Split-Brain-Patienten werden schon seit über 70 Jahren erforscht und auch die Frage nach dem Bewusstsein dieser Patienten ist von großer Bedeutung für die psychologische Forschung. Das Gehirn der Patienten ist in der Mitte, am Corpus Callosum durchtrennt, weshalb sie zwei Hemisphären besitzen. Aber besitzen sie somit auch ein zweigeteiltes Bewusstsein?
Es ist meiner Meinung nach schwer vorstellbar aber auch interessant, dass ein Mensch zwei Bewusstseinsebenen besitzen und damit auch umgehen kann. Daher möchte ich herausfinden, wie genau das Bewusstsein von Split-Brain-Patienten funktioniert. Hierzu sind verschiedene Schritte notwendig. Als erstes erläutere ich das psychische Phänomen „Bewusstsein“ und gehe dabei auf die Heterogenität des Begriffs und auf Erklärungsansätze ein. Zudem stelle ich kurz einige psychologische Befunde der Bewusstseinsforschung dar. Dazu verwende ich das Lehrbuch „Allgemeine Psychologie“ von Jochen Müsseler. Im nächsten Schritt beschreibe ich ausführlich die Symptome von Split-Brain-Patienten unter besonderer Berücksichtigung des Bewusstseins. Hier entnehme ich die Informationen aus dem Forschungsartikel „Die beiden Gehirne des Menschen von Roger W. Sperry und Bruno Preilowski und den Zeitungsartikeln „The Split Brain Revisited“ und „Forty-five years of split-brain research and still going strong“ von Michael S. Gazzaniga.
Mit diesen Informationen möchte ich schließlich erklären, wie das Bewusstsein von Split-Brain-Patienten funktioniert und wie sie damit im Alltag umgehen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Zusammenfassung
2 Vorbemerkung
3 Bewusstsein
3.1 Bewusstsein - Ein Heterogener Begriff
3.2 Selektive Aufmerksamkeit im Fokus der Bewusstseinsforschung
3.3 Neuropsychologische Befunde
4 Split-Brain Patienten
4.1 Funktionen der Hemisphären des Gehirns
4.2 Symptome von Split-Brain Patienten
5 Das Bewusstsein von Split-Brain Patienten
5.1 Kriterien für das Vorhandensein des Bewusstseins bei Split-Brain Patienten
5.2 Arten des Bewusstseins bei Split-Brain Patienten
5.3 Split-Brain Patienten im Vergleich zu visuellen Bewusstseinsstörungen
5.4 Hat jede Hemisphäre ihr eigenes Selbst?
6 Resumé
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische Fragestellung, ob bei Split-Brain-Patienten, deren Corpus Callosum operativ durchtrennt wurde, tatsächlich zwei voneinander unabhängige Bewusstseinsebenen existieren und wie diese mit den alltäglichen Anforderungen interagieren.
- Neuropsychologische Grundlagen des Bewusstseinsbegriffs
- Funktionale Trennung der Gehirnhemisphären
- Symptomatologie und Verhalten bei Split-Brain-Patienten
- Analyse der Bewusstseinsformen nach Ned Block im Split-Brain-Kontext
- Vergleich zu anderen visuellen Bewusstseinsstörungen wie Blindsicht
Auszug aus dem Buch
4.2 Symptome von Split-Brain Patienten
Was geschieht nun, wenn man den Corpus Callosum operativ durchtrennt? In den dreißiger Jahren hat man erstmals diese Operation bei Epileptikern versucht, um das Übergreifen der Anfälle von der geschädigten auf die gesunde Hirnhälfte zu verhindern. Auffällig war aber, dass die Patienten scheinbar keine Nebenerscheinungen hatten. Doch durch verschiedene Untersuchungen der Forscher wurde schnell deutlich, dass es eine Vielzahl von Symptomen gibt.
Nach der operativen Trennung besitzt jede Hemisphäre ihre eigenen Kenntnisfunktionen, Wahrnehmungen, Empfindungen und Erinnerungen. Die Forscher meinen sogar, dass jede Gehirnhälfte ihre eigene „geistige Welt“ (Sperry & Preilowski, 1972, S. 922) besitzt. Da der normale Informationsaustausch fehlt, sind Split-Brain Patienten zum Beispiel nicht in der Lage, Objekte wiederzuerkennen, die sie gerade erst gesehen haben, wenn die visuelle Darbietung isoliert in verschiedenen Gesichtsfeldhälften erfolgt.
