Die Darstellung der Prinzessin in Grimm´schen Märchen und in Disney-Filmen

Ein Vergleich


Facharbeit (Schule), 2017
55 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zur Definition der Prinzessin

3 Warum kam es zu der Veränderung der Prinzessinnenfigur?
3.1 Die Märchenaufschreiber und ihr Einfluss auf die Prinzessinnenfigur
3.2 Begriffserklärung: Emanzipation
3.3 Das Frauenbild im Wandel der Zeit
3.4 Die Disney-Prinzessin im Wandel der Zeit

4 Die Darstellung der Prinzessin im Märchen
4.1 Aussehen
4.1.1 Aussehen anhand des Beispiels Schneewittchen
4.1.2 Aussehen anhand des Beispiels Aschenputtel
4.1.3 Aussehen anhand des Beispiels Dornröschen
4.1.4 Aussehen anhand des Beispiels Froschkönig
4.1.5 Aussehen anhand des Beispiels Rapunzel
4.2 Die Charaktereigenschaften der Prinzessin im Märchen
4.2.1 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Schneewittchen
4.2.2 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Aschenputtel
4.2.3 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Dornröschen
4.2.4 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Froschkönig
4.2.5 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Rapunzel
4.3 Wechselbeziehungen und Interaktionen der Prinzessin im Märchen
4.3.1 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Schneewittchen
4.3.2 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Aschenputtel
4.3.3 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Dornröschen
4.3.4 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Froschkönig
4.3.5 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Rapunzel

5 Die Darstellung der Disney-Prinzessin
5.1 Aussehen
5.1.1 Aussehen anhand des Beispiels Schneewittchen
5.1.2 Aussehen anhand des Beispiels Cinderella
5.1.3 Aussehen anhand des Beispiels Dornröschen
5.1.4 Aussehen anhand des Beispiels Küss den Frosch
5.1.5 Aussehen anhand des Beispiels Rapunzel
5.2 Charaktereigenschaften der Disney-Prinzessinnen
5.2.1 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Schneewittchen
5.2.2 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Cinderella
5.2.3 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Dornröschen
5.2.4 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Tiana
5.2.5 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Rapunzel
5.3 Wechselbeziehungen und Interaktionen der Disney-Prinzessin
5.3.1 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Schneewittchen
5.3.2 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Cinderella
5.3.3 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Dornröschen
5.3.4 Wechselbeziehungen und Interaktionen anhand des Beispiels Froschkönig
5.3.5 Wechselwirkungen und Interaktionen anhand des Beispiels Rapunzel

6 Unterschiedliche Lebensziele bei Märchen- und Disneyprinzessinnen

7 Fazit: Vergleichende Analyse

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

Abstract

Die Prinzessin spielt nicht nur in alten Märchen eine zentrale Rolle, sie ist auch in unserer heutigen modernen Gesellschaft sehr präsent, zum Beispiel als Identi­fikationsfigur für Mädchen. Sie begegnet uns in der Werbung, im Film, in Kinder­büchern und in Kaufhäusern.

Reale Prinzessinnen erregen medial große Aufmerksamkeit und füllen Klatsch­blätter auf der ganzen Welt.

Kulturhistorisch betrachtet hat die Prinzessin einen Wandel vollzogen. Zwar wei­sen die Märchen der Gebrüder Grimm und die Disney-Filme zahlreiche Über­einstimmungen auf, doch gerade im Film des 21. Jahrhunderts verliert die Figur mehr und mehr ihre typischen Eigenheiten. Trotz einiger traditioneller Rückgriffe weisen die Disney-Prinzessinnen des 21. Jahrhunderts eine deutlich emanzipier­tem Haltung auf, was wohl auf gesellschaftliche Veränderungen zurückzuführen ist. Der herrschende Zeitgeist beeinflusst also die künstlerische Gestaltung der Prinzessinnenfigur.

In vorliegender Arbeit wird die Darstellung der Prinzessin in den Grimmschen Märchen und im Disney-Film untersucht. Dafür werden fünf ausgewählte Mär­chen und fünf Disney-Filme herangezogen.

Ein besonderes Augenmerk wird auf die Analyse der Lebensziele der Prinzes­sinnen gelegt.

