Betreffen Traumata nur Betroffene, oder reichen Traumata weiter als über den einzelnen Betroffenen hinaus? Inwieweit und in welcher Form greifen die traumatischen Erlebnisse und die damit gemachten Erfahrungen aus dem zweiten Weltkrieg in unsere Gegenwart? Denn Traumata können über Generationen weitergegeben werden, vor allem wenn sie nicht verarbeitet wurden. Man spricht hier von der ''transgenerationalen Weitergabe''. Diese macht sich in persönlichen Bereichen wie Beziehungen, Lebenshaltung und Arbeit aus, sowie in kollektiven Bereichen wie zum Beispiel in unserer Außenpolitik. „Was bedeutet diese Erbschaft für unsere persönliche Identität, für unsere Familienidentität und letztlich auch für unsere gesellschaftliche Identität?'' (Bode 2009). Dieser Frage werde ich nachgehen.
Zuerst werde ich darstellen, mit welchen Erfahrungen Soldaten im 2.Weltkrieg konfrontiert waren und welche Folgen dies für sie hatte. Das Thema Shoa und die Flucht aus Polen werden dabei unverdienterweise zu kurz kommen, denn es ist ein so wichtiges wie umfangreiches Kapitel, dass es mehr Aufmerksamkeit haben sollte, dessen ich hier nicht gerecht werden kann.
In Folge werde ich über die Kriegskinder berichten. Lange Zeit wurden sie in der Literatur der Geschichte über jene Zeit kaum benannt. Aus diesem Grund bekamen Sie auch die Bezeichnung ''Die vergessene Generation''.
Im Anschluss soll es um die Erben der ''vergessenen Generation'' gehen, die Kriegsenkel. Jene Generation, die sekundär unter der Weitergabe des Traumas leiden, ohne es meist zu wissen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Soldaten im 2. Weltkrieg
Erfahrung der Soldaten
Folgen für die Soldaten
Die Seelischen Langzeitwirkungen bei den Soldaten:
Erfahrung für die Kinder (die vergessene Generation)
Folgen für die Kinder des Krieges
Erfahrungen der Kriegsenkel
Folgen für Die Kriegsenkel
Epilog / Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die transgenerationale Weitergabe von Traumata des Zweiten Weltkriegs und analysiert, wie diese unverarbeiteten Erlebnisse die Identität, das Verhalten und die psychische Gesundheit der nachfolgenden Generationen – der Kriegskinder und Kriegsenkel – bis in die Gegenwart beeinflussen.
- Psychologische Langzeitfolgen bei Soldaten des Zweiten Weltkriegs
- Die Auswirkungen der Erziehungsmethoden der "Schwarzen Pädagogik" auf die Kriegskinder
- Mechanismen der sekundären Traumatisierung bei der Generation der Kriegsenkel
- Die Bedeutung von Sprachlosigkeit und Verdrängung für die familiäre Identitätsbildung
- Perspektiven zur Überwindung transgenerationaler Belastungen durch bewusste Erinnerungskultur
Auszug aus dem Buch
Erfahrung der Soldaten
Welche Erfahrungen und Erlebnisse bringen Kriege und damit für Soldaten mit sich?
Nicht wirklich wissend, was da auf sie zukommt, verlassen Soldaten ihre Familien, und ihre Heimat und ziehen in den Krieg, ohne zu wissen, ob und in welchem Zustand sie zurück kommen.
Irgendwann sind sie mittendrin,... im Granatenfeuer, im Blut und Tod. Sie müssen sehen, wie ein Kamerad neben Ihnen erschossen wird, überströmt voller Blut neben ihnen liegt, sie nicht helfen können. Andere Menschen erschießen, Frauen vergewaltigen, Folter, Kugeln und Bomben, die um eigene Ohren fliegen. Angst, Schrecken und Brutalität im höchsten Maß werden erfahren. Der Verlust jeder Zivilisation, jeder Mitmenschlichkeit und jeder Menschlichkeit wird erfahren. Für Soldaten, die nicht den Tod erlitten, wieder heimkehren konnten, kam es während und nach dem Krieg zur Gefangenschaft, in Lagern der Kriegsgegnern. Foltern in psychischer und physischer Art, Hunger, Not waren dort meist die Erfahrung.
,,GEWALT ist eine Aggressionsart, die sich gegen das Leben richtet, in dem sie das Opfer wehrlos zu machen versucht, bzw. sich wehrlose Opfer sucht'' (vgl. Funk, Reiner: 2014:17).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept der transgenerationalen Weitergabe von Traumata ein und stellt die zentrale Frage nach deren Einfluss auf die persönliche und gesellschaftliche Identität.
