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"Niemand wird schwul, der es nicht ist" - Homosexualität als soziale Konstruktion der Moderne?

Title: "Niemand wird schwul, der es nicht ist" - Homosexualität als soziale Konstruktion der Moderne?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Sabine Krätzschmar (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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[...] Seit etwa 30 Jahren kann man für Deutschland von einer ernsthaft betriebenen Forschung auf diesem Feld Homosexualität sprechen, wobei es bis heute keinen Lehrstuhl für den Forschungsbereich Homosexualität an einer deutschen Universität gibt, gleichwohl aber ein dauerhaft eingerichtetes Forschungsprojekt im Fachbereich Germanistik an der Universität Siegen, das den Zusammenhang zwischen Homosexualität und Literatur untersucht und zu einer regen Diskussion über Homosexualität und Homosexuelle in der Literaturwissenschaft in der jüngeren Vergangenheit beigetragen hat. Man kann wohl nicht mehr von einem tabuisierten Diskurs über Homosexualität sprechen, jedoch wird Homosexualität auch in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts noch mit Vorurteilen und Klischees begegnet. Diese Arbeit widmet sich dem gesellschaftlichen Umgang mit männlicher Homosexualität – von den Autoren des Forschungsfeldes mal als Männerliebe (Heinrich Hössli), mal als mann-männliche Beziehung (Wolfgang Schmale) umschrieben – wobei insbesondere der Wandel im Bewusstsein, in der Selbstwahrnehmung homosexueller Männer und die homosexuelle Subkultur thematisiert werden sollen. Die Arbeit soll einerseits einen Überblick über die Erforschung homosexuellen Verhaltens sowie über die Entstehung und Bedeutung von Begriffen in Bezug auf Homosexualität liefern, andererseits anhand historisch wichtiger Eckpunkte und Zäsuren die Geschichte der Homosexualität und ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung nachzeichnen. Vorab soll ein Überblick über signifikante Begriffe wie Homosexualität, schwul, Subkultur und Milieu als Einstieg in das Thema fungieren. Es stellt sich nach wie vor die Frage, welcher Begriff angemessen ist, um sexuelle oder Liebesbeziehungen zwischen Männern zu umschreiben. Seit wann gibt es den Begriff schwul und in welchem Zusammenhang hat sich seine Verwendung etabliert? In welchen, möglicherweise auch negativ besetzten Zusammenhängen wird der Begriff heute auch noch verwendet? Der Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen (BLSJ) kritisierte beispielsweise unlängst die Verwendung von bestimmten Formulierungen in der Berichterstattung im Mordfall des prominenten Münchner Modeschaffenden Rudolph Moshammer: [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Homosexualität

1.1. Das Forschungsfeld

1.2. Begriffe

1.2.1. Liebe unter Männern – Homosexualität

1.2.2. Der Begriff „schwul“ als Bedeutungsträger

1.2.3. Subkultur

1.2.4. Milieu

2 Zum Selbstbild Homosexueller in der Moderne

2.1. Der „aufklärerische“ Geschlechterdiskurs

2.2. Der „Zwang“ zu homosexueller Identität

2.3. Der Wandel in der Selbstwahrnehmung Homosexueller

2.4. Homosexualität als Konstruktion?

3 „Policey“ und schwule Subkultur (Referatsthema)

3.1. Homosexuelle in der Kaiserzeit und der Weimarer Republik

3.2. Verfolgung – Homosexuelle im Dritten Reich

4 Homosexuelle heute

Schlussbemerkung und Fazit

Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Umgang mit männlicher Homosexualität und analysiert insbesondere den Wandel im Bewusstsein sowie der Selbstwahrnehmung homosexueller Männer im Kontext historischer Zäsuren und der Entstehung einer homosexuellen Subkultur.

  • Analyse der historischen Entwicklung und Bedeutung von Begriffen wie Homosexualität, schwul, Subkultur und Milieu.
  • Untersuchung des Wandels der Selbstwahrnehmung homosexueller Männer in der Moderne.
  • Betrachtung der Rolle der staatlichen "Policey" und Überwachung im historischen Kontext.
  • Diskussion der Konstruktion von Homosexualität im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Identitätsfindung.
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Stigmatisierung und den Möglichkeiten der Entkriminalisierung.

Auszug aus dem Buch

2.4. Homosexualität als Konstruktion?

Bis heute wird immer wieder die Frage nach dem konstruktivistischen oder konstruktionistischen Gehalt des Begriffs und des Verständnisses von Homosexualität gestellt.