1 Einleitung

Die Prinzessin ist eine der wohl bedeutendsten Figuren im Genre der Märchen, aber auch im Disney-Film spielt sie eine durchwegs wichtige Rolle. Aus diesem Grund wird in vorliegender Arbeit die Darstellung der Prinzessin im typischen grimmschen Märchen und im Disney-Film erläutert und anschließend gegen­übergestellt. Auch der Aspekt, wie neue Rollenmuster und Geschlechterverhält­nisse den Umgang mit dem stereotyp Prinzessin verändert haben, steht im Fo­kus dieser Arbeit. Das Ziel dabei ist es, die Unterschiede zwischen der Prinzes­sin im Märchen und im Disney-Film zu beleuchten und offenzulegen.

Es handelt sich um eine hermeneutische Literaturarbeit, die dem Fach Deutsch zugeordnet werden kann. Dafür wurden diverse Sekundärliteratur sowie die Dis- ney-Filme „Schneewittchen und die sieben Zwerge“1, „Cinderella“2, „Dornrös­chen“3, „Küss den Frosch“4 und „Rapunzel neu verföhnt“5 herangezogen. Das Filmmaterial ist in Form von Film Stills in die Arbeit eingeflossen. Als Standard­werk zum Thema dient das Buch „Kinder- und Hausmärchen“6 der Brüder Grimm, in dem das gesamte Repertoire der grimmschen Märchen zu finden ist. Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf große Kapitel. Im ersten Kapitel wird eine Definition zur Prinzessin formuliert.

Das zweite Kapitel behandelt gesellschaftliche Veränderungen hinsichtlich der Stellung der Frau im realen Leben, im Märchen sowie im Disney-Film. Es werden Gründe für den Wandel angeführt und der Begriff der Emanzipation wird in die­sem Kontext näher erläutert.

Das dritte Kapitel befasst sich ausschließlich mit der Darstellung der Prinzessin im grimmschen Märchen. In den Unterkapiteln wird detailliert auf das Aussehen, die Charaktereigenschaften, die Wechselbeziehungen und Interaktionen der Prinzessinnen eingegangen. In diesem Zusammenhang werden Beispiele aus den fünf ausgewählten Märchen „Sneewittchen“7, „Aschenputtel,8 „Dornrös- Chen“ 9,„Froschkönig“10 und ,,Rapunzeľ11 angeführt, welche die Standpunkte nochmals unterlegen sollen.

Das vierte große Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit der Disney- Prinzessin. Auch dieses ist jeweils in die drei Unterkapitel Aussehen, Charakter­eigenschaften, Wechselbeziehungen und Interaktionen der Prinzessinnen ge­gliedert und mit Beispielen aus den fünf Disney-Filmen versehen.

Das fünfte und letzte Hauptkapitel stellt die Ziele der Märchenprinzessin denen der Disney-Prinzessin gegenüber. Es werden Beispiele angeführt und erläutert, inwiefern sich die Lebensziele verändert haben.

Im Schlussteil der Arbeit werden die in der Ausarbeitung dargelegten Thesen analysiert und es wird ein Fazit zur veränderten Darstellung der Prinzessin ab­gegeben.

2 Zur Definition der Prinzessin

Zu Beginn der Arbeit wird auf die Frage, wie eine Prinzessin definiert ist, näher eingegangen. Hier muss man sich natürlich im Klaren sein, dass zwischen der Prinzessin im Märchen und im Disney-Film unterschieden werden muss.

Den Satus einer Prinzessin erhält im realen Leben als auch im Märchen und im Disney-Film die „Tochter eines Königs odereines Kaisers“12 oder die Ehefrau ei­nes Prinzen.13

Eine Prinzessin zeichnet sich dadurch aus, dass sie „zu den Obersten eines Landes [gehört]“14 und durch diesen Umstand oft keinen Einblick in die „alltägli­chen Problemefn] des Bürgers“15 hat. Jedoch ist die Prinzessin zugleich „Menschfen] zweiter Klasse“16, da sie stets einen männlichen Vormund - Vater oder Ehemann - hat.17

