fiction, die die sozialen Folgen der erstgenannten erörtert.13 Auf die Erläuterung von Utopie und Dystopie als Form der Social Fiction soll im Rahmen dieser Hausarbeit verzichtet werden, da die behandelte Literatur von Isaac Asimov mit der Erklärung zur Thematisierung von sozialen Problemen einhergeht und nicht auf utopische Gesellschaftsbilder zurückgreift.

2.2. Kulturelle Funktion von Science Fiction

Das wohl markanteste Merkmal der Science Fiction ist der ambivalente Charakter, der bereits im Genrenamen festgesetzt ist. Ebenso widersprüchlich wird die Gattung in der kulturellen Literaturlandschaft behandelt. Zum Einen führt die Thematisierung von naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen mit der Trivialität der Fiktion zu Anerkennungsproblemen der bildungskulturellen und öffentlichen Meinung. Zum Anderen verhindert der massenkulturelle Unterhaltungscharakter die Aufnahme in einen konkreten kulturellen Diskurs.14 Dierk Spreen unterscheidet vier grundlegende Aspekte der kulturellen Funktion von Science Fiction. Er differenziert zwischen dem Unterhaltungscharakter von Science Fiction, der sich sowohl im Unterscheiden des Lesers zwischen „fiktivem Als-Ob-Charakter“15 und der Distanz zum normativen Wirklichkeit zeigt, ebenso wie in der Komparabilität von eigenen Wirklichkeitserfahrungen und der textuell dargelegten Realitäts- und Fiktionswelten. Spreen spricht hier auch von „produktivem Lesen“16. Die Handlungsproblematik umfasst den zweiten Aspekt der kulturellen Funktion und verweist innerhalb der Science Fiction auf die aktive Handlungsstruktur, d.h. die Protagonisten befinden sich stets in einer außergewöhnlichen oder schwierigen Lage, in der agiert werden muss. Dies führt dazu, dass der Leser animiert wird, selbständig über soziale Zusammenhänge und Probleme nachzudenken und für diese individuelle Lösungsansätze anzustreben.17 Ein weiterer Funktionsansatz nach Spreen ist die Förderung der Bereitschaft zur Öffnung gegenüber neuer Ideen zum Raumverständnis. Die Thematisierung von künstlicher Intelligenz und ungewöhnlichen Mobilitätstechnologien, die sich jedoch auf fiktive Wirklichkeiten konzentrieren, kann jedoch zu Möglichkeiten technischer Innovationen führen. In diesem Zusammenhang versucht die Science Fiction extraterrestrische Zukunftsphantasien erlebbar zu machen und die Raum- Zeit-Vorstellung aufzubrechen.18 Der letzte Aspekt der kulturellen Funktion, den Spreen anspricht, ist die Relativierung traditioneller Normen und Konventionen, in dem die Science Fiction dem Leser eine Identifikation mit dem Protagonisten ermöglicht und damit die Beschäftigung mit anderen Gesellschaftsmodellen und Welten fördert. Durch den beschleunigten Modernisierungsprozess sind tradierte Normen und Verhaltensweisen einem ständigen Wandel und einer ständigen Beobachtung unterlegen. Die fiktive Reflexion in den Alternativgesellschaften führt somit zu einer möglichen Orientierung und Ordnung.19

3. Einordnung der Science Fiction Isaac Asimovs

„Science Fiction ist ein Zweig der Literatur, der sich mit menschlichen Reaktionen auf Veränderungen in Wissenschaft und Technik befasst.“20

Diese eigene Definition umreißt das Hauptaugenmerk der Asimovschen Science Fiction. Nach Hans Frey geht es bei Isaac Asimov beständig um die literarische Verarbeitung einer durch Technik und Wissenschaft veränderten Außenwelt und deren Bewältigung. D.h. die Bewältigung und Verarbeitung des technischen Fortschritts und Umbruchs steht im Mittelpunkt seiner Handlungen.21

3.1. Roboter bei Isaac Asimov - die drei Robotergesetze

Das Wort für Roboter leitet sich aus dem tschechischen Wort für „Arbeit“- robota ab. Diese mittlerweile allgemein übliche Verwendung für künstliche Intelligenzen geht auf den tschechischen Schriftsteller Karl Capek zurück, der erstmals in seinem Theaterstück „Rossum’s Universal Robots“, kurz „RUR“ genannt, den Begriff des Roboters verwendete.22

