Wirkungen des unbewussten Denkens in Entscheidungssituationen und unbewusster Prozesse von Entscheidungen


Hausarbeit, 2015

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Unconscious Thought Theory (UTT)
2.1 Prinzipien der UTT
2.1.1 The unconscious thought principle
2.1.2 The capacity principle
2.1.3 The weighting principle
2.2 Kritik an der UTT
2.2.1 Replikationsversuche des UTA Effekts
2.2.2 Methodische Mängel und Alternativerklärungen

3 Unbewusste Prozesse von Entscheidungen
3.1 Pionierstudien von Libet et al. (1983)
3.2 Moderne Umsetzungen der Libet-Experimente
3.3 Alternativerklärung der Befunde von Libet et al. (1983)

4 Diskussion

Literatur

Zusammenfassung

Dijksterhuis et al. (2013) stellen mit ihrer "Unconscious Thought Theory" (UTT) eine Theorie über das menschliche Denken vor, die unter anderem mit ihren Annahmen die Wirkung des unbewussten Denkens in Entscheidungssituationen zeigen soll. Dabei soll unbewusstes Denken im Vergleich zu bewusstem Denken in komplexen Entscheidungssituationen aufgrund der angenommenen größeren Kapazität des Unterbewusstseins (capacity principle) und der besseren Gewichtung von Informationen bei Entscheidungen (weighting principle zu besseren Entscheidungen führen (bez. als "unconscious thought advantage", UTA). In der empirischen Forschung zeigte sich jedoch, dass diese Annahmen so nicht gehalten werden können, da die meisten Studien daran scheitern einen Vorteil des unbewussten Denkens gegenüber dem bewussten Denken zu demonstrieren.

Im neuropsychologischen Bereich wurde gezeigt, dass unbewusste Prozesse (das Bereitschaftspotential und bestimmte Gehirnaktivierungen, insbesondere der Frontopolar- und der Parietalcortex) der bewussten Wahrnehmung einer Entscheidung vorausgehen (Libet et al., 1983, Soon et al., 2008, Bode et al., 2011). Während eine Sichtweise dieser Befunde darin besteht, dass Entscheidungen schon vor einer bewussten Wahrnehmung dieser durch unbewusste Prozesse geformt werden, wird durch andere Autoren (Miller & Schwarz, 2014) gezeigt, dass auch eine Alternativerklärung für die Befunde möglich ist, bei der sich die bewusste Wahrnehmung einer Entscheidung schrittweise entwickelt.

1 Einleitung

Menschen treffen in ihrem Leben eine Vielzahl von Entscheidungen. Meistens gehen sie davon aus, dass sie diese bewusst treffen. Doch ist dem wirklich so, oder sind bewusste Entscheidungen nur eine Illusion unseres Gehirns? Damit stellt sich eine der grundlegendsten Fragen der Menschheit nach der Existenz eines freien Willens.

Annahmen über das Unterbewusstsein und dessen Wirkung sind außerdem weit ver­breitet im menschlichen Denken. Dies spiegelt sich auch in der Sprache wieder. So kennen die meisten von uns wahrscheinlich das Sprichwort, dass man "erst einmal eine Nacht drüber schlafen soll", bevor man eine Entscheidung trifft. Doch ist dieser Ratschlag wirklich berechtigt? Treffen wir "bessere" Entscheidungen, wenn zwischen der Konfrontation mit der Entscheidung und der tatsächlichen Entscheidung Zeit ver­geht?

Diese Hausarbeit soll herausstellen, ob unter gewissen Umständen bestimme Arten der Entscheidungsfindung (bewusstes und unbewusstes Denken) einen Vorteil haben, und wenn ja, welche Prozesse dahinter stecken. Darüber hinaus soll herausgearbeitet werden, inwieweit Entscheidungen schon vor einem bewussten Entscheidungsprozess durch unbewusste kognitive Prozesse beeinflusst werden und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen können.

Zu Beginn wird die von Ap Dijksterhuis, Loran F. Nordgren, Pamela Smith, Don Wegner und Tim Wilson (2013) vorgestellte Theorie ("Unconscious Thought Theory", UTT) mit ihren für die Fragestellung relevanten Prinzipien und der entsprechenden Forschung beschrieben. Anschließend werden die Limitationen dieser Theorie thematisiert und die von einigen Forschern hervorgebrachte Kritik erläutert.

Danach wird auf die Frage eingegangen, ob Menschen Entscheidungen tatsächlich bewusst treffen oder ob dies nur ein kausaler Fehlschluss ist. Zur Klärung dieser Frage soll der Forschungsbereich der Neuropsychologie herangezogen werde, der mittels spezieller Methoden und Verfahren unter anderem versucht solche Fragen zu klären.

2 Unconscious Thought Theory (UTT)

Dijksterhuis et al. (2013) stellen eine Theorie über das menschliche Denken vor, die "Unconscious Thought Theory" (UTT). Diese Theorie beschäftigt sich mit den Stärken und Schwächen des unbewussten- und bewussten Denkens in verschiedenen Situationen und ist nach Aussage der Autoren anwendbar auf viele verschiedene Gebiete, darunter auch das Gebiet der Entscheidungsfindung. (Dijksterhuis et al. S. 5, 2013). Dabei formulieren die Autoren sechs Prinzipien auf Grundlage der Befunde ihrer und weiterer Forschungen.

2.1 Prinzipien der UTT

Anhand der für die Fragestellung relevanten Prinzipien der UTT soll nun dargestellt werden, ob das Unterbewusstsein gegenüber dem Bewusstsein einen Vorteil bei der Entscheidungsfindung hat.