Selbstverständlich lassen sich verschiedene Definitionen zur Prinzessin finden. Eine wäre zum Beispiel, dass die Prinzessin eine „klassische Figur im Märchen­genre“18 darstellt. Jedoch sei hier erwähnt, dass es die Prinzessin schlechthin nicht gibt. Im Gegenteil, jede Einzelne stellt ein Individuum dar. Jedoch entstand in den letzten Jahrzehnten vor allem in der Literatur durch bestimmte, immer wiederkehrende äußerliche Merkmale Eigenschaften sowie Handlungsmuster „ein traditionelles Prinzessinnenbild“19.20

Die Grimmsche Märchenprinzessin hingegen stellt „die Idealfrau zurzeit des 19. Jahrhunderts“'21 dar. Darunter versteht man eine Aristokratin, welche jedoch zu­gleich die Attribute einer Angehörigen der bürgerlichen Mittelschicht besitzt.22 Im Märchen ist die Prinzessin oftmalig ein „Preis für eine ruhmreiche Tat (...), die Lösung eines Problems (...) oder (...) [der] Sieg[es] in einer ausgeschriebenen Disziplin“23 24 Die Prinzessin im Märchen ist zwar auf wirklich „existierende[n] Cha­raktere[n]“25 bezogen26, doch ihre Darstellung ist sehr unrealistisch.27 Sie ist eher mit einem übernatürlichen Menschen gleichzusetzen.28 Es lässt sich erkennen, dass dies auf den Disney-Film nur teilweise zutrifft.

Hier wäre noch anzumerken, dass man laut Solms29 die Prinzessinnen in zwei Gruppen einteilen kann. Zur ersten Gruppe gehören diejenigen, welche „eine bestimmte Tugend verkörpern [und] (...) in der Regel niederer Herkunft“30 sind.

Zu der anderen Gruppe gehören diejenigen, welche „sich durch Schönheit aus­zeichnen [und] (...) fast immer Königstöchter31 sind. Hier ist jedoch zu beachten, dass diese Einteilung nicht auf alle Märchen zutrifft.32

3 Warum kam es zu der Veränderung der Prinzessin­nenfigur?

Inา vorigen Kapitel wurde definiert, was man unter einer Märchen- bzw. Disney- Prinzessin versteht. Es lässt sich feststellen, dass im Laufe der Zeit diverse As­pekte wie zum Beispiel das Aussehen oder die Charaktereigenschaften der Prin­zessin eine Veränderung durchlaufen haben. Doch warum kam es zu diesem Wandel? Auf diese Frage wird im folgenden Kapitel näher eingegangen.

3.1 Die Märchenaufschreiber und ihr Einfluss auf die Prinzes­sinnenfigur

„Ausschlaggebend für die Erschaffung von Charakteren sind immer die Autoren der Geschichten.“33 Es ist bekannt, dass die Gebrüder Grimm den Kontakt zu weiblichen Märchen-Erzählerinnen pflegten und vielfach von diesen ihre Stoffe bezogen. Rölleke34 behauptet, dass es meist, nur mit vereinzelten Abweichungen, „relativjunge, unverheiratete Damen (...) waren“35. So haben womöglich die „Damen des Kasseler Stadtbürgertums“36 die weiblichen Figuren in den grimm­schen Märchen entsprechend dem Zeitgeist des 19.Jahrhunderts kreiert. Laut Rölleke wurden in die grimmschen Märchen „Idealvorstellung[en]37 jener Zeit aufgenommen. Ab dem Ende des 18.Jahrhunderts sowie ab dem Anfang des 19.Jahrhunderts herrschte „das Rollenmodell des natürlichen Geschlechtscha­rakters“38. Dieses lautete wie folgt: Frauen hatten39

„keinen Subjekt-Status, waren keine mündigen, autonomen Menschen, sondern benötigen eine Geschlechtsvormundschaft, ausgeübt durch den Vater, den Bruder oder den Ehemann. Aufgrund der ihnen zugewiesenen, natürlichen Geschlechtseigenschaften wie Tugend, Sittsamkeit und Fleiß war die ihnen num zugedachte Rolle die der Ehefrau und Mutter. (...) Der Ort von Frauen war das Haus, der Ort von Männern war die Öffentlichkeit.40