Signifikant für Isaac Asimovs Robotergeschichten sind die drei Robotergesetze, die bereits die Grundmotive für seine Vorstellung des künstlichen Menschen umreißen:

„(1) Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.
(2) Ein Roboter muss den Befehlen der Menschen gehorchen - es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum Ersten Gesetz.
(3) Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieses sein Handeln nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerpricht.23

In den Robotergeschichten Asimovs werden stets ethische, moralische und psychologische Probleme angesprochen.24 Die Roboter werden dem Menschen gegenübergestellt und sollen so ein bestimmtes Bild erzeugen beziehungsweise widerspiegeln.25 Die technologische Weiterentwicklung des Roboters kenn-

[...]


1 Hans Esselborn: Die literarische Science Fiction. Kursband. FernUniversität in Hagen 2012. S.11.

2 Maud E. Sieprath: Der Mensch als Schöpfer künstlicher Intelligenz. Implizite Religion im Science Fiction Film. Berlin: Weißensee Verlag 2010. S.66.

3 Jan Fuhse: Einleitung. In: Technik und Gesellschaft in der Science Fiction. Hg. v. Jan Fuhse. Berlin: Lit Verlag 2008, S.6.

4 Torben Schröder: Science Fiction als Social Fiction. Das gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres. Berlin: Lit Verlag 1998, S.1.

5 Vgl. ebd., S.58.

6 Vgl. ebd., S.14-15.

7 Fuhse: Einleitung. In: Technik und Gesellschaft in der Science Fiction. Hg. v. Jan A. Fuhse. Berlin: Lit Verlag 2008. S.9.

8 Vgl. ebd., S.8.

9 Vgl. ebd., S.12.

10 Schröder: Science Fiction als Social Fiction. S.60-61.

11 Vgl. ebd., S.63.

12 Vgl. ebd., S.68.

13 Vgl. ebd., S.69.

14 Dierk Spreen: Kulturelle Funktionen der Science Fiction. In: Technik und Gesellschaft in der Science Fiction. Kultur und Technik Band 09. Hg. v. Jan A. Fuhse. Berlin: Lit Verlag 2008. S.19f.

15 Vgl. ebd., S.23.

16 Vgl. ebd., S.23.

17 Vgl. ebd., S.23-24.

18 Vgl. ebd., S.24-25.

19 Vgl. ebd., S.25-26.

20 Isaac Asimov: Isaac Asimov über Science Fiction. Bergisch Gladbach: Bastei-Verlag Gustav H. Lübbe GmbH 1984. S.17.

21 Hans Frey: Der galaktische Voltaire - Die Welten des Isaac Asimov. Robots und Foundation. Der umfassende Werkreport. München: Martin Meidenbauer Verlagsbuchhandlung 2011. S.23.

22 Sieprath: Der Mensch als Schöpfer künstlicher Intelligenz. S.125.

23 Isaac Asimov: Ich, der Robot. Science-fiction-Erzählungen. Berlin: Verlag Das Neue Berlin 1982. S.50.

24 Thomas Kölsch: Homo Plasticator. Antike Menschenschöpfungsmythen in der Science Fiction. Marburg: Tectum Verlag 2009. S.208.

25 Sieprath: Der Mensch als Schöpfer künstlicher Intelligenz. S.91.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der künstliche Mensch. Roboter und Entfremdungsmotiv in Isaac Asimovs "I Robot"
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Neuere deutsche Literatur und Geschichte der Medienkulturen)
Veranstaltung
Literatur und kulturelle Differenz
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V364690
ISBN (eBook)
9783668444867
ISBN (Buch)
9783668444874
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Isaac Asimov, Roboter, Entfremdungsmotiv, künstlicher Mensch, AI, Sciece Fiction, Social Fiction, Robotergesetz, Textanalyse, kulturelle Differenz, Fortschritt, Gesellschaft, interne Fokalisierung, Binnenerzählung
Arbeit zitieren
Antje Klünder (Autor), 2013, Der künstliche Mensch. Roboter und Entfremdungsmotiv in Isaac Asimovs "I Robot", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/364690

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