Johanna Possinger untersucht in ihrer 2013 veröffentlichten Dissertation „Vaterschaft im Spannungsfeld von Erwerbs- und Familienleben – „neuen Vätern auf der Spur“ die Gründe für den Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit gelebter Vaterschaft. In ihrer qualitativen Studie beleuchtet Possinger aus einer mikrosoziologischen Perspektive heraus, wie sich Väter an der Fürsorgearbeit ihrer Kinder beteiligen und wie sie die Verpflichtungsbalance zwischen Beruf und Familie organisieren und hierbei auftretende Hindernisse bewältigen.
In der vorliegenden Rezension wird Johanna Possingers Studie beschrieben, nach positiven und negativen Aspekten analysiert und ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse im aktuellen Forschungsstand eingeordnet und bewertet.
Väter wollen mehr sein als nur die finanziellen Ernährer ihrer Familie und Verantwortung bei den direkten Sorgearbeiten ihrer Kinder übernehmen. Dieser gesellschaftliche Wandlungsprozess führt vermehrt auch bei Vätern zu einem Vereinbarkeitsdilemma zwischen Beruf und Familie. Als positiver Anreiz zur beidseitigen Beteiligung der Eltern an der Sorgearbeit ihrer Kinder wurde 2007 das Elterngeld mit den Partnermonaten eingeführt. Elterngelt- und Zeit steht allen zu, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden und kann bis zu vierzehn Monate in Anspruch genommen werden. Im Laufe der Jahre stieg die der Anteil der Väter, die sich familienbedingt eine Auszeit von der Erwerbsarbeit genommen haben. Das Erziehungsgeld, welches 2007 durch das Elterngeld abgelöst wurde, nahmen 2006 lediglich etwa 3 Prozent Väter in Anspruch, während 2007 der Anteil bereits auf 15 Prozent gestiegen ist. Bei den 2011 geborenen Kindern betrug die Väterbeteiligung beim Elterngeld schon 27,3 Prozent, während jedoch bei den Müttern der Anteil bei 95 Prozent lag. Trotz dieser positiven Zahlen zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass die Dauer der Inanspruchnahme relativ gering ausfällt, da 77 Prozent dieser Väter lediglich für maximal zwei Monate Elterngeld in Anspruch genommen haben.
Inhaltsangabe
1. Einleitung
2. Inhaltliche Betrachtung
2.1 Hinführung
2.2 Theorie
2.3 Methodik
2.4 Ergebnisse
2.5 Schlussfolgerung
3. Rezensierende Betrachtung
3.1 Betrachtung der Hinführung
3.2 Betrachtung der Theorie
3.3 Betrachtung der Methodik
3.4 Betrachtung der Ergebnisse
3.5 Betrachtung der Schlussfolgerung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Dissertation von Johanna Possinger auseinander, welche die Gründe für den Widerspruch zwischen dem Wunsch nach gelebter Vaterschaft und der beruflichen sowie familiären Realität untersucht. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Studie in den aktuellen Forschungsstand einzuordnen, methodisch zu bewerten und die Herausforderungen einer modernen Vaterschaft im Spannungsfeld von Erwerbsarbeit und Familie zu beleuchten.
- Vereinbarkeitsdilemma zwischen Beruf und Familie
- Konzeptuelle Analyse „neuer Vaterschaft“ und Care-Arbeit
- Kritische Evaluation qualitativer Forschungsmethodik
- Einfluss betrieblicher und struktureller Rahmenbedingungen
- Bewältigungsstrategien von Vätern in der Praxis
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Väter wollen mehr sein als nur die finanziellen Ernährer ihrer Familie und Verantwortung bei den direkten Sorgearbeiten ihrer Kinder übernehmen. Dieser gesellschaftliche Wandlungsprozess führt vermehrt auch bei Vätern zu einem Vereinbarkeitsdilemma zwischen Beruf und Familie. Als positiver Anreiz zur beidseitigen Beteiligung der Eltern an der Sorgearbeit ihrer Kinder wurde 2007 das Elterngeld mit den Partnermonaten eingeführt. Elterngelt- und Zeit steht allen zu, die sich in einem Arbeitsverhältnis befinden und kann bis zu vierzehn Monate in Anspruch genommen werden (vgl. Bmfsfj 2015: 10). Im Laufe der Jahre stieg die der Anteil der Väter, die sich familienbedingt eine Auszeit von der Erwerbsarbeit genommen haben. Das Erziehungsgeld, welches 2007 durch das Elterngeld abgelöst wurde, nahmen 2006 lediglich etwa 3 Prozent Väter in Anspruch, während 2007 der Anteil bereits auf 15 Prozent gestiegen ist (vgl. Destatis 2008: 1). Bei den 2011 geborenen Kindern betrug die Väterbeteiligung beim Elterngeld schon 27,3 Prozent, während jedoch bei den Müttern der Anteil bei 95 Prozent lag. Trotz dieser positiven Zahlen zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass die Dauer der Inanspruchnahme relativ gering ausfällt, da 77 Prozent dieser Väter lediglich für maximal zwei Monate Elterngeld in Anspruch genommen haben (vgl. Destatis 2013a: 1).