Auffallend ist, dass dies vorwiegend auf die Frauen der Mittelschicht zutrifft. „Das arme Mädchen, das das Glück in Gestalt des Königssohns gewinnt, ist eine ldentifikationsfigur41 in der sich die weibliche Allgemeinheit wiedererkennt. Dass die Tätigkeiten der Protagonistinnen in grimmschen Märchen meist auf das Haus begrenzt sind, lässt sich auch auf die Zeit des 19.Jahrhunderts zurückführen. Denn hier gehörte die Verrichtung der Arbeit im Haus „zur Eheprobe“ 42 einer je­den Frau. Unter anderem hatte die „familiäre Ordnung“43 höchstes Gebot im 19.Jahrhundert. Der Vater hatte immer das Sagen und somit Stand die Tochter unter dessen Herrschaft, aus welcher sie erst durch die Heirat entlassen wurde, um in die ihres Gatten überzugehen. Bei der Betrachtung des grimmschen Mär­chens Dornröschen lässt sich auch ein ideologischer Hintergrund erkennen.

Denn bereits ein Jahrhundert zuvor hat die Aufklärung, in der Kant die Selbstän­digkeit der Frau eingefordert hat, begonnen. So könnte man meinen, dass Dorn­röschens Neugierde ihm regelrecht einen Misserfolg beschert, da es sich an der Nadel sticht. So ist in den traditionellen Märchen die emanzipierte Frau stets die Widersacherin und zum Versagen verurteilt. Man kann daher den Schluss zie­hen, dass die weiblichen Protagonistinnen viele Gemeinsamkeiten mit den Frau­en des 19.Jahrhunderts aufweisen.44

3.2 Begriffserklärung: Emanzipation

Der Begriff Emanzipation hat seinen Ursprung im Lateinischen. Seine tatsächli­che Bedeutung gewann er aus „den lateinischen Begriffen ,,e(x)“ (aus, von), „manibus“ ((...)[den Händen]), und„cipere“ (nehmen, greifen, fassen)“45. So könn­te man Emanzipation wortwörtlich mit „aus den Händen nehmen“ oder „Entlas­sung, aus der Hand“46 übersetzen. In der heutigen Zeit hat der Begriff eine durch­aus ähnliche Bedeutung wie im römischen Reich.47

„Heutzutage bedeutet „Emanzipation“ im alltäglichen Gebrauch den aktiven Vorgang, aus einem Zustand der Bevormundung und Abhängigkeit auszu­brechen und zu einem selbstbestimmten, gleichberechtigten und gleichge­stellten Menschen zu werden. “48

3.3 Das Frauenbild im Wandel der Zeit

Das weibliche Idealbild des 19. Jahrhunderts, in welchem die Grimm’schen Mär­chen ihren Ursprung haben, erfuhr im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte eine drastische Veränderung. In Folge wird allerdings nur auf die Darstellung der „Durchschnittsfrau“49 Rücksicht genommen, und nicht auf die einer schon beste­henden emanzipierten Minderheit.50

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte, hat sich die Stellung der Frau stark ge­wandelt. Bei ihren Entscheidungen ist sie noch nie so unabhängig gewesen wie heute. Nach einem langen und steinigen Weg hat die Frau der Gegenwart die Gleichberechtigung mehr oder minder erzielt.51

3.4 Die Disney-Prinzessin im Wandel der Zeit

Flat sich num das Idealbild der Frau im realen Leben geändert, ist dies auch im Disney-Film der Fall.52 Denn einer der Gründe, weshalb Disney so erfolgreich ist, ist schlussendlich, dass sich die Filme mit „zeitlich relevantefn] Themen und da­mit vereinbare^] Rahmengeschichten“53 auseinandersetzen.54 Schließlich gab es im vergangenen Jahrhundert in der abendländischen Bevöl­kerung eine Menge politischer und sozialer Veränderungen.55 Eine der womöglich bedeutendsten war die Emanzipation der Frau. In Anbetracht dessen, dass Dis­ney kein Bahnbrecher ist, sondern sich vielmehr den gewünschten Normen an­passt, konnte dieser drastische Fortschritt nicht negiert werden.56 Somit lässt sich auch bei den Disney-Prinzessinnen des 21. Jahrhunderts ein deutlicher Trend in Richtung Emanzipation erkennen. Man sieht, dass eine Iden­tifikationsfigur, im vorhandenen Fall die Prinzessin, immer eine Gemeinschaft sowie deren Thematiken reflektiert und diese bleiben verständlicherweise nicht gleich.57