Auf die Frage, ob und wie denn die Zweigeschlechtlichkeit und die „wesenhafte“ Zusammengehörigkeit von Mann und Frau eine Realität sein könne, ist Stefan Hirschauer zufolge zunächst eine Antwort geläufig; die der Biologie, aus der folge, dass die Zweigeschlechtlichkeit ein tief verwurzeltes Bedürfnis des Menschen sei und jede abweichende Empfindung zum Bereich des Abnormen zu zählen sei. Die aus „unzähligen spontanen Evidenzen“ bestehende Geschlechterwirklichkeit sei zudem aus der Perspektive der Visualisierung schwer zu leugnen, eben aufgrund offensichtlicher Geschlechtsunterschiede. Nicht zuletzt erfahre jeder Einzelne auch körperlich Unterschiede zwischen den Geschlechtern – auch so werde gesellschaftliche Wirklichkeit bis in die Gegenwart geschrieben, erneuert und aufrechterhalten.

„Zweigeschlechtlichkeit als Wissenssystem“ beruht demnach auf dieser körperlichen Erfahrung und auf einem geschulten Blick zur Unterscheidung von Geschlechtern. Gerade in dieser visuellen Dimension jedoch müsse die Kritik ansetzen. Denn gerade die Darstellung von Geschlechtern, also auch die Annahme von quasikonstruierten Rollen, widerspreche der Annahme, dass die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht naturgegeben ist.

Weder Homosexualität noch Zwittrigkeit bei der Geburt oder der Geschlechtswechsel ließen sich zudem so erklären: Zumindest irritierten derlei „Phänomene“, wie Hirschauer es nennt, die Routinen der Geschlechtskonstruktion. Dabei sei gerade davon auszugehen, dass sie durch die beschriebenen Routinen erst hervorgerufen werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld und die Problematik der Anonymisierung und Erforschung von Homosexualität in Deutschland.

1 Homosexualität: Überblick über die historische Entwicklung der Begrifflichkeiten und deren Rolle im Forschungsdiskurs.

2 Zum Selbstbild Homosexueller in der Moderne: Untersuchung, wie sich durch gesellschaftliche Diskurse ein Zwang zur Identitätsreflexion und eine Konstruktion von Homosexualität ergab.

3 „Policey“ und schwule Subkultur (Referatsthema): Analyse der staatlichen Überwachung und der Lebensbedingungen in der Kaiserzeit, Weimarer Republik und im Nationalsozialismus.

4 Homosexuelle heute: Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation, dem Tabubruch und der Frage nach einer tatsächlichen gesellschaftlichen Normalisierung.

Schlussbemerkung und Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der wechselseitigen Abhängigkeit von Identitätsbildung und gesellschaftlichem Ausschluss.

Schlüsselwörter

Homosexualität, Männlichkeit, Identität, Geschlechterdiskurs, Konstruktionismus, Subkultur, Milieu, Policey, Strafrecht, Ausgrenzung, Stigmatisierung, Emanzipation, Heterosexualität, Sozialwissenschaft, Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Konstruktion männlicher Homosexualität und deren historischer Entwicklung in Deutschland bis zur Gegenwart.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Begriffsgeschichte, die Rolle staatlicher Überwachung (Policey), die Entwicklung von Identitätskonzepten und die Analyse gesellschaftlicher Ausschlussmechanismen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Nachzeichnung der Geschichte der Homosexualität und ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung unter Berücksichtigung des Wandels im Bewusstsein homosexueller Männer.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein konstruktivistischer Ansatz gewählt, der wissenschaftliche Diskurse und historische Zäsuren analysiert, um die Entstehung von Identitäten und Kategorisierungen zu verstehen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffe der Homosexualität, die Analyse des Selbstbildes in der Moderne, die historische Rolle der Polizeiarbeit sowie die aktuelle Situation homosexueller Menschen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Homosexualität, Konstruktionismus, Männlichkeit, Subkultur und die historische Entwicklung des Strafrechts.

Welche Rolle spielt die „Policey“ in dieser Arbeit?

Die Polizei wird als Akteur und Katalysator bei der Durchsetzung juristischer und gesellschaftlicher Normen untersucht, die maßgeblich zur Ausgrenzung und Identitätsbildung Homosexueller beitrugen.

Wie bewertet die Autorin die heutige Situation?

Die Bewertung fällt ambivalent aus: Einerseits gibt es Anzeichen einer Liberalisierung, andererseits wirkt der gesellschaftliche Überbau einer „Zwangsheterosexualität“ weiterhin determinierend auf die Akzeptanz Homosexueller.

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Details

Title
"Niemand wird schwul, der es nicht ist" - Homosexualität als soziale Konstruktion der Moderne?
College
University of Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Zur Konstruktion von Männlichkeit in der Moderne
Grade
1,0
Author
M.A. Sabine Krätzschmar (Author)
Publication Year
2005
Pages
27
Catalog Number
V36811
ISBN (eBook)
9783638363365
Language
German
Tags
Niemand Homosexualität Konstruktion Moderne Konstruktion Männlichkeit Moderne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Sabine Krätzschmar (Author), 2005, "Niemand wird schwul, der es nicht ist" - Homosexualität als soziale Konstruktion der Moderne?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36811
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