[...] Vor wenigen Jahren keimte plötzlich die Hoffnung, die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere das Internet und die boomende ECommerce Branche könnten die Wunderwaffe im Feldzug gegen die Armut sein. Diesem Optimismus wurde in der UNDP Agenda for Action 2000 – 2001 Ausdruck verliehen, dort heißt es: „Information and communications technology (ICT) has become an indispensable tool in the fight against world poverty. ICT provides developing nations with an unprecedented opportunity to meet vital development goals such as poverty reduction, basic healthcare, and education far more effectively than before. Those nations that succeed in harnessing the potential of ICT can look forward to greatly expanded economic growth, dramatically improved human welfare, and stronger forms of democratic government.” Das Internet stellt in der westlichen Welt in der Tat einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar. Wenn man es als sozialisiertes Wissen betrachtet, wird dessen Bildungspotential deutlich. Es bestehen große Hoffnungen, dass sich diese Qualitäten auch auf die Länder der Dritten Welt anwenden lassen. Allerdings stellt die Versorgung der Entwicklungsländer, angesichts deren Ohnmacht selbst die elementarsten Bedürfnisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen, mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien ein gewaltiges Problem dar. Bleibt diese Versorgung jedoch aus, droht die Gefahr der zunehmenden Spaltung der Welt in Menschen, die einen Zugang zu heutiger Informationstechnologie (und somit zu moderner Bildung) haben und in Menschen, denen dieser Zugang verwehrt bleibt, es tritt eine sogenannte Digitale Spaltung (Digital Divide) ein. Daraus resultierend würde die Entwicklung der Dritten Welt, zusätzlich zu ihren schlechten Ausgangsbedingungen, im Vergleich zu den Industrienationen um so langsamer verlaufen, da sie sich nur ungenügend am Internationalen Wissenspool des Internets bedienen kann. Viele Staaten, Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen widmen ihre Arbeit dieser Problematik. Darunter ist auch die 1945 gegründete Weltbank, die es sich in ihrem „Mission Statement“ zu ihrer Aufgabe gemacht hat, den Ärmsten Menschen und Ländern der Welt zu helfen. Diese Hausarbeit betrachtet die Thematik des Digital Divide, sowie die Bemühungen der Weltbank ihm entgegenzuwirken, und untersucht die sich daraus ergebenden Probleme.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Digital Divide
1. Begriff / Weltlage
2. Auswirkungen / Probleme
III. Die Weltbank
1. Einführung
2. infoDev
3. Flagship Initiatives
4. African Virtual University
5. Global Distance EducationNet
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der digitalen Spaltung (Digital Divide) zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und analysiert kritisch die Rolle sowie die Strategien der Weltbank bei dem Versuch, dieser globalen Ungleichheit durch den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) entgegenzuwirken.
- Analyse des "Digital Divide" und dessen sozioökonomische Ursachen.
- Untersuchung der Weltbank-Initiativen zur Förderung von ICT in Entwicklungsländern.
- Kritische Bewertung von Projekten wie infoDev und der African Virtual University.
- Diskussion über kulturelle Herausforderungen und westliche Einflussnahme bei der Entwicklungshilfe.
- Reflektion über die Effektivität und mögliche systemische Probleme der Weltbank-Strategien.
Auszug aus dem Buch
African Virtual University
Am Beispiel der African Virtual University (AVU) soll gezeigt werden, wie schwierig es ist, ein Hilfsprojekt so zu konzipieren, dass es seinen weitreichenden Anforderungen gerecht wird. Das AVU Projekt wurde 1997 von infoDev ins Leben gerufen. Die AVU ist eine virtuelle Hochschule, deren Wirkungsbereich sich mittlerweile auf über 30 afrikanische Länder erstreckt. Sie soll Studenten in Ländern südlich der Sahara ein ICT-gestütztes Studienangebot bieten, dass internationalen Anforderungen gerecht wird: “The goal of AVU is to educate and train world-class scientists, technicians, engineers, business managers, health care providers, and other professionals needed to support economic development in SSA.”32 Außerdem soll durch die AVU verhindert werden, dass Studenten aufgrund des schlechten konventionellen Studienangebots ins Ausland gehen und anschließend dort arbeiten. Dadurch gehen den Entwicklungsländern Akademiker und Wissenschaftler verloren, die ein wichtiges Potential für den Fortschritt im eigenen Lande darstellen.