2.1.1 The unconscious thought principle

Nach dem unconscious thought principle gibt es zwei verschiedene Modi des Denkens, das bewusste und das unbewusste Denken. Diese beiden Modi sollen laut den Autoren (Dijksterhuis et al., 2013) in verschiedenen Situationen entsprechend angemessener oder unangemessener sein, um Entscheidungen zu treffen (Dijksterhuis et al., S. 6, 2013).

Dijksterhuis et al. (2013) definieren dabei das bewusste Denken als objekt- oder aufgabenrelevanten kognitiven oder affektiven Gedankensprozess. Dabei liegt das Objekt oder die Aufgabe im Fokus der bewussten Aufmerksamkeit. (Dijksterhuis et al. S.6, 2013). Unbewusstes Denken wird dagegen definiert als objekt- oder aufgabenrelevanter kognitiver oder affektiver Gedankensprozess, bei dem die bewusste Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet ist (Dijksterhuis et al. S.6, 2013).Während die Aufmerksamkeit beim bewussten Denken also auf die Aufgabe oder ein Objekt gerichtet ist und dadurch bewusst darüber nachgedacht wird, wird beim unbewussten Denken die Aufmerksamkeit davon weggelenkt, sodass nicht bewusst darüber nachgedacht werden kann.

Diese beiden Modi bilden den Grundstein der UTT und alle weiteren Prinzipien beziehen sich auf die spezifischen Charakteristika dieser Modi und die damit einhergehenden Vor- und Nachteile in bestimmten Situationen.

2.1.2 The capacity principle

Nach dem capacity principle hat das bewusste Denken nur eine sehr geringe Kapazität. Das Unterbewusstsein hingegen hat laut den Autoren (Dijksterhuis et al., 2013) im Gegensatz zum bewussten Denken keine solche Beschränkung und verfügt über eine weitaus höhere Kapazität (Dijksterhuis et al., S.7, 2013). Aus diesen Annahmen ergibt sich nach der UTT, dass Menschen in komplexen Entscheidungssituationen durch bewusstes Denken nicht alle Informationen, die ihnen zur Verfügung stehen, mit in die Entscheidung einfließen lassen können (Dijksterhuis et al., S.7, 2013).

Dijskterhuis (2004) leitet aus diesen Annahmen die Hypothese ab, dass unbewusstes Denken in komplexen Entscheidungssituationen effektiver ist als bewusstes Denken und zu qualitativ "besseren" Entscheidungen führt. Dieser Effekt wird als unconscious thought advantage (UTA) bezeichnet.

Diese Hypothese wurde von Dijskterhuis (2004) in mehreren Experimenten untersucht, bei denen bei den Probanden durch verschiedene Bedingungen unbewusstes und bewusstes Denken über komplexe Antwortalternativen hervorgerufen wurde. Nach dem capacity principle sollten die Probanden in der Bedingung, in der sie bewusst über die Alternativen dachten, "bessere" Entscheidungen treffen als Probanden, die unbewusst über die Alternativen nachdachten (Dijksterhuis et al. S. 589, 2004). Den Probanden wurden Informationen über vier hypothetische Appartements dargeboten. Diese vier Appartements wurden sowohl durch positive als auch negative Eigenschaften beschrieben, wobei ein Appartement eher positiv beschrieben wurde, eins eher negativ und die anderen beiden neutral. Dabei ist anzumerken, dass die Attribute von vornherein als positiv, negativ oder neutral klassifiziert wurden und jedes Attribut in seiner Dimension (positiv, negativ, neutral) die selbe Gewichtung hatte. Die Bewertung einer Entscheidung als "gut" oder schlecht" lag beim Versuchsleiter und nicht bei den Probanden. Damit wurde die beste Entscheidung als Auswahl des Appartements mit den meisten positiven Attributen angesehen.

Die Probanden sollten nach dem Betrachten der Informationen entweder ihre Präferenz für ein Appartement kundgeben (Experiment 1) oder sich für ein Appartement entscheiden (Experiment 2). In Experiment 2 wurden die Probanden zusätzlich noch gefragt, ob ihre Entscheidung auf einem globalen Urteil oder auf wenigen spezifischen Attributen beruht. Mit dieser zusätzlichen Frage sollte der Vermutung nachgegangen werden, dass durch bewusstes Denken nicht alle Attribute mit in die Entscheidung einfließen können und die Entscheidung letztlich auf nur wenigen Attributen beruht. Darüber hinaus gab es in den Experimenten folgende drei Bedingungen (Dijksterhuis et al., S. 589, 2004).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wirkungen des unbewussten Denkens in Entscheidungssituationen und unbewusster Prozesse von Entscheidungen
Hochschule
Universität zu Köln  (Psychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V366446
ISBN (eBook)
9783668451766
ISBN (Buch)
9783668451773
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unbewusst, Unbewusste, Entscheidung, Entscheidungen, Entscheidungssituation, Entscheidungssituationen, Psychologie, Unbewusstes Denken, Unterbewusstsein, Unbewusste Prozesse, Denken, Gehirn, Unconscious Thought Theory, Unconscious Thought Advantage, UTT, UTA, Gehirnaktivierung, Bereitschaftspotential, Neuropsychologie, Frontopolarcortex, Parietalcortex, Freier Wille, Illusion, kognitive Prozesse, unbewusste kognitive Prozesse, Kognition, kausaler Fehlschluss, Allgemeine Psychologie, funktionelle Magnetresonanztomographie, fMRI, readiness potential, RP, Elektroenzephalogramm, EEG, supplementär-motorisches Areal, SMA, Bewusstes Denken
Arbeit zitieren
Tobias Halter (Autor), 2015, Wirkungen des unbewussten Denkens in Entscheidungssituationen und unbewusster Prozesse von Entscheidungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366446

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