Bürgerversicherung versus Kopfpauschale


Hausarbeit, 2004

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

1. Das deutsche Gesundheitssystem steht am Scheideweg

2. Die Entwicklung der Krankenversicherung bis zur heutigen Problematik
2.1. Die geschichtliche Entwicklung der Krankenversicherung
2.2. Das heutige System der Krankenversicherung
2.3. Die aktuelle Problematik

3. Die Reformvorschläge
3.1. Die Bürgerversicherung
3.2. Die Kopfpauschale

4. Bürgerversicherung und Kopfpauschale in der Diskussion
4.1. Solidarität – Ein Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens
4.2. Gerechtigkeit für alle?
4.3. Rechtliche Umsetzbarkeit
4.4. Wettbewerb bringt Preis- und Qualitätsvorteile
4.5. Das demographische Problem gefährdet die soziale Sicherheit
4.6. Der Verwaltungs- und Kontrollaufwand der Systeme
4.7. Entlastung der Arbeitskosten schafft Arbeitsplätze

5. Das optimale Modell - Synthese zwischen Bürgerversicherung & Kopfpauschale

6. Der ideale Weg – Gibt es ihn überhaupt?

Literaturverzeichnis

1. Das deutsche Gesundheitssystem steht am Scheideweg

Das Gesundheitssystem in Deutschland kann mit einem Kranken verglichen werden. So sind viele Therapien am Anfang erst unwirksam, doch in Nachhinein kommt es zu einer gewünschten Besserung. Diese Analogie passt auf das Gesundheitssystem. Es wird von Kostenexplosionen und immer weiter ansteigenden Beiträgen gesprochen, worauf die Politik mit kosmetischen Kurzfristmaßnahmen reagiert. Der Mut zur wirklichen Veränderung des Systems scheint jedoch nur langsam zu wachsen.

Mit der Erkenntnis, dass weitreichende Reformen zwingend erforderlich sind, wurden durch die Rürup-Kommission zwei unterschiedliche Hauptalternativen ins Spiel gebracht, die Bürgerversicherung und die Kopfpauschale. Bei allen noch zu erläuternden Unterschieden ist diesen Reformmodellen eines gemein, sie würden das gegenwärtige Krankensystem grundlegend verändern. Im Folgenden sollen die Modelle kurz skizziert und analysiert werden. Im Anschluss daran wird ein alternativer Mittelweg, eine Synthese der beiden Konzepte, vorgestellt.

Bei der Bearbeitung war auffällig, dass sich aufgrund der Brisanz und der gesellschaftlichen Bedeutung unzählige Politiker, Professoren und andere Interessengruppen mit dem Thema beschäftigen. Somit ist ein enormes Literaturangebot zu finden, was jedoch zum größten Teil angesichts der Aktualität auf Internetquellen beruht.

2. Die Entwicklung der Krankenversicherung bis zur heutigen Problematik

Die gesetzliche Krankenversicherung ist Teil unseres Gesundheitssystems und blickt auf eine lange Historie zurück. Sie ist neben der Renten-, Arbeitslosen-, Unfall- und Pflegeversicherung fester Bestandteil des deutschen Sozialversicherungs­systems, welches die soziale Sicherung in Deutschland gewährleistet.

2.1. Die geschichtliche Entwicklung der Krankenversicherung

Das heutige Sozialsystem beruht auf der sozialen Gesetzgebung von Bismarck aus dem Jahr 1883. Im folgenden Jahrhundert ist das System weiterentwickelt worden, so entstand unter anderem das Lohnfortzahlungsgesetz, welches die Pflicht zur Fort­zahlung des Lohns im Krankheitsfall weitestgehend auf den Arbeitgeber über­trägt. Die Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs waren von stetigen Leistungsver­besserungen geprägt, zudem wurde der Kreis der Versicherten um Studenten, selbstständige Landwirte und Künstler erweitert. In den kommenden Jahren musste den ansteigenden Kosten aufgrund der erhöhten Leistungsausgaben entgegenentwirkt werden. Trotz der Etablierung der gesetz­lichen Pflegever­sicherung im Jahre 1995 folgten weitere Reformen zur Sicherung der sozialen Versorgung und somit unter anderem der gesetzlichen Krankenver­sicherung.[1]

2.2. Das heutige System der Krankenversicherung

Die Krankenversicherung, die in GKV und PKV unterteilt ist, bietet den Ver­sicherten Erstattungen der Kosten für die Behandlung nach Unfällen, bei Erkran­kung und bei Mutterschaft. Sie ist Teil des Gesundheitssystems. Die Wahl einer Krankenkasse ist von der jeweiligen persönlichen Situation abhängig.