Johanna Possinger untersucht in ihrer 2013 veröffentlichten Dissertation „Vaterschaft im Spannungsfeld von Erwerbs- und Familienleben – „neuen Vätern auf der Spur“ die Gründe für den Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit gelebter Vaterschaft. In ihrer qualitativen Studie beleuchtet Possinger aus einer mikrosoziologischen Perspektive heraus, wie sich Väter an der Fürsorgearbeit ihrer Kinder beteiligen und wie sie die Verpflichtungsbalance zwischen Beruf und Familie organisieren und hierbei auftretende Hindernisse bewältigen. In der vorliegenden Rezension wird Johanna Possingers Studie beschrieben, nach positiven und negativen Aspekten analysiert und ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse im aktuellen Forschungsstand eingeordnet und bewertet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel hin zu aktiveren Vätern und stellt die zentrale Forschungsfrage der rezensierten Studie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor.
2. Inhaltliche Betrachtung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Abschnitte der Studie – Hinführung, Theorie, Methodik, Ergebnisse und Schlussfolgerung – thematisch zusammen.
3. Rezensierende Betrachtung: Eine detaillierte kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Vorgehensweise, der Theoriebildung und den Schlussfolgerungen der Autorin.
4. Fazit: Das Fazit ordnet die Arbeit wissenschaftlich ein und unterstreicht die Relevanz der mikrosoziologischen Perspektive bei der Untersuchung von Vaterschaft und Sorgearbeit.
Schlüsselwörter
Vaterschaft, Elternzeit, Sorgearbeit, Vereinbarkeitsdilemma, Care-Arbeit, Familiengründung, Erwerbsarbeit, qualitative Sozialforschung, neue Väter, Geschlechterrollen, Arbeitsmarkt, Work-Life-Balance, familienfreundliche Unternehmen, Rollenverteilung, mikrosoziologische Perspektive
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit ist eine Rezension der Dissertation von Johanna Possinger, welche das Spannungsfeld zwischen väterlicher Erwerbstätigkeit und dem Wunsch nach aktiver Sorgearbeit für die Kinder untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe „neue Vaterschaft“, „Care-Arbeit“ sowie die strukturellen und betrieblichen Hindernisse, die Väter bei einer egalitären Aufteilung der Familienarbeit erleben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel der rezensierten Studie ist es, herauszufinden, warum trotz egalitärer Wünsche häufig traditionelle Rollenmodelle bei der Aufteilung der Sorgearbeit beibehalten werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Possinger wählt ein qualitatives, exploratives Forschungsdesign mit leitfadengestützten, teilnarrativen biographischen Interviews, ausgewertet nach der Grounded Theory.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Zusammenfassung der Dissertation sowie eine kritische Rezension, in der Theorie, Methodik und Ergebnisse der Untersuchung hinterfragt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Vaterschaft, Elternzeit, Sorgearbeit, Vereinbarkeitsdilemma, Geschlechterrollen und die mikrosoziologische Perspektive auf Familienmodelle.
Welche Kritik äußert die Rezensentin an der Sample-Zusammensetzung?
Die Rezensentin bemängelt, dass die Einteilung in „neue“ und „traditionelle“ Väter anhand des Kriteriums der Elternzeitnutzung methodisch nicht konsequent begründet ist und die Stichprobengröße als zu gering kritisiert wird.
Warum wird Possingers Familienverständnis in Frage gestellt?
Die Rezensentin kritisiert, dass Possinger nur klassische Ehemodelle als „intakte Familien“ definiert, was modernen, vielfältigeren Familienformen der heutigen Zeit nicht gerecht wird.
- Quote paper
- Veronika Waldenmaier (Author), 2015, Väter (nicht) in Elternzeit? Ergebnisse aus Johanna Possingers Dissertation "Vaterschaft im Spannungsfeld von Erwerbs- und Familienleben", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369258