Soldaten im 2. Weltkrieg: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Hintergründe und die Erziehung zur Härte, die viele Männer in den Krieg führte, sowie deren traumatische Fronterfahrungen.
Erfahrung der Soldaten: Hier werden die existenziellen Bedrohungen und die psychische Brutalität im Kriegskontext detailliert dargestellt.
Folgen für die Soldaten: Das Kapitel analysiert die psychischen Traumata und Verdrängungsmechanismen der zurückkehrenden Soldaten sowie deren Auswirkungen auf das Familienleben.
Die Seelischen Langzeitwirkungen bei den Soldaten: Eine Auflistung zentraler Symptome wie Reizbarkeit, Gewaltbereitschaft und Bindungsunfähigkeit, unter denen die Soldaten litten.
Erfahrung für die Kinder (die vergessene Generation): Untersuchung der Erziehung durch "Schwarze Pädagogik" und den Verlust von Autonomie und Vertrauen während der Kindheit im Nachkriegsdeutschland.
Folgen für die Kinder des Krieges: Darstellung der langfristigen psychischen Folgen, wie kumulative Traumata und die Schwierigkeit, als Erwachsene emotionale Bindungen aufzubauen.
Erfahrungen der Kriegsenkel: Beschreibung der sekundären Traumatisierung, bei der diffuse Ängste und eine belastete Familienatmosphäre auf die Enkelgeneration übertragen werden.
Folgen für Die Kriegsenkel: Analyse der typischen psychischen Belastungsmuster dieser Generation, geprägt von Leistungsdruck, Identitätsverlust und Blockaden.
Epilog / Fazit: Das Fazit reflektiert die Unmöglichkeit einer rein objektiven Betrachtung und betont die Notwendigkeit des bewussten Erinnerns, um den Teufelskreis der Traumata zu durchbrechen.
Schlüsselwörter
Transgenerationale Weitergabe, Zweiter Weltkrieg, Trauma, Kriegskinder, Kriegsenkel, Verdrängung, Schwarze Pädagogik, Identitätsverlust, psychische Folgen, familiäre Bindung, Sprachlosigkeit, Erinnerungskultur, sekundäres Trauma, Leistungsdruck, Bewusstwerdung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der generationsübergreifenden Weitergabe von traumatischen Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und deren Auswirkungen auf die psychische Verfassung von Kindern und Enkeln der Kriegsteilnehmer.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Krieg als Ausgangspunkt für Traumata, die Erziehungsmethoden der Nachkriegszeit, die familiäre Atmosphäre in den betroffenen Generationen und die daraus resultierenden psychischen Belastungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Der Autor geht der Frage nach, ob und in welcher Form Traumata aus dem Zweiten Weltkrieg über Generationen hinweg weitergegeben werden und wie diese Erbschaft die persönliche Identität der Nachfahren beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse fachwissenschaftlicher Literatur und Dokumentationen sowie auf die Reflexion eigener Erfahrungen im Kontext der transgenerationalen Traumaforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Situation der Soldaten, der "vergessenen Generation" der Kriegskinder und schließlich der Kriegsenkel, jeweils mit Fokus auf ihre Erfahrungen und die daraus erwachsenden Folgen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind transgenerationale Weitergabe, Trauma, Verdrängung, Schwarze Pädagogik, Identität sowie das Spannungsfeld zwischen Schweigen und Erinnern.
Warum wird die Kindergeneration als "vergessene Generation" bezeichnet?
Diese Generation wird so genannt, da ihre Erlebnisse und Traumata in der historischen Literatur und im gesellschaftlichen Bewusstsein lange Zeit kaum Beachtung fanden.
Welchen Einfluss hatte die "Schwarze Pädagogik" auf die Kinder der Kriegsteilnehmer?
Diese Erziehungsweise war geprägt von Disziplin, Gehorsam und dem Brechen des eigenen Willens, was dazu führte, dass die Kinder emotional isoliert wurden und ihre Autonomie verloren.
Was bedeutet der Begriff "Sekundärtrauma" in Bezug auf die Kriegsenkel?
Er beschreibt den Prozess, bei dem die Nachfahren durch das Zusammenleben mit traumatisierten oder emotional unerreichbaren Eltern deren unbewusste Ängste und Belastungen übernehmen, ohne das ursprüngliche Ereignis selbst erlebt zu haben.
- Arbeit zitieren
- Anja Siefert (Autor:in), 2016, Transgenerative Weitergabe von Traumata, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369898