So halten in die neusten Disney-Filme des 21 .Jahrhunderts, anders als im Mär­chen, selbstbewusste und emanzipierte Prinzessinnen Einzug. Zu den deutlich unabhängigsten Disney-Prinzessinnen gehören Elsa aus „Die Eiskönigin“58 und Merida aus „Merida-Legende der Highlands“59.60 Trotz ihrer deutlich erkennbaren emanzipierten Botschaft werden diese zwei Prinzessinnen in dieser Arbeit keine Verwendung finden, da sie beide keinen Ursprung in den grimmschen Märchen aufweisen. Doch auch in den Filmen „Küss den Frosch“61 und „Rapunzel- neu verföhnt“62, die beide ihren Ursprung in den grimmschen Märchen aufweisen, lässt sich ein deutlicher Schritt in Richtung Emanzipation erkennen.

4 Die Darstellung der Prinzessin im Märchen

4.1 Aussehen

Die Prinzessin im Märchen ist zumeist durch ihre wahrhaft „surreale Schönheit“63 gekennzeichnet und besitzt häufig goldenes Haar.64 Durch eine rosafarbene Kleidung, eine goldene Krone, Lackschuhe und ein wenig Rouge auf den Wan­gen lässt sich eine Märchenprinzessin für den Fasching zaubern.65

4.1.1 Aussehen anhand des Beispiels Schneewittchen

Im grimmschen Märchen ist Schneewittchen durch besondere Schönheit ge­kennzeichnet. Es wird mit „(...) so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz (...)66 beschrieben. Abgesehen von Schneewitt­chens schwarzem Haar, entsprechen diese äußerlichen Merkmale „dem damali­gen aristokratischen Schönheitsideal“67. Dem Namen hat Schneewittchen seinem Aussehen zu verdanken.68

Schneewittchen „wurde immer schöner“69 und mit gerade einmal sieben Jahren, „war es so schön wie der klare Tag, und schöner als die Königin selbst.“70 Oft wird im Märchen auf Schneewittchens Schönheit hingewiesen, so zum Beispiel durch die Ausrufe der Zwerge „»[W]aS ist das Kind so schön!«“71 Auch bei der Befra­gung des magischen Spiegels, wer num die Schönste sei, antwortet dieser stets: „»Frau Königin, ihr seid die schönste hier, aber Sneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist doch noch tausendmal schöner als ihr.«“'72 Selbst als Schneewittchen bereits auf dem Sterbebett liegt, büßt es nichts von seiner Schönheit ein, denn ,,(...)es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine schönen roten Backen.“'73 Das bezaubernde Aussehen ret­tet Schneewittchen mehrmals das Leben, „weil es so schön war, hatte der Jäger Mitleiden“74 und ließ es laufen, oder weil es die Zwerge nicht übers Herz bringen, das bildschöne Mädchen zu begraben. Das ermöglicht dem Prinzen erst die Be­kanntschaft mit Schneewittchen.75

4.1.2 Aussehen anhand des Beispiels Aschenputtel

Zwar ist auch Aschenputtel eine Schönheit, doch gibt es bei ihm nicht derart vie­le Belege, wie es bei den anderen Königstöchtern der Fall ist. Da Aschenputtel immer einen „grauen alten Kittel“76 trägt und sich nachts „neben den Herd In die Asche legen“77 muss, wird es zu Beginn des Märchens als „staubig und schmut­zig“78 beschrieben. Diesen Umständen verdankt es auch seinen Namen Aschen­puttel. Bei Aschenputtel ist die Wandlung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan besonders gut zu erkennen. Erst am Ball kommt seine wahre Schönheit zum Vorschein. Dies führt dazu, dass seine eigenen Stiefschwestern und seine Stiefmutter es nicht erkennen „und meinten es müsste eine fremde Königstoch­tersein, so schön sah es [Aschenputtel] in dem goldenen Kleid aus.“79 Auch bei den folgenden Bällen „erstaunte jedermann über seine [Aschenputtels] Schön­heit.“80 Man meint, dass Aschenputtel „mit ihrer Schönheit und Anmut für ideale Frauengestalten [im 19.Jahrhundert] steht.“81 82