In der GKV sind alle Arbeitnehmer bis zu einer Beitragsbemessungsgrenze von aktuell 3487,50 Euro versicherungspflichtig. Zudem sind in der solidarisch ge­prägten GKV noch Arbeitslose, Rentner und teilweise auch Selbstständige ver­sichert. Der Beitrag bemisst sich am Bruttolohn, der zu jeweils 50 Prozent vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert wird. Im Gegensatz dazu bezahlen frei­willig Versicherte den kompletten Beitrag. Zurzeit gibt es ca. 290 gesetzliche Krankenkassen,[2] in denen ca. 90 % der Bevölkerung, das heißt etwa 72 Millionen Bürger, versichert sind.[3] Diese finanzieren sich zum größten Teil durch die Bei­träge der Mitglieder. Zusätzlich erlangen die Krankenkassen weitere Einnahmen durch Eigenbeteiligung oder Praxisgebühr, welche dann auf die drei Säulen, Primärversorgung, Akutversorgung und Nachsorge, verteilt werden.[4]

Ab der Beitragsbemessungsgrenze besteht die Möglichkeit sich freiwillig gesetz­lich oder privat zu versichern. Leitende Angestellte, Selbstständige und Beamte bilden dabei das Hauptklientel der PKV, deren Beitrag sich nach der jeweiligen persönlichen Situation, wie zum Beispiel Alter, Geschlecht oder Gesundheitszu­stand, richtet. Die PKV ist aus dem Solidaritätsprinzip ausgegliedert und bietet somit einen individuellen Versicherungsschutz. Folglich kann sie Interessenten ablehnen oder deutlich erhöhte Prämien abverlangen, welches ihr ermöglicht, mehrere Leistungen ohne Zuzahlung anzubieten.

2.3. Die aktuelle Problematik

Aufgrund nachfolgender Faktoren ergibt sich die Notwendigkeit von Reformen, um auch in Zukunft die soziale Sicherheit nicht zu gefährden.

Das größte Problem hängt mit der demographischen Entwicklung zusammen. Diese wird durch aktuell niedrige Geburtenraten, der steigenden Lebenserwartung auf 83,7 bei Männern bzw. 88,8 Jahre bei Frauen im Jahre 2050, sowie der Zahl der Erwerbstätigen, die von aktuell 52 Millionen auf 37 Millionen im Jahre 2050 sinken wird, beeinflusst.[5] Folglich stehen immer weniger Einzahler mehr Be­ziehern gegenüber.

Die Problematik wird zudem noch durch die nachfolgende Altersstruktur verdeutlicht. Hier ist zu erkennen, dass weniger Geburten mehr Älteren gegenüberstehen. Es ist außerdem ein tendenziell steigendes Durchschnittsalter zu erkennen.

Abbildung 1: Altersstruktur 2001 Abbildung 2: Altersstruktur 2050

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Destatis: Alterspyramiden Quelle: Destatis: Alterspyramiden

Weitere negative Faktoren sind auf der einen Seite die hohe Arbeitslosigkeit, die aktuell bei 10,5 % liegt[6] und somit weniger Einnahmen zur Folge hat. Auf der anderen Seite führt die immer besser werdende Technik, aus der teurere Be­handlungsalternativen resultieren, zusammen mit den steigenden Verwaltungs­kosten zu einem enormen Ausgabenüberschuss. Infolge dieser Problematik stieg der Beitragssatz von 8,2 % im Jahr 1970[7] auf aktuell 14,3 %[8] an und wird dieses wahrscheinlich auch weiterhin tun.

Hieraus ergibt sich ein Teufelskreis, da höhere Beitragssätze zu ansteigenden Lohnnebenkosten führen, die sich wiederum negativ auf den Arbeitsmarkt aus­wirken und weitere Arbeitslosigkeit mit resultierenden Beitragseinbußen zur Folge haben.

Neben den Finanzierungsproblemen gibt es zusätzlich noch Gerechtigkeitslücken, da durch die aktuelle Trennung zwischen PKV und GKV keine Solidarität herrscht. So können zum Beispiel gut verdienende junge Leute die Solidargemeinschaft durch den Beitritt in die PKV verlassen. Aufgrund des Ablehnungsrechts der PKV gegenüber Alten oder Kranken und der Pflicht der GKV, alle zu versichern, ent­steht ein ungleicher Wettbewerb.[9]

Zudem geht das aktuelle System nicht auf Verschiebung der Einkommensstruktur ein und ist somit altmodisch. Dieses wird dadurch deutlich, dass seit den 80er Jahren die Lohnquote stagniert und andere Einkommensarten am Volkseinkom­men steigen.[10]

[...]


[1] Vgl.: Deutsche Sozialversicherung Europavertretung: Krankenversicherung.

[2] Vgl.: BKK: Jahren, 2004.

[3] Vgl.: Statistisches Bundesamt: Krankenversicherung.

[4] Vgl.: Kuratorium zur Förderung deutscher Medizin im Ausland e.V.: Gesundheitssystem.

[5] Vgl.: Schneider: Bericht, S. 1.

[6] Vgl.: BMWI: Lage, 2004.

[7] Vgl.: Walter, Manfred: Entwicklung.

[8] Vgl.: Holzbach: Bekanntmachung.

[9] Vgl.: Sehlen/Schräder/Schiffhorst: Bürgerversicherung, S. 14.

[10] Vgl.: Bündnis 90/Die Grünen: Bürgerversicherung, S. 6/7.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Bürgerversicherung versus Kopfpauschale
Hochschule
Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta-Diepholz-Oldenburg; Abt. Vechta
Note
2,0
Autoren
Jahr
2004
Seiten
30
Katalognummer
V37029
ISBN (eBook)
9783638364959
ISBN (Buch)
9783638692397
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bürgerversicherung versus Kopfpauschale - Eine Analyse aus sozialpolitischer Sicht -
Schlagworte
Bürgerversicherung, Kopfpauschale
Arbeit zitieren
Timo Seggelmann (Autor)M. Bieling (Autor)T. Heide (Autor), 2004, Bürgerversicherung versus Kopfpauschale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37029

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