In dieser Ausarbeitung soll folgenden Fragestellungen nachgegangen werden: Welche sind die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Grenzen der beiden Krisenmodelle? Welche Bedeutung haben sie für die Soziale Arbeit? Und wie können die Modelle genutzt werden in der Beratung von Menschen in Krisen bzw. in der Krisenberatung?
Im zweiten Kapitel wird der Krisenbegriff erörtert. Im dritten Kapitel werden verschiedene Krisenarten näher beleuchtet. Daraufhin werden im vierten bis sechsten Kapitel die jeweiligen, genannten Krisenmodelle dargestellt und in den darauffolgenden Kapiteln werden die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Grenzen der Modelle aufgezeigt. Im neunten Kapitel wird die Beratung in der Sozialen Arbeit beleuchtet im Hinblick von Krisenbewältigung und im zehnten Kapitel die Bedeutung für die Soziale Arbeit, welches die Verortung der Modelle in der Sozialen Arbeit beinhaltet. Darauf folgt das Fazit.
Unser Lebensumfeld wird immer komplexer und anforderungsreicher, was zu krisenhaften Zuständen führen kann. Fast jede*r hat selbst schon Krisen erlebt. Gleichzeitig haben wir weniger Orientierungshilfen, viele Entscheidungsmöglichkeiten und kleinere soziale Netzwerke. Wir leben nicht mehr in größeren Familienverbänden und größeren Netzwerken, die Orientierung und Rat geben können. Deshalb ist Krisenbewältigung auch ein wichtiges Feld für die Soziale Arbeit. Es ist notwendig sich professionelle Kompetenz in Bezug auf Krisen anzueignen, um Menschen, die eine Krise nicht alleine bewältigen können und Hilfe aufsuchen, angemessen begleiten zu können.
Es gibt verschiedene Krisentheorien und Modelle. In dieser Hausarbeit sollen zwei Krisenphasenmodelle näher beleuchtet werden. Es geht um das Modell der Krisenverarbeitung in Spiralphasen von Erika Schuchardt und um das Trauerphasenmodell von Verena Kast. Verena Kast hat zwei Krisenmodelle entwickelt. Zum einen das Krisenmodell „Krise als kreativer Prozess“ und das Trauerphasenmodell. Das Trauerphasenmodell ist Gegenstand dieser Hausarbeit ist. Zum besseren Verständnis von Krisenphasen und dem Ansatz von Verena Kast wird aber ebenfalls das Krisenmodell „Krise als kreativer Prozess“ kurz dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Krisenbegriff
3. Krisenarten
4. Krisenphasenmodell nach Erika Schuchardt
4.1 Spiralphase 1: Ungewissheit
4.1.1. Zwischenphase: Unwissenheit
4.1.2 Zwischenphase: Unsicherheit
4.1.3. Zwischenphase: Unannehmbarkeit
4.2. Spiralphase 2. Gewissheit
4.3. Aggression
4.4. Verhandlung
4.5. Depression
4.6. Annahme
4.7. Aktivität
4.8. Solidarität
5. Trauerkrisenmodell von Verena Kast
5.1. Phase des Nicht- wahrhaben-Wollens
5.2. Phase der aufbrechenden Emotionen
5.3. Phase des Suchens und Sich-Trennens
5.4. Phase des neuen Selbst- und Weltbezuges
6. Krisenmodelle nach Kast: Krise als kreativer Prozess in Phasen
7. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Phasen der beiden Modelle
8. Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Trauerkrisenmodells von Kast und des Krisenmodells von Schuchardt
9. Grenzen der beiden Krisenphasenmodelle
10. Beratung in der Sozialen Arbeit
11. Bedeutung für die Soziale Arbeit
12. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht zwei zentrale Krisenphasenmodelle – das Spiralphasenmodell von Erika Schuchardt und das Trauerphasenmodell von Verena Kast – und deren Anwendbarkeit sowie Bedeutung für die professionelle Beratung in der Sozialen Arbeit. Das Hauptziel ist die Analyse der Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Grenzen dieser Modelle im Hinblick auf eine ressourcenorientierte Unterstützung von Menschen in Krisensituationen.
- Vergleichende Analyse der Krisenphasenmodelle von Kast und Schuchardt
- Sozialpsychologische Einordnung des Krisenbegriffs und verschiedener Krisenarten
- Reflexion der Bedeutung dieser Modelle für die psychosoziale Beratung
- Diskussion der Grenzen von Phasenmodellen im Kontext komplexer Lebensrealitäten
- Systemische Einordnung der Krisenberatung nach Staub-Bernasconi
Auszug aus dem Buch
4.3. Spiralphase 3: Aggression
Diese Phase läutet das Durchgangsstadium ein. Rational ist die Krise beim Betroffenen angekommen. Aber erst jetzt wird sie auch emotional wahrgenommen und dringt ins Bewusstsein ein. Es kann zu starken Gefühlsausbrüchen kommen. Die exemplarische Frage in dieser Phase ist: „Warum gerade ich?“ Da der Krisenauslöser meistens nicht angreifbar ist, kann sich die Aggression des Betroffenen gegen Außenstehende oder sich selbst richten. Durch das Bewusstwerden entsteht starker emotionaler Schmerz, der verarbeitet werden muss. Die Aggression dient als Ventil und als Versuch sich von dem Schmerz und den Emotionen zu befreien.
