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"Euromaidan". Ein Ausdruck des ukrainischen Nationalgefühls?

Titel: "Euromaidan". Ein Ausdruck des ukrainischen Nationalgefühls?

Bachelorarbeit , 2016 , 39 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Alexander Plattner (Autor:in)

Geschichte - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im November 2013 begannen auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, dem Maidan, Massenproteste gegen den Kurs des amtierenden Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Mitte Februar 2014 eskalierte die Gewalt zwischen Protestierenden und der Sonderpolizei, woraufhin Janukowitsch fluchtartig das Land verließ. Die Protestbewegung, die auch "Euromaidan" genannt wird, erreichte mit der Einsetzung einer Übergangsregierung aus den Reihen der Opposition am 23. Februar ihr Ziel. Dies löste eine Reihe dramatischer Ereignisse aus: Die Annexion der Krim durch Russland und der Krieg in der Ostukraine, für den noch keine endgültige Lösung gefunden worden ist.

Der Maidan wird als Ereignis von nationaler Bedeutung für die Ukraine gesehen. Eine Auseinandersetzung mit der komplexen Thematik der Nation verspricht ein besseres Verständnis der Situation in der Ukraine. Das vorliegende Buch widmet sich deshalb der Frage, ob die Euromaidan-Bewegung als Ausdruck des ukrainischen Nationalgefühls betrachtet werden kann. Dieser Fragestellung soll in folgenden Teilaspekten nachgegangen werden: Handelt es sich dabei um eine national geprägte Bewegung oder um eine Manifestation der ukrainischen Nation? Dazu wird der innerukrainische Diskurs zu nationalen Themen mit Bezügen zur Maidan-Bewegung analysiert. Dabei geht es sowohl um Diskussionen zu historischen und politischen Themen in der Ukraine als auch um Perspektiven und Sichtweisen zum Maidan selbst. Des Weiteren werden die Beweggründe der Protestbewegung im Kontext der politischen Situation zu Beginn der Proteste beleuchtet. Mit ihrer spezifisch historischen Herangehensweise versteht sich das vorliegende Buch als ein Beitrag zur Einschätzung der gesellschaftlichen Entwicklung in der Ukraine.

Aus dem Inhalt:
- Ukrainekrise;
- Maidan;
- Euromaidan;
- Revolutionäre Bewegung;
- Nationale Konflikte

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Quellen und Methoden

3 Nationale Konflikte

3.1 Maidan und nationale Konflikte

3.2 Diskurs um Sprache

3.3 Sprache und Nationalgefühl

4 Nationale Erinnerungskultur

4.1 Konkurrierende Narrative

4.2 Kiewer Rus und kulturelle Wurzeln

4.3 Kosakenmythos und das Zarenreich

4.4 Sowjetunion und „Holodomor“

4.5 Bandera und die OUN

4.6 Geschichte und Nationalgefühl

5 Revolutionäre Bewegung „Euromaidan“

5.1 Von der Orangenen Revolution bis zum Maidan

5.2 Politische Akteure der Maidan-Bewegung

5.3 Putsch oder „Revolution der Würde“

5.4 Charakter des Maidans

5.5 Ausdruck des Nationalgefühls?

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die Euromaidan-Bewegung als Ausdruck des ukrainischen Nationalgefühls betrachtet werden kann, indem sie den innerukrainischen Diskurs, historische Narrative und die politischen Beweggründe der Proteste analysiert.

  • Analyse des innerukrainischen nationalen Diskurses
  • Untersuchung historischer Erinnerungskulturen als Identitätsstifter
  • Einordnung der Maidan-Bewegung mittels nationalismus-theoretischer Ansätze
  • Beleuchtung der politischen Akteure und Interessenkonflikte
  • Bewertung des Einflusses nationaler Narrative auf die gesellschaftliche Spaltung

Auszug aus dem Buch

4.5 Bandera und die OUN

Ein weiterer, besonders kritischer Teil ukrainischer Geschichte, die sich im Narrativ massiv von der russischen unterscheidet, ist die Rolle der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), und ihres militärischen Arms, der Ukrainischen Aufstandsarmee – kurz UPA. Überall präsent ist der Anführer der UPA, Stepan Bandera. Dieser kämpfte in unterschiedlichen Koalitionen, zeitweise gemeinsam mit der Deutschen Wehrmacht, mit dem Ziel, einen unabhängigen ukrainischen Staat zu gründen. Nachdem dieses Thema in der Sowjetunion lange Zeit quasi Tabu gewesen war, ist seit 1991 eine historische Diskussion zu diesem Thema entbrannt. Denn die Neubewertung der Rolle Banderas und der OUN hängt auch mit der veränderten Interpretation des sowjetischen Narrativs zum Vaterländischen Krieg in der Ukraine zusammen.