4.1.3 Aussehen anhand des Beispiels Dornröschen

Auch Dornröschen ist eine wahre Schönheit. So war es schon als Baby so wun­derschön, „dass der König vor Freude sich nicht zu lassen wusste und ein gro­ßes Fest anstellte.“83 Nebst anderer Wundergaben wird Dornröschen bei diesem Fest auch mit Schönheit beschenkt. In Folge wird auch in diesem Märchen im­mer wieder auf die Schönheit der Prinzessin hingewiesen. So wird es als „schö­ne^] schlafende[s] Dornröschen“84 bezeichnet, wird als „(...) schön, sittsam, freundlich und verständig (...)“85 und mit Sätzen wie „war so schön, dass er [der Prinz] die Augen nicht abwenden konnte“86 beschrieben. „Die schlafende Schöne ist das Urbild weiblichen Liebreizes“87 und somit wird auch Dornröschen indirekt durch sein Aussehen gerettet, da der Königssohn ihm den rettenden Liebesbe- weis aufgrund seiner Schönheit gibt.88

4.1.4 Aussehen anhand des Beispiels Froschkönig

Zwar wird die Königstochter in diesem Märchen nicht sehr genau beschrieben, doch dass sie eine Schönheit ist, wird auch hier „ab der Fassung von 1837“89 be­tont. Denn die Königstochter

„(...) war so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich verwunderte [,] so oft sie ihr ins Gesicht schien. “90

Somit erfährt man, dass sie die „Schönste des Universums“91 ist, doch im Laufe des Märchens wird auf ihr Äußeres nicht mehr näher Bezug genommen.92

4.1.5 Aussehen anhand des Beispiels Rapunzel

Wie bereits die anderen vier Prinzessinnen, ist auch Rapunzel eine wahre Schönheit. So wird es „(...) das schönste Kind unter der Sonne“93 genannt. „Ra­punzel hatte lange prächtige Haare, fein wie gesponnen Gold“94, welche eine wichtige Funktion in der Geschichte einnehmen.95 Der Prinz verliebt sich in sein Aussehen und in seine „süßefn] stimme“96.97

4.2 Die Charaktereigenschaften der Prinzessin im Märchen

Meist lassen sich bei der Prinzessin im Märchen typische Charaktereigenschaf­ten eruieren, mit denen sie sich identifiziert. Demnach ist die Königstochter zu­meist gütig, lieb und inaktiv. Des Weiteren besitzt sie eine große Summe an Geld und verkörpert eine gewisse Mühelosigkeit. Oftmals wird sie mit den Adjek­tiven untertänig und unemanzipiert in Verbindung gebracht.98

4.2.1 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Schneewittchen

Schneewittchen wird im Märchen der Brüder Grimm als gerecht, einfühlsam und fromm dargestellt. So isst und trinkt es von jedem Teller und Becher nur ein we­nig, „denn es wollte nicht einem allein alles wegnehmen.“99 Schneewittchens Frommheit lässt sich in der Beschreibung: „und darin [In einem Bettchen] blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein.“100 sehr gut erkennen.101 Auch eine gewisse Schüchternheit lässt sich bei Schneewittchen nachweisen, denn es „erschrak“102, als es bei den Zwergen aus seinem Schlaf erwacht.103 Zugleich lässt sich bei Schneewittchen eine unselbständige als auch weinerliche Art feststellen, denn als es sich im Wald verirrt, „ward ihm so angst, dass es alle Blätter an den Bäumen ansah und nicht wusstef,] wie es sich helfen sollte.“104 Ne­ben seiner Tugendhaftigkeit ist Schneewittchen zugleich durch seine Arglosigkeit gekennzeichnet. Diese macht es auch für die bösen Fallen der Stiefmutter immer wieder empfänglich, sodass es „nicht länger widerstehen“105 kann und eine Hälfte des Apfels zu sich nimmt. Wichtig zu erwähnen ist, dass Schneewittchen nicht aktiv handelt. Schließlich lässt sich an keiner stelle im Märchentext eine Überle­gung Schneewittchens erkennen, wie es seine böse Stiefmutter besiegen könn­te. Somit verkörpert es zugleich eine gewisse Unschuld.106 Überheblichkeit und Stolz liegen Schneewittchen trotz seiner beispiellosen Schönheit fern.107

4.2.2 Charaktereigenschaften anhand des Beispiels Aschenputtel

Aschenputtel verkörpert Tugendhaftigkeit und wird als „fromm und gut“108 be­zeichnet. Seine Frommheit lässt sich nicht zuletzt dadurch erkennen, dass es

[...]