Für die begleitenden Menschen ist es sehr wichtig die Aggression nicht als persönliche Abwehr, sondern als notwendiges Ventil, mit dem Versuch wieder handlungsfähig zu werden zu begreifen. Sie ist notwendiger Bestandteil der emotionalen Krisenverarbeitung. Eine Abwehr oder Abkehr von der betroffenen Person bestätigt die Aggression und führt zur Isolation. (vgl. Schuchardt, 2013, S.41-42)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz der Krisenbewältigung für die Soziale Arbeit dar und führt in die zwei zu behandelnden Phasenmodelle ein.
2. Krisenbegriff: Hier wird der Krisenbegriff sozialpsychologisch definiert als ein zeitlich begrenzter Zustand der Destabilisierung, der nach neuen Bewältigungsstrategien verlangt.
3. Krisenarten: In diesem Kapitel werden unterschiedliche Kategorisierungen von Krisen vorgenommen, wie Entwicklungs-, Anforderungs- und Verlustkrisen.
4. Krisenphasenmodell nach Erika Schuchardt: Das Modell wird als achtphasiger Spiralweg dargestellt, der den Prozess von der Ungewissheit bis zur Solidarität beschreibt.
5. Trauerkrisenmodell von Verena Kast: Dieses Kapitel erläutert Kast’ Phasen der Trauerverarbeitung von der Empfindungslosigkeit bis zur Integration neuer Lebensperspektiven.
6. Krisenmodelle nach Kast: Krise als kreativer Prozess in Phasen: Kast wird hier als Modell für die Phasen des kreativen Problemlösungsprozesses vorgestellt, um Krisen als Chance zur Entwicklung zu begreifen.
7. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Phasen der beiden Modelle: Es werden direkte Parallelen zwischen den Stufen bei Schuchardt und Kast aufgezeigt, insbesondere in Bezug auf Schock, Emotionen und Verarbeitung.
8. Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Trauerkrisenmodells von Kast und des Krisenmodells von Schuchardt: Ein Vergleich der theoretischen Grundlagen (Biographieforschung vs. Traumanalyse) und der ressourcenorientierten Ausrichtung beider Autorinnen.
9. Grenzen der beiden Krisenphasenmodelle: Kritische Reflexion der idealtypischen Natur der Modelle und der Vernachlässigung von Faktoren wie der sozialen Lage.
10. Beratung in der Sozialen Arbeit: Diskussion der psychosozialen Beratung als intersubjektive Praxis und die Rolle der Fachkräfte als Prozessbegleiter.
11. Bedeutung für die Soziale Arbeit: Verortung der Modelle innerhalb systemischer Paradigmen zur Analyse sozialer Probleme und individueller Beeinträchtigungen.
12. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Modelle als hilfreiche, aber begrenzte Orientierungshilfen in der professionellen Beratung.
Schlüsselwörter
Krisenphasenmodell, Erika Schuchardt, Verena Kast, Krisenbewältigung, Soziale Arbeit, Trauerarbeit, Spiralphasen, Ressourcenorientierung, Krisenberatung, Psychosoziale Beratung, Prozessbegleitung, Systemisches Paradigma, Bewältigungsstrategien, Lebenskrise, Krisenintervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert zwei bekannte Krisenphasenmodelle und deren Relevanz für die Praxis der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Themen zählen die Definition und Arten von Krisen, die Phasenmodelle von Schuchardt und Kast sowie deren Einordnung in die psychosoziale Beratung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Grenzen der beiden Krisenmodelle und wie diese in der Beratung von Menschen in Krisen nutzbar gemacht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse der Fachliteratur und theoretische Reflexionen, um die Modelle zu vergleichen und für die Soziale Arbeit zu verorten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit ausführlich behandelt?
Der Hauptteil detailliert das Spiralphasenmodell von Schuchardt, das Trauerkrisenmodell von Kast sowie deren kritische Gegenüberstellung und Bedeutung für die professionelle Begleitung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Ausarbeitung?
Zentrale Begriffe sind Krisenphasenmodell, Ressourcenorientierung, Prozessbegleitung, systemische Soziale Arbeit und Krisenbewältigung.
Wie unterscheidet sich das Modell von Schuchardt von dem von Kast?
Während Schuchardt einen achtphasigen Spiralweg betont, der auch gesellschaftliche Kontexte einbezieht, liegt bei Kast der Fokus stärker auf dem psychologischen Trauerprozess und der Traumanalyse.
Welche Kritik übt die Arbeit an der Anwendung von Phasenmodellen?
Die Autorin kritisiert, dass diese Modelle als idealtypisch anzusehen sind und die Gefahr bergen, soziale Faktoren und individuelle Bewältigungsmöglichkeiten zu übersehen, wenn sie zu starr angewendet werden.
- Arbeit zitieren
- Adelaide Catalano (Autor:in), 2016, Krisenmodelle von Verena Kast und Erika Schuchardt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369689