Es handelt sich um eine Unterrichtsübung zur Stiltugend der Sprachrichtigkeit.
„Die wichtigste Wirkungsstätte der Rhetorik im Kaiserreich wurde die Schule, der repräsentative Aufführungsort das Theater“, was sich für angehende Lehrer als eine besonders interessante Erkenntnis herausstellt. Schließlich ist die Auffassung Quintilians für den heuten Schulalltag immer noch aktuell, möchte man als Lehrpersonal eine rhetorische Entwicklung im Sprechakt der SuS fördern.
Tatsächlich bieten sich im Unterricht viele Lernmöglichkeiten und Instrumente an, um SuS rhetorisch auszubilden; spricht die moderne Kursgestaltung vom handlungs- und produktionsorientiertem Unterricht, in dem das Lehrpersonal als Begleit-, die Schülerschaft als Hauptakteur fungiert. Dazu gehören häufige Schülervorträge, Präsentationen, Gruppenarbeiten, sowie eigenständiges Verfassen und Umschreiben von Geschichten, Debatten oder auch Inszenierungen von Theaterstücken.
Inhaltsverzeichnis
1. Rhetorik
1.1 Ursprünge und Anfänge
1.2 Stiltugenden und -qualitäten
2. Eckdaten und rhetorischer Hintergrund der Unterrichtsübung
2.1 Sprachrichtigkeit (latinitas / puritas)
2.2 Eckdaten
3. Unterrichtsübung
3.1 Übung 1
3.2 Übung 2
3.3 Übung 3
4. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung der antiken Stiltugend der Sprachrichtigkeit (latinitas/puritas) und überträgt diese auf den modernen Deutschunterricht in Luxemburg, um das Bewusstsein der Schüler für einen bewussten und angemessenen Sprachgebrauch im Kontext einer zunehmend multilingualen Schülerschaft zu fördern.
- Historische Grundlagen und Entwicklung der antiken Rhetorik
- Analyse der klassischen Stiltugenden mit Fokus auf Sprachrichtigkeit
- Herausforderungen der Mehrsprachigkeit im luxemburgischen Schulsystem
- Didaktische Konzepte zur Sensibilisierung für den Fremdwortgebrauch
- Praktische Unterrichtsübung zur kritischen Reflexion über Anglizismen und Lehnwörter
Auszug aus dem Buch
1.1 Ursprünge und Anfänge
„So klar die Aufgabenstellung der Rhetorik mit der Thematisierung der Redekunst umrissen zu sein scheint: der Blick in die Geschichte zeigt alles andere als ein einheitliches Bild.“1 Diese Worte zeigen beides, die teils unsichere Überlieferung der Geschichte der Rhetorik aber auch die Vielfalt, die das Feld mit sich bringt. Festzustellen ist, dass die Frühgeschichte der Rhetorik unvollständig ist, denn es wurden nur wenige Texte erhalten; je weiter man in der Historie zurückschaut, desto unbeträchtlicher werden die bereits geringen Informationen, die für die Wissenschaft wertvoll sind. Weil nur im geringen Maße schriftliche Zeugnisse vorzeigbar sind, gilt „der Übergang von der praktischen Beredsamkeit, die als Naturanlage vorauszusetzen ist und von allen Menschen geübt wird, zu einer reflektierten Beredsamkeit aufgrund eines Kanons von Regeln, Exempeln und Übungen fließend.“2 Dies bedeutet also, dass das Reden nicht naturwüchsig (wie im Schnabel gewachsen), sondern geregelt, normiert, kunstvoll, selbstbestimmend und durchdacht ist. Somit liegt der Rede-Erfolg in der Hand der helfenden Mittel, die im Vollzug des Sprechaktes das Verfahren des Redens habitualisieren.3 Heute ist eine Vielzahl von gängigen Rhetorik-Ratgebern mit falschen Versprechen bekleidet. So rücken Buchtitel, wie „Rhetorik für Dummies“ oder „Schlagfertigkeit in 30 Minuten“, unter Angesicht der klassischen Rhetorik, rasch in eine Absurdität. Demnach unterschieden die griechischen Theoretiker und Philosophen wie Aristoteles nicht zwischen praktischer und theoretischer Rhetorik, denn „die techne rhetorike bezeichnete zugleich die Rhetorik als praktische Fertigkeit wie auch als theoretisches Vermögen“.4
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rhetorik: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Rhetorik von der Antike bis zur Gegenwart und thematisiert das klassische Vierermodell der Stiltugenden.
2. Eckdaten und rhetorischer Hintergrund der Unterrichtsübung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Sprachrichtigkeit (latinitas/puritas) detailliert ausgeführt und in den spezifischen Kontext der luxemburgischen Schullandschaft gesetzt.
3. Unterrichtsübung: Dieser Teil präsentiert konkrete unterrichtspraktische Übungen, die Schüler zur kritischen Auseinandersetzung mit Fremdwörtern und zur bewussten Sprachwahl anregen sollen.
4. Literatur: In diesem Kapitel werden die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Fachbücher aufgelistet.
Schlüsselwörter
Rhetorik, Latinitas, Puritas, Sprachrichtigkeit, Sprachdidaktik, Stiltugenden, Mehrsprachigkeit, Anglizismen, Rhetorische Kommunikation, Unterrichtspraxis, Redekunst, Quintilian, Fremdwörter, Sprachbewusstsein, Sprachpflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der klassischen rhetorischen Stiltugend der Sprachrichtigkeit auf den zeitgenössischen Deutschunterricht, insbesondere in einem multilingualen Umfeld wie dem luxemburgischen Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Rhetorik, die philologische Einordnung von Sprachrichtigkeit (latinitas) sowie die didaktische Umsetzung von Übungen zur kritischen Sprachreflexion bei Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Schülern ein Bewusstsein für den Gebrauch von Fremdwörtern und Anglizismen zu vermitteln, um eine reflektierte und angemessene Ausdrucksweise im Deutschen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse zur klassischen Rhetorik sowie auf die Erstellung von fachdidaktisch begründeten Unterrichtsbausteinen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition von Stiltugenden und eine praktische Analyse, gefolgt von konkreten Anleitungen für den Unterricht, um Schüler aktiv in den Prozess der Sprachbildung einzubeziehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rhetorik, Sprachrichtigkeit, Mehrsprachigkeit, didaktische Unterrichtsübung und Sprachpflege definiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen latinitas und puritas relevant?
Die Unterscheidung hilft, grammatikalische Korrektheit von einem generellen rhetorischen Anspruch an einen stilistisch angemessenen Ausdruck zu trennen, was für das Verständnis von Sprachwandel essenziell ist.
Wie trägt die Unterrichtsübung zur Förderung der Schüler bei?
Durch die aktive Auseinandersetzung mit Fremdwörtern und deren Ersetzung durch deutsche Begriffe schulen die Schüler ihre Urteilsfähigkeit über die Angemessenheit von Sprache in verschiedenen Kontexten.
Welche Rolle spielt die Mehrsprachigkeit im luxemburgischen Kontext?
Da in Luxemburg viele Schüler in einem nicht-deutschsprachigen Umfeld aufwachsen, dient das Deutsch als wichtige, aber zunehmend herausfordernde Sprache, die durch rhetorische Übungen bewusster wahrgenommen werden soll.
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- Raoul Michels (Author), 2017, Rhetorik im Unterricht. Stiltugend der Sprachrichtigkeit latinitas / puritas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365323