1 Hand, David D.: Schneewittchen und die sieben Zwerge. DVD-Spielfilm. Walt Disney, USA: 2014.

2 Geronimi, Clyde; Jackson, Wilfred u.a.: Cinderella. DVD-Splelfllm. Walt Disney, USA: 2014.

3 Geronlml, Clyde; Reitherman, Wolfgang u.a.: Dornröschen. DVD-Spielfilm. Walt Disney, USA: 2014.

4 Musker, John; Clements, Ron: Küss den Frosch. DVD-Spielfilm. Peter Del Veco, USA: O.J.

5 Greno, Nathan; Howard, Bryon: Rapunzel-Neu verwöhnt. DVD-Spielfilm. Roy Conli, USA: O.J.

6 Grimm, Brüder. Kinder-und Hausmarchen. Band 1. Stuttgart: Reclaim 2014 (Rečiam Univer­salbibliothek Nr.3191).

7 Grimm, 2014, S. 258-266.

8 Grimm, 2014, S. 132-139.

9 Grimm, 2014, S. 247-250.

10 Grimm, 2014, S. 29-32.

11 Grimm, 2014, S. 84-88.

12 Gille, Mirjam: Prinzessin 2005-Imagination und Wirklichkeit einer Figur in verschiedenen Medi­en. Analyse ausgewählter Beispiele. München: 2005. Als Download: http://www.grin.com/de/e- book/74979/prinzessin-2005-irnagination-und-wirklichkeit-einer-figur-in-verschiedenen (Zugriff: 13.09.2016), S. 10.

13 Vgl. Gille, 2005, S. 10.

14 Olile, 2005, S. 13.

15 Gille, 2005, S. 13.

16 Gille, 2005, S. 14.

17 Vgl. Gille, 2005, S. 13-14.

18 Olile, 2005, S. 8.

19 Gille, 2005, S. 10.

20 Vgl. Gille, 2005, S. 8-10.

21 Gille, 2005, S. 13.

22 Vgl. Gille, 2005, S. 13.

23 Gille, 2005, S. 14.

24 Vgl. Gille, 2005, S. 14.

25 Gille, 2005, S. 36.

26 Vgl. Gille, 2005, S. 36.

27 Vgl. Gille, 2005, S. 15.

28 Vgl. Gille, 2005, S. 12.

29 deutscher Germanist (Vgl. Lohr, Matthias: „Sie befreien von Ängsten“. URL: http://www.krelszeltung.de/lokales/nledersachsen/germanlst-wllhelm-solms-ueber-maerchen- 2670087.html (Stand: 20.10.2016, 16:23).

30 Kotthaus, Carolin: Grimm Disney und die Wandlung der Geschlechterrollen. Eine Gender- studle zwischen Märchenbuch und Zeichentrickfilm^ Hamburg: Dlplomlca Verlag 2014, S. 5.

31 Kotthaus, 2014, S. 5.

32 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 5.

33 Kotthaus, 2014, S. 14.

34 deutscher Germanist und Erzählforscher (Vgl. O.V: Rölleke, Heinz. URL: http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/heinz-roelleke-sendung-100.html (Stand: 3.11.2016, 11:15).

35 Kotthaus, 2014, S. 14.

36 Kotthaus, 2014, S. 14.

37 Kotthaus, 2014, S. 14.

38 Kotthaus, 2014, S. 14.

39 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 14.

40 Kotthaus, 2014, S. 14-15.

41 Kotthaus, 2014, S. 15.

42 Kotthaus, 2014, S. 15.

43 Kotthaus, 2014, S. 16.

44 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 14-17.

45 Kreutzer, Saskia Marina: Die Disney-Frau emanzipiert sich: Von der fremdbestimmten Prinzes­sin zur selbstbestimmten Heldin. Mittweida: 28.10.2015. Als Download: http://hsmw.bsz bw.de/files/5871/Bachelorarbeit+Saskia+Kreutzer+-+Die+Disney-Frau+emanzipiert+sich.pdf. (Zugriff: 13.09.2015), S. 5.