Das Funktionsprinzip basiert auf dem Anschluss der teilnehmenden Hochschulen an ein Hochgeschwindigkeits-Netzwerk und an deren Ausstattung mit ICT. Dabei arbeiten US-amerikanische und irische Hochschulen mit den afrikanischen Partneruniversitäten zusammen. Die Studenten können auf Video aufgezeichnete oder live übertragene Vorlesungen aus Universitäten der USA und Irland verfolgen und per e-mail mit den Professoren kommunizieren. Das AVU-Projekt bietet Studenten die Möglichkeit auf technischen, medizinischen und wirtschaftswissenschaftlichen Gebieten mit einem US-amerikanischen oder irischen Abschluss zu graduieren. Für Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung bestehen Förderungs- und Weiterbildungsprogramme. Außerdem wurde mit dem Projekt eine online-Bibliothek eingerichtet, die weltweit Zugang zu Fachbüchern und Zeitschriften ermöglicht. Dadurch soll gewährleistet werden, dass für AVU-Absolventen auch nach ihrem Abschluss die Möglichkeit besteht, sich wissenschaftlich zu betätigen.33
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die prekäre Lage in Entwicklungsländern und stellt die Hypothese auf, dass ICT als Werkzeug im Kampf gegen Armut dienen kann, während sie gleichzeitig die Gefahr einer digitalen Spaltung birgt.
II. Digital Divide: Dieses Kapitel definiert den Begriff der digitalen Spaltung und analysiert die technischen, sozioökonomischen und bildungsbezogenen Hürden, die einen globalen Zugang zu ICT verhindern.
III. Die Weltbank: Hier werden die Struktur der Weltbank sowie ihre konkreten ICT-Initiativen wie infoDev, Flagship Initiatives und die African Virtual University detailliert vorgestellt und hinterfragt.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ambitionen der Weltbank zusammen, äußert jedoch deutliche Kritik an der Gefahr einer einseitigen westlichen Einflussnahme und fordert einen respektvolleren Umgang mit kulturellen Eigenheiten.
Schlüsselwörter
Internet, Globalisierung, Weltbank, Digital Divide, Entwicklungsländer, Informationstechnologie, ICT, Armutsbekämpfung, Digitale Spaltung, Bildungsförderung, Entwicklungszusammenarbeit, Wissensgesellschaft, Infrastruktur, infoDev, African Virtual University.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der digitalen Spaltung (Digital Divide) zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und untersucht, inwieweit die Weltbank moderne Technologien nutzt, um diese Kluft zu überbrücken.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Armutsproblematik, der Zugang zu moderner Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT), Bildung, kulturelle Unterschiede in der Wissensvermittlung und die Strategien internationaler Finanzinstitutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Rolle der Weltbank bei der Bekämpfung des Digital Divide kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob die gewählten ICT-Projekte tatsächlich nachhaltig zur Entwicklung in armen Regionen beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Jahresberichten, statistischen Daten internationaler Organisationen wie der ITU und der UNESCO sowie auf den Vergleich verschiedener Hilfsprojekte.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Vorstellung der Weltbank als Institution sowie auf die Analyse spezifischer Programme wie "infoDev", verschiedene "Flagship Initiatives" und die "African Virtual University".
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Digital Divide, Weltbank, Globalisierung, Entwicklungspolitik und ICT-Infrastruktur charakterisiert.
Warum wird die African Virtual University als Fallbeispiel gewählt?
Die AVU dient als Beispiel, um zu verdeutlichen, wie technokratisch konzipierte Projekte trotz guter Absichten an den tatsächlichen Bedürfnissen und kulturellen Voraussetzungen vor Ort scheitern können.
Welche systemische Kritik äußert der Autor an der Weltbank?
Der Autor kritisiert, dass bei Weltbank-Investitionen in ICT oft westliche Firmen profitieren und westliche Wertvorstellungen durch die Projekte in Entwicklungsländer exportiert werden, anstatt lokale Strukturen zu stärken.
- Quote paper
- Tino Mager (Author), 2004, Internet und Globalisierung am Beispiel der Weltbank, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36893