Auch auf dem Maidan tauchten nicht nur die rot-schwarzen Flaggen auf, die auf die OUN zurückgehen, sondern auch Bilder von Stepan Bandera. Seit Jahren werden in der Ukraine Bandera-Denkmäler errichtet und Straßennamen in Lwiw nach Märtyrern der UPA benannt. Auch hier zeigt sich eine deutliche Spaltung in grundsätzlich diametralen Ansichten zu diesem historischen Thema. Während im Osten und Süden des Landes eine Mehrheit die historische Person Bandera negativ bewertet, verhält es sich in der Westukraine anders. Bandera wird dort von rund 40% der Befragten positiv gesehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, ob die Euromaidan-Bewegung als Manifestation des ukrainischen Nationalgefühls zu verstehen ist, eingebettet in den Kontext der Ukrainekrise.

2 Quellen und Methoden: Erläuterung des methodischen Vorgehens, das auf einer Kombination aus Diskursanalyse, Auswertung empirischer Daten und nationalismus-theoretischer Reflexion basiert.

3 Nationale Konflikte: Untersuchung des Sprachenstreits und der nationalen Konfliktpotenziale, die als Ausgangspunkt für die Spannungen im Land identifiziert werden.

4 Nationale Erinnerungskultur: Detaillierte Analyse historischer Mythen und Narrative (Kiewer Rus, Kosaken, Holodomor, OUN/Bandera), die die ukrainische Identität prägen und von Russland abgrenzen.

5 Revolutionäre Bewegung „Euromaidan“: Analyse der politischen Akteure, der Vorgeschichte seit 2004 und der theoretischen Einordnung des Maidans als Ausdruck eines verletzten Nationalgefühls.

6 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass der Maidan zwar nationale Gefühle mobilisierte, aber primär durch eine zivilgesellschaftliche Bewegung getragen wurde, während die Nationswerdung ein fortlaufender, konfliktbeladener Prozess bleibt.

Schlüsselwörter

Euromaidan, Ukraine, Nationalgefühl, Identität, Erinnerungskultur, Nationalismus, Diskursanalyse, Holodomor, Stepan Bandera, Unabhängigkeit, Russland, Zivilgesellschaft, Narrative, Historie, Konfliktpotenzial.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, inwieweit die Euromaidan-Proteste ab Ende 2013 als Ausdruck eines ukrainischen Nationalgefühls gedeutet werden können.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind der innerukrainische nationale Diskurs, die Bedeutung historischer Erinnerungskulturen sowie die politischen Hintergründe und Akteure der Maidan-Bewegung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es zu klären, ob die Proteste als Manifestation der ukrainischen Nation oder als Ausdruck eines durch russische Einflüsse verletzten Nationalgefühls zu interpretieren sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert die Analyse von Zeitungsdiskursen und politischen Dokumenten mit der Auswertung empirischer sozialwissenschaftlicher Daten und reflektiert diese anhand nationalismus-theoretischer Ansätze.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Narrative (wie den Holodomor oder die Rolle der OUN), die zur Identitätsbildung beitragen, und untersucht die politischen Akteure sowie die Ereignisse rund um den Sturz von Präsident Janukowitsch.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Euromaidan, Nationalgefühl, Erinnerungskultur, historische Narrative und die Identitätsabgrenzung gegenüber Russland.

Welche Rolle spielt der Historikerstreit in der Ukraine?

Der Streit um historische Deutungen, insbesondere in Bezug auf die Sowjetzeit und Persönlichkeiten wie Stepan Bandera, ist zentral für das ukrainische Selbstverständnis und dient der Abgrenzung gegenüber russischen Meistererzählungen.

Wie bewertet der Autor die Rolle der extremen Rechten auf dem Maidan?

Die extremen rechten Kräfte, wie die Partei Swoboda, werden als Randerscheinung eingestuft, die zwar bei den Protesten präsent war, aber nicht die führenden politischen Kräfte oder die breite Zivilgesellschaft repräsentierte.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Euromaidan". Ein Ausdruck des ukrainischen Nationalgefühls?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Historisches Institut)
Note
1,7
Autor
Alexander Plattner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
39
Katalognummer
V369899
ISBN (eBook)
9783668491878
ISBN (Buch)
9783960950905
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalismus Euromaidan Ukrainekonflikt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Alexander Plattner (Autor:in), 2016, "Euromaidan". Ein Ausdruck des ukrainischen Nationalgefühls?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/369899
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  39  Seiten
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