Da das Sprachzentrum nur in der linken Hemisphäre liegt, haben Split-Brain Patienten in bestimmten Situationen Probleme bei der Benennung von Objekten. Wenn wir ein Objekt nur mit dem rechten Auge sehen, nehmen wir es in der linken Gehirnhälfte wahr. Normalerweise können wir diese Objekte auch bezeichnen, da sich Nervenfasern kreuz und quer durch die verschiedenen Hirnzentren ziehen und auch ins Sprachzentrum, also in die andere Hemisphäre, gelangen. Doch Split-Brain Patienten können einen Gegenstand, den sie nur mit dem linken Auge sehen und in der rechten Gehirnhälfte wahrnehmen, nicht benennen, da die Nervenfasern nicht mehr bis zum Sprachzentrum gelangen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zusammenfassung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die funktionelle Isolation der Hemisphären nach der Durchtrennung des Corpus Callosum und die daraus resultierenden zwei Bewusstseinsebenen.
2 Vorbemerkung: Die Autorin erläutert ihre Motivation, die funktionale Anatomie des menschlichen Gehirns in Bezug auf die Bewusstseinsspaltung bei Split-Brain-Patienten zu erforschen.
3 Bewusstsein: Hier werden theoretische Grundlagen des Bewusstseins, einschließlich seiner Heterogenität, sowie Aufmerksamkeitsprozesse und neuropsychologische Befunde dargelegt.
4 Split-Brain Patienten: Dieses Kapitel beschreibt die anatomischen Funktionen der Hemisphären und die spezifischen Symptome, die nach der operativen Trennung auftreten.
5 Das Bewusstsein von Split-Brain Patienten: Der Hauptteil analysiert, inwiefern bekannte Bewusstseinskriterien und die Klassifizierung nach Block auf die isolierten Hemisphären zutreffen.
6 Resumé: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass trotz zweier potenzieller Bewusstseinsebenen im Alltag aufgrund der ähnlichen Umweltwahrnehmung meist kaum Einschränkungen bemerkbar sind.
Schlüsselwörter
Split-Brain, Corpus Callosum, Bewusstsein, Hemisphären, Neuropsychologie, Hirnfunktionen, Sprachzentrum, Selbstwahrnehmung, kognitive Prozesse, visuelle Agnosie, Blindsicht, geistige Welt, Informationsverarbeitung, Gedächtnis, Wahrnehmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Bewusstseins bei Patienten, deren Corpus Callosum – die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften – operativ durchtrennt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die neuropsychologische Definition von Bewusstsein, die funktionale Trennung des Gehirns und die empirischen Beobachtungen bei Patienten nach einer Split-Brain-Operation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob Split-Brain-Patienten tatsächlich ein zweigeteiltes Bewusstsein besitzen und wie sich dieses im Alltag äußert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, indem sie psychologische Lehrbücher und einschlägige Forschungsartikel (u.a. von Sperry und Gazzaniga) vergleicht und synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Symptome der Patienten beschrieben und auf Basis von Bewusstseinskriterien sowie der Klassifikation nach Ned Block untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Split-Brain, Corpus Callosum, Hemisphären, Selbstwahrnehmung und neuropsychologische Bewusstseinsforschung.
Warum können Split-Brain-Patienten bestimmte Objekte nicht benennen?
Da das Sprachzentrum primär in der linken Hemisphäre lokalisiert ist, kann die rechte Gehirnhälfte visuelle Reize zwar verarbeiten, die Information jedoch nicht verbal über das Sprachzentrum ausdrücken.
Erleben Split-Brain-Patienten eine einheitliche Identität?
Trotz der operativen Trennung nehmen Patienten oft eine einheitliche Identität wahr, da beide Hemisphären in der Regel die gleiche Umwelt erfahren und somit weitgehend deckungsgleiche Erfahrungen sammeln.
- Arbeit zitieren
- Angelina Störzer (Autor:in), 2016, Das Bewusstsein von Split-Brain-Patienten. Neuropsychologische Befunde, Funktionen der Hemisphären des Gehirns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/370773