46 Kreutzer, 2015, S. 5.

47 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 5.

48 Kreutzer, 2015, S. 5.

49 Kreutzer, 2015, S. 14.

50 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 14-15.

51 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 14.

52 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 68.

53 Kreutzer, 2015, S. 1.

54 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 1.

55 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 1.

56 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 1.; 70.

57 Vgl. Huber, Tobias: Die Prinzessin des 21. Jahrhunderts. Die Verwendung von Figuren aus den Kinder- und Hausmärchen in der neuesten Filmgeschichte. München: 10.03.2011 Als Down­load: http://www.amazon.de/Die-Prinzessin-21-Jahrhunderts-Filmgeschichte/dp/3640927001 (Zugriff: 13.11.2015), S. 16.

58 Lee, Jennifer; Buck, Chris: Die Eiskönigin-Völlig unverfroren. DVD-Spielfilm. Peter Del Vecho, USA: 2014.

59 Andrews, Mark; Purcell, Steve u.a.: Merida-Legende der Highlands. DVD-Spielfilm. Katherine Sarafian, USA: 2012.

60 Vgl. Kreutzer, 2015, S. 68.

61 Musker; Clements, o.J.

62 Greno; Howard, o.J.

63 Gille, 2005, S. 15.

64 Vgl. Gille, 2005, S. 11.

65 Vgl. Gille, 2005, S. 10.

66 Grimm, 2014, S. 258-259.

67 Guömundsdóttlr, Selma: Was steckt hinter und in den grimmschen Märchen. Reykjavik: Mal 2011. Als Download: http://skemman.ls/stream/get/1946/8334/22197/1/Loka_%C3%BAtg%C3%A1fa_af_rltger%C3% B0.pdf(Zugrlff: 8.9.2015), S. 24.

68 Vgl. Guömundsdóttir, 2011, S. 23-24.

69 Grimm, 2014, S. 259.

70 Grimm, 2014, S. 259.

71 Grimm, 2014, S.261.

72 Grimm, 2014, S. 262.

73 Grimm, 2014, S. 265.

74 Grimm, 2014, S. 260.

75 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 5-6.

76 Grimm, 2014, S. 132.

77 Grimm, 2014, S. 133.

78 Grimm, 2014, S. 133.

79 Grimm, 2014, S. 135.

80 Grimm, 2014, S. 136.

81 Kotthaus, 2014, S. 7.

82 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 7.

83 Grimm, 2014, S. 247.

84 Grimm, 2014, S. 249.

85 Grimm, 2014, S. 248.

86 Grimm, 2014, S. 250.

87 Kotthaus, 2014, S. 6.

88 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 6

89 Kotthaus, 2014, S. 6.

90 Grimm, 2014, S. 29.

91 Kotthaus, 2014, S. 7.

92 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 6-7.

93 Grimm, 2014, S. 85.

94 Grimm, 2014, S. 86.

95 Vgl. Kotthaus, 2014, S.7.

96 Kotthaus, 2014, S. 7.

97 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 7.

98 Vgl. Gille, 2005, S. 8; 37.

99 Grimm, 2014, S. 260.

100 Grimm, 2014, S. 260.

101 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 8.

102 Grimm, 2014, S. 261.

103 Vgl. Guömundsdóttir, 2011, S. 25.

104 Grimm, 2012, S. 260.

105 Grimm, 2012, S. 265.

106 Vgl. Kotthaus, 2014, S. 8-9.

107 Vgl. Guömundsdóttir, 2011, S. 29.

108 Grimm, 2014, S. 132.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der Prinzessin in Grimm´schen Märchen und in Disney-Filmen
Untertitel
Ein Vergleich
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
55
Katalognummer
V367066
ISBN (eBook)
9783668458567
ISBN (Buch)
9783668458574
Dateigröße
1170 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit umfasst zahlreiche Beispiele aus den Märchen "Schneewittchen", "Aschenputtel", "Dornröschen", "Rapunzel" und "Froschkönig".
Schlagworte
Märchen, Grimm
Arbeit zitieren
Larissa Cais (Autor), 2017, Die Darstellung der Prinzessin in Grimm´schen Märchen und in Disney-Filmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367066

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Darstellung der Prinzessin in Grimm´schen Märchen und in Disney-Filmen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden